Kamelienöl

Zuletzt aktualisiert: 12.02.26

Kamelienöl – auch als Teesamenöl oder japanisches Tsubaki-Öl bekannt – zählt zu den vielseitigsten Pflanzenölen überhaupt. Seit über 2.000 Jahren wird es in Ostasien für Hautpflege, Haarpflege und als traditionelles Korrosionsschutzmittel für Klingen geschätzt.[1] In Japan nutzten bereits die Geishas das kostbare Öl als Grundlage ihrer legendären Schönheitsrituale. Hierzulande erfreut sich Kamelienöl wachsender Beliebtheit – ob als natürliches Gesichtsöl, zur Messerpflege oder als Holzschutzmittel. Kamelienöl – japanisches Teesamenöl für Haut, Haare und Messerpflege

Was genau ist Kamelienöl? Es handelt sich um ein kaltgepresstes Öl, das aus den Samen verschiedener Kamelienarten gewonnen wird. Mit einem Ölsäuregehalt von etwa 80 % ähnelt seine Fettsäurezusammensetzung der von Olivenöl, übertrifft dieses aber in der Hautpenetration deutlich.[2] Kamelienöl ist geruchsneutral, lebensmittelecht, nicht komedogen (Komedogenitätsgrad 0) und eignet sich daher für eine breite Palette an Anwendungen – von der Gesichtspflege über die Haarkur bis hin zum professionellen Korrosionsschutz für japanische Messer.

Unterschiede zwischen den verschiedenen Kamelienarten

Innerhalb der Gattung Camellia gibt es mehrere Arten, deren Samen zur Ölgewinnung verwendet werden. Die drei wichtigsten sind:

Camellia oleifera (Öl-Teestrauch): Diese Art ist der Hauptlieferant für Kamelienöl weltweit. Sie wächst vorwiegend in Südchina und deckt über 80 % der globalen Produktion ab. Ihre Samen besitzen den höchsten Ölgehalt (ca. 41–53 %) aller Kamelienarten und liefern ein besonders ölsäurereiches Öl, das sich hervorragend für Hautpflege und Korrosionsschutz eignet.[3]

Camellia japonica (Japanische Kamelie): Das daraus gewonnene Tsubaki-Öl wird in Japan traditionell in der Kosmetik eingesetzt. Studien zeigen, dass es die Kollagenproduktion fördert und den transepidermalen Wasserverlust reduziert.[4] Im Vergleich zu C. oleifera spielt es mengenmäßig eine geringere Rolle.

Camellia sinensis (Teestrauch): Der klassische Grün- und Schwarzteestrauch, der in weiten Teilen der Welt angebaut wird. Sein Samenöl weist einen höheren Anteil an Polyphenolen und Tocopherolen auf als die anderen Arten, wird aber seltener für die Ölgewinnung genutzt, da er primär der Teeproduktion dient.[5]

Die als Zierpflanze in Europa bekannte Kamelie wird für die kommerzielle Ölgewinnung nicht verwendet. Obwohl alle drei Arten grundsätzlich ähnliche Inhaltsstoffe aufweisen, unterscheiden sie sich in Feinheiten der Fettsäurezusammensetzung und im Gehalt bioaktiver Substanzen – was sie für unterschiedliche Anwendungsbereiche prädestiniert.

Gewinnung von Kamelienöl

Für die Herstellung von Kamelienöl werden ausschließlich die Samen der Pflanze verwendet – weder Blätter noch Blüten finden Einsatz. Daher stammt auch die Bezeichnung „Teesamenöl". Der Gewinnungsprozess umfasst mehrere Schritte:

Während der Wintermonate (Dezember bis März) trägt die Kamelie weiße bis rosafarbene Blüten, in deren Inneren die Samen heranreifen. Nach der Ernte werden die Samen aus den Fruchtschalen gelöst, sorgfältig getrocknet und zerkleinert. Anschließend erfolgt die schonende Kaltpressung, bei der die Samen weder erhitzt noch mit chemischen Lösungsmitteln behandelt werden. Durch dieses Verfahren bleiben die wertvollen Vitamine, Polyphenole und Fettsäuren weitgehend erhalten. Nach der Pressung wird das Öl gefiltert, um feste Rückstände zu entfernen.

