Reines ätherisches Rosmarinöl wird aus der Rosmarinpflanze (Rosmarinus officinalis, heute botanisch als Salvia rosmarinus geführt) gewonnen, die seit Jahrtausenden als Heil- und Gewürzpflanze geschätzt wird. Bereits im Altertum wurde der Rosmarin, der aus dem Mittelmeerraum stammt, hoch verehrt. Er galt als Symbol für Schönheit und Liebe und war der griechischen Göttin Aphrodite geweiht. Mittlerweile hat sich die beliebte Heilpflanze aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) weltweit verbreitet und ist fester Bestandteil der mediterranen Küche.
In Deutschland ist Rosmarin in unzähligen Gärten anzutreffen. Blüten und Blätter des Rosmarins enthalten eine einzigartige Wirkstoffkombination an wertvollen Inhaltsstoffen, die eine vielfältige Anwendung in der traditionellen Volksmedizin erlaubt. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen zunehmend die antimikrobiellen, entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften der Pflanze.[1] Der Rauch von Wacholder und Rosmarin wurde einst zur Reinigung und Desinfektion der Raumluft verwendet – sogar in Krankenhäusern. Früher begleitete die Würzpflanze die Menschen von der Geburt bis zum Tod: Rosmarinzweige wurden in die Wiege gelegt, als Brautschmuck verwendet und nach der Beerdigung als Grabschmuck niedergelegt.
Mönche brachten die Pflanze im frühen Mittelalter in die Klöster nördlich der Alpen, wo Rosmarin als wichtige Heilpflanze kultiviert wurde. Der Duft ist häufig ein Bestandteil würziger Parfums, wenn das reine ätherische Rosmarinöl in Alkohol gelöst wird. Rosmarinpflanzen werden in der Regel etwa 50 bis 150 Zentimeter hoch, können aber in milden Klimazonen bis zu 2 Meter hoch wachsen. Die Blütezeit liegt zwischen März und Mai, wenn der balsamische, leicht an Kampfer erinnernde Duft besonders betörend ist. Der Name der Pflanze leitet sich von dem lateinischen Begriff „ros maris" ab, der mit „Tau des Meeres" übersetzt wird – ein Hinweis auf die bevorzugte Lage der Pflanze an sonnigen, küstennahen Hängen des Mittelmeerraums.
Gewinnung von Rosmarinöl
Das reine ätherische Rosmarinöl wird durch Wasserdampfdestillation aus den blühenden Triebspitzen und Blättern der Pflanze gewonnen. Für die Herstellung werden die Pflanzenteile zunächst geerntet und anschließend schonend destilliert, wobei hochwertige Öle direkt vor Ort verarbeitet werden, um Qualitätsverluste durch lange Transportwege zu vermeiden.
Je nach Pflanzenart und Chemotyp werden für die Gewinnung von einem Kilogramm reinem ätherischen Rosmarinöl etwa 50 bis 80 Kilogramm frisches Kraut benötigt – die Ausbeute liegt damit bei etwa 1 bis 2 Prozent des Pflanzenmaterials. Nach der Destillation ist das reine ätherische Öl sofort verwendbar und muss nicht nachbehandelt werden. Als wertvolles Nebenprodukt entsteht Rosmarinhydrolat – ein angenehm duftendes Pflanzenwasser, das sich nach der Destillation absetzt und ebenfalls in der Hautpflege und Aromatherapie Verwendung findet.
