Lavendelöl ist ein ätherisches Öl, das durch Wasserdampfdestillation aus den Blütenständen des Echten Lavendels (Lavandula angustifolia Mill.) gewonnen wird und zu den vielseitigsten Naturheilmitteln der Aromatherapie zählt. Die Pflanze gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und stammt ursprünglich aus dem westlichen Mittelmeerraum.
Seit der Antike schätzen Menschen den Duft und die Heilkraft dieser Pflanze. Heute belegen über 1.500 wissenschaftliche Publikationen die angstlösende, schlaffördernde, antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung von Lavendelöl.[1] Das Öl enthält mehr als 100 chemische Verbindungen – die wichtigsten sind Linalool und Linalylacetat, die zusammen 50–85 % des Gesamtgehalts ausmachen.[2]

Dieser Ratgeber erklärt, was Lavendelöl genau ist, welche Sorten es gibt, welche Inhaltsstoffe es so wirksam machen und wie sich seine Nutzung von der Antike bis heute entwickelt hat. Zu jedem Anwendungsgebiet finden Sie weiterführende Fachartikel mit detaillierten Anleitungen und Studienergebnissen.
Auf einen Blick
- Definition: Ätherisches Lavendelöl wird durch Wasserdampfdestillation aus den Blüten von Lavandula angustifolia gewonnen – ein Mazerat (Ölauszug) entsteht dagegen durch Einlegen der Blüten in ein Trägeröl.
- Hauptinhaltsstoffe: Linalool (20–45 %) und Linalylacetat (25–47 %) machen zusammen den Großteil des ätherischen Öls aus und bestimmen Duft, Wirkung und Qualität.
- Vier Lavendel-Sorten: Echter Lavendel, Lavandin, Speiklavendel und Schopflavendel unterscheiden sich deutlich in Zusammensetzung, Wirkung und Preis – therapeutisch eignet sich nur Echter Lavendel.
- Wissenschaftlich belegt: Meta-Analysen bestätigen die angstlösende und schlaffördernde Wirkung; die antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung ist in zahlreichen In-vitro- und klinischen Studien dokumentiert.
- Breites Einsatzgebiet: Von Hautpflege über Schlafhilfe bis zur Insektenabwehr – Lavendelöl gehört zu den am häufigsten untersuchten und vielseitigsten ätherischen Ölen weltweit.
Was ist Lavendelöl?
Lavendelöl bezeichnet das ätherische Öl, das durch Wasserdampfdestillation aus den Blütenrispen des Echten Lavendels (Lavandula angustifolia Mill.) gewonnen wird – eine klare bis blassgelbe Flüssigkeit mit dem charakteristischen, blumig-krautigen Duft, der Lavendel weltweit bekannt gemacht hat. Pro Kilogramm Blütenmaterial liefert die Destillation etwa 15–25 ml reines ätherisches Öl.[3]
Im Alltag wird der Begriff „Lavendelöl" oft ungenau verwendet. Er kann sowohl das konzentrierte ätherische Öl als auch ein Mazerat (Ölauszug) meinen, bei dem Lavendelblüten mehrere Wochen in einem Trägeröl wie Oliven- oder Jojobaöl eingelegt werden. Der Unterschied ist erheblich: Ätherisches Lavendelöl enthält die volle Konzentration flüchtiger Wirkstoffe und ist hochwirksam, muss aber verdünnt angewendet werden. Ein Mazerat ist deutlich milder und eignet sich direkt als Massageöl oder Hautpflege. Wer Lavendelöl selber machen möchte, sollte diesen Unterschied kennen – die Methoden reichen vom einfachen Kaltauszug bis zur Wasserdampfdestillation zu Hause.
