Reiskeimöl

Zuletzt aktualisiert: 12.02.26

Reiskeimöl (englisch: Rice Bran Oil, INCI: Oryza Sativa Bran Oil) wird aus der fett-, protein- und vitaminreichen Reiskleie gewonnen. Die Reiskleie setzt sich aus Fruchtwand, Embryo, Aleuronschicht und Samenschale des Reiskorns zusammen und fällt beim Schälen (Polieren) des rohen braunen Naturreises an. Abhängig von der Reissorte sind in der Kleie zwischen 16 und 32 Prozent Öl enthalten, das entweder durch native Pressung oder durch Lösungsmittelextraktion mit anschließender Raffination gewonnen wird.[1] Nativ gepresstes Reiskeimöl weist eine bräunliche bis gelbe Farbe auf und besitzt einen markanten Eigengeruch. Raffiniertes Reiskeimöl, wie es in der Kosmetik und als Speiseöl verwendet wird, ist dagegen blassgelb bis klar und nahezu geruchlos. Besonders wertvoll macht das Öl sein natürlicher Gehalt an Gamma-Oryzanol – einem Wirkstoffkomplex, der ausschließlich im Reis vorkommt und für seine antioxidativen Eigenschaften sowie seine positive Wirkung auf den Muskelstoffwechsel bekannt ist.[2]
Reiskeimöl – Flasche mit goldenem Reiskeimöl neben Reiskörnern

Gewinnung von Reiskeimöl

Die Gewinnung von Reiskeimöl muss zügig erfolgen, da die Reiskleie neben anderen Enzymen sogenannte Lipasen enthält. Diese Enzyme bewirken eine rasche Zersetzung der enthaltenen Lipide, Proteine und Kohlenhydrate, wodurch das Öl schnell ranzig werden kann. Um die Lipasen zu inaktivieren, wird die Reiskleie auf mindestens 130 bis 140 Grad Celsius erhitzt.[1]

Bei diesem Prozess kann es unter Umständen zu einem erhöhten Anteil an freien Fettsäuren kommen, der sich negativ auf die Qualität des Reiskeimöls auswirkt. Steigt während der Erhitzung zudem der Gehalt an Phytosterolen, Wachsen und Phospholipiden, erhält das Öl eine dunkle Färbung. In manchen Fällen bildet sich Schaum, und das Reiskeimöl ist dann zum Verzehr nicht mehr geeignet.

Für die industrielle Herstellung wird die Reiskleie überwiegend mittels Lösungsmittelextraktion (meist mit Hexan) verarbeitet und das Rohöl anschließend raffiniert. Dabei durchläuft es mehrere Stufen: Entschleimung, Entsäuerung, Bleichung und Desodorierung. Das Ergebnis ist ein klares, mildes Öl mit hohem Rauchpunkt von etwa 213 °C. Kaltgepresstes (natives) Reiskeimöl ist seltener im Handel erhältlich, bewahrt dafür aber einen höheren Anteil wertvoller Begleitstoffe wie Gamma-Oryzanol, Tocopherole und Lecithine.

Reiskeimöl Inhaltsstoffe

Die Qualität von Reiskeimöl variiert je nach Herstellungsverfahren und Verarbeitungsgrad erheblich, da einheitliche Standards bislang fehlen. Entscheidend ist vor allem der Gehalt an Gamma-Oryzanol – einem einzigartigen Wirkstoffkomplex aus antioxidativ wirkenden Ferulasäure-Estern, Phytosterolen, Lecithinen und Tocopherolen (Vitamin E).[2]

Natives Reiskeimöl enthält zwischen ein und zwei Prozent Gamma-Oryzanol. Das vollständig raffinierte Öl weist nach der mehrstufigen Verarbeitung dagegen nur noch etwa 0,5 bis 1 Prozent Gamma-Oryzanol, rund zwei Drittel der ursprünglichen Tocopherol-Menge und 95 Prozent der Phytosterole auf. Phospholipide (Lecithine) kommen nach der Raffination nicht mehr vor, dafür werden nahezu 99 Prozent der unerwünschten freien Fettsäuren entfernt.[1]