Aufgrund der unterschiedlichen Herkunftsregionen – von Spanien über Nordafrika bis Frankreich und Korsika – gibt es beim Rosmarin verschiedene Chemotypen, die sich in ihrer chemischen Zusammensetzung und damit auch in ihrer Wirkung unterscheiden.[2]
Rosmarinöl Inhaltsstoffe
Das reine ätherische Rosmarinöl enthält eine komplexe Mischung aus über 100 verschiedenen chemischen Verbindungen, deren genaue Zusammensetzung je nach Chemotyp, Herkunftsregion und Erntezeitpunkt variiert. Phytochemische Analysen haben gezeigt, dass die wirksamsten Bestandteile phenolische Diterpene, Triterpene und phenolische Säuren sind – insbesondere Rosmarinsäure und Carnosolsäure, die für einen Großteil der medizinischen Wirkung verantwortlich sind.[3]
Zu den wichtigsten bekannten Inhaltsstoffen gehören: 1,8-Cineol (Eucalyptol), α-Pinen, Campher (Borneon), Borneol, Camphen, Verbenon, Limonen, Linalool, Myrcen, β-Caryophyllen, Terpineol sowie Rosmarinsäure und Carnosolsäure. Diese Substanzen besitzen nachweislich antioxidative, antimikrobielle und entzündungshemmende Eigenschaften.[4]
Rosmarinöl Chemotypen
Ein wichtiges Merkmal, das Rosmarinöl von vielen anderen ätherischen Ölen unterscheidet, ist die Ausbildung verschiedener Chemotypen (abgekürzt ct.). Je nach Wuchsort, Klima und Bodenbeschaffenheit bildet die gleiche Pflanzenart unterschiedliche chemische Profile aus, die die Wirkung des Öls maßgeblich beeinflussen. In der Aromatherapie und Naturheilkunde werden hauptsächlich drei Chemotypen unterschieden:
Rosmarin ct. Cineol (1,8-Cineol) – Dieser Typ stammt vorwiegend aus Nordafrika (Marokko, Tunesien). Er enthält 40–50 % 1,8-Cineol und eignet sich besonders gut bei Atemwegserkrankungen und Erkältungen, da er stark schleimlösend wirkt. Darüber hinaus fördert er die Konzentration und Merkfähigkeit am stärksten und wird häufig gegen Schuppen und fettige Kopfhaut eingesetzt.
Rosmarin ct. Campher (Borneon) – Dieser Chemotyp kommt überwiegend aus Spanien und enthält etwa 20–30 % Campher sowie viele Monoterpene wie α-Pinen und Camphen. Er stimuliert das zentrale Nervensystem, Herz und Kreislauf, wirkt stark durchblutungsfördernd und eignet sich hervorragend bei Muskelverspannungen, Muskelkater, rheumatischen Beschwerden, niedrigem Blutdruck sowie zur Förderung des Haarwachstums.
Rosmarin ct. Verbenon – Dieser mildere Typ stammt hauptsächlich aus Frankreich und Korsika. Er enthält weniger Campher und gilt als besonders hautverträglich. In der Naturheilkunde wird er bevorzugt zur Unterstützung der Leber- und Gallefunktion, bei empfindlicher Haut und in der Zellregeneration eingesetzt.[2]
Die Kenntnis des jeweiligen Chemotyps ist für die gezielte Anwendung von Rosmarinöl essenziell – sowohl in der Aromatherapie als auch beim Kauf sollte darauf geachtet werden, welcher Chemotyp den eigenen Bedürfnissen am besten entspricht.
Wirkung von Rosmarinöl
Reines ätherisches Rosmarinöl gehört zu den vielseitigsten ätherischen Ölen und besitzt ein breites Spektrum an wissenschaftlich untersuchten Wirkungen. Da es reich an Monoterpenen ist, wirkt es hautreizend und sollte für die äußerliche Anwendung stets verdünnt werden. Trotz der geringen Dosierung sind folgende Wirkungen auf den menschlichen Organismus dokumentiert:[1][5]
- durchblutungsfördernd und belebend
- antibakteriell und antimikrobiell
- entzündungshemmend (antiinflammatorisch)
- schleimlösend und entkrampfend
- antioxidativ – schützt Zellen vor oxidativem Stress
- antiviral und antimykotisch (pilzhemmend)
- antiseptisch und keimtötend
- stärkt das Immunsystem
- lindert rheumatische Beschwerden (antirheumatisch)
- steigert den Blutdruck bei Hypotonie
- fördert die Konzentrationsfähigkeit und das Gedächtnis[6]
- wirkt stimmungsaufhellend und stärkt das Selbstvertrauen
- lindert Stresssymptome und fördert seelisches Gleichgewicht
- stärkt Herz- und Leberfunktion
- entwässernd (diuretisch)
- regt die Wundheilung und Zellregeneration an
- regt die Verdauung an und lindert Blähungen
