Marula-Öl zählt zu den wertvollsten Pflegeölen Afrikas und hat sich in den vergangenen Jahren auch in Europa als hochwirksames Beautyöl etabliert. Das aus den Kernen der Marula-Frucht kaltgepresste Öl ist reich an Ölsäure, Vitamin E und natürlichen Antioxidantien – Inhaltsstoffe, die sowohl trockene als auch reife Haut intensiv pflegen und schützen. In diesem umfassenden Ratgeber erfährst du alles über Gewinnung, Inhaltsstoffe, Wirkung, Anwendung und worauf du beim Kauf achten solltest.
Während Öle wie Arganöl, Kokosöl, Rizinusöl oder Olivenöl seit langem zur Körperpflege eingesetzt werden, ist Marula-Öl hierzulande noch vergleichsweise unbekannt. Dabei überzeugt es durch eine außergewöhnliche Fettsäurezusammensetzung und eine bemerkenswert hohe Oxidationsstabilität, die jene von Olivenöl deutlich übertrifft.[1] In der Kosmetikindustrie hat sich Marula-Öl inzwischen als Premium-Inhaltsstoff in Seren, Gesichtsölen und Haarpflegeprodukten durchgesetzt.
Was ist Marula-Öl?
Marula-Öl (INCI: Sclerocarya Birrea Seed Oil) wird aus den Kernen der Marula-Frucht gewonnen, die am Marulabaum (Sclerocarya birrea) wächst. Dieser Baum aus der Familie der Sumachgewächse (Anacardiaceae) ist im subsaharischen Afrika heimisch und wird dort seit Jahrtausenden als „Baum des Lebens" verehrt.[2] Nahezu alle Teile des Baumes werden traditionell genutzt: Die Rinde dient in der Volksmedizin zur Behandlung von Durchfallerkrankungen, die vitamin-C-reichen Früchte werden frisch verzehrt oder zu Marula-Likör (bekannt als „Amarula") verarbeitet, und aus den Kernen wird das kostbare Öl gepresst.
In der Kultur der Zulu gilt der Marulabaum als Symbol für Fruchtbarkeit und Reinheit. Das Volk der Venda verwendet die gemahlene Rinde traditionell während der Schwangerschaft, und im Norden Namibias feiern die Ovambo das Marula-Frucht-Fest „Oshituthi shomagongo", bei dem ein vergorenes Getränk aus dem Fruchtsaft zu Ehren des Baumes gereicht wird.
Die gelben, etwa pflaumengroßen Steinfrüchte enthalten einen sehr harten Steinkern mit zwei oder mehr ölhaltigen Kernen. Der Ölgehalt dieser Kerne kann bis zu 56 % betragen.[3] Das daraus gewonnene Öl ist von klarer bis leicht gelblicher Farbe und besitzt ein angenehm nussiges Aroma. Im Vergleich zu vielen anderen Pflanzenölen zeichnet sich Marula-Öl durch eine besonders hohe Oxidationsstabilität aus – Studien zeigen eine Induktionszeit von 32 Stunden, verglichen mit nur 4,6 Stunden bei Olivenöl und 1,9 Stunden bei Sonnenblumenöl.[1]
So wird Marula-Öl gewonnen
Der Marulabaum wächst bevorzugt in offenen oder bewaldeten Graslandschaften des südlichen und östlichen Afrikas. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Senegal und Gambia im Westen über Äthiopien und Kenia bis nach Südafrika, Mosambik und Swasiland (Eswatini). Der Baum ist äußerst trockenresistent, jedoch frostempfindlich.[2]
Die Gewinnung von hochwertigem Marula-Öl erfordert sorgfältige Handarbeit. Traditionell werden die reifen Früchte vom Boden aufgesammelt – der Marulabaum kann selbst in regenarmen Jahren beachtliche Erntemengen hervorbringen, wobei ein einzelner Baum bis zu 450 Kilogramm Früchte produzieren kann. Die Kerne müssen per Hand aus dem harten Steinkern herausgelöst werden, bevor sie kaltgepresst und schonend gefiltert werden. Durch dieses Verfahren bleiben die wertvollen Fettsäuren, Tocopherole und sekundären Pflanzenstoffe vollständig erhalten.