Das Fettsäuremuster des Reiskeimöls ist dem des Arganöls sehr ähnlich. Beide Öle zeichnen sich durch einen hohen Gehalt an Palmitinsäure (ca. 17 %) und ein ausgewogenes Verhältnis von Ölsäure (ca. 43 %) zu Linolsäure (ca. 34 %) aus. Aufgrund dieses Profils gelten beide als vielseitig einsetzbare Basisöle. Reiskeimöl enthält verhältnismäßig wenig mehrfach ungesättigte Fettsäuren und zeigt deshalb eine bemerkenswerte oxidative Stabilität.[3] Das halbtrockene Öl fettet nur wenig nach und ist bei kühler, dunkler Lagerung etwa 12 Monate haltbar.

Weitere wichtige Bestandteile im Überblick:

Vitamin E (Tocopherole und Tocotrienole): Reiskeimöl enthält neben Alpha-Tocopherol auch Tocotrienole – eine besonders wirksame Form von Vitamin E, die als stärkeres Antioxidans gilt.[4]

Phytosterole: Darunter Beta-Sitosterol, Campesterol und Stigmasterol. Sie fördern das Einziehverhalten des Öls und wirken beruhigend auf gereizte Haut.

Ferulasäure: Als Bestandteil des Gamma-Oryzanols trägt sie maßgeblich zur antioxidativen Wirkung bei und kann die Bildung von Sauerstoffradikalen hemmen.[5]

Reiskeimöl Kalorien und Nährwerttabelle

Reiskeimöl
Reiskeimöl
100 g Reiskeimöl enthält durchschnittlich:
NährstoffMenge
Kalorien900 kcal (3.766 kJ)
Fettgehalt100 g
Gesättigte Fettsäuren21 g
Ungesättigte Fettsäuren79 g
Einfach ungesättigte Fettsäuren (Ölsäure)41 g
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Linolsäure)38 g
Cholesterin0 mg
Natrium0 mg
Kohlenhydrate0 g
Ballaststoffe0 g
Zucker0 g
Protein0 g
Vitamin E (Tocopherole)ca. 32 mg
Gamma-Oryzanol (nativ)ca. 1–2 g
Rauchpunkt213 °C (raffiniert)

Wirkung von Reiskeimöl

Die Wirkung von Reiskeimöl wird maßgeblich durch seinen einzigartigen Gehalt an Gamma-Oryzanol bestimmt. Dieser Pflanzenstoff wird in Japan bereits seit rund 40 Jahren aufgrund seiner antioxidativen Eigenschaften medizinisch eingesetzt.[5] Die wichtigsten wissenschaftlich untersuchten Wirkungen im Überblick:

Cholesterinsenkende Wirkung: Eine randomisierte, doppelblinde Studie an 59 Probanden mit erhöhten Blutfettwerten zeigte, dass der tägliche Verzehr von Reiskeimöl mit Gamma-Oryzanol das LDL-Cholesterin signifikant um bis zu 12 Prozent senken konnte.[6] Eine Meta-Analyse aus 2025, die 26 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 1.255 Teilnehmern auswertete, bestätigte diese Ergebnisse: Reiskleie-Supplementierung reduzierte das Gesamtcholesterin um durchschnittlich 13,6 mg/dL und das LDL-Cholesterin um 14,6 mg/dL.[7]

Blutdrucksenkung: Dieselbe Meta-Analyse ergab eine signifikante Senkung des systolischen Blutdrucks um 3,3 mmHg und des diastolischen Blutdrucks um 3,1 mmHg. Eine klinische Studie in Indien mit 300 Hypertonikern bestätigte, dass eine Mischung aus Sesamöl und Reiskeimöl den Blutdruck wirksam senken kann.[8]