Lavendel gehört zur Gattung Lavandula innerhalb der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Die Gattung umfasst über 40 Arten, doch nur wenige haben wirtschaftliche Bedeutung für die Ölgewinnung. Der Name leitet sich wahrscheinlich vom lateinischen „lavare" (waschen) ab – die Römer nutzten Lavendelblüten als Badezusatz.[4] Lavandula angustifolia ist auch unter den Synonymen Lavandula officinalis und Lavandula vera bekannt und wird als ätherisches Öl weltweit am häufigsten in der Aromatherapie eingesetzt.
Welche Lavendel-Sorten gibt es?
Vier Lavendelarten dominieren den Markt für Lavendelöl, und sie unterscheiden sich erheblich in chemischer Zusammensetzung, Wirkstärke und Preis – für therapeutische Zwecke eignet sich ausschließlich der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia).[2]
Echter Lavendel (Lavandula angustifolia)
Echter Lavendel wächst wild in Höhenlagen ab 800 Metern in der Provence, in Bulgarien und im Mittelmeerraum. Sein ätherisches Öl enthält hohe Anteile an Linalool (20–45 %) und Linalylacetat (25–47 %), aber nur minimale Mengen Campher (unter 1,5 %). Dieses Profil macht es zum verträglichsten und therapeutisch wertvollsten Lavendelöl. Bulgarien hat Frankreich in den letzten Jahren als weltweit größten Produzenten abgelöst.[5] Der Preis liegt bei 8–15 € pro 10 ml für naturreines Öl.
Lavandin (Lavandula x intermedia)
Lavandin ist eine natürliche Kreuzung aus Echtem Lavendel und Speiklavendel, die im 20. Jahrhundert in Frankreich entdeckt wurde. Die Pflanze liefert die vierfache Ölmenge im Vergleich zu Lavandula angustifolia, enthält aber deutlich mehr Campher (5–12 %) und weniger Linalylacetat. Lavandinöl eignet sich für Raumbeduftung und Haushaltsprodukte, ist aber für therapeutische Zwecke wie Angstlösung und Schlafförderung weniger geeignet. Es wird häufig als günstigerer Ersatz verkauft – achten Sie deshalb auf den botanischen Namen auf dem Etikett.
Speiklavendel (Lavandula latifolia)
Speiklavendel wächst in tieferen Lagen und enthält hohe Anteile an 1,8-Cineol (bis 35 %) und Campher (bis 16 %), aber vergleichsweise wenig Linalool und kaum Linalylacetat. Sein Öl riecht schärfer und kampferartiger. Speiklavendel findet Verwendung bei Atemwegsbeschwerden, ist aber für Kinder, Babys und Schwangere ungeeignet, da Campher die Plazenta passiert und bei Säuglingen Atemprobleme auslösen kann.
Schopflavendel (Lavandula stoechas)
Schopflavendel fällt durch seine auffälligen „Ohren" – verlängerte Hochblätter an der Blütenspitze – auf. Sein ätherisches Öl enthält hohe Mengen an Fenchon und Campher, was es für die Aromatherapie ungeeignet macht. In der traditionellen Medizin des Mittelmeerraums wurde Schopflavendel äußerlich bei Wunden eingesetzt, heute spielt er kaum noch eine Rolle. Wer Lavendelöl kaufen möchte, sollte Schopflavendelöl meiden – der Kaufratgeber erklärt alle Qualitätsmerkmale und Sortenunterschiede im Detail.
Welche Inhaltsstoffe enthält Lavendelöl?
Ätherisches Lavendelöl aus Lavandula angustifolia enthält über 100 chemische Verbindungen, von denen Linalool (20–45 %) und Linalylacetat (25–47 %) zusammen 50–85 % des Gesamtöls ausmachen und die meisten pharmakologischen Wirkungen vermitteln.[6]
Linalool ist ein Monoterpenalkohol mit blumigem Duft. Er moduliert GABA-A-Rezeptoren im Gehirn und wirkt dadurch beruhigend und angstlösend. Linalool zeigt in Laborstudien antibakterielle, antifungale und entzündungshemmende Eigenschaften.[7]
Linalylacetat ist der Ester des Linalools und verleiht dem Lavendelöl seine fruchtig-süße Note. Er verstärkt die beruhigende Wirkung des Linalools und trägt wesentlich zur entzündungshemmenden Aktivität bei.
