Ingweröl

Zuletzt aktualisiert: 12.02.26

Ingweröl ist eines der vielseitigsten ätherischen Öle und blickt auf eine jahrtausendealte Anwendungstradition zurück. Bereits in altindischen Sanskritschriften und der ägyptischen Heilkunde wurde die Ingwerwurzel (Zingiber officinale) als Heilpflanze dokumentiert – Schätzungen gehen von einer rund 5.000-jährigen Nutzungsgeschichte aus.[1] Gewonnen wird das ätherische Ingweröl durch Wasserdampfdestillation aus dem Rhizom der Ingwerpflanze. Es besitzt einen charakteristisch warm-würzigen Duft mit frischen Zitrusnoten und balsamischen Nuancen. Die moderne Forschung bestätigt zahlreiche der traditionell überlieferten Wirkungen: Ingweröl hat nachweislich entzündungshemmende, antioxidative und antimikrobielle Eigenschaften, die es sowohl in der Naturheilkunde als auch in der Kosmetik zu einem geschätzten Naturprodukt machen.[2]
Ingweröl in einer dunklen Glasflasche neben frischer Ingwerwurzel

Gewinnung von Ingweröl

Das ätherische Ingweröl wird bevorzugt durch Wasserdampfdestillation hergestellt – ein Verfahren, das auch bei den meisten anderen ätherischen Ölen zum Einsatz kommt. Zunächst wird die frische Ingwerwurzel geschält und in kleine Stücke geschnitten, entweder manuell oder maschinell. Die Stücke werden anschließend mechanisch bearbeitet, um die Zellstrukturen aufzubrechen und die enthaltenen ätherischen Öldrüsen freizulegen. Danach gelangen sie in einen verschließbaren Destillationskessel.

In diesen Kessel wird heißer Wasserdampf eingeleitet, der das ätherische Öl Schritt für Schritt aus dem Pflanzenmaterial löst. Das entstehende Dampf-Öl-Gemisch wird in einem gekühlten Kondensator aufgefangen und in einem Auffangbehälter aus Glas gesammelt. Da ätherisches Öl leichter als Wasser ist, schwimmt es an der Oberfläche und kann über eine sogenannte Florentiner Flasche abgetrennt werden. Das so gewonnene Rohöl enthält noch zwischen fünf und sechs Prozent Restwasser. Für ein reines Ingweröl ist daher ein zweiter Destillationsdurchgang unter Vakuum notwendig, bei dem das verbleibende Wasser vollständig entfernt wird. Die typische Ölausbeute liegt bei ein bis drei Prozent – aus etwa 25 Kilogramm frischem Ingwer lässt sich rund ein Liter ätherisches Öl gewinnen.[3]

Die Inhaltsstoffe von Ingweröl

Die chemische Zusammensetzung von Ingweröl ist komplex und umfasst über 40 identifizierte Verbindungen.[4] Die genaue Zusammensetzung variiert je nach Herkunftsregion, Erntezeitpunkt und Verarbeitungsmethode, was für ätherische Öle generell typisch ist.

Die Hauptkomponenten des Ingweröls lassen sich in folgende Stoffgruppen unterteilen:

  • Sesquiterpenkohlenwasserstoffe (Hauptanteil): Zingiberen (ca. 20–30 %), α-Curcumen (ca. 10 %), β-Farnesen (ca. 11–13 %), β-Sesquiphellandren (ca. 7–10 %) und β-Bisabolen (ca. 5–8 %)
  • Monoterpene: α-Phellandren, α-Pinen, Camphen, Limonen und 1,8-Cineol
  • Oxygenierte Verbindungen: Citral (Geranial und Neral), Borneol, Geraniol und Linalool
  • Weitere Inhaltsstoffe in geringen Mengen: Aldehyde, Monoterpenalkohole, Ketone und Sesquiterpenalkohole

Besonders hervorzuheben ist Zingiberen, das als Leitsubstanz des Ingweröls gilt und maßgeblich zum typischen Aroma beiträgt.[5] Im Gegensatz zum Ingwer-Oleoresin oder Ingwerpulver enthält das durch Destillation gewonnene ätherische Öl keine Gingerole und Shogaole – diese nicht-flüchtigen Scharfstoffe verbleiben bei der Destillation im Pflanzenmaterial. Wer also die Wirkung der Gingerole nutzen möchte, sollte ergänzend frischen Ingwer verwenden oder auf ein CO₂-Extrakt zurückgreifen.

