Senföl ist ein vielseitiges Pflanzenöl, das aus den Samen der Senfpflanze gewonnen wird und bereits seit über 3.000 Jahren sowohl als Speiseöl als auch als Heilmittel geschätzt wird. Ursprünglich in der indischen und chinesischen Medizin beheimatet, hat sich das goldgelbe Öl durch seine einzigartige Kombination aus scharfem Geschmack, hohem Gehalt an ungesättigten Fettsäuren und vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten einen festen Platz in der modernen Naturheilkunde erobert. Die im Senföl enthaltenen Senfölglykoside (Glucosinolate) und die daraus freigesetzten Isothiocyanate verleihen dem Öl seine bemerkenswerten antibakteriellen, entzündungshemmenden und durchblutungsfördernden Eigenschaften. Ob äußerlich als Massageöl für Haut und Haare oder innerlich als pflanzliches Heilmittel – Senföl bietet ein breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten, die zunehmend auch wissenschaftlich untersucht werden.
Gewinnung von Senföl
Senföl wird vorwiegend aus den Samen verschiedener Senfarten gewonnen: dem Schwarzen Senf (Brassica nigra), dem Braunen Indischen Senf (Brassica juncea) und dem Weißen Senf (Sinapis alba). Darüber hinaus enthalten auch Kapuzinerkresse, Meerrettich, Gartenkresse, Brunnenkresse und Raps die begehrten Senfölglykoside, aus denen die wirksamen Senföle (Isothiocyanate) freigesetzt werden.[1]
Während Meerrettich, Kapuzinerkresse oder die klassische Senfpflanze in der Regel ein besonders hochwertiges Senföl garantieren, wird Senföl aus Garten- oder Brunnenkresse häufig für den Hausgebrauch verwendet. Die Gewinnung erfolgt klassisch im Kaltpressverfahren mithilfe einer Schneckenpresse. Dabei kommen keine chemischen Hilfsmittel oder Lösungsmittel zum Einsatz, was den hohen Reinheitsgehalt des Öls gewährleistet.[2] Ein entscheidender Vorteil der Kaltpressung: Da keine Hitze entsteht, bleiben die wertvollen Vitamine, Enzyme wie die Myrosinase sowie die Spurenelemente nahezu vollständig erhalten. Im Unterschied dazu verliert raffiniertes Senföl durch die Erhitzung einen Teil seiner bioaktiven Inhaltsstoffe, ist dafür aber geschmacklich milder und länger haltbar.
Senföl Inhaltsstoffe
Senföl besticht durch ein breites Spektrum an gesundheitlich relevanten Inhaltsstoffen. Zu den wichtigsten gehören das Enzym Myrosinase – das die Umwandlung von Senfölglykosiden in aktive Isothiocyanate ermöglicht – sowie das Phospholipid Lecithin.[3] Das Öl enthält zudem die Vitamine A, B-Komplex, C und E sowie Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium, Kalium, Natrium, Phosphor und Eisen. Hinzu kommen Spurenelemente wie Zink, Mangan, Kupfer, Fluor und Jod.
Besonders hervorzuheben ist das Fettsäureprofil: Senföl besteht zu rund 93 % aus ungesättigten Fettsäuren, darunter ein hoher Anteil an einfach ungesättigter Ölsäure und der mehrfach ungesättigten Alpha-Linolensäure (Omega-3-Fettsäure). Diese tragen zur normalen Herzfunktion bei. Das Glykosid Sinigrin sowie lebensnotwendige Aminosäuren und sekundäre Pflanzenstoffe runden das Inhaltsstoffprofil ab. Die Senfölglykoside sind dabei die eigentlichen Schlüsselsubstanzen: Sie werden erst durch Kontakt mit Wasser oder beim Zerkleinern der Pflanzenzellen – mithilfe der Myrosinase – in die biologisch aktiven Isothiocyanate umgewandelt, die für den scharfen Geschmack und viele der gesundheitlichen Wirkungen verantwortlich sind.[1]
Senföl Kalorien und Nährwerttabelle
| Senföl | |
|---|---|
![]() | |
| 100 g Senföl enthält durchschnittlich: | |
| Nährstoff | Menge |
| Kalorien | 879 kcal (3.680 kJ) |
| Fettgehalt | 100 g |
| Gesättigte Fettsäuren | 7 g |
| Ungesättigte Fettsäuren | 93 g |
| Einfach ungesättigte Fettsäuren | 68 g |
| Mehrfach ungesättigte Fettsäuren | 25 g |
| Cholesterin | 0 mg |
