Geraniumöl

Zuletzt aktualisiert: 12.02.26

Geraniumöl – auch Rosengeranienöl genannt – zählt zu den vielseitigsten ätherischen Ölen in der Aromatherapie und Naturkosmetik. Das grünlich-gelbe Öl wird durch Wasserdampfdestillation aus Blättern und Stängeln der Rosengeranie (Pelargonium graveolens) gewonnen und zeichnet sich durch ein rosig-blumiges, warmes Duftprofil aus, das vor allem dem hohen Geraniol-Anteil zu verdanken ist. Bereits im alten Ägypten wurde es zur Hautpflege geschätzt, und bis heute wird es in der Aromatherapie als Lufterfrischer, Badezusatz und Massageöl sowie als natürliches Reinigungsmittel eingesetzt.[1]

Die Pflanze stammt ursprünglich aus dem südlichen Afrika und wurde Ende des 16. Jahrhunderts nach Europa importiert. Heute wird Geraniumöl vor allem in Ägypten, auf der Insel La Réunion, in China, Indien und Frankreich kultiviert.[2] Je nach Anbaugebiet und Erntezeitpunkt variiert die genaue Zusammensetzung des Öls, wobei die therapeutischen Grundeigenschaften weitgehend erhalten bleiben. Besonders beliebt ist Geraniumöl aufgrund seiner antibakteriellen, entzündungshemmenden und hautregenerierenden Wirkung, die es der Vielzahl enthaltener Pflanzenstoffe wie Monoterpenalkoholen, Sesquiterpenen und Estern verdankt.[3]

Geraniumöl – ätherisches Öl aus Pelargonium graveolens in Braunglasflasche mit frischen Geranienblättern

Gewinnung von Geraniumöl

Pelargonium graveolens gehört zur Familie der Storchschnabelgewächse (Geraniaceae) und umfasst heute über 600 Arten und Zuchtformen weltweit. Die für die Ölgewinnung relevanten Sorten, darunter die Zuchtform „Citrosa", bevorzugen warme, sonnige Standorte und werden in Plantagen in Frankreich, Südafrika, Israel, China, Ägypten und auf La Réunion angebaut. Die Pflanze ist ein duftender, buschiger Strauch, der bis zu 1,3 Meter hoch wachsen kann und kleine, rosafarbene Blüten ausbildet.[2]

Bei der Gewinnung von Geraniumöl handelt es sich um einen aufwändigen Prozess, der Expertise und Geduld erfordert. Die frischen Blätter und Stängel werden in einen Destillierapparat gegeben und dort mit Wasserdampf durchströmt. Der erzeugte Dampf durchdringt die Pflanzenteile und löst dabei die ätherischen Öle aus den Drüsenhaaren der Blätter heraus. Anschließend wird das Dampf-Öl-Gemisch in einem Kondensator abgekühlt, wobei sich das ätherische Öl vom Hydrolat (Blütenwasser) trennt und in einem Behälter aufgefangen wird.[4]

Die Ölausbeute ist vergleichsweise gering und liegt zwischen 0,1 % und 0,9 % des Pflanzengewichts, was den höheren Preis von Geraniumöl im Vergleich zu anderen ätherischen Ölen erklärt.[2] Die Qualität des Öls wird unter anderem durch das Anbaugebiet, die Erntezeit, das Alter der Pflanzen, die Lagerbedingungen und das Destillationsverfahren beeinflusst. Neben der klassischen Wasserdampfdestillation kommen bei modernen Herstellern auch innovative Verfahren wie die überkritische CO₂-Extraktion und die mikrowellengestützte Extraktion zum Einsatz, die eine schonendere Gewinnung thermolabiler Inhaltsstoffe ermöglichen.[4]

Inhaltsstoffe von Geraniumöl

Geraniumöl enthält über 120 verschiedene Phytobestandteile, darunter Monoterpene, Sesquiterpene, Diterpene und niedermolekulare Aromaverbindungen.[3] Mithilfe der Gaschromatographie-Massenspektrometrie (GC-MS) konnten Forscher die Hauptwirkstoffe des Öls genau identifizieren. Die dominierenden Inhaltsstoffe sind:

  1. β-Citronellol (18–30 %): Der häufigste Bestandteil, verantwortlich für den rosenartigen Duft sowie antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften.[3]
  2. Geraniol (10–15 %): Verleiht dem Öl sein charakteristisches Blumenaroma und besitzt antioxidative sowie antimikrobielle Wirkung.[5]
  3. Citronellylformiat (4–13 %): Ein Ester mit fruchtigem Duft, der zur Gesamtharmonie des Aromas beiträgt.[5]
  4. Linalool (2–11 %): Ein Monoterpenalkohol mit beruhigenden und angstlösenden Eigenschaften.
  5. 10-epi-γ-Eudesmol (4–8 %): Ein Sesquiterpenalkohol, der maßgeblich für die zeckenabwehrende Wirkung verantwortlich ist.[6]
  6. Isomenthon, Nerol und Geranylformiat: Weitere wichtige Bestandteile mit jeweils eigenen therapeutischen Profilen.[5]

Die genaue Zusammensetzung kann je nach Herkunft, Klima und Erntebedingungen erheblich variieren, was die unterschiedlichen Qualitäten am Markt erklärt.[3]

INCI: Pelargonium Graveolens Flower Oil

In der kosmetischen Deklaration wird Geraniumöl unter der INCI-Bezeichnung Pelargonium Graveolens Flower Oil geführt. Dieser standardisierte Name findet sich auf den Inhaltsstofflisten (INCI-Listen) von Cremes, Seren, Shampoos und anderen Kosmetikprodukten, die Geraniumöl enthalten. Der INCI-Name leitet sich von der botanischen Bezeichnung der Pflanze ab – „Pelargonium" stammt vom griechischen Wort pelargós (πελαργός), was „Storch" bedeutet, da die Fruchtform an den Schnabel eines Storchs erinnert.[7]

Wer Kosmetikprodukte mit echtem Geraniumöl sucht, sollte auf diese INCI-Bezeichnung achten und sicherstellen, dass keine synthetischen Duftstoff-Ersatzstoffe wie Geraniol oder Citronellol einzeln deklariert sind, sondern das vollständige Öl enthalten ist. In Bio-Kosmetik wird häufig zusätzlich der Hinweis „aus kontrolliert biologischem Anbau" ergänzt.

Wirkung von Geraniumöl

Die therapeutische Wirkung von Geraniumöl ist wissenschaftlich gut dokumentiert und beruht auf dem Zusammenspiel seiner zahlreichen bioaktiven Inhaltsstoffe. Die wichtigsten Wirkbereiche sind:

Antibakteriell und antimikrobiell: Geraniumöl zeigt nachweislich Wirksamkeit gegen mindestens 24 verschiedene Bakterien- und Pilzstämme. Die Monoterpenalkohole Citronellol und Geraniol können die Zellmembranen von Bakterien stören und so deren Vermehrung hemmen. Diese Eigenschaft macht das Öl zu einem wertvollen natürlichen Antiseptikum.[3]

Entzündungshemmend: Eine Studie von Boukhatem et al. (2013) wies nach, dass Geraniumöl signifikante entzündungshemmende Eigenschaften besitzt – vergleichbar mit konventionellen Entzündungshemmern, jedoch mit weniger Nebenwirkungen. Topisch aufgetragen, reduzierte es im Tiermodell Ödeme und Hautentzündungen deutlich.[8]

Antioxidativ: Die im Öl enthaltenen Verbindungen können freie Radikale neutralisieren, was zum Schutz vor oxidativem Stress und vorzeitiger Hautalterung beiträgt. Studien zeigten eine Hemmung des DPPH-Radikals bei einer IC50 von 0,802 mg/ml.[3]

Insektenabwehrend: Die Sesquiterpene und Monoterpene wirken abschreckend auf verschiedene Insekten und Parasiten, darunter Zecken, Mücken und Hausfliegen.[6]