Wirkung von Ingweröl

Die Wirkung von Ingweröl ist durch eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Studien belegt und umfasst mehrere pharmakologische Wirkmechanismen:

Die entzündungshemmende Wirkung zählt zu den am besten erforschten Eigenschaften. Studien zeigen, dass Ingweröl die Expression entzündungsfördernder Botenstoffe wie COX-2, IL-6 und NF-κB signifikant reduziert. Eine In-vivo-Studie an Mäusen ergab, dass Ingweröl in hoher Konzentration eine stärkere entzündungshemmende Wirkung zeigte als Ibuprofen.[4]

Als starkes Antioxidans bindet Ingweröl freie Sauerstoffradikale im Organismus und schützt so die Zellen vor oxidativem Stress. DPPH-Experimente bestätigten eine hervorragende antioxidative Wirkung bereits in niedrigen Konzentrationen.[4] Die antimikrobielle Aktivität gegen verschiedene Bakterienstämme, darunter grampositive Erreger wie Staphylococcus aureus, ist ebenfalls gut dokumentiert.[3]

In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) wird Ingwer seit Jahrhunderten bei Übelkeit, Magenbeschwerden, Zahnschmerzen und Verdauungsstörungen eingesetzt. Im Ayurveda gilt er als wirksames Mittel bei Stoffwechselproblemen, Arthritis, Menstruationsschmerzen und zur Stärkung der Herzfunktion.[1] Moderne Anwendungsbereiche umfassen die Behandlung von Erkältungssymptomen, Kopfschmerzen, Verspannungen, Muskelschmerzen, Rheuma sowie Appetitlosigkeit. Das Öl fördert die Durchblutung, wirkt schleimlösend und antiseptisch. In der Aromatherapie wird es zudem bei Erschöpfung, Angstzuständen und zur Verbesserung der Konzentration genutzt. Das Öl gilt traditionell auch als Aphrodisiakum.

Anwendungsgebiete von Ingweröl

Ingweröl gegen Falten

Die antioxidativen Eigenschaften von Ingweröl machen es zu einem geschätzten Wirkstoff in der natürlichen Anti-Aging-Pflege. Studien belegen, dass Ingwerextrakt die durch UV-B-Strahlung verursachte Elastase-Aktivität hemmen kann – ein Enzym, das den Abbau von Elastin in der Haut fördert und damit zur Faltenbildung beiträgt.[6] Eine weitere Untersuchung zeigte, dass eine Körpercreme mit Ingweröl nach vierwöchiger Anwendung sichtbare Zeichen der Hautalterung reduzierte, was auf die antioxidative Aktivität der Pflanze zurückgeführt wurde.[6]

Für die tägliche Anwendung kann die empfindliche Augenpartie abends mit einem Wattebausch abgetupft werden, auf den zuvor verdünntes Ingweröl gegeben wurde (drei Tropfen ätherisches Ingweröl auf 10 ml Jojobaöl). So können die antioxidativen Wirkstoffe über Nacht einziehen. Es sollte darauf geachtet werden, dass das Öl nicht direkt in die Augen gelangt. Unverdünntes ätherisches Öl darf niemals direkt auf die Haut aufgetragen werden.

Ingweröl für die Haut

Ingweröl unterstützt das Hautbild auf mehreren Ebenen: Die entzündungshemmenden Wirkstoffe bekämpfen Hautunreinheiten, die durchblutungsfördernde Wirkung verbessert die Mikrozirkulation, und die antioxidativen Verbindungen schützen vor vorzeitiger Hautalterung.[6] Aufgrund seiner antimikrobiellen Eigenschaften eignet sich Ingweröl besonders zur unterstützenden Pflege bei entzündlichen Hauterkrankungen wie Akne und Pickeln.