| Natrium | 0 mg |
| Kohlenhydrate | 0 g |
| Ballaststoff | 0 g |
| Zucker | 0 g |
| Protein | 0 g |
| Rauchpunkt | 254 °C |
Wirkung von Senföl
Die Wirkung von Senföl ist wissenschaftlich in mehreren Bereichen nachgewiesen. Die ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) hat die Wirksamkeit der Senföle – insbesondere aus Kapuzinerkresse und Meerrettich – bei Infektionen der Atemwege und Harnwege offiziell bestätigt.[4] Forschungen der Universitäten Heidelberg und Freiburg untermauern die antibakteriellen, antiviralen und entzündungshemmenden Eigenschaften der enthaltenen Isothiocyanate.[5]
Zusammenfassend lassen sich folgende Wirkungen des Senföls benennen: Es wirkt antibakteriell – auch gegen antibiotikaresistente Keime wie MRSA –, antiviral, entzündungshemmend, schmerzstillend, durchblutungsfördernd und verdauungsregulierend.[5] Darüber hinaus wird ihm eine schleimlösende, schweißtreibende und stoffwechselanregende Wirkung zugeschrieben. Die Senföle reichern sich bei der Ausscheidung besonders in den Harnwegen und im Bronchialepithel der Lunge an – also genau dort, wo sie bei Atemwegs- und Harnwegsinfekten ihre keimhemmende Wirkung entfalten können.[6]
Bemerkenswert ist, dass für Senföle bisher keine Resistenzentwicklung bei Bakterien beobachtet wurde – ein entscheidender Vorteil gegenüber herkömmlichen Antibiotika.[5] Dies macht Senföl zu einer vielversprechenden natürlichen Alternative, insbesondere bei leichten bis mittelschweren Infektionen.
Anwendungsgebiete von Senföl
Senföl für die Haare
Senföl ist ein bewährtes Naturmittel für die Haarpflege und wird traditionell in der ayurvedischen Medizin zur Förderung des Haarwachstums eingesetzt. Die durchblutungsfördernde Wirkung steht dabei im Vordergrund: Durch sanftes Einmassieren in die Kopfhaut werden Schmutz, Talg und Ablagerungen gelöst, die Haarfollikel gereinigt und die Aktivität der Haarwurzeln angeregt.
Die im Senföl enthaltenen Fettsäuren – insbesondere Ölsäure und Alpha-Linolensäure – versorgen Haar und Kopfhaut intensiv mit Feuchtigkeit. Das Ergebnis bei regelmäßiger Anwendung: Das Haar wird widerstandsfähiger gegen Haarbruch und Spliss, es fühlt sich geschmeidiger an und erhält einen natürlichen, seidigen Glanz. Selbst wer sein Haar wachsen lässt und es seltener schneidet, kann von der stärkenden Wirkung profitieren. Bei Schuppen kann die regelmäßige Kopfhautmassage mit Senföl das Hautbild verbessern und den Juckreiz lindern. Für die Anwendung empfiehlt es sich, das Öl leicht zu erwärmen, in die Kopfhaut einzumassieren und mindestens 30 Minuten – idealerweise über Nacht – einwirken zu lassen, bevor es mit einem milden Shampoo ausgewaschen wird.
Senföl für die Haut
Die durchblutungsfördernden, entzündungshemmenden und antibakteriellen Eigenschaften von Senföl machen es zu einem interessanten Pflegemittel für die Haut. Die in der Linolsäure enthaltene Fettsäure ist zudem ein natürlicher Bestandteil der menschlichen Hautbarriere und wird daher gut aufgenommen.[7]
Pickel, Unreinheiten und andere entzündliche Hautveränderungen können durch die regelmäßige, punktuelle Anwendung gelindert werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um die Gesichtshaut oder andere Körperbereiche handelt.
Wer aus beruflichen Gründen viel stehen muss, profitiert ebenfalls vom Senföl: Das Einreiben der Füße und Unterschenkel mit dem Öl kann die Durchblutung anregen und somit das Schmerzempfinden lindern. Wichtig zu beachten: Senföl kann bei empfindlicher Haut zu Rötungen und einem Wärmegefühl führen. Daher sollte die Verträglichkeit vorab an einer kleinen Hautstelle getestet werden. Das Öl sollte nicht länger als 15 bis 20 Minuten auf der Haut verbleiben, um Hautreizungen zu vermeiden.
