Neemöl, auch Niemöl genannt, zählt zu den vielseitigsten Pflanzenölen der Welt. Es wird aus den Samen des Neembaums (Azadirachta indica) gewonnen und blickt auf eine über 4.500 Jahre alte Tradition in der ayurvedischen Medizin zurück.[1] Schon in der antiken Harappa-Kultur des Indus-Tals wurden Neemblätter und andere Pflanzenteile für therapeutische Zwecke genutzt, wie archäologische Funde aus Mohenjo-Daro belegen.[2] Der indische Flieder, wie der Neembaum auch genannt wird, gehört zur Familie der Mahagoniegewächse (Meliaceae) und ist ein immergrüner Baum, der vor allem in Indien und angrenzenden Ländern beheimatet ist. In Mekka wurden in der Ebene von Arafat tausende Neembäume als Schattenspender für Pilger gepflanzt, was die globale Wertschätzung dieser Baumart unterstreicht. Heute ist der Neembaum auch in Afrika, Australien und Amerika als Nutz- und Schmuckpflanze verbreitet.

Der Neembaum ist bemerkenswert anspruchslos: Er verträgt Trockenheit und große Hitze und kann bis zu 20 Meter hoch werden. Seine weißen, jasminduftenden Blüten hängen in kleinen Büscheln an den Ästen. Im Inneren der Blüten bilden sich grünlich-gelbe Steinfrüchte, die einen ölhaltigen Samenkern enthalten. Die Blütezeit liegt in Indien zwischen Januar und April, in der auch die Ernte der Früchte stattfindet. In der Ayurveda-Medizin werden nahezu alle Teile des Neembaums therapeutisch genutzt – von der Rinde über die Blätter bis zu den Samen.[3] Der Verzehr oder die orale Anwendung bestimmter Pflanzenteile des Neembaums ist in Europa jedoch nicht zugelassen, da die Dosierung schwierig ist und es zu toxischen Reaktionen kommen kann. Das aus den Samen gewonnene Neemöl hingegen bietet bei sachgemäßer äußerlicher Anwendung zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten für Mensch, Tier und Pflanzen.
Gewinnung von Neemöl
Neemöl wird aus den Kernen der Neemfrüchte gewonnen, die etwa 30 bis 50 Prozent ihres Gewichts als Öl enthalten.[4] Um an die Kerne zu gelangen, wird zunächst das Fruchtfleisch entfernt. Für die Ölgewinnung existieren verschiedene Verfahren:
Bei der traditionellen Methode werden die Kerne aufgebrochen, gemahlen und einige Zeit in Wasser eingelegt, bis ein Neemöl-Extrakt entsteht. In der industriellen Produktion wird häufig der Kohlenwasserstoff Hexan eingesetzt, um das Öl aus den Kernen zu lösen. Eventuelle Hexanreste müssen anschließend durch Lösungsmittel entfernt werden. Das qualitativ hochwertigste Neemöl entsteht durch Kaltpressung, bei der keine chemischen Hilfsmittel benötigt werden. Kaltgepresstes Neemöl ist an seiner helleren Farbe und dem geringeren Geruch erkennbar. Das Öl hat eine grünlich-gelbe bis bräunliche Farbe, eine eher dickflüssige Konsistenz und wird bei Temperaturen unter 21 °C fast wachsartig fest. Sein Geruch wird häufig als schwefelig und knoblauchartig beschrieben, der Geschmack ist intensiv bitter.[4]
Neemöl Inhaltsstoffe
Wissenschaftliche Schätzungen gehen davon aus, dass der Neembaum insgesamt mehr als 100 – möglicherweise sogar bis zu 186 – biologisch aktive Inhaltsstoffe enthält, von denen bisher nur etwa 34 identifiziert und nur wenige umfassend erforscht sind.[5][6] Die Fettsäurezusammensetzung des Neemöls umfasst vor allem Ölsäure (25–58 %), Palmitinsäure (16–34 %), Stearinsäure (6–24 %) und Linolsäure (6–14 %).[4] Zu den wichtigsten bioaktiven Inhaltsstoffen zählen:
- Azadirachtin – ein Limonoid und Hauptwirkstoff mit insektizider Wirkung, erstmals 1968 isoliert[7]
- Nimbin – ein Bitterstoff mit antipyretischen, fungiziden und antiseptischen Eigenschaften[5]
- Nimbidin – wirkt entzündungshemmend und antibakteriell[8]
- Salannin – hemmt die Fraßtätigkeit von Insekten[9]
- 6-Desacetylnimbin – ein weiteres biologisch aktives Triterpenoid
- Quercetin – ein Flavonoid mit antioxidativer Wirkung[5]
- NIM-76 – ein Wirkstoff mit dokumentierter spermizider Aktivität[10]
Wirkung von Neemöl
Die Wirkung von Neemöl ist wissenschaftlich vielfach belegt und lässt sich in zwei Hauptbereiche unterteilen: die insektizide Wirkung und die dermatologisch-therapeutische Wirkung.