Reines, kaltgepresstes Kamelienöl zeichnet sich durch seine blassgelbe Farbe, den nahezu neutralen Geruch – manche nehmen eine dezente Haselnussnote wahr – und seine charakteristisch niedrige Viskosität aus. Es trocknet nicht aus, verharzt nicht und neigt nicht zur Oxidation, was es von vielen anderen Pflanzenölen unterscheidet.

Kamelienöl Inhaltsstoffe

Die besondere Wirksamkeit von Kamelienöl beruht auf seiner reichhaltigen Zusammensetzung. Die wichtigsten Inhaltsstoffe im Überblick:

Ölsäure (ca. 75–88 %): Als einfach ungesättigte Omega-9-Fettsäure bildet sie den Hauptbestandteil des Kamelienöls. Sie fungiert als natürlicher Penetrationsverstärker und ermöglicht das rasche, tiefe Eindringen in die Hautschichten – ohne einen fettigen Film zu hinterlassen.[2]

Palmitinsäure (ca. 7–10 %): Diese gesättigte Fettsäure stabilisiert das Öl und trägt zu seiner langen Haltbarkeit bei. Zudem unterstützt sie die Barrierefunktion der Haut.

Linolsäure (ca. 5–11 %): Als essenzielle Omega-6-Fettsäure ist sie ein wichtiger Baustein der Ceramide – jener Lipide, die die Hautbarriere aufrechterhalten und die oberste Hautschicht (Stratum corneum) stärken.[3]

Stearinsäure (ca. 1,5–3 %): Unterstützt die Hautpflege als natürlicher Weichmacher und verbessert die Textur von kosmetischen Formulierungen.

Squalen: Ein natürlicher Bestandteil des Hauttalgs, der als Antioxidans und Emollient wirkt und die Hautfeuchtigkeit bewahrt.[6]

Vitamin E (Tocopherole): Schützt Hautzellen vor oxidativem Stress durch freie Radikale und unterstützt die Zellregeneration.

Polyphenole und Sesamin: Bioaktive Verbindungen mit ausgeprägter antioxidativer Wirkung. Sesamin, das in Kamelienöl nachgewiesen wurde, kann den Cholesterinspiegel positiv beeinflussen.[7]

Das Fettsäureprofil von Kamelienöl ist dem von Olivenöl sehr ähnlich – mit dem entscheidenden Unterschied, dass der Ölsäureanteil bei Kamelienöl häufig noch höher liegt. In der wissenschaftlichen Literatur wird es daher gelegentlich als „östliches Olivenöl" bezeichnet.[2]

Wirkung von Kamelienöl

Die Wirkung von Kamelienöl ist wissenschaftlich in mehreren Studien untersucht worden. Die wichtigsten nachgewiesenen Effekte umfassen:

Feuchtigkeitsspendend und barrierestärkend: Dank seines hohen Ölsäuregehalts dringt Kamelienöl tief in die Hautschichten ein und reduziert den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) signifikant. Eine Studie von Jung et al. (2007) konnte zeigen, dass die Anwendung von Kamelienöl auf der Haut den Feuchtigkeitsverlust messbar verringert und die Hautbarriere nachhaltig stärkt.[4]

Anti-Aging und Kollagenstimulation: Dieselbe Studie wies nach, dass Kamelienöl die Synthese von Typ-I-Prokollagen in menschlichen Hautzellen anregt und gleichzeitig die Aktivität der Matrix-Metalloproteinase MMP-1 hemmt – ein Enzym, das vorhandenes Kollagen abbaut. Diese doppelte Wirkung macht es zu einem vielversprechenden Anti-Aging-Wirkstoff.[4]

Entzündungshemmend: Kamelienöl enthält entzündungshemmende Verbindungen – darunter Vitamin E, Squalen und Lupeol –, die die Expression von Entzündungsmediatoren herunterregulieren können. Es eignet sich daher besonders für empfindliche, gereizte oder zu Neurodermitis neigende Haut.[8]

Antioxidativ: Die enthaltenen Polyphenole, Tocopherole und Sesamin neutralisieren freie Radikale und schützen die Haut vor oxidativem Stress durch UV-Strahlung und Umweltbelastungen.[7]

Die im Kamelienöl enthaltene Linolsäure spielt eine zentrale Rolle beim Aufbau der Hautbarriere. Als Omega-6-Fettsäure ist sie ein essenzieller Bestandteil von Ceramiden – das sind Fette, die die oberste Hautschicht zusammenhalten und vor Feuchtigkeitsverlust schützen. Durch die Versorgung mit Linolsäure unterstützt Kamelienöl die natürliche Hautstruktur und fördert ein ebenmäßiges, hydratisiertes Hautbild.

