Rizinusöl

Zuletzt aktualisiert: 12.02.26

Rizinusöl (lat. Ricini oleum, engl. Castor Oil) gehört zu den ältesten bekannten Heilmitteln der Menschheit. Bereits vor über 3.500 Jahren wurde es im alten Ägypten verwendet – die früheste schriftliche Erwähnung findet sich im Papyrus Ebers, einem der bedeutendsten medizinischen Texte der Antike.[1] Gewonnen wird das dickflüssige, nahezu farblose bis leicht gelbliche Öl aus den Samen des Wunderbaums (Ricinus communis), einer Pflanze aus der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae), die ihren Ursprung vermutlich in den Tropen Ostafrikas hat.
Rizinusöl

Im Orient und im antiken Griechenland diente Rizinusöl sowohl als Heilmittel als auch für kosmetische und technische Zwecke. Im mittelalterlichen Europa kultivierte der Gelehrte und Bischof Albertus Magnus (* 1200; † 1280) den Rizinusbaum und experimentierte mit seinen Eigenschaften. Danach geriet die Pflanze in Mitteleuropa lange in Vergessenheit, bis sie im 19. Jahrhundert von Westindien aus erneut als Arzneimittel entdeckt wurde. In Europa wird Ricinus communis als einjährige Pflanze angebaut; in tropischen Regionen wächst er als mehrjähriger, bis zu fünf Meter hoher Baum. Seine auffälligen, handförmigen Blätter mit rötlicher Aderung und die stacheligen Samenkapseln machen ihn auch als Zierpflanze im Garten beliebt.

Allerdings ist bei der Rizinuspflanze höchste Vorsicht geboten: Die Samen enthalten das hochgiftige Protein Rizin. Bereits sechs Samen können bei Kindern und etwa zehn Samen bei Erwachsenen zu schweren Vergiftungen führen. Im fertigen Rizinusöl ist dieses Gift jedoch nicht mehr enthalten, da es im Herstellungsprozess vollständig entfernt wird.[2] Die Pflanze blüht von August bis Oktober, geerntet wird zwischen Oktober und November. Heute ist Rizinusöl ein vielseitig einsetzbares Naturprodukt mit Anwendung in Medizin, Kosmetik und Industrie, das zunehmend als sanfte Alternative zu synthetischen Produkten geschätzt wird.

Gewinnung von Rizinusöl

Rizinusöl wird aus den Samen des Wunderbaums gewonnen, sobald die Pflanze vollständig ausgereift ist. Bei großen Anbauflächen erfolgt die Ernte maschinell, während auf kleineren Feldern – besonders in Indien und Brasilien – noch traditionell von Hand geerntet wird. Die Kapseln werden aufgebrochen, die Samen entnommen und nach einer Nachttrocknung geschält.

Das hochwertigste Rizinusöl entsteht durch Kaltpressung der Samen ohne externe Wärmezufuhr. Bei diesem Verfahren bleiben die wertvollen Inhaltsstoffe weitgehend erhalten. Der Ölertrag liegt bei etwa 50 Prozent des Samengewichts. Das giftige Protein Rizin wird durch den Pressvorgang und eine anschließende Wärmebehandlung vollständig unschädlich gemacht.[2]

Bei der Heißpressung werden die Samen vor dem Pressen erhitzt, was einen höheren Ertrag liefert. Der verbleibende Presskuchen enthält noch etwa 10 Prozent Restöl, das durch Extraktion mit Lösungsmitteln wie Hexan gewonnen werden kann. Anschließend wird das Öl raffiniert – dabei wird es entschleimt, entsäuert und mit Wasserdampf behandelt. Das raffinierte Öl ist besonders rein und eignet sich gut für die innerliche Anwendung.[3]

Rizinusöl besitzt mit einer Dichte von 0,950 bis 0,974 g/cm³ eine der höchsten Dichten unter den Pflanzenölen. Es ist zähflüssig, schmeckt mild und ist nahezu geruchlos. Indien dominiert die weltweite Produktion mit über 85 Prozent Marktanteil. Der globale Jahresverbrauch liegt bei mehr als 750.000 Tonnen – Tendenz steigend.[4] Neben Indien zählen China und Brasilien zu den wichtigsten Erzeugerländern.

