Haselnussöl wird aus den Kernen der Gemeinen Haselnuss (Corylus avellana) gewonnen und zählt zu den hochwertigsten Pflanzenölen in Küche und Kosmetik. Das fette Öl lässt sich sowohl innerlich als auch äußerlich verwenden und überzeugt durch seinen charakteristisch nussigen Geschmack sowie ein besonders günstiges Fettsäureprofil mit bis zu 84 Prozent einfach ungesättigter Ölsäure.[1] 
Die Farbe von Haselnussöl variiert je nach Herstellungsverfahren: Werden die Haselnusskerne vor dem Pressen geröstet, entsteht durch die sogenannte Maillard-Reaktion ein dunkleres, goldbraunes Öl mit intensiv nussigem Aroma. Kaltgepresstes Haselnussöl aus ungerösteten Kernen ist dagegen hellgelb bis klar, schmeckt milder und enthält mehr hitzeempfindliche Vitamine – insbesondere einen höheren Gehalt an aktivem α-Tocopherol (Vitamin E).[2]
Haselnusssträucher gehören botanisch zu den Birkengewächsen (Betulaceae). Die erste Ernte erfolgt etwa vier Jahre nach der Pflanzung; den höchsten Ertrag liefern Sträucher im Alter von rund zehn Jahren, und sie können bis zu 50 Jahre alt werden. Vor etwa 8.000 Jahren bedeckten Haselnusssträucher weite Teile Mitteleuropas. Heute ist die Türkei mit rund 70 Prozent der Weltproduktion der größte Haselnussproduzent, gefolgt von Italien und Aserbaidschan.[3] Zu Verwechslungen kann es mit dem chilenischen Avellanaöl aus der Gevuina avellana kommen, das in Zusammensetzung und Wirkung nicht mit europäischem Haselnussöl vergleichbar ist.
Gewinnung von Haselnussöl
Die Gewinnung von Haselnussöl beginnt mit der Ernte reifer Haselnüsse, die anschließend getrocknet und geschält werden. Die Kerne werden zerkleinert, um die Oberfläche zu vergrößern und so die Ölausbeute beim Pressvorgang zu erhöhen. Haselnüsse besitzen einen Ölanteil von 60 bis 68 Prozent und zählen damit zu den fettreichsten Nüssen überhaupt.[1]
Es gibt zwei gängige Verfahren: Bei der Kaltpressung werden die rohen Kerne rein mechanisch und ohne Wärmezufuhr gepresst. Dieses schonende Verfahren bewahrt Vitamine, Phytosterine und sekundäre Pflanzenstoffe im Öl. Das Ergebnis ist ein hochwertiges, natives Haselnussöl mit mildem Nussgeschmack – ideal für die Verwendung als Trägeröl in der Kosmetik und als Speiseöl in der kalten Küche.
Für die geröstete Variante werden die Kerne vor dem Pressen bei kontrollierten Temperaturen angeröstet. Das so gewonnene Haselnussöl überzeugt durch ein deutlich intensiveres, vollmundiges Nussaroma und eine dunklere Farbe. Es eignet sich besonders für Salatdressings, Desserts und zum Verfeinern warmer Gerichte. Allerdings gehen durch die Röstung Teile des empfindlichen Vitamin-E-Gehalts verloren.[2]
Haselnussöl Inhaltsstoffe
Haselnussöl ist besonders reich an einfach ungesättigten Fettsäuren und enthält einen der höchsten Ölsäure-Anteile aller Pflanzenöle – vergleichbar mit hochwertigem Olivenöl. Die wichtigsten Inhaltsstoffe und ihre Anteile im Überblick:[1][4]
- 75 bis 84 Prozent einfach ungesättigte Fettsäuren (Ölsäure / Omega-9)
- 6 bis 17 Prozent mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Linolsäure / Omega-6)
- 5 bis 8 Prozent gesättigte Fettsäuren (Palmitin- und Stearinsäure)
- Vitamin E als α-Tocopherol (ca. 25–33 mg pro 100 g Öl)[5]
- Weitere Vitamine: B-Vitamine und Vitamin K
- Phytosterine, insbesondere β-Sitosterol[6]
- Mineralstoffe: Kalium, Kalzium, Magnesium, Phosphor und Mangan
- Phenolische Verbindungen: Protocatechusäure, Catechin, Kaffeesäure, Ferulasäure[7]
- Squalen (93–885 mg/kg Öl)[3]
Haselnussöl enthält praktisch kein Omega-3 (Alpha-Linolensäure). Wer auf eine ausgewogene Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren achtet, sollte daher ergänzend auf Leinöl oder Algenöl zurückgreifen.
