Die aufrechte, immergrüne Zypresse (Cupressus sempervirens) galt schon im alten Ägypten und in der griechischen Antike als heiliger Baum. Ihr harziger, holzig-würziger Duft vertreibt seit Jahrhunderten Kummer und Trauer – nicht ohne Grund stehen Zypressen auf Friedhöfen in ganz Südeuropa. Aus ihrem Holz wurden Sarkophage gefertigt, und der Sage nach bestand sogar das Kreuz Christi aus Zypressenholz. Das ätherische Zypressenöl, das aus dem immergrünen Nadelbaum gewonnen wird, bietet weit mehr als symbolische Bedeutung: Es besitzt vielfältige therapeutische Eigenschaften, die von der modernen Forschung zunehmend bestätigt werden[1].
Gewinnung von Zypressenöl
Reines ätherisches Zypressenöl wird durch Wasserdampfdestillation gewonnen – das schonendste Verfahren, um die empfindlichen Wirkstoffe der Pflanze zu erhalten. Verwendet werden Nadeln (Blätter), junge Zweigspitzen, Äste und die kleinen, kugelförmigen Zapfen des Baumes. Die Ölausbeute ist dabei vergleichsweise gering: Etwa 70 bis 100 Kilogramm frisches Pflanzenmaterial sind nötig, um einen einzigen Liter reines ätherisches Zypressenöl zu destillieren[2]. Die Ausbeute liegt je nach Pflanzenherkunft bei etwa 0,5 bis 1,0 Prozent des Pflanzenmaterials.
Zypressen wachsen bevorzugt im gesamten Mittelmeerraum – von Südfrankreich über Italien und Griechenland bis in die Türkei, nach Syrien, den Libanon und in den Nordiran. Dank ihres tief reichenden Wurzelsystems gedeihen sie sowohl auf sauren als auch auf alkalischen Böden in Höhenlagen bis zu 2.000 Metern[1]. Die höchste Qualität wird dem französischen und italienischen Zypressenöl zugeschrieben.
Zypressenöl Inhaltsstoffe
Das ätherische Zypressenöl besitzt ein komplexes Profil aus über 200 identifizierten Verbindungen. Die Zusammensetzung variiert je nach Herkunft, Pflanzenteil und Erntezeitpunkt. Folgende Hauptinhaltsstoffe wurden durch gaschromatographische Analysen (GC-MS) identifiziert[3]:
- α-Pinen (29–49 %) – wirkt entzündungshemmend und bronchienerweiternd
- δ-3-Caren (18–24 %) – besitzt antiseptische Eigenschaften
- α-Cedrol (bis 12 %) – beruhigend und durchblutungsfördernd
- α-Terpinolen (4–7 %) – antioxidativ und antimikrobiell
- Limonen (3–5 %) – stimmungsaufhellend und antibakteriell
- Camphen – schleimlösend, in pflanzlichen Hustenmitteln verbreitet
- Myrcen – schmerzlindernd und entzündungshemmend
- Sabinol – adstringierend
- Terpineol – antimikrobiell und entspannend
- Cymen – antiseptisch und insektizid
Die hohe Konzentration an Monoterpenkohlenwasserstoffen (insgesamt ca. 73–80 %) verleiht dem Zypressenöl sein charakteristisches frisches, holzig-balsamisches Aroma und ist maßgeblich für seine therapeutische Wirkung verantwortlich[3].