Anxiolytisch und stimmungsaufhellend: Geraniumöl interagiert vermutlich mit dem GABA-Neurotransmittersystem, was seine beruhigende und stimmungsaufhellende Wirkung erklärt. In klinischen Studien konnte die Inhalation von Geraniumöl Angstzustände signifikant reduzieren.[9]

Hautregenerierend: Das Öl fördert die Kollagensynthese und unterstützt die Zellerneuerung, was es besonders wertvoll für die Behandlung von Narben, Wunden und reifer Haut macht.[7]

Anwendungsgebiete von Geraniumöl

Geraniumöl für die Haut

Geraniumöl gehört zu den wertvollsten ätherischen Ölen für die Hautpflege und Kosmetik. Seine einzigartige Kombination aus antibakteriellen, entzündungshemmenden und zellregenerierenden Eigenschaften macht es zu einem Allrounder bei verschiedenen Hautproblemen.[8]

Bei der Anwendung auf der Haut empfiehlt es sich, Geraniumöl stets mit einem Trägeröl wie Jojobaöl, Mandelöl oder Kokosöl zu verdünnen, um Hautreizungen zu vermeiden. Eine bewährte Mischung besteht aus fünf Tropfen Geraniumöl auf einen Teelöffel Trägeröl.

Geraniumöl wirkt bei folgenden Hautproblemen besonders effektiv: Bei Akne reguliert es die Talgproduktion und beugt verstopften Poren vor. Die antibakteriellen Eigenschaften der Monoterpenalkohole helfen, akneverursachende Bakterien wie Staphylococcus aureus zu bekämpfen.[7] Bei Ekzemen, Psoriasis und Dermatitis beruhigt das Öl gereizte Haut und lindert Juckreiz dank seiner entzündungshemmenden Wirkung. Zudem hält Geraniumöl die Haut glatt und straff, da es die Elastizität verbessert und die Durchblutung anregt. Wegen seiner adstringierenden Wirkung ist es auch zur Behandlung von Cellulite und Orangenhaut beliebt. Darüber hinaus unterstützt das zellregenerierende Öl die Heilung von Narben, kleinen Wunden und geplatzten Äderchen.[10]

Geraniumöl für die Haare

Da Geraniumöl die Durchblutung der Kopfhaut fördert und antimikrobielle Eigenschaften besitzt, ist es ein beliebter Bestandteil vieler Haarpflegeprodukte. Es stimuliert die Haarfollikel und kann so das Haarwachstum unterstützen. Trockenes, sprödes Haar profitiert von der feuchtigkeitsspendenden Wirkung des Öls, das natürlichen Glanz zurückbringt.

Für eine intensive Haarkur werden 5 Tropfen Geraniumöl mit 2 Esslöffeln Arganöl oder Kokosöl vermischt und in die Kopfhaut einmassiert. Nach 30 Minuten Einwirkzeit wird die Mischung gründlich ausgewaschen. Alternativ können 2–3 Tropfen dem Shampoo oder der Spülung hinzugefügt werden. Bei Schuppenproblemen oder juckender Kopfhaut kann die regelmäßige Anwendung dank der antimikrobiellen Wirkung Linderung verschaffen.

Geraniumöl gegen Zecken

Geraniumöl hat sich als eines der wirksamsten natürlichen Zeckenschutzmittel erwiesen. Eine wegweisende Studie von Tabanca et al. (2013), veröffentlicht im Journal of Agricultural and Food Chemistry, zeigte, dass alle zehn untersuchten Geraniumöl-Proben eine Abwehrwirkung gegen die medizinisch bedeutsame Zeckenart Amblyomma americanum besaßen. Besonders bemerkenswert: Der im Öl enthaltene Sesquiterpenalkohol (-)-10-epi-γ-Eudesmol wies in höheren Konzentrationen eine vergleichbare Wirksamkeit wie das synthetische Repellent DEET auf und konnte über 90 % der Zecken abwehren.[6]

Für einen natürlichen Zeckenschutz werden 15 Tropfen Geraniumöl in 30 ml Jojobaöl gegeben und gut geschüttelt. Ein paar Tropfen dieser Mischung werden vor dem Aufenthalt im Freien auf exponierte Hautstellen aufgetragen. Da die Wirkung zeitlich begrenzt ist, sollte die Anwendung alle 2–3 Stunden wiederholt werden. Dabei ist die empfohlene Dosierung unbedingt einzuhalten, um Hautreizungen zu vermeiden.[11]

Auch als Raumduft in einer Duftlampe oder einem Aroma-Diffuser entfaltet Geraniumöl seine abwehrende Wirkung gegen Zecken und andere Insekten wie Mücken.

