Thymianöl

Zur Gattung des Thymian zählen etwa 350 Arten von immergrünen Mehrjährigen, Sträuchern und Halbsträuchern. Innerhalb dieser sortenreichen Gattung finden sich sowohl kleine, nur 5 cm hohe, mattenbildende Kriechpflanzen wie Thymus Praecox, als auch bis zu 35 cm hoch wachsende Exemplare wie der Echte Thymian (Thymus vulgaris). Meistens weisen Thymianpflanzen verholzende Triebe auf. Die Blüten der Pflanze sind lippenförmig ausgebildet. Fünf Blätter sind zu einer zweilippigen Röhre, einer bärtigen Kehle und drei großen, gezähnten Oberlippen vereinigt.
Thymianöl

Die Systematik der Gattung ist vielschichtig. Es existieren zahlreiche sinnverwandte Bezeichnungen und vielerlei ungültige Namen. Sehr viele Thymianarten sind beliebte Gartenpflanzen. Sie zeichnen sich durch eine hübsche Wuchsform, duftende Blätter und eine bunte Blütenpracht aus. Thymian eignet sich auch hervorragend zur Bepflanzung von Kübeln, Steingärten und Mauerwerk. Obgleich die Blüten sehr klein sind, erzeugen sie üppige Mengen an Nektar. Aus diesem Grund zieht Thymian Bienen und Hummeln magisch an. Die Zeitschrift "Der Imkerfreund" ermittelt für eine mit Sand-Thymian (Thymus serpyllum) bepflanzte Bienenweide von einem Hektar einen Honigertrag von 120 kg. Neuere Quellen nennen Mengen von bis zu 185 kg pro Hektar. Der gefährlichste Schädling für Bienenvölker, die Varroamilbe, lässt sich effektiv mit Thymol, einem Bestandteil von Thymianöl bekämpfen.

Der griechische Name Thymus wurde bereits von Theophrast, einem griechischen Philosophen und Naturforscher verwendet. Theophrast lebte in den Jahren 372-286 vor Christus und gilt als der erste Forscher, der sich mit der Forstlehre beschäftigt und eine "Naturgeschichte der Gewächse" verfasst hat. Theophrast, Plinius und Dioskorides beschreiben die Heilkraft des Thymian, der sich bei den Griechen großer Beliebtheit erfreute. Das altgriechische Wort Thymos bedeutet Lebenskraft. Die Griechen nutzten Thymianöl zur Massage, um den Mut und die Kraft zu stärken. Römische Soldaten sollen vor Kämpfen in Thymianwasser gebadet haben und die alten Ägypter nutzten die antiseptisch und konservierend wirkende Pflanze für Leichenwaschungen, als Zutat in Balsamierflüssigkeiten und räucherten Räume mit getrockneten Thymianzweigen aus. Über die Alpen kam der Thymian jedoch erst im 11. Jahrhundert und wurde zunächst in den mittelalterlichen Klostergärten kultiviert. Hildegard von Bingen (1098-1179), benediktinische Ordensfrau und Universalgelehrte, charakterisiert die Pflanze in ihren Schriften als probates Mittel bei Atemwegserkrankungen. Im 16. und 17. Jahrhundert war Thymian fester Bestandteil im Heilkräutersortiment der mittelalterlichen Apotheken. Das ätherische Thymianöl findet im Nürnberger Arzneibuch von 1589 Erwähnung. Verwendet wird die gesamte Pflanze, pharmakologisch relevant ist vor allen Dingen das Thymianöl.

