Sanddorn (Hippophae rhamnoides) ist ein robuster Wildstrauch aus der Familie der Ölweidengewächse, der ursprünglich aus den Gebirgsregionen Zentralasiens stammt und heute auch in Europa heimisch ist – insbesondere an den Küsten von Nord- und Ostsee sowie in den Alpen.[1] Der dornige Strauch trägt leuchtend orangerote Früchte, die mit bis zu 1.300 mg Vitamin C pro 100 g deutlich mehr enthalten als Zitronen.[2] Roh sind die Beeren durch ihren intensiv sauren Geschmack wenig genießbar, doch in verarbeiteter Form – als Saft, Aufstrich oder Öl – entfalten sie ihr volles Potenzial. Während Sanddornsaft bereits vielen bekannt ist, sind die aus Fruchtfleisch und Kernen gewonnenen Sanddornöle noch ein Geheimtipp. Dieses Öl vereint eine einzigartige Kombination aus Omega-Fettsäuren, Vitaminen und Antioxidantien und wird sowohl in der Hautpflege als auch in der Naturheilkunde geschätzt. Hier erfahren Sie alles Wichtige über Wirkung, Anwendung und Inhaltsstoffe von Sanddornöl.
Sanddornöl – Fruchtfleisch- und Kernöl im Vergleich
Aus den Beeren des Sanddorns lassen sich zwei grundlegend verschiedene Öle gewinnen, die sich in Zusammensetzung und Anwendung deutlich unterscheiden.[3]
Das Sanddornfruchtfleischöl ist dünnflüssig und durch seinen hohen Gehalt an Carotinoiden kräftig orange- bis dunkelrot gefärbt. Es riecht fruchtig-süß, schmeckt typisch nach Sanddorn und enthält besonders viel Palmitoleinsäure (Omega-7), Provitamin A (Beta-Carotin) sowie Vitamin E.[4] Dieses Öl gilt als eines der stabilsten und am schwersten oxidierbaren Pflanzenöle.
Das Sanddornkernöl ist hingegen gelb bis nahezu farblos, da es weniger Carotinoide enthält. Dafür weist es einen höheren Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren auf – insbesondere Linolsäure (Omega-6) und Alpha-Linolensäure (Omega-3) in einem günstigen Verhältnis von etwa 1:1.[5] Geschmack und Geruch des Kernöls sind weitgehend neutral. Wer sich für die Unterschiede verschiedener Pflanzenöle interessiert, findet auf unserer Übersichtsseite weitere Informationen.
Gewinnung von Sanddornöl
Die Gewinnung von Sanddornöl beginnt mit der aufwendigen Ernte der Beeren, die wegen der zahlreichen Dornen des Strauchs von Hand oder mithilfe spezieller Abstreifharken erfolgt. Industriell werden die Zweige manchmal auch zunächst abgeschnitten und bei minus 36 °C schockgefrostet, bevor eine Rüttelmaschine die gefrorenen Früchte löst.[2]
Nach dem Waschen und Verlesen werden Fruchtfleisch und Kerne voneinander getrennt. Beide Sanddornöle werden idealerweise durch Kaltpressung gewonnen, wodurch die empfindlichen Fettsäuren, Vitamine und sekundären Pflanzenstoffe in ihrer natürlichen Form erhalten bleiben.[4] Alternativ kommt auch die überkritische CO₂-Extraktion zum Einsatz, die besonders reine Öle liefert.[6]
Neben dem hochwertigen Fruchtfleisch- und Kernöl gibt es auch Sanddorntresteröl, das aus den Pressrückständen der Saftherstellung gewonnen wird. Dieses ist zwar preisgünstiger, besitzt jedoch eine geringere Nährstoffdichte. Wer mehr über die grundsätzlichen Unterschiede zwischen kaltgepressten und raffinierten Ölen erfahren möchte, findet dazu einen ausführlichen Vergleich auf unserer Seite.
