Fenchel (Foeniculum vulgare) zählt zu den ältesten und wichtigsten Heilpflanzen der Welt. Das aus seinen Samen gewonnene Fenchelöl enthält die wirksamen Inhaltsstoffe in hochkonzentrierter Form und wird seit Jahrhunderten in der Naturheilkunde geschätzt. Ob bei Verdauungsbeschwerden, Atemwegserkrankungen oder zur Unterstützung des seelischen Wohlbefindens – die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig. In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Wirkung Fenchelöl entfaltet, wie es richtig dosiert und angewendet wird und worauf Sie beim Kauf achten sollten. 
Gewinnung von Fenchelöl
Fenchelöl wird durch Wasserdampfdestillation aus den reifen Früchten (umgangssprachlich „Samen") der Fenchelpflanze gewonnen. Die getrockneten Fenchelsamen werden dafür zunächst zerstoßen, damit der Wasserdampf die flüchtigen Verbindungen besser herauslösen kann. Das aufgefangene Destillat trennt sich in eine wässrige und eine ölige Phase – das reine ätherische Öl schwimmt dabei obenauf und wird abgeschöpft.
Es gibt zwei Hauptvarietäten, die sich in Geschmack und Zusammensetzung unterscheiden: Bitteres Fenchelöl stammt von der Varietät Foeniculum vulgare var. vulgare. Es enthält laut Europäischem Arzneibuch mindestens 4 % ätherisches Öl und weist einen höheren Fenchon-Anteil auf, der ihm seinen leicht herben Geschmack verleiht. Süßes Fenchelöl wird aus der Varietät Foeniculum vulgare var. dulce gewonnen. Es enthält weniger Fenchon und schmeckt milder und süßer, da der Geschmack vom Anethol dominiert wird[1]. Für therapeutische Zwecke wird in der Phytotherapie traditionell vor allem das bittere Fenchelöl verwendet, während süßes Fenchelöl häufiger in der Küche und der Aromatherapie zum Einsatz kommt.
Fenchelöl Inhaltsstoffe
Die Zusammensetzung von Fenchelöl ist gut erforscht. Die Hauptinhaltsstoffe des ätherischen Öls sind[2]:
- trans-Anethol (60–80 %): Der dominierende Wirkstoff verleiht dem Fenchelöl seinen charakteristischen, anisartigen Geruch. Anethol wirkt verdauungsfördernd, krampflösend und entzündungshemmend.
- Fenchon (12–25 %): Dieser Bitterstoff unterstützt die schleimlösende Wirkung und wirkt antibakteriell sowie antimykotisch. Im süßen Fenchel ist der Anteil deutlich geringer.
- Estragol (2–5 %): Eine natürlich vorkommende Verbindung, die in hohen Dosen als potenziell gesundheitsschädlich eingestuft wird. Das Europäische Arzneibuch begrenzt den Estragol-Gehalt in bitterem Fenchelöl auf maximal 5 % und in süßem Fenchelöl auf maximal 10 %[3].
- Weitere Bestandteile: Dazu gehören Limonen, α-Pinen, Methylchavicol sowie Flavonoide wie Quercetin, die antioxidative Eigenschaften besitzen.
Zusätzlich enthält Fenchelöl phenolische Verbindungen, die als natürliche Antioxidantien wirken und zum Zellschutz beitragen können[4].
Wirkung von Fenchelöl
Fenchelöl ist pharmakologisch vielseitig wirksam. Zahlreiche In-vitro- und In-vivo-Studien belegen seine antibakteriellen, antimykotischen, antioxidativen, entzündungshemmenden und krampflösenden Eigenschaften[5]. Die wichtigsten nachgewiesenen Wirkungen umfassen:
- Linderung von Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Völlegefühl und Krämpfen
- Schleimlösung und Erleichterung des Abhustens bei Atemwegserkrankungen
- Hemmung des Wachstums von Bakterien und Pilzen
- Antioxidativer Schutz der Zellen vor freien Radikalen
- Krampflösende Wirkung auf die glatte Muskulatur
- Unterstützung des psychischen Wohlbefindens
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat Fenchelpräparate als traditionelle pflanzliche Arzneimittel zur Behandlung von leichten Magen-Darm-Krämpfen, Blähungen und als Expektorans bei Erkältungshusten eingestuft[6]. Das Zusammenspiel der verschiedenen Inhaltsstoffe erzeugt dabei einen synergistischen Effekt, der stärker ist als die Wirkung der einzelnen Substanzen allein.
