Ringelblumenöl – auch bekannt als Calendulaöl – wird aus den leuchtend orange-gelben Blüten der Ringelblume (Calendula officinalis) gewonnen und zählt zu den vielseitigsten Heilölen in der Naturheilkunde. Die Pflanze gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae), stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und ist dank ihrer geringen Ansprüche an Boden und Klima heute auch in ganz Mitteleuropa verbreitet – selbst in vielen deutschen Gärten blüht sie zuverlässig von Juni bis Oktober.[1] 
Im Volksmund wird die Calendula auch als Butterblume, Marienrose, Mondblume, Glücksblume oder Salbenblume bezeichnet. Ihr Name leitet sich vom lateinischen „calendae" (erster Tag des Monats) ab, was auf ihre außergewöhnlich lange Blütezeit hinweist. Bereits seit dem 12. Jahrhundert ist die Ringelblume als Arznei- und Kulturpflanze dokumentiert – die berühmte Heilkundige Hildegard von Bingen empfahl sie unter dem Namen „Ringula" gegen Hautprobleme und als innerliches Mittel.[2] Heute ist Ringelblumenöl vor allem für seine wundheilenden, entzündungshemmenden und hautpflegenden Eigenschaften geschätzt und wird von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) offiziell als traditionelles pflanzliches Arzneimittel anerkannt.[3]
Gewinnung von Ringelblumenöl
Bei Ringelblumenöl unterscheidet man grundsätzlich zwei Formen: das reine ätherische Öl und das deutlich verbreitetere Mazerat (Ölauszug).
Das ätherische Ringelblumenöl wird durch Alkoholextraktion (mit Petrolether) oder Wasserdampfdestillation aus den Blütenblättern gewonnen. Da die Ringelblume nur sehr geringe Mengen ätherisches Öl enthält, benötigt man für einen Liter dieser kostbaren Essenz rund 5000 kg Blüten – entsprechend selten und teuer ist reines ätherisches Calendulaöl.[4]
Weitaus häufiger im Handel ist das Ringelblumen-Mazerat. Dabei werden die frischen oder getrockneten Blütenblätter in ein hochwertiges Trägeröl eingelegt – beispielsweise in Olivenöl, Mandelöl, Jojobaöl oder Sonnenblumenöl. Über einen Zeitraum von drei bis vier Wochen lösen sich die Wirkstoffe im Trägeröl und das Öl nimmt die charakteristische goldgelbe Farbe an. Anschließend wird das Mazerat durch ein feines Tuch gefiltert und in dunklen Flaschen aufbewahrt. So hergestelltes Ringelblumenöl vereint die Pflegeeigenschaften des Basisöls mit den heilsamen Wirkstoffen der Calendula und ist für die meisten Anwendungen die empfehlenswerte Variante.
Ringelblumenöl Inhaltsstoffe
Die heilende Kraft des Ringelblumenöls beruht auf einem komplexen Zusammenspiel verschiedener bioaktiver Verbindungen. Die wichtigsten Inhaltsstoffe, die in den Blüten der Calendula nachgewiesen wurden, sind:[5][6]
Triterpenoide und Triterpensaponine: Besonders die Faradiol-Ester (Lauryl-, Myristoyl- und Palmitoylester) gelten als Hauptverantwortliche für die entzündungshemmende Wirkung der Ringelblume. In pharmakologischen Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass diese Verbindungen die Produktion proinflammatorischer Zytokine wie IL-6, TNF-α und IFN-γ hemmen können.[7]
Flavonoide: Sekundäre Pflanzenstoffe wie Quercetin, Isorhamnetin und Kämpferol wirken antioxidativ und schützen Zellen vor Schäden durch freie Radikale. Sie tragen zur antibakteriellen und antiviralen Wirkung der Calendula bei.
Carotinoide: Beta-Carotin, Lutein, Zeaxanthin und Rubixanthin verleihen den Blüten ihre leuchtende Farbe. Diese Pigmente sind für die Hautgesundheit besonders wertvoll, da sie antioxidativ wirken und die Haut vor UV-Strahlung schützen können.[8]
Calendulasäure: Diese seltene, mehrfach ungesättigte Fettsäure wird vor allem aus den Samen der Ringelblume gewonnen. Sie besitzt entzündungshemmende Eigenschaften und fördert die Wundheilung.