Sanddornöl Inhaltsstoffe
Sanddornöl enthält eine außergewöhnlich breite Palette an Wirkstoffen – wissenschaftliche Analysen bestätigen fast 200 verschiedene bioaktive Substanzen.[4] Die Zusammensetzung variiert je nach Öltyp:
Beide Sanddornöle enthalten Vitamin E (Tocopherole), Phytosterole wie Beta-Sitosterol, Phospholipide, Glykolipide sowie diverse Mineralstoffe und Spurenelemente (Kalzium, Magnesium, Eisen, Zink).[3]
Das Fruchtfleischöl ist zusätzlich reich an Vitamin C, Beta-Carotin (Provitamin A), Flavonoiden und der seltenen Palmitoleinsäure (Omega-7-Fettsäure), die auch natürlicher Bestandteil des menschlichen Hautfetts ist.[5]
Das Kernöl punktet mit einem hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren – je rund 35 % Linolsäure und Alpha-Linolensäure – sowie Vitamin K.[7]
Häufig wird Sanddorn als pflanzliche Vitamin-B12-Quelle beworben. Tatsächlich kann die Pflanze durch eine Symbiose mit Bodenbakterien (Frankia alni) Vitamin B12 in den Samenschalen anreichern. Allerdings ist der B12-Gehalt stark von den jeweiligen Bodenverhältnissen abhängig und kann daher nicht zuverlässig garantiert werden.[8] Als alleinige Vitamin-B12-Quelle für Veganer ist Sanddornöl daher nicht geeignet.
Sanddornöl Kalorien und Nährwerttabelle
| Sanddornöl | ||
|---|---|---|
![]() | ||
| 100 g Sanddornöl enthält: | ||
| Nährstoff | Sanddornkernöl | Sanddornfruchtfleischöl |
| Kalorien | 900 kcal (3.766 kJ) | 900 kcal (3.766 kJ) |
| Fettgehalt | 100 g | 100 g |
| Gesättigte Fettsäuren | 12 g | 36 g |
| Ungesättigte Fettsäuren | 88 g | 64 g |
| Einfach ungesättigte Fettsäuren | 21 g | 57 g |
| Mehrfach ungesättigte Fettsäuren | 67 g | 7 g |
| davon Omega-7 (Palmitoleinsäure) | ca. 5 g | ca. 40 g |
| Cholesterin | 0 mg | 0 mg |
| Natrium | 0 mg | 0 mg |
| Kohlenhydrate | 0 g | 0 g |
| Ballaststoff | 0 g | 0 g |
| Zucker | 0 g | 0 g |
| Protein | 0 g | 0 g |
Wirkung von Sanddornöl
Die vielfältige Wirkung von Sanddornöl ist seit Jahrhunderten in der traditionellen Medizin Asiens bekannt – in China, Russland und Tibet wird es zur Wundheilung, Hautpflege und bei Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt.[1] Moderne wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen zunehmend diese traditionellen Anwendungen.
Entzündungshemmend und antioxidativ: Die Kombination aus Carotinoiden, Tocopherolen, Flavonoiden und ungesättigten Fettsäuren verleiht Sanddornöl eine ausgeprägte entzündungshemmende und zellschützende Wirkung. Studien zeigen, dass diese Inhaltsstoffe die Produktion entzündungsfördernder Botenstoffe hemmen und freie Radikale neutralisieren können.[9]
Hautregenerierend: Die im Fruchtfleischöl enthaltene Palmitoleinsäure (Omega-7) ist auch Bestandteil der menschlichen Hautlipide. Sie unterstützt die Zellregeneration, beschleunigt die Wundheilung und stärkt die natürliche Hautbarriere.[5] Eine Tierstudie zeigte, dass Sanddornkernöl die Wundheilung bei Verbrennungen signifikant verbessern konnte.[6]
Schleimhautschützend: In einer randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie mit 116 postmenopausalen Frauen zeigte die tägliche Einnahme von 3 g Sanddornöl über drei Monate positive Effekte auf die Integrität der Vaginalschleimhaut.[10] Auch bei trockenen Augen konnte eine Studie positive Ergebnisse nachweisen.[11]
Kardiovaskulär: Eine kontrollierte Studie an 74 hypertensiven Probanden ergab, dass die tägliche Einnahme von Sanddornkernöl über 30 Tage den Blutdruck normalisieren und erhöhte Cholesterin- sowie Triglyceridwerte senken konnte.[12]
In einigen Ländern, besonders in Russland und China, wird Sanddornöl begleitend bei der Strahlentherapie in der Krebsbehandlung eingesetzt, um Hautschäden und Schleimhautentzündungen zu lindern.[1] Es gibt bisher jedoch keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für eine eigenständige krebsheilende Wirkung.
