Leindotteröl

Zuletzt aktualisiert: 12.02.26

Leindotteröl wird aus den Samen der Leindotterpflanze (Camelina sativa) gewonnen – einer alten europäischen Kulturpflanze, deren Nutzung sich bis in die Jungsteinzeit zurückverfolgen lässt.[1] Im Mittelalter geriet die Pflanze in Vergessenheit, erlebt heute aber eine Renaissance in der gesundheitsbewussten Küche. Für hochwertiges Leindotteröl werden die rotbraunen, kleinen und ovalen Samen schonend kalt gepresst. Dabei erfolgt in der Regel keine weitere Behandlung, sodass der nussig-erbsige Geschmack und die wertvollen Inhaltsstoffe vollständig erhalten bleiben. Leindotteröl – goldgelbes Pflanzenöl aus Camelina sativa Samen

Die Leindotterpflanze (auch „Falscher Flachs" genannt) gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse und ist äußerst pflegeleicht: Sie wächst beinahe überall, benötigt wenig Aufmerksamkeit und kann sich gegen Schädlinge sehr gut wehren.[2] Da sie resistent gegen Krankheiten ist und keinen chemischen Pflanzenschutz benötigt, eignet sie sich hervorragend für den biologischen Anbau. In der gesunden Küche geht der Trend verstärkt hin zu kaltgepressten Pflanzenölen – und genau davon profitiert auch das Leindotteröl. Bezüglich seines Bekanntheitsgrades kann es mit Verwandten wie Kürbiskernöl oder Distelöl noch nicht ganz mithalten, doch wer ein gesundes Pflanzenöl mit hervorragendem Omega-3-Profil sucht, wird zwangsläufig auf dieses Öl stoßen. Wichtig: Leinöl und Leindotteröl werden häufig verwechselt, stammen jedoch von völlig unterschiedlichen Pflanzen. Leinöl wird aus den Samen der Flachspflanze (Linum usitatissimum) hergestellt, Leindotteröl dagegen aus der Leindotterpflanze (Camelina sativa).[3] Beide Öle bieten für die menschliche Gesundheit wichtige Bausteine wie Alpha-Linolensäure und Omega-3-Fettsäuren, die der Körper nicht eigenständig produzieren kann und daher über die Nahrung aufnehmen muss.

Leindotteröl wird auch unter der Bezeichnung Camelinaöl gehandelt – abgeleitet vom botanischen Namen Camelina sativa. Im englischsprachigen Raum ist es als „Gold of Pleasure Oil" bekannt, was auf seine goldgelbe Farbe und seine wertvollen Eigenschaften anspielt.

Gewinnung von Leindotteröl

Leindotteröl wird ausschließlich aus reifen Samen der Leindotterpflanze gewonnen. Nach dem Pressen und dem Absetzen der dunklen Farbpartikel erhält das Öl eine satte gelbe bis gelbrote Farbe, die optisch dem Rapsöl ähnelt. Bei Raumtemperatur ist es flüssig und trocknet relativ schnell an der Luft – ein typisches Merkmal von Ölen mit hohem Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Die Erstarrungstemperatur liegt bei etwa −11 bis −18 Grad Celsius.

Der Geruch von Leindotteröl wird häufig als krautig oder wie frisch geschnittene Wiese beschrieben. Der Geschmack erinnert leicht an Erbsen und hat eine angenehm milde Schärfe, die an Senföl erinnert. Tatsächlich ist Leindotter – genau wie Senf – ein Kreuzblütler.