Haselnussöl Kalorien und Nährwerttabelle
| Haselnussöl | |
|---|---|
![]() | |
| 100 g Haselnussöl enthält durchschnittlich: | |
| Nährstoff | Menge |
| Kalorien | 884 kcal (3.701 kJ) |
| Fettgehalt | 100 g |
| Gesättigte Fettsäuren | 7,4 g |
| Ungesättigte Fettsäuren | 92,6 g |
| Einfach ungesättigte Fettsäuren | 78 g |
| Mehrfach ungesättigte Fettsäuren | 10,2 g |
| Cholesterin | 0 mg |
| Natrium | 0 mg |
| Kohlenhydrate | 0 g |
| Ballaststoff | 0 g |
| Zucker | 0 g |
| Protein | 0 g |
| Vitamin E (α-Tocopherol) | ca. 25–33 mg |
| Rauchpunkt (nativ / kaltgepresst) | ca. 150–160 °C |
| Rauchpunkt (raffiniert) | ca. 220 °C |
Im Vergleich zu anderen Pflanzenölen liegt der Kaloriengehalt von Haselnussöl im typischen Bereich reiner Fette. Entscheidend für die gesundheitliche Bewertung ist jedoch nicht die Kalorienzahl, sondern die hochwertige Zusammensetzung der Fettsäuren: Mit über 78 Prozent Ölsäure ähnelt Haselnussöl dem Fettsäureprofil von Olivenöl und gilt als besonders vorteilhaft für das Herz-Kreislauf-System.[8]
Wirkung von Haselnussöl
Haselnussöl entfaltet seine Wirkung sowohl bei der inneren Anwendung als Speiseöl als auch bei der äußeren Anwendung in der Haut- und Haarpflege. Die folgende Übersicht fasst die wissenschaftlich beschriebenen und traditionell bekannten Wirkungen zusammen:
- Feuchtigkeitsspendend und hautpflegend: Ölsäure und Phospholipide stärken die Hautbarriere und verbessern nachweislich die Hautfeuchtigkeit – in klinischen Studien um 20 bis 30 Prozent über einen Zeitraum von 28 Tagen[9]
- Adstringierend (zusammenziehend): Natürliche Tannine verengen die Poren und straffen das Hautbild
- Antioxidativ: α-Tocopherol, Phenolverbindungen und Phytosterine schützen Zellen vor oxidativem Stress und binden freie Radikale[5]
- Entzündungshemmend: Linolsäure und phenolische Verbindungen können entzündliche Hautreaktionen lindern[7]
- Durchblutungsfördernd: Massage mit Haselnussöl regt die lokale Durchblutung an und wärmt die Haut
- Gewebefestigend: Regelmäßige Anwendung kann die Hautelastizität verbessern und das Erscheinungsbild von Cellulite und Dehnungsstreifen mindern
- Cholesterinregulierend: Der hohe Ölsäure-Gehalt kann dazu beitragen, den LDL-Cholesterinspiegel zu senken und das Verhältnis von gutem zu schlechtem Cholesterin zu verbessern[8]
- Zellschützend: β-Sitosterol und Phenolverbindungen aus Haselnüssen zeigen in Laborstudien Schutzwirkungen gegen oxidative Zellschäden[10]
- Regenerierend und wundheilend: Das Öl unterstützt die natürliche Hauterneuerung und kann die Narbenbildung bei kleinen Verletzungen reduzieren
Die Kombination aus hohem Ölsäuregehalt, aktivem Vitamin E und pflanzlichen Phytosterinen macht Haselnussöl zu einem der vielseitigsten Pflanzenöle für Gesundheit und Pflege. In der Kosmetik wird es von Marken wie Clarins als Basisöl für Gesichts- und Körperöle eingesetzt, da es besonders gut in die Haut einzieht, ohne einen fettigen Film zu hinterlassen.[9]
Anwendungsgebiete von Haselnussöl
Haselnussöl ist dank seiner vielfältigen Eigenschaften in zahlreichen Bereichen einsetzbar. Die bekanntesten Anwendungsgebiete sind:
- Hautpflege bei spröder, trockener und reifer Haut
- Gesichtspflege und Make-up-Entfernung
- Akne, Pickel und unreine Haut
- Krampfadern (Varikosis) und Cellulite
- Neurodermitis und schuppige Kopfhaut
- Haarpflege bei trockenem, glanzlosem Haar
- Massageöl für Körper und Gesicht
- Rosacea und Couperose
- Unterstützender Sonnenschutz
- Hautreinigung bei empfindlicher Haut
Haselnussöl für die Hautpflege
In der Hautpflege gehört Haselnussöl zu den beliebtesten Basisölen, da es schnell einzieht, die Haut nicht beschwert und für nahezu jeden Hauttyp geeignet ist. Der hohe Gehalt an Ölsäure bildet einen schützenden Lipidfilm, der die Feuchtigkeit in der Haut einschließt und die natürliche Hautbarriere stärkt. Eine klinische Studie mit 56 Probandinnen zeigte, dass eine kosmetische Emulsion mit nativem Haselnussöl die Hautfeuchtigkeit signifikant und langanhaltend verbesserte – der Effekt hielt über 28 Tage an.[9]
Für die tägliche Pflege trockener Hautpartien genügen wenige Tropfen reines Haselnussöl, das nach dem Duschen auf die noch leicht feuchte Haut aufgetragen wird. Alternativ lässt sich das Öl auch in die gewohnte Pflegelotion einmischen. Bei Neurodermitis oder besonders trockener Haut empfiehlt sich die Kombination mit Nachtkerzenöl, das zusätzlich Gamma-Linolensäure liefert.
Haselnussöl für die Gesichtspflege
Für die Gesichtspflege ist Haselnussöl besonders geeignet, weil es zu den sogenannten „trockenen Ölen" zählt: Es zieht rasch ein und hinterlässt keinen glänzenden Film. Die adstringierende Wirkung durch natürliche Tannine verfeinert das Hautbild und verkleinert optisch große Poren. Gleichzeitig reguliert das Öl die Talgproduktion, weshalb es auch bei Mischhaut und fettiger Haut hilfreich sein kann.
Verwenden Sie reines, kaltgepresstes Haselnussöl am Abend als natürlichen Make-up-Entferner: Einige Tropfen auf ein Wattepad geben und das Gesicht sanft reinigen. Das Öl löst selbst wasserfeste Produkte zuverlässig, pflegt die Haut gleichzeitig und wirkt dem Entstehen neuer Unreinheiten entgegen. Das Vitamin E im Öl schützt dabei vor vorzeitiger Hautalterung durch freie Radikale.[5]
Haselnussöl gegen Akne und Pickel
Obwohl es auf den ersten Blick widersprüchlich klingt, kann Haselnussöl bei Akne und Pickeln helfen. Die Linolsäure im Öl wirkt entzündungshemmend, während die adstringierende Wirkung die Poren zusammenzieht und so das Eindringen von Bakterien erschwert. Studien zeigen, dass Haselnussöl zudem leicht antimikrobielle Eigenschaften besitzt.[7]
Für ein wirksames Anti-Akne-Öl können Sie folgende Rezeptur anmischen:
- 15 ml Haselnussöl
- 5 ml Hagebuttenöl
- 10 ml Hanföl
- 8 Tropfen reines Eukalyptusöl
- 2 Tropfen Zypressenöl
- 4 Tropfen Lavendelöl
- 2 Tropfen Geranienöl
- 2 Tropfen Korianderöl
- 2 Tropfen Patchouli Öl
Tragen Sie das Wirköl nach der abendlichen Gesichtsreinigung dünn auf die betroffenen Stellen auf. Beachten Sie, dass ätherische Öle konzentriert sind und in der Schwangerschaft nur nach Rücksprache mit einem Arzt verwendet werden sollten.