- fördert das Haarwachstum und wirkt Haarausfall entgegen[7]
Anwendungsgebiete von Rosmarinöl
Da reines ätherisches Rosmarinöl äußerst vielseitig wirkt, kann es bei einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt werden. Die Anwendung erfolgt dabei stets verdünnt – entweder mit einem Trägeröl, als Badezusatz, zur Inhalation oder in der Duftlampe. Folgende Beschwerden und Erkrankungen können durch verschiedene Anwendungen mit Rosmarinöl gelindert werden:
- Haarausfall und dünnes Haar
- Schuppen und juckende Kopfhaut
- Konzentrations- und Gedächtnisschwäche
- geistige und körperliche Erschöpfung, Antriebslosigkeit
- unreine, fettige Haut und Akne
- Erkältung, Bronchitis und grippale Infekte
- Muskelschmerzen, Muskelkater und Verspannungen
- Rheuma und Gicht
- zu niedriger Blutdruck und Kreislaufbeschwerden
- Kopfschmerzen und Migräne
- Ödeme und Lymphstauungen
- schlecht heilende Wunden
- Menstruationsstörungen
- Verdauungsbeschwerden, Völlegefühl und Blähungen
- Cellulite und schlaffe Haut
- nervöse Unruhe und depressive Verstimmungen
Rosmarinöl für die Haare und gegen Haarausfall
Die Anwendung von Rosmarinöl für die Haare ist eines der am besten untersuchten Einsatzgebiete des ätherischen Öls. Besonders im Zusammenhang mit Haarausfall (androgenetische Alopezie) hat Rosmarinöl in den letzten Jahren große Aufmerksamkeit erlangt. Eine vielbeachtete randomisierte klinische Studie von Panahi et al. (2015) verglich Rosmarinöl direkt mit Minoxidil 2 % – einem gängigen Medikament gegen Haarausfall. Das Ergebnis: Nach sechs Monaten regelmäßiger Anwendung zeigten beide Gruppen einen vergleichbaren Anstieg der Haarzahl, wobei die Rosmarinöl-Gruppe weniger Kopfhautjucken als Nebenwirkung erfahren hat.[7]
Eine aktuelle Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 bestätigt, dass Rosmarinöl bioaktive Verbindungen enthält, die antioxidativ, antimikrobiell und entzündungshemmend wirken und dadurch die Haarfollikel positiv beeinflussen können. Der Wirkmechanismus wird unter anderem auf die durchblutungsfördernde Wirkung zurückgeführt: Durch die verbesserte Durchblutung der Kopfhaut werden die Haarfollikel besser mit Nährstoffen versorgt, was das Haarwachstum fördern und Haarausfall verlangsamen kann.[8]
Für die Anwendung von Rosmarinöl auf der Kopfhaut gibt es verschiedene Möglichkeiten: Sie können 3 bis 5 Tropfen reines ätherisches Rosmarinöl mit einem Esslöffel Jojobaöl, Kokosöl oder Mandelöl als Trägeröl mischen und die Mischung sanft in die Kopfhaut einmassieren. Lassen Sie das Öl mindestens 30 Minuten einwirken – viele Anwender berichten von guten Erfahrungen, wenn das Rosmarinöl über Nacht in den Haaren bleibt. Alternativ können Sie 2 bis 3 Tropfen Rosmarinöl direkt in Ihr Shampoo geben. Für sichtbare Ergebnisse sollte die Anwendung zwei- bis dreimal pro Woche über mindestens sechs Monate durchgeführt werden.[7]
Wichtig: Tragen Sie ätherisches Rosmarinöl niemals pur auf die Kopfhaut auf, da es unverdünnt zu Hautreizungen führen kann. Mischen Sie es immer mit einem geeigneten Trägeröl oder Ihrem Shampoo.
Rosmarinöl für die Kopfhaut und gegen Schuppen
Rosmarinöl ist ein bewährtes Mittel gegen Schuppen und juckende Kopfhaut. Die antimykotische und antibakterielle Wirkung des Öls bekämpft die Mikroorganismen, die häufig für Schuppenbildung verantwortlich sind, während die durchblutungsfördernde Eigenschaft die Kopfhaut revitalisiert und die Zellregeneration anregt.[4]
Für eine gezielte Kopfhautbehandlung mischen Sie einige Tropfen Rosmarinöl mit einem pflegenden Trägeröl wie Arganöl oder Jojobaöl und massieren die Mischung sanft in kreisenden Bewegungen in die Kopfhaut ein. Regelmäßige Kopfhautmassagen verbessern die Durchblutung, lösen Schuppen und können so auch Haarausfall entgegenwirken. Wenn Sie das Rosmarinöl in Ihr Shampoo mischen, sollten Sie das Shampoo beim Waschen einige Minuten einwirken lassen, damit die Wirkstoffe in die Kopfhaut übergehen können.