Die Leindotterpflanze hat zartgelbe Blüten, stellt nur wenige Ansprüche an Boden und Pflege und ist als robuste Mischfrucht bei Landwirten geschätzt. Wird sie neben Erbsen, Linsen oder Hafer gepflanzt, schwächt sie als Bodendecker Unkräuter und verdrängt deren Wachstum.[2] Für die Ölgewinnung werden die reifen Samen aus den Schoten herausgetrennt. Jede Schote enthält zwischen 8 und 16 Samenkörner, die etwa 5 Millimeter groß sind und einen Ölgehalt von 28 bis 42 Prozent aufweisen.[1]

Die Samen werden in einer Schneckenpresse bei niedrigen Temperaturen (unter 40 °C) kalt gepresst. Anschließend kann das Rohöl je nach Verwendungszweck sedimentiert und filtriert werden. Dieses schonende Verfahren stellt sicher, dass die wertvollen Nährstoffe und bioaktiven Verbindungen erhalten bleiben. Bei der alternativen Extraktion mit Lösungsmitteln ist die Ausbeute zwar höher, jedoch gehen dabei wertvolle Inhaltsstoffe teilweise verloren.[3]

Leindotteröl Inhaltsstoffe

Was Leindotteröl besonders auszeichnet, ist sein bemerkenswertes Fettsäureprofil. Das goldgelbe Öl enthält einen hohen Anteil an Alpha-Linolensäure (ALA), einer essentiellen Omega-3-Fettsäure, die 30 bis 40 Prozent der gesamten Fettsäuren ausmacht. Hinzu kommen etwa 15 bis 20 Prozent Linolsäure (Omega-6-Fettsäure) sowie 13 bis 17 Prozent Eicosensäure, die zur Gruppe der Omega-9-Fettsäuren zählt und noch verhältnismäßig wenig erforscht ist.[4]

Die essenziellen Fettsäuren – insbesondere Omega-3 und Omega-6 – können vom menschlichen Körper nicht eigenständig hergestellt werden und müssen über die Nahrung aufgenommen werden. Wer sich nicht fischreich ernährt, kann Leindotteröl als pflanzliche Omega-3-Quelle nutzen – besonders wertvoll für Vegetarier und Veganer.

Neben den Fettsäuren enthält Leindotteröl weitere bemerkenswerte Inhaltsstoffe:[4]

Vitamin E (Tocopherole): Mit einem Gehalt von etwa 56 bis 99 mg pro 100 g Öl enthält Leindotteröl deutlich mehr Vitamin E als etwa Raps- oder Sonnenblumenöl. Diese Tocopherole wirken als natürliche Antioxidantien und schützen das Öl vor schneller Oxidation – was auch erklärt, warum Leindotteröl länger haltbar ist als Leinöl.[5]

Phytosterole: Leindotteröl enthält 331 bis 442 mg Phytosterole pro 100 g. Dazu gehören unter anderem Sitosterol, Campesterol und Brassicasterol. Phytosterole können zur Senkung des Cholesterinspiegels beitragen.[6]

Plastochromanol-8: Dieser seltene Antioxidant kommt in Leindotteröl in signifikanten Mengen vor und trägt zusätzlich zur oxidativen Stabilität des Öls bei.[5]

Carotinoide: Mit etwa 10 bis 20 mg pro 100 g enthält Leindotteröl deutlich mehr Carotinoide als Leinöl (1–3 mg/100 g), die ebenfalls antioxidativ wirken.[5]

Verglichen mit vielen anderen Pflanzenölen hat Leindotteröl einen eher ausgeglichenen Fettsäurehaushalt. Der Gehalt an einfach ungesättigten Fettsäuren ist geringer als etwa bei Oliven- oder Rapsöl, dafür bietet es ein ausgezeichnetes Omega-6-zu-Omega-3-Verhältnis von etwa 1:2 – und damit deutlich günstiger als die in der westlichen Ernährung üblichen Verhältnisse von 10:1 oder höher.[4]