Wirkung von Zypressenöl
Ätherisches Zypressenöl besitzt ein breites Spektrum an therapeutisch relevanten Eigenschaften, die in zahlreichen Studien untersucht wurden[1][4]:
- Antimikrobiell und antiseptisch: Hemmt das Wachstum von Bakterien (u. a. Staphylococcus aureus, Salmonella enterica) und Hautkeimen[3]
- Adstringierend (zusammenziehend): Stärkt das Bindegewebe, verengt erweiterte Blutgefäße und wirkt abschwellend
- Schleimlösend und expektorierend: Löst festsitzenden Schleim und erleichtert das Abhusten bei Atemwegserkrankungen
- Durchblutungsfördernd: Regt die Mikrozirkulation in Haut und Gewebe an, unterstützt das Venen- und Lymphsystem
- Entzündungshemmend: Reduziert Entzündungsreaktionen, auch bei Gelenk- und Muskelschmerzen[4]
- Krampflösend (antispasmodisch): Lindert Muskelkrämpfe, Menstruationskrämpfe und spastischen Husten
- Harntreibend und entgiftend: Fördert die Ausscheidung von Schadstoffen über die Nieren
- Desodorierend: Bekämpft geruchsbildende Bakterien im Schweiß
- Psychisch ausgleichend: Wirkt erdend, konzentrationsfördernd und stimmungsstabilisierend
- Insektizid: Zeigt in Studien Wirksamkeit gegen verschiedene Schadinsekten[4]
Die Wirkung von Zypressenöl auf den Körper erklärt sich durch seine direkte Beeinflussung des Nervensystems. Die Inhaltsstoffe α-Pinen und Cedrol stimulieren die Ausschüttung von Neurotransmittern wie Noradrenalin und Dopamin. Diese Botenstoffe verbessern die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen, steigern die Konzentrationsfähigkeit und heben die Stimmung. Dopamin, auch als „Glückshormon" bekannt, wird vermehrt gebildet, wenn wir den Duft der Zypresse einatmen.
Darüber hinaus wirkt Zypressenöl positiv auf Haut, Bindegewebe und das gesamte Venen- und Lymphsystem. Seine adstringierende Wirkung strafft schwaches Bindegewebe und stärkt die Venenwände. Bereits wenige Tropfen in einem Trägeröl können dazu beitragen, Krampfadern, Besenreisern und Hämorrhoiden vorzubeugen sowie Cellulite zu mildern.
Eine besonders bewährte Anwendung findet Zypressenöl bei Atemwegserkrankungen: Bei Erkältungen, Bronchitis, Husten oder Asthma entfaltet es seine schleimlösende und antibakterielle Wirkung. Es kann als Brusteinreibung, in der Duftlampe oder beim Inhalieren eingesetzt werden. Gleichzeitig reinigt es die Raumluft und verbreitet ein angenehm holzig-balsamisches Aroma.
Anwendungsgebiete von Zypressenöl
Zypressenöl kann sowohl innerlich als auch äußerlich angewendet werden. Das reine ätherische Öl sollte dabei stets verdünnt eingesetzt werden, um Hautreizungen zu vermeiden. Alternativ lässt es sich in einer Duftlampe oder einem Diffuser verdampfen. Im Folgenden werden die wichtigsten Anwendungsgebiete im Detail vorgestellt.
Zypressenöl Wirkung auf die Psyche
Die psychische Wirkung von Zypressenöl ist einer der am häufigsten geschätzten Aspekte dieses ätherischen Öls. Der frische, erdige Duft wirkt stabilisierend auf das Nervensystem und hilft in Phasen emotionaler Belastung[5]:
- Trauer und Verlust: Zypressenöl gilt traditionell als Öl des Trostes. Es unterstützt bei der Verarbeitung von Trauer, Liebeskummer und emotionalen Umbrüchen.
- Konzentrationsschwäche: Der klare, holzige Duft fördert geistige Klarheit und hilft, den Fokus über längere Zeit zu halten – ideal für die Verwendung im Arbeitszimmer.
- Innere Unruhe und Nervosität: Das Öl wirkt beruhigend auf ein überreiztes Nervensystem, ohne müde zu machen.
- Mangelndes Selbstvertrauen: Die erdende Wirkung der Zypresse kann helfen, Unsicherheit zu überwinden und innere Stärke zu entwickeln.
- Stressbedingte Beschwerden: Bei Reizbarkeit, Ungeduld und nervöser Anspannung bringt Zypressenöl Ausgleich und Gelassenheit.
Für die psychische Anwendung eignen sich besonders die Verdampfung im Diffuser (2–3 Tropfen) oder ein aromatisches Bad. Eine bewährte Mischung für emotionale Balance kombiniert Zypressenöl mit Lavendelöl und Orangenöl.