Besonders der Chemotyp Cineol hat sich bei fettender, schuppiger Kopfhaut bewährt, da er die stärkste regulierende Wirkung auf die Talgproduktion zeigt.
Massagen mit Rosmarinöl
Reines ätherisches Rosmarinöl steigert die Durchblutung und eignet sich daher hervorragend als Zusatz für Massageöle. Das ätherische Öl darf nicht unverdünnt auf der Haut angewendet werden und muss vor einer Massage immer mit einem möglichst geruchsneutralen Trägeröl vermischt werden. Je nach Hautempfindlichkeit reichen bereits 2 bis 4 Tropfen Rosmarinöl auf 50 ml Trägeröl aus, um eine spürbare Wirkung zu erzielen.
Massagen mit Rosmarinöl eignen sich hervorragend als Vorbereitung vor dem Sport, da die Durchblutung gesteigert und die Muskeln aufgewärmt werden. Das subjektive Wärmegefühl, das durch die gesteigerte Durchblutung entsteht, wird nicht nur von Sportlern als besonders angenehm empfunden. Auch nach dem Sport kann eine Massage mit einer Rosmarinölmischung Muskelkater und Muskelschmerzen vorbeugen, kleine Wunden schneller heilen lassen und der körperlichen Erschöpfung entgegenwirken.[9]
Darüber hinaus können bei einer Massage Ödeme und Lymphstauungen gemindert, Muskeln entkrampft und Verspannungen gelöst werden. Auch bei leichten Verstauchungen, Prellungen und Sehnenentzündungen unterstützt das Rosmarinöl die Heilung. Um die Wirkung der Massage zu intensivieren, können Sie andere reine ätherische Öle wie Lavendelöl oder Wintergrünöl hinzufügen.
Bei Kopfschmerzen und Migräne kann bereits ein Tropfen der Mischung aus Trägeröl und Rosmarinöl auf Stirn und Schläfen verteilt werden. Für unterwegs können Sie sich ein „Migräneöl" in einem kleinen Ölfläschchen mit Rollkappe anmischen und immer bei sich tragen, wenn Sie häufig unter Kopfschmerzen leiden.
Rosmarinöl zum Inhalieren und bei Erkältung
Ob als Dampfinhalation, mithilfe einer Duftlampe oder eines Verneblers – das Inhalieren von Rosmarinöl ist bei grippalen Infekten, Husten und Erkältung besonders wirksam. Besonders der Chemotyp Cineol mit seinem hohen Anteil an 1,8-Cineol wirkt stark schleimlösend, lässt die Schleimhäute abschwellen und erleichtert das Atmen.[6]
Für eine Dampfinhalation geben Sie 3 bis 5 Tropfen reines ätherisches Rosmarinöl in eine Schüssel mit heißem Wasser, beugen sich darüber und atmen den Dampf unter einem Handtuch für 5 bis 10 Minuten ein. Kopfschmerzen werden gelindert, die Nase wird frei, und die körperliche Schwäche bei Erkältungen nimmt ab.
In der Erkältungszeit lohnt es sich, regelmäßig eine Duftlampe mit Rosmarinöl zu verwenden: Das Atmen wird erleichtert, die Raumluft wird gereinigt und desinfiziert. Die desinfizierende Wirkung kann durch eine Kombination mit reinem ätherischen Eukalyptusöl noch verstärkt werden. Ergänzend kann Rosmarintee die Wirkung von innen unterstützen.
Mücken und Insekten mögen den Duft von Rosmarin nicht, daher hat die Verwendung des Rosmarinöls in der Duftlampe den angenehmen Nebeneffekt, dass Mücken vertrieben werden. In Kombination mit Citronellaöl wird diese Wirkung noch verstärkt.
Rosmarinöl als Badezusatz
Die vielseitige Wirkung von reinem ätherischen Rosmarinöl entfaltet sich besonders intensiv als Badezusatz. Da ätherische Öle nicht wasserlöslich sind, benötigen Sie einen Emulgator: Mischen Sie etwa 5 bis 8 Tropfen Rosmarinöl mit 20 ml Sahne, Honig oder einem neutralen Basisöl und geben Sie die Mischung in Ihr Badewasser.