Thymianöl: Gewinnung - Inhaltsstoffe und Wirkung

Thymianöl ist eine ölige Flüssigkeit, die je nach Herkunft der verwendeten Pflanzen farblos oder gelblich, gelegentlich auch von rötlicher Farbe ist. Um Thymianöl zu gewinnen, werden die getrockneten, oberirdischen Pflanzenteile einer achtstündigen Wasserdampfdestillation unterzogen. Geerntet wird der Thymian zur Blütezeit. Die Hauptanbaugebiete für Thymian sind (Stand 2013) die Türkei mit bis zu 70 % der globalen Gesamternte, Frankreich, Spanien und die nordafrikanischen Länder. Die Hauptinhaltsstoffe des ätherischen Thymianöls sind Thymol und Carvacrol. Obgleich Thymianöl schon in der Volksmedizin als Mittel gegen Entzündungen und Erkrankungen der Atemwege Erwähnung findet, ist es erst in den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts gelungen, die Hauptinhaltsstoffe abzusondern und genauer zu untersuchen. Insbesondere das Zusammenspiel der Phenole Thymol, Carvacrol und der Terpene Cineol, Linalol, Geraniol und Borneol ist für die Wirksamkeit des Thymianöls verantwortlich. Das ätherische Thymianöl wird vorwiegend über die Lunge ausgeschieden, das heißt, die Wirkung tritt direkt und größtenteils an der Bronchialschleimhaut ein.

Thymianöl zeigt einen markanten schleimlösenden und auswurffördernden Effekt. Es wirkt antibakteriell und antiseptisch, löst Krämpfe und wirkt entzündungshemmend. Durch seine immunstimulierenden Eigenschaften ist Thymianöl sowohl zur Vorbeugung als auch zur therapeutischen Anwendung geeignet. Die krampflösenden und antientzündlichen Eigenschaften erstrecken sich auch auf Magen- und Darmerkrankungen, Probleme der Harnwege und rheumatische Beschwerden. Die Aromatherapie setzt Thymianöl außer bei den oben aufgeführten Indikationen auch bei Schmerzen, Erschöpfungszuständen, Depressionen und Hauterkrankungen ein. Als Antiseptikum findet Thymol auch in Mundpflegeprodukten Verwendung.

Anwendungsgebiete von Thymianöl

Thymianöl zur Inhalation

Ein wirksames Mittel bei Erkältungskrankheiten ist die Inhalation. Zwei bis dreimal täglich für 5-10 Minuten inhalieren, verflüssigt hartnäckigen Schleim und schafft Erleichterung. Die Heilkunde unterscheidet zwischen der Dampfinhalation und der Tröpfcheninhalation. Zum Dampfinhalieren genügt ein Kochtopf mit heißem Wasser und ein großes Handtuch. Dem heißen Wasser werden einige Tropfen Thymianöl hinzugefügt. Man hält das Gesicht über den aufsteigenden Dampf und zieht dabei das Handtuch über Kopf und Gefäß. Diese althergebrachte Methode birgt die Gefahr, sich zu verbrühen. Für Kinder ist die Vogehensweise daher nicht geeignet. Außerdem kann es bei dieser Art der Inhalation zu gereizten und tränenden Augen kommen. Komfortabler sind käufliche Dampfinhalatoren mit Wasserbehälter und Mund-Nasen-Aufsatz. Bei der Dampfinhalation werden allerdings nur die Nasenschleimhaut und die oberen Atemwege erreicht. Dampfinhalation macht daher vorwiegend bei Erkrankungen der Nasennebenhöhlen Sinn. Um die Bronchien von zähem Schleim zu befreien, werden feine Tröpfchen benötigt, die bis in die Lunge vordringen. Diese Tröpfchen lassen sich mit Verneblern erzeugen. Thymianöl und andere ätherische Öle sind für die Tröpfcheninhalation allerdings weniger gut geeignet. Für Asthmatiker, Keuchhustenpatienten und Kinder -insbesondere Kinder mit Pseudokrupp- ist die Tröpfcheninhaltion mit Thymianöl sogar ausdrücklich untersagt, da die Bestandteile des ätherischen Öls zu einer akuten Atemnot führen können.