Leindotteröl Kalorien und Nährwerttabelle

Leindotteröl – Nährwerte pro 100 g
Leindotteröl Nährwerte
100 g kaltgepresstes Leindotteröl enthält durchschnittlich:
NährstoffMenge
Kalorien900 kcal (3.700 kJ)
Fettgehalt100 g
Gesättigte Fettsäuren10 g
Ungesättigte Fettsäuren90 g
Einfach ungesättigte Fettsäuren33 g
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren57 g
– davon Alpha-Linolensäure (Omega-3)ca. 38 g
– davon Linolsäure (Omega-6)ca. 17 g
Cholesterin0 mg
Natrium0 mg
Kohlenhydrate0 g
Ballaststoffe0 g
Zucker0 g
Protein0 g
Vitamin E (Tocopherole)ca. 56–99 mg

Die genauen Nährwerte können je nach Herkunft, Anbaubedingungen und Pressverfahren leicht variieren. Die angegebenen Werte basieren auf typischen kaltgepressten Leindotterölen.[4]

Wirkung von Leindotteröl

Die Wirkung von Leindotteröl ist maßgeblich auf seinen hohen Gehalt an Alpha-Linolensäure (ALA) zurückzuführen. Diese pflanzliche Omega-3-Fettsäure entfaltet im Körper ähnliche positive Effekte wie die Omega-3-Fettsäuren aus fischreicher Ernährung – ein Vorteil besonders für Menschen, die keinen oder wenig Fisch essen.[7]

Wissenschaftliche Studien belegen konkrete gesundheitliche Wirkungen von Leindotteröl:

Cholesterinspiegel-senkend: In einer randomisierten, doppelblinden Studie mit 68 Personen mit erhöhten Cholesterinwerten senkte die tägliche Einnahme von 30 ml Leindotteröl über 6 Wochen den LDL-Cholesterinspiegel um 12,2 Prozent – deutlich stärker als Rapsöl (5,4 %) und Olivenöl (7,7 %).[8]

Herz-Kreislauf-schützend: Eine Meta-Analyse von 7 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 428 Teilnehmern zeigte, dass Leindotteröl in Dosierungen unter 30 g täglich über einen Zeitraum von mehr als 8 Wochen den Gesamt-Cholesterinspiegel signifikant verbesserte.[9] Zudem konnte nachgewiesen werden, dass Leindotteröl die Konzentration schädlicher IDL-Partikel im Blut verringert.[10]

Entzündungshemmend: Die in Leindotteröl enthaltenen Omega-3-Fettsäuren können Entzündungsprozesse im Körper hemmen. Dies ist relevant bei chronischen Entzündungen, die mit Erkrankungen wie Arthrose, Rheuma oder Arteriosklerose verbunden sind.[7]

Zellschützend: Vitamin E und Carotinoide im Leindotteröl wirken als Antioxidantien und können die Zellen vor oxidativem Stress schützen, was zur Verlangsamung der Hautalterung beitragen kann.[5]

Hautregenerierend: Eine Studie von Papacocea et al. (2019) zeigte, dass die topische Anwendung von Leindotteröl die epidermale und dermale Wiederherstellung stimuliert und die Regeneration von Fibroblasten sowie die Kollagensynthese fördert.[11]

Darüber hinaus unterstützen die Omega-3-Fettsäuren im Leindotteröl den Zellstoffwechsel, die Hormonproduktion, die Eiweißsynthese und die Versorgung des Bewegungsapparats. Sie sind wichtig für die Gesundheit von Haut und Haaren und tragen zum Schutz vor Infektionskrankheiten bei.[7]

Anwendungsgebiete von Leindotteröl

Leindotteröl ist vielseitig einsetzbar – von der Küche über die Kosmetik bis hin zur unterstützenden Anwendung bei verschiedenen Beschwerden. Im südösterreichischen Raum hat es als Hausmittel (dort „Dotteröl" genannt) eine lange Tradition.[1]

Leindotteröl bei Arthrose

Bei Arthrose sind Gelenke von chronischen Entzündungen betroffen, die den Knorpel fortschreitend zerstören. Die entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren im Leindotteröl können dazu beitragen, das Entzündungsgeschehen zu verringern und so die Beschwerden zu lindern.[7] Im südösterreichischen Raum wird das Öl traditionell eingerieben, um arthrotische Beschwerden zu lindern.[1] Wichtig ist dabei, dass eine ganzheitliche Arthrose-Therapie den gesamten Körper einbezieht – die Einnahme von Leindotteröl kann eine sinnvolle Ergänzung sein, ersetzt aber keine ärztliche Behandlung.