In Namibia und Südafrika haben sich Frauenkooperativen gebildet, die den gesamten Prozess von der Ernte bis zur Ölgewinnung betreuen. Dieses Engagement schafft Einkommen für rund 4.500 Produzentinnen und stellt gleichzeitig sicher, dass das Öl nach höchsten Qualitätsstandards gewonnen wird.[4]
Neben dem Öl werden auch andere Bestandteile des Marulabaumes vielseitig genutzt: Ein Rindensud wird in der traditionellen afrikanischen Medizin bei Durchfallerkrankungen angewandt, Blätterauszüge kommen bei Verbrennungen zum Einsatz, und das aromatische Fruchtfleisch dient zur Herstellung von Getränken wie Marula-Bier, Marula-Likör oder dem in Europa bekannten „Amarula"-Sahnelikör. Der Marulabaum wird aufgrund seiner großen Beliebtheit bei Elefanten – die seine süßen Früchte gerne fressen – im Volksmund auch als „Elefantenbaum" bezeichnet.
Marula-Öl Inhaltsstoffe
Die besonderen Eigenschaften von Marula-Öl lassen sich auf seine einzigartige Zusammensetzung zurückführen. Wissenschaftliche Analysen mittels zweidimensionaler Gaschromatographie (GC×GC-MS) haben die folgenden Hauptinhaltsstoffe identifiziert:[4][5]
Fettsäuren
Der mit Abstand wichtigste Bestandteil ist die Ölsäure (Oleinsäure, Omega-9), die mit 70–78 % den Hauptanteil der Fettsäuren ausmacht.[4] Diese einfach ungesättigte Fettsäure verleiht dem Öl seine hervorragenden Pflegeeigenschaften: Sie durchdringt die äußere Hautbarriere leicht und transportiert dabei weitere Wirkstoffe in tiefere Hautschichten. Daneben enthält Marula-Öl Palmitinsäure (9–12 %), Stearinsäure (5–8 %) und Linolsäure (4–9,5 %). Diese Fettsäuren stärken den natürlichen Lipidfilm der Haut und unterstützen die Feuchtigkeitsbindung. Die Fettsäurezusammensetzung ähnelt der von Macadamiaöl und Olivenöl, was Marula-Öl zu einem biomimetischen Öl macht – seine Struktur ähnelt den hauteigenen Lipiden.[4]
Tocopherole (Vitamin E)
Marula-Öl enthält Tocopherole in einer Konzentration von etwa 13,7 mg pro 100 g Öl, wobei γ-Tocopherol dominiert.[1] Vitamin E ist ein fettlösliches Antioxidans, das freie Radikale neutralisiert und die Haut vor oxidativem Stress durch UV-Strahlung und Umwelteinflüsse schützt. In der Kosmetikindustrie wird es wegen seiner hautpflegenden und konservierenden Eigenschaften geschätzt. Die Kombination aus Tocopherolen und dem hohen Anteil an Ölsäure trägt wesentlich zur außergewöhnlichen Stabilität des Marula-Öls bei.
Sterole und Polyphenole
Der Gesamtsterolgehalt liegt bei etwa 287 mg pro 100 g Öl, wobei β-Sitosterol mit rund 60 % den Hauptanteil bildet.[1] Sterole unterstützen die Hautbarriere und wirken entzündungshemmend. Darüber hinaus enthält Marula-Öl Polyphenole wie Procyanidine, Gallotannine und Catechine, die antioxidativ und hautschützend wirken.[5] Diese sekundären Pflanzenstoffe tragen dazu bei, die Kollagenstruktur der Haut zu bewahren und vorzeitige Hautalterung zu verlangsamen.