Geraniumöl in der Aromatherapie

In der Aromatherapie gehört Geraniumöl zu den am häufigsten eingesetzten ätherischen Ölen. Sein rosig-warmes Aroma wirkt zugleich beruhigend und belebend, weshalb es als „harmonisierendes" Öl gilt, das emotionale Balance fördert.

Die Inhalation von Geraniumöl über einen Diffuser oder eine Duftlampe kann Stress und Angstzustände lindern, die Konzentration verbessern und die allgemeine Stimmung aufhellen. In der traditionellen Aromatherapie wird dem Öl eine herzöffnende Wirkung zugeschrieben, die Vertrauen und innere Ruhe stärkt.[9]

Geraniumöl harmoniert besonders gut mit anderen ätherischen Ölen wie Lavendelöl, Bergamotteöl, Rosenöl, Zitronenöl und Jasminöl. Für eine entspannende Raumbeduftung genügen 3–5 Tropfen in der Duftlampe oder im Diffuser.

Geraniumöl als Massageöl

Dank seiner schmerzlindernden und durchblutungsfördernden Eigenschaften ist Geraniumöl hervorragend für die Massage geeignet. Es lockert verspannte Muskulatur, lindert Gelenksteifigkeit und fördert die Regeneration nach körperlicher Anstrengung.

Für ein wohltuendes Massageöl werden 10–15 Tropfen Geraniumöl in 50 ml eines hochwertigen Basisöls wie Mandelöl, Avocadoöl oder Sesamöl gegeben. Diese Mischung eignet sich besonders bei Muskelverspannungen, Erschöpfungszuständen und zur allgemeinen Entspannung. Auch bei Menstruationsbeschwerden kann eine sanfte Bauchmassage mit geraniumölhaltigem Massageöl krampflösend wirken.

Geraniumöl für die Duftlampe

In der Duftlampe entfaltet Geraniumöl ein warmes, blumiges Aroma, das die Raumluft belebt und gleichzeitig beruhigend wirkt. Es eignet sich sowohl als Einzelöl als auch in Kombination mit anderen Düften.

Eine beliebte Mischung für die Duftlampe: 3 Tropfen Geraniumöl, 2 Tropfen Orangenöl und 1 Tropfen Ylang-Ylang-Öl für eine harmonisierende Atmosphäre. Zur Insektenabwehr im Sommer eignet sich eine Mischung aus 4 Tropfen Geraniumöl und 2 Tropfen Zitronengrasöl.

Geraniumöl als Badezusatz

Ein Aromabad mit Geraniumöl ist eine wohltuende Anwendung bei Erschöpfung, Muskelverspannungen und Stress. Da ätherische Öle nicht wasserlöslich sind, sollte Geraniumöl vor dem Bad immer mit einem Emulgator wie Sahne, Honig oder Meersalz vermischt werden.

Für ein entspannendes Vollbad werden 5–8 Tropfen Geraniumöl in 3 Esslöffel Sahne oder eine Handvoll Meersalz eingerührt und dem einlaufenden Badewasser zugegeben. Die Badetemperatur sollte 38 °C nicht überschreiten, und die Badedauer auf 15–20 Minuten begrenzt werden. Wer die Inhalationswirkung ätherischer Öle schätzt, profitiert beim Baden doppelt: Die Haut nimmt die Wirkstoffe auf, während der aufsteigende Duft die Atemwege und die Psyche positiv beeinflusst.