Leindotteröl bei Bluthochdruck

Im Vergleich zu vielen anderen Pflanzenölen bietet Leindotteröl ein besonders vorteilhaftes Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren (etwa 1:2). Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Alpha-Linolensäure den Blutdruck positiv beeinflussen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken kann.[9] Wenige Teelöffel des Öls täglich können dabei helfen, Blutfettwerte zu verbessern und den Blutfluss zu optimieren. Zudem kann Leindotteröl vor Thrombosen schützen.[8]

Leindotteröl zur Senkung des Cholesterin- und Blutzuckerspiegels

Die tägliche Einnahme von Leindotteröl kann nachweislich den LDL-Cholesterinspiegel senken. Die klinische Studie von Karvonen et al. dokumentierte eine Senkung um 12,2 Prozent nach nur 6 Wochen.[8] Auch die einfach ungesättigte Ölsäure, die mit bis zu 17 Prozent im Leindotteröl enthalten ist, wirkt sich positiv auf den Cholesterinspiegel aus.[4]

Bezüglich des Blutzuckerspiegels ist die Studienlage weniger eindeutig: Die Meta-Analyse von Szczepanik et al. (2022) konnte keinen signifikanten Effekt von Leindotteröl auf Nüchternblutzucker oder Insulinwerte nachweisen.[9] Dennoch kann Leindotteröl als Teil einer ausgewogenen Ernährung dazu beitragen, das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen zu senken.

Leindotteröl in der Küche

Die bekannteste Verwendung von Leindotteröl ist der Einsatz als hochwertiges Speiseöl in der kalten Küche. Der mild-erbsige Geschmack mit einer leichten Schärfe macht es zu einer interessanten Bereicherung für Salate, Dips, Pestos, Brotaufstriche und Saucen. Das Öl kann auch über warme Gerichte geträufelt werden – erst nach dem Kochen, um die wertvollen Inhaltsstoffe nicht zu zerstören.

Wichtig: Leindotteröl sollte nicht über 165 °C erhitzt werden, da bei höheren Temperaturen die empfindlichen mehrfach ungesättigten Fettsäuren zerfallen und sich der Geschmack negativ verändert.[4] Zum Frittieren und scharfen Anbraten ist es daher nicht geeignet, für leichtes Dünsten und Dämpfen kann es jedoch verwendet werden. In Frankreich wird es als Gourmetöl zu Salaten und Gemüsegerichten geschätzt.

Durch den hohen Omega-3-Gehalt eignet sich Leindotteröl hervorragend für die Ernährung von Vegetariern, Veganern und Rohkostfans, die ihren Omega-3-Bedarf pflanzlich decken möchten.

Leindotteröl in der Kosmetik und für die Haut

Leindotteröl ist nicht nur für den Verzehr geeignet, sondern zeigt auch bei äußerer Anwendung bemerkenswerte Wirkung. Das Öl zieht schnell in die Haut ein und gilt als nicht komedogen – es verstopft die Poren nicht und eignet sich daher für alle Hauttypen, einschließlich fettiger und zu Akne neigender Haut.[11]

Die im Öl enthaltenen Omega-3-Fettsäuren, Vitamin E und Phytosterole wirken feuchtigkeitsspendend, zellregenerierend und hautberuhigend. Die Studie von Papacocea et al. (2019) konnte zeigen, dass Leindotteröl die Regeneration der Haut fördert und die Kollagensynthese steigert.[11] Traditionell wird es bei trockener, rauer oder empfindlicher Haut, bei Sonnenbrand, Frostbeulen sowie bei kleinen Wunden und Nagelbettentzündungen aufgetragen.[1]

Für eine nährende Hautpflege kann Leindotteröl mit der Tagescreme vermischt oder als Körperöl mit ätherischen Ölen wie Melissenöl oder Lavendelöl angereichert werden.