Wirkung bei Magen-Darm-Beschwerden
Auf den Magen-Darm-Trakt wirkt Fenchelöl entspannend und verdauungsfördernd. trans-Anethol und Fenchon regulieren gemeinsam die Motilität der glatten Muskulatur im Verdauungstrakt und können so Krämpfe, Blähungen und Völlegefühl lindern[7]. In niedrigerer Dosierung (etwa 0,1 ml) regt Fenchelöl die Magen-Darm-Tätigkeit an: Die Durchblutung verbessert sich, die Darmbewegung wird gefördert und Darmgase können besser abgeführt werden. So lassen sich Verdauung beschleunigen und Blähungen vorbeugen.
In höherer Dosierung (ab etwa 0,5 ml) ändert sich das Wirkprinzip: Das Fenchelöl hemmt den Einstrom von Kalzium in die Muskelzellen von Magen und Darm und wirkt dadurch spasmolytisch – also krampflösend[8]. Diese duale Wirkung macht Fenchelöl zu einem besonders flexibel einsetzbaren Mittel bei unterschiedlichen Verdauungsbeschwerden. Traditionell wird es deshalb häufig mit Kümmelöl kombiniert, um die karminative Wirkung zu verstärken.
Wirkung bei entzündeten Atemwegen
Fenchelöl ist ein bewährtes Mittel bei Erkrankungen der Atemwege. Die Inhaltsstoffe Anethol und Fenchon entfalten gemeinsam eine schleimlösende (sekretolytische) und auswurffördernde (expektorierende) Wirkung[9]. Im Detail wirkt das Öl auf mehreren Ebenen: Es stimuliert die Flimmerepithelien in den Bronchien – jene mikroskopisch kleinen Härchen, die Fremdstoffe aus den Atemwegen transportieren. Gleichzeitig wird die Sekretion in den Atemwegen angeregt, sodass festsitzender Schleim verflüssigt und leichter abgehustet werden kann.
Darüber hinaus wirkt Fenchelöl antimikrobiell gegen verschiedene Krankheitskeime und entzündungshemmend auf die Schleimhäute[10]. Besonders bei Erkrankungen der oberen Atemwege – also Nase, Nebenhöhlen und Rachen – kann das Inhalieren von ätherischen Ölen wohltuend wirken. Aber auch in den unteren Atemwegen, also den Bronchien, kann Fenchelöl seine Wirkung entfalten.
Fenchelöl Wirkung auf die Psyche
Neben den körperlichen Wirkungen wird Fenchelöl auch eine positive Wirkung auf Seele und Psyche zugeschrieben. Tierstudien haben gezeigt, dass die Inhalation von Fenchelöl angstlösende (anxiolytische) und stimmungsaufhellende (antidepressive) Effekte hervorrufen kann. Diese Wirkungen werden auf eine Beeinflussung des serotonergen und dopaminergen Systems sowie des GABA-Systems im Gehirn zurückgeführt[11].
Eine klinische Studie mit postmenopausalen Frauen ergab Hinweise darauf, dass Fenchel Symptome von Angst und Depression bei Betroffenen mit diagnostizierten Stimmungsstörungen lindern kann[12]. In der Aromatherapie wird der warme, süßliche Duft des Fenchelöls traditionell als beruhigend und stressreduzierend beschrieben. Er soll helfen, innere Unruhe abzubauen und emotionale Ausgeglichenheit zu fördern. Allerdings ist die Datenlage für den Menschen noch begrenzt, und es sind weitere klinische Studien erforderlich, um diese vielversprechenden Ergebnisse zu bestätigen.