Aminosäuren
Im Marula-Öl wurden die Aminosäuren L-Arginin und Glutaminsäure nachgewiesen. L-Arginin fördert die Durchblutung und kann die Regeneration der Haut unterstützen, während Glutaminsäure feuchtigkeitsbindende Eigenschaften besitzt.
Mineralien
In geringeren Mengen sind auch die Spurenelemente Eisen, Zink, Magnesium, Kupfer und Phosphor im Marula-Öl enthalten. Sie tragen ergänzend zum Schutz der Haut vor oxidativem Stress bei und unterstützen die natürliche Regeneration.
Hinweis zu Vitamin C: Häufig wird Marula-Öl mit einem hohen Vitamin-C-Gehalt beworben. Tatsächlich ist die Marula-Frucht selbst extrem reich an Vitamin C – sie enthält etwa das Achtfache der Menge einer Orange. Da Vitamin C (Ascorbinsäure) jedoch wasserlöslich ist, geht es bei der Ölgewinnung durch Kaltpressung weitgehend verloren. Die antioxidative Wirkung des Öls beruht daher primär auf den fettlöslichen Tocopherolen und Polyphenolen, nicht auf Vitamin C.[6]
Wirkung von Marula-Öl
Die Wirksamkeit von Marula-Öl ist nicht nur auf traditionelle Anwendung gestützt, sondern wurde in mehreren wissenschaftlichen Studien untersucht. Eine klinische Studie aus dem Jahr 2015 bestätigte, dass Marula-Öl feuchtigkeitsspendende, hydratisierende und okklusive Eigenschaften besitzt und bei topischer Anwendung keine Hautreizungen verursacht.[4] Darüber hinaus zeigte eine In-vitro-Studie (2018), dass Extrakte aus dem Marulabaum Kollagenase- und Elastase-Enzyme hemmen können – zwei Enzyme, deren Aktivität maßgeblich zur Hautalterung beiträgt.[7]
Wirkung von Marula-Öl auf die Haut
Marula-Öl entfaltet eine intensive und vielseitige Wirkung auf die Haut, die es für verschiedene Hauttypen und Hautprobleme interessant macht.
Feuchtigkeitspflege und Schutz: Dank seines hohen Anteils an Ölsäure zieht Marula-Öl schnell in die Haut ein, ohne einen fettigen Film zu hinterlassen. Klinische Tests haben gezeigt, dass es den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) reduziert und die Hautfeuchtigkeit signifikant verbessert.[4] Es wirkt okklusiv, das heißt, es bildet eine unsichtbare Schutzschicht, die Feuchtigkeit in der Haut einschließt, ohne dabei die Poren vollständig zu verschließen. Trockene, schuppige Stellen – etwa an den Nasenflügeln, der Stirn oder zwischen den Augenbrauen – können bei regelmäßiger Anwendung sichtbar verbessert werden.
Anti-Aging und Faltenreduktion: Die Kombination aus Tocopherolen, Polyphenolen und Phytosterolen verleiht Marula-Öl beachtliche antioxidative Eigenschaften. Antioxidantien neutralisieren freie Radikale, die durch UV-Strahlung und Umweltverschmutzung entstehen und zur vorzeitigen Hautalterung führen. In-vitro-Studien der Universität Pretoria zeigten, dass Marula-Extrakte die Enzyme Kollagenase und Elastase hemmen können – das sind genau jene Enzyme, die Kollagen und Elastin in der Haut abbauen und dadurch Falten verursachen.[7] Marula-Öl eignet sich daher besonders für die reife Haut und als natürliches Anti-Aging-Mittel.
Beruhigend und entzündungshemmend: Die im Öl enthaltenen Fettsäuren und Polyphenole wirken entzündungshemmend und beruhigend auf gereizte Haut. Menschen mit empfindlicher Haut oder Hauterkrankungen wie leichter Rosacea oder Ekzemen können von diesen Eigenschaften profitieren.[4] Die Fettsäuren im Marula-Öl ähneln in ihrer Zusammensetzung den hauteigenen Lipiden, wodurch das Öl als biomimetisch gilt und von der Haut besonders gut aufgenommen wird.