Leindotteröl für die Haare

Die orale Einnahme von Leindotteröl kann die Qualität der Haarfasern verbessern, indem sie die Synthese von Lipiden erhöht, die sich während des Wachstums entlang des Haarschafts verteilen.[5] Auch die äußere Anwendung als Haaröl oder Ölbad pflegt trockene und strapazierte Haare. Die Omega-3-Fettsäuren und das Vitamin E versorgen Haar und Kopfhaut mit wichtigen Nährstoffen und können zu mehr Glanz und Geschmeidigkeit beitragen.

Leindotteröl für Hunde

Leindotteröl kann auch bei Hunden zur Fell- und Hautpflege eingesetzt werden. Eine Studie von Shoveller et al. (2023) untersuchte die Auswirkungen einer 16-tägigen Nahrungsergänzung mit Leindotteröl bei 30 Hunden. Die Ergebnisse zeigten eine verbesserte Fellqualität und erhöhte Hautweichheit im Vergleich zum Ausgangszustand.[12] Das Öl kann dem Futter in kleinen Mengen beigemengt werden – die genaue Dosierung sollte mit einem Tierarzt abgesprochen werden.

Unterschied zwischen Leinöl und Leindotteröl

Leinöl und Leindotteröl werden häufig verwechselt, unterscheiden sich jedoch in mehreren wesentlichen Punkten:[3][5]

Pflanzliche Herkunft: Leinöl stammt aus den Samen der Flachspflanze (Linum usitatissimum, Familie der Leingewächse), Leindotteröl aus den Samen der Leindotterpflanze (Camelina sativa, Familie der Kreuzblütengewächse). Es sind botanisch völlig unterschiedliche Pflanzen.

Omega-3-Gehalt: Leinöl enthält mit 50 bis 60 Prozent Alpha-Linolensäure einen höheren Omega-3-Anteil als Leindotteröl (30–40 %). Allerdings macht genau dieser höhere Anteil das Leinöl auch empfindlicher gegenüber Oxidation.

Haltbarkeit: Leindotteröl ist deutlich länger haltbar als Leinöl. Der Grund: Es enthält mehr Vitamin E (Tocopherole), Plastochromanol-8 und Sterine, die als natürliche Antioxidantien wirken und das Öl vor dem Ranzigwerden schützen.[5] Leindotteröl hält bei korrekter Lagerung etwa 9 Monate, während Leinöl innerhalb weniger Wochen aufgebraucht werden sollte.

Geschmack: Leinöl schmeckt nussig bis leicht bitter, Leindotteröl hat einen milderen, erbsig-scharfen Geschmack, der an Hülsenfrüchte und frische Wiese erinnert.

Vitamin-E-Gehalt: Leindotteröl enthält mit 56–99 mg/100 g deutlich mehr Vitamin E als Leinöl (40–50 mg/100 g).[5]

Gemeinsamkeiten: Beide Öle sind hervorragende pflanzliche Omega-3-Quellen, werden kaltgepresst, sollten nicht erhitzt werden und eignen sich sowohl für den Verzehr als auch für die kosmetische Anwendung. Mehr Details finden sich unter Leinöl und Leindotteröl – Was sind die Unterschiede?