Anwendungsgebiete von Sanddornöl
Sanddornöl für die Haut
Die Haut ist unser größtes Organ und dient dem gesamten Körper als Schutzmantel. Äußere Einflüsse wie UV-Strahlung, trockene Luft oder Verletzungen beeinträchtigen diese natürliche Barrierefunktion. Sanddornöl bietet hier vielseitige Unterstützung: Seine Phospholipide und Glykolipide wirken feuchtigkeitsspendend und antiinflammatorisch, verbessern die Hautelastizität und beschleunigen die Zellerneuerung.[4]
Die enthaltene Gamma-Linolensäure (GLA) kann leicht in tiefere Hautschichten eindringen und schützt dort vor Infektionen, während die Linolsäure die natürliche Schutzfunktion der Haut fördert.[9] Vitamin E wirkt als Radikalenfänger und schützt die Hautzellen vor oxidativem Stress. Das Fruchtfleischöl eignet sich dabei besonders gut für reife Haut, während das Kernöl bei fettiger, unreiner oder schuppiger Haut empfohlen wird.
Für die tägliche Pflege genügen bereits wenige Tropfen des reinen Öls, die einer normalen Tages- oder Nachtcreme beigemischt werden. Alternativ kann es mit einem Trägeröl wie Jojobaöl oder Mandelöl verdünnt auf die Haut aufgetragen werden. Wichtig: Das intensiv färbende Fruchtfleischöl sollte wegen seiner starken Carotinoid-Pigmente stets verdünnt angewendet werden, da es Haut und Textilien orange verfärben kann.
Sanddornöl für das Gesicht
Die Gesichtshaut ist täglich Witterungseinflüssen, UV-Strahlung und oft auch Make-up ausgesetzt, was sie schneller austrocknen und altern lässt. Gesichtspflegeprodukte mit Sanddornöl helfen, diese Belastungen auszugleichen. Die enthaltenen Vitamine E und C sowie die Fettsäuren nähren die Haut intensiv und stärken ihre natürliche Schutzbarriere.
Beta-Carotin absorbiert Lichtenergie und bietet zusammen mit den Tocopherolen einen gewissen Schutz vor UV-bedingten Hautschäden.[4] Dabei ist zu beachten, dass Sanddornöl keinen vollwertigen Sonnenschutz ersetzt – der gemessene UV-Schutzfaktor liegt lediglich bei etwa 1,1. Ergänzend zum herkömmlichen Sonnenschutz kann es jedoch die Regeneration der Gesichtshaut nach Sonneneinwirkung unterstützen.
Für die Anwendung im Gesicht empfiehlt es sich, 2–3 Tropfen Sanddornkernöl in die gewohnte Gesichtscreme einzuarbeiten oder es mit einem leichten Basisöl wie Hagebuttenöl zu mischen.
Sanddornöl gegen Falten
Falten entstehen durch den natürlichen Alterungsprozess der Haut, bei dem die Kollagenproduktion nachlässt und die Zellregeneration sich verlangsamt. Sanddornöl hat sich als wirksames natürliches Anti-Aging-Mittel bewährt. Seine Wirkung gegen Falten beruht auf mehreren Mechanismen:
Die enthaltenen Fettsäuren – insbesondere Palmitoleinsäure und Linolsäure – stärken die Zellmembranen und unterstützen die Neubildung gesunder Hautzellen.[9] Die Carotinoide und Vitamin E wirken als Antioxidantien, die die Hautzellen vor der vorzeitigen Alterung durch freie Radikale schützen. Phospholipide und Glykolipide spenden Feuchtigkeit und verbessern die Hautelastizität, wodurch vorhandene Falten optisch gemildert werden können.[4]
Sanddornöl findet sich daher in vielen Anti-Aging-Produkten. In der Naturkosmetik wird es besonders für reife Haut empfohlen, da es die Haut gleichzeitig nährt, schützt und bei der Regeneration unterstützt.