Haselnussöl für Haare und Kopfhaut
Trockenes, sprödes oder glanzloses Haar profitiert von einer regelmäßigen Ölkur mit Haselnussöl. Die Ölsäure glättet aufgeraute Haarschuppen und sorgt für natürlichen Glanz, während Vitamin E die Haarstruktur von innen stärkt. Auch bei schuppiger, trockener Kopfhaut kann das Öl Linderung verschaffen.
Für eine intensive Haarkur massieren Sie einige Teelöffel erwärmtes Haselnussöl in Kopfhaut und Haarlängen ein, wickeln ein warmes Handtuch um den Kopf und lassen die Kur mindestens 30 Minuten – idealerweise über Nacht – einwirken. Am nächsten Morgen gründlich mit einem milden Shampoo auswaschen. Bei regelmäßiger Anwendung alle ein bis zwei Wochen wird das Haar spürbar geschmeidiger und glänzender. Wer möchte, kann dem Haselnussöl einige Tropfen Rosmarinöl beimischen, das die Durchblutung der Kopfhaut zusätzlich fördert.
Haselnussöl als natürlicher Sonnenschutz
Haselnussöl bietet dank seines Vitamin-E-Gehalts und seiner antioxidativen Inhaltsstoffe einen gewissen natürlichen Schutz vor UV-Strahlung. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch, dass Pflanzenöle allgemein nur einen geringen Lichtschutzfaktor (SPF) von etwa 2 bis 8 aufweisen.[11] Haselnussöl kann daher eine herkömmliche Sonnencreme nicht ersetzen, aber als ergänzende Pflege die Haut vor oxidativem Stress durch Sonneneinstrahlung schützen.
Wenn Sie Haselnussöl als Teil Ihres Sonnenschutzes nutzen möchten, tragen Sie es unter Ihrer gewohnten Sonnencreme auf. Die antioxidativen Eigenschaften des Öls können die hautalternden Effekte der UV-Strahlung zusätzlich abmildern und die Haut nach dem Sonnenbad regenerieren. Für zuverlässigen UV-Schutz sollten Sie jedoch stets ein geprüftes Sonnenschutzprodukt mit ausreichend hohem Lichtschutzfaktor verwenden.
Haselnussöl als Massageöl
Dank seines hohen Ölsäuregehalts eignet sich Haselnussöl hervorragend als Massageöl. Es zieht langsam genug ein, um ein angenehmes Gleiten über die Haut zu ermöglichen, hinterlässt aber keinen unangenehm fettigen Film. Die durchblutungsfördernde Wirkung sorgt für ein wohliges Wärmegefühl während der Massage, während das Gewebe gleichzeitig gestrafft und gefestigt wird.
Für ein entspannendes Massageöl können Sie Haselnussöl mit Jojobaöl im Verhältnis 1:1 mischen und einige Tropfen eines ätherischen Öls wie Sandelholzöl oder Ylang-Ylang-Öl hinzufügen. Regelmäßige Massagen mit Haselnussöl können dazu beitragen, Dehnungsstreifen zu mildern und das Erscheinungsbild von Cellulite und Krampfadern zu verbessern. Das Öl eignet sich auch als Basis für selbst gemachte Massageöl-Mischungen.
Haselnussöl bei Rosacea
Die zusammenziehende, adstringierende Wirkung von Haselnussöl kann bei Rosacea und Couperose unterstützend wirken. Das Öl verengt erweiterte Blutgefäße, beruhigt gereizte Haut und stärkt die Hautbarriere. Für ein gezieltes Pflegeöl bei Rosacea eignet sich folgende Mischung:
- 15 ml Haselnussöl
- 1 Tropfen Zitronenöl
- 1 Tropfen Zypressenöl
- 1 Tropfen Limettenöl
Passen Sie die Rezeptur bei Bedarf an Ihre persönlichen Bedürfnisse an: Tauschen Sie ätherische Öle aus, die Sie nicht vertragen, oder variieren Sie die Dosierung leicht. Da jede Haut individuell auf Ölmischungen reagiert, empfiehlt sich ein Patch-Test an der Innenseite des Unterarms, bevor Sie eine neue Mischung im Gesicht anwenden.