Rizinusöl Inhaltsstoffe

Die besondere Wirksamkeit von Rizinusöl geht auf seine einzigartige Fettsäurezusammensetzung zurück. Der dominierende Inhaltsstoff ist die Ricinolsäure, eine hydroxylierte Fettsäure, die in keinem anderen handelsüblichen Pflanzenöl in vergleichbarer Konzentration vorkommt. Die Zusammensetzung kann je nach Herkunft und Verarbeitung leicht variieren, folgt aber einem charakteristischen Muster:[3]

Das Öl besteht zu 85 bis 92 Prozent aus dem Triglycerid der Ricinolsäure (Triricinolein). Daneben enthält es 3 bis 5 Prozent Linolsäure, 4 bis 9 Prozent Ölsäure, 1 bis 2 Prozent Palmitinsäure und 1 bis 3 Prozent Stearinsäure. In geringeren Mengen sind außerdem Vaccensäure, Alpha-Linolensäure, Eicosensäure und Arachinsäure enthalten.

Der Schmelzpunkt von Rizinusöl liegt bei etwa −5 °C, der Erstarrungspunkt zwischen −13 und −20 °C. Das Öl lässt sich nicht destillieren, da es sich bei Temperaturen über 250 °C zersetzt. Bei Kontakt mit Luft verdickt es leicht, gehört aber zu den nichttrocknenden Ölen, da es nicht in dünnen Schichten aushärtet. Kaltgepresstes Rizinusöl ist bei korrekter, lichtgeschützter Lagerung etwa sechs bis acht Monate haltbar. Die International Castor Oil Association hat vier verbindliche Qualitätsstandards für den internationalen Handel definiert, an die sich alle Hersteller halten müssen.

Die Samen selbst setzen sich zusammen aus 40 bis 50 Prozent Öl, 14 bis 22 Prozent Protein, 15 bis 18 Prozent Rohfaser und 2 bis 3 Prozent Asche. Etwa 3 Prozent entfallen auf Giftstoffe – das Protein Rizin, das Pyridin-Alkaloid Ricinin und das Allergen CB-1A. Diese werden bei der Ölgewinnung durch Kaltpressung und Wärmebehandlung jedoch zuverlässig entfernt, sodass das fertige Öl sicher in der Anwendung ist.

Wirkung von Rizinusöl

Rizinusöl wirkt auf mehreren Ebenen und ist eines der vielseitigsten Naturöle überhaupt. Die pharmakologischen Eigenschaften sind wissenschaftlich gut untersucht und lassen sich auf den hohen Gehalt an Ricinolsäure zurückführen.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung konnten 2012 in einer wegweisenden Studie den molekularen Wirkmechanismus von Rizinusöl aufklären: Die Ricinolsäure aktiviert den Prostaglandin-EP3-Rezeptor auf den glatten Muskelzellen von Darm und Gebärmutter. Diese Erkenntnis erklärt sowohl die abführende Wirkung als auch die wehenanregende Eigenschaft des Öls.[1]

In der äußerlichen Anwendung zeigt Rizinusöl entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften. Studien belegen, dass die Ricinolsäure ähnlich wie Capsaicin auf Schmerzrezeptoren wirkt, dabei jedoch ohne die für Capsaicin typische Schärfe und Hautreizung auskommt.[5] Zudem besitzt das Öl antimikrobielle Eigenschaften, die es für die Wundpflege und Hautbehandlung wertvoll machen.[6]

Zusammengefasst lassen sich folgende Hauptwirkungen von Rizinusöl festhalten: Es wirkt stark abführend (laxierend) durch Aktivierung der Darmperistaltik, entzündungshemmend und schmerzlindernd bei äußerlicher Anwendung, antimikrobiell gegen bestimmte Bakterien und Pilze, feuchtigkeitsspendend und pflegend für Haut und Haar, sowie wehenfördernd in der Geburtshilfe.