Fenchelöl Wirkung auf die Haut
Dank seiner antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften kann Fenchelöl auch in der Hautpflege unterstützend wirken. Die enthaltenen Flavonoide und phenolischen Verbindungen schützen die Hautzellen vor oxidativem Stress durch freie Radikale[4]. Verdünnt mit einem Trägeröl wie Jojobaöl oder Mandelöl aufgetragen, kann Fenchelöl die Haut beruhigen und Irritationen mildern.
In der Volksmedizin wird es auch gegen unreine Haut und zur Unterstützung der Hautregeneration eingesetzt. Reines, unverdünntes Fenchelöl sollte jedoch nie direkt auf die Haut aufgetragen werden, da es zu Reizungen führen kann.
Anwendungsgebiete von Fenchelöl
Das Öl aus dem Fenchel kann sowohl äußerlich als auch innerlich angewendet werden. Für äußere Anwendungen wird das ätherische Öl immer mit einem Basisöl verdünnt oder in einem Trägermedium (wie Badewasser oder Creme) eingesetzt.
Typische äußerliche Anwendungsgebiete sind:
- als Erkältungsbad mit schleimlösender Wirkung
- als Zusatz im Massageöl zur Entspannung
- als wohltuender Raumduft in der Aromatherapie
- als Einreibung von Brust und Rücken bei Husten
- verdünnt zur Hautpflege
Reines Fenchelöl ist nur bedingt für eine innere Anwendung geeignet – hierfür sind vor allem Fencheltee und Fenchelhonig empfehlenswert. Innerliche Anwendungsformen umfassen:
- Inhalation gegen Erkältungssymptome
- Fencheltee gegen Krämpfe und Blähungen
- Fenchelhonig als Hustenmittel
- Erkältungsbonbons mit Fenchelöl
Fenchelöl inhalieren
Die Inhalation von Fenchelöl ist eine der wirksamsten Anwendungsformen bei Atemwegsbeschwerden. Dafür werden 4 bis 7 Tropfen des ätherischen Öls in eine Schüssel mit etwa einem halben Liter heißem (nicht kochendem) Wasser gegeben. Mit einem Handtuch über dem Kopf wird der aufsteigende Dampf 5 bis 10 Minuten lang tief eingeatmet[13]. Die Inhalation kann 2- bis 3-mal täglich durchgeführt werden. Die flüchtigen Wirkstoffe gelangen direkt auf die Schleimhäute der Atemwege, lösen festsitzenden Schleim und wirken entzündungshemmend. Alternativ können wenige Tropfen Fenchelöl auch in einem elektrischen Vernebler oder einer Duftlampe verdampft werden. Für eine mildere Anwendung eignet sich auch Eukalyptusöl als ergänzendes Inhalationsöl.
Fenchelöl als Massageöl
Für eine wohltuende Massage werden 3 bis 5 Tropfen Fenchelöl in 20 ml eines Basisöls wie Mandelöl, Avocadoöl oder Sesamöl gemischt. Die Mischung wird sanft in die Haut einmassiert. Besonders bei Bauchbeschwerden kann eine kreisende Bauchmassage im Uhrzeigersinn mit Fenchelöl-Mischung die Verdauung fördern und Blähungen lindern. Bei Muskelverspannungen wird das Öl auf die betroffenen Stellen einmassiert, um die Durchblutung zu fördern und die Muskulatur zu entspannen.
Fenchelöl als Badezusatz
Ein Erkältungsbad mit Fenchelöl kann bei den ersten Anzeichen einer Erkältung Linderung verschaffen. Da ätherische Öle nicht wasserlöslich sind, müssen sie zunächst mit einem Emulgator verbunden werden: 5 bis 8 Tropfen Fenchelöl werden mit 2 bis 3 Esslöffeln Sahne, Honig oder Meersalz vermischt und anschließend ins warme (nicht heiße) Badewasser gegeben. Das Bad sollte 15 bis 20 Minuten dauern. Die aufsteigenden Dämpfe wirken gleichzeitig als sanfte Inhalation, während die Wirkstoffe über die Haut aufgenommen werden können.
Fenchelöl gegen Husten
Bei Husten und Erkältung ist Fenchelöl ein traditionell bewährtes Hausmittel. Neben der Inhalation kann das Öl auch als Brusteinreibung verwendet werden: 2 bis 3 Tropfen werden dafür in einem Esslöffel Kokosöl oder einem anderen Basisöl verdünnt und auf Brust und oberen Rücken einmassiert. Die Wirkstoffe Anethol und Fenchon fördern die Schleimlösung und erleichtern das Abhusten[9].