Antioxidative Wirkung: Gamma-Oryzanol gilt als bis zu viermal stärkeres Antioxidans als Alpha-Tocopherol (Vitamin E). Es hemmt die Bildung von Sauerstoffradikalen und kann so Zellschäden durch oxidativen Stress entgegenwirken.[5] Das darin enthaltene Vitamin E – insbesondere die Tocotrienole – kann sich positiv auf die Hautheilung auswirken und wird mit einem verringerten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht.[4]

UV-Schutz: Das im Reiskeimöl enthaltene Gamma-Oryzanol absorbiert UVA- und UVB-Strahlung, weshalb das Öl als natürliche Ergänzung in Sonnenschutzpräparaten eingesetzt wird. Es ist oxidativ sehr stabil und eignet sich daher ideal als Basisöl in Sonnenschutzcremes.[3]

Hautberuhigende Wirkung: Die enthaltenen Phytosterole ziehen leicht in die Haut ein und wirken beruhigend auf spröde, trockene und empfindliche Haut. Das Öl hinterlässt dabei keinen unangenehmen Fettfilm.

Hinweis: Beim Menschen ist eine direkte muskelaufbauende Wirkung durch Reiskeimöl wissenschaftlich nicht belegt. Eine Humanstudie von Fry et al. (1997) fand nach neunwöchiger Supplementierung mit 500 mg Gamma-Oryzanol täglich keinerlei Effekte auf Muskelkraft, Körperzusammensetzung oder Hormonspiegel.[9] Sollten Sie Reiskeimöl zu gesundheitlichen Zwecken einnehmen wollen, ist es grundsätzlich empfehlenswert, vorab den Rat eines Arztes einzuholen.

Anwendungsgebiete von Reiskeimöl

Reiskeimöl für Pferde

Reiskeimöl hat sich in der Pferdefütterung als eines der beliebtesten Ergänzungsfuttermittel etabliert. Der Hauptgrund dafür ist der natürliche Gehalt an Gamma-Oryzanol, einem Wirkstoffkomplex, der ausschließlich in der Reispflanze vorkommt und für seine leistungsunterstützende Wirkung bei Pferden geschätzt wird.[10]

Wirkung beim Pferd: Studien an Vollblut-Rennpferden (Ostaszewski et al., 2012) zeigten, dass Gamma-Oryzanol über einen Zeitraum von 32 Wochen die Marker für belastungsbedingte Muskelschäden deutlich senkte – insbesondere sanken die Creatinkinase- und Laktatwerte, und die Pferde erholten sich schneller nach dem Training.[10] Die Wirkung wird darauf zurückgeführt, dass Gamma-Oryzanol das körpereigene Hormonsystem beeinflusst, den Fettstoffwechsel erhöht und die Proteinsynthese anregt.[11]

Reiskeimöl eignet sich besonders für Pferde mit: schwach ausgebildeter Muskulatur, hohem Energiebedarf im Leistungssport, Stoffwechselstörungen wie PSSM oder Cushing, Getreideunverträglichkeiten, Neigung zu Hufrehe, Magengeschwüren (Gamma-Oryzanol kann das Risiko senken, indem es die Magen-Darm-Motilität unterstützt) sowie für ältere Pferde im Rekonvaleszenztraining.

Da Reiskeimöl eiweißfreie Energie liefert, entlastet es den Leberstoffwechsel des Pferdes. Es ist leicht verdaulich und stellt schnell Energie zur Verfügung, ohne den Stoffwechsel durch Eiweiß zu belasten. Der hohe Anteil an Antioxidantien (Vitamin E, Gamma-Oryzanol) schützt die Zellstruktur vor dem negativen Einfluss freier Radikale und unterstützt eine gesunde Haut- und Fellbeschaffenheit.

Nachteile von Reiskeimöl beim Pferd: Da Pferde keine Gallenblase besitzen, ist ihre Fähigkeit zur Fettverdauung begrenzt. Bei zu hoher Dosierung können Verdauungsstörungen wie Durchfall auftreten. Außerdem besteht bei empfindlichen Pferden das Risiko einer Hypersensibilität – einer Überreaktion, die im schlimmsten Fall zur vorübergehenden Unreitbarkeit führen kann. Eine langsame Einführung des Öls ins Futter und die Abstimmung mit dem Tierarzt sind daher empfehlenswert.

