Kaktusfeigenkernöl (INCI: Opuntia ficus-indica Seed Oil) gilt als eines der wertvollsten und teuersten Pflanzenöle der Welt. Gewonnen aus den Kernen der Kaktusfeige, überzeugt es durch einen außergewöhnlich hohen Gehalt an Linolsäure, Vitamin E und Antioxidantien. In der Hautpflege wird es zunehmend als natürliches Anti-Aging-Öl geschätzt, das Feuchtigkeit spendet, feine Fältchen mindert und die Zellerneuerung unterstützt. Doch was genau steckt in diesem kostbaren Öl aus Nordafrika – und für wen lohnt sich die Investition?
Gewinnung von Kaktusfeigenkernöl
Die Kaktusfeige (Opuntia ficus-indica), auch als Feigenkaktus oder Nopal bekannt, gehört zur Familie der Kakteengewächse (Cactaceae) und stammt ursprünglich aus Mexiko. Heute ist sie in weiten Teilen Nordafrikas – insbesondere in Marokko und Tunesien –, im Mittelmeerraum, in Mittelamerika sowie in Teilen Australiens verbreitet. Das Kakteengewächs gedeiht am besten in trockenem und heißem Klima, zeigt sich aber auch gegenüber anderen Witterungseinflüssen erstaunlich widerstandsfähig. Sowohl die Früchte als auch die Blätter (Cladoden) der Kaktusfeige sind essbar. In der mexikanischen Küche werden die sogenannten Nopales traditionell zu verschiedenen Gerichten verarbeitet, und in Ägypten verkauft man die dort als „Tin Shoki" bekannten Früchte während der Saison an jeder Straßenecke.[1]
Der Feigenkaktus kann eine Höhe von bis zu sechs Metern erreichen und bildet eiförmige bis längliche Früchte aus, die je nach Sorte grün, orange oder rötlich gefärbt sind. Im Gegensatz zu vielen anderen Kakteenarten sind die Dornen der Opuntia ficus-indica nur schwach ausgeprägt oder fehlen bei manchen Kulturformen vollständig.
Während die Verarbeitung der Früchte und Blätter zu Speisen, Säften und Marmeladen weit verbreitet ist, wissen nur wenige, dass aus den winzigen Kernen der Kaktusfeige ein äußerst wertvolles Öl gewonnen werden kann. Um das Kaktusfeigenkernöl herzustellen, werden die reifen Früchte von Hand geerntet, geschält und behutsam entkernt. Die Schalen dienen als Tierfutter oder Kompost. Die gewonnenen Kerne werden gewaschen, an der Luft getrocknet und anschließend an einem kühlen, dunklen Ort gelagert, bis sie zur Pressung benötigt werden.
Für ein qualitativ hochwertiges Kaktusfeigenkernöl kommt ausschließlich ein Kaltpressverfahren zum Einsatz. Da die Kerne durch die Trocknung relativ hart werden, erwärmt man sie vor dem Pressen leicht auf etwa 50 °C, um die Pressung zu erleichtern – die wertvollen Inhaltsstoffe bleiben dabei erhalten. Rund 450 Kilogramm Früchte – das entspricht etwa 4.000 Kaktusfeigen mit knapp einer Million Kernen – sind notwendig, um einen einzigen Liter Öl zu gewinnen.[2] Im Anschluss wird das Rohöl mehrfach gefiltert, bis es seine typische grünlich-goldgelbe Farbe erhält. In kleineren Manufakturen in Marokko geschieht dieser Schritt oft noch in Handarbeit.
Der aufwendige Gewinnungsprozess erklärt den hohen Preis des Kaktusfeigenkernöls. Auf dem Markt existieren allerdings Produkte, bei denen das Öl durch chemische Extraktion oder starke Wärmebehandlung hergestellt wird. Bei solchen Verfahren gehen nicht nur wertvolle Wirkstoffe verloren, es können auch unerwünschte Rückstände im Öl verbleiben. Nicht zu verwechseln ist kaltgepresstes Kaktusfeigenkernöl mit dem deutlich günstigeren Kaktusblütenöl (Mazerat), bei dem lediglich Blütenteile in ein Trägeröl eingelegt werden.