Sanddornöl bei Akne
Akne kann verschiedene Ursachen haben und für Betroffene einen erheblichen Leidensdruck bedeuten – nicht nur die akuten Entzündungen belasten das Hautbild, auch die anschließende Narbenbildung kann langfristige Spuren hinterlassen. Pharmakologische Studien belegen, dass Sanddornöl antibakterielle und antimykotische Eigenschaften besitzt und bei entzündlichen Hautveränderungen wie Ekzemen, Pickeln und Akne lindernd wirken kann.[13]
Besonders das Sanddornkernöl eignet sich bei Akne, da es weniger komedogen ist als das Fruchtfleischöl. Die enthaltene Linolsäure reguliert die Talgproduktion, während die entzündungshemmenden Fettsäuren bestehende Entzündungen schneller abklingen lassen. Inzwischen werden Sanddornöl-Produkte auch Menschen empfohlen, die unter Neurodermitis oder Ekzemen leiden. Wer sich über die Komedogenität verschiedener Öle informieren möchte, findet eine umfassende Übersicht in unserem Beitrag zu komedogenen und nicht-komedogenen Ölen.
Sanddornöl für die Haare
Umwelteinflüsse, häufiges Waschen und Styling können zu trockener, juckender Kopfhaut und glanzlosem, stumpfem Haar führen. Sanddornöl versorgt das Haar mit Feuchtigkeit und wichtigen Nährstoffen: Die ungesättigten Fettsäuren legen sich als schützender Film um die Haarstruktur, verleihen natürlichen Glanz und reduzieren Spliss.
Auf der Kopfhaut wirkt Sanddornöl rückfettend und kann so Schuppenbildung und Juckreiz entgegenwirken. Die durchblutungsfördernden Eigenschaften der enthaltenen Vitamine und Flavonoide sollen zudem das Haarwachstum anregen und Haarausfall verringern können – wissenschaftlich gesichert ist dies allerdings noch nicht ausreichend. Für eine pflegende Haarkur kann das Öl mit Zutaten wie Eigelb oder Quark gemischt, auf die Haare aufgetragen und nach 20–30 Minuten Einwirkzeit ausgewaschen werden. Auch Kokosöl eignet sich hervorragend als Ergänzung in einer solchen Haarkur.
Sanddornöl für die Wundheilung
Die Wundheilung ist einer der am besten erforschten Anwendungsbereiche von Sanddornöl. Eine Studie an Verbrennungswunden bei Ratten zeigte, dass Sanddornkernöl die Wundkontraktion signifikant verbesserte, die Bildung von Kollagen und neuen Blutgefäßen (VEGF) anregte und keine toxischen Nebenwirkungen aufwies.[6]
Die Wirkung beruht auf dem Zusammenspiel mehrerer Mechanismen: Palmitoleinsäure fördert die Zellneubildung, die Carotinoide und Vitamin E beschleunigen die Geweberegeneration, und die antibakteriellen Eigenschaften schützen die Wunde vor Infektionen.[9] In Osteuropa hat Sanddornöl eine lange Tradition in der Behandlung von Strahlenschäden und wird dort begleitend bei Strahlentherapie eingesetzt, um Hautreaktionen zu lindern.[1]
Für die häusliche Anwendung bei kleineren Hautwunden, leichten Verbrennungen oder Sonnenbrand kann das reine Kernöl dünn aufgetragen oder mit einer Wundheilungscreme gemischt werden. Das Öl hat die besondere Eigenschaft, auch auf feuchten Wundoberflächen wirksam zu bleiben.
Sanddornöl gegen Magenerkrankungen
Die Omega-7-Fettsäure Palmitoleinsäure, die natürlicher Bestandteil der menschlichen Schleimhäute ist, macht Sanddornöl zu einem wertvollen Helfer bei Magen-Darm-Beschwerden.[5] Das Öl legt sich als schützender Film auf die angegriffene Magenschleimhaut, beruhigt Reizungen und kann bei regelmäßiger Einnahme zur Regeneration beitragen.
In der Naturheilkunde wird Sanddornöl traditionell bei Gastritis, Magen- und Darmentzündungen sowie Sodbrennen eingesetzt. Die enthaltenen Fettsäuren und Vitamin E unterstützen die Zellerneuerung der Schleimhäute, während die entzündungshemmenden Eigenschaften bestehende Beschwerden lindern können. Auch bei Mundschleimhautproblemen – etwa nach einer Chemotherapie – zeigten Untersuchungen vielversprechende Ergebnisse.[14]
Zur Anwendung bei Magenbeschwerden reicht 1 Teelöffel Sanddornöl, zwei- bis dreimal täglich vor den Mahlzeiten eingenommen. Da Sanddornöl allein kein Medikament ersetzt, sollte bei anhaltenden Magenproblemen ärztlicher Rat eingeholt werden.