Neben der medizinischen Nutzung spielt Rizinusöl auch in der Technik eine wichtige Rolle. Dank der Hydroxygruppen in der Ricinolsäure dient es als Bindemittel in Lacken und Dispersionsfarben und garantiert eine gute Haftung auf Metalloberflächen. Historisch wurde es während des Ersten Weltkriegs als Schmiermittel für Umlaufmotoren in Flugzeugen eingesetzt. Künstler nutzen es ähnlich wie Leinöl als hochwertiges Bindemittel für Farben und Firnisse.

Anwendungsgebiete von Rizinusöl

Die Anwendungsmöglichkeiten von Rizinusöl sind bemerkenswert vielfältig. In der Kosmetik und Naturheilkunde bietet es eine gut verträgliche und preiswerte Alternative zu synthetischen Produkten. Das Öl ist von Natur aus arm an Allergenen und wird auch von empfindlicher Haut in der Regel sehr gut vertragen. Da die Inhaltsstoffe übersichtlich und klar sind – im Gegensatz zu den oft unverständlichen Zutatenlisten vieler industrieller Kosmetikprodukte – wissen Sie bei Rizinusöl immer genau, was auf Ihre Haut kommt.

Rizinusöl für die Haare

Rizinusöl gehört zu den beliebtesten Naturmitteln in der Haarpflege. Dank seiner dickflüssigen Konsistenz und des hohen Ricinolsäuregehalts umhüllt es jedes einzelne Haar, spendet intensive Feuchtigkeit und verleiht spürbaren Glanz. Die entzündungshemmenden Eigenschaften können zudem die Kopfhaut beruhigen und Schuppenbildung entgegenwirken.[5]

Für eine intensive Haarkur können Sie folgendes Rezept ausprobieren: 40 ml Rizinusöl, 20 ml Olivenöl, 10 g Thymian, 10 g Rosmarin und 10 g Brennnesselblätter abwiegen. Die Öle mischen, die Kräuter in ein bauchiges Gefäß füllen und das Ölgemisch darübergießen. Alles gut verrühren und zwei Tage ziehen lassen. Durch einen feinen Filter seihen, die Kräuter auspressen und das Öl gleichmäßig auf Haar und Kopfhaut verteilen. Mit Frischhaltefolie und einem Handtuch umwickeln und zwei Stunden warm einwirken lassen, dann mit einem milden Shampoo auswaschen. Bei wöchentlicher Anwendung können sich spürbare Verbesserungen bei sprödem Haar und Spliss zeigen.

Bei Haarausfall kann eine regelmäßige Ölkur unterstützend wirken. Rizinusöl dringt tief in die Haarstruktur ein und pflegt gleichzeitig die Kopfhaut. Für die Anwendung ein paar Tropfen Öl in den Handflächen verreiben und Strähne für Strähne vom Ansatz bis in die Spitzen einmassieren. Besondere Aufmerksamkeit sollte der Kopfhaut gelten: Durch sanftes Massieren wird die Durchblutung angeregt. Den Kopf mit Folie und Handtuch umwickeln und das Öl am besten über Nacht einwirken lassen. Am Morgen mit einem milden Shampoo gründlich auswaschen – den Waschvorgang bei Bedarf zwei- bis dreimal wiederholen, um alle Ölreste zu entfernen.

Es ist allerdings wichtig zu wissen, dass die direkte Wirkung von Rizinusöl auf das Haarwachstum wissenschaftlich bislang nicht eindeutig belegt ist. Eine systematische Übersichtsarbeit von Phong et al. (2022) fand schwache Evidenz dafür, dass Rizinusöl den Haarglanz verbessert, jedoch keine starke Evidenz für eine Förderung des Haarwachstums.[7] Die pflegende und feuchtigkeitsspendende Wirkung auf Haar und Kopfhaut ist dagegen gut dokumentiert.