Zur gezielten Anwendung bei Unreinheiten wird das Öl verdünnt auf die betroffenen Stellen aufgetupft. Ergänzend empfiehlt sich das Trinken von Ingwertee, da die Wirkstoffe der Ingwerwurzel ihre höchste Effektivität entfalten, wenn sie sowohl innerlich als auch äußerlich angewendet werden. Ingweröl kann zudem dazu beitragen, bestehende Aknenarben und Altersflecken verblassen zu lassen.

Für eine pflegende Gesichtsmaske gegen Hautunreinheiten werden folgende Zutaten benötigt:

  • ein Esslöffel Weizenkleie (idealerweise fein gemahlen)
  • ein Esslöffel Heilerde
  • ein Teelöffel Honig
  • fünf Tropfen ätherisches Ingweröl
  • eine kleine Tasse warmes Wasser

Alle trockenen Zutaten werden vermischt und unter Rühren das warme Wasser zugegeben, bis ein streichfähiger Brei entsteht. Die Maske auf das vorgereinigte Gesicht auftragen und 15 bis 20 Minuten einwirken lassen, anschließend mit lauwarmem Wasser abspülen.

Ingweröl für die Haare

Die durchblutungsfördernde und entzündungshemmende Wirkung von Ingweröl kann die Gesundheit der Kopfhaut unterstützen und dadurch indirekt zu kräftigerem Haar beitragen. Insbesondere bei Schuppenbildung – sei es auf trockener oder fettiger Kopfhaut – kann Ingweröl durch seine antimikrobiellen und antioxidativen Eigenschaften helfen. Auf trockener Kopfhaut reguliert es die Feuchtigkeitsbalance, auf fettiger Kopfhaut wirkt es gegen den Hefepilz Malassezia furfur, der häufig für fettige Schuppen verantwortlich ist.

Zur Behandlung von Schuppen empfiehlt sich folgendes Haaröl: 10 ml eines Trägeröls wie Jojobaöl oder kalt gepresstes Olivenöl werden mit drei Tropfen ätherischem Ingweröl vermischt. Dieses Öl jeden zweiten Tag ins feuchte Haar über 15 Minuten hinweg einmassieren, bis ein leichtes Wärmegefühl eintritt – das zeigt, dass die Durchblutung angeregt wird. Anschließend noch fünf Minuten einwirken lassen und mit warmem Wasser ausspülen. Die Kur über mindestens vier Wochen durchführen.

Ingweröl bei Haarausfall

In der traditionellen Medizin Ostasiens wird Ingwer seit Langem als Mittel gegen Haarausfall eingesetzt, und zahlreiche Hersteller vermarkten Shampoos mit Ingwerextrakt zur Haarwuchsförderung. Die wissenschaftliche Studienlage zeichnet jedoch ein differenziertes Bild: Eine vielbeachtete Studie der Southern Medical University in Guangzhou zeigte, dass 6-Gingerol – einer der Hauptwirkstoffe des Ingwers – das Haarwachstum in vitro und in vivo eher hemmt als fördert, indem es den programmierten Zelltod der dermalen Papillenzellen begünstigt.[7]

Dem gegenüber stehen Hinweise, dass Cedrol, ein Sesquiterpen im Ingweröl, das Haarwachstum bei bestimmten Formen des Haarausfalls (etwa Alopecia areata) unterstützen könnte.[8] Auch die entzündungshemmenden Eigenschaften von Ingwer könnten bei entzündungsbedingtem Haarausfall von Nutzen sein, da eine Pilotstudie zeigte, dass orale Ingwer-Supplementierung oxidativen Stress bei Alopecia-areata-Patienten reduzierte.[9]

Das bedeutet: Als alleiniges Mittel gegen erblich bedingten Haarausfall (androgenetische Alopezie) kann Ingweröl nach aktuellem Forschungsstand nicht empfohlen werden. Bei entzündungs- oder stressbedingtem Haarausfall kann es als ergänzende Maßnahme sinnvoll sein. Wer unter Haarausfall leidet, sollte die Ursache ärztlich abklären lassen.