Weitere Inhaltsstoffe: Allantoin (hautpflegend und zellregenerierend), der Bitterstoff Calendulin, Saponine (Seifenstoffe mit entzündungshemmender Wirkung), Polysaccharide (immunstimulierend), ätherische Öle mit α-Cadinol als Hauptkomponente sowie Phytosterine und Cumarine ergänzen das Wirkstoffprofil.
Wirkung von Ringelblumenöl
Die Wirkung von Ringelblumenöl ist durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) erkennt Calendula-Zubereitungen offiziell zur Behandlung von leichten Hautentzündungen (z. B. Sonnenbrand) und als Unterstützung bei der Heilung kleinerer Wunden an.[3]
Wundheilend: Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2019, die sieben Tierstudien und sieben klinische Studien auswertete, bestätigte, dass Calendula-Extrakt die Entzündungsphase bei akuten Wunden verkürzt und die Bildung von neuem Granulationsgewebe fördert.[9] Eine weitere klinische Studie zeigte, dass Ringelblumen-Extrakt die Heilungsgeschwindigkeit bei venösen Beingeschwüren im Vergleich zur Kontrollgruppe verbesserte.[10]
Entzündungshemmend: Die Triterpenoid-Fettsäureester der Ringelblume hemmen nachweislich die Produktion entzündungsfördernder Botenstoffe im Körper. In-vitro-Studien zeigten, dass Calendula-Extrakte die Stickstoffmonoxid-Produktion in Immunzellen reduzieren – ein zentraler Mechanismus bei Entzündungsreaktionen.[11]
Antimikrobiell: Ringelblumenöl wirkt antibakteriell, antiviral und antimykotisch. Es kann die Anzahl von Keimen auf der Haut reduzieren und eignet sich daher als natürliche Unterstützung bei leichten Hautinfektionen.[5]
Antioxidativ: Die Flavonoide und Carotinoide im Ringelblumenöl neutralisieren freie Radikale und können so vorzeitiger Hautalterung entgegenwirken. Dieser Schutzeffekt macht Calendulaöl zu einem wertvollen Bestandteil in der natürlichen Anti-Aging-Pflege.[8]
Schmerzlindernd: Tierexperimentelle Studien belegen, dass Calendula-Zubereitungen die Schmerzwahrnehmung bei entzündlichen Prozessen reduzieren können – unter anderem über periphere Opioidrezeptoren.[12]
Hautregenerierend: Ringelblumenöl stimuliert die Kollagensynthese und fördert die Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese) im Wundbereich, was die Regeneration der Haut beschleunigt.[13]
Anwendungsgebiete von Ringelblumenöl
Ringelblumenöl für die Haut
Das mit Abstand wichtigste Anwendungsgebiet von Ringelblumenöl ist die Hautpflege und Hautregeneration. Dank seiner entzündungshemmenden, feuchtigkeitsspendenden und wundheilenden Eigenschaften eignet es sich für eine Vielzahl von Hautproblemen:
Bei trockener, rissiger und spröder Haut gibt das Öl der Haut verlorene Feuchtigkeit und Geschmeidigkeit zurück. Es eignet sich hervorragend als reichhaltige Pflege in der kalten Jahreszeit, wenn die Haut besonders beansprucht wird. Einfach die leicht feuchte Haut nach dem Duschen oder Baden mit wenigen Tropfen Ringelblumenöl einmassieren.
Bei Sonnenbrand kann Ringelblumenöl die gereizte Haut beruhigen und mit Feuchtigkeit versorgen. Die enthaltenen Antioxidantien schützen die geschädigte Haut und unterstützen die Regeneration. Erste Studien deuten zudem darauf hin, dass Calendula-Extrakte auch einen gewissen Schutz vor UV-Strahlung bieten können.[8]
Auch bei Neurodermitis und Ekzemen kann Ringelblumenöl als sanfte, natürliche Pflege eingesetzt werden. Es beruhigt gereizte, juckende Haut und stärkt die Hautschutzbarriere. Da die Calendula vergleichsweise wenig ätherisches Öl enthält, ist sie besonders gut für empfindliche und atopische Haut geeignet.[6]
Bei Akne und unreiner Haut nutzt man die antibakteriellen und entzündungshemmenden Eigenschaften des Öls. Es kann Rötungen reduzieren und die Abheilung von Pickeln beschleunigen, ohne die Haut auszutrocknen.
