Paranussöl – Wirkung, Anwendung für Haut, Haare und Küche

Zuletzt aktualisiert: 18.02.26

Paranussöl ist ein hochwertiges Pflanzenöl, das aus den Samen des Paranussbaums (Bertholletia excelsa) gewonnen wird. Der Paranussbaum gehört zu den mächtigsten Bäumen des Amazonas-Regenwaldes und kann eine Höhe von über 50 Metern erreichen. Seine Nüsse – botanisch betrachtet Samen einer Kapselfrucht – zählen zu den nährstoffreichsten Lebensmitteln der Welt. Das daraus gewonnene Öl vereint eine außergewöhnliche Nährstoffdichte mit hervorragenden Pflegeeigenschaften.

Paranussöl zeichnet sich durch einen hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren aus, insbesondere Ölsäure (Omega-9) und Linolsäure (Omega-6). Es ist eines der selenreichsten pflanzlichen Öle überhaupt – ein Spurenelement, das eine zentrale Rolle für Schilddrüsenfunktion, Immunsystem und antioxidativen Schutz spielt.[1] Darüber hinaus enthält es nennenswerte Mengen an Vitamin E, Phytosterolen und Squalen.

Paranussöl – kaltgepresstes Bio-Paranussöl in einer Flasche

In der Kosmetik wird Paranussöl als reichhaltiges Pflege- und Trägeröl geschätzt, in der Küche überzeugt es mit einem mild-nussigen Aroma. Dieser Ratgeber bietet Ihnen einen wissenschaftlich fundierten Überblick über Gewinnung, Inhaltsstoffe, Wirkung, Anwendungsgebiete sowie Vor- und Nachteile von Paranussöl.

Warum ist Paranussöl so besonders?

Paranussöl hebt sich in mehreren Punkten von anderen Pflanzenölen ab:

  • Selengehalt: Die Paranuss ist die reichste natürliche Selenquelle. Auch das Öl enthält – je nach Pressverfahren – relevante Selenmengen. Selen ist ein essenzielles Spurenelement mit antioxidativer, schilddrüsenregulierender und immunstärkender Funktion.[1]
  • Ausgewogenes Fettsäureprofil: Mit rund 40 % Ölsäure und 30 % Linolsäure bietet Paranussöl ein günstiges Verhältnis ungesättigter Fettsäuren, das die Hautbarriere stärkt und entzündungshemmend wirken kann.[2]
  • Nachhaltigkeit: Paranüsse werden fast ausschließlich wild geerntet, nicht in Plantagen angebaut. Die Ernte sichert das Einkommen indigener Gemeinschaften und schafft wirtschaftliche Anreize zum Erhalt des Amazonas-Regenwaldes.[3]
  • Vielseitigkeit: Ob als Gesichts- und Körperöl, in der Haarpflege, als Gourmet-Speiseöl oder als Basis für Naturkosmetik – Paranussöl lässt sich äußerst vielseitig einsetzen.

Gewinnung von Paranussöl

Von der Wildsammlung zum Öl

Der Paranussbaum (Bertholletia excelsa) wächst ausschließlich im tropischen Regenwald Südamerikas – vor allem in Brasilien, Bolivien und Peru. Er lässt sich nicht in Monokultur anbauen, da seine Bestäubung auf spezifische Bienenarten und ein intaktes Ökosystem angewiesen ist. Die Paranüsse werden daher nahezu ausschließlich wild gesammelt, meist von lokalen und indigenen Gemeinschaften.

Die Früchte des Paranussbaums sind kugelförmige Kapseln (sogenannte „Ouriços") mit einem Durchmesser von 10–15 cm und einem Gewicht von bis zu 2 kg. Jede Kapsel enthält 12–25 dreieckige Samen – die eigentlichen Paranüsse. Nach dem natürlichen Herabfallen der Früchte werden sie gesammelt, geöffnet und die Samen entnommen.