Reiskeimöl für Hunde

Auch in der Hundefütterung gewinnt Reiskeimöl zunehmend an Bedeutung. Wie beim Pferd wirkt das enthaltene Gamma-Oryzanol als Zellschutz und unterstützt die Regeneration der Muskulatur. Eine kontrollierte Fütterungsstudie von Suwannachot und Kollegen (2023) an 18 erwachsenen Hunden über 30 Tage zeigte, dass Reiskleie-Hydrolysate die Marker für oxidativen Stress signifikant senkten und gleichzeitig den körpereigenen Glutathion-Spiegel erhöhten – ohne dass Nebenwirkungen auftraten.[12] Auch eine ältere Studie von Spears et al. (2004) bestätigte die gute Verträglichkeit und Verdaulichkeit beim Hund.[13]

Reiskeimöl beim Hund eignet sich besonders für: ältere und schwache Hunde als Energiequelle, Hunde im Training oder Wettkampf zur Muskelunterstützung, Hunde in der Rekonvaleszenz nach Operationen oder Krankheiten sowie zur Förderung von glänzendem, gesundem Fell dank des Fettsäureprofils mit rund 34 Prozent Linolsäure und dem hohen Vitamin-E-Gehalt.

Wichtig: Achten Sie bei der Fütterung stets auf die korrekte Dosierung und besprechen Sie diese idealerweise mit Ihrem Tierarzt, da eine zu hohe Gabe häufig zu Verdauungsproblemen führt. Für gezielte Hautprobleme beim Hund gibt es spezialisiertere Alternativen wie Nachtkerzenöl oder Borretschöl mit ihrem hohen GLA-Gehalt.

Reiskeimöl für den Muskelaufbau

Reiskeimöl wird im Fitnessbereich gelegentlich als natürlicher Muskelaufbau-Booster beworben. Allerdings muss hier klar differenziert werden: Während bei Tieren – insbesondere Pferden – mehrere Studien eine leistungsunterstützende Wirkung von Gamma-Oryzanol nachgewiesen haben, konnte eine streng kontrollierte Humanstudie von Fry et al. (1997) nach neun Wochen Supplementierung mit 500 mg Gamma-Oryzanol pro Tag keinerlei signifikante Effekte auf Muskelkraft, Körperzusammensetzung oder Hormonspiegel feststellen.[9]

Dennoch enthält Reiskeimöl wertvolle Nährstoffe, die den Muskelstoffwechsel indirekt unterstützen können: Kalium reguliert die Muskelfunktion und wirkt Krämpfen entgegen, Magnesium hat eine entzündungshemmende Wirkung und fördert die körpereigene Proteinproduktion, und die antioxidativen Bestandteile schützen die Muskelzellen vor belastungsbedingten Schäden. Wer gezielt Muskelaufbau betreiben möchte, sollte Reiskeimöl daher als Ergänzung einer ausgewogenen Ernährung betrachten und nicht als alleiniges Mittel. Bei erhöhtem Kalium- oder Magnesiumbedarf kann eine gezielte Zufuhr über die Nahrung die Entwässerung und Entschlackung fördern und den Stoffwechsel anregen.

Reiskeimöl in der Küche

In der asiatischen Küche – besonders in Japan, Indien und Thailand – gehört Reiskeimöl zu den beliebtesten Speiseölen. Es ist reich an Vitamin E, das die Körperzellen vor schädigenden Einflüssen schützt, und verfügt mit 213 °C über einen bemerkenswert hohen Rauchpunkt. Damit lässt es sich problemlos stark erhitzen, ohne zu verbrennen oder schädliche Zersetzungsprodukte zu bilden.