Eine weitere bemerkenswerte Eigenschaft ist der hohe pH-Wert bei gleichzeitig sehr niedrigem Säuregehalt. Weil das Öl nicht verharzt und säurefrei ist, eignet es sich hervorragend als Schutz vor Rost und Korrosion – eine Eigenschaft, die besonders in der Messerpflege genutzt wird.

Anwendungsgebiete von Kamelienöl

Kamelienöl ist ein echtes Multitalent: Es findet Verwendung in der Kosmetik, der Küche, bei der Messerpflege und im Holzschutz. Je nach Kamelienart und Reinheitsgrad ergeben sich unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten. Im Folgenden werden die wichtigsten Anwendungsgebiete ausführlich vorgestellt.

Kamelienöl für die Haare

Seit Jahrhunderten nutzen japanische Frauen Kamelienöl (Tsubaki-Öl) für die Pflege ihrer Haare und Kopfhaut. Historisch betrachtet war es ein zentraler Bestandteil der Schönheitsrituale japanischer Geishas, die für ihr glänzendes, gesundes Haar bekannt waren.

Die Wirkung von Kamelienöl auf die Haare beruht auf seiner Fähigkeit, tief in die Haarstruktur einzudringen. Während viele Haaröle lediglich einen oberflächlichen Film bilden, penetriert Kamelienöl bis in den Haarkortex. Es schützt das Haar vor Austrocknung, versorgt es mit Feuchtigkeit und versiegelt die Schuppenschicht (Kutikula), was zu spürbar glatteren, glänzenderen Haaren führt.

Für die Anwendung als Haarkur geben Sie 3–5 Tropfen reines Kamelienöl in die Handflächen, verreiben es und arbeiten es in die Längen und Spitzen ein. Lassen Sie das Öl 15 bis 30 Minuten einwirken und waschen es anschließend gründlich aus. Alternativ können Sie wenige Tropfen in Ihr Shampoo, Ihre Haarmaske oder Ihre Spülung einarbeiten. Bei besonders trockenem oder strapaziertem Haar empfiehlt sich eine Über-Nacht-Kur mit einem Handtuch um die Haare gewickelt.

Kamelienöl eignet sich für alle Haartypen – von feinem bis zu lockigem und krausem Haar. Es beschwert das Haar nicht und hinterlässt keinen fettigen Film, wenn es sparsam dosiert wird.

Kamelienöl für die Haut

Der wohl beliebteste Anwendungsbereich von Kamelienöl ist die Hautpflege. Das Teesamenöl gilt als feuchtigkeitsspendend, antioxidativ und entzündungshemmend – Eigenschaften, die wissenschaftlich belegt sind.[4][6]

Anders als viele andere Öle legt sich Kamelienöl nicht als okklusive Schicht auf die Haut, sondern zieht dank seines hohen Ölsäureanteils rasch und tief ein. In den tieferen Hautschichten entfalten die enthaltenen Fettsäuren, Vitamine und Antioxidantien ihre Wirkung: Sie regen die Zellerneuerung an, stärken die Hautbarriere und unterstützen die Kollagenbildung.

Bei regelmäßiger Anwendung berichten viele Anwender von einem glatteren Hautbild, verbesserter Elastizität und einem gesunden Glow. Das Öl eignet sich besonders für trockene, empfindliche und reife Haut. Da es nicht komedogen ist (Komedogenitätsgrad 0), können auch Menschen mit Mischhaut oder zu Unreinheiten neigender Haut davon profitieren.

Es gibt wissenschaftliche Hinweise, dass Kamelienöl auch einen gewissen Schutz vor UV-Strahlung bieten kann.[9] Diese Ergebnisse sind jedoch noch nicht umfassend genug, um Kamelienöl als alleiniges Sonnenschutzmittel zu empfehlen. Als ergänzende Pflege im Rahmen der täglichen Sonnenschutz-Routine kann es aber durchaus sinnvoll sein.

Kamelienöl für das Gesicht

In der Gesichtspflege hat Kamelienöl besondere Stärken. Dank seines Komedogenitätsgrads von 0 verstopft es die Poren nicht und ist für alle Hauttypen geeignet – auch für fettige und zu Akne neigende Haut.[10] Wer sich für nicht komedogene Öle interessiert, findet in Kamelienöl eine ausgezeichnete Wahl.