Herstellungsverfahren

Für die Ölgewinnung stehen zwei Methoden zur Verfügung:

  1. Kaltpressung (nativ): Die Paranüsse werden geschält, schonend getrocknet und bei niedrigen Temperaturen (unter 40 °C) mechanisch gepresst. Dieses Verfahren bewahrt die hitzeempfindlichen Nährstoffe – insbesondere Vitamin E, Squalen, Phytosterole und Selen – sowie das charakteristisch nussige Aroma. Kaltgepresstes Paranussöl gilt als die hochwertigste Variante und wird sowohl in der Küche als auch in der Kosmetik eingesetzt.
  2. Raffination: Bei der industriellen Gewinnung wird das Öl mithilfe von Lösungsmitteln oder höheren Temperaturen extrahiert und anschließend gebleicht und desodoriert. Raffiniertes Paranussöl ist geschmacksneutral und länger haltbar, enthält jedoch deutlich weniger bioaktive Inhaltsstoffe als die kaltgepresste Variante. Es findet hauptsächlich in der Lebensmittelindustrie und als Basisöl in konventioneller Kosmetik Verwendung. Mehr über die Unterschiede zwischen kaltgepresstem und raffiniertem Öl erfahren Sie in unserem Ratgeber.

Nachhaltigkeit und Regenwaldschutz

Die Wildsammlung von Paranüssen gilt als eines der Paradebeispiele für nachhaltige Waldnutzung. Da der Paranussbaum nur in intakten Regenwäldern gedeiht, schafft die Ernte einen direkten wirtschaftlichen Anreiz, den Wald nicht zu roden. Studien zeigen, dass Paranuss-Sammelgebiete signifikant niedrigere Entwaldungsraten aufweisen als vergleichbare Regionen ohne diese Nutzung.[3]

Beim Kauf von Paranussöl empfiehlt es sich, auf Bio-Zertifizierung und Fair-Trade-Siegel zu achten. Diese stellen sicher, dass die Wildsammlung unter nachhaltigen Bedingungen stattfindet und die Sammlergemeinschaften fair entlohnt werden.

Paranussöl Nährwerte, Kalorien und Inhaltsstoffe

Paranussöl ist ein nährstoffreiches Öl mit einem für die Haut- und Gesundheitspflege vorteilhaften Fettsäureprofil. Im Vergleich zu vielen anderen Pflanzenölen besticht es durch seinen hohen Gehalt an Ölsäure, Vitamin E und Selen.

Paranussöl
Paranussöl Nährwerte
100 g Paranussöl enthält durchschnittlich:
NährstoffMenge
Kalorien884 kcal (3.699 kJ)
Fettgehalt100 g
Gesättigte Fettsäuren24–25 g
– davon Palmitinsäure (C16:0)ca. 15–16 g
– davon Stearinsäure (C18:0)ca. 8–10 g
Einfach ungesättigte Fettsäurenca. 38–42 g
– davon Ölsäure (Omega-9, C18:1)ca. 38–42 g
Mehrfach ungesättigte Fettsäurenca. 30–35 g
– davon Linolsäure (Omega-6, C18:2)ca. 30–34 g
– davon Alpha-Linolensäure (Omega-3, C18:3)ca. 0,1–0,3 g
Cholesterin0 mg
Natrium0 mg
Kohlenhydrate0 g
Ballaststoffe0 g
Zucker0 g
Protein0 g
Vitamin E (Tocopherole)ca. 7–12 mg
Selen (im kaltgepressten Öl)variabel, bis ca. 25 µg
Squalenca. 100–150 mg
Phytosteroleca. 200–300 mg
Rauchpunktca. 200 °C (nativ), ca. 230 °C (raffiniert)

Das Fettsäureprofil von Paranussöl ähnelt dem von Erdnussöl oder Sesamöl, mit einem höheren Anteil an Linolsäure. Die Kombination aus Ölsäure, Linolsäure und einem vergleichsweise hohen Vitamin-E-Gehalt macht es besonders wertvoll für die Hautpflege.[2] Der Squalengehalt übertrifft den der meisten Pflanzenöle und trägt zur feuchtigkeitsspendenden Wirkung bei.