Der Hauptwirkstoff Azadirachtin ist strukturell dem Insektenhormon Ecdyson (Ecdysteroid) ähnlich, das bei Insekten und Spinnentieren die Häutung und Metamorphose steuert. Wenn Schädlinge Azadirachtin aufnehmen, verwechselt ihr Organismus diesen Stoff mit dem körpereigenen Hormon. Die Folge: Die Chitinsynthese wird gestört, sodass Larven sich nicht mehr häuten und verpuppen können.[7][9] Da Säugetiere kein Chitin synthetisieren, ist Neemöl in dieser Hinsicht für Menschen und Haustiere ungefährlich.[11]
Die ebenfalls im Neemöl enthaltenen Stoffe Salannin, Nimbidin und Nimbin wirken zusätzlich fraßhemmend: Ihr bitterer Geschmack verdirbt Schädlingen den Appetit und schützt so den Pflanzenwirt.[9] Ausgewachsene Insekten werden durch Neemöl zwar nicht direkt getötet, aber ihre Fortpflanzung wird unterdrückt, sodass die nachfolgende Population ausstirbt. Der Fraß-Stopp tritt relativ schnell ein, während das vollständige Absterben der Schädlingspopulation etwa zehn Tage nach Anwendung sichtbar wird.[12]
Darüber hinaus besitzt Neemöl nachgewiesene antibakterielle, antivirale, antimykotische, entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften.[5][6] Diese machen es sowohl für die Haut- und Haarpflege als auch für die Wundbehandlung interessant.
Anwendungsgebiete von Neemöl
Aufgrund seiner intensiven Wirkstoffkombination wird Neemöl in der traditionellen Ayurveda-Medizin seit Jahrtausenden eingesetzt. Die äußerliche Anwendung steht dabei im Vordergrund. Zu den traditionellen und modernen Anwendungsgebieten zählen unter anderem:
- Hautentzündungen, Ekzeme und Neurodermitis
- Hautunreinheiten, Akne und Pickel
- Schuppenflechte (Psoriasis)
- Warzen und Fußpilz
- Lippenherpes
- Wundheilung
- Kopfläuse und Krätze
- Juckreiz und Nesselsucht
- Schuppen und trockene Kopfhaut
- trockene, strohige Haare
- Falten und Hautalterung
- Pflege trockener Haut
- Husten und Bronchitis (Inhalation)
- Rheuma (äußerliche Anwendung)
- Zahnpflege und Zahnfleischentzündungen
Neemöl für Haut und Haare
In der Kosmetikindustrie sind Produkte mit Neemöl in Europa noch relativ selten, obwohl klinische Studien die Wirksamkeit bei verschiedenen Hauterkrankungen belegen.[13] Die enthaltenen Limonoide Nimbin und Azadirachtin wirken sowohl antibakteriell als auch antiviral, was Neemöl besonders bei Akne, Pickeln und Mitessern wirksam macht. Eine einfache Methode: Mischen Sie ein bis zwei Teelöffel Neemöl in Ihr Shampoo oder Duschgel und schütteln Sie die Mischung gut durch. So werden Haut und Haare bereits beim Waschen gepflegt und regeneriert. Kleine Wunden heilen schneller ab, und Beschwerden durch Ekzeme, Neurodermitis oder Schuppenflechte können gelindert werden. Haare, die mit einem Neemölshampoo gewaschen werden, erhalten besonderen Glanz, die Schuppenbildung auf der Kopfhaut wird reduziert und Hagebuttenöl kann ergänzend für die Hautpflege eingesetzt werden. Das leicht rückfettende Öl macht das Haar geschmeidig und kann sogar Haarausfall vorbeugen.[11]