Narben und Wundheilung: Ringelblumenöl regt die Bildung von neuem Gewebe an und kann dazu beitragen, dass Narben weniger sichtbar werden. Bei kleineren Schnittwunden, Schürfwunden und Verbrennungen unterstützt es den natürlichen Heilungsprozess – das Öl sollte dabei nur auf den Wundrand aufgetragen werden, nicht direkt in offene Wunden.
Weitere Hautanwendungen umfassen die Behandlung von Warzen, Hühneraugen, Hämorrhoiden und Windeldermatitis. Laut EMA-Assessment-Bericht sind Calendula-Zubereitungen bei Windeldermatitis sogar der Kamille überlegen.[3]
Ringelblumenöl fürs Gesicht
Als Gesichtspflege ist Ringelblumenöl besonders für trockene, reife oder empfindliche Haut geeignet. Das goldgelbe Öl spendet intensive Feuchtigkeit, wirkt beruhigend bei Rötungen und unterstützt die Hauterneuerung. Für die Anwendung im Gesicht feuchten Sie die Haut zunächst mit einem Gesichtswasser leicht an und verteilen dann zwei bis drei Tropfen Ringelblumenöl sanft mit den Fingerspitzen. So lässt sich das Öl gleichmäßig verteilen und zieht besser ein.
Ringelblumenöl hat einen Komedogenitätsgrad von 1 (auf einer Skala von 0 bis 5), was bedeutet, dass es die Poren kaum verstopft. Für komedogene und nicht komedogene Öle ist dies ein guter Wert. Dennoch sollten Menschen mit stark öliger, zu Akne neigender Haut zunächst eine kleine Hautstelle testen, bevor sie das Öl großflächig im Gesicht anwenden.
Ringelblumenöl für die Haare
Auch für die Haarpflege bietet Ringelblumenöl wertvolle Vorteile. Die feuchtigkeitsspendenden und nährenden Inhaltsstoffe pflegen strapaziertes Haar und beruhigen die Kopfhaut:
Gegen trockene Spitzen und Spliss massieren Sie täglich ein bis zwei Tropfen Ringelblumenöl in die Haarspitzen ein. Die enthaltenen Fettsäuren versiegeln die Haarstruktur und schützen vor weiterem Haarbruch.
Bei trockener, schuppiger Kopfhaut wirkt eine Ringelblumenöl-Kur wahre Wunder: Massieren Sie vor dem Schlafengehen eine kleine Menge des Öls in die Kopfhaut ein und lassen Sie es über Nacht einwirken. Am nächsten Morgen die Haare wie gewohnt waschen. Die Calendula-Wirkstoffe beruhigen gereizte Kopfhaut, reduzieren Schuppenbildung und nähren die Haarwurzeln.
Als Haarspülung können Sie einige Tropfen Ringelblumenöl in Ihr Spülwasser geben. Das Haar erhält mehr Glanz und Geschmeidigkeit – besonders bei trockenem, stumpfem Haar zeigt sich schnell ein sichtbarer Unterschied.
Ringelblumenöl für Babys
Ringelblumenöl ist aufgrund seiner sanften Wirkung ein beliebtes Pflegemittel in der Babypflege. Da die Calendula besonders hautverträglich ist und kaum ätherische Öle enthält, eignet sie sich auch für die empfindliche Babyhaut. Bei Windeldermatitis (wunder Babypo) kann Ringelblumenöl die gereizte Haut beruhigen und die Heilung unterstützen. Achten Sie bei der Anwendung auf Babyhaut unbedingt auf ein hochwertiges Produkt in Bioqualität, das frei von Zusatzstoffen ist. Die EMA empfiehlt Calendula-Zubereitungen für die Haut ab einem Alter von 6 Jahren; für jüngere Kinder und Säuglinge sollten Sie die Anwendung mit dem Kinderarzt besprechen.[3]
Ringelblumenöl im Intimbereich
Dank seiner beruhigenden und hautregenerierenden Eigenschaften wird Ringelblumenöl traditionell auch zur Pflege im Intimbereich eingesetzt. Es kann trockene, gereizte Schleimhaut sanft pflegen und die natürliche Hautbarriere unterstützen. Achten Sie hierbei besonders auf ein reines, kaltgepresstes Ringelblumenöl in Bioqualität ohne Duftstoffe oder synthetische Zusätze. Bei anhaltenden Beschwerden im Intimbereich sollten Sie in jedem Fall einen Arzt konsultieren.