Reiskeimöl eignet sich deshalb hervorragend zum Anbraten von Fleisch und Gemüse, zum Frittieren (die Speisen nehmen dabei weniger Fett auf als bei vielen anderen Ölen), als Salatdressing-Basis und für die allgemeine Zubereitung von Speisen. Ein weiterer Vorteil ist seine Geruchsneutralität: Anders als etwa Olivenöl überlagert es nicht den Eigengeschmack der Zutaten. Wer verschiedene Speiseöle ausprobieren möchte, findet in Reiskeimöl eine vielseitige und gesundheitsbewusste Alternative.

Reiskeimöl für die Haut

Die hautpflegende Wirkung von Reiskeimöl beruht auf seinem einzigartigen Zusammenspiel aus Gamma-Oryzanol, Phytosterolen und Vitamin E. Das Öl zieht leicht in die Haut ein, ohne einen schweren Fettfilm zu hinterlassen, und eignet sich daher sowohl für das Gesicht als auch für den Körper.

Reiskeimöl wirkt auf der Haut feuchtigkeitsspendend und beruhigend bei trockener, sensibler und gereizter Haut, barriereunterstützend durch Phytosterole, die die Hautschutzbarriere stärken, sowie als natürlicher UVA/UVB-Schutz dank des Gamma-Oryzanols als Ergänzung zu konventionellem Sonnenschutz. Zudem ist Reiskeimöl mit einem Komedogenitätswert von 1–2 als gering komedogen einzustufen und damit auch für empfindliche und zu Unreinheiten neigende Haut geeignet.

Besonders Menschen mit Neurodermitis oder sehr trockener Haut profitieren von der Anwendung, da Reiskeimöl die Feuchtigkeitsaufnahme der Haut verbessert und Spannungsgefühle sowie Juckreiz reduzieren kann.[3] Für die tägliche Gesichtspflege genügen wenige Tropfen des Öls, die auf die leicht feuchte Haut aufgetragen werden.

Reiskeimöl für die Haare

Auch in der Haarpflege kann Reiskeimöl seine Stärken ausspielen. Die enthaltene Linolsäure stärkt die Haarstruktur, während Vitamin E die Kopfhaut vor vorzeitiger Alterung durch freie Radikale schützt. Das leichte Öl beschwert das Haar nicht und eignet sich daher gut als Pflegeöl für feines bis normales Haar.

Reiskeimöl kann als Haaröl oder als Bestandteil von Haarmasken verwendet werden: Tragen Sie eine kleine Menge auf die Haarspitzen und Längen auf und lassen Sie es mindestens 30 Minuten oder über Nacht einwirken. Das Ergebnis ist geschmeidiges, glänzendes Haar mit weniger Spliss. Für eine intensive Kopfhautpflege eignet sich auch eine Kombination mit Jojobaöl oder Kokosöl.

Reiskeimöl in der Kosmetik

Besonders in Japan gilt Reiskeimöl als Schönheitsmittel mit langer Tradition. Im europäischen Raum gewinnt es vor allem im Naturkosmetikbereich zunehmend an Bedeutung. Die Reispflanze (Oryza sativa) gehört zu den Süßgräsern und gilt als eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt. Archäologische Funde im ostasiatischen Raum belegen den Reisanbau seit circa 7.000 v. Chr.[14]

In der Naturkosmetik wird Reiskeimöl unter der INCI-Bezeichnung „Oryza Sativa Bran Oil" geführt. Es findet Verwendung in Sonnenschutzcremes und Tagespflege (natürlicher UV-Schutz durch Gamma-Oryzanol), in Seifen (cremiger Schaum, ähnliche Eigenschaften wie Seifen aus Olivenöl), in Feuchtigkeitscremes und Gesichtsmasken, in Reinigungsprodukten und Gesichtspeelings sowie in Haarpflegeprodukten.

Von Hand gefertigte Seifen aus Reiskeimöl weisen ähnliche Eigenschaften wie Olivenölseifen auf: Sie sind vergleichsweise weich und entwickeln einen milden, cremigen Schaum, der sich sehr angenehm auf der Haut anfühlt. In Kombination mit anderen Trägerölen lassen sich individuelle Pflegeprodukte für verschiedene Hauttypen herstellen.