Senföl in der Küche
In der indischen und bengalischen Küche ist Senföl seit Jahrtausenden eines der wichtigsten Speiseöle. Es verleiht Gerichten eine charakteristische, leicht scharfe und nussige Note und besitzt mit 254 °C einen bemerkenswert hohen Rauchpunkt, der es zum Braten und Frittieren geeignet macht.
In der europäischen Küche lässt sich kaltgepresstes Senföl hervorragend als Würzöl verwenden: Es verfeinert Salatdressings, Dips und Marinaden, verleiht Suppen und Saucen eine würzige Tiefe und eignet sich zum Marinieren von Fleisch und Gemüse. Auch als Basis für selbst aromatisierte Öle bietet sich Senföl an. Für die Verwendung in der Küche sollte auf lebensmitteltaugliches, kaltgepresstes Bio-Senföl zurückgegriffen werden, das den europäischen Grenzwert für Erucasäure von maximal 5 % einhält.[8] Wer nach dem Essen unter Völlegefühl leidet, kann von einem Teelöffel Senföl profitieren, da es die Verdauung und die Leberfunktion unterstützt.
Senföl in der Kosmetik
In der Kosmetik wird Senföl aufgrund seiner durchblutungsfördernden und hautstraffenden Wirkung geschätzt. Als Haarpflege kann es nach jeder Wäsche in die Haarspitzen einmassiert werden, um brüchigem Haar vorzubeugen. Als Körperöl für Massagen regt es die Mikrozirkulation an und kann langfristig zur Straffung des Hautbildes beitragen.
Besonders beliebt ist die kurmäßige Anwendung: Über einen Zeitraum von drei bis vier Wochen wird das Öl morgens und abends großzügig auf die Haut aufgetragen und mit Frischhaltefolie abgedeckt. So können die Wirkstoffe während einer Einwirkzeit von etwa 15 Minuten tief in die Haut eindringen. Die antioxidativen Eigenschaften des Öls können dazu beitragen, feine Fältchen zu mildern und das Hautbild frischer erscheinen zu lassen. Für empfindliche Bereiche wie die Brustwarzen empfiehlt es sich, diese vorab mit einer Fettcreme zu schützen, da das ätherische Senföl bei direktem Kontakt Reizungen verursachen kann.
Senföl gegen Rheuma
Die Verwendung von Senföl bei rheumatischen Beschwerden hat eine lange Tradition und reicht bis in die Antike zurück. Die Pflanzenstoffe der Brassicales-Familie wurden bereits in der griechisch-römischen Heilkunde und der traditionellen chinesischen Medizin bei Gelenkbeschwerden eingesetzt.[9] Die entzündungshemmenden, durchblutungsfördernden und schmerzlindernden Eigenschaften des Öls machen es zu einem unterstützenden Begleiter bei der Linderung rheumatischer Schmerzen.
Für die Anwendung wird das Öl großzügig auf ein leicht angewärmtes Tuch gegeben und auf die betroffenen Körperstellen aufgelegt. Das Umwickeln mit Frischhaltefolie hält die Wärme an der Haut und verhindert das Austrocknen des Öls. So werden die Wirkstoffe über einen Zeitraum von etwa 15 bis 20 Minuten sukzessive an das Gewebe abgegeben. Rheumatische Beschwerden in Zehen oder Fingern lassen sich zusätzlich mit warmen Ölbädern behandeln: Hierzu wird eine kleine Menge Senföl in einer Schüssel leicht erwärmt und die Gliedmaßen darin für etwa 15 Minuten gebadet.
Senföl gegen Entzündungen
Senföl ist für seine ausgeprägte entzündungshemmende Wirkung bekannt, die in zahlreichen In-vitro-Studien nachgewiesen wurde.[6] Entzündliche Gelenkerkrankungen können durch wohltuende Senfwickel gelindert werden. Bei Pickeln und Mitessern im Gesicht genügen morgens und abends jeweils drei bis vier Tropfen auf die betroffenen Hautpartien, um die Entzündung zu reduzieren.