Psychische Wirkung von Geraniumöl

Geraniumöl besitzt eine bemerkenswerte psychische Wirkung, die es zu einem der beliebtesten Öle in der Aromatherapie macht. Es wirkt auf zwei Ebenen gleichzeitig: Einerseits fördert es Entspannung und innere Ruhe, andererseits stärkt es Konzentration und geistige Klarheit.

Klinische Studien belegen die angstlösende Wirkung von Geraniumöl. In einer randomisierten kontrollierten Studie von Rashidi Fakari et al. (2015) konnte die Inhalation von Geraniumöl während der Eröffnungsphase der Geburt die Angst der Teilnehmerinnen signifikant reduzieren und den diastolischen Blutdruck senken.[9] Die Forscher vermuten, dass die Monoterpenalkohole im Öl mit dem GABA-Rezeptorsystem interagieren, einem wichtigen Neurotransmittersystem für Entspannung und Angstlösung.

Zur Behandlung von Erschöpfung und Angstzuständen eignet sich eine sanfte Massage mit einem Basisöl, in das einige Tropfen Geraniumöl gegeben werden, ebenso wie die klassische Raumbeduftung. Neben seiner beruhigenden und antidepressiven Wirkung stärkt Geraniumöl das Selbstvertrauen und hilft, emotionale Balance wiederherzustellen. Auch die Schlafqualität kann sich durch abendliche Anwendung verbessern – ein guter Start in den nächsten Tag.[12]

Geraniumöl in der Schwangerschaft

Die Verwendung von Geraniumöl in der Schwangerschaft ist ein häufig nachgefragtes Thema. Grundsätzlich wird Geraniumöl von der National Association for Holistic Aromatherapy (NAHA) und führenden Aromatherapeuten als eines der ätherischen Öle eingestuft, die ab dem zweiten Trimester als sicher gelten.[13]

Im ersten Trimester sollte auf die Anwendung ätherischer Öle generell verzichtet werden, da in dieser sensiblen Phase der embryonalen Entwicklung Vorsicht geboten ist. Ab dem zweiten Trimester kann Geraniumöl in stark verdünnter Form (maximal 1 % Verdünnung) zur Raumbeduftung oder in einer Massagemischung verwendet werden. Es kann helfen, schwangerschaftsbedingte Beschwerden wie Stimmungsschwankungen, Müdigkeit und Krampfadern zu lindern. Eine Mischung aus Geraniumöl, Zypressenöl und Orangenöl in einem Trägeröl wird in der Aromatherapie traditionell bei Krampfadern in der Schwangerschaft empfohlen.[13]

Während der Geburt hat sich Geraniumöl-Aromatherapie in einer klinischen Studie als wirksam zur Reduktion von Geburtsangst erwiesen, wobei neben der Angst auch der diastolische Blutdruck signifikant sank.[9] Wichtig: Schwangere sollten vor der Anwendung von Geraniumöl immer Rücksprache mit ihrer Hebamme oder ihrem Arzt halten. Die orale Einnahme von ätherischen Ölen ist während der Schwangerschaft grundsätzlich nicht empfehlenswert.

Dosierung und Anwendung von Geraniumöl

Die richtige Dosierung von Geraniumöl hängt von der jeweiligen Anwendungsform ab. Als ätherisches Öl ist Geraniumöl hochkonzentriert und sollte in der Regel nicht unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden. Folgende Dosierungsempfehlungen haben sich in der Praxis bewährt:

Äußerliche Anwendung (topisch): 2–5 Tropfen Geraniumöl in einem Teelöffel (ca. 5 ml) Trägeröl verdünnen. Das entspricht einer Verdünnung von etwa 2–5 %. Für empfindliche Haut oder bei Erstanwendung empfiehlt sich eine niedrigere Konzentration von 1 %.

Duftlampe und Diffuser: 3–5 Tropfen Geraniumöl reichen für einen mittelgroßen Raum. Der Diffuser sollte nicht länger als 30–60 Minuten am Stück betrieben werden.

Vollbad: 5–8 Tropfen, stets mit einem Emulgator vermischt. Nicht mehr als 4 Tropfen bei empfindlicher Haut.