Für eine Fünf-Öle-Intensivpackung bei besonders trockenem, fliegendem Haar mischen Sie 50 ml Mandelöl, 30 ml Sonnenblumenöl, 30 ml Walnussöl, 30 ml Rizinusöl und 5 ml Rosenöl. Die Mischung zwei Tage an einem kühlen Ort ruhen lassen, dann ins Haar einmassieren und über Nacht einwirken lassen.

Rizinusöl für die Wimpern und Augenbrauen

Für die Wimpernpflege mit Rizinusöl spricht vor allem seine ausgezeichnete Hautverträglichkeit – auch im empfindlichen Augenbereich. Das Öl versorgt die feinen Wimpernhärchen mit Feuchtigkeit, macht sie geschmeidiger und kann so Wimpernbruch vorbeugen. Dadurch wirken die Wimpern nach regelmäßiger Anwendung voller und gepflegter.

Vor der ersten Anwendung empfiehlt sich ein kleiner Verträglichkeitstest: Geben Sie ein paar Tropfen Rizinusöl auf die Innenseite des Unterarms und warten Sie 24 Stunden. Zeigen sich keine Rötungen oder Reizungen, kann die Anwendung am Auge bedenkenlos durchgeführt werden. Abends das Gesicht sorgfältig abschminken, damit keine Mascarareste auf den Wimpern verbleiben. Dann ein paar Tropfen Öl auf ein Wattestäbchen oder ein sauberes Mascarabürstchen geben und vorsichtig über den Wimpernkranz streichen. Über Nacht einwirken lassen und am Morgen mit lauwarmem Wasser und einem Wattepad entfernen. Für sichtbare Ergebnisse sollte die Kur über mehrere Wochen konsequent durchgeführt werden. Ebenso lässt sich mit Rizinusöl die Augenbrauenpflege gestalten, um dünnere Brauen optisch zu kräftigen.

Rizinusöl für die Haut

Die Haut profitiert in vielfacher Hinsicht von den Eigenschaften des Rizinusöls. Es wirkt als natürlicher Feuchtigkeitsspender, unterstützt die Hautbarriere und kann dank seiner entzündungshemmenden Ricinolsäure Hautreizungen und Rötungen lindern.[5] Besonders interessant für die Anti-Aging-Pflege: Rizinusöl kann die körpereigene Kollagenproduktion unterstützen, was der Haut mehr Spannkraft verleiht und kleinen Fältchen entgegenwirkt.

Für ein nährendes Körperpflegeöl mischen Sie 50 ml Sesamöl, 25 ml Rizinusöl, 10 ml Weizenkeimöl und einige Tropfen Lavendelöl oder Rosenöl. In eine dunkle Flasche füllen und nach jedem Duschen in die leicht feuchte Haut einmassieren. Dieses Öl kann auch als Massageöl verwendet werden.

Bei kleinen Fältchen im Gesicht – um Augen, Mund und Nase – kann reines Rizinusöl abends sanft auf die betreffenden Stellen eingeklopft werden. Über Nacht einwirken lassen und morgens mit lauwarmem Wasser abwaschen. Nach einigen Wochen regelmäßiger Anwendung können sich erste Verbesserungen zeigen. Besonders für Menschen ab 50 ist diese natürliche Pflege eine sinnvolle Ergänzung zur täglichen Hautpflege.

Auch bei Hautproblemen wie Akne, Neurodermitis oder generell gereizter Haut wird Rizinusöl traditionell angewendet. Für empfindliche oder erkrankte Haut empfiehlt es sich, das Öl im Verhältnis 1:1 mit einem leichteren Trägeröl zu mischen – etwa mit Jojobaöl, Mandel- oder Olivenöl. Die Mischung für fünf Minuten in die betroffenen Hautstellen einmassieren, fünfzehn Minuten einwirken lassen und mit warmem Wasser abwaschen. Auch für die Narbenpflege eignet sich diese Methode, da Rizinusöl die Haut geschmeidig hält und spannende Narben weicher machen kann. Beachten Sie jedoch, dass Rizinusöl als leicht komedogen eingestuft wird – bei zu Unreinheiten neigender Haut sollten Sie die Anwendung im Gesicht zunächst vorsichtig testen.