Ein Rosmarinbad am Morgen macht richtig munter und steigert den Blutdruck – ideal für Menschen mit niedrigem Blutdruck. Bei einer beginnenden Erkältung ist ein Rosmarinbad besonders empfehlenswert, weil der Körper intensiv durchwärmt, der Schleim gelöst und Schwellungen der Schleimhäute gelindert werden. Auch beginnende Kopf- und Gliederschmerzen lassen in einem warmen Rosmarinbad spürbar nach.
Rosmarinöl wirkt antimykotisch, sodass äußerliche Pilzerkrankungen der Haut wie zum Beispiel Fußpilz durch regelmäßige Rosmarinbäder unterstützend therapiert werden können. Wichtig ist dabei die Regelmäßigkeit – ein einmaliges Bad reicht nicht aus, die Anwendung sollte über mehrere Wochen konsequent durchgeführt werden. Unterstützend können die betroffenen Stellen zusätzlich mit einem Rosmarinmassageöl eingerieben werden.
Nach dem Sport oder einem anstrengenden Tag ist ein wärmendes Rosmarinbad eine echte Wohltat. Aufgrund der gesteigerten Durchblutung werden Ödeme, Lymphstauungen und Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule sowie in den Gelenken gemindert. Besonders wirkungsvoll ist die Kombination aus regelmäßigen Bädern und Massagen mit Rosmarinöl.
Rosmarinwickel und Kompressen
Rosmarinwickel und Kompressen sind einfach in der Anwendung und vielseitig einsetzbar. Tränken Sie eine Kompresse in warmem oder kaltem Wasser und tropfen Sie einige Tropfen Rosmarinöl darauf. Anschließend legen Sie die Kompresse auf die betroffene Körperstelle.
Mit warmen Rosmarinwickeln können schmerzende Verspannungen therapiert und nach Fastenkuren die Körperentgiftung angeregt werden. Besonders ein Leberwickel (Bauchwickel) mit Rosmarinöl regt den Gallefluss und die Gallensekretion an, wodurch die Entgiftungsfunktion der Leber unterstützt wird. Für den Chemotyp Verbenon wird in der Naturheilkunde eine besondere Affinität zur Leber beschrieben.[2] Die Wirkung einer warmen Rosmarinwickel kann zusätzlich durch eine Wärmflasche verstärkt werden.
Bei stressbedingten Menstruationsstörungen – sofern diese nicht organisch bedingt sind – können Rosmarinwickel, Wannenbäder oder Massagen mit Rosmarinöl hilfreich sein. Eine bewährte Methode sind regelmäßige heiße Fußbäder mit Rosmarinöl, mit denen etwa 3 Tage vor dem errechneten Menstruationsbeginn begonnen und die alle 3 Tage wiederholt werden.
Auch Harnwegsinfekte können mit einer Rosmarinkompresse oder einem Rosmarinbad unterstützend behandelt werden – idealerweise kombiniert mit ausreichend Rosmarintee. Bei den ersten Anzeichen einer Blasenentzündung sollten Sie sofort reagieren.
Ohrenschmerzen können ebenfalls mit Rosmarinöl gelindert werden. Das reine ätherische Öl darf dabei keinesfalls direkt in den Gehörgang getropft werden. Stattdessen wird ein Tropfen Rosmarinöl auf einen Wattebausch gegeben, der locker in den Gehörgang eingelegt und regelmäßig gewechselt wird.
Rosmarinöl für die Haut und in der Kosmetik
In der richtigen Dosierung bietet Rosmarinöl zahlreiche positive Effekte für die Hautpflege. Die durchblutungsfördernde Wirkung sorgt für einen natürlichen Verjüngungseffekt: Zellen werden regeneriert, die Hautzellen transportieren mehr Sauerstoff, Cellulite wird gemindert und die Hautalterung verlangsamt.[4]
Besonders bei fettender, zu Unreinheiten neigender Haut und Akne kann Rosmarinöl ausgleichende Erfolge erzielen. Die antibakteriellen und entzündungshemmenden Eigenschaften helfen, Pickel und Hautunreinheiten zu bekämpfen, während die regulierende Wirkung auf die Talgproduktion das Hautbild verbessert.