Reparatur und Regeneration: Marula-Öl unterstützt die Hautregeneration und kann bei der Pflege von Narben, Dehnungsstreifen und ungleichmäßigem Hautbild helfen. Die Aminosäure L-Arginin fördert dabei die Durchblutung der behandelten Hautpartien. Bei regelmäßiger Anwendung kann sich das Hautbild insgesamt verfeinern, und die Haut wirkt glatter und ebenmäßiger.
Wirkung von Marula-Öl auf die Haare
Auch in der Haarpflege hat sich Marula-Öl als wirksamer Bestandteil etabliert. Das Öl besitzt eine leichte Textur, die Haare nährt, ohne sie zu beschweren oder fettig erscheinen zu lassen. Es eignet sich besonders für trockenes, strapaziertes, krauses oder brüchiges Haar.
Die Ölsäure im Marula-Öl legt sich wie ein schützender Film um die Haarstruktur und versiegelt die Schuppenschicht (Cuticula). Dadurch wird Feuchtigkeit im Haar eingeschlossen, und äußere Schäden durch Hitze, UV-Strahlung oder Styling werden reduziert. Nach der Anwendung sieht das Haar glänzend und gesund aus. Bei regelmäßiger Nutzung – etwa als Haarkur oder Spitzenfluid – lässt sich Haarbruch wirksam bekämpfen, und das Haar erhält seine Geschmeidigkeit zurück.
Zudem kann Marula-Öl die Kopfhaut beruhigen und bei trockener, juckender Kopfhaut Linderung verschaffen. Die feuchtigkeitsspendenden und entzündungshemmenden Eigenschaften helfen, schuppige Kopfhaut zu pflegen und ein gesundes Milieu für das Haarwachstum zu schaffen. Wer Marula-Öl in seine Haarpflege integrieren möchte, kann einige Tropfen in das Shampoo mischen oder das Öl als Pre-Wash-Kur auf die Kopfhaut einmassieren.
Wirkung von Marula-Öl auf die Nägel
Brüchige, splitternde oder verfärbte Nägel profitieren ebenfalls von der Pflege mit Marula-Öl. Die feuchtigkeitsspendenden Fettsäuren versorgen trockene Nagelbetten und Nagelhäutchen mit Nährstoffen, stärken die Nagelstruktur und machen die Nagelhaut geschmeidig. Regelmäßiges Einmassieren von wenigen Tropfen Marula-Öl in die Nägel und Nagelhäutchen kann die Häufigkeit von Nietnägeln reduzieren und dem Nagel ein gesünderes Erscheinungsbild verleihen. Am besten eignet sich die Anwendung am Abend, damit das Öl über Nacht einwirken kann.
Anwendung von Marula-Öl
Marula-Öl ist ein vielseitiges Pflegeöl, das sich auf verschiedene Weisen in die tägliche Beauty-Routine integrieren lässt. Da es schnell einzieht und keinen fettigen Film hinterlässt, eignet es sich sowohl für die Tages- als auch für die Nachtpflege. Für die besten Ergebnisse sollte stets kaltgepresstes, natives Marula-Öl verwendet werden, da dieses die höchste Konzentration an Wirkstoffen aufweist.
Gesichtspflege: Zwei bis drei Tropfen Marula-Öl in den Handflächen erwärmen und sanft in die gereinigte, noch leicht feuchte Gesichtshaut einmassieren. Das Öl kann pur als Serum verwendet werden, als Booster unter der Tagescreme oder als reichhaltige Nachtpflege. Besonders empfehlenswert ist die Kombination mit Hagebuttenöl für ein ausgewogenes Fettsäure-Profil. Das Öl eignet sich auch hervorragend als Pflege für trockene Lippen.