Rizinusöl gegen Verstopfung

Die abführende Wirkung von Rizinusöl ist wissenschaftlich am besten belegt und von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) als Abführmittel anerkannt.[8] Der Wirkmechanismus wurde 2012 am Max-Planck-Institut aufgeklärt: Im Dünndarm wird die Ricinolsäure durch Lipasen aus dem Öl freigesetzt und aktiviert den Prostaglandin-EP3-Rezeptor auf den glatten Muskelzellen der Darmwand. Dies regt die Darmperistaltik an, hemmt gleichzeitig die Rückresorption von Wasser und Natrium und führt so zu einer effektiven Darmentleerung.[1]

Die Wirkung tritt typischerweise innerhalb von zwei bis sechs Stunden nach der Einnahme ein. Die empfohlene Dosierung für Erwachsene beträgt ein bis zwei Esslöffel (etwa 15 bis 30 ml). Da der Geschmack gewöhnungsbedürftig sein kann, wird die Einnahme mit etwas Fruchtsaft oder warmer Milch empfohlen. Die gleichzeitige Einnahme mit Pflaumensaft sollte vermieden werden, da dieser selbst abführend wirkt. Auch Alkohol ist in Kombination mit Rizinusöl tabu.

Rizinusöl sollte ausschließlich bei akuter Verstopfung als kurzfristiges Mittel eingesetzt werden und nicht zur Daueranwendung dienen. Eine zu hohe Dosierung oder häufige Einnahme kann zu Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfen und einer Störung des Elektrolyt- und Wasserhaushalts führen. Personen mit entzündlichen Darmerkrankungen, Schwangere und Kinder unter 12 Jahren sollten Rizinusöl nicht als Abführmittel einnehmen. Bei anhaltender Verstopfung ist ein Arztbesuch empfehlenswert, um die Ursachen abklären zu lassen.

Rizinusöl für den Bauchnabel

Die Anwendung von Rizinusöl im Bauchnabel ist eine Praktik aus der ayurvedischen Heilkunde, die als Nabhi Chikitsa bekannt ist. In der Tradition des Ayurveda gilt der Nabel als energetisches Zentrum des Körpers, das mit verschiedenen Organen verbunden sein soll. Dabei werden einige Tropfen Rizinusöl in den Bauchnabel geträufelt und sanft einmassiert – idealerweise vor dem Schlafengehen.

Befürworter berichten von einer Verbesserung der Verdauung, Linderung von Blähungen und einer allgemein beruhigenden Wirkung. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es bislang keine klinischen Studien, die spezifische gesundheitliche Vorteile der Bauchnabelanwendung belegen. Die entzündungshemmenden Eigenschaften der Ricinolsäure[5] und die feuchtigkeitsspendende Wirkung des Öls sind jedoch unabhängig vom Anwendungsort nachgewiesen. Wer diese traditionelle Methode ausprobieren möchte, kann dies bedenkenlos tun – Rizinusöl auf der Haut ist in der Regel sehr gut verträglich.

Rizinusöl zur Geburtseinleitung

Der sogenannte Wehencocktail mit Rizinusöl ist eine der umstrittensten Anwendungen und sollte ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht in Betracht gezogen werden. Die wissenschaftliche Grundlage ist klar: Ricinolsäure aktiviert den EP3-Prostaglandinrezeptor nicht nur im Darm, sondern auch in der Gebärmuttermuskulatur und kann so Kontraktionen auslösen.[1]

Ein typischer Wehencocktail besteht beispielsweise aus Aprikosensaft, Sekt, Mandelmus und Rizinusöl. Obwohl Rizinusöl ein Naturprodukt ist, birgt diese Anwendung bei einer Geburt erhebliche Risiken. Als starkes Abführmittel kann es zu Übelkeit, Erbrechen und heftigen Darmkoliken führen. Bei Überstimulation der Prostaglandinrezeptoren drohen Dauerkontraktionen, Uterusrupturen und vorzeitige Plazentalösung. Im schlimmsten Fall kann die Ricinolsäure über den kindlichen Blutkreislauf den Darminhalt des Babys – das Mekonium – vorzeitig entleeren. Grün verfärbtes Fruchtwasser ist dann ein Zeichen für höchste Gefahr.