Massage: 10–15 Tropfen auf 50 ml Basisöl für eine Ganzkörpermassage.

Inhalation: 2–3 Tropfen in eine Schüssel mit heißem Wasser geben und den Dampf mit einem Handtuch über dem Kopf einatmen. Diese Methode eignet sich besonders bei Erkältungssymptomen und zur Stimmungsaufhellung.

Zur oralen Einnahme sollte Geraniumöl nur unter fachkundiger Anleitung eines Arztes oder Heilpraktikers verwendet werden, da ätherische Öle bei unsachgemäßer Einnahme die Schleimhäute reizen können.

Geraniumöl selber machen

Ein reines ätherisches Geraniumöl in therapeutischer Qualität lässt sich zu Hause nicht ohne professionelle Destillationsausrüstung herstellen, da die Wasserdampfdestillation Spezialgerät und große Pflanzenmengen erfordert. Allerdings kann ein aromatisches Geranien-Ölauszug (Mazerat) als Alternative selbst zubereitet werden:

Dafür werden frische, saubere Blätter und Blüten der Rosengeranie (Pelargonium graveolens) grob zerkleinert und in ein steriles Schraubglas gefüllt. Anschließend werden die Pflanzenteile vollständig mit einem hochwertigen Basisöl – idealerweise Jojobaöl oder Mandelöl – bedeckt. Das verschlossene Glas wird für 2–4 Wochen an einem warmen, sonnigen Platz aufgestellt und täglich geschüttelt. Nach der Mazeration wird das Öl durch ein feines Sieb oder Mulltuch gefiltert und in eine dunkle Glasflasche umgefüllt.

Dieser Ölauszug enthält die fettlöslichen Wirkstoffe der Geranie, ist jedoch weniger konzentriert als das destillierte ätherische Öl. Er eignet sich gut als Körperöl, Massageöl oder Ausgangsstoff für selbstgemachte Kosmetik. Kühl und dunkel gelagert ist er etwa 6 Monate haltbar.

Nebenwirkungen von Geraniumöl

Geraniumöl gilt als eines der verträglichsten ätherischen Öle und wird allgemein als nicht-toxisch, nicht-reizend und nicht-sensibilisierend eingestuft.[8] Dennoch können bei manchen Personen Nebenwirkungen auftreten:

Hautreizungen: Bei besonders empfindlicher Haut oder bei zu hoher Konzentration kann Geraniumöl Rötungen, Juckreiz oder Brennen verursachen. Deshalb ist es wichtig, vor der ersten großflächigen Anwendung einen Hautverträglichkeitstest durchzuführen. Dazu wird ein Tropfen verdünntes Geraniumöl auf die Innenseite des Unterarms aufgetragen und die Reaktion über 24 Stunden beobachtet.

Allergische Reaktionen: Der hohe Geraniol- und Citronellol-Gehalt kann bei sensibilisierten Personen Kontaktallergien auslösen. Dies betrifft vor allem Menschen, die bereits auf Duftstoffe empfindlich reagieren.

Wechselwirkungen: Geraniumöl kann die Wirkung bestimmter Medikamente beeinflussen, insbesondere von Blutzucker senkenden Mitteln, da Tierstudien einen hypoglykämischen Effekt zeigen.[14]

Schwangerschaft und Stillzeit: Im ersten Trimester sollte auf Geraniumöl verzichtet werden. Während der Stillzeit ist eine Anwendung in niedriger Dosierung und äußerlich in der Regel unbedenklich, sollte aber mit dem Arzt abgesprochen werden.

Kinder: Bei Kindern unter 6 Jahren sollte Geraniumöl nur in stark verdünnter Form und nach Rücksprache mit dem Kinderarzt verwendet werden.