Haselnussöl in der Küche – Verwendung, Rezepte und Braten
In der Küche gehört Haselnussöl zu den aromatischsten Speiseölen und verleiht Gerichten eine feine, nussige Note. Es ist vielseitig einsetzbar – allerdings eignet sich nicht jede Sorte für jede Zubereitungsart.
Kaltgepresstes (natives) Haselnussöl hat einen Rauchpunkt von circa 150 bis 160 °C und sollte daher nicht zum scharfen Anbraten oder Frittieren verwendet werden. Es ist ideal für die kalte Küche: Salatdressings, Vinaigrettes, Dips, Marinaden, als Finish über warme Gerichte oder zum Aromatisieren von Desserts, Crêpes und Backwaren. Beim Backen liegt die Kerntemperatur des Backguts meist unter 100 °C, sodass natives Haselnussöl hier problemlos eingesetzt werden kann.
Raffiniertes Haselnussöl verträgt höhere Temperaturen (Rauchpunkt ca. 220 °C) und kann zum Dünsten und leichten Braten verwendet werden. Es hat jedoch ein weniger intensives Aroma und einen geringeren Gehalt an wertvollen Nährstoffen als die kaltgepresste Variante.[12] Einen ausführlichen Überblick über die Eignung verschiedener Öle zum Erhitzen finden Sie in unserem Ratgeber zum Rauchpunkt von Ölen und Fetten.
Beliebte Verwendungen von Haselnussöl in der Küche sind:
- Salatdressings: Besonders Feldsalat, Radicchio und Rucola harmonieren mit dem nussigen Aroma – hervorragend in Kombination mit Sherryessig oder Balsamico
- Desserts und Backwaren: Crêpes, Waffeln, Nusskuchen, Plätzchen und Schokoladendesserts
- Warme Gerichte: Als Finishing-Öl über Risotto, Pasta, gebratenes Wurzelgemüse oder Ziegenkäse
- Suppen: Einige Tropfen über Kürbis-, Maronen- oder Pilzsuppen verfeinern den Geschmack
Haselnussöl lässt sich in vielen Rezepten als gesunde Alternative zu Walnussöl oder Butter einsetzen. Im Vergleich zu Walnussöl schmeckt Haselnussöl milder und weniger bitter, hat aber ein ähnlich günstiges Fettsäureprofil. Walnussöl liefert allerdings mehr Omega-3-Fettsäuren.
Haselnussöl selber machen
Echtes, kaltgepresstes Haselnussöl lässt sich zu Hause ohne eine professionelle Ölpresse nur schwer herstellen. Falls Sie größere Mengen Haselnüsse aus dem eigenen Garten verwerten möchten, bieten einige regionale Ölmühlen die Möglichkeit einer Lohnpressung an.
Für die Küche gibt es jedoch eine einfache Alternative: ein mazeriertes Haselnussöl. Dafür rösten Sie 200 g geschälte Haselnüsse leicht im Ofen (ca. 10 Minuten bei 150 °C), lassen sie abkühlen, zerkleinern sie grob und übergießen sie in einem verschließbaren Glas mit ca. 250 ml neutral schmeckendem Pflanzenöl (z. B. Sonnenblumenöl). Das Glas wird dunkel und bei Raumtemperatur für drei bis vier Wochen gelagert, wobei Sie es alle paar Tage schütteln sollten. Danach das Öl durch ein feines Sieb filtern – fertig ist Ihr selbstgemachtes, aromatisches Haselnussöl für Dressings und Desserts. Beachten Sie: Dieses mazerierte Öl besitzt zwar das nussige Aroma, aber nicht die komplette Nährstoffzusammensetzung eines echten, kaltgepressten Haselnussöls.
Haselnussöl Haltbarkeit und Lagerung
Ungeöffnetes, kaltgepresstes Haselnussöl in einer dunklen Glasflasche ist bei kühler, lichtgeschützter Lagerung bis zu 12 Monate haltbar. Geröstetes Haselnussöl kann in der verschlossenen Originalflasche aufgrund der leicht höheren Oxidationsstabilität bis zu 24 Monate aufbewahrt werden.