Weitere relevante Inhaltsstoffe sind:
- Campher (unter 1,5 % bei Echtem Lavendel) – in höheren Konzentrationen anregend und potenziell toxisch
- 1,8-Cineol (Eucalyptol) – bei Echtem Lavendel nur in Spuren, bei Speiklavendel bis 35 %
- Terpinen-4-ol – antimikrobiell wirksam, auch in Teebaumöl enthalten
- β-Caryophyllen – ein Sesquiterpen mit entzündungshemmenden Eigenschaften
- Lavandulol und Lavandulylacetat – sortentypische Nebenkomponenten
Die Europäische Pharmakopöe (Ph. Eur. 11.0, 2023) legt für therapeutisches Lavendelöl genaue Grenzwerte fest: Linalool 20–45 %, Linalylacetat 25–47 %.[6] Ein GC/MS-Analysezertifikat gibt Aufschluss darüber, ob ein Produkt diesen Standards entspricht. Ausführliche Informationen zur Wirkung von Lavendelöl und den pharmakologischen Mechanismen finden Sie im Fachartikel.
Wie wird Lavendelöl gewonnen?
Die Wasserdampfdestillation ist das Standardverfahren zur Gewinnung von ätherischem Lavendelöl – heißer Dampf löst die flüchtigen Verbindungen aus den Blüten, das Kondensat trennt sich in ätherisches Öl und Hydrolat (Blütenwasser).[3]
Für 1 Liter reines ätherisches Lavendelöl werden etwa 100–150 kg frische Blüten benötigt. Die Destillation dauert zwischen 60 und 90 Minuten – eine längere Dauer verbessert die Ausbeute kaum, kann aber das chemische Profil verändern. Die Ernte findet idealerweise während der Vollblüte statt, vormittags nach dem Abtrocknen des Taus, wenn der Gehalt an ätherischem Öl maximal ist.
Neben der industriellen Destillation gibt es einfachere Methoden für den Hausgebrauch: Beim Kaltauszug (Mazerat) werden getrocknete Lavendelblüten über 4–6 Wochen in einem Trägeröl eingelegt. Die Wasserdampfdestillation zu Hause mit einer Kupfer- oder Glasdestille liefert dagegen echtes ätherisches Öl – aus 400 g getrockneten Blüten rund 20–25 ml. Einen vollständigen Überblick aller Herstellungsmethoden bietet der Artikel Lavendelöl selber machen.
Ätherisches Öl oder Mazerat – was brauche ich?
Ätherisches Lavendelöl und Lavendel-Mazerat erfüllen unterschiedliche Zwecke: Das ätherische Öl ist hochkonzentriert und wirkt therapeutisch, das Mazerat ist ein mildes Pflegeöl für den täglichen Gebrauch.
Ätherisches Lavendelöl entsteht durch Destillation, enthält die volle Konzentration an Linalool und Linalylacetat und muss vor dem Auftragen auf die Haut immer in einem Trägeröl verdünnt werden (Standardverdünnung: 2–3 %). Es eignet sich für gezielte therapeutische Anwendungen wie Schlafförderung, Schmerzlinderung oder Insektenabwehr.
Ein Lavendel-Mazerat enthält deutlich weniger Wirkstoffe als das destillierte Öl, ist dafür aber sofort hautverträglich und kann pur als Massageöl oder Pflegeöl aufgetragen werden. Für milde Hautpflege und Entspannungsmassagen ist ein Mazerat oft die bessere Wahl, für therapeutische Dosierungen reicht seine Wirkstoffkonzentration nicht aus.