Kaktusfeigenkernöl Inhaltsstoffe
Kaktusfeigenkernöl zeichnet sich durch eine besonders hohe Konzentration an ungesättigten Fettsäuren und Mikronährstoffen aus. Der Anteil ungesättigter Fettsäuren liegt bei über 88 Prozent – ein Wert, der das Öl von vielen anderen Pflanzenölen abhebt.[3]
Die wichtigsten Inhaltsstoffe im Überblick:
Linolsäure (Omega-6-Fettsäure): Mit rund 60–70 Prozent ist sie die dominierende Fettsäure im Kaktusfeigenkernöl. Als essenzieller Baustein der Hautbarriere (Epidermis) reguliert sie den hauteigenen Wasserhaushalt und stabilisiert die Struktur der Zellmembranen. Der Körper kann Linolsäure nicht selbst herstellen, weshalb die äußere Zufuhr besonders wertvoll ist.[4]
Ölsäure (Omega-9-Fettsäure): Sie macht etwa 15–20 Prozent der Fettsäuren aus und unterstützt die Geschmeidigkeit und Penetrationsfähigkeit des Öls in die Haut.
Palmitinsäure und Stearinsäure: Diese gesättigten Fettsäuren (zusammen ca. 14–17 Prozent) tragen zur Stabilität des Öls bei und haben eine pflegende Wirkung auf die Haut.[3]
Tocopherole (Vitamin-E-Komplex): Kaktusfeigenkernöl enthält eine bemerkenswert hohe Konzentration an Tocopherolen – je nach Herkunft zwischen 500 und 720 mg pro Kilogramm. Den Hauptanteil bildet Gamma-Tocopherol (ca. 82 Prozent), gefolgt von Alpha-Tocopherol (ca. 14 Prozent), Beta-Tocopherol (ca. 3 Prozent) und Delta-Tocopherol (ca. 1 Prozent). Diese Verbindungen sind potente Antioxidantien und schützen sowohl das Öl als auch die Hautzellen vor oxidativem Stress durch freie Radikale.[5]
Phytosterole (Beta-Sitosterol, Campesterol, Stigmasterol): Diese pflanzlichen Sterine wirken feuchtigkeitsspendend und entzündungshemmend. Sie verbessern die Spannkraft der Haut und lindern Juckreiz.[6]
Polyphenole und Flavonoide: Darunter Quercetin, Kaempferol und Isorhamnetin – sekundäre Pflanzenstoffe mit antioxidativer und zellschützender Wirkung. Phenolische Verbindungen wie Ferulasäure, Vanillinsäure und Tyrosol wurden ebenfalls im Öl nachgewiesen.[7]
Der hohe Tocopherol-Gehalt verleiht dem Kaktusfeigenkernöl eine starke antioxidative Kapazität. Tocopherole fangen freie Radikale ab, bevor diese die ungesättigten Fettsäuren im Öl oder in den Hautzellen schädigen können. Freie Radikale entstehen vermehrt durch UV-Strahlung, Umweltschadstoffe, Zigarettenrauch, Alkoholkonsum und psychischen Stress. Da sie den Hautalterungsprozess maßgeblich beschleunigen, wird das Kaktusfeigenkernöl oft als natürlicher „Radikalfänger" bezeichnet.[8]
Wirkung von Kaktusfeigenkernöl
Die Wirkung von Kaktusfeigenkernöl beruht auf dem Zusammenspiel seiner Inhaltsstoffe. Wissenschaftliche Studien bestätigen mehrere relevante Effekte:
Antioxidative Wirkung: Eine klinische Studie mit 18 gesunden Probanden zeigte, dass die Einnahme von Kaktusfeigenfrucht den oxidativen Stress im Körper signifikant reduziert und die antioxidative Kapazität verbessert – stärker als eine vergleichbare Dosis Vitamin C allein.[8] Eine weitere klinische Studie aus dem Jahr 2025 bestätigte, dass eine dreimonatige Supplementierung mit Opuntia ficus-indica die antioxidative Gesamtkapazität um 48 Prozent steigerte und Biomarker für oxidativen Stress deutlich senkte.[9]
Entzündungshemmende Eigenschaften: Die im Öl enthaltenen Phytosterole – insbesondere Beta-Sitosterol – sowie die Polyphenole besitzen entzündungshemmende Eigenschaften. In einer Tierstudie konnte Kaktusfeigenkernöl durch LPS ausgelöste Entzündungsreaktionen in Leber und Gehirn abschwächen.[10]
Hautschützende Wirkung: Die Linolsäure unterstützt die natürliche Barrierefunktion der Haut, lindert Irritationen und fördert die Wundheilung. Die Prostaglandine, deren Bildung durch Linolsäure angeregt wird, wirken wasserabweisend und schützen die Haut vor Feuchtigkeitsverlust.
