Aloe Vera (Aloe barbadensis Miller) ist eine Pflanze aus der Familie der Affodillgewächse (Asphodelaceae), die in trockenen und heißen Regionen wie Nordafrika, der Arabischen Halbinsel und den Kanarischen Inseln heimisch ist. In ihren fleischigen, lanzettförmigen Blättern speichert das Wüstengewächs große Mengen Wasser und übersteht so selbst längere Trockenperioden. Aloe Vera gilt als eine der ältesten Heilpflanzen der Welt – bereits im antiken Ägypten, in Griechenland und China wurde sie unter anderem zur Wundbehandlung und bei Hautkrankheiten eingesetzt.[1] 
Das aus den Blättern gewonnene Gel ist reich an über 75 aktiven Inhaltsstoffen, darunter Vitamine, Enzyme, Mineralien und Polysaccharide, die Ihre Haut intensiv pflegen.[2] Durch die natürliche Fähigkeit der Aloe Vera, Feuchtigkeit und pflegende Wirkstoffe zu speichern, wird sie im kosmetischen Bereich als hervorragender Feuchtigkeitsspender mit regenerierenden Eigenschaften geschätzt. Diese wertvollen Pflanzenstoffe finden in Aloe Vera Öl eine besonders praktische Anwendung: Da das Öl durch Mazeration in einem Trägeröl hergestellt wird, versorgt es die Haut nicht nur mit den Wirkstoffen der Aloe Vera, sondern hält sie gleichzeitig weich und geschmeidig. Es eignet sich dabei für verschiedenste Hauttypen und mildert Rötungen sowie Reizungen auf natürliche Weise.
Gewinnung von Aloe Vera Öl
Aloe Vera Öl wird nicht durch Pressung oder Destillation direkt aus der Pflanze gewonnen, da Aloe Vera selbst kein ölhaltiges Gewächs ist. Stattdessen erfolgt die Herstellung durch Mazeration – ein traditionelles Auszugsverfahren, bei dem Bestandteile der Pflanze in ein hochwertiges pflanzliches Basisöl eingelegt und etwa zwei Wochen lang luftdicht gelagert werden.
Während dieser Ruhezeit gehen die fettlöslichen Wirkstoffe der Aloe Vera in das Trägeröl über und verbinden sich mit dessen pflegenden Eigenschaften. Für die industrielle Herstellung werden in der Regel gefriergetrocknete Pflanzenextrakte verwendet, da diese eine höhere und stabilere Wirkstoffkonzentration aufweisen als unverarbeitetes Blattgel.[3] Typische Basisöle für das Mazerat sind Sonnenblumenöl, Weizenkeimöl oder Jojobaöl. Die Wahl des Trägeröls beeinflusst dabei die Gesamteigenschaften des fertigen Aloe Vera Öls erheblich – Sonnenblumenöl etwa bringt zusätzlich viel Vitamin E mit, während Jojobaöl durch seine Ähnlichkeit zum hauteigenen Sebum besonders gut einzieht.
Aloe Vera Öl Inhaltsstoffe
Das Blatt der Aloe Vera besteht aus drei Schichten mit jeweils eigenen Inhaltsstoffen: dem inneren Blattmark (dem transparenten Gel), dem mittleren Blattsaft (Latex) und der äußeren Blattrinde. Wissenschaftler konnten in der Aloe Vera inzwischen mehr als 200 bioaktive Substanzen identifizieren, die das Gewächs äußerst wirkungsvoll machen.[2]
Im Mark der Aloe Vera sind zahlreiche Mono- und Polysaccharide enthalten, darunter das Glucomannan Acemannan, das heute als einer der Hauptwirkstoffe der Pflanze angesehen wird. Dieses langkettige Zuckermolekül zeigt in Studien immunmodulierende, wundheilungsfördernde und entzündungshemmende Eigenschaften.[4] Neben den Zuckermolekülen enthält das Gel rund 20 Aminosäuren, darunter sieben essenzielle, sowie sechs antiseptisch wirkende Substanzen wie Salicylsäure und Lupeol.[2]
Aloe Vera Öl beinhaltet zudem die Vitamine A (Beta-Carotin), B1, B2, B6, B12, C und E, die verschiedene Schutz- und Pflegefunktionen auf der Haut erfüllen. Vitamin E wirkt als Antioxidans und schützt vor freien Radikalen, während Vitamin C die Kollagenbildung unterstützt. Zur Gesamtwirkung tragen ebenso die Mineralstoffe Calcium, Magnesium, Zink und Kalium bei, die an Regenerationsprozessen der Haut beteiligt sind. Darüber hinaus enthält die Pflanze in geringen Mengen Sterole, ätherische Öle, Saponine, Tannine sowie Enzyme wie Bradykinase, die entzündungshemmend wirkt.[5]
Wirkung von Aloe Vera Öl
Die heilende und pflegende Wirkung der Aloe Vera ist nicht auf einzelne Inhaltsstoffe, sondern auf das Zusammenspiel der über 200 bioaktiven Substanzen zurückzuführen.[5] Im Aloe Vera Öl kommen die Wirkstoffe der Pflanze in Kombination mit den pflegenden Eigenschaften des Basisöls zur Geltung, wodurch die Haut gleichzeitig mit Feuchtigkeit versorgt und geschützt wird.