Neemöl als Badezusatz
Neemöl eignet sich hervorragend als Badezusatz. Ein Wannenbad mit wenigen Tropfen Neemöl wirkt desinfizierend und hautpflegend. Pilzerkrankungen wird vorgebeugt, Juckreiz eingedämmt und rheumatische Beschwerden können gelindert werden. Für ein pflegendes Bad geben Sie 5 bis 10 Tropfen Neemöl zusammen mit einem Emulgator (z. B. einem Teelöffel Milch oder Honig) in das warme Badewasser. Auch Lavendelöl lässt sich gut als ergänzender Duftzusatz kombinieren.
Neemöl in der Kosmetik
Für den kosmetischen und therapeutischen Einsatz genügen bereits wenige Tropfen Neemöl. Bei großflächiger Anwendung sollte das Öl stets mit einem Trägeröl wie Jojobaöl oder Mandelöl verdünnt werden. Ein selbst gemischtes Massageöl mit Neemölzusatz kann auch für die Nagelpflege verwendet werden, wenn es in die Nagelhaut und Fingernägel einmassiert wird. Die unverdünnte Anwendung ist nur in Ausnahmefällen empfehlenswert – etwa wenn ein einzelner Tropfen gezielt auf entzündete Wunden oder Lippenherpes aufgetragen wird. Neemöl wirkt reizend auf Schleimhäuten; gelangt es versehentlich ins Auge, muss sofort mit viel Wasser gespült werden.
Inhalation mit Neemöl
Bei Atemwegsbeschwerden wie Husten, Bronchitis oder Asthma bronchiale kann eine Dampfinhalation mit Neemöl lindernd wirken. Geben Sie dazu 2 bis 3 Tropfen Neemöl in eine große Schüssel mit heißem Wasser, beugen Sie sich mit einem Handtuch über dem Kopf darüber und inhalieren Sie den Dampf für etwa 10 Minuten. Die antimikrobiellen Wirkstoffe des Neemöls können dabei helfen, Entzündungen in den Atemwegen zu reduzieren.
Neemöl gegen Läuse
Kopfläuse sind ein häufiges Problem, das nicht nur Kinder betrifft. Neemöl hat sich als natürliche Alternative zu chemischen Läusemitteln bewährt. Es wirkt, indem das Azadirachtin die Entwicklung der Läuselarven (Nissen) hemmt und der bittere Geschmack erwachsene Läuse von der Nahrungsaufnahme abhält.[11] Für die Anwendung mischen Sie Neemöl in einer Konzentration von 3 bis 5 Prozent in Ihr Shampoo. Lassen Sie das Neemölshampoo 5 bis 10 Minuten einwirken, bevor Sie es gründlich ausspülen. Die Behandlung sollte über mehrere Tage wiederholt werden, um auch frisch geschlüpfte Larven zu erfassen. Nebenbei werden bei diesen Anwendungen schädigende Bakterien auf der Kopfhaut abgetötet, ohne dass nützliche Hautbakterien zu Schaden kommen.