Sanddornöl für den Intimbereich
Scheidentrockenheit betrifft viele Frauen – insbesondere nach der Menopause – und kann den Alltag erheblich beeinträchtigen. In einer placebokontrollierten Doppelblindstudie mit 116 postmenopausalen Frauen zeigte die tägliche orale Einnahme von 3 g Sanddornöl über drei Monate eine signifikant bessere Verbesserung der Integrität des Vaginalepithels im Vergleich zum Placebo.[10]
Die Omega-7-Fettsäure Palmitoleinsäure unterstützt den Aufbau und die Regeneration der Schleimhautmembranen im Urogenitaltrakt.[5] Sanddornöl kann daher eine natürliche Alternative für Frauen sein, die keine Hormontherapie anwenden möchten. Es ist sowohl als Kapsel zur Einnahme als auch als Bestandteil spezieller Intimcremes und -gele erhältlich. Für eine innerliche Anwendung empfiehlt es sich, Sanddornöl-Kapseln über einen Zeitraum von mindestens acht bis zwölf Wochen einzunehmen, da die Wirkung erst nach einer gewissen Aufbauphase eintritt. Wer sich grundsätzlich für die Verwendung von Ölen in der Schwangerschaft interessiert, sollte vorab Rücksprache mit dem behandelnden Arzt halten.
Sanddornöl in der Küche
In der Küche spielt Sanddornöl aufgrund seiner aufwendigen Herstellung und des hohen Preises eine eher untergeordnete Rolle. Das geschmacksneutrale Kernöl bietet wenig kulinarische Vorteile, das aromatische Fruchtfleischöl hingegen kann Speisen ein unverwechselbares fruchtig-herbes Aroma verleihen.
Bereits wenige Tropfen genügen, um Joghurt, Quark oder Smoothies zu aromatisieren. Auch in fruchtigen Salaten oder als Verfeinerung von Dressings eignet sich das Öl hervorragend. Vermischt mit neutralen Speiseölen lässt sich ein aromatisches Salatöl herstellen. Wichtig: Sanddornöl sollte in der Küche grundsätzlich nur kalt verwendet werden. Es lässt sich nicht gut erhitzen und verliert beim Braten seine wertvollen Inhaltsstoffe. Informationen zu Rauchpunkten verschiedener Öle helfen bei der Wahl des richtigen Öls zum Kochen.
Sanddornöl als Massageöl
Massagen dienen traditionell der Entspannung und Schmerzlinderung, etwa bei Verspannungen der Nacken-, Rücken- und Schultermuskulatur. Sanddornöl wird aufgrund seiner hautpflegenden und wärmenden Eigenschaften gerne anderen Massageölen beigemischt. Die enthaltenen Fettsäuren und Vitamine nähren die Haut während der Massage, während die durchblutungsfördernde Wirkung ein angenehmes Wärmegefühl erzeugt.
Für ein Massageöl empfiehlt es sich, einige Tropfen Sanddornöl mit einem Basisöl wie Sesamöl oder Avocadoöl zu mischen. So entfaltet das Sanddornöl seine wohltuende Wirkung, ohne dass die intensive Färbung des Fruchtfleischöls zum Problem wird.
Sanddornöl herstellen
Sanddornöl lässt sich mit etwas Geduld auch selbst herstellen. Sanddornsträucher wachsen an manchen Orten wild – etwa an der Nord- und Ostseeküste, im Schwarzwald oder in den Alpen – und die Beeren können vorsichtig von Hand geerntet werden. Für die Herstellung stehen verschiedene Methoden zur Verfügung:
Ölmazeration (Ölauszug): Die gewaschenen und leicht zerdrückten Beeren werden in ein neutrales Öl wie Mandelöl eingelegt und mehrere Wochen an einem dunklen, warmen Ort ziehen gelassen. Das Sanddornöl löst sich dabei aus den Früchten. Anschließend werden die Rückstände herausgefiltert. So entsteht ein nährstoffreiches Ölgemisch, das sich gut in der Küche oder zur Hautpflege verwenden lässt.
Aus Pressrückständen: Werden die Sanddornbeeren zunächst zu Saft verarbeitet, kann aus dem trockenen Trester Öl gewonnen werden. Dafür wird der Trester fein zermahlen und im Verhältnis 1:2 mit auf 60 °C erwärmtem Pflanzenöl übergossen. Die gut verschlossene Mischung lässt man eine Woche ruhen und siebt sie dann ab.