Zu den wichtigsten nachgewiesenen Eigenschaften zählen die feuchtigkeitsspendende, entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung. Die Mono- und Polysaccharide, insbesondere Acemannan, stimulieren laut In-vitro-Studien die Zellproliferation und fördern die Produktion von Kollagen sowie Wachstumsfaktoren (KGF-1, VEGF), was die Hauterneuerung unterstützt.[6] Die Mineralstoffe Calcium, Magnesium und Zink tragen zur Regeneration der Haut bei und sind an Wundheilungsprozessen beteiligt.
Besonders hervorzuheben ist die Wirkung bei UV-geschädigter Haut: Eine Studie von Dr. Julia Stump an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit 40 Probanden zeigte, dass Aloe Vera Gel bei UV-induziertem Erythem bereits nach 48 Stunden eine signifikante Entzündungshemmung bewirkte und dabei besser abschnitt als eine Behandlung mit 1 % Hydrokortison.[7] Vitamin E im Öl ergänzt diesen Schutz, indem es als Antioxidans schädliche Umwelteinflüsse abwehrt und den Alterungsprozess der Haut verlangsamen kann. Klinische Studien zeigten zudem, dass die orale Einnahme von Aloe-Sterolen über zwölf Wochen die Hautelastizität verbessern und die Faltenbildung reduzieren konnte.[8]
Anwendungsgebiete von Aloe Vera Öl
Aloe Vera Öl für die Haare
Kuren mit Aloe Vera Öl sind nicht nur für die Haare eine echte Wohltat, sondern kommen auch der Kopfhaut zugute. Aufgrund der antibakteriellen und entzündungshemmenden Wirkung empfiehlt sich eine Anwendung besonders bei empfindlicher, trockener oder schuppiger Kopfhaut. Eine klinische Studie belegte, dass Aloe Vera bei seborrhoischer Dermatitis – einer schweren Form von Schuppen – zu einer signifikanten Verbesserung der Symptome führte.[9]
Für die Anwendung massieren Sie einige Tropfen des Öls in die Kopfhaut und die Haarlängen ein. Als Intensivkur über Nacht entfaltet es seine volle Wirkung: Die wertvollen Inhaltsstoffe ziehen tief in die Kopfhaut ein, während das Basisöl gewährleistet, dass die Wirkstoffe die oberen Hautschichten durchdringen können. Das Ergebnis sind geschmeidiges, glänzendes Haar und eine beruhigte Kopfhaut. Auch bei Haarausfall wird Aloe Vera traditionell eingesetzt, da die durchblutungsfördernden und nährenden Eigenschaften die Haarfollikel stärken können – allerdings fehlen hierfür bislang groß angelegte klinische Studien.
Aloe Vera Öl für das Gesicht
Für die Gesichtspflege ist Aloe Vera Öl besonders geeignet, da es trockene, gereizte oder entzündete Hautstellen sanft behandelt, ohne die Poren zu verstopfen. Das Öl hat einen niedrigen Komedogenitätswert und eignet sich daher auch für empfindliche Gesichtshaut. Durch den regenerierenden Effekt der Aloe-Wirkstoffe können Falten gemildert werden – Studien zeigen, dass Aloe-Sterole die Produktion von Hyaluronsäure und Kollagen in der Haut stimulieren können.[8] Das Gesicht erscheint frischer und straffer.