Wirkung von Paranussöl

Die gesundheitliche und kosmetische Wirkung von Paranussöl beruht auf dem Zusammenspiel seiner Fettsäuren, Antioxidantien und Mikronährstoffe. Die wichtigsten wissenschaftlich untersuchten Wirkungen sind:

  • Antioxidative Wirkung: Paranussöl enthält Vitamin E (Tocopherole), Squalen und Selen – drei potente Antioxidantien, die freie Radikale neutralisieren und Zellen vor oxidativem Stress schützen. Selen ist dabei ein essenzieller Cofaktor des körpereigenen Enzyms Glutathionperoxidase, eines der wichtigsten antioxidativen Schutzsysteme des Körpers.[4]
  • Entzündungshemmende Wirkung: Der hohe Gehalt an Ölsäure und Linolsäure kann entzündliche Prozesse in Haut und Körper modulieren. Eine Studie von Cardoso et al. (2016) zeigte, dass die bioaktiven Verbindungen der Paranuss antientzündliche Signalwege aktivieren können.[5]
  • Hautbarriere-Stärkung: Linolsäure ist ein essenzieller Bestandteil der Ceramide in der Hautbarriere. Ein Mangel an Linolsäure führt zu einer gestörten Barrierefunktion, trockener Haut und erhöhtem transepidermalen Wasserverlust. Paranussöl kann als linolsäurereiches Öl die Barrierefunktion der Haut unterstützen und Feuchtigkeit einschließen.[6]
  • Schilddrüsenunterstützung: Selen ist für die Umwandlung des Schilddrüsenhormons T4 in die aktive Form T3 notwendig. Eine Supplementierung mit Paranüssen konnte in Studien den Selenstatus signifikant verbessern und die Schilddrüsenfunktion unterstützen.[7]
  • Feuchtigkeitsspendende Wirkung: Squalen – ein natürlicher Bestandteil des Hauttalgs – macht Paranussöl zu einem hervorragenden Emollient. Es zieht gut ein, hinterlässt keinen schweren Fettfilm und versorgt die Haut tiefenwirksam mit Feuchtigkeit.[8]
  • Kardiovaskuläre Wirkung: Die Kombination aus ungesättigten Fettsäuren, Phytosterolen und Selen kann sich positiv auf das Lipidprofil auswirken. Eine randomisierte Studie zeigte, dass bereits der Verzehr einer einzelnen Portion Paranüsse das LDL-Cholesterin senken und das HDL-Cholesterin verbessern kann – ein Effekt, der mindestens 30 Tage anhielt.[9]

Anwendungsgebiete von Paranussöl

Paranussöl für die Haut

Paranussöl ist ein ausgezeichnetes Hautpflegeöl, das sich für verschiedene Hauttypen eignet. Im Gegensatz zu Kokosöl, das als stark komedogen gilt, hat Paranussöl einen niedrigeren Komedogenitätsgrad (ca. 2) und eignet sich daher auch für Mischhaut.

  1. Gesichtspflege: Als leichtes Gesichtsöl versorgt Paranussöl die Haut mit Feuchtigkeit, ohne die Poren zu verstopfen. Der hohe Linolsäure-Anteil kann bei unreiner Haut regulierend wirken, da ein Linolsäure-Mangel in der Haut mit der Entstehung von Akne in Verbindung gebracht wird.[6] Für ein reines Gesichtsöl einige Tropfen abends auf die gereinigte Haut auftragen und sanft einmassieren.
  2. Körperpflege: Paranussöl zieht schnell ein und hinterlässt ein weiches, nicht fettiges Hautgefühl. Es eignet sich besonders für trockene, rissige oder strapazierte Haut an Ellbogen, Knien und Fersen. Nach dem Duschen auf die noch leicht feuchte Haut auftragen, um die Feuchtigkeit einzuschließen.
  3. Anti-Aging-Pflege: Die Kombination aus Vitamin E, Squalen und Selen macht Paranussöl zu einem wirksamen Anti-Aging-Öl. Diese Antioxidantien schützen vor UV-bedingter Hautalterung (Photoaging) und können das Erscheinungsbild feiner Linien verbessern.[4]
  4. Narbenpflege: Regelmäßig auf Narbengewebe aufgetragen, kann Paranussöl die Elastizität und Geschmeidigkeit der Haut verbessern. Die hautregenerierenden Eigenschaften von Vitamin E unterstützen diesen Prozess.
  5. Lippenpflege: Als natürlicher Lippenbalsam pflegt Paranussöl trockene, spröde Lippen und schützt vor dem Austrocknen. Es kann pur oder als Basis für selbstgemachte Lippenpflege-Rezepte verwendet werden.