Für Erwachsene eignet sich außerdem Fenchelhonig als innere Anwendung: In warmem (nicht heißem) Wasser aufgelöst oder pur eingenommen, kann er Hustenreiz lindern und die Atemwege beruhigen. Thymianöl gilt als wirkungsvolle Ergänzung zu Fenchelöl bei Erkältungsbeschwerden.
Fenchelöl gegen Blähungen und bei Babys
Fenchel ist eines der bekanntesten pflanzlichen Mittel gegen Blähungen. Die karminative Wirkung des Anethols fördert die Darmbewegung und hilft, Darmgase abzuleiten. Für Erwachsene kann ein Fencheltee aus frisch zerstoßenen Fenchelsamen 2- bis 3-mal täglich getrunken werden[6].
Wichtiger Hinweis für Babys und Kleinkinder: Reines ätherisches Fenchelöl ist für Säuglinge und Kleinkinder nicht geeignet. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt: Schon kleinste Mengen unverdünnter ätherischer Öle können bei Säuglingen zu lebensbedrohlichen Verkrampfungen des Kehlkopfs und Atemstillstand führen[14]. Für Babys mit Koliken kann jedoch milder Fencheltee (ab dem 4. Lebensmonat) oder ein speziell für Säuglinge zugelassenes Fenchelpräparat nach Rücksprache mit dem Kinderarzt verwendet werden. Eine klinische Studie zeigte, dass eine Fenchelöl-Emulsion die Symptome von Säuglingskoliken bei 65 % der Teilnehmer linderte[15].
Fenchelöl in der Aromatherapie
In der Aromatherapie wird Fenchelöl wegen seines warmen, süßlich-würzigen Dufts geschätzt. Einige Tropfen in einer Duftlampe oder einem Aroma-Diffuser verbreiten einen angenehmen Raumduft, der beruhigend und stimmungsaufhellend wirken kann[11]. Traditionell wird Fenchelöl in der Aromatherapie eingesetzt bei:
- innerer Unruhe und Nervosität
- stressbedingter Anspannung
- Erschöpfung und Antriebslosigkeit
- Verdauungsbeschwerden mit psychischer Komponente
Fenchelöl lässt sich gut mit anderen ätherischen Ölen kombinieren. Harmonische Duftpartner sind Lavendelöl, Bergamotteöl, Rosenöl und Sandelholzöl.
Fenchelöl bei Wechseljahren und Menstruationsbeschwerden
Fenchel enthält Phytoöstrogene – pflanzliche Verbindungen, die eine östrogenähnliche Wirkung im Körper entfalten können. Deshalb wird Fenchelöl traditionell bei hormonell bedingten Beschwerden eingesetzt[16]. Die EMA hat Fenchelpräparate auch für die symptomatische Behandlung von leichten Menstruationskrämpfen als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft[6].
Bei Menstruationsbeschwerden kann Fenchelöl als Bauchmassage (verdünnt in einem Trägeröl) Krämpfe lindern. Klinische Studien deuten darauf hin, dass die schmerzlindernde Wirkung von Fenchelpräparaten bei Regelschmerzen mit der von Ibuprofen oder Mefenaminsäure vergleichbar sein kann[17].
In den Wechseljahren wird Fenchelöl in der Aromatherapie ergänzend angewendet, um typische Begleitsymptome wie Stimmungsschwankungen und innere Unruhe zu mildern. Einige Studien untersuchten zudem die Wirkung von Fenchelextrakten auf menopausale Beschwerden mit gemischten, aber tendenziell positiven Ergebnissen[16]. Die Anwendung sollte in jedem Fall mit einem Arzt besprochen werden.