Nach dem Öffnen sollte Haselnussöl stets im Kühlschrank aufbewahrt und innerhalb von zwei bis drei Monaten verbraucht werden, da es durch seinen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren oxidationsanfällig ist. Bewahren Sie das Öl immer lichtgeschützt auf, da UV-Strahlung den Abbau von Vitamin E beschleunigt. Riechen Sie vor jeder Verwendung kurz am Öl: Ein ranziger, beißender Geruch zeigt an, dass es verdorben ist und nicht mehr verwendet werden sollte. Grundlegende Tipps zur Haltbarkeit von Speiseölen finden Sie in unserem Ratgeber.
Haselnussöl Nebenwirkungen und Allergien
Haselnussöl gilt bei äußerlicher Anwendung als sehr gut verträglich und verursacht in der Regel keine Nebenwirkungen. Dennoch gibt es einige wichtige Hinweise:
Nussallergie: Menschen mit einer nachgewiesenen Allergie gegen Baumnüsse (insbesondere Haselnüsse) sollten Haselnussöl grundsätzlich meiden – auch bei der äußerlichen Anwendung. Zwar enthalten kaltgepresste Öle deutlich weniger Allergene als die Nuss selbst, eine allergische Reaktion kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. Führen Sie im Zweifelsfall immer einen Patch-Test durch: Tragen Sie eine kleine Menge Öl auf die Innenseite des Unterarms auf und beobachten Sie die Stelle über 24 Stunden.
Komedogenität: Haselnussöl hat eine niedrige bis mittlere Komedogenität (Wert 1–2 auf einer Skala von 0–5). Es verstopft die Poren in der Regel nicht und ist für die meisten Hauttypen geeignet, kann bei sehr empfindlicher, zu Unreinheiten neigender Haut aber vereinzelt Mitesser begünstigen. Eine Übersicht über komedogene und nicht komedogene Öle hilft bei der Einschätzung.
Innerliche Anwendung: Beim Verzehr als Speiseöl sind keine Nebenwirkungen bekannt – vorausgesetzt, es besteht keine Nussallergie. Bei gleichzeitiger Einnahme von Blutgerinnungshemmern sollte aufgrund des hohen Vitamin-E-Gehalts vorsorglich der behandelnde Arzt konsultiert werden.
Haselnussöl kaufen – Worauf sollte man achten?
Beim Kauf von Haselnussöl gibt es mehrere Qualitätsmerkmale, die ein hochwertiges Produkt auszeichnen. Da die Türkei rund 70 Prozent der globalen Haselnussproduktion liefert, stammt der Großteil der Öle von dort – zunehmend werden aber auch Haselnüsse aus Italien, Frankreich, Kroatien und dem Piemont verarbeitet.[3]
Achten Sie beim Kauf auf folgende Kriterien:
- Bio-Qualität: Bio-zertifiziertes Haselnussöl stellt sicher, dass keine synthetischen Pestizide eingesetzt wurden
- Kaltpressung: Die Angabe „kaltgepresst" oder „nativ" garantiert eine schonende Herstellung, bei der Vitamine und Phytosterine erhalten bleiben
- Erstpressung: Ein hochwertiges Haselnussöl sollte eine ausgewiesene Erstpressung sein
- Botanische Bezeichnung: Auf dem Etikett sollte Corylus avellana als Rohstoff angegeben sein
- Geröstet oder ungeröstet: Für kosmetische Zwecke eignet sich kaltgepresstes Öl aus ungerösteten Kernen besser; für die Küche bevorzugen viele das intensivere Aroma der gerösteten Variante
- Verpackung: Dunkle Glasflaschen schützen das Öl vor lichtbedingter Oxidation
- Haltbarkeitsdatum: Ein Produktions- oder Mindesthaltbarkeitsdatum muss auf dem Etikett angegeben sein
Haselnussöl ist in Reformhäusern, Bio-Läden, gut sortierten Supermärkten (z. B. Edeka, Rewe) sowie in Drogeriemärkten wie dm und Rossmann erhältlich. Kaltgepresstes Bio-Haselnussöl in 250-ml-Flaschen liegt preislich meist zwischen 10 und 25 Euro. Online bieten spezialisierte Ölmühlen oft eine größere Auswahl an Sorten und Qualitäten.