Zypressenöl Wirkung auf die Haut
Auf die Haut entfaltet Zypressenöl gleich mehrere positive Effekte. Dank seiner adstringierenden Eigenschaften strafft es die oberen Hautschichten und reguliert eine übermäßige Talgproduktion – besonders bei fettiger und unreiner Haut. Gleichzeitig fördert es bereits in den tieferen Hautschichten die Durchblutung, wodurch die Haut besser mit Nährstoffen versorgt wird und Giftstoffe schneller abtransportiert werden[2].
Die wichtigsten Hautpflege-Vorteile von Zypressenöl im Überblick:
- Akne und Hautunreinheiten: Die antimikrobiellen und entzündungshemmenden Inhaltsstoffe bekämpfen Bakterien, die Pickel verursachen, und lassen bestehende Unreinheiten schneller abheilen[6].
- Feine Linien und Fältchen: Die verbesserte Durchblutung und die straffende Wirkung können das Erscheinungsbild kleiner Fältchen mildern.
- Fettige Haut: Zypressenöl reguliert die Sebumproduktion und sorgt für ein mattiertes Hautbild.
- Wundheilung: Die antiseptischen Eigenschaften beschleunigen das Schließen kleiner Wunden und beugen Infektionen vor[4].
- Übermäßiges Schwitzen: Als natürliches Deodorant in Cremes oder Fußbädern reduziert es Schweiß und die damit verbundene Geruchsbildung.
Zur Hautpflege mischen Sie 2–3 Tropfen Zypressenöl in Ihre Tagescreme oder in 30 ml Jojobaöl. Das Öl ist nicht komedogen und eignet sich daher auch für empfindliche Mischhaut.
Zypressenöl Wirkung auf die Haare
Die durchblutungsfördernde und adstringierende Wirkung von Zypressenöl kommt auch der Kopfhaut und den Haaren zugute. Durch die gesteigerte Mikrozirkulation an den Haarwurzeln werden die Follikel besser mit Nährstoffen versorgt, was das Haarwachstum unterstützen kann.
So können Sie Zypressenöl für die Haare nutzen:
- Kopfhautmassage: Geben Sie 3–4 Tropfen Zypressenöl in 2 Esslöffel Arganöl oder Kokosöl und massieren Sie die Mischung sanft in die Kopfhaut ein. 20 Minuten einwirken lassen, anschließend auswaschen.
- Haarspülung: 2–3 Tropfen in das Spülwasser geben, um fettigem Haar mehr Volumen und Glanz zu verleihen.
- Shampoo-Zusatz: Einige Tropfen ins milde Shampoo mischen – die antibakteriellen Inhaltsstoffe helfen gegen Schuppen und juckende Kopfhaut.
Die adstringierende Wirkung kann darüber hinaus helfen, die Talgproduktion der Kopfhaut zu regulieren. Haare, die schnell nachfetten, bleiben nach der Anwendung mit Zypressenöl länger frisch und griffig.
Zypressenöl gegen Krampfadern und Besenreiser
Die Anwendung von Zypressenöl bei Krampfadern und Besenreisern gehört zu den bekanntesten traditionellen Einsatzgebieten dieses ätherischen Öls. Der Hauptwirkstoff α-Pinen regt den Blutkreislauf an und kann verspannte Muskeln entkrampfen. Die adstringierende Wirkung stärkt die Venenwände und verbessert den venösen Rückfluss[2].
Für die Anwendung bei Krampfadern und Besenreisern mischen Sie 10–15 Tropfen Zypressenöl in 50 ml Traubenkernöl oder Jojobaöl. Diese Mischung wird täglich sanft von unten nach oben – also von den Knöcheln in Richtung Oberschenkel – in die betroffenen Beine einmassiert. Die Streichbewegung in Richtung Herz unterstützt den venösen Rückfluss. Ergänzend kann ein kühler Wickel mit einigen Tropfen Zypressenöl in Wasser wohltuend wirken.
Wichtig: Bei stark ausgeprägten Krampfadern, die bereits Schmerzen oder Schwellungen verursachen, sollte zusätzlich ein Arzt oder eine Ärztin konsultiert werden. Ätherische Öle ersetzen keine ärztliche Behandlung, können die Therapie aber sinnvoll ergänzen.