Dosierung und Einnahme von Leindotteröl

Für die innere Anwendung empfiehlt sich eine tägliche Menge von 1 bis 2 Esslöffeln (ca. 10–30 ml) kaltgepresstem Leindotteröl. Diese Menge reicht aus, um den Körper mit wichtigen Omega-3-Fettsäuren zu versorgen. Am besten wird das Öl pur eingenommen oder über Salate, Quark und andere kalte Gerichte geträufelt.[8]

Für die äußere Anwendung kann Leindotteröl direkt auf die Haut aufgetragen werden – sei es bei Prellungen, kleinen Wunden, Nagelbettentzündungen oder zur allgemeinen Hautpflege. Im südösterreichischen Raum wird das Öl traditionell als Hausmittel eingesetzt: oral zur Stärkung der Immunabwehr, eingerieben zur Förderung der Wundheilung und Linderung von Gelenkbeschwerden.[1]

Bei Darmbeschwerden oder nervösem Magen kann das Öl pur oder im Salat eingenommen werden, um Verdauungsbeschwerden zu lindern. Als Massageöl ist Leindotteröl ebenfalls gut geeignet, da es sich angenehm auf der Haut anfühlt und schnell einzieht.

Die Leindottersamen selbst können ebenfalls verzehrt werden – sie haben einen bittersüßen Geschmack und eignen sich als Zutat in Müsli, auf Brot oder in Salaten.

Ist Leindotteröl gesund oder ungesund?

Leindotteröl gilt als sehr gesundes Pflanzenöl. Sein hervorragendes Omega-3-zu-Omega-6-Verhältnis, der hohe Vitamin-E-Gehalt und die nachgewiesene cholesterinsenkende Wirkung machen es zu einem wertvollen Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung.[8][9] Wichtig ist allerdings, das Öl nicht zu erhitzen und kühl sowie lichtgeschützt zu lagern, um die empfindlichen Fettsäuren zu schützen. Der Erucasäure-Anteil im Leindotteröl liegt mit unter 4 Prozent im unbedenklichen Bereich.[1]

Haltbarkeit und Lagerung von Leindotteröl

Dank seines natürlichen Gehalts an Vitamin E, Plastochromanol-8 und Phytosterolen ist Leindotteröl deutlich länger haltbar als das verwandte Leinöl.[5] Bei korrekter Lagerung beträgt die Haltbarkeit etwa 7 bis 9 Monate nach dem Öffnen – im Vergleich zu Leinöl, das oft nur wenige Wochen haltbar ist.

Für eine optimale Haltbarkeit sollte das Öl dunkel und kühl gelagert werden, idealerweise im Kühlschrank. Die Flasche sollte stets gut verschlossen sein, um den Kontakt mit Sauerstoff zu minimieren. Verglichen mit Rapsöl ist Leindotteröl dennoch weniger haltbar, da der hohe Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren das Öl grundsätzlich oxidationsanfälliger macht. Einmal geöffnet, sollte es innerhalb von 6 bis 8 Wochen aufgebraucht werden.

Nebenwirkungen von Leindotteröl

Leindotteröl gilt bei normalem Verzehr als gut verträglich und sicher. In Tierversuchen wurden selbst bei hohen Dosen keine toxischen Wirkungen festgestellt.[9] Dennoch gibt es einige Hinweise zu beachten:

Leindotteröl enthält geringe Mengen Erucasäure (2–4 %), eine langkettige Fettsäure, die in sehr hohen Mengen potenziell die Herzgesundheit beeinträchtigen könnte.[1] Bei den üblichen Verzehrmengen von 1–2 Esslöffeln täglich ist dieser Anteil jedoch gesundheitlich unbedenklich.

Personen mit bekannter Allergie gegen Kreuzblütengewächse (wie Senf, Raps oder Kohl) sollten Leindotteröl vorsichtshalber zunächst in kleiner Menge testen. In der Schwangerschaft und Stillzeit empfiehlt es sich, vor der regelmäßigen Einnahme Rücksprache mit dem Arzt zu halten.

Wird Leindotteröl zu stark erhitzt (über 165 °C), können die empfindlichen Fettsäuren oxidieren und potenziell schädliche Verbindungen entstehen. Daher ist die Verwendung in der kalten Küche grundsätzlich zu empfehlen.

Leindotteröl kaufen – Worauf sollte geachtet werden?