Tipp: Für empfindliche Gesichtshaut, die auf Paranussöl nicht optimal reagiert, sind Jojobaöl oder Arganöl noch leichtere Alternativen.

Paranussöl für die Haare

In Südamerika wird Paranussöl seit Generationen für die Haarpflege verwendet. Der hohe Gehalt an Ölsäure und Vitamin E pflegt das Haar intensiv und verleiht ihm Glanz.

  1. Haarkur gegen trockenes Haar: Paranussöl eignet sich hervorragend als Leave-in-Behandlung oder Intensivkur für trockenes, sprödes Haar. Das Öl in die Haarlängen und Spitzen einmassieren, mindestens 30 Minuten (oder über Nacht) einwirken lassen und anschließend mit einem milden Shampoo auswaschen. Die Ölsäure dringt in den Haarcortex ein und glättet die aufgeraute Schuppenschicht.
  2. Spitzenpflege: Einige Tropfen Paranussöl in den Händen verreiben und in die trockenen Haarspitzen einarbeiten. Das verhindert Spliss und Haarbruch, ohne das Haar zu beschweren.
  3. Kopfhautpflege: Bei trockener, schuppiger Kopfhaut kann eine sanfte Massage mit Paranussöl helfen, die Feuchtigkeit der Kopfhaut wiederherzustellen und Juckreiz zu lindern.
  4. Hitzeschutz: Vor dem Föhnen oder Glätten eine kleine Menge Paranussöl in die Längen einarbeiten. Das Öl bildet einen schützenden Film, der das Haar vor Hitzeschäden bewahrt.
  5. Glanzbehandlung: Für sofort sichtbaren Glanz ein bis zwei Tropfen Paranussöl in den Handflächen verteilen und leicht über das trockene, gestylte Haar streichen – ohne es zu beschweren.

Paranussöl zum Kochen und in der Küche

Paranussöl ist ein geschmackvolles Gourmet-Öl, das in der gehobenen Küche zunehmend Beachtung findet.

  1. Salate und kalte Gerichte: Kaltgepresstes Paranussöl hat ein mild-nussiges, leicht süßliches Aroma, das Blattsalate, Gemüsesalate und Carpaccio veredelt. Es harmoniert besonders gut mit Zitrusfrüchten, Avocado und grünem Gemüse.
  2. Dressings und Dips: Als Basis für Vinaigrettes und aromatisierte Ölmischungen verleiht Paranussöl eine besondere geschmackliche Tiefe. Es lässt sich hervorragend mit Zitronenöl oder frischen Kräutern kombinieren.
  3. Schonendes Braten: Mit einem Rauchpunkt von ca. 200 °C (nativ) eignet sich Paranussöl zum Braten bei mittlerer Hitze. Der Rauchpunkt liegt damit im mittleren Bereich und ist für schonendes Anbraten von Gemüse, Fisch oder Geflügel geeignet.
  4. Backen: In Backrezepten kann Paranussöl Butter oder andere Fette teilweise ersetzen und verleiht Gebäck eine fein-nussige Note. Es eignet sich besonders gut für Brownies, Nusskuchen und glutenfreie Rezepte.
  5. Finish und Topping: Ein Schuss kaltgepresstes Paranussöl als Finish über Suppen, Risotto oder gegrilltes Gemüse rundet den Geschmack ab und liefert zusätzliche Nährstoffe.

Paranussöl als Massageöl

Paranussöl besitzt eine ideale Textur für Massagen: Es gleitet gut auf der Haut, zieht weder zu schnell ein noch hinterlässt es einen klebrigen Film. Durch seine Reichhaltigkeit und sein angenehm nussiges Aroma eignet es sich sowohl für Ganzkörpermassagen als auch für gezielte Anwendungen.

Besonders bei trockener oder beanspruchter Haut entfaltet es seine feuchtigkeitsspendende Wirkung während der Massage besonders effektiv. Als Trägeröl für ätherische Öle lässt sich Paranussöl hervorragend mit Lavendelöl (entspannend), Rosmarinöl (durchblutungsfördernd) oder Ylang-Ylang-Öl (stimmungsaufhellend) kombinieren.