Innerliche Anwendung von Ringelblumenöl
In der Volksmedizin wurde die Ringelblume traditionell auch innerlich eingesetzt – etwa als Tee oder Ölzubereitung bei Magen-Darm-Beschwerden, Gallenleiden und Menstruationsbeschwerden. Es ist wichtig zu wissen, dass die innere Anwendung von Ringelblumenöl wissenschaftlich nicht ausreichend belegt ist und ausschließlich auf traditionellen Erfahrungswerten beruht.[2]
Traditionell wird Ringelblumenöl innerlich für folgende Zwecke genutzt: Zur Unterstützung der Verdauung werden wenige Tropfen in einen Tee oder in eine Mahlzeit gegeben. Bei Mundhöhlenentzündungen kann das Öl im Mund behalten und nach einigen Minuten ausgespuckt werden – ähnlich dem Ölziehen. Für die Mundschleimhaut erkennt die EMA die Anwendung von Calendula-Zubereitungen als traditionelles Arzneimittel an.[3]
Wer Ringelblumenöl einnehmen möchte, sollte ausschließlich ein kaltgepresstes Bio-Produkt verwenden, das ausdrücklich für die innere Anwendung geeignet ist.
Äußerliche Anwendung
Die äußerliche Anwendung ist das Haupteinsatzgebiet von Ringelblumenöl und wissenschaftlich am besten dokumentiert. Neben den bereits beschriebenen Anwendungen auf Haut, Gesicht und Haaren gibt es weitere Möglichkeiten:
Als Körperöl eignet sich Ringelblumenöl hervorragend für die tägliche Pflege. Tragen Sie es am besten auf die noch leicht feuchte Haut nach dem Duschen auf – so kann es optimal einziehen und die Haut intensiv mit Feuchtigkeit versorgen. Besonders in der Herbst- und Winterzeit, wenn die Haut durch Heizungsluft und Kälte beansprucht wird, bietet Ringelblumenöl einen wohltuenden Schutz.
Für eine Massage kann Ringelblumenöl pur oder gemischt mit anderen Pflegeölen wie Arganöl oder Kokosöl verwendet werden. Das Öl wird gut von der Haut aufgenommen und hinterlässt ein angenehm gepflegtes Hautgefühl.
Bei Sonnenbrand können Sie Ringelblumenöl vorsichtig auf die betroffenen Stellen auftragen. Die kühlende, entzündungshemmende Wirkung verschafft rasch Linderung.
Ringelblumenöl in der Schwangerschaft
Ringelblumenöl gilt äußerlich angewendet generell als gut verträglich und wird von vielen Hebammen zur Pflege beanspruchter Haut in der Schwangerschaft empfohlen – beispielsweise zur Vorbeugung von Dehnungsstreifen oder zur Dammmassage. Da ätherische Öle in der Schwangerschaft grundsätzlich mit Vorsicht eingesetzt werden sollten, ist ein Calendula-Mazerat (Ölauszug) dem reinen ätherischen Öl vorzuziehen. Von der inneren Einnahme während der Schwangerschaft und Stillzeit wird sicherheitshalber abgeraten, da keine ausreichenden Daten zur Unbedenklichkeit vorliegen.[3]
Ringelblumenöl selber machen
Ringelblumenöl lässt sich mit wenigen Zutaten einfach selbst herstellen. Das Verfahren nennt sich Mazeration – dabei werden die Wirkstoffe der Blüten in einem Trägeröl ausgezogen. Es gibt zwei bewährte Methoden:
Kaltauszug (empfohlen)
Der Kaltauszug ist die schonendste Methode und bewahrt die wertvollen Inhaltsstoffe am besten:
Zutaten: Zwei Handvoll frische Ringelblumenblüten (alternativ getrocknete Blüten) und 250 ml hochwertiges, kaltgepresstes Olivenöl in Bioqualität. Als Alternative eignen sich auch Mandelöl, Jojobaöl oder ein anderes kaltgepresstes, oxidationsstabiles Öl.