Geschichte: Von der Antike bis zur modernen Aromatherapie
Lavendel begleitet die Menschheit seit über 2.500 Jahren als Heilpflanze, Duftstoff und Ritualpflanze – seine Geschichte reicht von ägyptischen Tempeln bis in moderne Kliniken.[4]
Die alten Ägypter nutzten Lavendel bereits bei der Einbalsamierung und als Räuchermittel. Die Römer gaben Lavendelblüten in ihre Bäder – daher wahrscheinlich der Name, abgeleitet von „lavare" (waschen). Der griechische Arzt Dioskurides beschrieb im 1. Jahrhundert n. Chr. in seinem Werk De Materia Medica die innerliche Anwendung bei Kopfschmerzen und Verdauungsbeschwerden sowie die äußerliche Behandlung von Wunden.[8]
Im Mittelalter kultivierten Mönche Lavendel in Klostergärten. Hildegard von Bingen (1098–1179) beschrieb Lavendel in ihren medizinischen Schriften und empfahl ihn unter anderem bei Kopfschmerzen und zur Beruhigung. Während der Pestepidemien im 14. Jahrhundert trugen Menschen Lavendelsträuße als vermeintlichen Schutz gegen die Seuche.
Den entscheidenden Wendepunkt markierte der französische Chemiker René-Maurice Gattefossé. Nach einer Verbrennung im Labor 1910 behandelte er seine Wunde mit Lavendelöl und beobachtete eine auffallend schnelle Heilung ohne Narbenbildung. Dieses Erlebnis motivierte ihn, die therapeutischen Eigenschaften ätherischer Öle systematisch zu erforschen. 1937 veröffentlichte er das Buch Aromathérapie und prägte damit den Begriff, der eine neue Disziplin begründete.[9]
Auf Gattefossés Arbeit baute der französische Militärarzt Jean Valnet auf, der ätherische Öle im Zweiten Weltkrieg zur Wundbehandlung einsetzte. Marguerite Maury entwickelte in den 1950er-Jahren die Verdünnungs- und Massagetechniken, die in der modernen Aromatherapie bis heute Standard sind. Heute zählt Lavendelöl zu den am besten erforschten ätherischen Ölen weltweit.
Wie wirkt Lavendelöl?
Lavendelöl entfaltet seine Wirkung über zwei Aufnahmewege: Über die Nase gelangen die Duftmoleküle in Sekunden zum limbischen System im Gehirn, über die Haut erreichen Linalool und Linalylacetat innerhalb von 5–20 Minuten den Blutkreislauf.[7] Meta-Analysen belegen eine angstlösende und schlaffördernde Wirkung; darüber hinaus zeigt das Öl antibakterielle, antifungale, entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften.[1] Entscheidend ist dabei der Synergie-Effekt: Das vollständige ätherische Öl wirkt stärker als isoliertes Linalool, weil die Kombination aller Inhaltsstoffe die Einzelwirkungen verstärkt. Alle Wirkmechanismen – von der GABA-Rezeptor-Modulation bis zur Serotonin-Beeinflussung – erklärt der ausführliche Artikel zur Lavendelöl Wirkung.
Wie wendet man Lavendelöl an?
Lavendelöl lässt sich auf acht verschiedene Arten anwenden: topisch als verdünntes Einreibemittel, im Diffuser, als Dampfinhalation, als Badezusatz, als Raumspray, im Roll-On, auf den Fußsohlen oder als Kissenspray. Die Standardverdünnung für Erwachsene beträgt 2–3 % in einem Trägeröl – das entspricht 6–9 Tropfen pro 15 ml Trägeröl. Im Diffuser genügen 3–5 Tropfen pro 100 ml Wasser für einen 20-m²-Raum. Dosierungen, Rezepte und eine Entscheidungshilfe für die richtige Methode finden Sie im Artikel Lavendelöl Anwendung.