Paranussöl in der Kosmetik

In der Naturkosmetik hat sich Paranussöl als vielseitiger Inhaltsstoff etabliert. Seine einzigartige Kombination aus Ölsäure, Linolsäure, Vitamin E und Squalen macht es zu einem effektiven Pflegeöl, das in zahlreichen Produktkategorien eingesetzt wird.

Typische Einsatzbereiche sind Gesichtsöle und -seren, Bodylotions und Körperöle, Haarpflegeprodukte (Shampoos, Conditioner, Haaröle), Lippenpflege und als Basisöl in selbstgemachten Pflegeprodukten. Im Vergleich zu synthetischen Inhaltsstoffen bietet Paranussöl eine natürliche Alternative ohne Parabene, Silikone oder synthetisches Squalan – es enthält natürliches Squalen, das der Haut besonders ähnlich ist und daher ausgezeichnet aufgenommen wird.[8]

Medizinische Anwendungen

  1. Selenmangel: Paranussöl kann als ergänzende Selenquelle bei nachgewiesenem Selenmangel dienen. Besonders in Regionen mit selenarmen Böden (wie Teile Europas) ist die Selenversorgung über die Ernährung oft unzureichend. Thomson et al. (2008) zeigten, dass bereits zwei Paranüsse pro Tag den Selenstatus genauso effektiv verbesserten wie ein Selen-Supplement.[7]
  2. Unterstützung der Schilddrüsenfunktion: Selen ist essenziell für die Synthese und Umwandlung von Schilddrüsenhormonen. Studien zeigen, dass eine ausreichende Selenversorgung – etwa durch Paranüsse – die Schilddrüsenfunktion bei Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis verbessern kann.[10]
  3. Wundheilung: Die Kombination aus Vitamin E, ungesättigten Fettsäuren und antioxidativen Verbindungen kann die Hautregeneration und Wundheilung unterstützen. Paranussöl wird in der traditionellen Medizin Südamerikas seit Langem für die Wundversorgung eingesetzt.
  4. Hauterkrankungen: Bei trockener, ekzematöser oder irritierter Haut kann Paranussöl ergänzend zur medizinischen Behandlung eingesetzt werden. Die barriereunterstützende Wirkung der Linolsäure und die antioxidativen Eigenschaften können Symptome lindern.[6]

Wichtig: Paranussöl ersetzt keine medizinische Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden – insbesondere Schilddrüsenerkrankungen – sollte stets ein Arzt konsultiert werden.

Paranussöl und Selen – Was Sie wissen sollten

Der Selengehalt ist das herausragende Alleinstellungsmerkmal der Paranuss und ihres Öls. Selen ist ein essenzielles Spurenelement, das der Körper nicht selbst herstellen kann und das über die Nahrung zugeführt werden muss.

Die empfohlene Tagesdosis für Selen beträgt laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) 70 µg für Erwachsene. Eine einzige Paranuss kann bereits 50–90 µg Selen enthalten – sie gehört damit zu den konzentriertesten Selenquellen überhaupt.[1]

Im kaltgepressten Paranussöl ist der Selengehalt geringer als in der ganzen Nuss, da Selen vorwiegend an Proteine (Selenomethionin und Selenocystein) gebunden ist, die beim Pressen im Presskuchen verbleiben. Dennoch enthält hochwertiges kaltgepresstes Paranussöl relevante Selenmengen, die je nach Charge und Herkunft variieren.[2]

Die wichtigsten Funktionen von Selen im Körper umfassen den antioxidativen Schutz als Cofaktor der Glutathionperoxidase, die Regulation der Schilddrüsenhormone (T4 zu T3), die Unterstützung des Immunsystems, den Schutz vor DNA-Schäden und die Fruchtbarkeit bei Männern und Frauen.[4]

Vorsicht vor Überdosierung: Die tolerierbare Höchstaufnahmemenge für Selen liegt bei 300 µg pro Tag. Ein dauerhafter Überkonsum (Selenose) kann zu Symptomen wie Haarausfall, brüchigen Nägeln, Knoblauchgeruch im Atem und neurologischen Störungen führen. Bei der Verwendung von Paranussöl in üblichen Mengen (1–2 Esslöffel pro Tag) besteht kein Risiko einer Überdosierung – anders als beim Verzehr großer Mengen ganzer Paranüsse.[11]

Was ist der Unterschied zwischen Paranussöl und Paranüssen?