Neemöl für den Hund
Für Hunde bietet Neemöl eine natürliche Möglichkeit zur Fell- und Hautpflege sowie zur Parasitenabwehr. Das Öl hält Flöhe, Zecken und Milben fern und pflegt gleichzeitig stumpfes, juckendes Fell. Mischen Sie dazu einen Teelöffel Neemöl in das Hundeshampoo oder stellen Sie ein Neemölspray her (siehe Abschnitt Neemöllösungen selbst anmischen). Auch schlecht heilende Wunden oder Bissstellen von Zecken können direkt mit etwas purem Neemöl behandelt werden, um die Heilung zu fördern. Achten Sie darauf, dass das Neemöl nicht in die Augen, Nase oder den Mund Ihres Hundes gelangt, da es die Schleimhäute reizen kann. Nach der ersten Anwendung sollten Sie Ihren Hund sorgfältig beobachten, um eventuelle Unverträglichkeiten frühzeitig zu erkennen. Der charakteristische Geruch des Neemöls wird nicht von jedem Hund akzeptiert – beginnen Sie daher mit einer geringen Dosis und steigern Sie diese langsam.
Neemöl für Pferde
Auch in der Pferdepflege hat sich Neemöl bewährt. Es schützt das Fell vor Fliegen, Bremsen, Zecken und Milben und pflegt gleichzeitig Haut und Mähne. Besonders in der warmen Jahreszeit kann ein Neemölspray als natürlicher Insektenschutz dienen. Schlecht heilende Wunden bei Pferden können ebenfalls mit unverdünntem Neemöl behandelt werden, um Entzündungen zu reduzieren und die Wundheilung zu beschleunigen. Langjährige Erfahrungswerte zeigen, dass Neemöl für Pferde gut verträglich ist, sofern es nur äußerlich angewendet wird.
Neemöl und Katzen – Vorsicht geboten
Wichtiger Warnhinweis: Neemöl ist für Katzen potenziell giftig und sollte bei Katzen nicht angewendet werden. Katzen fehlt aufgrund ihrer eingeschränkten Glucuronidierungsfähigkeit in der Leber die Möglichkeit, bestimmte Terpene und Phenole ausreichend abzubauen. Allein in Großbritannien wurden fast 100 Vergiftungsfälle durch Neemöl bei Katzen dokumentiert, von denen sieben Tiere verstarben oder eingeschläfert werden mussten.[14][15] Die Symptome ähneln einer Permethrinvergiftung und umfassen Speichelfluss, Zittern, Krämpfe und Schwäche. Da Katzen ihr Fell regelmäßig mit der Zunge reinigen, nehmen sie aufgetragenes Neemöl schnell oral auf. Verwenden Sie bei Katzen daher ausschließlich Parasitenprodukte, die ausdrücklich als katzenverträglich deklariert und tierärztlich empfohlen sind.
Neemöl gegen Hausstaubmilben
Die Wirkung von Neemöl gegen Hausstaubmilben ist wissenschaftlich umstritten und nicht eindeutig belegt.[16] Neemprodukte können die Milbenmenge verringern, allerdings mit deutlichen Unterschieden in der Wirksamkeit je nach Produkt und Azadirachtin-Konzentration. Da bereits ausgewachsene Hausstaubmilben durch Neemöl nicht direkt abgetötet werden, müssen Allergiker mit einem langen Anwendungszeitraum rechnen, bevor eine spürbare Verbesserung eintritt. Die Ausscheidungen der bereits vorhandenen Milben bleiben zunächst weiterhin problematisch.