Feuchtigkeitsspendend: Das Öl zieht schnell in die Haut ein, ohne einen fettigen Film zu hinterlassen. Es bindet Feuchtigkeit in der Haut und reguliert den transepidermalen Wasserverlust.
Kaktusfeigenkernöl kann pur aufgetragen oder mit Cremes und Lotionen gemischt werden. Der Körper nimmt die enthaltenen essenziellen Fettsäuren sehr gut über die Haut auf, da das Fettsäureprofil dem der menschlichen Epidermis ähnelt.
Anwendungsgebiete von Kaktusfeigenkernöl
Kaktusfeigenkernöl für die Haut
Die antioxidativen und feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften machen Kaktusfeigenkernöl zu einem vielseitigen Hautpflegeöl. In einer oft zitierten Studie aus dem Jahr 2004 (Wolfram et al.) konnte nachgewiesen werden, dass der Verzehr von Kaktusfeigenfrucht Zellschäden durch oxidativen Stress bei gesunden Probanden verringert.[8] Auf die Haut übertragen bedeutet dies: Die in dem Öl enthaltenen Antioxidantien – insbesondere Tocopherole, Betanin und Indicaxanthin – unterstützen die natürliche Zellerneuerung und können der Entstehung feiner Fältchen entgegenwirken.
Erfahrungsberichte von Anwenderinnen beschreiben, dass sich das Hautbild bei regelmäßiger Anwendung deutlich vitaler, straffer und ebenmäßiger zeigt. Alters- und Pigmentflecken können bei konsequenter Nutzung sichtbar verblassen. Die Wirkung von Kaktusfeigenkernöl auf die Haut profitiert dabei von seiner nicht komedogenen Beschaffenheit – das Öl verstopft die Poren nicht und eignet sich deshalb für alle Hauttypen.
Zur Anwendung werden zwei bis drei Tropfen auf die gereinigte Haut von Gesicht, Hals und Dekolleté aufgetragen und mit sanften, kreisenden Bewegungen einmassiert. Das Öl zieht rasch ein und hinterlässt keinen fettigen Glanz. Öle mit einem hohen Linolsäuregehalt wie Kaktusfeigenkernöl werden zudem begleitend bei Neurodermitis eingesetzt, da Linolsäure die gestörte Hautbarriere stärken kann.
Kaktusfeigenkernöl fürs Gesicht
Gerade im Gesicht entfaltet Kaktusfeigenkernöl seine Wirkung besonders gut. Die empfindliche Gesichtshaut ist oxidativem Stress und Umwelteinflüssen stärker ausgesetzt als andere Körperstellen. Morgens oder abends als letzter Schritt der Pflegeroutine aufgetragen, bildet das Öl einen schützenden Film, ohne die Haut zu beschweren. Besonders bewährt hat sich die Anwendung bei Augenringen und feinen Linien im Augenbereich, da die hohe Konzentration an Vitamin E die Mikrozirkulation anregen kann. Für einen zusätzlichen Frische-Effekt lässt sich Kaktusfeigenkernöl mit einem Hagebuttenöl oder einigen Tropfen Rosenöl kombinieren.