Körperpflege: Auf den noch feuchten Körper nach dem Duschen aufgetragen, wird Marula-Öl besonders gut von der Haut aufgenommen. Raue Stellen an Ellenbogen, Knien und Fersen profitieren von einer großzügigeren Anwendung. Als Massageöl ist Marula-Öl eine hervorragende Wahl, da es sich geschmeidig verteilen lässt und der Haut gleichzeitig wertvolle Nährstoffe zuführt. Auch zur Pflege von Dehnungsstreifen – etwa in der Schwangerschaft – kann es unterstützend eingesetzt werden.
Haarpflege: Für eine intensive Haarkur einige Tropfen Marula-Öl in die Haarspitzen und Längen einarbeiten und für mindestens 30 Minuten (oder über Nacht) einwirken lassen. Alternativ lässt sich das Öl als Leave-in-Pflege verwenden, indem ein bis zwei Tropfen in die handtuchtrockenen Spitzen einmassiert werden, um Frizz zu bändigen und Glanz zu verleihen. Wer möchte, kann auch wenige Tropfen unter das Shampoo oder die Spülung mischen.
Nagelpflege: Jeden Abend einen Tropfen Marula-Öl in die Nagelhäutchen und um die Nagelplatte herum einmassieren. Dies hält die Nagelhaut geschmeidig, stärkt brüchige Nägel und fördert ein gesundes Nagelwachstum.
Als Trägeröl: Marula-Öl eignet sich ausgezeichnet als Basisöl zum Verdünnen ätherischer Öle. Durch seine leichte Textur und seine schnelle Absorption ist es besonders für Gesichtsanwendungen geeignet – beispielsweise in Kombination mit Lavendelöl zur Beruhigung oder Teebaumöl für unreine Haut.
Ist Marula-Öl komedogen?
Eine häufig gestellte Frage ist, ob Marula-Öl komedogen ist – also ob es die Poren verstopfen kann. Die Antwort ist differenziert: Marula-Öl hat eine Komedogenitätsbewertung von 3–4 auf der Skala von 0 bis 5. Das bedeutet, es besitzt eine moderate bis erhöhte Wahrscheinlichkeit, die Poren zu verstopfen.[8]
Dieser Wert hängt mit dem hohen Anteil an Ölsäure (70–78 %) und dem vergleichsweise niedrigen Anteil an Linolsäure (4–9,5 %) zusammen. Linolsäurereiche Öle gelten allgemein als weniger komedogen, da Linolsäure die Talgproduktion reguliert und Porenverstopfung entgegenwirkt. Das Verhältnis ist bei Marula-Öl zugunsten der Ölsäure verschoben.
Was bedeutet das für verschiedene Hauttypen? Für trockene, reife und normale Haut ist Marula-Öl in der Regel sehr gut verträglich und bietet herausragende Pflegeeigenschaften. Menschen mit öliger oder zu Akne neigender Haut sollten Marula-Öl jedoch mit Vorsicht einsetzen – besonders im Gesicht. In diesem Fall ist es ratsam, das Öl zunächst an einer kleinen Hautstelle zu testen und auf Hautöle mit niedrigerem Komedogenitätswert zurückzugreifen, wie etwa Jojobaöl (Bewertung 2) oder Hanföl (Bewertung 0). Für die Körperpflege, Haarpflege, Nagelpflege und als Massageöl ist Marula-Öl auch bei empfindlicher Haut unbedenklich einsetzbar.
Marula-Öl Nebenwirkungen
Marula-Öl gilt insgesamt als sehr gut verträglich. Die klinische Studie von Komane et al. (2015) bestätigte, dass Marula-Öl bei topischer Anwendung nicht reizend wirkt (p < 0,001).[4] Dennoch gibt es einige Hinweise, die bei der Verwendung beachtet werden sollten:
Allergische Reaktionen: In seltenen Fällen können allergische Reaktionen auftreten, insbesondere bei Personen mit einer bekannten Allergie gegen Nüsse oder Steinfrüchte. Der Marulabaum gehört zur Familie der Anacardiaceae, der auch Mango, Cashew und Pistazie angehören. Wer auf diese Früchte allergisch reagiert, sollte vor der ersten Anwendung einen Patch-Test durchführen: Dazu einige Tropfen auf die Innenseite des Unterarms auftragen und 24 Stunden auf Rötungen, Juckreiz oder Schwellungen beobachten.