Dosierung und Fütterungsempfehlung

Dosierung beim Pferd

Die richtige Dosierung von Reiskeimöl ist entscheidend für die Wirksamkeit und Verträglichkeit. Gängige Fütterungsempfehlungen für Pferde lauten:[11]

Ausgewachsene Pferde (ca. 500 kg): 25 ml pro Tag, über das Kraftfutter gegeben. Fohlen, Jung- und Kleinpferde: 5 bis 15 ml pro Tag. Bei erhöhtem Bedarf (intensives Training, Fellwechsel) kann die Dosis verdoppelt und auf zwei Rationen verteilt werden.

Für eine optimale Wirkung sollte die Fütterung in Form einer mindestens vier- bis sechswöchigen Kur erfolgen. Reiskeimöl kann aber auch dauerhaft dem Futter beigegeben werden. Beginnen Sie stets mit einer niedrigen Dosis und steigern Sie diese langsam über mehrere Tage, damit sich der Magen-Darm-Trakt des Pferdes an die Ölzugabe gewöhnen kann. Beachten Sie stets die Dosierungsempfehlung des jeweiligen Herstellers.

Dosierung beim Hund

Für Hunde gilt als allgemeine Orientierung: ca. 1 ml Reiskeimöl pro 5 kg Körpergewicht pro Tag. Auch hier empfiehlt sich eine langsame Steigerung der Menge über eine Woche hinweg. Besprechen Sie die genaue Dosierung idealerweise mit Ihrem Tierarzt, insbesondere bei Hunden mit Vorerkrankungen, bei übergewichtigen Tieren oder wenn Sie Reiskeimöl mit anderen Ölen wie Leinöl oder Schwarzkümmelöl kombinieren möchten.

Einnahme beim Menschen

Wer Reiskeimöl in die tägliche Ernährung integrieren möchte, kann es als Speiseöl zum Kochen und Braten verwenden. In der klinischen Forschung wurden positive Effekte auf die Blutfettwerte bei einer täglichen Aufnahme von ca. 30 ml Reiskeimöl über vier Wochen beobachtet.[6] Eine darüber hinausgehende Supplementierung mit Gamma-Oryzanol-Kapseln (typische Dosis: 300–500 mg/Tag) sollte stets ärztlich begleitet werden.

Reiskeimöl und Doping beim Pferd

Das Thema Doping ist für Turnierpferde-Besitzer besonders relevant. Bis Ende 2018 galt für Reiskeimöl im deutschen Turniersport eine Karenzzeit von 48 Stunden, da dem enthaltenen Gamma-Oryzanol eine anabole, leistungssteigernde Wirkung zugesprochen wurde.

Seit dem 1. Januar 2019 ist Reiskeimöl von der Dopingliste gestrichen und gilt als ADMR-konform (Anti-Doping- und Medikamentenkontroll-Regeln der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, FN). Die Begründung: Keine wissenschaftliche Studie konnte eine direkte muskelaufbauende Wirkung bei Pferden zweifelsfrei nachweisen. Die FN stuft Reiskeimöl seitdem als Ernährungskomponente ein und nicht als leistungssteigernde Substanz.[15]

Dennoch raten viele Experten und Hersteller dazu, eine Sicherheitskarenz von 48 Stunden vor Turnieren einzuhalten. Diese Empfehlung gilt insbesondere für internationale Wettbewerbe, bei denen die Regeln der FEI (Fédération Equestre Internationale) gelten können und die Dopingrichtlinien strenger sein können als die nationalen ADMR-Vorgaben.

Reiskeimöl Nebenwirkungen

Reiskeimöl gilt grundsätzlich als gut verträglich – sowohl für den Menschen als auch für Tiere. Dennoch sind einige mögliche Nebenwirkungen zu beachten:

Beim Pferd: Verdauungsstörungen wie Durchfall bei zu hoher oder zu schneller Dosierung, unerwünschte Gewichtszunahme durch den hohen Kaloriengehalt (rund 9 kcal/ml), in seltenen Fällen Hypersensibilität (Überreaktion), die zu Unruhe oder vorübergehender Unreitbarkeit führen kann.