Natürliche Alterungsprozesse, die durch den Einfluss freier Radikale begünstigt werden, lassen sich durch die antioxidativen Vitamine A, C und E im Aloe Vera Öl verlangsamen, während die schützende Hautbarriere gestärkt wird. Bei unreiner Haut und Akne bietet das Öl durch seine entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung eine milde, natürliche Pflege. Trockene und sonnengeschädigte Stellen im Gesicht profitieren besonders von der intensiven Feuchtigkeitsversorgung der Aloe Vera. Tragen Sie abends einige Tropfen auf das gereinigte Gesicht auf und massieren Sie das Öl sanft ein. Für weitere Informationen darüber, welche Öle für das Gesicht besonders gut geeignet sind, lesen Sie unseren Ratgeber zu komedogenen und nicht komedogenen Ölen.
Aloe Vera Öl für die Haut
Aloe Vera Öl eignet sich für die Pflege der Haut am gesamten Körper und wird bei verschiedenen Hautproblemen eingesetzt. Bei entzündlichen Hauterkrankungen wie Schuppenflechte (Psoriasis), Ekzemen und Dermatitis ist das Öl zur unterstützenden Behandlung empfehlenswert, da es das Abklingen von Entzündungen fördert und die Haut beruhigt. Eine systematische Übersichtsarbeit kommt zu dem Ergebnis, dass Aloe Vera bei der Prävention und Heilung verschiedener Hautwunden positive Effekte zeigt.[10]
Leichte Verbrennungen und kleine Wunden heilen durch die Förderung der Zellerneuerung besser, und das Öl wirkt dabei beruhigend und kühlend. Nach Sonneneinwirkung versorgt es die Haut intensiv mit Feuchtigkeit und unterstützt die Regeneration. Auch bei Herpes und Narbenbildung können Sie von den Eigenschaften der Aloe Vera profitieren, da die Wirkstoffe die Wundheilung beschleunigen und die Bildung neuer Hautzellen anregen. Im Intimbereich sollte Aloe Vera Öl nur mit Vorsicht und nach Rücksprache mit einem Arzt eingesetzt werden.
Aloe Vera Öl bei unreiner Haut und Akne
Bei unreiner Haut und Akne kann Aloe Vera Öl eine sinnvolle Ergänzung der täglichen Pflegeroutine sein. Die Pflanze enthält natürliche antiseptische Wirkstoffe wie Salicylsäure, Lupeol und Schwefel, die das Wachstum von Bakterien auf der Haut hemmen.[2] Gleichzeitig wirkt das Öl entzündungshemmend und kann Rötungen und Schwellungen mildern, die mit Akne einhergehen. Da Aloe Vera Öl als eher leichtes Pflegeöl gilt und nicht stark komedogen wirkt, belastet es die Haut weniger als schwere Pflegeprodukte.
Für fettige oder zu Unreinheiten neigende Haut empfiehlt es sich, das Aloe Vera Öl dünn aufzutragen und gegebenenfalls mit einem leichten Trägeröl wie Jojobaöl zu kombinieren. Alternativ kann auch Schwarzkümmelöl ergänzend eingesetzt werden, das ebenfalls für seine entzündungshemmende Wirkung bei Hautproblemen bekannt ist.
Aloe Vera Öl bei Sonnenbrand
Bei Sonnenbrand gehört Aloe Vera zu den am häufigsten empfohlenen natürlichen Mitteln – und das aus gutem Grund. Die bereits erwähnte Freiburger Studie von Dr. Julia Stump belegte, dass Aloe Vera Gel die UV-bedingte Hautrötung signifikant stärker reduzierte als Hydrokortison (1 %) und dabei keine Nebenwirkungen wie Juckreiz oder Hautreizungen verursachte.[7] Aloe Vera Öl verbindet diese lindernden Eigenschaften mit der pflegenden Wirkung des Basisöls, das die gereizte Haut zusätzlich geschmeidig hält.