Für die tägliche Gesichtspflege genügen 2–3 Tropfen, die nach der Reinigung auf die noch leicht feuchte Haut aufgetragen und sanft einmassiert werden. Das Öl kann allein oder als Booster unter einer Feuchtigkeitscreme verwendet werden. Auch als natürlicher Make-up-Entferner eignet sich Kamelienöl hervorragend: Ein paar Tropfen auf einem Wattepad lösen selbst wasserfestes Make-up schonend und versorgen die Haut gleichzeitig mit Pflege.

Besonders beliebt ist Kamelienöl auch bei der Behandlung von Akne, Rötungen und anderen Hautirritationen. Seine entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung beruhigt die Haut, ohne sie auszutrocknen. Für die Anti-Aging-Pflege ist es dank seiner kollagenstimulierenden Eigenschaften ebenfalls eine natürliche Alternative zu synthetischen Wirkstoffen.[4]

Kamelienöl in Kosmetikprodukten

Neben der Verwendung als Reinöl ist Kamelienöl ein geschätzter Inhaltsstoff in zahlreichen Kosmetikprodukten. In der INCI-Deklaration findet man es als „Camellia Oleifera Seed Oil", „Camellia Japonica Seed Oil" oder „Camellia Sinensis Seed Oil".

Besonders gefragt ist das Öl als Penetrationsverstärker in Cremes und Seren. Das bedeutet: Es hilft anderen Wirkstoffen, schneller und tiefer in die Haut einzudringen. Wenn Sie eine Creme auftragen, sorgt der hohe Ölsäuregehalt des Kamelienöls dafür, dass kein fettiger Film entsteht und die Pflegestoffe effizient aufgenommen werden.

In Haarpflegeprodukten wie Shampoos, Kuren und Masken sorgt Kamelienöl für Feuchtigkeit, Glanz und Geschmeidigkeit. Auch in Lippenpflege, Nagelpflegeprodukten und Massageölen kommt es zum Einsatz. Wer ätherische Öle nutzt, kann Kamelienöl als leichtes, geruchsneutrales Trägeröl verwenden.

Kamelienöl als Korrosionsschutzmittel

Eine der ältesten und bekanntesten Anwendungen von Kamelienöl ist der Korrosionsschutz für Metall. In Japan wurde es traditionell zur Pflege von Samurai-Schwertern (Katana) und hochwertigen Klingenwaffen eingesetzt – eine Tradition, die über Jahrhunderte reicht.

Die Eignung als Korrosionsschutz beruht auf mehreren Eigenschaften: Kamelienöl ist säurefrei, verharzt nicht, ist nicht flüchtig und geht keine Emulsion mit Wasser ein. Dadurch bildet es einen zuverlässigen, langanhaltenden Schutzfilm auf Metalloberflächen, der Feuchtigkeit und Oxidation fernhält. Im Gegensatz zu vielen herkömmlichen Speiseölen, die durch ihren Säuregehalt dem Stahl langfristig schaden können, ist Kamelienöl chemisch neutral und somit materialschonend.

Kamelienöl für Messer

Die Messerpflege mit Kamelienöl ist besonders bei hochwertigen japanischen Kochmessern, Damastmessern und Rasiermessern aus Kohlenstoffstahl etabliert. Diese Messer sind zwar extrem scharf und schnitthaltig, aber anfällig für Rostbildung.

Für die richtige Anwendung geben Sie einige Tropfen reines Kamelienöl auf ein weiches Mikrofasertuch oder Baumwolltuch und reiben damit die gesamte Klinge gleichmäßig ein – sowohl die Schneide als auch die Flanken. Da das Öl geschmacks- und geruchsneutral sowie lebensmittelecht ist, hat die Behandlung keinerlei Auswirkung auf den Geschmack zubereiteter Speisen.

Bekannte Hersteller wie Böker, KAI und Dictum (Sinensis-Kamelienöl) bieten speziell für die Messerpflege entwickeltes Kamelienöl an. Achten Sie beim Kauf auf 100 % reines, säurefreies Kamelienöl ohne Zusatzstoffe. Billige Produkte mit Konservierungsmitteln können einen höheren Säuregehalt aufweisen und die Klinge langfristig schädigen. Gegenüber Ballistol hat Kamelienöl den Vorteil, dass es rein pflanzlich, geruchsneutral und lebensmittelecht ist.