Auch bei Entzündungen des Zahnfleisches kann Senföl unterstützend wirken: Dazu wird eine kleine Menge Öl direkt auf die schmerzenden Partien des Zahnfleisches aufgetragen. In Kombination mit dem Kauen auf einer Gewürznelke – einem altbewährten Hausmittel bei Zahnschmerzen dank des enthaltenen Nelkenöls – kann die schmerzstillende Wirkung verstärkt werden. Eine aktuelle Laborstudie der Universitäten Heidelberg und Freiburg zeigte zudem, dass die Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich gegen nahezu alle untersuchten pathogenen Keime der Mundflora eine ausgeprägte antibakterielle Wirkung besitzen.[10]
Senföl gegen Blasenentzündung
Eine der am besten erforschten Anwendungen von Senföl betrifft Harnwegsinfekte und Blasenentzündungen. Die aktualisierte S3-Leitlinie zur Therapie unkomplizierter Harnwegsinfektionen empfiehlt den Einsatz von Arzneimitteln mit Senfölen aus Kapuzinerkresse und Meerrettich als pflanzliche Behandlungsoption bei häufig wiederkehrenden Blasenentzündungen.[1]
Die Wirksamkeit beruht auf einem dreifachen Mechanismus: Die Isothiocyanate wirken antibakteriell, antiviral und entzündungshemmend zugleich.[5] Besonders relevant ist, dass die Senföle im Dünndarm vollständig resorbiert und anschließend über die Harnwege ausgeschieden werden. So reichern sie sich genau dort an, wo die Infektion stattfindet. Eine klinische Studie zeigte, dass ein pflanzliches Arzneimittel aus Kapuzinerkresse und Meerrettich die Rückfallquote bei Blasenentzündungen um 44 % senken konnte.[11] Für Menschen, bei denen herkömmliche Antibiotika nicht anschlagen oder nicht vertragen werden, stellt Senföl daher eine vielversprechende Alternative dar. Die Einnahme erfolgt üblicherweise in Form von Kapseln oder Tabletten.
Senföl gegen Cellulite
Senföl kann eine unterstützende Ergänzung bei der Behandlung von Cellulite sein. Das Öl regt die Durchblutung an und fördert den Abtransport von Wasserablagerungen und Schlackenstoffen im Unterhautgewebe. In Kombination mit gesunder Ernährung und regelmäßiger Bewegung kann es dazu beitragen, das Hautbild sichtbar zu verbessern.
Für die Anwendung wird das Öl großflächig auf die betroffenen Stellen aufgetragen und mit kreisenden Bewegungen einmassiert – idealerweise mit einer Massagebürste. Nach etwa 15 bis 20 Minuten Einwirkzeit sollten die Reste abgespült und ein pflegendes Jojobaöl oder Weizenkeimöl aufgetragen werden. Ergänzend können durchblutungsfördernde Öle wie Zitrusöle beigemischt werden. Wichtig ist dabei, die Einwirkzeit nicht zu überschreiten, da Senföl bei zu langer Anwendung Hautreizungen verursachen kann.
Senfölglykoside
Senfölglykoside (Glucosinolate) sind sekundäre Pflanzenstoffe, die in zahlreichen Kreuzblütlergewächsen der Brassicales-Familie vorkommen. Sie werden von der Pflanze als Abwehrstoffe gegen Fressfeinde produziert und sind für den scharfen bzw. bitteren Geschmack von Senf, Meerrettich, Rettich und Kohl verantwortlich.[1]
Besonders das Senfölglykosid Glucoraphanin und das daraus durch enzymatische Spaltung entstehende Sulforaphan sind Gegenstand intensiver Forschung. Sulforaphan greift in verschiedene Stoffwechselprozesse ein: Es stimuliert den programmierten Zelltod (Apoptose), blockiert die Zellteilung und aktiviert körpereigene Entgiftungsenzyme (Phase-II-Enzyme).[12] Forscher der Universität Heidelberg wiesen nach, dass Sulforaphan den NF-κB-Signalweg blockieren kann, der für die Therapieresistenz und Metastasierung von Bauchspeicheldrüsenkrebs verantwortlich ist. In Tierversuchen verstärkte Sulforaphan die Wirksamkeit von Chemotherapie gegen Krebsstammzellen, ohne zusätzliche Nebenwirkungen zu verursachen.[13]
Relevante Studien zu den krebshemmenden Eigenschaften:
- Eine Studie zeigte, dass die Fütterung von reinem Senföl bei Ratten das Wachstum von Darmkrebszellen effektiver blockierte als andere Öle.[14]
- Senfkornpulver, reich an Allylisothiocyanat, hemmte in einem Tiermodell das Wachstum von Harnblasenkrebs und verhinderte dessen Ausbreitung in die Muskelschicht der Blase.[15]
- Die Verabreichung von Allylisothiocyanat, gewonnen aus Senföl, verringerte in einer weiteren Studie die Ausbreitung von Harnblasenkrebszellen.[16]
Es ist wichtig zu betonen, dass es sich bei diesen Ergebnissen bisher überwiegend um Tier- und Zellkulturstudien handelt. Die Übertragbarkeit auf den Menschen ist noch nicht ausreichend belegt, und medizinische Fachgesellschaften empfehlen derzeit nicht, Sulforaphan als Nahrungsergänzungsmittel zur Krebsprävention oder -behandlung einzusetzen.[12]
Senföl bei Frauenbeschwerden
Frauen, die während der Menstruation unter Bauchschmerzen oder Krämpfen leiden, können von der entkrampfenden und schmerzlindernden Wirkung des Senföls profitieren. Die Einnahme erfolgt am einfachsten in Form von Kapseln. Viele Anwenderinnen berichten, dass bereits nach kurzer Zeit eine deutliche Linderung der Schmerzen eintritt. Auch menstruationsbedingte Kopfschmerzen können durch die entzündungshemmende Wirkung reduziert werden. Hinweis: Während einer Schwangerschaft sollte die Anwendung von Senföl – sowohl äußerlich als auch innerlich – mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden, da die enthaltenen Isothiocyanate in hoher Dosierung zu intensiv wirken können.