Paranussöl und ganze Paranüsse stammen zwar von derselben Pflanze, unterscheiden sich jedoch erheblich in ihrer Zusammensetzung und Anwendung:

  • Nährstoffdichte: Ganze Paranüsse enthalten neben Fett auch Protein (ca. 14 g/100 g), Ballaststoffe (ca. 7,5 g/100 g), Magnesium, Phosphor, Zink und den vollen Selengehalt. Das Öl konzentriert ausschließlich die fettlöslichen Bestandteile – Fettsäuren, Vitamin E, Squalen und Phytosterole.
  • Selengehalt: Ganze Paranüsse sind die deutlich stärkere Selenquelle, da Selen überwiegend proteingebunden vorliegt. Wer gezielt Selen supplementieren möchte, greift besser zu ganzen Paranüssen (1–2 Stück pro Tag).
  • Anwendung: Das Öl eignet sich besser für die äußerliche Anwendung (Haut, Haare, Massage) und als hochwertiges Speiseöl, während die ganzen Nüsse als Selenquelle und nährstoffreiches Lebensmittel überlegen sind.
  • Verdaulichkeit: Paranussöl ist leichter verdaulich als ganze Nüsse und kann auch bei empfindlicher Verdauung eingesetzt werden.

Für einen ganzheitlichen Nutzen empfiehlt sich die Kombination: Paranüsse als Snack für die Selenversorgung und Paranussöl für die Haut- und Haarpflege sowie als kulinarisches Highlight.

Haltbarkeit und Lagerung von Paranussöl

Im Vergleich zu hoch gesättigten Fetten wie Kokosöl ist Paranussöl aufgrund seines hohen Anteils an ungesättigten Fettsäuren etwas empfindlicher gegenüber Oxidation. Bei richtiger Lagerung bleibt es dennoch lange frisch:

  • Ungeöffnet: Kaltgepresstes Paranussöl ist ungeöffnet in der Regel 12–18 Monate haltbar. Achten Sie auf das Mindesthaltbarkeitsdatum des Herstellers.
  • Nach dem Öffnen: Angebrochenes Paranussöl sollte innerhalb von 3–6 Monaten verbraucht werden. Der natürliche Vitamin-E-Gehalt bietet einen gewissen Oxidationsschutz, der die Haltbarkeit verlängert.

Richtige Lagerung:

  • Paranussöl sollte kühl, dunkel und stets gut verschlossen aufbewahrt werden. Ideal sind dunkle Glasflaschen, die das Öl vor Lichteinwirkung schützen.
  • Im Kühlschrank gelagert bleibt das Öl besonders lange frisch. Anders als Kokosöl wird es bei Kühlschranktemperatur nicht vollständig fest, sondern lediglich etwas dickflüssiger.
  • Vermeiden Sie Kontakt mit Wärme, Licht und Sauerstoff – die drei Hauptfaktoren, die den Verderb beschleunigen.
  • Verwenden Sie stets saubere, trockene Löffel oder Pipetten zur Entnahme.

Woran erkennt man, dass Paranussöl schlecht geworden ist? Ranziges Paranussöl riecht scharf, bitter oder unangenehm statt mild-nussig. Der Geschmack wird kratzig und beißend. Verfärbungen oder Trübungen können ebenfalls auf Verderb hinweisen. Ranziges Öl sollte entsorgt und keinesfalls mehr verwendet werden – weder zum Kochen noch zur Hautpflege.