Das reine ätherische Öl können Sie für Cremezubereitungen verwenden oder als Zusatz in Ihrem Shampoo, Duschgel oder Körperpflege nutzen. Achten Sie dabei stets auf eine angepasste Dosierung – bei empfindlicher Gesichtshaut sollte Rosmarinöl besonders sparsam und nur mit einem geeigneten Trägeröl wie Hagebuttenöl oder Jojobaöl verwendet werden.
Rosmarinöl in der Aromatherapie
In der Aromatherapie gehört Rosmarinöl zu den am häufigsten verwendeten ätherischen Ölen. Die Duftlampe ist dabei die einfachste Anwendungsform: Geben Sie 3 bis 5 Tropfen reines ätherisches Rosmarinöl in die Duftlampe oder den Diffuser, um den belebenden Duft im Raum zu verteilen.
Eine klinische Studie mit 20 gesunden Probanden zeigte, dass die Inhalation von Rosmarinöl signifikante Auswirkungen auf das autonome Nervensystem hat: Blutdruck, Herzfrequenz und Atemfrequenz stiegen an, während die Probanden sich wacher, aktiver und weniger müde fühlten.[6]
Rosmarinöl lässt sich in der Duftlampe hervorragend mit anderen ätherischen Ölen kombinieren. Eine beliebte Mischung für die Konzentration besteht aus Rosmarinöl und Zitronenöl. Für Entspannung eignet sich eine Kombination mit Lavendelöl und Orangenöl.
Rosmarinöl für die Psyche und Konzentration
Die psychische Wirkung von Rosmarinöl ist bemerkenswert und wird zunehmend durch wissenschaftliche Studien belegt. Rosmarinöl wirkt belebend und stimmungsaufhellend, was unter anderem auf die Förderung der körpereigenen Dopaminproduktion zurückgeführt wird. In der Naturheilkunde wird Rosmarin seit Jahrhunderten als Mittel gegen Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit und mangelndes Selbstbewusstsein geschätzt.[3]
Studien zeigen, dass die Inhalation von Rosmarinöl die Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit verbessern kann. Probanden, die Rosmarinöl inhalierten, berichteten von einer etwa 30 Prozent gesteigerten geistigen Frische und 25 Prozent weniger Müdigkeit im Vergleich zu einer Placebogruppe.[6] Dieser Effekt wird insbesondere dem Inhaltsstoff 1,8-Cineol zugeschrieben, der die Aktivität der Gehirnwellen positiv beeinflusst.
Für die Nutzung unterwegs genügen bereits 1 bis 2 Tropfen reines ätherisches Rosmarinöl auf einem Taschentuch. Dies ist besonders nützlich vor Prüfungen, bei anspruchsvollen Arbeitsaufgaben oder bei geistiger Erschöpfung. Auch eine Duftlampe am Arbeitsplatz kann die Produktivität und das Durchhaltevermögen spürbar steigern.
Wenn Sie sich matt und abgeschlagen fühlen, kann eine Aromatherapie-Sitzung mit Rosmarinöl die geistige Erschöpfung, Anspannung und nervöse Verstimmungen lindern. Da reine ätherische Öle über das limbische System direkt auf das Unterbewusstsein wirken, kann ein tiefer Atemzug des Rosmarindufts spürbar stimmungsaufhellend wirken.
Rosmarinöl in der Küche
Rosmarin hat seinen festen Platz in der mediterranen Küche nicht ohne Grund. Er wirkt nach einem üppigen Essen ausgleichend, lindert Völlegefühl, Blähungen, Krämpfe und Verstopfungen. Alternativ zum frischen Rosmarin aus dem Garten können Sie einen Tropfen lebensmittelechtes Rosmarinöl in Ihr Essen oder in Ihren Tee geben. Das Öl regt die Verdauung an und kann Diäten unterstützend begleiten.
Beachten Sie, dass nur speziell als Lebensmittelzusatz deklariertes Rosmarinöl für den Verzehr geeignet ist. Viele reine ätherische Öle sind ausschließlich für die äußere Anwendung vorgesehen. Achten Sie daher beim Kauf auf die entsprechende Kennzeichnung.