Geraniumöl kaufen – darauf sollten Sie achten

Wenn Sie Geraniumöl kaufen möchten, gibt es einige wichtige Qualitätskriterien, auf die Sie achten sollten, um ein hochwertiges Produkt zu erwerben:

  1. Reinheit und Qualität: Das Geraniumöl sollte zu 100 % naturbelassen und sortenrein sein – es enthält ausschließlich das Öl der Stammpflanze Pelargonium graveolens ohne synthetische Zusätze oder Duftstoffe. Achten Sie auf die botanische Bezeichnung auf dem Etikett. Geraniumöl aus biologischem Anbau (Bio-Geraniumöl) bietet zusätzliche Sicherheit, da hier keine Pestizide oder chemischen Düngemittel eingesetzt werden.
  2. Gewinnungsverfahren: Bevorzugen Sie Geraniumöl, das durch Wasserdampfdestillation gewonnen wurde. Diese schonende Methode bewahrt die wertvollen Inhaltsstoffe und gewährleistet eine hohe therapeutische Wirksamkeit. Auf dem Etikett sollte das Gewinnungsverfahren angegeben sein.
  3. Herkunft: Die Qualität variiert je nach Anbaugebiet. Geraniumöl aus Ägypten, von La Réunion (Bourbon-Geraniumöl) und aus Frankreich gilt als besonders hochwertig. Bourbon-Geraniumöl von La Réunion zeichnet sich durch ein besonders feines, florales Aroma aus.
  4. Verpackung: Hochwertiges Geraniumöl wird lichtgeschützt in Braunglas- oder Blauglasflaschen abgefüllt. Plastikbehälter sind ungeeignet, da die ätherischen Öle das Material angreifen können und schneller oxidieren. Ein Tropfverschluss erleichtert die exakte Dosierung.
  5. Deklaration: Das Etikett gibt Aufschluss über Qualität und Reinheit, Herkunft, Gewinnungsverfahren, verwendeten Pflanzenteil und Chargennummer. Seriöse Hersteller stellen zudem Analysezertifikate (GC-MS-Prüfberichte) zur Verfügung.
  6. Preisvergleich: Reines Geraniumöl hat aufgrund der geringen Ölausbeute einen höheren Preis. Auffällig günstige Angebote können auf Streckung oder synthetische Beimischung hindeuten. Bio-Geraniumöl von etablierten Marken ist in Apotheken, Reformhäusern und spezialisierten Online-Shops erhältlich.

Häufige Fragen zu Geraniumöl

Was ist der Unterschied zwischen Geraniumöl und Geranienöl?
Die Begriffe werden im Deutschen oft synonym verwendet. Beide bezeichnen das ätherische Öl aus Pelargonium graveolens. Manchmal wird „Geranienöl" als allgemeinere Bezeichnung gebraucht, während „Geraniumöl" bzw. „Rosengeranienöl" die spezifischeren Fachbegriffe für das ätherische Öl aus der Rosengeranie sind.

Kann man Geraniumöl einnehmen?
Die orale Einnahme von Geraniumöl sollte nur unter fachkundiger Anleitung eines Arztes oder Heilpraktikers erfolgen. In der Aromatherapie wird es vorrangig äußerlich und zur Inhalation verwendet.

Hilft Geraniumöl beim Abnehmen?
Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Geraniumöl direkt beim Abnehmen hilft. Allerdings kann es indirekt unterstützend wirken: Die stimmungsaufhellende Wirkung kann Stressessen reduzieren, und die durchblutungsfördernden Eigenschaften werden in der Cellulite-Behandlung geschätzt.

Wo kann man Geraniumöl kaufen?
Hochwertiges Geraniumöl ist in Apotheken, Reformhäusern, Bioläden und spezialisierten Online-Shops erhältlich. In Drogerien wie dm finden sich ebenfalls Angebote, wobei hier besonders auf Reinheit und Qualität geachtet werden sollte. Bekannte Hersteller von Bio-Geraniumöl sind unter anderem Primavera und Bombastus.

Ist Geraniumöl für Hunde geeignet?
Geraniumöl wird teilweise als natürlicher Zeckenschutz für Hunde eingesetzt. Allerdings reagieren Tiere empfindlicher auf ätherische Öle als Menschen. Verwenden Sie Geraniumöl bei Hunden nur in sehr starker Verdünnung und nach Rücksprache mit dem Tierarzt.