Anleitung: Füllen Sie die Blütenblätter (ohne grüne Kelchblätter) in ein ausgekochtes Schraubglas. Übergießen Sie die Blüten vollständig mit dem Öl – alle Pflanzenteile müssen bedeckt sein, um Schimmelbildung zu vermeiden. Verschließen Sie das Glas und stellen Sie es für drei bis vier Wochen an einen warmen, sonnigen Platz, etwa auf die Fensterbank. Schütteln Sie das Glas alle paar Tage sanft. Anschließend filtern Sie das Öl durch ein feines Leinentuch oder einen Kaffeefilter in eine dunkle Glasflasche. Kühl und dunkel gelagert hält das Ringelblumenöl mindestens sechs Monate.
Warmauszug (schnelle Methode)
Wer nicht so lange warten möchte, kann einen Warmauszug herstellen. Geben Sie die Blüten und das Öl in ein hitzebeständiges Gefäß und erhitzen Sie es im Wasserbad bei maximal 60 °C für zwei bis drei Stunden. Nicht höher erhitzen, da sonst empfindliche Wirkstoffe zerstört werden. Anschließend wie beim Kaltauszug filtern und in eine dunkle Flasche abfüllen.
Tipp: Achten Sie bei frischen Blüten darauf, sie vorher einige Stunden an der Luft antrocknen zu lassen. So reduzieren Sie den Wassergehalt und verhindern, dass das Öl schimmelt. Getrocknete Blüten sind eine sichere Alternative, wobei bei ihnen weniger flüchtige Wirkstoffe enthalten sind als bei frischen.
Dosierung und Anwendung von Ringelblumenöl
Die richtige Dosierung von Ringelblumenöl hängt vom Anwendungsgebiet und der Art des Produkts ab:
Äußerliche Anwendung (Mazerat/Ölauszug): Einige Tropfen des Ringelblumenöls werden zwei- bis viermal täglich dünn auf die betroffene Hautstelle aufgetragen und sanft einmassiert. Bei großflächiger Anwendung als Körperöl genügt eine haselnussgroße Menge für den gesamten Körper – idealerweise auf feuchte Haut nach dem Duschen.
Ätherisches Ringelblumenöl: Da das reine ätherische Öl hochkonzentriert ist, sollte es stets verdünnt angewendet werden. Die empfohlene Verdünnung liegt bei 1 bis 3 %, was etwa 3 bis 9 Tropfen ätherisches Öl auf 15 ml Trägeröl entspricht. Niemals unverdünnt auf die Haut auftragen.
Für die Mundschleimhaut: Laut EMA-Monographie wird die verdünnte Tinktur oder ein Aufguss mehrmals täglich auf die betroffene Stelle aufgetragen. Diese Anwendung ist für Personen ab 12 Jahren empfohlen.[3]
Für die Haare: Ein bis zwei Tropfen in die Haarspitzen oder als Kopfhaut-Kur über Nacht. Bei regelmäßiger Anwendung zeigen sich Verbesserungen meist nach zwei bis vier Wochen.
Ringelblumenöl Nebenwirkungen
Ringelblumenöl gilt insgesamt als sehr gut verträglich. Präklinische toxikologische Studien zeigen, dass Calendula-Extrakte relativ untoxisch sind und keine Phototoxizität oder Sensibilisierung auslösen.[12] Dennoch gibt es einige Punkte zu beachten:
Allergie gegen Korbblütler: Wer allergisch auf Korbblütler (Asteraceae) reagiert – dazu gehören auch Kamille, Arnika, Chrysantheme oder Beifuß – sollte Ringelblumenöl vor der ersten Anwendung an einer kleinen Hautstelle testen. In seltenen Fällen kann es zu Hautsensibilisierungen kommen. Die EMA vermerkt, dass Hautallergien möglich, aber selten sind.[3]
Kelchblätter meiden: Allergische Reaktionen und Hautentzündungen treten eher bei Zubereitungen auf, die aus der gesamten Blüte mitsamt dem grünen Hüllkelch hergestellt wurden. Hochwertige Produkte verwenden ausschließlich die Blütenblätter.
Nicht in offene Wunden: Ringelblumenöl sollte nur auf den Wundrand und die umgebende Haut aufgetragen werden, nicht direkt in tiefe oder offene Wunden.
Schwangerschaft und Stillzeit: Zur inneren Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine ausreichenden Sicherheitsdaten vor. Die äußerliche Anwendung des Mazerats gilt als unbedenklich.