Die Nase im Darm - Thymianöl zur innerlichen Anwendung

Münchner Mediziner konnten im Jahr 2007 nachweisen, dass Thymian und Gewürznelken im Darm spezielle Zellen mobilisieren, welche die Darmtätigkeit lenken. Die Wissenschaftler untersuchten sogenannte enterochromaffine Zellen aus dem Dünndarm. Diese spezialisierten Sensorzellen schütten im aktivierten Zustand Serotonin aus, welches die Darmmuskulatur und die Produktion von Verdauungssäften anregt. Die Forscher konnten aufzeigen, dass diese Zellen über Duftrezeptoren verfügen, wie sie auch von den Riechzellen in der Nase hervorgebracht werden. Nach der Zugabe von Thymol zu den Zellkulturen begannen diese, Serotonin auszuschütten. Folglich kurbelt Thymianöl über die Serotoninfreisetzung die Verdauungstätigkeit an. Zur sanften Unterstützung der Verdauung können einige Tropfen Thymianöl -stark verdünnt- eingenommen werden. Ein leckerer Digéstif als erste Hilfe nach dem verdauungsstrapazierenden Genuss von fetten Speisen kann einfach selbst hergestellt werden: 50 g Thymian werden mit einem Liter hochprozentigem Korn oder Wodka angesetzt und für die Dauer von vier Tagen an einen warmen hellen Ort gestellt. Anschließend wird aus 0,5 Litern Wasser und 250 Gramm Zucker eine Lösung zubereitet, die mit dem abfiltrierten Thymian vermischt wird. Der Thymianlikör muss vor der Verkostung für einige Wochen in dunklen Flaschen ruhen.

Thymianöl zur Unterstützung einer gesunden Hautfunktion

Umfassende klinische Studien stehen noch aus, jedoch gibt es Anhaltspunkte, dass ätherische Öle wie Thymianöl in örtlicher begrenzter Anwendung geeignet sind, wiederkehrende Herpesinfektionen zu behandeln. Die Anwendung im Anfangs- und Endstadium einer Infektion scheint wirksam zu sein, schwere Infektionen können mit Thymianöl allein jedoch nicht kuriert werden. Aufgrund der antibakteriellen und antiseptischen Wirkung können begleitende Infektionen unter Umständen vermieden werden. Üblicherweise kommen bei topischen (örtlich begrenzten) Anwendungen Gemische aus mehreren Komponenten zum Einsatz. Eine Vorab-Untersuchung, ob Allergien vorliegen, ist daher sinnvoll. Thymianöl kommt aufgrund seiner Eigenschaften auch als Zugabe zu Intimwaschlotionen und als Mittel gegen Irritationen der Mundschleimhaut zum Einsatz. Ein Expertenausschuss der ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) bestätigte die Heilanzeige von Thymian bei Stomatitis (Entzündungen der Mundschleimhaut) und Mundgeruch. Da Thymianöl auch über die Haut resorbiert wird, lässt es sich gut als Zusatz in medizinischen Bädern verwenden. Experten für Balneologie empfehlen pro Vollbad 150 g Thymianextrakt mit mindestens 0,5 Prozent ätherischem Thymianöl. Volksmedizinisch werden Thymianauflagen bei schlecht heilenden Wunden und Hautunreinheiten verwendet.

Thymianöl zur effektiven Reinigung der Atemwege bei Husten

Thymian bekämpft eine Erkältung sowohl kausal als auch symptomatisch und ist damit die ideale Hustenarznei. Neben den krampflösenden, auswurffördernden und antibakteriellen Eigenschaften konnten Experten auch antivirale, schmerzstillende und entzündungshemmende Effekte nachweisen. Das Deutsche Ärzteblatt berichtet von einer Studie am Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft in Schmallenberg (Dorothee Hahne Dtsch. Ärztebl .1999; 96(6): A-364 / B-291 / C-274). In dieser Studie wurde genauer untersucht, ob Thymian die Reinigung der Atemwege unterstützt. 30 chronisch kranke Bronchitispatienten nahmen an der Studie teil. Sie erhielten über einen Zeitraum von einer Woche entweder Thymiansaft oder ein Plazebo. Nach einer einwöchigen Einnahmepause erhielten die Patienten die zuvor nicht verabreichte Substanz. Während die Hustenfrequenz und die anderen Lungenparameter unverändert blieben, stieg die Effektivität des Selbstreinigungsmechanismus der Atemwege von 8,6 Prozent auf 12,5 Prozent pro Stunde. In einer Anwendungsbeobachtung, die ein Hersteller eines Thymianfluidextraktes beim BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) einreichte, erhielten 454 Patienten (davon 445 Kinder) eine Behandlung mit dem Thymianfluidextrakt. Bei 48 Prozent der Teilnehmer wurden Katarrhe der oberen Atemwege diagnostiziert. 42 Prozent der Patienten litten an einer Bronchitis und 10 Prozent an beiden Krankheiten. Bewertet wurde das Ausmaß der Beschwerden (keine-leicht-ausgeprägt) vor und nach der Therapie. Der Beschwerdegrad nahm unter der Anwendung des Thymianpräparats deutlich ab, insbesondere bei den Teilnehmern mit starkem Husten. Die Bewertung der Wirksamkeit durch die prüfenden Ärzte erfolgte bei 45 Prozent der Patienten mit Note sehr gut. Bei 50 Prozent mit gut. Diese Einschätzung ging mit der Erfahrung der Patienten bzw. deren Eltern konform.