Bei einem Sonnenbrand tragen Sie das Öl dünn auf die betroffenen Stellen auf. Es wirkt kühlend, feuchtigkeitsspendend und unterstützt die Regeneration der geschädigten Hautzellen. Für noch intensivere Kühlung können Sie das Öl vorher im Kühlschrank aufbewahren. Bei schweren Verbrennungen mit Blasenbildung sollten Sie jedoch einen Arzt aufsuchen.
Aloe Vera Öl bei Neurodermitis
Neurodermitis (atopische Dermatitis) geht mit extrem trockener, juckender und entzündeter Haut einher. Aloe Vera Öl kann hier unterstützend eingesetzt werden, da es gleich mehrere Bedürfnisse dieser empfindlichen Haut adressiert: Es spendet intensive Feuchtigkeit, lindert Entzündungen und beruhigt den Juckreiz. Das im Gel enthaltene Magnesiumlaktat kann die Histaminproduktion hemmen, die für den Juckreiz verantwortlich ist.[10]
Die antibakteriellen Eigenschaften der Aloe Vera können zudem helfen, sekundäre Hautinfektionen zu vermeiden, die bei aufgekratzter Neurodermitis-Haut häufig auftreten. Bei Neurodermitis ist es besonders wichtig, auf ein hochwertiges, möglichst reines Aloe Vera Öl ohne Zusatzstoffe oder Duftstoffe zurückzugreifen, um zusätzliche Hautreizungen zu vermeiden. Ergänzend kann auch Nachtkerzenöl verwendet werden, das durch seinen hohen Gehalt an Gamma-Linolensäure die Hautbarriere stärkt. Sprechen Sie die Anwendung bei schwerer Neurodermitis vorab mit Ihrem Dermatologen ab.
Aloe Vera Öl bei trockener Haut
Trockene Haut ist eines der Hauptanwendungsgebiete für Aloe Vera Öl, da die Pflanze als natürlicher Feuchtigkeitsspender schlechthin gilt. Das Öl bildet einen leichten Schutzfilm auf der Haut, der Feuchtigkeit einschließt, ohne die Poren zu verstopfen. Studien des Forschungsinstituts Dermatest bestätigten, dass Aloe Vera Mazerat die Hautfeuchtigkeit messbar erhöhen kann.[3] Die Glucomannane im Gel binden Wasser in der Haut und fördern die Produktion von Kollagen und Elastin, was die Hautelastizität verbessert.
Tragen Sie das Öl nach dem Duschen oder Baden auf die noch leicht feuchte Haut auf, damit die Feuchtigkeit optimal eingeschlossen wird. Für besonders trockene Körperstellen wie Ellbogen, Knie oder Schienbeine können Sie das Aloe Vera Öl auch mit Mandelöl oder Arganöl kombinieren.
Aloe Vera Öl in der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft verändert sich die Haut häufig: Sie kann trockener werden, zu Dehnungsstreifen neigen oder empfindlicher auf äußere Einflüsse reagieren. Aloe Vera Öl kann äußerlich angewendet eine sanfte Pflege für die beanspruchte Haut in der Schwangerschaft bieten. Durch seine feuchtigkeitsspendenden und hautberuhigenden Eigenschaften kann es bei der Vorbeugung von Dehnungsstreifen unterstützend wirken, wenn es regelmäßig auf Bauch, Hüften und Oberschenkel aufgetragen wird.
Wichtig: Die äußerliche Anwendung von Aloe Vera Öl gilt als unbedenklich. Von einer innerlichen Einnahme von Aloe-Vera-Produkten – insbesondere solchen, die Aloin enthalten – wird in der Schwangerschaft jedoch abgeraten, da sie die Gebärmutter stimulieren können.[11] Lesen Sie auch unseren Ratgeber zu ätherischen Ölen in der Schwangerschaft. Sprechen Sie im Zweifel mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Arzt.
Aloe Vera Öl selber machen
Sie können Aloe Vera Öl durch eine einfache Mazeration zu Hause selbst herstellen. Für diese DIY-Methode benötigen Sie eine frische Aloe Vera Pflanze, ein kaltgepresstes Basisöl Ihrer Wahl und ein verschließbares Glasgefäß.