Kinder: Die EMA empfiehlt die Anwendung auf der Haut ab 6 Jahren, im Mundbereich ab 12 Jahren. Für jüngere Kinder und Säuglinge sollte die Anwendung mit dem Arzt abgesprochen werden.
Ringelblumenöl kaufen – Worauf sollte man achten?
Beim Kauf von Ringelblumenöl gibt es einige wichtige Qualitätskriterien zu beachten, um ein hochwertiges Produkt zu erhalten:
Bioqualität bevorzugen: Da Ringelblumenöl oft direkt auf die Haut – auch auf verletzte oder entzündete Stellen – aufgetragen wird, ist Bio-Qualität besonders empfehlenswert. So stellen Sie sicher, dass keine Pestizidrückstände enthalten sind. Achten Sie auf anerkannte Siegel wie das EU-Bio-Siegel, Demeter oder Naturland.
Kaltgepresst und nativ: Ein kaltgepresstes Ringelblumenöl enthält mehr wertvolle Inhaltsstoffe als ein raffiniertes Produkt, da hitzeempfindliche Wirkstoffe wie Flavonoide und Carotinoide bei der Raffination verloren gehen können.
Trägeröl prüfen: Bei Mazeraten ist das Trägeröl entscheidend. Hochwertige Produkte verwenden kaltgepresstes Olivenöl, Mandelöl oder Jojobaöl. Vermeiden Sie Produkte mit Mineralölen, Parabenen oder synthetischen Duftstoffen.
Dunkle Glasflaschen: Hochwertiges Ringelblumenöl wird in dunklen Glasflaschen abgefüllt, um die lichtempfindlichen Wirkstoffe zu schützen. Produkte in Plastikflaschen sind weniger empfehlenswert.
Bezugsquellen: Ringelblumenöl erhalten Sie in der Apotheke, im Reformhaus und in Drogerien. Online-Apotheken und zertifizierte Online-Shops bieten eine große Auswahl. Achten Sie bei Online-Bestellungen auf Anbieter mit Trusted-Shops-Siegel oder vergleichbaren Qualitätsstandards. Auch Hersteller wie Primavera oder Weleda bieten hochwertige Calendula-Produkte an.
Ringelblumenöl für Hunde
Ringelblumenöl wird in der Tierpflege geschätzt und kann auch bei Hunden äußerlich angewendet werden. Bei kleinen Hautverletzungen, Schürfwunden, Juckreiz oder trockenen Pfoten kann das Mazerat sanft auf die betroffene Stelle aufgetragen werden. Die entzündungshemmenden und wundheilenden Eigenschaften der Calendula sind ebenso bei Tieren wirksam. Achten Sie darauf, dass Ihr Hund das Öl nicht ableckt – bei Bedarf können Sie die behandelte Stelle mit einem leichten Verband abdecken. Verwenden Sie nur reines, unparfümiertes Ringelblumenöl ohne Zusatzstoffe.
Häufig gestellte Fragen zu Ringelblumenöl
Für was ist Ringelblumenöl gut?
Ringelblumenöl ist vor allem für seine hautpflegenden und wundheilenden Eigenschaften bekannt. Es wird äußerlich bei trockener, rissiger und gereizter Haut, bei Sonnenbrand, kleinen Wunden, Narben, Neurodermitis und Ekzemen eingesetzt. Auch in der Gesichts- und Haarpflege sowie in der Babypflege ist es beliebt. Die EMA erkennt es als traditionelles Arzneimittel zur Behandlung leichter Hautentzündungen und zur Unterstützung der Wundheilung an.
Ist Ringelblumenöl komedogen?
Ringelblumenöl hat einen niedrigen Komedogenitätsgrad von 1 (Skala 0–5) und verstopft die Poren daher kaum. Es ist für die meisten Hauttypen gut geeignet, auch für empfindliche Haut. Bei stark öliger, zu Akne neigender Haut empfiehlt sich dennoch ein Verträglichkeitstest an einer kleinen Hautstelle.
Wie lange ist selbst gemachtes Ringelblumenöl haltbar?
Richtig hergestellt und in einer dunklen Glasflasche kühl und dunkel gelagert, hält selbst gemachtes Ringelblumenöl mindestens sechs Monate bis zu einem Jahr. Achten Sie darauf, dass keine Wasserreste im Öl verbleiben, da diese zu Schimmelbildung führen können.