Neemöl für den Pflanzenschutz
Im Bereich Pflanzenschutz gehört Neemöl zu den bewährtesten biologischen Mitteln. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind Azadirachtin-haltige Pflanzenschutzmittel offiziell zugelassen.[4] Neemöl wirkt als Kontaktinsektizid mit teilsystemischer Wirkung: Die Wirkstoffe werden von der Pflanze über Blätter und Wurzeln aufgenommen und im Gewebe verteilt, sodass auch Schädlinge erfasst werden, die nicht direkt mit dem Mittel in Kontakt kommen.[12] Wichtig: Bei sachgerechter Anwendung werden Nützlinge wie Bienen und Marienkäfer nicht gefährdet, da diese die Wirkstoffe nicht über Pflanzensaft aufnehmen.[9]
Neemöl gegen Blattläuse
Blattläuse zählen zu den häufigsten Pflanzenschädlingen und lassen sich mit Neemöl wirksam bekämpfen. Für eine Spritzlösung vermischen Sie 5 ml Neemöl und 1 ml Emulgator (z. B. Rimulgan) mit einem Liter Wasser. Besprühen Sie die befallenen Pflanzen gründlich, insbesondere die Blattunterseiten, da sich dort die meisten Läuse aufhalten. Die Behandlung sollte bei starkem Befall nach 5 bis 7 Tagen wiederholt werden. Der Fraß-Stopp tritt innerhalb weniger Tage ein, das vollständige Verschwinden der Blattläuse nach etwa 10 bis 14 Tagen.
Neemöl gegen Trauermücken
Trauermücken sind eine der häufigsten Plagen bei Zimmerpflanzen. Ihre Larven leben in der feuchten Blumenerde und schädigen die Wurzeln. Neemöl ist eines der wirksamsten natürlichen Mittel gegen Trauermücken: Das Azadirachtin wird über das Gießwasser von den Wurzeln aufgenommen und hemmt die Entwicklung der Larven.[12] Mischen Sie 5 ml Neemöl und 1 ml Emulgator auf einen Liter lauwarmes Gießwasser und gießen Sie damit die befallenen Pflanzen. Wiederholen Sie die Anwendung alle 5 bis 7 Tage über einen Zeitraum von 2 bis 3 Wochen, um alle Larvengenerationen zu erfassen. Ergänzend können Sie die Erdoberfläche mit einer dünnen Schicht Sand bedecken, um die Eiablage der adulten Mücken zu erschweren.
Neemöl gegen Buchsbaumzünsler und weitere Schädlinge
Buchsbaumzünsler, Spinnmilben, Thripse, Schildläuse und Weiße Fliegen gehören zu den Schädlingen, die sich mit Neemöl bekämpfen lassen. Für die Anwendung gegen den Buchsbaumzünsler besprühen Sie die befallenen Buchsbäume gründlich mit einer Neemöl-Spritzlösung, wobei Sie darauf achten, auch die inneren Pflanzenteile gut zu benetzen. Da Neemöl durch UV-Licht abgebaut wird, empfiehlt es sich, die Behandlung am späten Nachmittag oder bei bedecktem Himmel durchzuführen.[7] Auch Pflanzen, die für den Verzehr bestimmt sind, können mit Neemöl behandelt werden, da bereits geringe Dosierungen wirksam sind. Beachten Sie die empfohlenen Wartezeiten zwischen Behandlung und Ernte gemäß Herstellerangaben.
Dosierung und Mischverhältnis von Neemöl
Die richtige Dosierung ist entscheidend für die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Neemöl. Je nach Anwendungsgebiet gelten folgende Richtwerte:
Pflanzenschutz (Spritzlösung): 5 ml Neemöl + 1 ml Emulgator auf 1 Liter Wasser. Pflanzen gleichmäßig besprühen, besonders die Blattunterseiten.
Pflanzenschutz (Gießwasser): 5 ml Neemöl + 1 ml Emulgator auf 1 Liter lauwarmes Wasser. Direkt in die Erde gießen, ideal gegen Trauermücken und Dickmaulrüssler-Larven.
Haarpflege / Shampoo: 1–2 Teelöffel Neemöl auf 250 ml Shampoo. Gut schütteln, 5–10 Minuten einwirken lassen.
Badezusatz: 5–10 Tropfen Neemöl mit einem Emulgator ins Badewasser geben.