Kaktusfeigenkernöl bei unreiner Haut und Akne
Mit einem Komedogenitätsgrad von 0 ist Kaktusfeigenkernöl eines der wenigen Öle, die auch bei fettiger und zu Unreinheiten neigender Haut bedenkenlos eingesetzt werden können. Anders als etwa Kokosöl (Komedogenitätsgrad 3–4) verstopft es die Poren nicht. Die entzündungshemmenden Eigenschaften der Phytosterole und Polyphenole können zudem dazu beitragen, Rötungen und Pickel zu lindern. Die im Öl enthaltene Linolsäure ist ein natürlicher Bestandteil des hauteigenen Sebums – ein Mangel an Linolsäure steht in Zusammenhang mit der Entstehung von Komedonen.[11] Die regelmäßige Anwendung von linolsäurereichen Ölen kann daher die Talgzusammensetzung positiv beeinflussen und Unreinheiten reduzieren.
Kaktusfeigenkernöl für die Haare
Kaktusfeigenkernöl ist ein ausgezeichnetes Pflegeöl für die Haare. Dank seiner leichten Textur glättet es die Haarstruktur, verleiht Glanz und macht das Haar geschmeidig, ohne es zu beschweren. Ideal ist eine regelmäßige Ölmassage von Haar und Kopfhaut, bei der wenige Tropfen in die Kopfhaut einmassiert werden. So stärkt man die Haarfasern und fördert die Durchblutung. Die Wirkstoffe können dabei tief einziehen und ihre pflegenden Effekte optimal entfalten. Für strapazierte und splissige Spitzen eignet sich Kaktusfeigenkernöl als intensive Leave-in-Kur: Einfach ein bis zwei Tropfen in die noch feuchten Haarspitzen einarbeiten.
Kaktusfeigenkernöl in der Kosmetik
In der Naturkosmetik findet Kaktusfeigenkernöl vielfältige Verwendung. Gemischt mit Hyalurongel ergibt es einen sanften Make-up-Entferner, der selbst wasserfestes Make-up zuverlässig löst – eine natürliche Alternative zu herkömmlichen Reinigungsprodukten. Auf die Nägel aufgetragen glättet das Öl die Nageloberfläche spürbar und verleiht den Fingernägeln einen gepflegteren Eindruck.
Das Öl enthält die Aminosäure Prolin, die für die Neubildung von Bindegewebe und Kollagen von Bedeutung ist. Diese Eigenschaft macht Kaktusfeigenkernöl interessant für die gezielte Körperpflege und Massage.
Kaktusfeigenkernöl gegen Cellulite
Dank des Prolin-Gehalts und der durchblutungsfördernden Wirkung eignet sich Kaktusfeigenkernöl als Massageöl bei Cellulite. Nach dem Duschen oder Baden wird das Öl sparsam auf die betroffenen Stellen aufgetragen und kräftig in die noch leicht feuchte Haut einmassiert. Die Kombination aus Massage und den pflegenden Wirkstoffen des Öls kann das Hautbild bei regelmäßiger Anwendung verbessern. Für ein intensiveres Ergebnis lässt sich Kaktusfeigenkernöl mit einem Trägeröl wie Jojobaöl mischen.
Ist Kaktusfeigenkernöl komedogen?
Nein – Kaktusfeigenkernöl ist nicht komedogen. Auf der Komedogenitätsskala von 0 bis 5 wird ihm ein Wert von 0 zugewiesen. Das bedeutet, dass es die Hautporen nicht verstopft und kein erhöhtes Risiko für Mitesser, Pickel oder andere Unreinheiten besteht. Damit gehört es in dieselbe Kategorie wie Arganöl, Hanföl und Jojobaöl – Öle, die auch bei empfindlicher, fettiger und zu Akne neigender Haut bedenkenlos eingesetzt werden können.