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt die Anwendung von Rizinusöl zur Geburtseinleitung nicht routinemäßig. Wer über den errechneten Geburtstermin hinausgeht, sollte unbedingt die Betreuung durch eine erfahrene Hebamme oder den Geburtshelfer in Anspruch nehmen – eine eigenständige Einnahme eines Wehencocktails birgt unkalkulierbare Risiken für Mutter und Kind. Weitere Informationen zum Thema ätherische Öle in der Schwangerschaft finden Sie in unserem ausführlichen Ratgeber.

Rizinusöl gegen Pigmentflecken, Altersflecken und Warzen

Pigment- und Altersflecken entstehen durch verschiedene Ursachen – übermäßige Sonneneinstrahlung, hormonelle Veränderungen, bestimmte Medikamente oder genetische Veranlagung. Sie sind in erster Linie ein kosmetisches Problem, können aber durch regelmäßige Behandlung mit Naturmitteln gemildert werden.

Für eine natürliche Behandlung im Gesicht kann folgendes Hausmittel helfen: Zwei Esslöffel Rizinusöl und zwei fein gehackte Löwenzahnblätter im Wasserbad zehn Minuten köcheln lassen, drei Stunden ohne Wärmezufuhr ziehen lassen und anschließend durch ein feines Sieb filtern. Bei regelmäßiger täglicher Anwendung auf die betroffenen Stellen kann diese Mischung die Flecken aufhellen. Für Pigmentflecken an den Händen empfiehlt sich eine Mischung aus 40 ml Rizinusöl und 20 Tropfen ätherischem Zitronenöl: Kräftig schütteln und die betroffenen Stellen ein- bis zweimal täglich einölen. Die Mischung lichtgeschützt in einer braunen Flasche aufbewahren.

Auch bei Warzen wird Rizinusöl in der Naturheilkunde traditionell eingesetzt. Ein Wattestäbchen mit kaltgepresstem Rizinusöl beträufeln und zweimal täglich behutsam auf die Warze auftragen. Alternativ kann ein mit Öl getränktes Pflaster auf die Warze geklebt werden. Diese Anwendung sollte über mehrere Wochen konsequent durchgeführt werden.

Rizinusöl für Lippen und Nägel

Für die Lippenpflege ist Rizinusöl besonders in der kalten Jahreszeit wertvoll. Sie können sich ein natürliches Lipgloss selbst herstellen: 35 g Rizinusöl, 1 g Bienenwachs und 1 g helles Carnaubawachs im Wasserbad schmelzen. Abkühlen lassen, dann 5 g der Mischung erneut erwärmen und eine Messerspitze Perlglanzpigment einrühren. Optional einen Tropfen Lebensmittelaroma hinzufügen. In kleine Döschen füllen und erstarren lassen – ideal für unterwegs.

Für brüchige Finger- und Fußnägel eignet sich eine nährende Ölkur: 10 ml Sojaöl, 5 ml Avocadoöl und 5 ml Rizinusöl mindestens zwei Minuten gründlich verrühren, in eine Pinselflasche füllen und einmal wöchentlich auf die gereinigten Nägel auftragen. Nicht abwaschen – die Nägel nehmen die Nährstoffe langsam auf. Beachten Sie allerdings, dass Nagellack auf der Ölschicht nicht hält; lackieren Sie die Nägel daher erst einige Tage nach der Ölkur.