Wissenschaftliche Studien zu Senföl
Die Wirksamkeit von Senföl ist in mehreren klinischen und präklinischen Studien untersucht worden. Eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie einer Hamburger Forschergruppe (veröffentlicht in „Drug Research") belegte, dass ein pflanzliches Arzneimittel aus Senfölen der Kapuzinerkresse und des Meerrettichs die Häufigkeit von Erkältungskrankheiten um rund 50 % reduzieren kann. In der Verumgruppe lag die Infektrate bei 13,3 %, unter Placebo bei 25,6 %.[11]
Studien der Universität Freiburg bestätigen die entzündungshemmende Wirkung: Bereits die einmalige Einnahme weniger Senföl-Tabletten führte zu messbaren Konzentrationen der Isothiocyanate im Urin, die eine antiphlogistische Wirkung erwarten lassen.[6] Eine Laborstudie der Universität Heidelberg wies zudem nach, dass Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich die Bildung bakterieller Biofilme hemmen können – selbst bei dem Problemkeim Pseudomonas aeruginosa.[5]
Nicht für alle traditionellen Anwendungsgebiete liegt jedoch eine wissenschaftliche Evidenz vor. Die Wirkung auf das Hautbild bei Pickeln oder Unreinheiten sowie die Linderung von Menstruationsbeschwerden beruhen derzeit vorwiegend auf Erfahrungsberichten. Wissenschaftliche Studien, die diese Effekte eindeutig belegen, stehen noch aus. Es empfiehlt sich daher, vor Beginn der kalten Jahreszeit eine Senföl-Kur durchzuführen, um die Abwehrkräfte zu stärken – die vorbeugende Wirkung bei Atemwegsinfekten ist hingegen gut belegt.[11]
Senföl selber machen
Wer Senföl selbst herstellen möchte, hat zwei bewährte Möglichkeiten. Die erste Methode erfordert eine Schneckenpresse: Hierfür werden Senfkörner – idealerweise aus biologischem Anbau – durch die Presse gezogen und das gewonnene Öl in einem dunkel gefärbten Glasgefäß aufgefangen. Diese Methode liefert reines, kaltgepresstes Senföl mit dem vollen Gehalt an Wirkstoffen.
Die zweite, einfachere Methode ist die Mazeration: Füllen Sie Senfsamen in eine dunkle Glasflasche und übergießen Sie sie mit hochwertigem, kaltgepresstem Olivenöl. Lassen Sie das Ganze etwa zwei Wochen an einem dunklen, kühlen Ort ziehen und schütteln Sie die Flasche gelegentlich. Anschließend wird die Mixtur durch einen feinen Filter gegossen. Das resultierende Öl hat einen milden Senfgeschmack und eignet sich gut für die Küche.
Bei beiden Methoden ist es wichtig, ein dunkles Gefäß zu verwenden, da Tages- und Sonnenlicht den Gehalt der wertvollen Inhaltsstoffe sukzessive reduzieren kann. Die Senfkörner sollten vorab von Schmutz und Fremdkörpern befreit werden – je reiner das Ausgangsmaterial, desto hochwertiger und haltbarer das Endprodukt.