Hautpflege / Massageöl: 3–5 Tropfen Neemöl auf 50 ml Trägeröl (z. B. Kokosöl oder Sesamöl).
Tiershampoo (Hund/Pferd): 3–5 % Neemöl-Konzentration im Shampoo, 5–10 Minuten einwirken lassen.
Inhalation: 2–3 Tropfen Neemöl auf eine Schüssel mit heißem Wasser.
Beginnen Sie bei der ersten Anwendung immer mit einer geringen Dosis, um die individuelle Verträglichkeit zu testen.
Neemöllösungen selbst anmischen
Da Neemöl nicht wasserlöslich ist, wird für die Herstellung von Sprüh- und Gießlösungen ein Emulgator benötigt. Der am häufigsten verwendete Emulgator ist Rimulgan, der aus Rizinusöl, Alkohol, anionischen Calciumsalzen, Antioxidantien und ionischen Ölsäuren besteht. Rimulgan hat eine ölige Konsistenz und gelblich-klare Farbe und ist nicht toxisch.
Grundmischung Neemöl-Konzentrat: Mischen Sie 80 % Neemöl mit 20 % Rimulgan. Diese Mischung kann anschließend problemlos mit Wasser verdünnt werden.
Spritzlösung für Pflanzenschutz: 10 bis 20 ml der Grundmischung auf 1 Liter Wasser. Diese Spritzbrühe lässt sich mit einer Sprühflasche einfach auf Pflanzen oder Tierfell aufbringen.
Tipp als Hausmittel: Wer kein Rimulgan zur Hand hat, kann als alternativen Emulgator auch einen Spritzer Spülmittel oder einen Teelöffel Milch verwenden. Die Emulsion ist dann allerdings weniger stabil als mit Rimulgan. Verwenden Sie bei der Anmischung immer lauwarmes Wasser, da sich kaltes Wasser und Neemöl schlechter verbinden.
Neemöl Nebenwirkungen
Bei sachgemäßer äußerlicher Anwendung sind für Menschen bisher keine gravierenden Nebenwirkungen von Neemöl bekannt.[6] Dennoch sollten folgende Hinweise beachtet werden:
Beim Menschen: Bei empfindlicher Haut können ein leichtes Brennen, Juckreiz oder eine vorübergehende Hautrötung auftreten. Testen Sie die Verträglichkeit zunächst an einer kleinen Hautstelle. Eine Überdosierung bei innerlicher Anwendung (z. B. durch Neemölzahnpasta) kann zu Übelkeit und Unwohlsein führen. Bei Kindern unter 4 Jahren sollte auf die Verwendung von Neemölprodukten verzichtet werden, da mögliche Nebenwirkungen in dieser Altersgruppe nicht ausreichend erforscht sind.[11] Neemöl hat in Tierstudien eine empfängnisverhütende Wirkung gezeigt.[10] Schwangere sowie Frauen und Männer mit Kinderwunsch sollten daher vorsichtshalber auf Neemölprodukte verzichten.
Bei Tieren: Neemölprodukte sollten bei Tieren grundsätzlich nur äußerlich angewendet werden. Nach der ersten Anwendung sollten Sie Ihr Tier genau beobachten. Bei Katzen ist Neemöl als potenziell giftig einzustufen (siehe Abschnitt Neemöl und Katzen).[14] Achten Sie darauf, dass Neemöl nicht in Augen, Nase oder Mund von Tieren gelangt, da es die Schleimhäute reizen kann. Bei Unsicherheiten konsultieren Sie einen Tierarzt.
Beim Pflanzenschutz: Neemöl ist als giftig für Wasserorganismen eingestuft.[9] Vermeiden Sie daher, dass Spritzlösungen in Gewässer gelangen. Da Azadirachtin unter UV-Licht mit Halbwertszeiten von nur 13 bis 94 Stunden schnell abgebaut wird, ist die Umweltbelastung insgesamt gering.[7]
Neemöl kaufen – Worauf sollte geachtet werden?