Ingweröl als Massageöl

Die wärmende und durchblutungsfördernde Wirkung von Ingweröl macht es zu einem hervorragenden Bestandteil von Massageölen. Im Wellnessbereich wird es gezielt bei Verspannungen, Muskelschmerzen, Rheuma und Kopfschmerzen eingesetzt. Die durchwärmenden Eigenschaften können zudem den Stoffwechsel ankurbeln und das Entschlacken im Rahmen einer Diät unterstützen. Eine Studie mit älteren Personen mit Knieschmerzen zeigte, dass Massagen mit einer Mischung aus Ingwer- und Orangenöl Schmerzen und Steifheit signifikant reduzierten.[10]

Ein wirksames Massageöl lässt sich schnell selbst herstellen:

  • 60 ml Pflanzenöl wie Jojobaöl, Mandelöl oder kalt gepresstes Olivenöl
  • 15–20 Tropfen ätherisches Ingweröl

Optional lassen sich zusätzlich Lavendelöl oder Muskatellersalbeiöl hinzufügen, um die entspannende Wirkung zu ergänzen. Eine Massage sollte in einem angenehm warmen Raum stattfinden. Das Öl kann vorher leicht in den Händen angewärmt werden.

Ingweröl bei Erkältung

Bei Erkältungssymptomen entfaltet Ingweröl seine schleimlösende und wärmende Wirkung besonders wirkungsvoll. Die im Öl enthaltenen Terpene können dazu beitragen, festsitzenden Schleim in den Atemwegen zu lösen und die Nasenatmung zu erleichtern. Zusätzlich stärkt die immunstimulierende Eigenschaft des Ingweröls die Abwehrkräfte.

Zum Inhalieren werden drei bis fünf Tropfen ätherisches Ingweröl in eine Schüssel mit heißem Wasser gegeben. Den Kopf mit einem Handtuch bedecken und den aufsteigenden Dampf fünf bis zehn Minuten lang einatmen. Alternativ können zwei bis drei Tropfen in einen Diffuser gegeben werden, der die Raumluft mit den befreienden Wirkstoffen anreichert. Auch eine sanfte Brusteinreibung mit verdünntem Ingweröl (fünf Tropfen auf 20 ml Trägeröl) kann die Atemwege befreien und ein wohliges Wärmegefühl erzeugen.

Ingweröl gegen Übelkeit

Die antiemetische (übelkeitshemmende) Wirkung von Ingwer gehört zu den am besten erforschten Anwendungsgebieten. Mehrere klinische Studien bestätigen, dass die Inhalation von Ingweröl postoperative Übelkeit und Erbrechen signifikant reduzieren kann. Eine Studie mit Patienten nach Bauchoperationen zeigte, dass die Übelkeitswerte nach Inhalation von Ingweröl deutlich niedriger waren als in der Kontrollgruppe mit Kochsalzlösung.[11]

Auch bei Reiseübelkeit und Schwangerschaftsübelkeit kann Ingweröl als unterstützende Maßnahme eingesetzt werden. Die einfachste Anwendung: Einige Tropfen auf ein Taschentuch geben und bei aufkommender Übelkeit langsam daran riechen. Auch das Einmassieren von verdünntem Ingweröl in die Handgelenke kann helfen, da die Haut dort dünn ist und die Wirkstoffe schnell aufgenommen werden.

Ingweröl für geschwollene Beine

Durch seine durchblutungsfördernde und entzündungshemmende Wirkung kann Ingweröl bei geschwollenen, müden Beinen Linderung verschaffen. Die wärmenden Eigenschaften des Öls regen die Mikrozirkulation an, was den Abtransport eingelagerter Flüssigkeit aus dem Gewebe unterstützen kann. In Verbindung mit einer sanften Massage in Richtung des Lymphabflusses (von den Füßen aufwärts zum Herzen) wird die sogenannte Lymphdrainage gefördert.

Für eine Beinmassage werden 10 Tropfen Ingweröl mit 30 ml Arnikaöl oder Jojobaöl vermischt. Die Beine von unten nach oben mit sanften, streichenden Bewegungen massieren. Diese Anwendung eignet sich besonders am Abend nach langem Stehen oder Sitzen. Bei anhaltenden Schwellungen sollte jedoch eine ärztliche Untersuchung erfolgen, um ernsthafte Ursachen auszuschließen.