Quellenverzeichnis

  1. Lis-Balchin, M. (2002). Geranium and Pelargonium: History of Nomenclature, Usage and Cultivation. Taylor & Francis, London. ISBN 978-0-415-28487-2
  2. Blerot, B., Martinelli, L., Prunier, C., Saint-Marcoux, D., Legendre, L., & Bony, A. (2016). Characterization of Pelargonium graveolens cultivars and hybrids by GC-MS. Biochemical Systematics and Ecology, 66, 150–160. doi:10.1016/j.bse.2016.04.005
  3. Ferroudj, A., Benariba, N., Zaidi, T., & Boucherit-Otmani, Z. (2024). An In-Depth Study on the Chemical Composition and Biological Effects of Pelargonium graveolens Essential Oil. Foods, 13(1), 33. doi:10.3390/foods13010033
  4. Kaoud, H. A., Yosif, D. A., & Abdelbary, A. A. (2025). Geranium Essential Oil (Pelargonium graveolens): Extraction Methods, Bioactivity, Encapsulation, and Food Applications – A Review. Food and Bioprocess Technology. doi:10.1007/s11947-025-03878-7
  5. Boukhris, M., Simmonds, M. S. J., Sayadi, S., & Bouaziz, M. (2013). Chemical composition and biological activities of polar extracts and essential oil of rose-scented geranium, Pelargonium graveolens. Phytotherapy Research, 27(8), 1206–1213. doi:10.1002/ptr.4853
  6. Tabanca, N., Wang, M., Avonto, C., Chittiboyina, A. G., Parcher, J. F., Carroll, J. F., Kramer, M., & Khan, I. A. (2013). Bioactivity-guided investigation of geranium essential oils as natural tick repellents. Journal of Agricultural and Food Chemistry, 61(17), 4101–4107. doi:10.1021/jf400246a
  7. Typology (2024). What is Pelargonium Graveolens Flower Oil? – INCI Ingredient Information. Abgerufen am 12.02.2026 von https://us.typology.com/library/what-is-pelargonium-graveolens-flower-oi...
  8. Boukhatem, M. N., Kameli, A., Ferhat, M. A., Saidi, F., & Mekarnia, M. (2013). Rose geranium essential oil as a source of new and safe anti-inflammatory drugs. Libyan Journal of Medicine, 8(1), 22520. doi:10.3402/ljm.v8i0.22520
  9. Rashidi Fakari, F., Tabatabaeichehr, M., Kamali, H., Rashidi Fakari, F., & Naseri, M. (2015). Effect of Inhalation of Aroma of Geranium Essence on Anxiety and Physiological Parameters during First Stage of Labor in Nulliparous Women: a Randomized Clinical Trial. Journal of Caring Sciences, 4(2), 135–141. doi:10.15171/jcs.2015.014
  10. Aboelhadid, S. M., Arafa, W. M., Mahrous, L. N., Fahmy, M. M., & Kamel, A. A. (2022). Preparation of geranium oil formulations effective for control of phenotypic resistant cattle tick Rhipicephalus annulatus. Scientific Reports, 12, 11693. doi:10.1038/s41598-022-14661-5
  11. Aboelhadid, S. M., Youssef, I. M., Mahrous, L. N., Arafa, W. M., & Kamel, A. A. (2024). Efficacy and safety of geranium-oregano-thymol formulations to control of dog tick Rhipicephalus sanguineus sensu lato under laboratory and field conditions. Veterinary Parasitology, 326, 110100. doi:10.1016/j.vetpar.2024.110100
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  13. Tisserand, R., & Young, R. (2014). Essential Oil Safety: A Guide for Health Care Professionals. 2nd Edition. Churchill Livingstone/Elsevier. ISBN 978-0-443-06241-4
  14. Boukhris, M., Hadrich, F., Chtourou, H., Dhouib, A., Bouaziz, M., & Sayadi, S. (2012). Hypoglycemic and antioxidant effects of leaf essential oil of Pelargonium graveolens L'Hér. in alloxan induced diabetic rats. Lipids in Health and Disease, 11, 81. doi:10.1186/1476-511X-11-81