Schneiden Sie ein frisches, gesundes Blatt von einer mindestens drei Jahre alten Aloe Vera Pflanze ab – ältere Pflanzen haben eine höhere Wirkstoffkonzentration. Stellen Sie das Blatt aufrecht für etwa 15 Minuten in ein Glas, damit das gelbliche Aloin aus der Schnittstelle ablaufen kann. Dieser Blattsaft enthält Anthranoide, die hautreizend wirken können, und sollte nicht in das Öl gelangen. Schälen Sie anschließend die äußere Blattrinde vollständig ab und entnehmen Sie circa zehn Gramm des transparenten Gels aus dem Blattinneren.
Das gewonnene Gel wird mit etwa 100 ml eines Basisöls Ihrer Wahl vermischt. Geeignet sind Weizenkeimöl (besonders Vitamin-E-reich), Olivenöl, Sojaöl oder Sesamöl. Die Mixtur lagern Sie in einem gut verschlossenen Glasgefäß für circa zwei Wochen an einem lichtgeschützten und trockenen Ort bei Raumtemperatur. Schütteln Sie die Mischung alle zwei bis drei Tage kräftig durch, damit sich die Wirkstoffe optimal lösen.
Nach Ablauf der Mazerationszeit gießen Sie das Gemisch durch ein feines Mulltuch oder einen Kaffeefilter in eine dunkle Apothekerflasche ab. Fügen Sie dem Öl einige Tropfen Vitamin-E-Öl (Tocopherol) hinzu, um die Haltbarkeit zu verlängern. Bei kühler, dunkler Lagerung ist das selbst hergestellte Aloe Vera Öl etwa sechs Monate haltbar. Achten Sie auf Veränderungen in Geruch oder Farbe, die auf Ranzigkeit hinweisen können.
Aloe Vera Öl oder Gel – was ist der Unterschied?
Eine häufige Frage lautet: Soll ich Aloe Vera Öl oder Aloe Vera Gel verwenden? Beide Produkte haben ihre Berechtigung, unterscheiden sich aber in wichtigen Punkten.
Aloe Vera Gel besteht zu 99 % aus Wasser und enthält die wasserlöslichen Wirkstoffe der Pflanze in Reinform.[2] Es kühlt intensiv, zieht schnell ein und hinterlässt keinen fettigen Film. Gel eignet sich daher besonders für die schnelle Anwendung bei Sonnenbrand, frischen Insektenstichen oder als leichtes Feuchtigkeitsserum für fettige Haut.
Aloe Vera Öl hingegen ist ein Mazerat, bei dem die fettlöslichen Wirkstoffe der Pflanze in ein Trägeröl übergegangen sind. Es pflegt intensiver, hält die Feuchtigkeit länger in der Haut und eignet sich besonders für trockene, reife oder beanspruchte Haut. Das Basisöl fungiert zudem als natürlicher Carrier, der die Wirkstoffe tiefer in die Hautschichten transportiert. Für die Haarpflege ist Aloe Vera Öl in der Regel die bessere Wahl, da es die Haare nachhaltig pflegt und mit einem Schutzfilm umhüllt.
Sie können beide Produkte auch kombinieren: Tragen Sie zunächst Aloe Vera Gel auf die feuchte Haut auf und versiegeln Sie anschließend mit einigen Tropfen Aloe Vera Öl. So nutzen Sie die Vorteile beider Varianten optimal.
Aloe Vera Öl Nebenwirkungen
Aloe Vera Öl gilt bei äußerlicher Anwendung als gut verträglich und sicher. Das National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH) stuft die topische Nutzung von Aloe Vera als wahrscheinlich unbedenklich ein.[11] Dennoch sollten Sie einige Punkte beachten:
In seltenen Fällen können allergische Reaktionen auftreten, insbesondere bei Personen mit einer Allergie gegen Liliengewächse, Knoblauch oder Zwiebeln. Führen Sie daher vor der ersten Anwendung einen Patch-Test durch, indem Sie eine kleine Menge des Öls auf die Innenseite des Handgelenks auftragen und mindestens 24 Stunden abwarten.
Bei selbst hergestelltem Aloe Vera Öl ist unbedingt darauf zu achten, dass das Aloin aus der Blattrinde vollständig entfernt wurde. Aloin gehört zu den Anthranoiden und kann bei Hautkontakt Reizungen verursachen. Professionell hergestellte Produkte sind in der Regel aloinarm oder aloinfrei.