Lagerung und Haltbarkeit von Senföl
Die bioaktiven Inhaltsstoffe im Senföl sind empfindlich gegenüber Licht, Wärme und Sauerstoff. Für eine optimale Haltbarkeit sollte das Öl in einer dunklen, fest verschlossenen Glasflasche an einem kühlen Ort gelagert werden – idealerweise bei Temperaturen unter 20 °C. Direkte Sonneneinstrahlung, Wärmequellen wie Herdnähe und häufiges Umstellen der Flasche sollten vermieden werden.
Korrekt gelagertes, kaltgepresstes Senföl ist in der Regel etwa 12 Monate haltbar. Raffiniertes Senföl hält aufgrund der Verarbeitung etwas länger. Ein ranziger Geruch oder Geschmack ist ein klares Zeichen dafür, dass das Öl nicht mehr verwendet werden sollte.
Dosierung und Einnahme von Senföl
Die Dosierung von Senföl richtet sich nach dem Anwendungszweck. Für die äußerliche Anwendung – etwa als Massageöl, für Umschläge oder als Badezusatz – genügen bereits wenige Milliliter. Für ein wohltuendes Fuß- oder Ganzkörperbad werden etwa zwei Verschlusskappen Öl ins warme Wasser gegeben. Bei Senfwickeln wird eine Verschlusskappe auf ein vorgewärmtes Tuch gegeben und auf die zu behandelnde Stelle gelegt.
Für die innerliche Anwendung stehen Tabletten und Kapseln zur Verfügung. Die übliche Dosierung beträgt eine Tablette oder Kapsel morgens, mittags und abends, eingenommen über einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen. In der Küche genügen oft wenige Tropfen, um Gerichten den charakteristischen Geschmack zu verleihen. Als allgemeine Richtlinie gelten ein bis zwei Teelöffel pro Tag als unbedenklich, sofern es sich um lebensmitteltaugliches Senföl mit niedrigem Erucasäuregehalt handelt. Bei Unsicherheiten bezüglich der Dosierung empfiehlt sich die Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker.
Senföl Nebenwirkungen
Senföl wird bei sachgemäßer Anwendung in der Regel gut vertragen. Dennoch gibt es einige wichtige Hinweise zu beachten. Bei der äußerlichen Anwendung kann es zu Hautrötungen, einem Wärmegefühl und in seltenen Fällen zu Hautreizungen kommen – dies ist eine normale Reaktion auf die durchblutungsfördernde Wirkung der Isothiocyanate. Bei empfindlicher Haut oder zu langer Einwirkzeit können jedoch stärkere Reizungen bis hin zu Verbrennungen auftreten. Deshalb sollte das Öl nicht länger als 15 bis 20 Minuten auf der Haut verbleiben.[7]
Ein wichtiger Aspekt ist der Gehalt an Erucasäure: Traditionelle, nicht speziell gezüchtete Senföle können bis zu 42 % Erucasäure enthalten. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnen, dass hohe Erucasäure-Konzentrationen langfristig das Risiko einer Herzmuskelverfettung (Myokardlipidose) erhöhen können.[8] In der EU sind für Speiseöle nur Produkte mit weniger als 5 % Erucasäure zugelassen. Beim Kauf sollte daher auf lebensmitteltaugliches, in der EU zugelassenes Senföl geachtet werden.
Weitere mögliche Nebenwirkungen: Bei der Anwendung auf empfindlichen Schleimhäuten (Brustwarzen, Augenbereich) kann es zu schmerzhaften Reizungen kommen. Allergische Reaktionen sind selten, aber bei bekannter Allergie gegen Kreuzblütler oder Senf möglich. Schwangere, Stillende und Kleinkinder sollten vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen. Das Erhitzen von Senföl über seinen Rauchpunkt von 254 °C hinaus kann gesundheitsschädliche Dämpfe freisetzen.
Senföl kaufen
Beim Kauf von Senföl ist Qualität entscheidend. Achten Sie auf folgende Kriterien: Das Öl sollte kaltgepresst und idealerweise in Bio-Qualität sein. Es muss als Lebensmittel in der EU zugelassen sein und den Grenzwert von maximal 5 % Erucasäure einhalten. Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau garantieren, dass keine Pestizide oder chemische Zusätze enthalten sind.