Welches Öl eignet sich am besten für Ringelblumenöl?
Für die Herstellung von Ringelblumenöl als Mazerat eignen sich besonders kaltgepresstes Olivenöl, Mandelöl und Jojobaöl als Basisöle. Olivenöl ist der Klassiker und besonders oxidationsstabil, Mandelöl ist besonders hautfreundlich und mild, und Jojobaöl ist sehr lange haltbar, da es technisch gesehen ein Flüssigwachs ist.
Kann man Ringelblumenöl auch einnehmen?
Traditionell wird Ringelblumenöl auch innerlich angewendet, allerdings ist die innere Anwendung wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. Wer Ringelblumenöl einnehmen möchte, sollte ausschließlich ein kaltgepresstes Bio-Produkt verwenden, das explizit für die innere Anwendung deklariert ist, und sich im Zweifel ärztlich beraten lassen.
Kann Ringelblumenöl in der Schwangerschaft verwendet werden?
Die äußerliche Anwendung von Ringelblumenöl (als Mazerat) gilt in der Schwangerschaft als unbedenklich und wird sogar von vielen Hebammen empfohlen. Von der inneren Einnahme wird während der Schwangerschaft und Stillzeit abgeraten, da keine ausreichenden Sicherheitsstudien vorliegen.
Quellen
- Arora, D., Rani, A., & Sharma, A. (2013). A review on phytochemistry and ethnopharmacological aspects of genus Calendula. Pharmacognosy Reviews, 7(14), 179–187. doi:10.4103/0973-7847.120520
- AOK Gesundheitsmagazin (2023). Ringelblume: Heilwirkung und Anwendungsmöglichkeiten. Abgerufen von: aok.de
- European Medicines Agency – HMPC (2018). European Union herbal monograph on Calendula officinalis L., flos – Revision 1. EMA/HMPC/179281/2007. Abgerufen von: ema.europa.eu
- Dr. Theiss Naturwaren (2023). Ringelblume (Calendula). Abgerufen von: dr-theiss.de
- Ashraf, S. A., et al. (2023). An Updated Review on the Multifaceted Therapeutic Potential of Calendula officinalis L. Pharmaceuticals, 16(4), 611. doi:10.3390/ph16040611
- Sapkota, B., & Kunwar, P. (2024). A Review on Traditional Uses, Phytochemistry and Pharmacological Activities of Calendula officinalis Linn. Natural Product Communications, 19(8). doi:10.1177/1934578X241259021
- Della Loggia, R., et al. (1994). The Role of Triterpenoids in the Topical Anti-Inflammatory Activity of Calendula officinalis Flowers. Planta Medica, 60(6), 516–520. doi:10.1055/s-2006-959562
- Fonseca, Y. M., et al. (2010). Protective effect of Calendula officinalis extract against UVB-induced oxidative stress in skin: Evaluation of reduced glutathione levels and matrix metalloproteinase secretion. Journal of Ethnopharmacology, 127(3), 596–601. doi:10.1016/j.jep.2009.12.019
- Givol, O., et al. (2019). A systematic review of Calendula officinalis extract for wound healing. Wound Repair and Regeneration, 27(5), 548–561. doi:10.1111/wrr.12737
- Buzzi, M., et al. (2016). Therapeutic effectiveness of a Calendula officinalis extract in venous leg ulcer healing. Journal of Wound Care, 25(12), 732–739. doi:10.12968/jowc.2016.25.12.732
- Nicolaus, C., et al. (2017). In vitro studies to evaluate the wound healing properties of Calendula officinalis extracts. Journal of Ethnopharmacology, 196, 94–103. doi:10.1016/j.jep.2016.12.006
- Martins, C. A. F., et al. (2022). Topical Calendula officinalis L. inhibits inflammatory pain through antioxidant, anti-inflammatory and peripheral opioid mechanisms. Journal of Traditional Chinese Medical Sciences, 9(4), 428–436. doi:10.1016/j.jtcms.2022.10.002
- Parente, L. M., et al. (2012). Wound Healing and Anti-Inflammatory Effect in Animal Models of Calendula officinalis L. Growing in Brazil. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2012, 375671. doi:10.1155/2012/375671