Ist Lavendelöl gefährlich? Nebenwirkungen und Sicherheit
In der empfohlenen Dosierung gilt Lavendelöl als eines der verträglichsten ätherischen Öle – die häufigste Nebenwirkung ist Kontaktdermatitis durch oxidiertes Linalool, besonders bei falsch gelagerten oder alten Ölen. Kinder und Haustiere reagieren empfindlicher: Bereits 2–3 ml können bei Kleinkindern schwere Sedierung verursachen, und für Katzen ist ätherisches Lavendelöl potenziell giftig. Einen vollständigen Überblick über Risiken, Kontraindikationen, Wechselwirkungen mit Medikamenten und sichere Dosierungen nach Altersgruppe bietet der Artikel Lavendelöl Nebenwirkungen.
Lavendelöl für die Haut
Lavendelöl wirkt antibakteriell, entzündungshemmend, wundheilungsfördernd und hautberuhigend – es eignet sich für normale, trockene, fettige, empfindliche und reife Haut, jeweils mit angepasster Verdünnung. Das Öl hemmt den Akne-Erreger Cutibacterium acnes, steigert die Kollagensynthese für die Narben- und Wundheilung und zeigt antifungale Wirkung bei Hautpilz. Auch für Gesichtspflege und Haarpflege hat es sich bewährt: Eine Tierstudie zeigte unter 5 % Lavendelöl 95 % Haarwachstum. Der Übersichtsartikel Lavendelöl für die Haut ordnet alle Anwendungsgebiete nach Hauttyp ein und verlinkt auf spezialisierte Anleitungen.
Lavendelöl gegen Insekten und Schädlinge
Linalool blockiert die Geruchsrezeptoren von Insekten und überlagert menschliche Lockstoffe wie CO₂ und Milchsäure – Studien zeigen je nach Konzentration 53–93 % Repellenz gegen Mücken. Lavendelöl wirkt nachweislich auch gegen Zecken (65–100 % Abwehrrate), Motten (reduziert Eiablage um ca. 70 %), Läuse, Ameisen, Spinnen und Blattläuse im Garten. Linalool ist in den USA als Wirkstoff in Biopestiziden EPA-registriert. Eine vollständige Vergleichstabelle mit Wirksamkeitsdaten finden Sie im Übersichtsartikel Lavendelöl gegen Insekten.
Lavendelöl für Tiere
Hunde vertragen verdünntes Lavendelöl (1–2 %) gut, und Studien belegen eine beruhigende Wirkung – die Tiere ruhen mehr und vokalisieren weniger. Katzen dagegen fehlen die Leberenzyme (UGT1A6, UGT1A9) zum Abbau von Linalool und Linalylacetat – ätherisches Lavendelöl ist für sie potenziell giftig. Pferde profitieren von Lavendel-Aromatherapie zur Stressreduktion und Insektenabwehr – eine Studie zeigte signifikant erhöhte Herzratenvariabilität bei Lavendelinhalation. Für Vögel und Reptilien sind ätherische Öle generell ungeeignet. Welche Tierart was verträgt, erklärt der Artikel Lavendelöl für Tiere.
Wirkung auf die Psyche: Angst, Stress und Stimmung
Linalool moduliert GABA-A-Rezeptoren, senkt den Cortisolspiegel und beeinflusst die Serotoninaufnahme – oral verabreichtes Lavendelöl (als standardisiertes Kapselpräparat, 80 mg/Tag) wirkte in klinischen Studien vergleichbar mit Lorazepam bei generalisierter Angststörung und zeigte antidepressive Effekte vergleichbar mit Sertralin.[10][11] Auch die Inhalation senkt messbar Stressmarker und aktiviert den Parasympathikus. Die detaillierte Studienlage zu Angstlösung, Stressreduktion und Stimmungsaufhellung beschreibt der Artikel Lavendelöl und Psyche.