Senföl ist in verschiedenen Bezugsquellen erhältlich: In Drogerien wie dm und Rossmann finden sich sowohl reine Senföle als auch Kapselpräparate mit Senföl aus Kapuzinerkresse und Meerrettich. Reformhäuser und Bio-Läden wie Alnatura führen kaltgepresstes Bio-Senföl in Speiseölqualität. In Supermärkten wie Rewe, Edeka oder Kaufland ist Senföl vereinzelt im Sortiment, häufiger jedoch in der Bio-Abteilung. Spezialisierte Bio-Ölmühlen bieten online besonders hochwertiges kaltgepresstes Senföl an. In der Apotheke sind vor allem Senföl-Kapseln und -Tabletten als pflanzliche Arzneimittel erhältlich.
Ein halber Liter hochwertiges, kaltgepresstes Bio-Senföl kostet durchschnittlich zwischen 10 und 15 Euro. Bei deutlich günstigeren Angeboten ist Vorsicht geboten – Billigprodukte können durch unzureichende Reinigung der Samen Verunreinigungen enthalten oder einen zu hohen Erucasäuregehalt aufweisen. Achten Sie zudem auf eine dunkle Glasflasche als Verpackung, die das Öl vor Lichteinwirkung schützt.
Senföl Verkaufsformen
Senföl wird in verschiedenen Darreichungsformen angeboten, die sich je nach Verwendungszweck unterscheiden:
Bio Senföl
Das reine, kaltgepresste Bio-Senföl ist die bekannteste und vielseitigste Form. Es dient als Basis für die Anwendung in der Küche, der Kosmetik und der Naturheilkunde. Kaltgepresstes Öl aus biologischem Anbau zeichnet sich durch den vollen Erhalt der Vitamine, Enzyme und Fettsäuren aus. Bei oraler Einnahme gelangen die Wirkstoffe direkt über den Dünndarm in den Blutkreislauf und können dort rasch wirken. Das Öl kann sowohl innerlich – etwa zur Unterstützung der Verdauung – als auch äußerlich für Massagen, Haarkuren oder Wickel eingesetzt werden. Beim Kauf sollte auf Bio-Zertifizierung, Kaltpressung und einen Erucasäuregehalt unter 5 % geachtet werden.
Senföl Tabletten
Bei Senföl-Tabletten handelt es sich um gepresstes Senföl-Pulver, häufig aus Kapuzinerkresse und Meerrettich. Für eine optimale Aufnahme empfiehlt es sich, die Tablette unter die Zunge zu legen, da die stark durchblutete Mundschleimhaut in diesem Bereich eine schnelle Aufnahme der Wirkstoffe direkt in die Blutbahn ermöglicht. Senföl-Tabletten werden häufig als pflanzliche Arzneimittel bei Erkältungen und Harnwegsinfekten eingesetzt und sind in Apotheken sowie Drogerien wie dm erhältlich.
Senföl Kapseln
Senföl-Kapseln sind mit einer Hülle aus Gelatine oder pflanzlichen Alternativen umgeben, die den Inhalt vor dem Mageninhalt schützt. Der Vorteil: Geschmack und Geruch werden maskiert, was die Einnahme angenehmer macht. Die Hülle löst sich erst im Magen-Darm-Trakt auf, sodass die Wirkung etwas zeitverzögert einsetzt – in der Regel nach wenigen Minuten. Die Wirksamkeit wird durch die Verkapselung nicht gemindert. Senföl-Kapseln eignen sich besonders für Menschen, die den scharfen Geschmack des reinen Öls nicht mögen, und sind in Drogerien wie dm sowie in Apotheken erhältlich.
Häufige Fragen zu Senföl
Was ist Senföl?
Senföl ist ein Pflanzenöl, das durch Kaltpressung aus Senfkörnern gewonnen wird. Es enthält wertvolle ungesättigte Fettsäuren, Vitamine und die charakteristischen Senfölglykoside (Glucosinolate), die für den scharfen Geschmack und die gesundheitlichen Wirkungen verantwortlich sind. Der Begriff „Senföl" bezeichnet sowohl das fette Speiseöl als auch die daraus freigesetzten ätherischen Senföle (Isothiocyanate).
Ist Senföl gesund?
Ja, Senföl kann bei sachgemäßer Anwendung gesundheitlich vorteilhaft sein. Es enthält zu 93 % ungesättigte Fettsäuren und die antibakteriell sowie entzündungshemmend wirkenden Isothiocyanate. Wichtig ist, auf lebensmitteltaugliches Senföl mit niedrigem Erucasäuregehalt (unter 5 %) zu achten.
Ist Senföl gefährlich?