Die nicht komedogene Eigenschaft hängt unter anderem mit dem hohen Anteil an Linolsäure zusammen. Öle mit hohem Linolsäuregehalt und niedrigem Ölsäuregehalt neigen weniger dazu, die Talgdrüsen zu verstopfen. Kaktusfeigenkernöl ist somit für alle Hauttypen geeignet – von trockener über normale bis hin zu öliger und unreiner Haut.
Kaktusfeigenkernöl oder Arganöl
Kaktusfeigenkernöl und Arganöl stammen beide aus Marokko und werden in der Naturkosmetik hoch geschätzt. Dennoch unterscheiden sie sich in Zusammensetzung und Wirkung:
Vitamin-E-Gehalt: Kaktusfeigenkernöl enthält mit 500–720 mg/kg deutlich mehr Tocopherole als Arganöl (ca. 620 mg/kg), wobei die genauen Werte je nach Herkunft und Verarbeitung variieren. Der höhere Anteil an Gamma-Tocopherol im Kaktusfeigenkernöl verleiht ihm eine besonders starke antioxidative Wirkung.[5]
Linolsäure-Gehalt: Kaktusfeigenkernöl weist mit ca. 60–70 Prozent einen höheren Linolsäureanteil auf als Arganöl (ca. 30–36 Prozent). Das macht es potenziell wirksamer für die Stärkung der Hautbarriere.
Textur und Einzug: Kaktusfeigenkernöl hat eine leichtere Textur und zieht noch schneller ein als Arganöl. Das macht es vor allem für Mischhaut und fettige Haut interessant. Arganöl ist reichhaltiger und eignet sich besonders für trockene Haut.
Preis: Kaktusfeigenkernöl ist in der Regel deutlich teurer als Arganöl, da die Ölausbeute pro Frucht wesentlich geringer ist.
Beide Öle ergänzen sich hervorragend: Arganöl bietet eine reichhaltige Basispflege, während Kaktusfeigenkernöl als konzentriertes Anti-Aging-Serum eingesetzt werden kann. Ein weiteres Öl, das häufig als Alternative genannt wird, ist Cacay-Öl – es punktet ebenfalls mit einem hohen Vitamin-E-Gehalt und Retinol.
Dosierung und Anwendung von Kaktusfeigenkernöl
Kaktusfeigenkernöl ist hochkonzentriert – bereits wenige Tropfen reichen für eine effektive Anwendung aus:
Gesichtspflege: Zwei bis drei Tropfen auf die gereinigte, leicht feuchte Haut auftragen und sanft einklopfen oder einmassieren. Das Öl kann morgens unter dem Sonnenschutz oder abends als letzter Pflegeschritt verwendet werden.
Augenpflege: Einen Tropfen vorsichtig um die Augenpartie tupfen. Nicht direkt ins Auge bringen.
Haarpflege: Zwei bis drei Tropfen in die Haarspitzen oder als Kopfhautmassage einarbeiten. Als intensive Kur das Öl 20–30 Minuten einwirken lassen und anschließend auswaschen.
Körperpflege: Drei bis fünf Tropfen auf feuchte Haut nach dem Duschen auftragen und einmassieren.
In der Creme: Einige Tropfen in die gewohnte Tages- oder Nachtcreme mischen, um deren Wirkung zu verstärken.
Kaktusfeigenkernöl sollte nicht erhitzt werden, da die wertvollen ungesättigten Fettsäuren und Tocopherole hitzeempfindlich sind. Als Speiseöl wird es daher nur kalt verwendet – beispielsweise in Salaten oder Smoothies. Zum Kochen und Braten ist es aufgrund seines niedrigen Rauchpunkts und des hohen Preises nicht geeignet.