Fenchelöl für die Haut
Zur Hautpflege wird Fenchelöl stets verdünnt angewendet. Eine Mischung von 2 bis 3 Tropfen Fenchelöl in 10 ml Basisöl kann auf das Gesicht oder betroffene Hautstellen aufgetragen werden. Die antioxidativen Inhaltsstoffe unterstützen die Zellregeneration, während die entzündungshemmenden Eigenschaften bei Hautirritationen beruhigend wirken können. In der Naturkosmetik findet Fenchelöl Anwendung bei der Pflege reifer Haut, zur Straffung und bei unreinem Hautbild. Hagebuttenöl oder Nachtkerzenöl eignen sich als Trägeröle, die die hautpflegenden Eigenschaften zusätzlich ergänzen.
Fenchelöl selber machen
Echtes ätherisches Fenchelöl wird durch professionelle Wasserdampfdestillation hergestellt, was zu Hause ohne spezielle Ausrüstung nicht möglich ist. Wer dennoch ein Fenchelöl für den Hausgebrauch herstellen möchte, kann einen Fenchelöl-Auszug (Mazerat) anfertigen:
- Zutaten: 3 Esslöffel Fenchelsamen (leicht angemörsert) und 200 ml hochwertiges Basisöl (z. B. Olivenöl oder Mandelöl).
- Zubereitung: Die angemörserten Fenchelsamen in ein sauberes Glasgefäß geben und mit dem Basisöl übergießen. Das Glas verschließen und an einem warmen, dunklen Ort 2 bis 3 Wochen ziehen lassen. Täglich sanft schütteln, damit sich die Wirkstoffe gleichmäßig lösen.
- Abseihen: Nach der Ziehzeit die Samen durch ein feines Sieb oder Leinentuch abseihen und das fertige Öl in eine dunkle Glasflasche füllen.
Dieses selbst hergestellte Mazerat enthält einen geringeren Anteil ätherischer Öle als das destillierte Produkt, kann aber für Massagen, als Badeöl oder in der Küche verwendet werden. Im Kühlschrank aufbewahrt ist es etwa 3 Monate haltbar. Ein solches Ölauszugsverfahren lässt sich auch bei der Herstellung von Ingweröl oder Lavendelöl anwenden.
Dosierung und Einnahme von Fenchelöl
Die richtige Dosierung richtet sich nach der Art der Anwendung und dem verwendeten Produkt. Gemäß den ESCOP- und HMPC-Monographien gelten folgende Richtwerte[6][13]:
- Fencheltee (Aufguss): 1,5 bis 2,5 g frisch zerstoßene Fenchelsamen mit 250 ml kochendem Wasser überbrühen, 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen. 2- bis 3-mal täglich eine Tasse trinken. Die empfohlene Tagesgesamtdosis beträgt 5 bis 7 g Fenchelsamen.
- Inhalation: 4 bis 7 Tropfen ätherisches Fenchelöl auf einen halben Liter heißes Wasser. 2- bis 3-mal täglich für 5 bis 10 Minuten inhalieren.
- Äußere Anwendung: 3 bis 5 Tropfen ätherisches Öl in 20 ml Basisöl für Massagen oder Einreibungen.
- Fenchelhonig: 1 Teelöffel mehrmals täglich einnehmen.
Wichtig: Laut EMA sollte die Anwendung von Fencheltee bei Erwachsenen 2 Wochen nicht überschreiten. Bei Kindern zwischen 4 und 12 Jahren wird eine Anwendungsdauer von maximal einer Woche empfohlen[6]. Bei Fertigprodukten wie Kapseln oder flüssigen Fenchelöl-Präparaten sollte immer die Packungsbeilage beachtet werden, da die Wirkstoffkonzentration variiert. Fenchelöl zum Einnehmen sollte ausdrücklich für den Verzehr zugelassen sein.
Fenchelöl in der Schwangerschaft und Stillzeit
Bei der Anwendung von Fenchelöl in der Schwangerschaft ist besondere Vorsicht geboten. Reines ätherisches Fenchelöl sollte während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden. Die EMA weist darauf hin, dass Fenchelöl eine östrogene Aktivität besitzt und in Tierversuchen eine erregende Wirkung auf die Gebärmuttermuskulatur gezeigt hat[6]. Auch wenn keine Teratogenität (fruchtschädigende Wirkung) nachgewiesen wurde, raten Fachgesellschaften aufgrund der östrogenartigen Wirkung von der Anwendung während der Schwangerschaft ab[18].