Kamelienöl für Holzpflege

Neben der Klingenpflege eignet sich Kamelienöl hervorragend für die Behandlung und den Schutz von Holzoberflächen. Seine niedrige Viskosität ermöglicht ein tiefes Eindringen in die Holzporen, wo es als natürlicher Schutz gegen Feuchtigkeit, Verschmutzung und UV-Strahlung wirkt.

Besonders beliebt ist die Anwendung bei Schneidebrettern aus Holz, Messergriffenaus Magnolien- oder Pakkaholz, Bonsai-Werkzeugen und hochwertigen Holzmöbeln. Das Öl betont die natürliche Maserung, vertieft die Farbgebung und verleiht dem Holz einen samtigen Glanz – ohne dabei zu vergilben oder auszuhärten.

Für die Holzpflege tragen Sie etwas Kamelienöl auf ein weiches Tuch auf und reiben das Holz gleichmäßig ein. Lassen Sie das Öl vollständig einziehen, bevor Sie das behandelte Stück wieder verwenden. Da Kamelienöl nicht polymerisiert (nicht aushärtet), eignet es sich besonders für Oberflächen, die regelmäßig mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Für Holzgriffe, die griffig bleiben sollen, kann alternativ auch Walnussöl oder Leinöl in Betracht gezogen werden, da diese aushärtende Öle sind.

Wichtiger Sicherheitshinweis: Obwohl Kamelienöl nicht zu den trocknenden Ölen zählt, sollten ölgetränkte Lappen feuersicher verwahrt und entsorgt werden, um der Gefahr einer Selbstentzündung entgegenzuwirken.

Kamelienöl für Lederpflege

Kamelienöl lässt sich auch für die Pflege von Glattleder einsetzen. Seine leichte Konsistenz ermöglicht ein gleichmäßiges Einziehen in die Lederfasern, ohne das Material zu beschweren oder klebrig zu machen. Es hält das Leder geschmeidig, schützt vor Austrocknung und verleiht einen dezenten Glanz.

Für die Anwendung geben Sie eine kleine Menge Öl auf ein weiches Tuch und tragen es in kreisenden Bewegungen dünn auf die Lederoberfläche auf. Testen Sie zuvor an einer unauffälligen Stelle, ob das Leder das Öl gut aufnimmt. Kamelienöl eignet sich vor allem für leichtere Pflegeanwendungen. Für stark beanspruchtes Leder, das tiefere Konditionierung benötigt, sollten spezielle Lederpflegemittel bevorzugt werden.

Kamelienöl – komedogen oder nicht?

Eine der häufigsten Fragen zu Kamelienöl betrifft seine Komedogenität – also die Frage, ob es die Poren verstopft und Unreinheiten verursachen kann. Die klare Antwort: Kamelienöl hat einen Komedogenitätsgrad von 0 und gilt damit als nicht komedogen.[10]

Das bedeutet, dass es die Poren nicht verstopft und für alle Hauttypen geeignet ist – auch für fettige und zu Akne neigende Haut. Im Vergleich dazu hat beispielsweise Kokosöl einen Komedogenitätsgrad von 3–4 und ist für die Gesichtspflege bei unreiner Haut weniger geeignet.

Allerdings ist zu beachten, dass Kamelienöl durch Oxidation komedogen werden kann. Wenn das Öl ranzig wird oder unsachgemäß gelagert wurde, verändern sich die Fettsäuren und können die Poren reizen. Daher sollte stets frisches, kaltgepresstes Kamelienöl verwendet und korrekt gelagert werden (kühl, dunkel, luftdicht verschlossen). Wer sich intensiver mit dem Thema nicht komedogene Öle wie Arganöl oder Hanföl beschäftigen möchte, findet weitere Informationen in unserem Ratgeber zu komedogenen Ölen.

Anwendung und Dosierung von Kamelienöl

Die richtige Dosierung von Kamelienöl hängt vom Einsatzbereich ab. Hier eine Orientierung für die wichtigsten Anwendungen:

Gesichtspflege: 2–3 Tropfen morgens und/oder abends auf die gereinigte, noch leicht feuchte Haut auftragen und sanft einmassieren. Kann pur oder als Serum-Booster unter einer Feuchtigkeitscreme verwendet werden.