Lavendelöl zum Einschlafen
Eine Meta-Analyse aus 11 randomisierten kontrollierten Studien bestätigt eine signifikante schlaffördernde Wirkung von Lavendelöl bei Erwachsenen – die Inhalation über einen Diffuser (3–5 Tropfen, 30 Minuten vor dem Schlafengehen) zeigt die stärksten Effekte.[12] Linalool aktiviert dabei GABAerge Neuronen in der zentralen Amygdala und verkürzt die Einschlafzeit. Lavendelöl erzeugt keine Toleranz und kann langfristig angewendet werden – im Gegensatz zu vielen pharmazeutischen Schlafmitteln. Abendroutinen, Dosierungen und den Vergleich mit Melatonin und Baldrian finden Sie im Artikel Lavendelöl zum Einschlafen.
Lavendelöl einnehmen – Kapseln und innerliche Anwendung
Silexan® (80 mg Lavendelöl pro Kapsel) ist der einzige in Deutschland zugelassene Lavendelöl-Wirkstoff zur oralen Einnahme – erhältlich als Lasea® in Apotheken. Er verursacht weder Sedierung noch Gewöhnung und zeigt kein Abhängigkeitspotenzial. Reines ätherisches Öl aus der Flasche darf niemals geschluckt werden. Alles zu Wirksamkeit, Dosierung und Nebenwirkungen der Kapseln erklärt der Artikel Lavendelöl einnehmen.
Lavendelöl für Babys und Kinder
In den ersten drei Lebensmonaten sollten keine ätherischen Öle verwendet werden. Ab dem dritten Monat darf Lavendelöl in starker Verdünnung (0,1–0,25 %) eingesetzt werden – ausschließlich Lavandula angustifolia, da andere Sorten zu viel Campher enthalten. Studien zeigen, dass Lavendelbadezusätze den Cortisolspiegel senken und den Tiefschlaf bei Babys verlängern, und eine Bauchmassage mit verdünntem Lavendelöl die Schreidauer bei Koliken um 52 % reduzierte. Detaillierte Altersrichtlinien und Dosierungen bieten die spezialisierten Artikel Lavendelöl für Babys und Lavendelöl für Kinder.
Lavendelöl in der Schwangerschaft
Im ersten Trimester raten Experten von ätherischen Ölen generell ab, da die Organentwicklung des Fötus am empfindlichsten ist. Ab dem zweiten Trimester gelten Raumbeduftung und stark verdünnte Massagen (0,5–1 %) als sicher. Silexan-Kapseln sind in der Schwangerschaft nicht zugelassen. Studien zeigen, dass Lavendel-Aromatherapie unter der Geburt Schmerzen und Angst signifikant senken kann. Alle Trimester-Richtlinien finden Sie im Artikel Lavendelöl in der Schwangerschaft.
Lavendelöl bei Ohrenschmerzen
Verdünntes Lavendelöl wird als traditionelles Hausmittel bei Ohrenschmerzen äußerlich hinter dem Ohr einmassiert oder als warme Kompresse angewendet – es darf jedoch niemals in den Gehörgang gelangen. Linalool hemmt die COX-2-Enzymaktivität und wirkt schmerzlindernd, allerdings fehlen direkte klinische Studien zu Lavendelöl bei Ohrenschmerzen. Bei Fieber, Eiteraustritt oder Hörverlust ist ärztliche Hilfe Pflicht. Alle Details im Artikel Lavendelöl bei Ohrenschmerzen.
Sicherheitshinweise und Qualität
Lavendelöl nie unverdünnt großflächig auf die Haut auftragen. Vor der ersten Anwendung empfiehlt sich ein Patch-Test in der Armbeuge. Bei bestehenden Erkrankungen, Schwangerschaft oder der Anwendung bei Kindern unter zwei Jahren sollten Sie ärztlichen Rat einholen. Ausführliche Informationen zu allen Nebenwirkungen und Kontraindikationen finden Sie im Artikel Lavendelöl Nebenwirkungen und Sicherheit.