Zypressenöl bei Hämorrhoiden
Dank seiner adstringierenden und entzündungshemmenden Eigenschaften wird Zypressenöl traditionell zur Linderung von Hämorrhoiden eingesetzt[5]. Es hilft, geschwollenes Gewebe zusammenzuziehen und Entzündungen zu beruhigen.
Die bewährteste Anwendungsform ist das Sitzbad: Geben Sie 3–4 Tropfen Zypressenöl zusammen mit einem Esslöffel Sahne oder Meersalz als Emulgator in warmes (nicht heißes) Badewasser. Ein 10- bis 15-minütiges Sitzbad, zwei- bis dreimal pro Woche, kann die Beschwerden deutlich lindern. Alternativ können Sie eine Salbe herstellen, indem Sie 2 Tropfen Zypressenöl in einem Teelöffel Kokosöl verdünnen und vorsichtig auf die betroffene Stelle auftragen.
Zypressenöl gegen Cellulite
Die Kombination aus adstringierender, durchblutungsfördernder und entwässernder Wirkung macht Zypressenöl zu einem beliebten Bestandteil von Anti-Cellulite-Behandlungen. Durch die Straffung des Bindegewebes und die verbesserte Lymphdrainage können Wassereinlagerungen reduziert und das Hautbild sichtbar verbessert werden[2].
Für ein wirksames Anti-Cellulite-Öl mischen Sie 10 Tropfen Zypressenöl, 5 Tropfen Grapefruitöl und 5 Tropfen Rosmarinöl in 50 ml Mandelöl. Massieren Sie diese Mischung täglich in kreisenden Bewegungen in die betroffenen Hautpartien ein – idealerweise nach dem Duschen, wenn die Haut noch leicht feucht und besonders aufnahmefähig ist.
Zypressenöl bei Couperose
Bei Couperose – den sichtbar erweiterten Äderchen im Gesicht – kann die adstringierende Wirkung von Zypressenöl dazu beitragen, die feinen Blutgefäße zusammenzuziehen und Rötungen zu mildern. Mischen Sie dafür 2 Tropfen Zypressenöl und 2 Tropfen Immortellenöl in 25 ml Jojobaöl und tragen Sie die Mischung morgens und abends sanft auf die betroffenen Wangen auf. Da Couperose-Haut besonders empfindlich ist, sollte die Verträglichkeit vorab an einer kleinen Hautstelle getestet werden.
Zypressenöl in der Duftlampe
In der Duftlampe oder im Diffuser entfaltet Zypressenöl seine volle aromatische und therapeutische Wirkung. Es steigert die Konzentrationsfähigkeit, beruhigt das Gemüt, erleichtert die Atmung und schützt nebenbei vor Mücken und anderen Insekten. 2 bis 3 Tropfen reines ätherisches Zypressenöl reichen für eine Duftlampe aus. Bei einem elektrischen Diffuser kann die Dosierung noch geringer sein.
Bewährte Duftmischungen mit Zypressenöl:
- Für klaren Fokus: 2 Tropfen Zypressenöl + 2 Tropfen Zitronenöl
- Zur Entspannung: 2 Tropfen Zypressenöl + 2 Tropfen Lavendelöl + 1 Tropfen Zedernöl
- Bei Erkältung: 2 Tropfen Zypressenöl + 2 Tropfen Eukalyptusöl
- Gegen Insekten: 2 Tropfen Zypressenöl + 2 Tropfen Zitronengrasöl
Zypressenöl als Massageöl
Massageöle mit Zypressenöl sind vielseitig einsetzbar – ob bei Cellulite, Krampfadern, Muskelzerrungen, Muskelkrämpfen oder zur allgemeinen Entspannung. Als Basis eignet sich ein hochwertiges Pflanzenöl wie kalt gepresstes Olivenöl, Kokosöl, Jojobaöl, Mandelöl oder Sesamöl. Auf 100 ml Basisöl geben Sie anfangs 10–15 Tropfen Zypressenöl. Testen Sie die Mischung zunächst an einer kleinen Hautstelle, bevor Sie sie großflächig anwenden. Bei guter Verträglichkeit können Sie die Dosierung auf bis zu 20 Tropfen pro 100 ml steigern.