In der empfohlenen Dosierung und bei Verwendung von in der EU zugelassenem Senföl ist das Öl unbedenklich. Traditionelle, nicht regulierte Senföle mit hohem Erucasäuregehalt können jedoch bei dauerhaftem, übermäßigem Konsum das Herz belasten. Äußerlich kann es bei zu langer Einwirkzeit zu Hautreizungen kommen. Schwangere und Kleinkinder sollten vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen.
Wieviel Senföl pro Tag ist empfehlenswert?
Als allgemeine Richtlinie gelten ein bis zwei Teelöffel kaltgepresstes, lebensmitteltaugliches Senföl pro Tag als unbedenklich. Bei der Einnahme von Senföl-Tabletten oder -Kapseln sollte die Dosierungsempfehlung des Herstellers beachtet werden – üblich ist die Einnahme von einer Tablette dreimal täglich.
Für was ist Senföl gut?
Senföl wird traditionell und wissenschaftlich unterstützt bei folgenden Beschwerden eingesetzt: Atemwegsinfekte und Erkältungen, Blasenentzündungen und Harnwegsinfekte, rheumatische Beschwerden, Gelenkschmerzen, Hautunreinheiten und entzündliche Hautveränderungen. In der Kosmetik dient es der Haar- und Hautpflege, in der Küche als würziges Speiseöl mit hohem Rauchpunkt.
Wo kann man Senföl kaufen?
Senföl ist in Drogerien (dm, Rossmann), Reformhäusern, Bio-Läden (Alnatura), ausgewählten Supermärkten (Rewe, Edeka, Kaufland, Lidl), Apotheken und bei spezialisierten Online-Ölmühlen erhältlich. Kapseln und Tabletten mit Senföl finden sich vor allem in Apotheken und Drogerien.
Wie schmeckt Senföl?
Reines, kaltgepresstes Senföl hat einen nussigen, leicht scharfen Geschmack. Die volle Schärfe entfaltet sich erst durch den Kontakt mit Wasser, wenn die Senfölglykoside durch das Enzym Myrosinase in die aktiven, scharfen Isothiocyanate umgewandelt werden. Raffiniertes Senföl ist milder im Geschmack.
Quellenverzeichnis
- Wikipedia (2025). Senföl. Abgerufen von: de.wikipedia.org/wiki/Senföl
- Oelversum (2020). Senföl: Wirkweise, Anwendungstipps & Inhalte. Abgerufen von: oelversum.de/oele/senfoel
- Zentrum der Gesundheit (2023). Senfölglykoside. Abgerufen von: zentrum-der-gesundheit.de
- ESCOP – European Scientific Cooperative on Phytotherapy. escop.com
- Presseportal (2018). Aktuelle Studie der Universität Heidelberg belegt: Senföle wirken gegen resistente bakterielle Biofilme. Abgerufen von: presseportal.de/pm/7139/3935309
- Apotheke Adhoc (2014). Studie der Uni Freiburg liefert weitere Hinweise auf entzündungshemmende Wirkung der Senföle. Abgerufen von: apotheke-adhoc.de
- Utopia (2024). Senföl: Wirkung und Anwendung des vielseitigen Heilmittels. Abgerufen von: utopia.de
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Erucasäure in Speiseölen. Abgerufen von: bfr.bund.de
- Prajapati, V. D. et al. (2018). Brassicaceae Mustards: Traditional and Agronomic Uses in Australia and New Zealand. Molecules, 23(1), 231. doi: 10.3390/molecules23010231
- Gesundheit Adhoc (2021). Prof. Uwe Frank: „Senföle sind ein wirksamer Schutzschild gegen Viren und Bakterien". Abgerufen von: gesundheit-adhoc.de
- Fintelmann, V. et al. (2014). Efficacy and Safety of a Combination Herbal Medicinal Product containing Tropaeoli majoris herba and Armoraciae rusticanae radix. Drug Research. doi: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24831245
- Deutsches Krebsforschungszentrum – Krebsinformationsdienst (2025). Hilft Brokkoli gegen Krebs? Abgerufen von: krebsinformationsdienst.de
- Berufsverband Deutscher Chirurgen (2016). Die Kreuzblütler auf dem Kreuzzug gegen Krebs. Abgerufen von: bdc.de
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- Bhattacharya, A. et al. (2010). Inhibition of bladder cancer development by allyl isothiocyanate. Carcinogenesis, 31(2), 281–286. doi: 10.1093/carcin/bgp303
- Savio, A. L. et al. (2015). Effects of allyl isothiocyanate on urinary bladder cancer cells. Nutrition and Cancer, 67(2), 250–260. doi: 10.1080/01635581.2015.989372