Ingweröl zum Abnehmen

Ingweröl wird im Internet häufig als Wundermittel zum Abnehmen vermarktet, insbesondere in Kombination mit der sogenannten Bauchnabelmethode. Die wissenschaftliche Evidenz dafür ist allerdings begrenzt und muss realistisch eingeordnet werden: Es gibt keine seriöse klinische Studie, die belegt, dass das Auftragen von Ingweröl auf den Bauchnabel gezielt Bauchfett reduziert.

Was die Forschung jedoch zeigt: Ingwer kann den Stoffwechsel anregen und die Thermogenese (Wärmebildung im Körper) erhöhen, was den Energieverbrauch geringfügig steigert.[2] In Kombination mit einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger Bewegung kann Ingweröl als Massageöl den Stoffwechsel unterstützen. Die durchblutungsfördernde Wirkung bei einer Bauchmassage mit verdünntem Ingweröl kann zudem die Verdauung anregen und Blähungen reduzieren. Ingweröl ist jedoch kein Ersatz für eine kalorienbewusste Ernährung und körperliche Aktivität.

Ingweröl in der Aromatherapie

In der Aromatherapie wird Ingweröl wegen seines warm-erdigen Dufts geschätzt, der sowohl belebend als auch beruhigend wirken kann. Es wird bei Erschöpfung und Antriebslosigkeit ebenso eingesetzt wie bei Angstzuständen, innerer Unruhe und leichten depressiven Verstimmungen.[2]

In einer Duftlampe oder einem Diffuser entfalten drei bis fünf Tropfen Ingweröl eine angenehm wärmende Atmosphäre. Es harmoniert besonders gut mit Zitrusölen wie Zitronenöl oder Bergamotteöl, mit blumigen Noten wie Ylang-Ylang-Öl sowie mit würzigen Ölen wie Zimtöl oder Sandelholzöl.

Ingweröl herstellen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Ingweröl zu Hause selbst herzustellen. Die schnellste Methode besteht darin, einen Esslöffel fein geriebenen Ingwer mit drei Esslöffeln Jojoba- oder Olivenöl zu vermischen und das Gemisch als sofortige Haarmaske oder Massageöl zu verwenden. Für ein haltbareres Ingweröl in höherer Qualität eignet sich die folgende Methode. Benötigt werden:

  • 250 ml Pflanzenöl (Oliven- oder Jojobaöl)
  • 100 g frischer Bio-Ingwer
  • eine Käsereibe
  • ein Topf
  • ein engmaschiges Sieb oder Seihtuch
  • eine dunkle Glasflasche

Die geschälte Ingwerwurzel wird mit der Käsereibe fein in einen Topf gehobelt und mit dem Öl vermischt. Das Gemisch bei niedrigster Temperatur (maximal 70 °C) zwei Stunden sanft erwärmen – nicht kochen. Durch das Sieb wird das Öl anschließend in eine saubere, dunkle Flasche abgeseiht und für zwei Wochen an einem kühlen, dunklen Ort reifen gelassen. Für eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung lesen Sie den Artikel Ingweröl selber machen.

Es ist auch möglich, ätherisches Ingweröl mittels Destillation selbst herzustellen. Wer regelmäßig größere Mengen ätherischer Öle benötigt, sollte in einen kleinen Destillator investieren. Auch Volkshochschulen bieten gelegentlich Kurse an, in denen das Destillationsverfahren vermittelt wird.

Dosierung und Einnahme von Ingweröl

Die richtige Dosierung von Ingweröl hängt von der Anwendungsart ab. Grundsätzlich gilt: Ätherisches Ingweröl ist hochkonzentriert und darf niemals unverdünnt auf die Haut aufgetragen oder pur eingenommen werden.

Zur äußerlichen Anwendung empfiehlt sich eine Verdünnung von maximal drei bis fünf Prozent in einem Trägeröl. Das entspricht etwa drei bis fünf Tropfen ätherischem Ingweröl auf einen Teelöffel (5 ml) Basisöl. Für die Duftlampe oder den Diffuser genügen drei bis fünf Tropfen. Zur Inhalation bei Erkältungen reichen drei Tropfen auf eine Schüssel heißes Wasser. In klinischen Studien zur Aromatherapie wurden ätherische Ingweröle in Konzentrationen von ein bis fünf Prozent in Trägerölen verwendet.[11]

Einige Ingweröl-Produkte auf dem Markt sind als Speiseöle deklariert und können in kleinen Mengen zum Kochen verwendet werden – das sind jedoch keine reinen ätherischen Öle, sondern Mazerate (Ölauszüge). Reines ätherisches Ingweröl ist nicht zum Verzehr bestimmt, es sei denn, es wird ausdrücklich als lebensmitteltauglich deklariert und in der empfohlenen Dosierung verwendet.