Beim Hund: Weicher Stuhl oder Durchfall bei Überdosierung, mögliche Gewichtszunahme bei dauerhaft zu hoher Gabe.

Beim Menschen: In der Regel keine Nebenwirkungen bei normaler Verwendung als Speiseöl. Die Wirkung in der Schwangerschaft ist nicht ausreichend erforscht – Schwangere sollten vor der Anwendung von Reiskeimöl als Nahrungsergänzung ärztlichen Rat einholen. Die sichere Höchstdosis für Kinder, Schwangere und Stillende sowie Menschen mit schweren Leber- oder Nierenerkrankungen ist wissenschaftlich nicht abschließend bestimmt.[16]

Generell gilt für alle Anwendungen: Beginnen Sie mit einer niedrigen Dosis und steigern Sie diese langsam, um die individuelle Verträglichkeit zu testen.

Reiskeimöl kaufen – Worauf sollte geachtet werden?

Der Markt bietet Reiskeimöl in sehr unterschiedlichen Qualitäten an, die sich hauptsächlich im Verarbeitungsgrad und im Gehalt an Gamma-Oryzanol unterscheiden. Beim Kauf von Reiskeimöl sollten Sie auf folgende Faktoren achten:

Gamma-Oryzanol-Gehalt: Das wichtigste Qualitätsmerkmal. Vollständig raffiniertes Öl enthält nur 0,5 bis 1 Prozent Gamma-Oryzanol, während natives oder angereichertes Öl deutlich höhere Werte aufweisen kann. Für die Pferdefütterung und Nahrungsergänzung sollte der Gamma-Oryzanol-Gehalt möglichst hoch sein.[2]

Kaltgepresst vs. raffiniert: Kaltgepresstes (natives) Bio-Reiskeimöl bewahrt mehr natürliche Begleitstoffe, ist aber seltener im Handel, teurer und weniger lang haltbar. Raffiniertes Öl hat dafür einen höheren Rauchpunkt und eignet sich besser zum Kochen. Welches Sie wählen, hängt vom Verwendungszweck ab.

Bio-Zertifizierung: Bio-Reiskeimöl stammt aus kontrolliert biologischem Anbau und ist frei von Pestizid-Rückständen.

Verwendungszweck beachten: Für die menschliche Ernährung und Kosmetik ausschließlich lebensmitteltaugliches oder kosmetisches Reiskeimöl verwenden. Die für Pferde und Hunde angebotenen Reiskeimöle werden häufig nicht weiter analysiert und sind daher zwar günstiger, sollten aber keinesfalls als Lebensmittel oder für kosmetische Zwecke eingesetzt werden. Greifen Sie in diesen Bereichen stets auf Produkte zurück, die einer entsprechenden Qualitätsprüfung unterzogen wurden.

Bezugsquellen: Reiskeimöl ist in Reformhäusern, Bio-Läden, gut sortierten Supermärkten und online erhältlich. Achten Sie auf transparente Herstellerangaben zum Gamma-Oryzanol-Gehalt und zur Herkunft der Reiskleie.

Lagerung: Bewahren Sie Reiskeimöl kühl, dunkel und gut verschlossen auf. Raffiniertes Öl hält sich bei richtiger Lagerung etwa 12 Monate, kaltgepresstes Öl sollte zügiger verbraucht werden.