Haarpflege: 3–5 Tropfen in Längen und Spitzen einarbeiten. Als intensive Haarkur 15–30 Minuten (oder über Nacht) einwirken lassen und anschließend gründlich auswaschen. Einige Tropfen ins Shampoo oder die Spülung mischen.

Körperpflege und Massage: Je nach Körperbereich 5–10 Tropfen auf die Haut auftragen und einmassieren. Kamelienöl eignet sich auch als leichtes Körperöl nach dem Duschen, solange die Haut noch feucht ist.

Messerpflege: 2–3 Tropfen auf ein weiches Tuch geben und die Klinge gleichmäßig einreiben. Eine dünne Schicht genügt für einen wirksamen Korrosionsschutz.

Holzpflege: Einige Tropfen auf ein Tuch geben und die Holzoberfläche (Schneidebrett, Messergriff, Bonsai-Werkzeug) gleichmäßig einreiben. Vollständig einziehen lassen.

Grundsätzlich gilt: Weniger ist mehr. Kamelienöl ist sehr ergiebig, und wenige Tropfen reichen in der Regel für eine wirksame Anwendung aus.

Haltbarkeit von Kamelienöl

Kamelienöl zeichnet sich durch eine vergleichsweise lange Haltbarkeit aus – ein Vorteil gegenüber vielen anderen Pflanzenölen. Der hohe Anteil an einfach ungesättigter Ölsäure und der relativ geringe Gehalt an oxidationsanfälligen mehrfach ungesättigten Fettsäuren sorgen dafür, dass das Öl nicht so schnell ranzig wird.

Ungeöffnet und kühl gelagert hält reines Kamelienöl in der Regel 12 bis 24 Monate. Nach dem Öffnen sollte es innerhalb von sechs Monaten aufgebraucht werden. Lagern Sie es an einem kühlen, dunklen Ort und verschließen Sie die Flasche stets luftdicht. Direkte Sonneneinstrahlung und Wärme beschleunigen den Oxidationsprozess.

Erkennen können Sie verdorbenes Kamelienöl an einem ranzigen Geruch, einer veränderten Farbe oder einer ungewöhnlich dickflüssigen Konsistenz. Verdorbenes Öl sollte nicht mehr auf die Haut oder Haare aufgetragen werden, kann aber noch zur Metall- oder Holzpflege verwendet werden.

Kamelienöl Nebenwirkungen

Kamelienöl gilt als sehr gut verträglich und weist nur wenige bekannte Nebenwirkungen auf. Es ist nicht komedogen, nicht reizend und für empfindliche Haut geeignet.[4] In der Studie von Jung et al. (2007) wurde Kamelienöl an 30 Freiwilligen auf der Haut getestet, ohne dass unerwünschte Reaktionen auftraten.

Dennoch empfiehlt es sich – wie bei jedem neuen Pflegeprodukt – vor der ersten großflächigen Anwendung einen Verträglichkeitstest durchzuführen. Tragen Sie dafür eine kleine Menge auf die Innenseite des Unterarms auf und warten Sie 24 Stunden. Sollten Rötungen, Juckreiz oder Schwellungen auftreten, sollte auf die Verwendung verzichtet werden.

Personen mit einer bekannten Allergie gegen Pflanzen der Familie Theaceae sollten Kamelienöl mit Vorsicht verwenden. Bei Verwendung in der Schwangerschaft gibt es zwar keine bekannten Gegenanzeigen für das reine Öl, eine vorherige Rücksprache mit dem Arzt ist jedoch immer ratsam.

Beim Verschlucken größerer Mengen kann Kamelienöl in seltenen Fällen zu Magenbeschwerden führen. Da es in Ostasien jedoch auch als Speiseöl verwendet wird, ist die orale Einnahme kleiner Mengen in der Regel unbedenklich.

Kamelienöl kaufen – Worauf sollte geachtet werden?

Beim Kauf von Kamelienöl ist Qualität entscheidend. Um das beste Produkt für Ihre Bedürfnisse zu finden, sollten Sie folgende Punkte beachten:

Reinheit: Achten Sie auf 100 % reines, kaltgepresstes Kamelienöl ohne Zusatzstoffe, Konservierungsmittel oder Parfüm. Die INCI-Bezeichnung sollte „Camellia Oleifera Seed Oil", „Camellia Japonica Seed Oil" oder „Camellia Sinensis Seed Oil" lauten.