Fencheltee und Fenchelhonig in moderaten Mengen gelten im Allgemeinen als unbedenklich, sofern die tägliche Estragol-Aufnahme unter 1,0 mg liegt. Schwangere und stillende Frauen sollten die Anwendung von Fenchelpräparaten jedoch sicherheitshalber mit ihrem Arzt oder ihrer Hebamme besprechen. Für Säuglinge und Kleinkinder ist reines ätherisches Fenchelöl grundsätzlich nicht geeignet[14].
Fenchelöl Nebenwirkungen
Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch und Einhaltung der empfohlenen Dosierung sind keine schwerwiegenden Nebenwirkungen bekannt[18]. Vereinzelt können folgende Reaktionen auftreten:
- Allergische Reaktionen: Menschen mit einer Allergie gegen Doldenblütler (Apiaceae) – dazu gehören unter anderem Sellerie, Koriander, Kümmel und Dill – sollten Fenchelöl meiden. Kreuzallergien sind möglich.
- Hautreizungen: Unverdünntes ätherisches Öl kann bei empfindlicher Haut Rötungen oder Reizungen verursachen.
- Phototoxizität: In seltenen Fällen kann die Haut nach dem Auftragen empfindlicher auf Sonnenlicht reagieren.
Estragol-Hinweis: Das im Fenchelöl natürlich vorkommende Estragol wurde in Tierversuchen als potenziell erbgutverändernd (genotoxisch) und krebserregend eingestuft. Das BfR und die HMPC empfehlen daher, die Aufnahme von Estragol aus pflanzlichen Arzneimitteln so gering wie möglich zu halten[3][19]. Kinder unter 4 Jahren sollten keine Fencheltees erhalten. Wer Fenchelöl über einen längeren Zeitraum anwenden möchte, sollte dies nur in Absprache mit einem Arzt tun.
Darüber hinaus kann Fenchelöl Wechselwirkungen mit Arzneimitteln haben, die über das Enzym Cytochrom P450 3A4 (CYP3A4) verstoffwechselt werden. Eine gleichzeitige Einnahme mit dem Antibiotikum Ciprofloxacin wurde ebenfalls als mögliche Interaktion beschrieben[18].
Fenchelöl kaufen – Worauf sollte geachtet werden?
Hochwertiges Fenchelöl ist in Apotheken, Drogeriemärkten wie dm und Rossmann sowie in Online-Shops erhältlich. Beim Kauf sollten folgende Qualitätsmerkmale beachtet werden:
- 100 % naturreines, ätherisches Öl: Auf dem Etikett sollte die botanische Bezeichnung (Foeniculum vulgare) und die Angabe „100 % naturreines ätherisches Öl" vermerkt sein. Synthetische Duftöle haben keine therapeutische Wirkung.
- Sortenangabe: Achten Sie darauf, ob es sich um bitteres oder süßes Fenchelöl handelt, da sich die Inhaltsstoffe und Anwendungsgebiete unterscheiden.
- Bio-Qualität: Bio-zertifiziertes Fenchelöl (z. B. mit EU-Bio-Siegel) garantiert, dass keine Pestizide oder synthetische Düngemittel beim Anbau verwendet wurden.
- Chargennummer und Analyse: Seriöse Hersteller bieten Analysezertifikate (Chromatogramme) an, die Auskunft über die genaue Zusammensetzung geben.
- Eignung für innere Anwendung: Nicht jedes ätherische Fenchelöl ist zum Verzehr geeignet. Wer Fenchelöl einnehmen möchte, muss auf die explizite Kennzeichnung als Lebensmittel achten.
Für die Anwendung bei Kindern empfiehlt es sich, auf mildere Alternativen wie Fencheltee oder Fenchelhonig zurückzugreifen. Renommierte Marken für ätherisches Fenchelöl sind unter anderem Primavera, Sonnentor und weitere Hersteller, die in Apotheken und Bioläden erhältlich sind. Eine Beratung in der Apotheke kann helfen, das richtige Produkt für den jeweiligen Einsatzzweck zu finden.
Quellen
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