Kaktusfeigenkernöl Nebenwirkungen
Kaktusfeigenkernöl gilt als sehr gut verträglich und weist nur wenige bekannte Nebenwirkungen auf. Allergische Reaktionen sind selten, können aber bei Personen mit einer bekannten Allergie gegen Kakteengewächse auftreten. Zur Sicherheit empfiehlt es sich, vor der ersten Anwendung einen Verträglichkeitstest durchzuführen: Dazu eine kleine Menge Öl auf die Innenseite des Handgelenks auftragen und 24 Stunden abwarten, ob Rötungen, Juckreiz oder Irritationen auftreten.
Wichtig: Kaktusfeigenkernöl ist kein Sonnenschutzöl. Obwohl es antioxidativ wirkt und die Haut vor oxidativem Stress schützen kann, bietet es keinen ausreichenden UV-Schutz. Vor dem Sonnenbaden sollte daher immer ein geeigneter Lichtschutzfaktor aufgetragen werden.
In der Schwangerschaft und Stillzeit ist die äußere Anwendung von reinem Kaktusfeigenkernöl in der Regel unbedenklich. Bei Unsicherheiten sollte jedoch Rücksprache mit dem behandelnden Arzt gehalten werden.
Kaktusfeigenkernöl kaufen – worauf achten?
Der Preis von hochwertigem Kaktusfeigenkernöl liegt in der Regel bei etwa 20–30 Euro für 30 Milliliter – ein Preis, der durch den enormen Herstellungsaufwand gerechtfertigt ist. Beim Kauf sollte auf folgende Qualitätsmerkmale geachtet werden:
INCI-Bezeichnung: Auf dem Etikett sollte ausschließlich „Opuntia ficus-indica Seed Oil" stehen. Enthält das Produkt weitere Inhaltsstoffe wie Duftstoffe, Konservierungsmittel oder andere Öle, handelt es sich um ein gestrecktes Produkt – was nicht verboten ist, aber den hohen Preis nicht rechtfertigt.
Kaltpressung: Nur kaltgepresstes Kaktusfeigenkernöl enthält die wertvollen Inhaltsstoffe in voller Konzentration. Bio-Qualität und ein Zertifikat von unabhängigen Prüfinstituten (z. B. Ecocert, COSMOS oder BDIH) sind zusätzliche Qualitätsindikatoren.
Farbe und Geruch: Echtes, reines Kaktusfeigenkernöl hat eine grünlich-goldgelbe Farbe und einen leicht grasig-krautigen, dezent säuerlichen Geruch. Ein auffällig neutraler Geruch kann auf eine Raffinierung oder Desodorierung hinweisen.
Verpackung: Das Öl sollte idealerweise in einer Flasche aus dunklem Glas mit Pipette angeboten werden. Licht und Wärme beschleunigen den Oxidationsprozess und mindern die Qualität. Falls das Öl in einem durchsichtigen Behälter geliefert wird, empfiehlt es sich, es zu Hause umzufüllen und kühl sowie dunkel zu lagern.
Vorsicht vor Verwechslungen: Produkte, die als „Kaktusöl", „Kaktusfeigenöl" oder „Kaktusfeigenblütenöl" vermarktet werden, sind häufig durch Mazeration hergestellt. Bei diesem Verfahren werden Blüten oder Fruchtteile in ein günstiges Pflanzenöl eingelegt. Diese Mazerate besitzen nur einen Bruchteil der Wirksamkeit von echtem, kaltgepresstem Kaktusfeigenkernöl.
Kaktusfeigenkernöl kaltgepresst und in Bio-Qualität ist in Reformhäusern, Apotheken, spezialisierten Online-Shops und teilweise in gut sortierten Drogerien erhältlich. Bei der Haltbarkeit gilt: Ungeöffnet ist das Öl bei kühler, dunkler Lagerung ca. 12–18 Monate haltbar. Nach dem Öffnen sollte es innerhalb von sechs Monaten aufgebraucht werden.
Quellen
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