Quellen

  1. Patel, M., & Naik, S. N. (2004). Gamma-oryzanol from rice bran oil – A review. Journal of Scientific & Industrial Research, 63, 569–578.
  2. Minatel, I. O., Francisqueti, F. V., Corrêa, C. R., & Lima, G. P. (2016). Antioxidant Activity of γ-Oryzanol: A Complex Network of Interactions. International Journal of Molecular Sciences, 17(8), 1107. doi:10.3390/ijms17081107
  3. Olionatura (2024). Reiskeimöl (Oryza sativa (Rice Germ) Oil) – Fettsäuremuster, Inhaltsstoffe und kosmetischer Einsatz. Abgerufen von https://olionatura.de/oele-und-buttern/reiskeimoel/
  4. Rukmini, C., & Raghuram, T. C. (1991). Nutritional and biochemical aspects of the hypolipidemic action of rice bran oil: a review. Journal of the American College of Nutrition, 10(6), 593–601. doi:10.1080/07315724.1991.10718181
  5. Sakai, S., Murata, T., Tsubosaka, Y. et al. (2012). γ-Oryzanol reduces adhesion molecule expression in vascular endothelial cells via suppression of nuclear factor-κB activation. Journal of Agricultural and Food Chemistry, 60(14), 3367–3372. doi:10.1021/jf204918m
  6. Bumrungpert, A., Chongsuwat, R., Phosat, C., & Butacnum, A. (2019). Rice Bran Oil Containing Gamma-Oryzanol Improves Lipid Profiles and Antioxidant Status in Hyperlipidemic Subjects: A Randomized Double-Blind Controlled Trial. The Journal of Alternative and Complementary Medicine, 25(3), 353–358. doi:10.1089/acm.2018.0212
  7. Sirisena, S. et al. (2025). Effects of Rice Bran Supplementation on Metabolic Syndrome-Related Parameters: A Systematic Review and Meta-Analysis. International Journal of Molecular Sciences, 26(18), 9051. doi:10.3390/ijms26189051
  8. Sankar, D., Sambandam, G., Ramakrishna Rao, M., & Pugalendi, K. V. (2005). Modulation of blood pressure, lipid profiles and redox status in hypertensive patients taking different edible oils. Clinica Chimica Acta, 355(1-2), 97–104. doi:10.1016/j.cccn.2004.12.009
  9. Fry, A. C., Bonner, E., Lewis, D. L. et al. (1997). The effects of gamma-oryzanol supplementation during resistance exercise training. International Journal of Sport Nutrition, 7(4), 318–329. doi:10.1123/ijsn.7.4.318
  10. Ostaszewski, P., Szcześniak, K. A., Ciecierska, A. et al. (2012). Effects of gamma-oryzanol supplementation in Thoroughbred racehorses. Abstracts of the 7th Congress of the European College of Equine Internal Medicine (ECEIM), Edinburgh.
  11. EquiPower / Vetripharm (2024). Reiskeimöl – Dosierung und Fütterungsempfehlung für Pferde. Abgerufen von https://www.vetripharm.de/de/produkte/equipower/equipower-reiskeimoel
  12. Suwannachot, J. et al. (2023). Antioxidant effects of rice bran hydrolysates supplementation in adult dogs: a controlled 30-day feeding trial. [Kontrollierte Fütterungsstudie, zitiert nach misterkings.com/blog/reiskeimoel-hund]
  13. Spears, J. K., Grieshop, C. M., & Fahey, G. C. Jr. (2004). Evaluation of stabilized rice bran as an ingredient in dry extruded dog diets. Journal of Animal Science, 82(4), 1122–1135. doi:10.2527/2004.8241122x
  14. Molina, J. et al. (2011). Molecular evidence for a single evolutionary origin of domesticated rice. Proceedings of the National Academy of Sciences, 108(20), 8351–8356. doi:10.1073/pnas.1104686108
  15. Deutsche Reiterliche Vereinigung FN (2019). ADMR-Änderungen zum Jahreswechsel: Reiskeimöl wird als ADMR-konform eingestuft. Abgerufen von https://www.pferd-aktuell.de/news/aktuelle-meldungen/sport/admr-aenderun...
  16. Cicero, A. F., & Gaddi, A. (2001). Rice bran oil and gamma-oryzanol in the treatment of hyperlipoproteinaemias and other conditions. Phytotherapy Research, 15(4), 277–289. doi:10.1002/ptr.907