Durch Trocknung: Zerdrückte Beeren werden langsam getrocknet – das Öl setzt sich ab, da es selbst nicht trocknen kann, und kann vorsichtig abgeschöpft werden.
Wer eine Ölpresse besitzt, kann reines Sanddornkernöl gewinnen. Dafür müssen Fruchtfleisch und Kerne allerdings zunächst sorgfältig voneinander getrennt werden. Wer sich generell für das Herstellen eigener Öle interessiert, findet weitere Anleitungen beispielsweise bei unseren Tipps zu Kräuteröl selber machen.
Lagerung und Haltbarkeit von Sanddornöl
Sanddornöl sollte – wie andere hochwertige Speiseöle – dunkel, kühl und gut verschlossen gelagert werden, um seine wertvollen Inhaltsstoffe zu bewahren. Sauerstoff und Sonnenlicht können die empfindlichen ungesättigten Fettsäuren zersetzen und das Öl ranzig werden lassen.
Ungeöffnet ist kaltgepresstes Sanddornöl bei korrekter Lagerung etwa 12 Monate haltbar. Einmal geöffnet, empfiehlt sich die Aufbewahrung im Kühlschrank – dort behält es seine Qualität für rund zwei bis drei Monate. Sanddornfruchtfleischöl ist dank seines hohen Carotinoidgehalts besonders oxidationsstabil und damit etwas länger haltbar als das Kernöl.[4] Trübungen oder ein ranziger Geruch deuten darauf hin, dass das Öl nicht mehr verwendet werden sollte.
Dosierung und Einnahme von Sanddornöl
Die richtige Dosierung von Sanddornöl hängt vom jeweiligen Anwendungsgebiet ab. Da es sich um ein hochkonzentriertes Wirkstofföl handelt, sind bereits geringe Mengen wirksam:
In der Küche genügen wenige Tropfen, um Speisen zu aromatisieren. Zur allgemeinen Gesundheitsförderung empfehlen Anwender 1–2 Teelöffel täglich, pur oder in Speisen gemischt. Bei Magenbeschwerden hat sich die Einnahme von 1 Teelöffel zwei- bis dreimal täglich vor den Mahlzeiten bewährt. Als Kapselform werden je nach Hersteller 2–6 Kapseln pro Tag empfohlen – bei Scheidentrockenheit wurde in Studien eine Tagesdosis von 3 g verwendet.[10]
Für die äußere Anwendung werden Pflegeprodukte mit Sanddornöl nach Packungsangabe verwendet. Das reine Fruchtfleischöl sollte wegen seiner stark färbenden Eigenschaft verdünnt eingesetzt werden – etwa 2–5 % in einem Basisöl oder einer Creme. Das Kernöl kann auch unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden. Zur Wundheilung wird das Öl nach Bedarf angewendet, bis die Haut vollständig regeneriert ist.
Sanddornöl Nebenwirkungen
Sanddornöl gilt grundsätzlich als sehr gut verträglich – schwerwiegende Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Eine Tierstudie zur Toxikologie von Sanddornkernöl konnte bei akuter und subakuter Gabe keine negativen Effekte feststellen.[6] Dennoch gibt es einige Punkte, die bei der Anwendung beachtet werden sollten:
Bei empfindlichen Personen können nach dem inneren Verzehr vereinzelt Magen-Darm-Reizungen wie leichte Übelkeit oder Durchfall auftreten. In diesem Fall sollte die Dosis reduziert oder das Öl zu den Mahlzeiten eingenommen werden.
Bei äußerer Anwendung sind allergische Hautreaktionen selten, aber möglich – insbesondere bei Personen mit bekannter Überempfindlichkeit gegen Pflanzeninhaltsstoffe. Es empfiehlt sich daher, das Öl zunächst an einer kleinen Hautstelle zu testen.
Sanddornöl enthält Omega-7-Fettsäuren mit natürlichen blutverdünnenden Eigenschaften. Wer blutverdünnende Medikamente wie Aspirin oder Warfarin einnimmt, sollte vor der regelmäßigen Einnahme Rücksprache mit dem Arzt halten.
Schwangere und stillende Frauen sollten vor der innerlichen Einnahme von Sanddornöl-Präparaten ebenfalls ärztlichen Rat einholen. Die äußerliche Anwendung gilt in der Regel als unbedenklich.