Ingweröl Nebenwirkungen

Ingweröl gilt laut der US-amerikanischen Lebensmittelbehörde FDA als „Generally Recognized As Safe" (GRAS) und weist bei sachgemäßer Anwendung nur wenige Nebenwirkungen auf.[12] Dennoch sollten einige Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden:

Bei empfindlicher Haut kann unverdünntes Ingweröl Reizungen, Rötungen oder ein Brennen verursachen. Es sollte daher stets in einem Trägeröl verdünnt und vor der ersten Anwendung ein Verträglichkeitstest in der Armbeuge durchgeführt werden. Allergische Reaktionen sind selten, aber möglich – bei Rötung, Schwellung oder Juckreiz sofort abspülen und die Anwendung abbrechen.

Ingwer kann in höheren Dosen gerinnungshemmende Eigenschaften besitzen. Personen, die blutverdünnende Medikamente (z. B. Warfarin, Aspirin) einnehmen, sollten vor der Anwendung von Ingweröl ärztlichen Rat einholen.[13] Gleiches gilt für Diabetiker, da Ingwer den Blutzuckerspiegel beeinflussen kann, sowie für Personen mit Gallensteinleiden. Vor geplanten Operationen sollte die Anwendung mindestens zwei Wochen im Voraus eingestellt werden.

Ingweröl in der Schwangerschaft

Die Anwendung von Ingwer während der Schwangerschaft wird in Fachkreisen differenziert betrachtet. Mehrere klinische Studien und Metaanalysen kommen zu dem Schluss, dass moderater Ingwerkonsum in üblichen Dosierungen (bis 1 g getrockneter Ingwer pro Tag) kein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten, Frühgeburten oder Fehlbildungen darstellt.[14] Organisationen wie das American College of Obstetricians and Gynecologists stufen Ingwer als ergänzende Option bei Schwangerschaftsübelkeit ein.

Bei ätherischem Ingweröl ist jedoch Vorsicht geboten: Die hohe Konzentration der Inhaltsstoffe unterscheidet es deutlich von Ingwertee oder Ingwerkapseln. Von der inneren Einnahme ätherischer Öle in der Schwangerschaft wird generell abgeraten. Auch bei der äußerlichen Anwendung sollte in der Schwangerschaft grundsätzlich ärztlicher Rat eingeholt werden – insbesondere im ersten Trimester und kurz vor der Entbindung, da Ingwer milde blutverdünnende Eigenschaften besitzen kann.

Ingweröl kaufen – worauf achten?

Beim Kauf von Ingweröl gibt es wesentliche Qualitätsmerkmale, die auf dem Etikett überprüft werden sollten. Der Begriff „ätherisches Öl" ist nicht gesetzlich geschützt, weshalb auf dem Markt auch synthetische oder naturidentische Produkte angeboten werden, die keine natürlichen Pflanzenwirkstoffe enthalten.

Folgende Angaben sprechen für ein hochwertiges Produkt:

  • Die Bezeichnung „100 % naturreines ätherisches Öl" (nicht „naturidentisch" oder „Duftöl")
  • Der botanische Name: Zingiber officinale
  • Das Herkunftsland des Rohstoffs
  • Die Gewinnungsmethode (Wasserdampfdestillation)
  • Das verwendete Pflanzenteil (Rhizom/Wurzel)
  • Eine Chargennummer und das Haltbarkeitsdatum

Idealerweise stammt das ätherische Ingweröl aus kontrolliert biologischem Anbau, um Belastungen durch Pestizide auszuschließen. Zertifizierungen wie das EU-Bio-Siegel oder das Demeter-Siegel bieten zusätzliche Sicherheit. Ingweröl ist bei Drogeriemärkten wie dm und Rossmann, in Reformhäusern, Apotheken und spezialisierten Online-Shops erhältlich. Bekannte Anbieter mit Qualitätsfokus sind etwa Primavera oder Baldini. Das Öl sollte stets in einer dunklen Glasflasche verkauft werden, da Licht die empfindlichen Inhaltsstoffe zerstören kann. Von besonders günstigen Angeboten ohne vollständige Angaben auf dem Etikett sollte Abstand genommen werden, da Fälschungen die Gesundheit gefährden können.