Zypressenöl als Badezusatz
Ein Bad mit Zypressenöl wirkt gleichzeitig entspannend und belebend. Da ätherische Öle sich nicht direkt im Wasser lösen, benötigen Sie einen Emulgator: Vermischen Sie 3 bis 4 Tropfen Zypressenöl mit einem Esslöffel Sahne, Honig oder Meersalz und geben Sie die Mischung dann ins warme Badewasser. Alternativ eignet sich diese Mischung auch hervorragend für ein belebendes Fußbad – besonders bei schwitzenden Füßen, schweren Beinen oder nach einem langen Tag.
Zypressenöl zum Gurgeln
Zahnfleischentzündungen und Mundgeruch können mit Zypressenöl wirksam bekämpft werden. Geben Sie 1 Tropfen reines ätherisches Zypressenöl auf 100 ml lauwarmes Wasser und verwenden Sie die Lösung als Mundspülung. Die antibakteriellen und entzündungshemmenden Eigenschaften beugen Karies, Zahnfleischentzündungen und Parodontose vor[2]. Spucken Sie die Gurgellösung nach der Anwendung aus – sie ist nicht zum Schlucken geeignet. Diese Anwendung ergänzt hervorragend das Ölziehen, eine weitere traditionelle Methode der Mundhygiene.
Zypressenöl in der Aromatherapie
In der professionellen Aromatherapie gehört Zypressenöl zu den Basisölen mit breitem Wirkspektrum. Es wird sowohl für körperliche als auch für emotionale Behandlungen eingesetzt[5]. Aromatherapeuten nutzen es besonders:
- als Begleitöl bei Trauerbegleitung und Verlustverarbeitung
- in Ölmischungen für die Atemwegstherapie bei Bronchitis und Asthma
- zur Lymphdrainage und Entstauung bei Ödemen
- in Anti-Aging-Behandlungen für die Haut
- bei hormonellen Beschwerden, etwa in Kombination mit Muskatellersalbeiöl bei Menstruationsbeschwerden oder Wechseljahresbeschwerden
Zypressenöl harmoniert besonders gut mit Bergamotteöl, Weihrauchöl, Sandelholzöl, Lavendelöl, Wacholderbeerenöl und Zitrusölen.
Traditionelle innerliche Anwendungsgebiete:
- Grippe und Erkältungskrankheiten
- Bettnässen
- Rheuma
- Menopause
- Keuchhusten, Husten, Stimmverlust
- Reizbarkeit
- Hämorrhoiden
Bei der oralen Einnahme geben Sie 1 bis 2 Tropfen des reinen ätherischen Öls auf einen Teelöffel Honig oder ein Zuckerstück. Diese Mischung kann pur eingenommen oder in einem lauwarmen (unter 40 °C) Tee aufgelöst werden.
Traditionelle äußerliche Anwendungsgebiete[2]:
- Cellulite und schwaches Bindegewebe
- Krampfadern und Besenreiser
- Innere Unruhe, Traurigkeit, Liebeskummer und Melancholie
- Konzentrationsschwäche
- Hoffnungslosigkeit und mangelndes Selbstvertrauen
- Hormonstörungen und Menstruationsbeschwerden, Schmerzen oder starke Blutungen
- Bronchialerkrankungen und Asthma
- Zahnfleischbluten
- Hautunreinheiten und Akne
- Übermäßiges Schwitzen
- Ödeme und Wassereinlagerungen
- Verschleimungen
- Abszesse
- Couperose
Tipp für einen erholsamen Schlaf: Geben Sie 2 bis 3 Tropfen Zypressenöl auf Ihre Bettdecke oder Ihr Kopfkissen. Der erdende, holzige Duft beruhigt das Nervensystem und kann helfen, Gedankenkreisen vor dem Einschlafen zu reduzieren.
Zypressenöl selber machen
Ein echtes ätherisches Öl lässt sich zu Hause ohne professionelle Destillationsanlage nicht herstellen. Sie können jedoch ein Zypressenöl-Mazerat (Ölextrakt) anfertigen, das die fettlöslichen Wirkstoffe der Pflanze enthält:
- Sammeln Sie frische Zypressenzweige, Nadeln und kleine Zapfen. Lassen Sie das Pflanzenmaterial 1–2 Tage an der Luft antrocknen, um den Wassergehalt zu reduzieren.