Komedogenität: Wie im vorherigen Abschnitt erläutert, kann Marula-Öl bei fettiger und zu Akne neigender Haut die Poren verstopfen und Unreinheiten begünstigen. Für die Gesichtspflege bei diesem Hauttyp sind linolsäurereiche Öle wie Traubenkernöl oder Hanföl besser geeignet.
Augenkontakt vermeiden: Wie bei allen Gesichtsölen sollte der direkte Kontakt mit den Augen vermieden werden. Gelangt Öl in die Augen, sollte es umgehend mit klarem Wasser ausgespült werden.
Lagerung: Marula-Öl ist zwar dank seiner natürlichen Antioxidantien sehr lagerstabil, sollte aber dennoch kühl, trocken und lichtgeschützt aufbewahrt werden. Ein dunkler Glasflacon schützt das Öl am besten vor lichtbedingtem Qualitätsverlust.
Marula-Öl kaufen – Worauf sollte man achten?
Wer Marula-Öl kaufen möchte, steht vor einer wachsenden Auswahl an Produkten – von reinem Öl über Mischöle bis hin zu Pflegeprodukten mit Marula-Öl-Anteil. Die folgenden Qualitätskriterien helfen bei der Auswahl eines hochwertigen Produkts.
Qualitätsmerkmale für gutes Marula-Öl
Kaltgepresst und unraffiniert: Die Bezeichnung „kaltgepresst" (engl. cold-pressed) oder „nativ" garantiert, dass das Öl ohne Wärmezufuhr gewonnen wurde und alle wertvollen Inhaltsstoffe erhalten geblieben sind. Raffinierte Öle sind zwar heller und geruchsneutraler, haben aber einen Großteil ihrer Wirkstoffe verloren.
Reines Marula-Öl (100 %): Die Zutatenliste sollte idealerweise nur einen Eintrag enthalten: Sclerocarya Birrea Seed Oil, eventuell ergänzt um Tocopherol als natürliches Antioxidans. Je kürzer die Zutatenliste, desto hochwertiger ist das Produkt. Der Vermerk „und weitere Zusätze" kann auf eine mangelnde Reinheit hindeuten.
Bio-Zertifizierung: Bio-zertifiziertes Marula-Öl garantiert, dass die Früchte ohne Pestizide oder chemische Dünger angebaut bzw. geerntet wurden und die Verarbeitung streng kontrolliert wurde. Achte auf anerkannte Siegel wie COSMOS, Ecocert oder USDA Organic. Besonders hochwertig ist Öl mit dem Vermerk „von wild-wachsenden Bäumen" (wildcrafted), da es aus gesammeltem Fallobst stammt und keine Plantagenwirtschaft voraussetzt.
Dunkler Glasflacon: Hochwertiges Marula-Öl wird in dunklen Glasflaschen (braun oder violett) verkauft. Licht beschleunigt die Oxidation des Öls und mindert seine Qualität. Transparente oder Plastikflaschen sind ein Zeichen für geringere Qualität.
Herkunft: Erstklassiges Marula-Öl stammt überwiegend aus Südafrika, Namibia oder Swasiland (Eswatini), wo der Marulabaum wild wächst und von Kooperativen nachhaltig geerntet wird. Ein Herkunftsnachweis auf dem Produkt ist ein positives Qualitätssignal.