Kann man Thymianöl selbst herstellen?

Thymianöl im pharmakologischen Sinn selbst herzustellen ist nur möglich, wenn eine professionelle Wasserdampfdestillationsvorrichtung und die nötigen Kenntnisse der Chemie vorhanden sind. Dennoch brauchen gesundheitsbewusste Laien nicht auf die aromatisch-wohltuenden Eigenschaften des Thymians zu verzichten. Ein schmackhaftes und gesundes Thymianöl für die feine Küche lässt sich sehr einfach selbst herstellen. Dazu werden einige einwandfreie Thymianzweige gründlich gewaschen und mit einem hochwertigen Olivenöl aufgegossen. Mit der Zeit gehen die Aromastoffe aus dem Thymian ins Olivenöl über. Das so entstandene Thymianöl eignet sich hervorragend zur harmonischen Abrundung von mediterranen Speisen, Lamm- und Geflügelgerichten.

Thymianöl kaufen - Worauf sollte geachtet werden?

Beim Kauf von Thymianöl empfiehlt sich ein kritischer Blick auf die Zutatenliste. Hochwertiges, pharmazeutisches Thymianöl wird aus einer der offiziellen Arten, Thymus vulgaris (Echter Thymian) oder Thymus zygis (Joch-Thymian), bzw. aus einer Mischung beider Sorten hergestellt. Nur diese Arten weisen den entsprechenden Anteil an wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffen auf. Die von der sogenannten Kommission E (Sachverständigengremium für pflanzliche Arzneimittel im ehemaligen Bundesgesundheitsamt) genannte Menge beträgt 1-2 Gramm Droge in der Zubereitung für die Einzeldosis. In unterdosierten Zubereitungen taugt Thymianöl eher als "Parfum" bzw. Geschmackszugabe.

Welches sind die Verkaufsformen von Thymianöl?

Thymianöl wird rein in kleinen Flaschen verkauft oder ist Bestandteil von Säften, Bonbons, Pastillen, Vielkomponentenfluiden, Nasensprays, Hustenbalsamen, Bade- und Waschzusätzen, Instanttees, Salben und Mundpflegeprodukten. Reines Thymianöl eignet sich gut zur Verwendung in Duftlampen. Die Abgabe erfolgt in der Regel in kleinen Einheiten von 10 ml, da Thymianöl sparsam und tropfenweise verwendet wird. Thymianöl eignet sich nicht zur unverdünnten Anwendung und kann bei hoher Konzentration sogar allergieauslösend wirken.

Thymianöl ist auch in Kapselform erhältlich. Bei einigen Produkten besteht der Kapselinhalt aus pulverisiertem Thymian, im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel sind aber auch Kapseln mit Ölinhalt erhältlich. In der Regel handelt es sich bei der Darreichung als Kapsel um ein Gemisch aus ätherischen Ölen, Thymol und Carvacrol bzw. diversen Heilkräuterpulvern. Kapseln sind unkompliziert einzunehmen und eignen sich von daher gut auf Reisen oder unterwegs. Kombinationspräparate mit Thymianbestandteilen in flüssiger Form enthalten oft Alkohol.

Thymianöl in der einen oder anderen Applikationsform ist sowohl in Apotheken, Drogerieabteilungen und -märkten, Naturkostläden sowie im Onlinehandel erhältlich.