- Füllen Sie ein sauberes, trockenes Schraubglas zur Hälfte mit dem zerkleinerten Pflanzenmaterial.
- Übergießen Sie das Material vollständig mit einem hochwertigen Basisöl – ideal sind Jojobaöl, Mandelöl oder Olivenöl.
- Verschließen Sie das Glas und lassen Sie es 3 bis 4 Wochen an einem warmen, dunklen Ort ziehen. Schütteln Sie das Glas alle paar Tage sanft.
- Filtern Sie das Öl anschließend durch ein feines Tuch oder einen Kaffeefilter in eine dunkle Glasflasche.
Dieses Mazerat enthält nicht die gleiche Konzentration wie ein dampfdestilliertes ätherisches Öl, eignet sich aber gut als mildes Pflege- und Massageöl. Für therapeutische Zwecke empfiehlt sich der Kauf eines reinen ätherischen Zypressenöls.
Zypressenöl in der Schwangerschaft
Die Frage, ob Zypressenöl in der Schwangerschaft sicher ist, wird von Fachleuten unterschiedlich beantwortet. Laut dem international anerkannten Standardwerk „Essential Oil Safety" von Robert Tisserand und Rodney Young gilt Zypressenöl (Cupressus sempervirens) grundsätzlich als sicher während Schwangerschaft und Stillzeit[7]. Auch die International Federation of Professional Aromatherapists stuft es als unbedenklich für das zweite und dritte Trimester ein.
Allerdings gibt es einige Einschränkungen zu beachten:
- Im ersten Trimester sollte die Verwendung von ätherischen Ölen generell eingeschränkt werden.
- Nur äußerliche Anwendung (Verdampfung oder stark verdünnt topisch) – keine orale Einnahme.
- Die Verdünnung sollte auf 1 % reduziert werden (etwa 6 Tropfen auf 30 ml Trägeröl).
- Bei Komplikationen oder Risikoschwangerschaften sollte vorab der Arzt oder die Hebamme konsultiert werden.
Hinweis: Verwechseln Sie die Mittelmeer-Zypresse (Cupressus sempervirens) nicht mit der Blauen Zypresse (Callitris intratropica), die in der Schwangerschaft nicht verwendet werden darf.
Zypressenöl Nebenwirkungen
Zypressenöl gilt bei sachgemäßer Anwendung als gut verträglich. Dennoch können folgende Nebenwirkungen auftreten:
- Hautreizungen: Unverdünntes Zypressenöl kann die Haut reizen, insbesondere bei empfindlicher Haut. Verwenden Sie das Öl daher stets verdünnt in einem Trägeröl.
- Oxidation: Falsch gelagertes oder überaltertes Zypressenöl kann oxidieren und dann vermehrt Hautreizungen oder allergische Reaktionen auslösen. Bewahren Sie das Öl kühl, dunkel und gut verschlossen auf.
- Allergische Reaktionen: In seltenen Fällen können Kontaktallergien auftreten. Eine Kreuzreaktion mit Kolophonium (Baumharz) ist möglich[8]. Testen Sie daher vor der ersten Anwendung die Verträglichkeit, indem Sie einen verdünnten Tropfen in die Ellenbeuge geben und 24 Stunden abwarten.
- Photosensibilisierung: Nach dem Auftragen ätherischer Öle auf die Haut sollten direkte Sonnenbäder vermieden werden.
- Kinder und Babys: Bei Säuglingen und Kleinkindern unter 3 Jahren sollte auf die Anwendung von Zypressenöl verzichtet werden, um Hautreizungen und Überempfindlichkeitsreaktionen zu vermeiden.
Personen, die regelmäßig Medikamente einnehmen, insbesondere Blutverdünner oder Blutdrucksenker, sollten vor der Anwendung von Zypressenöl ärztlichen Rat einholen.
Zypressenöl kaufen – Worauf sollte man achten?