Nebenwirkungen von Paranussöl

Allergische Reaktionen

Paranüsse gehören zu den Baumnüssen und zählen zu den häufigeren Auslösern von Nussallergien. Personen mit einer bestehenden Baumnussallergie sollten Paranussöl meiden oder vor der ersten Anwendung einen Allergologen konsultieren. Bei äußerlicher Anwendung empfiehlt sich ein Patch-Test: Tragen Sie eine kleine Menge Öl auf die Innenseite des Unterarms auf und warten Sie 24 Stunden auf mögliche Reaktionen.[12]

Selenüberdosierung bei übermäßigem Verzehr

Obwohl das Öl deutlich weniger Selen enthält als ganze Paranüsse, ist bei der kombinierten Einnahme von Paranüssen, Paranussöl und zusätzlichen Selen-Nahrungsergänzungsmitteln Vorsicht geboten. Eine chronische Selenüberdosierung (Selenose) kann bei einer dauerhaften Aufnahme von über 300 µg Selen pro Tag auftreten. Typische Symptome sind Haarausfall, brüchige Nägel, Magen-Darm-Beschwerden und ein knoblauchartiger Atemgeruch.[11]

Ungesättigte Fettsäuren und Oxidation

Der hohe Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Linolsäure) macht Paranussöl anfällig für Oxidation. Ranziges Öl enthält gesundheitsschädliche Peroxide und Aldehyde und sollte nicht mehr verwendet werden. Durch korrekte Lagerung (kühl, dunkel, luftdicht) lässt sich dies vermeiden.

Mögliche Verunreinigungen

Paranüsse können Aflatoxine enthalten – Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen, die bei unsachgemäßer Trocknung und Lagerung entstehen können. Hochwertige Bio-Paranussöle durchlaufen strenge Qualitätskontrollen, die den Aflatoxingehalt auf ein unbedenkliches Niveau begrenzen. Achten Sie daher stets auf geprüfte Bio-Qualität.[13]

Anwendung in der Schwangerschaft

Paranussöl kann in der Schwangerschaft in normalen Nahrungsmengen verzehrt und äußerlich angewendet werden. Aufgrund des potenziellen Selengehalts sollte die Gesamtselenzufuhr im Auge behalten werden. Im Zweifel ärztlichen Rat einholen.

Paranussöl kaufen – Worauf sollte man achten?

Hochwertiges Paranussöl zu finden, erfordert etwas Aufmerksamkeit. Folgende Qualitätskriterien helfen bei der Auswahl:

  1. Bio-Zertifizierung: Bio-Paranussöl stammt aus kontrollierter Wildsammlung ohne synthetische Pestizide oder chemische Lösungsmittel. Achten Sie auf anerkannte Bio-Siegel (EU-Bio, Naturland). Da Paranüsse nahezu ausschließlich wild geerntet werden, ist die Bio-Zertifizierung vor allem ein Qualitätsnachweis für die Weiterverarbeitung.
  2. Kaltgepresst und nativ: Wählen Sie ausschließlich kaltgepresstes, natives Paranussöl. Nur so bleiben Vitamin E, Squalen, Phytosterole und der natürliche Selen-Anteil erhalten.
  3. Herkunft: Erstklassiges Paranussöl stammt aus Bolivien, Brasilien oder Peru. Bolivien ist derzeit der weltweit größte Exporteur von Paranüssen. Transparente Herkunftsangaben sind ein Qualitätsmerkmal.
  4. Fair Trade und Nachhaltigkeit: Achten Sie auf Fair-Trade-Zertifizierungen, die faire Löhne für die Sammlergemeinschaften im Amazonasgebiet garantieren. Jeder Kauf von nachhaltig produziertem Paranussöl unterstützt indirekt den Regenwaldschutz.
  5. Dunkle Glasflasche: Hochwertiges Paranussöl wird in dunklen Glasflaschen abgefüllt, die das Öl vor Lichtoxidation schützen. Vermeiden Sie Produkte in Plastikbehältern.
  6. Geruch und Farbe: Frisches kaltgepresstes Paranussöl hat eine hellgelbe bis goldgelbe Farbe und riecht angenehm mild-nussig. Ein ranziger oder beißender Geruch deutet auf Verderb hin.

Paranussöl ist im Vergleich zu Olivenöl oder Sonnenblumenöl ein Nischenprodukt und primär in Bio-Fachgeschäften, Reformhäusern und spezialisierten Online-Shops erhältlich. In Drogerien findet man es seltener – hier lohnt sich der Blick in den Online-Handel.