Rizinusöl Nebenwirkungen

Rizinusöl ist bei bestimmungsgemäßer äußerlicher Anwendung in der Regel sehr gut verträglich. Dennoch gibt es einige mögliche Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen, die beachtet werden sollten:

Bei der innerlichen Einnahme als Abführmittel können Bauchkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auftreten – insbesondere bei zu hoher Dosierung. Eine chronische Einnahme kann den Elektrolyt- und Wasserhaushalt empfindlich stören und zu einem Kaliummangel führen. Rizinusöl sollte daher nur kurzfristig und in der empfohlenen Dosis eingenommen werden.[8]

Bei der äußerlichen Anwendung sind allergische Reaktionen selten, aber möglich. Vor der ersten Anwendung sollte immer ein Verträglichkeitstest am Unterarm durchgeführt werden. In seltenen Fällen kann Rizinusöl die Haut austrocknen, besonders wenn es unverdünnt auf dem Gesicht angewendet wird. Mischen Sie es daher bei empfindlicher Haut mit einem leichteren Trägeröl.

Von der innerlichen Einnahme absehen sollten Schwangere (Gefahr der Weheninduktion), stillende Mütter, Kinder unter 12 Jahren sowie Personen mit entzündlichen Darmerkrankungen, Darmverschluss oder Gallensteinen. Treten nach einer Anwendung unerwartete Beschwerden auf, ist es ratsam, einen Arzt zu konsultieren.

Dosierung und Einnahme von Rizinusöl

Die richtige Dosierung von Rizinusöl hängt vom Anwendungszweck ab. Grundsätzlich gilt: Bei äußerlicher Anwendung reichen wenige Tropfen, bei innerlicher Einnahme sollte die Dosis streng eingehalten werden.

Als Abführmittel empfiehlt sich für Erwachsene eine Dosierung von 1 bis 2 Esslöffeln (15 bis 30 ml), am besten morgens auf nüchternen Magen. Die Einnahme mit Orangensaft oder warmem Wasser erleichtert den Geschmack. Die Wirkung setzt üblicherweise nach zwei bis sechs Stunden ein. Nicht mehr als die empfohlene Menge einnehmen und die Anwendung auf maximal einen bis zwei Tage beschränken.

Für die Haarpflege genügen je nach Haarlänge 5 bis 15 ml pro Anwendung. Aufgrund seiner hohen Viskosität lässt sich Rizinusöl leichter auftragen, wenn es zuvor leicht erwärmt oder mit einem dünnflüssigeren Öl wie Kokosöl oder Arganöl gemischt wird. Für die Wimpern- und Augenbrauenpflege werden lediglich ein bis zwei Tropfen benötigt.

Bei der Hautpflege reichen wenige Tropfen, die sanft in die Haut eingeklopft oder einmassiert werden. Für großflächige Anwendungen am Körper empfiehlt sich eine Verdünnung mit einem Trägeröl. Wer Rizinusöl zum Ölziehen verwenden möchte, nimmt einen Esslöffel Öl in den Mund und bewegt es für 15 bis 20 Minuten sanft zwischen den Zähnen, bevor es ausgespuckt wird.

Rizinusöl kaufen

Beim Kauf von Rizinusöl gibt es einige wichtige Qualitätskriterien zu beachten, um ein hochwertiges Produkt zu erhalten, das für den gewünschten Zweck optimal geeignet ist.

Bio Rizinusöl kaltgepresst

Kaltgepresstes Bio-Rizinusöl aus kontrolliert biologischem Anbau gilt als die hochwertigste Variante. Durch die schonende Kaltpressung bleiben alle wertvollen Inhaltsstoffe erhalten, und bei Bio-Qualität können Sie sicher sein, dass keine Pestizide oder Schadstoffe im Öl enthalten sind. Achten Sie auf die Kennzeichnung „hexanfrei", die bestätigt, dass bei der Extraktion keine chemischen Lösungsmittel verwendet wurden. Für die äußerliche Anwendung auf Haut, Haar und Wimpern ist kaltgepresstes Bio-Rizinusöl die ideale Wahl.