Herkunft und Kamelienart: Für die Hautpflege und Gesichtspflege eignet sich insbesondere Öl aus Camellia oleifera oder Camellia japonica. Für die Messerpflege und den Korrosionsschutz wird häufig chinesisches Kamelienöl (Sinensis-Öl) empfohlen – etwa von Marken wie Sinensis, Böker oder Dictum. Japanisches Kamelienöl (Tsubaki) ist in der Regel teurer, aber für kosmetische Anwendungen besonders geschätzt.

Verpackung: Bevorzugen Sie Kamelienöl in dunklen Glasflaschen, die das Öl vor Lichteinwirkung schützen. Eine Pipette erleichtert die Dosierung.

Bio-Qualität: Wenn verfügbar, greifen Sie zu bio-zertifiziertem Kamelienöl. Es garantiert, dass beim Anbau keine synthetischen Pestizide oder Düngemittel verwendet wurden.

Preis: Hochwertiges, reines Kamelienöl hat seinen Preis. Lassen Sie sich nicht von besonders günstigen Angeboten verleiten – diese enthalten häufig Zusatzstoffe oder sind mit anderen Ölen gestreckt. Für 100 ml reines Kamelienöl sollten Sie je nach Qualität und Herkunft mit 10–25 Euro rechnen.

Kamelienöl ist in Apotheken, Reformhäusern, bei Fachhändlern für japanische Messer sowie in spezialisierten Onlineshops erhältlich. In Drogerien wie dm oder Rossmann wird es gelegentlich als Bestandteil von Kosmetikprodukten angeboten, reines Kamelienöl findet man dort allerdings seltener. Für die Messerpflege bieten Fachhändler wie Dictum und spezialisierte Messershops die beste Auswahl.

Quellen

  1. Luo, F., et al. (2019). Camellia oleifera oil for food, biofuel, and other commercial products: A comprehensive review. Industrial Crops and Products, 139, 111548. doi:10.1016/j.indcrop.2019.111548
  2. Ma, J., Ye, H., Rui, Y., Chen, G., & Zhang, N. (2011). Fatty acid composition of Camellia oleifera oil. Journal of Consumer Protection and Food Safety, 6, 9–12. doi:10.1007/s00003-010-0581-3
  3. Yang, C., Liu, X., Chen, Z., Lin, Y., & Wang, S. (2016). Comparison of Oil Content and Fatty Acid Profile of Ten New Camellia oleifera Cultivars. Journal of Lipids, 2016, 3982486. doi:10.1155/2016/3982486
  4. Jung, E., Lee, J., Baek, J., Jung, K., Lee, J., Huh, S., Kim, S., Koh, J., & Park, D. (2007). Effect of Camellia japonica oil on human type I procollagen production and skin barrier function. Journal of Ethnopharmacology, 112(1), 127–131. doi:10.1016/j.jep.2007.02.012
  5. Wang, X., Zeng, Q., Verardo, V., & del Mar Contreras, M. (2017). Fatty acid and sterol composition of tea seed oils: Their comparison by the "FancyTiles" approach. Food Chemistry, 233, 302–310. doi:10.1016/j.foodchem.2017.04.110
  6. Li, Y., Zheng, X., Wang, C., Hu, Y., & Guo, M. (2024). The Antioxidant, Anti-Inflammatory and Moisturizing Effects of Camellia oleifera Oil and Its Potential Applications. Molecules, 29(9), 2130. doi:10.3390/molecules29092130
  7. Lee, C. P., & Yen, G. C. (2006). Antioxidant activity and bioactive compounds of tea seed (Camellia oleifera Abel.) oil. Journal of Agricultural and Food Chemistry, 54(3), 779–784. doi:10.1021/jf052325a
  8. Majumder, S., Ghosh, A., & Bhattacharya, M. (2020). Natural anti-inflammatory terpenoids in Camellia japonica leaf and probable biosynthesis pathways of the metabolome. Bulletin of the National Research Centre, 44, 141. doi:10.1186/s42269-020-00397-7
  9. Li, P., et al. (2024). Active components and skin care properties of tea seed oil from Camellia sinensis. BioResources, 19(1), 1083–1098. doi:10.15376/biores.19.1.1083-1098
  10. Typology Paris (2024). Kamelienöl: Komedogenitätsgrad und Hautverträglichkeit. Abgerufen am 12.02.2026 von https://de.typology.com/magazin/kamelienol-ist-es-komedogen