Rosmarinöl selber machen
Es gibt zwei grundsätzliche Methoden, um Rosmarinöl selbst herzustellen: die Destillation für reines ätherisches Öl und die deutlich einfachere Mazeration (Ölauszug) für ein aromatisches Pflegeöl.
Methode 1: Destillation (ätherisches Öl) – Reines ätherisches Rosmarinöl können Sie nur mit einem Destillator herstellen. Die getrockneten Pflanzenteile werden fein zerteilt und in den Drahtkorb des Destillators gelegt. Durch Wasserdampfdestillation werden die ätherischen Öle aus den Pflanzenteilen herausgelöst. Nach dem Abkühlen schwimmt das ätherische Öl auf der Oberfläche des Hydrolats. Die Destillation zu Hause erfordert etwas Erfahrung und die richtige Ausrüstung.
Methode 2: Mazeration / Ölauszug (einfach und schnell) – Deutlich einfacher ist die Herstellung eines Rosmarinöls durch Mazeration. Diese Methode ist auch für Einsteiger bestens geeignet:
- Getrocknete Rosmarinzweige und -blätter möglichst klein zerteilen.
- Die Pflanzenteile in ein gut verschließbares Twist-Off-Glas geben.
- Mit einem geruchsarmen Trägeröl (z. B. Mandelöl, Olivenöl oder Jojobaöl) auffüllen, bis alle Pflanzenteile großzügig bedeckt sind.
- Das Glas fest verschließen und gründlich schütteln.
- 4 bis 6 Wochen an einem warmen, sonnigen Ort ziehen lassen. Morgens und abends einmal schütteln.
- Nach Ablauf der Reifezeit das Öl durch ein feines Moltontuch oder Sieb filtern.
- In eine dunkle Glasflasche füllen und kühl und lichtgeschützt lagern.
Für eine schnellere Variante können Sie frischen Rosmarin auch in Olivenöl bei niedriger Hitze (ca. 60–70 °C) für etwa 2 Stunden sanft erwärmen. Das so gewonnene Öl ist milder als reines ätherisches Rosmarinöl und eignet sich hervorragend für Körper- und Kopfhautmassagen, zum Würzen in der Küche sowie für Ölbäder und Kosmetik.
Dosierung und Einnahme von Rosmarinöl
Die richtige Dosierung von Rosmarinöl ist entscheidend für eine sichere und wirksame Anwendung. Da es sich um ein hochkonzentriertes ätherisches Öl handelt, sollte es grundsätzlich sparsam und verdünnt verwendet werden. Die folgende Dosierungsübersicht dient als Orientierung für Erwachsene:
- Massageöl: 2–5 Tropfen Rosmarinöl auf 50 ml Trägeröl (z. B. Jojobaöl, Mandelöl oder Sesamöl)
- Haarpflege: 3–5 Tropfen Rosmarinöl auf 1 EL Trägeröl für eine Kopfhautmassage; 2–3 Tropfen in eine Portion Shampoo
- Badezusatz: 5–8 Tropfen Rosmarinöl mit 20 ml Sahne oder Honig emulgiert ins Badewasser geben
- Duftlampe / Diffuser: 3–5 Tropfen für eine angenehme Raumbeduftung
- Dampfinhalation: 3–5 Tropfen in eine Schüssel heißes Wasser; 5–10 Minuten unter einem Handtuch inhalieren
- Kompressen: 2–3 Tropfen auf eine feuchte Kompresse
Bei Kindern über 6 Jahren sollte die Dosierung auf die Hälfte reduziert werden. Für Kinder unter 6 Jahren, Schwangere und Epileptiker ist Rosmarinöl nicht geeignet. Im Zweifelsfall sollten Sie die Anwendung mit Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder einem ausgebildeten Aromatherapeuten besprechen.