Aloe Vera kann die Aufnahme von topisch angewendetem Hydrokortison und anderen Steroid-Cremes durch die Haut verstärken. Wenn Sie solche Medikamente verwenden, sprechen Sie die gleichzeitige Anwendung von Aloe Vera Öl mit Ihrem Arzt ab.[11] Von der innerlichen Einnahme nicht geprüfter Aloe-Vera-Produkte wird generell abgeraten – insbesondere in der Schwangerschaft und Stillzeit.
Aloe Vera Öl kaufen – worauf sollte geachtet werden?
Beim Kauf von Aloe Vera Öl sollten Sie die Inhaltsstoffe genau prüfen, denn die Qualitätsunterschiede auf dem Markt sind erheblich. Manche Produkte enthalten nur minimale Anteile der Pflanze und können daher keine effektive Pflege leisten. Ein hochwertiges Aloe Vera Öl sollte möglichst wenig verarbeitet sein und idealerweise nur zwei Bestandteile aufweisen: das Basisöl und den Aloe-Vera-Extrakt.
Wenn Sie den Aufdruck „Whole Leaf Aloe Vera" auf der Flasche lesen, bedeutet dies, dass das Öl aus dem gesamten Blatt der Pflanze hergestellt wurde. Um die potenziell schädlichen Anthranoide zu entfernen, werden diese Produkte aufwendig gefiltert, wobei auch erwünschte Wirkstoffe verloren gehen können. Empfehlenswert sind daher Öle, die aus dem reinen Gel der handgeschälten Blätter hergestellt werden und keine solche Filterung erfordern.
Achten Sie beim Kauf auf folgende Qualitätsmerkmale: Bio-Zertifizierung (etwa COSMOS oder Natrue), ein möglichst hoher Acemannan-Gehalt (je höher, desto stärker die Wirkung), ein hochwertiges Basisöl in Bio-Qualität und die Angabe „kaltgepresst" für das Trägeröl. Aloe Vera Öl ist in Reformhäusern, Apotheken und spezialisierten Online-Shops erhältlich. Bekannte Marken mit guter Qualität sind unter anderem Primavera und Santaverde. Ein gutes Aloe Vera Öl hat seinen Preis, doch da es sehr ergiebig ist und nur wenige Tropfen benötigt werden, lohnt sich die Investition in ein hochwertiges Produkt.
Quellen
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- Surjushe, A., Vasani, R., & Saple, D. G. (2008). Aloe vera: A short review. Indian Journal of Dermatology, 53(4), 163–166. doi:10.4103/0019-5154.44785
- AOT GmbH. Aloe Vera Öl Mazerat, bio – Produktinformation und Dermatest-Zertifikate. aot.de
- Liu, C., Cui, Y., Pi, F., Cheng, Y., Guo, Y., & Qian, H. (2019). Extraction, Purification, Structural Characteristics, Biological Activities and Pharmacological Applications of Acemannan, a Polysaccharide from Aloe vera: A Review. Molecules, 24(8), 1554. doi:10.3390/molecules24081554
- Sánchez, M., González-Burgos, E., Iglesias, I., & Gómez-Serranillos, M. P. (2020). Pharmacological Update Properties of Aloe Vera and its Major Active Constituents. Molecules, 25(6), 1324. doi:10.3390/molecules25061324
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- Stump, J. (2007). Antiinflammatorische Wirkung von Aloe vera Gel (97,5%) im UV-Erythemtest – eine monozentrische, randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie. Dissertation, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. freidok.uni-freiburg.de/data/2842
- Tanaka, M., Misawa, E., Yamauchi, K., Abe, F., & Ishizaki, C. (2015). Effects of plant sterols derived from Aloe vera gel on human dermal fibroblasts in vitro and on skin condition in Japanese women. Clinical, Cosmetic and Investigational Dermatology, 8, 95–104. doi:10.2147/CCID.S75441
- Vardy, D. A., Cohen, A. D., Tchetov, T., Medvedovsky, E., & Biton, A. (1999). A double-blind, placebo-controlled trial of an Aloe vera (A. barbadensis) emulsion in the treatment of seborrheic dermatitis. Journal of Dermatological Treatment, 10(1), 7–11. doi:10.3109/09546639909055904
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- National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH). (2023). Aloe Vera: Usefulness and Safety. nccih.nih.gov/health/aloe-vera