Quellen

  1. Bode, A. M., & Dong, Z. (2011). The Amazing and Mighty Ginger. In: Herbal Medicine: Biomolecular and Clinical Aspects, 2nd edition. Boca Raton (FL): CRC Press/Taylor & Francis. NCBI Bookshelf: NBK92775
  2. Zhang, M., Zhao, R., Wang, D., et al. (2021). Bioactive Compounds and Bioactivities of Ginger (Zingiber officinale Roscoe). Foods, 10(11), 2747. doi:10.3390/foods10112747. PMC6616534
  3. Sharifi-Rad, M., Varoni, E. M., Iriti, M., et al. (2019). Zingiber officinale Rosc. essential oil, a review on its composition and bioactivity. Clinical Phytoscience, 5, 6. doi:10.1186/s40816-018-0097-4
  4. Wang, X., Shen, Y., Thakur, K., et al. (2022). Essential oils of Zingiber officinale: Chemical composition, in vivo alleviation effects on TPA induced ear swelling in mice and in vitro bioactivities. Frontiers in Nutrition, 9, 1043175. doi:10.3389/fnut.2022.1043175. PMC9639606
  5. Yudthavorasit, S., Wongravee, K., & Leepipatpiboon, N. (2014). Characteristic fingerprint based on gingerol derivative analysis for discrimination of ginger (Zingiber officinale) according to geographical origin. Food Chemistry, 158, 101–111.
  6. Ozkur, M., Benlier, N., & Tazegul, I. (2022). Ginger for Healthy Ageing: A Systematic Review on Current Evidence of Its Antioxidant, Anti-Inflammatory, and Anticancer Properties. Oxidative Medicine and Cellular Longevity, 2022, 4748447. doi:10.1155/2022/4748447. PMC9110206
  7. Miao, Y., Sun, Y., Wang, W., et al. (2013). 6-Gingerol Inhibits Hair Shaft Growth in Cultured Human Hair Follicles and Modulates Hair Growth in Mice. PLoS ONE, 8(2), e57226. doi:10.1371/journal.pone.0057226. PMC3578824
  8. Zhu, C., et al. (2024). Cedrol in ginger (Zingiber officinale) as a promising hair growth drug: The effects of oral and external administration on hair regeneration and its mechanism. Journal of Ethnopharmacology, 331, 118296. doi:10.1016/j.jep.2024.118296
  9. El-Naggar, M. E., et al. (2020). Ginger Extract Reduces Oxidative Stress and Improves the Clinical Outcomes in Patients with Alopecia Areata. Journal of Cosmetic Dermatology, 19(6), 1308–1315.
  10. Sritoomma, N., Moyle, W., Cooke, M., & O'Dwyer, S. (2014). The effectiveness of Swedish massage with aromatic ginger oil in treating chronic low back pain in older adults: a randomized controlled trial. Complementary Therapies in Medicine, 22(1), 26–33.
  11. Lee, Y. R., & Shin, H. S. (2017). Effectiveness of Ginger Essential Oil on Postoperative Nausea and Vomiting in Abdominal Surgery Patients. Journal of Alternative and Complementary Medicine, 23(3), 196–200. doi:10.1089/acm.2015.0328. PubMed 27841938
  12. U.S. Food and Drug Administration (FDA). Code of Federal Regulations Title 21: §182.20 – Essential oils, oleoresins, and natural extractives that are GRAS.
  13. Drugs.com (2025). Ginger: Uses, Benefits & Dosage. drugs.com/npp/ginger
  14. Lete, I., & Allué, J. (2016). The Effectiveness of Ginger in the Prevention of Nausea and Vomiting during Pregnancy and Chemotherapy. Integrative Medicine Insights, 11, 11–17. doi:10.4137/IMI.S36273. PMC5920415