Beim Kauf von ätherischem Zypressenöl ist Qualität entscheidend. Folgende Kriterien helfen bei der Auswahl eines hochwertigen Produkts:
- Reinheitsangabe: Auf dem Etikett muss „100 % reines ätherisches Öl" oder „naturreines ätherisches Öl" stehen. Produkte mit der Bezeichnung „naturidentisch" oder „Duftöl" sind synthetisch hergestellt und für therapeutische Zwecke nicht geeignet.
- Botanischer Name: Der lateinische Name Cupressus sempervirens muss angegeben sein, um Verwechslungen mit anderen Zypressenarten auszuschließen.
- Bio-Zertifizierung: Zypressenöl in Bio-Qualität (z. B. mit EU-Bio-Siegel) garantiert den Anbau ohne synthetische Pestizide oder Düngemittel.
- Herkunftsangabe: Hochwertiges Zypressenöl stammt vorwiegend aus Frankreich, Italien, Spanien oder Griechenland.
- Verpackung: Dunkle Glasflaschen (braun oder blau) mit integriertem Tropfer schützen vor Licht und Oxidation und ermöglichen eine exakte Dosierung.
- Flaschengröße: Kaufen Sie eher kleine Flaschen (5 oder 10 ml), damit das Öl innerhalb einiger Monate aufgebraucht wird und stets frisch bleibt.
- Haltbarkeitsdatum: Ein Produktions- oder Mindesthaltbarkeitsdatum sollte erkennbar sein. Ätherisches Zypressenöl hält bei korrekter Lagerung etwa 2 bis 3 Jahre.
- Preis: Extrem günstige Angebote sind oft ein Hinweis auf gestreckte oder synthetische Öle. Reines ätherisches Zypressenöl hat aufgrund der aufwendigen Herstellung seinen Preis.
Zypressenöl ist in Apotheken, Reformhäusern, Bio-Läden sowie in spezialisierten Online-Shops erhältlich. Achten Sie auch bei Markenölen (z. B. Primavera oder anderen zertifizierten Herstellern) stets auf die oben genannten Qualitätsmerkmale.
Quellen
- Guilhon, C. C., Zordan-Nudo, T., & Fernandez, P. D. (2022). Potential of Cupressus sempervirens (Mediterranean Cypress) in Health. In: Ferrazzano, G. F. (ed.), Pharmacognosy – Medicinal Plants. IntechOpen. (Auch veröffentlicht in: Molecules, 25(20), 4714, 2020. doi:10.3390/molecules25204714)
- Tisserand, R., & Young, R. (2014). Essential Oil Safety: A Guide for Health Care Professionals (2nd ed.). Churchill Livingstone Elsevier. ISBN: 978-0-443-06241-4.
- Selim, S. A., Adam, M. E., Hassan, S. M., & Albalawi, A. R. (2014). Chemical composition, antimicrobial and antibiofilm activity of the essential oil and methanol extract of the Mediterranean cypress (Cupressus sempervirens L.). BMC Complementary and Alternative Medicine, 14, 179. doi:10.1186/1472-6882-14-179
- Batiha, G. E., Teibo, J. O., Wasef, L. G., et al. (2022). Bioactive compounds, pharmacological actions and pharmacokinetics of Cupressus sempervirens. Naunyn-Schmiedeberg's Archives of Pharmacology, 396, 389–403. doi:10.1007/s00210-022-02346-x
- Price, S., & Price, L. (2012). Aromatherapy for Health Professionals (4th ed.). Churchill Livingstone Elsevier. ISBN: 978-0-7020-3564-5.
- Orchard, A., & van Vuuren, S. (2017). Commercial Essential Oils as Potential Antimicrobials to Treat Skin Diseases. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2017, 4517971. doi:10.1155/2017/4517971
- Christie, L., Deacon, S., Pickard, S., & Price, P. (2013). Pregnancy Guidelines: Guidelines for Aromatherapists Working with Pregnant Clients. National Association for Holistic Aromatherapy (NAHA).
- Samaran, Q., Clark, E., Dereure, O., & Raison-Peyron, N. (2013). Allergic contact dermatitis to Cupressus sempervirens resin and cross-reaction with colophonium. Contact Dermatitis, 69(2), 121–122. doi:10.1111/cod.12057