Achten Sie beim Kauf auf den botanischen Namen Lavandula angustifolia auf dem Etikett, die Angabe „100 % naturrein" und idealerweise ein GC/MS-Analysezertifikat. Der Artikel Lavendelöl kaufen erklärt alle Qualitätskriterien im Detail.
Häufige Fragen
Wofür ist Lavendelöl gut?
Lavendelöl aus Lavandula angustifolia wird für zahlreiche Zwecke eingesetzt: als Beruhigungs- und Schlafhilfe (im Diffuser oder als Kissenspray), zur Hautpflege bei Akne, trockener Haut und kleinen Wunden, zur Schmerzlinderung bei Kopfschmerzen und Muskelverspannungen, als natürliches Insektenrepellent gegen Mücken und Zecken sowie zur Angstreduktion. Klinische Studien belegen insbesondere die angstlösende und schlaffördernde Wirkung.
Was ist der Unterschied zwischen Lavendelöl und Lavandinöl?
Echtes Lavendelöl stammt von Lavandula angustifolia und enthält hohe Anteile Linalool (20–45 %) bei niedrigem Camphergehalt (unter 1,5 %). Lavandinöl stammt von Lavandula x intermedia, einer Hybridpflanze, und enthält deutlich mehr Campher (5–12 %). Lavandinöl wird in größeren Mengen produziert und ist günstiger, eignet sich aber weniger für therapeutische Zwecke. Für Aromatherapie, Schlafförderung und Hautpflege sollten Sie zu echtem Lavandula angustifolia-Öl greifen.
Kann man Lavendelöl pur auf die Haut auftragen?
Einzelne Tropfen auf kleinen Stellen (z. B. Insektenstiche) gelten bei echtem Lavandula angustifolia-Öl als vertretbar. Großflächige unverdünnte Anwendung wird nicht empfohlen, da sie das Risiko einer dauerhaften Kontaktsensibilisierung erhöht. Die Standardverdünnung für Erwachsene liegt bei 2–3 % in einem Trägeröl wie Jojoba- oder Mandelöl, also 6–9 Tropfen ätherisches Öl auf 15 ml Trägeröl.
Wie lange ist Lavendelöl haltbar?
Ätherisches Lavendelöl hält kühl, dunkel und gut verschlossen gelagert 3–5 Jahre. Mit der Zeit oxidieren Linalool und Linalylacetat, was das Risiko für Hautreizungen erhöht und die therapeutische Wirksamkeit mindert. Selbstgemachte Mazerate sind kürzer haltbar: 6–12 Monate je nach verwendetem Trägeröl. Mehr zur richtigen Lagerung finden Sie im Ratgeber zu Haltbarkeit ätherischer Öle.
Ist Lavendelöl für Katzen giftig?
Ja, ätherisches Lavendelöl ist für Katzen potenziell giftig. Katzen fehlen die Leberenzyme (UGT1A6, UGT1A9), um Linalool und Linalylacetat abzubauen. Die Stoffe können sich im Körper anreichern und die Leber schädigen. Symptome einer Vergiftung sind Speicheln, Erbrechen und Koordinationsstörungen. Passive Raumdüfte sind weniger riskant als Ultraschall-Diffuser, die Öltröpfchen verteilen.
Quellen
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- Todorova, M., Ferrante, C., & Ferrara, L. (2023). Comparison between the Chemical Composition of Essential Oil from Commercial Products and Biocultivated Lavandula angustifolia Mill. International Journal of Analytical Chemistry, 2023, 1997157. doi:10.1155/2023/1997157
- Aly, A. A., et al. (2025). Optimization of Lavender Essential Oil and Phenolic Yield: Advances in Extraction, Metabolomics, and Functional Benefits. Phytochemical Analysis, e70023. doi:10.1002/pca.70023
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