Beim Kauf von Neemöl lohnt es sich, auf Qualität zu achten. Die wichtigsten Kaufkriterien im Überblick:
Gewinnungsmethode: Kaltgepresstes Neemöl in Bioqualität ist chemisch extrahiertem Öl vorzuziehen, da es frei von Lösungsmittelrückständen ist und einen höheren Gehalt an bioaktiven Wirkstoffen aufweist.
Reinheit: Achten Sie darauf, ob es sich um reines Neemöl oder bereits um eine fertige Mischung mit Emulgator (z. B. Rimulgan) handelt. Reines Öl bietet mehr Flexibilität bei der Anwendung.
Verpackung: Hochwertige Neemöle werden in dunklen, lichtgeschützten Glasflaschen abgefüllt, um die empfindlichen Wirkstoffe vor Lichtabbau zu schützen.
Haltbarkeitsdatum: Achten Sie auf eine Haltbarkeitsangabe. Unsachgemäß gelagerte Neemsamen können Pilzgifte enthalten – labortechnisch geprüfte Bioprodukte minimieren dieses Risiko.
Kauforte: Neemöl ist in Drogerien, Apotheken, Baumärkten und Online-Shops erhältlich. Für die Hautpflege empfiehlt sich Neemöl in Kosmetikqualität; für den Pflanzenschutz gibt es zugelassene Pflanzenschutzmittel auf Neemöl-Basis. Kaufen Sie nur die Menge, die Sie innerhalb eines Jahres aufbrauchen können – je frischer das Öl, desto verlässlicher seine Wirkung.
Neemöl Lagerung und Haltbarkeit
Neemöl sollte immer dunkel und kühl gelagert werden, idealerweise bei Temperaturen zwischen 15 und 20 °C. Wärme und Licht beschleunigen den Abbau der empfindlichen Wirkstoffe, insbesondere des Azadirachtins. Verschlossene Flaschen in Bioqualität halten in der Regel 12 bis 18 Monate. Wenn Neemöl bei niedrigen Temperaturen fest wird, ist das kein Qualitätsmangel – stellen Sie die Flasche kurz in lauwarmes Wasser, und das Öl wird wieder flüssig. Bereits angemischte Neemöl-Wasser-Emulsionen sollten innerhalb weniger Stunden verbraucht werden, da sie schnell ihre Wirksamkeit verlieren.
Neemöl Verkaufsformen
Reines Neemöl
Das pure Öl in der Flasche bietet die größte Flexibilität: Sie können die Dosierung selbst bestimmen und individuelle Mischungen herstellen – vom Tropfen im Badewasser über die Fellpflege bis zum Pflanzenschutzspray. Handelsübliche Verpackungseinheiten reichen von 100 ml Fläschchen bis zu 5-Liter-Kanistern. Achten Sie beim Kauf auf die Deklaration, da einige Hersteller bereits Mischungen mit Rimulgan anbieten.
Neemölspray
Fertige Neemölsprays für Tier- und Pflanzenpflege sind sofort einsatzbereit und werden in umweltfreundlichen Pumpzerstäubern angeboten. Sie eignen sich besonders für die schnelle Anwendung und die Behandlung von Wohnbereichen. Mit etwas Erfahrung können Sie sich ein Neemölspray aber auch selbst anmischen und die Konzentration individuell anpassen. Wer den Geruch des Neemöls abmildern möchte, kann einige Tropfen Zitronenöl oder Pfefferminzöl hinzufügen.
Neemölshampoo
Neemölshampoos werden sowohl für Menschen als auch für Tiere angeboten. Sie pflegen das Haar beziehungsweise Fell und schützen gleichzeitig vor Läusen, Flöhen und Milben. Für die beste Wirksamkeit lassen Sie das Shampoo 5 bis 10 Minuten einwirken. Alternativ können Sie auch Ihr Lieblingsshampoo mit ein wenig Neemöl anreichern – eine einfache und kostengünstige Methode.
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