Wer Leindotteröl kaufen möchte, sollte zunächst auf die korrekte Bezeichnung achten, um eine Verwechslung mit Leinöl zu vermeiden. Auf dem Etikett sollte „Leindotteröl" oder „Camelinaöl" (Camelina sativa) stehen – nicht „Leinöl" oder „Leinsamenöl".

Folgende Qualitätsmerkmale sind beim Kauf entscheidend:

Kaltgepresst und nativ: Nur bei der schonenden Kaltpressung unter 40 °C bleiben die wertvollen Fettsäuren, Vitamine und Antioxidantien vollständig erhalten. Die typische gelbe bis gelbrote Farbe entsteht ausschließlich bei kaltgepresstem Öl.[4]

Bio-Qualität: Da Leindotter ohnehin wenig Pflanzenschutz benötigt, ist der biologische Anbau naheliegend. Bio-Leindotteröl aus kontrolliertem Anbau bietet die Sicherheit, dass keine synthetischen Pestizide oder Düngemittel verwendet wurden.

Herkunft und Frische: Leindotteröl von regionalen Ölmühlen ist oft besonders frisch und hochwertig. Der Geschmack sollte mild-erbsig sein und an Hülsenfrüchte erinnern – ein ranziger oder bitterer Geschmack deutet auf mangelnde Frische hin.

Dunkle Flasche: Hochwertiges Leindotteröl wird in dunklen Glasflaschen angeboten, die das lichtempfindliche Öl vor UV-Strahlung schützen.

Leindotteröl ist in Bioläden, gut sortierten Supermärkten, Reformhäusern und online bei spezialisierten Ölmühlen erhältlich. Es kann auch unter der internationalen Bezeichnung „Camelina Oil" gefunden werden.

Leindotteröl Verkaufsformen

Bio Leindotteröl

Bio Leindotteröl wird aus kontrolliert biologischem Anbau hergestellt und in der Regel kaltgepresst. Der native Pressvorgang sorgt dafür, dass der einmalig sortentypische, mild-erbsige Geschmack erhalten bleibt. Der schonende Herstellungsprozess bewahrt alle hochwertigen Nährstoffe, sodass die gesundheitsfördernde Wirkung voll erhalten bleibt. Oftmals stammt der Leindotter direkt aus regionaler Erzeugung – wer auf kurze Lieferwege und Nachhaltigkeit Wert legt, findet bei lokalen Ölmühlen hochwertige Produkte.

Leindotteröl Kapseln

Wer den Geschmack von Öl nicht mag oder eine bequeme Dosierung bevorzugt, kann auf Leindotteröl-Kapseln zurückgreifen. Die Kapseln enthalten in der Regel 500 mg bis 1 g Leindotteröl und werden ein- bis zweimal täglich mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen. Sie eignen sich besonders dann, wenn das Immunsystem von innen gestärkt oder Entzündungsprozesse bekämpft werden sollen. Für die kosmetische Anwendung auf Haut und Haaren sowie für die Küche sind die Kapseln allerdings nicht geeignet.

Häufige Fragen zu Leindotteröl

Was ist Leindotteröl?

Leindotteröl (auch Camelinaöl) ist ein kaltgepresstes Pflanzenöl aus den Samen der Leindotterpflanze (Camelina sativa). Es ist eine der ältesten europäischen Ölpflanzen und wird für seinen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren geschätzt.

Ist Leindotteröl das gleiche wie Leinöl?

Nein, Leindotteröl und Leinöl sind zwei verschiedene Öle von unterschiedlichen Pflanzen. Leindotteröl stammt von Camelina sativa (Kreuzblütengewächs), Leinöl von Linum usitatissimum (Leingewächs). Leindotteröl ist milder im Geschmack und deutlich länger haltbar.

Kann man Leindotteröl zum Braten verwenden?

Leindotteröl sollte nicht über 165 °C erhitzt werden und ist daher nicht zum Braten oder Frittieren geeignet. Es eignet sich ideal für die kalte Küche – für Salate, Dips und zum Verfeinern bereits fertig gekochter Gerichte. Zum schonenden Dünsten kann es eingesetzt werden.