Ein praktischer Hinweis: Das intensiv orangefarbene Fruchtfleischöl kann Haut, Kleidung und Bettwäsche stark verfärben. Bei der Anwendung sollten daher geeignete Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden.
Worauf Sie beim Kauf von Sanddornöl achten sollten
Hochwertiges Sanddornöl findet sich selten im Supermarktregal. Fündig wird man eher in Bioläden, Reformhäusern, Apotheken oder spezialisierten Online-Shops. Beim Kauf sollten folgende Qualitätsmerkmale beachtet werden:
Das Öl sollte als kaltgepresst (nativ), rein und unverdünnt deklariert sein – nur so ist sichergestellt, dass die hitzeempfindlichen Wirkstoffe vollständig erhalten sind.[3] Achten Sie auf eine Herkunft aus kontrolliert biologischem Anbau (Bio-Zertifizierung) oder aus Wildsammlungen, um Pestizidbelastungen auszuschließen.
Grundsätzlich gilt: Gutes Sanddornöl hat seinen Preis. Die aufwendige Ernte der dornigen Sträucher und der vergleichsweise geringe Ölertrag machen eine günstige Produktion kaum möglich. Auffällig niedrige Preise können auf Verschnitte mit minderwertigem Tresteröl oder anderen Pflanzenölen hindeuten.
Bei Pflegeprodukten mit Sanddornöl lohnt ein Blick auf die Inhaltsliste: Idealerweise enthält das Produkt möglichst wenige synthetische Zusatzstoffe und die weiteren Bestandteile sind ebenfalls natürlichen Ursprungs.
Sanddornöl Verkaufsformen
Bio Sanddornöl
Hochwertiges Bio-Sanddornöl ist nativ, kaltgepresst, unverdünnt und naturrein. Das Bio-Fruchtfleischöl enthält besonders viele Carotinoide und ist daher intensiv orangerot gefärbt – bei der Anwendung auf der Haut oder in Hautkontakt mit Textilien ist deshalb Vorsicht geboten, da es stark abfärbt. Für die äußere Anwendung sollte dieses Öl daher stets verdünnt oder mit anderen Pflegeprodukten gemischt werden.
Bio-Kernöl enthält von Natur aus weniger Farbpigmente und kann auch unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden. Es stammt aus kontrolliert biologischem Anbau oder aus der Ernte wildwachsender Sträucher und eignet sich sowohl für die Ernährung als auch für die Hautpflege. Wer sich für weitere natürliche Hautpflegeöle interessiert, findet in unserem Beitrag zu Arganöl ein weiteres Öl mit ausgezeichneten Anti-Aging-Eigenschaften.
Sanddornöl Kapseln
Sanddornöl-Kapseln sind eine praktische Form der Nahrungsergänzung und enthalten je nach Produkt entweder Kernöl, Fruchtfleischöl oder eine Mischung aus beiden. Hochwertige Kapseln verwenden Öl aus biologischem Anbau und werden oft als Omega-7-Kapseln vermarktet.
In Kapselform liegen die Wirkstoffe in konzentrierter Form vor – als Nahrungsergänzungsmittel reicht in der Regel eine tägliche Einnahme von 2–6 Kapseln. Die Kapseln unterstützen die normale Hautfunktion, die Funktion der Schleimhäute und des Immunsystems. Sie gelten als besonders magenfreundlich und sind eine gute Option für Menschen, die den Geschmack des puren Öls nicht mögen. Für Kapseln mit standardisiertem Omega-7-Gehalt (z. B. SBA24®-Extrakt) liegen die meisten klinischen Studien vor.[10]
Sanddornöl Creme
Reine Sanddornöl-Cremes sind selten – meist enthalten sie weitere natürliche Zusätze, die die Pflegewirkung ergänzen. Kamille beruhigt und schützt die Haut, Ringelblume unterstützt die Wundheilung, und Inhaltsstoffe wie Hyaluronsäure spenden zusätzliche Feuchtigkeit. Für optimale Ergebnisse sollte eine Creme mit möglichst natürlichen Inhaltsstoffen gewählt werden.
Sanddornöl-Creme spendet gerade reiferer Haut intensive Feuchtigkeit und reichhaltige Pflege. Die enthaltenen Vitamine unterstützen die Zellerneuerung und machen die Haut geschmeidig. Die Creme kann am gesamten Körper verwendet werden und eignet sich im Gesicht auch als Make-up-Unterlage.
Quellenverzeichnis
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