Nebenwirkungen von Rosmarinöl
Rosmarinöl ist ein intensiv wirkendes ätherisches Öl, das bei sachgemäßer Anwendung in der Regel gut vertragen wird. Dennoch gibt es wichtige Hinweise und Gegenanzeigen, die beachtet werden sollten:[10]
Nicht geeignet für:
- Kinder unter 6 Jahren – der hohe Camphergehalt kann bei Kleinkindern zu Atemwegskrämpfen führen
- Schwangere, insbesondere in den ersten Schwangerschaftsmonaten – Rosmarinöl wirkt menstruations- und wehenfördernd und kann den Fötus schädigen
- Epileptiker – insbesondere Chemotypen mit hohem Kampfer- oder Ketongehalt können krampfauslösend wirken
- Menschen mit Bluthochdruck – Rosmarinöl steigert den Blutdruck und kann bei Hypertonie kontraindiziert sein
Mögliche Nebenwirkungen bei Überdosierung:
- Hautreizungen, Rötungen und Juckreiz bei unverdünnter Anwendung auf der Haut
- Kopfschmerzen bei zu hoher Dosierung in der Duftlampe
- Schleimhautreizungen bei innerlicher Einnahme ohne fachkundige Anleitung
- Atemnot bei empfindlichen Personen oder bei Kindern
Vor der ersten Verwendung sollte die Verträglichkeit getestet werden: Mischen Sie etwas Trägeröl mit einem Tropfen Rosmarinöl und tragen Sie die Mischung an der Innenseite des Unterarms auf. Wenn nach 24 Stunden keine Hautreizungen, Rötungen oder Juckreiz auftreten, wird das Öl gut vertragen.
Rosmarinöl kaufen – Worauf sollte geachtet werden?
Beim Kauf von reinem ätherischen Rosmarinöl gibt es einige wichtige Qualitätsmerkmale, auf die Sie achten sollten:
1. Reinheit und Deklaration: Achten Sie darauf, dass es sich tatsächlich um ein „100 % reines ätherisches Öl" handelt und nicht um ein Parfumöl, Duftöl oder naturidentisches Aromaöl. Nur reine ätherische Öle, die aus natürlichen Pflanzenteilen destilliert werden, enthalten die hochwirksamen Inhaltsstoffe. Auf dem Etikett sollten der botanische Pflanzenname (Rosmarinus officinalis oder Salvia rosmarinus), die Herkunft, der Chemotyp und das Haltbarkeitsdatum vermerkt sein.
2. Chemotyp beachten: Informieren Sie sich vor dem Kauf, welcher Chemotyp am besten zu Ihren Bedürfnissen passt. Für die Haarpflege und Kopfhautbehandlung eignen sich besonders die Chemotypen Cineol und Borneon. Für die Atemwege ist der Cineol-Typ ideal. Bei empfindlicher Haut und für die Leberpflege ist der Verbenon-Typ die bessere Wahl.
3. Bio-Qualität: Rosmarinöle in Bio-Qualität bieten die Sicherheit, dass das ätherische Öl frei von Pestiziden und synthetischen Pflanzenschutzmitteln ist. Gängige Bio-Zertifizierungen sind das EU-Bio-Siegel, Demeter oder Naturland.
4. Verpackung: Hochwertiges Rosmarinöl wird in dunklen Glasflaschen mit Tropfeinsatz angeboten, da Licht die empfindlichen Inhaltsstoffe zersetzen und das Öl oxidieren lassen kann.
Rosmarinöl Verkaufsformen
Reines ätherisches Rosmarinöl ist im Handel in Tropfflaschen in verschiedenen Größen erhältlich – übliche Gebindegrößen sind 5 ml, 10 ml, 30 ml, 50 ml und 100 ml. Die dunkel getönten Glasflaschen schützen den hochwertigen Inhalt vor Lichteinwirkung und verhindern die Oxidation der wertvollen Inhaltsstoffe. Der integrierte Tropfeinsatz ermöglicht eine präzise Dosierung.
Neben dem reinen ätherischen Öl sind auch bereits fertig gemischte Produkte erhältlich: Rosmarinöl-Massageöle, Rosmarinöl-Haarserums, Shampoos mit Rosmarinöl und Rosmarinöl-Sprays für die Kopfhaut. Der Vorteil des reinen ätherischen Rosmarinöls in der Tropfflasche liegt jedoch in der Flexibilität – Sie können Anwendungen individuell anmischen, die genau Ihren persönlichen Bedürfnissen entsprechen.
Da ätherische Öle, insbesondere Rosmarinöl, sparsam verwendet werden sollten, reicht bereits eine kleine Flasche für viele Anwendungen. Lagern Sie das Öl stets kühl, dunkel und gut verschlossen, um die Haltbarkeit zu maximieren.
Quellenverzeichnis
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