Marula-Öl bei dm, Rossmann und in der Apotheke
In Deutschland ist Marula-Öl zunehmend in Drogerien wie dm und Rossmann erhältlich – allerdings häufig nicht als reines Öl, sondern als Bestandteil von Pflegeprodukten oder Mischölen. Die Eigenmarke Isana von Rossmann bietet beispielsweise ein „Allround-Öl Moments of Marula" an, das neben Marula-Öl weitere Pflegeöle enthält. Solche Produkte können ein guter Einstieg sein, erreichen aber in der Wirksamkeit nicht die Intensität eines reinen, kaltgepressten Marula-Öls.
Reines Bio-Marula-Öl ist im Reformhaus, in der Apotheke oder über spezialisierte Online-Händler erhältlich. Auch Marken wie The Ordinary, Drunk Elephant und Rosental Organics bieten reine Marula-Öl-Produkte an. Beim Online-Kauf lohnt es sich, die Bewertungen anderer Nutzer zu lesen und auf die oben genannten Qualitätsmerkmale zu achten.
Preisrahmen und Preis-Leistung
Reines, kaltgepresstes Bio-Marula-Öl liegt preislich in der Regel zwischen 25 und 60 Euro für 30 bis 100 ml. Produkte, die deutlich unter 15 Euro für einen Flacon liegen, sind häufig Mischöle mit einem geringen Marula-Anteil oder aus raffiniertem Öl hergestellt. Sehr hochpreisige Marken-Produkte (ab 80 Euro) unterscheiden sich qualitativ oft nur geringfügig von guten Bio-Ölen im mittleren Preissegment – hier zahlt man häufig für die Marke mit. Marula-Öl ist dank seiner natürlichen Antioxidantien sehr lange haltbar, was den höheren Anschaffungspreis relativiert, da auch kleine Mengen lange reichen.
Häufige Fragen zu Marula-Öl
Was ist Marula-Öl genau?
Marula-Öl ist ein kaltgepresstes Pflanzenöl, das aus den Kernen der Marula-Frucht (Sclerocarya birrea) gewonnen wird. Der Marulabaum ist im südlichen Afrika heimisch. Das Öl zeichnet sich durch seinen hohen Gehalt an Ölsäure (70–78 %), Vitamin E und natürlichen Antioxidantien aus und wird in der Hautpflege, Haarpflege und als Nagelöl verwendet.[4]
Ist Marula-Öl gut für das Gesicht?
Marula-Öl eignet sich hervorragend für die Gesichtspflege bei trockener, normaler und reifer Haut. Es spendet intensive Feuchtigkeit, schützt vor freien Radikalen und kann Falten mildern. Bei öliger oder zu Akne neigender Haut sollte es wegen seiner Komedogenitätsbewertung von 3–4 jedoch mit Vorsicht eingesetzt oder durch ein leichteres Öl ersetzt werden.
Wie wirkt Marula-Öl auf die Haare?
Marula-Öl nährt und schützt trockenes, strapaziertes und krauses Haar. Es bildet einen schützenden Film um die Haarstruktur, verhindert Feuchtigkeitsverlust, reduziert Frizz und Haarbruch und verleiht dem Haar natürlichen Glanz. Auch für die trockene Kopfhaut ist es eine empfehlenswerte Pflege.
Ist Marula-Öl komedogen und für Akne geeignet?
Marula-Öl hat eine Komedogenitätsbewertung von 3–4, was bedeutet, dass es bei fettiger oder zu Akne neigender Haut die Poren verstopfen kann. Für diese Hauttypen sind Öle wie Jojobaöl, Hanföl oder Traubenkernöl besser geeignet. Bei trockener Haut mit vereinzelten Unreinheiten kann Marula-Öl hingegen entzündungshemmend wirken.
Wie unterscheidet sich Marula-Öl von Arganöl?
Beide Öle sind reich an Fettsäuren und Antioxidantien, unterscheiden sich jedoch in ihrer Zusammensetzung. Marula-Öl enthält mehr Ölsäure (70–78 % vs. ca. 43–49 % bei Arganöl) und ist dadurch reichhaltiger und besser für sehr trockene Haut geeignet. Arganöl enthält dagegen mehr Linolsäure (ca. 29–36 %), was es für Mischhaut und fettige Haut verträglicher macht. In puncto Oxidationsstabilität schneidet Marula-Öl deutlich besser ab.[1]
Wo kann man Marula-Öl kaufen?