Rizinusöl wird in verschiedenen Größen angeboten – von 50 ml bis über 1.000 ml. Die Preise liegen je nach Qualität und Hersteller zwischen 1,40 und 30,00 Euro pro 100 ml. Glasflaschen sind aus Umweltgründen den Plastikflaschen vorzuziehen: Sie sind recyclebar, geschmacksneutral und schützen das Öl besser vor Lichteinflüssen. Erhältlich ist Rizinusöl in Apotheken, Reformhäusern, Drogerien und im Online-Handel.

Rizinusöl Kapseln

Rizinuskapseln bieten eine praktische Alternative zum flüssigen Öl – besonders für die innerliche Anwendung. Sie haben einen neutralen Geschmack und lassen sich leichter einnehmen als das pure Öl. Kapseln sind in Drogerien, Apotheken und online erhältlich. Achten Sie beim Kauf auf reine Inhaltsstoffe, eine seriöse Herstellerangabe und eine klare Dosierungsempfehlung auf der Verpackung. Eine Packung mit 40 Kapseln liegt preislich bei wenigen Euro. Die Wirkung tritt wie beim flüssigen Öl nach ein bis drei Stunden ein. Lassen Sie sich bei Unsicherheiten von einem Apotheker beraten.

Kaltgepresst oder raffiniert – welches Rizinusöl ist das richtige?

Die Wahl zwischen kaltgepresstem und raffiniertem Rizinusöl hängt vom Einsatzzweck ab. Kaltgepresstes Öl ist nährstoffreicher und eignet sich optimal für die Haut- und Haarpflege. Es behält seine natürliche gelbliche Farbe und den milden, charakteristischen Geruch. Raffiniertes Rizinusöl durchläuft zusätzliche Reinigungsschritte und ist nahezu farb- und geruchlos. Es eignet sich besonders für die innerliche Einnahme, da das giftige Rizin im Raffinierungsprozess vollständig entfernt wird. Für kosmetische Anwendungen greifen Sie am besten zu kaltgepresstem Bio-Öl, für die Einnahme als Abführmittel zu pharmazeutisch zugelassenem, raffiniertem Rizinusöl aus der Apotheke.

Quellen

  1. Tunaru, S., Althoff, T. F., Nüsing, R. M., Diener, M., & Offermanns, S. (2012). Castor oil induces laxation and uterus contraction via ricinoleic acid activating prostaglandin EP3 receptors. Proceedings of the National Academy of Sciences, 109(23), 9179–9184. doi:10.1073/pnas.1201627109
  2. Ogunniyi, D. S. (2006). Castor oil: A vital industrial raw material. Bioresource Technology, 97(9), 1086–1091. doi:10.1016/j.biortech.2005.03.028
  3. Patel, V. R., Dumancas, G. G., Kasi Viswanath, L. C., Maples, R., & Subong, B. J. J. (2016). Castor Oil: Properties, Uses, and Optimization of Processing Parameters in Commercial Production. Lipid Insights, 9, 1–12. doi:10.4137/LPI.S40233
  4. International Castor Oil Association (ICOA). Castor Oil Market Data. Abgerufen am 10.02.2026.
  5. Vieira, C., Evangelista, S., Cirillo, R., Lippi, A., Maggi, C. A., & Manzini, S. (2000). Effect of ricinoleic acid in acute and subchronic experimental models of inflammation. Mediators of Inflammation, 9(5), 223–228. doi:10.1080/09629350020025737
  6. Novak, A. F., Clark, G. C., & Dupuy, H. P. (1961). Antimicrobial activity of some ricinoleic acid oleic acid derivatives. Journal of the American Oil Chemists' Society, 38(6), 321–324. doi:10.1007/BF02638439
  7. Phong, C., Bowers, S., & Mesinkovska, N. A. (2022). Coconut, Castor, and Argan Oil for Hair in Skin of Color Patients: A Systematic Review. Journal of Drugs in Dermatology, 21(7), 751–757. doi:10.36849/JDD.6972
  8. U.S. Food and Drug Administration (FDA). CFR – Code of Federal Regulations Title 21, Part 310. Abgerufen am 10.02.2026.