Wie viel Leindotteröl sollte man täglich einnehmen?

Für die gesundheitliche Wirkung werden 1 bis 2 Esslöffel (10–30 ml) täglich empfohlen. In der klinischen Forschung wurden positive Effekte auf den Cholesterinspiegel bei 30 ml pro Tag über mindestens 6 Wochen nachgewiesen.[8]

Wie lagert man Leindotteröl richtig?

Leindotteröl sollte dunkel, kühl und gut verschlossen gelagert werden – am besten im Kühlschrank. Nach dem Öffnen sollte es innerhalb von 6 bis 8 Wochen aufgebraucht werden.

Ist Leindotteröl für Hunde geeignet?

Ja, Leindotteröl kann in kleinen Mengen dem Hundefutter beigemengt werden und die Fell- und Hautqualität verbessern. Eine Studie bestätigt positive Effekte bei 16-tägiger Nahrungsergänzung.[12] Die Dosierung sollte mit dem Tierarzt abgestimmt werden.

Quellen

  1. Wikipedia-Autoren (2024). Leindotteröl. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Abgerufen am 12.02.2026. URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Leindotter%C3%B6l
  2. Pude, R. & Wenig, B. (2005). Pflanzen für die Industrie. Pflanzen, Rohstoffe, Produkte. Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V., Gülzow.
  3. Becker, P. (2008). Leindotter – Eigenschaften und Potenziale einer alten Kulturpflanze. Pflanzenöl, 3/2008, S. 20–21.
  4. Rudzińska, M., et al. (2016). Physicochemical quality and oxidative stability of linseed (Linum usitatissimum) and camelina (Camelina sativa) cold-pressed oils from retail outlets. European Journal of Lipid Science and Technology, 118(5), 834–839.
  5. Lepeltier, S. (2021). Etude ethnobotanique de Camelina sativa (L.) Crantz. Thèse, Université de Lorraine.
  6. Schwartz, H., et al. (2008). Phytosterol, tocopherol and phospholipid composition of seed oil from a large collection of plant genetic resources. Journal of Food Composition and Analysis, 21(2), 152–158.
  7. Swanson, D., Block, R. & Mousa, S. A. (2012). Omega-3 Fatty Acids EPA and DHA: Health Benefits Throughout Life. Advances in Nutrition, 3(1), 1–7. doi:10.3945/an.111.000893
  8. Karvonen, H. M., et al. (2002). Effect of alpha-linolenic acid-rich Camelina sativa oil on serum fatty acid composition and serum lipids in hypercholesterolemic subjects. Metabolism, 51(10), 1253–1260. doi:10.1053/meta.2002.35183
  9. Szczepanik, J., et al. (2022). Effects of camelina oil supplementation on lipid profile and glycemic control: a systematic review and dose‒response meta-analysis of randomized clinical trials. Lipids in Health and Disease, 21, 130. doi:10.1186/s12944-022-01745-4
  10. Manninen, S. M., et al. (2018). Intake of Fatty Fish Alters the Size and the Concentration of Lipid Components of HDL Particles and Camelina Sativa Oil Decreases IDL Particle Concentration. Molecular Nutrition & Food Research, 62(10), e1701042. doi:10.1002/mnfr.201701042
  11. Papacocea, R., et al. (2019). Regenerative and scar healing potential of active compounds from Camelina sativa oil and grape pomace. Romanian Biotechnological Letters, 24(4), 693–700.
  12. Shoveller, A. K., et al. (2023). Effects of dietary camelina, flaxseed, and canola oil supplementation on inflammatory and oxidative markers, transepidermal water loss, and coat quality in healthy adult dogs. Frontiers in Veterinary Science, 10. doi:10.3389/fvets.2023.1107845

Weiterführende Links: Leinöl und Leindotteröl – Was sind die Unterschiede?