Paranussöl Alternativen

Je nach Anwendungszweck gibt es empfehlenswerte Alternativen zu Paranussöl:

  1. Arganöl: Arganöl ist ein hervorragendes Haut- und Haarpflegeöl mit ähnlich hohem Vitamin-E-Gehalt. Es ist nicht komedogen und eignet sich besonders für reife und trockene Haut. In der Küche überzeugt geröstetes Arganöl mit nussigem Aroma.
  2. Macadamiaöl: Macadamiaöl ist ebenfalls reich an Ölsäure und zieht besonders gut in die Haut ein. Es ist eine milde Alternative für empfindliche Haut und eignet sich auch als hochwertiges Speiseöl.
  3. Jojobaöl: Jojobaöl ist ein flüssiges Wachs mit dem niedrigsten Komedogenitätsgrad und daher ideal für fettige oder zu Unreinheiten neigende Haut – wo Paranussöl möglicherweise zu reichhaltig ist.
  4. Avocadoöl: Avocadoöl bietet eine ähnlich reichhaltige Pflege mit hohem Ölsäure- und Vitamin-E-Gehalt. Es hat einen höheren Rauchpunkt und eignet sich daher besser zum Braten bei hohen Temperaturen.
  5. Walnussöl: Walnussöl ist wie Paranussöl ein Nussöl mit charakteristischem Geschmack, bietet aber einen höheren Omega-3-Anteil (Alpha-Linolensäure). Es eignet sich hervorragend für Salate, sollte jedoch nicht erhitzt werden.
  6. Hagebuttenöl: Hagebuttenöl ist besonders reich an Linolsäure und Vitamin A (Retinsäure) und eignet sich als Anti-Aging-Alternative mit stärker regenerierender Wirkung bei Narben und Hyperpigmentierung.
  7. Haselnussöl: Haselnussöl bietet ein ähnlich nussiges Geschmacksprofil in der Küche und eignet sich ebenfalls für die Hautpflege bei Mischhaut.

Die Wahl hängt vom konkreten Einsatzzweck ab. Einen Überblick über die Eigenschaften verschiedener Öle finden Sie in unserer Speiseöl-Übersicht.

Quellen

  1. Thomson, C. D., Chisholm, A., McLachlan, S. K., & Campbell, J. M. (2008). Brazil nuts: an effective way to improve selenium status. American Journal of Clinical Nutrition, 87(2), 379–384. doi:10.1093/ajcn/87.2.379
  2. Chunhieng, T., Hafidi, A., Pioch, D., Brochier, J., & Montet, D. (2008). Detailed study of Brazil nut (Bertholletia excelsa) oil micro-compounds: phospholipids, tocopherols and sterols. Journal of the Brazilian Chemical Society, 19(7), 1374–1380. doi:10.1590/S0103-50532008000700021
  3. Guariguata, M. R., Cronkleton, P., Duchelle, A. E., & Zuidema, P. A. (2017). Revisiting the 'cornerstone of Amazonian conservation': a socioecological assessment of Brazil nut exploitation. Biodiversity and Conservation, 26(9), 2007–2027. doi:10.1007/s10531-017-1355-3
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  5. Cardoso, B. R., Duarte, G. B. S., Reis, B. Z., & Cozzolino, S. M. F. (2017). Brazil nuts: Nutritional composition, health benefits and safety aspects. Food Research International, 100(Pt 2), 9–18. doi:10.1016/j.foodres.2017.08.036
  6. Ziboh, V. A., Miller, C. C., & Cho, Y. (2000). Metabolism of polyunsaturated fatty acids by skin epidermal enzymes: generation of antiinflammatory and antiproliferative metabolites. American Journal of Clinical Nutrition, 71(1 Suppl), 361S–366S. doi:10.1093/ajcn/71.1.361s
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  12. Sicherer, S. H., Muñoz-Furlong, A., Godbold, J. H., & Sampson, H. A. (2010). US prevalence of self-reported peanut, tree nut, and sesame allergy: 11-year follow-up. Journal of Allergy and Clinical Immunology, 125(6), 1322–1326. doi:10.1016/j.jaci.2010.03.029
  13. Arrus, K., Blank, G., Clear, R., Holley, R. A., & Abramson, D. (2005). Aflatoxin production by Aspergillus flavus in Brazil nuts. Journal of Stored Products Research, 41(5), 513–527. doi:10.1016/j.jspr.2004.07.005
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