Marula-Öl ist bei dm, Rossmann, in Reformhäusern, Apotheken und bei spezialisierten Online-Händlern erhältlich. In Drogerien findet man es häufig als Bestandteil von Mischprodukten. Reines, kaltgepresstes Bio-Marula-Öl ist vor allem online bei Anbietern wie Naissance, Mystic Moments oder über Marken wie The Ordinary und Drunk Elephant zu finden.
Wie wird Marula-Öl richtig angewendet?
Für die Gesichtspflege genügen 2–3 Tropfen, die auf die gereinigte, noch leicht feuchte Haut aufgetragen werden. Für die Haare kann das Öl als Leave-in in die Spitzen eingearbeitet oder als Intensivkur vor der Wäsche aufgetragen werden. Für die Nagelpflege einen Tropfen in die Nagelhäutchen einmassieren.
Hat Marula-Öl Nebenwirkungen?
Marula-Öl ist in klinischen Studien als nicht reizend eingestuft worden.[4] In seltenen Fällen können allergische Reaktionen auftreten, insbesondere bei Personen mit Nussallergien. Ein Patch-Test vor der ersten Anwendung ist empfehlenswert. Menschen mit fettiger Haut sollten beachten, dass das Öl potenziell komedogen wirkt.
Quellenverzeichnis
- Mariod, A., Matthäus, B. & Eichner, K. (2004). Fatty acid, tocopherol and sterol composition as well as oxidative stability of three unusual Sudanese oils. Journal of Food Lipids, 11(3), 179–189. doi:10.1111/j.1745-4522.2004.01131.x
- Shackleton, S. E., Shackleton, C. M., Cunningham, T., Lombard, C., Sullivan, C. A. & Netshiluvhi, T. R. (2002). Knowledge on Sclerocarya birrea subsp. caffra with emphasis on its importance as a non-timber forest product in South and Southern Africa: A summary. Southern African Forestry Journal, 194(1), 27–41.
- Ogbobe, O. (1992). Physico-chemical composition and characterisation of the seed and seed oil of Sclerocarya birrea. Plant Foods for Human Nutrition, 42(3), 201–206. doi:10.1007/BF02193927
- Komane, B., Vermaak, I., Summers, B. & Viljoen, A. (2015). Safety and efficacy of Sclerocarya birrea (A.Rich.) Hochst (Marula) oil: A clinical perspective. Journal of Ethnopharmacology, 176, 327–335. doi:10.1016/j.jep.2015.10.037
- Mabasa, L., Chiseva, S., Moloto, M. R. & Muganza, F. M. (2024). Chemical Profile and Potential Applications of Sclerocarya birrea (A.Rich.) Hochst. subsp. caffra (Sond.) Kokwaro Kernel Oils: Analysis of Volatile Compounds and Fatty Acids. Plants, 13(20), 2878. doi:10.3390/plants13202878
- Open Formula (2024). What is Marula Oil and How to Use It. OF Magazine. Abgerufen am 12.02.2026 von https://openformula.com/blogs/of-magazine/what-is-marula-oi
- Shoko, T., Maharaj, V. J., Naidoo, D. et al. (2018). Anti-aging potential of extracts from Sclerocarya birrea (A. Rich.) Hochst and its chemical profiling by UPLC-Q-TOF-MS. BMC Complementary and Alternative Medicine, 18, 54. doi:10.1186/s12906-018-2112-1
- Divulge Beauty (2023). Is Your Face Oil Safe to Use for Acne-Prone Skin? Abgerufen am 12.02.2026 von https://www.divulgebeauty.com/blogs/db/is-that-oil-safe-to-use-for-acne-...