Als Alternative zu Haselnussöl eignen sich je nach Einsatzzweck Mandelöl (Kosmetik), Walnussöl (Küche) oder Jojobaöl (Gesichtspflege). Wer eine deutlich günstigere Option mit ähnlichem Fettsäureprofil sucht, kann auf Macadamiaöl oder hochwertiges Olivenöl zurückgreifen.
Häufige Fragen zu Haselnussöl
Ist Haselnussöl gesund?
Ja, Haselnussöl gilt als besonders gesundes Pflanzenöl. Der hohe Anteil an einfach ungesättigter Ölsäure (bis zu 84 %) kann dazu beitragen, den LDL-Cholesterinspiegel zu senken und das Herz-Kreislauf-System zu schützen. Dazu kommen Vitamin E als starkes Antioxidans, Phytosterine und phenolische Verbindungen, die zusammen einen umfassenden Zellschutz bieten.[8][6]
Kann man mit Haselnussöl braten?
Natives, kaltgepresstes Haselnussöl hat einen Rauchpunkt von nur ca. 150 °C und ist daher zum scharfen Anbraten nicht geeignet. Es sollte bevorzugt in der kalten Küche oder als Finish über fertige Gerichte verwendet werden. Raffiniertes Haselnussöl verträgt Temperaturen bis ca. 220 °C und eignet sich zum Dünsten und leichten Braten, hat aber weniger Aroma und Nährstoffe.
Kann man Haselnussöl für Hunde verwenden?
Grundsätzlich ist Haselnussöl für Hunde nicht giftig und kann in kleinen Mengen als Nahrungsergänzung dem Futter beigemischt werden, um Fell und Haut zu pflegen. Allerdings reagieren manche Hunde empfindlich auf Nussöle. Beginnen Sie daher mit sehr geringen Mengen (ein halber Teelöffel) und beobachten Sie, ob Ihr Hund das Öl verträgt. Für die äußerliche Fellpflege bei Hunden ist Kokosöl in der Regel die bekanntere und besser erforschte Wahl.
Was ist der Unterschied zwischen Haselnussöl und Walnussöl?
Beide Nussöle schmecken nussig, unterscheiden sich aber in der Zusammensetzung: Haselnussöl enthält vorwiegend Ölsäure (Omega-9) und ist dem Olivenöl ähnlich, während Walnussöl deutlich mehr Alpha-Linolensäure (Omega-3) liefert. Geschmacklich ist Haselnussöl milder und weniger bitter als Walnussöl. Für die Hautpflege ist Haselnussöl dank seiner adstringierenden Tannine oft besser geeignet, während Walnussöl in der Küche als Omega-3-Quelle punktet.
Wie lagert man Haselnussöl richtig?
Bewahren Sie geöffnetes Haselnussöl im Kühlschrank auf und verbrauchen Sie es innerhalb von zwei bis drei Monaten. Ungöffnet und dunkel gelagert hält kaltgepresstes Haselnussöl bis zu 12 Monate, geröstetes bis zu 24 Monate.
Enthält Haselnussöl Omega-3-Fettsäuren?
Nein, Haselnussöl enthält praktisch kein Omega-3 (Alpha-Linolensäure). Es ist vor allem reich an Omega-9 (Ölsäure) und enthält moderate Mengen an Omega-6 (Linolsäure). Für eine ausgewogene Omega-3-Versorgung sollte Haselnussöl mit Leinöl, Chiaöl oder Algenöl ergänzt werden.
Quellen
- Bacchetta, L., Aramini, M., Zini, A., et al. (2013). Fatty acid content profile and main constituents of Corylus avellana kernel in wild type and cultivars growing in Italy. European Journal of Lipid Science and Technology, 115(12), 1378–1385. doi:10.1002/ejlt.201300252
- Alasalvar, C., Pelvan, E., & Topal, B. (2010). Effects of roasting on oil and fatty acid composition of Turkish hazelnut varieties (Corylus avellana L.). International Journal of Food Sciences and Nutrition, 61(6), 630–642. doi:10.3109/09637481003691820
- Ferrão, A. C., Guilherme, R., Ferrão, A. C., et al. (2024). Hazelnut (Corylus avellana L.) – A review on its composition, processing, health effects, and future prospects. Food Reviews International. (Review-Artikel zu Zusammensetzung, Phytosterolen und weltweiter Produktion)
- Deng, N., Yang, K., & Zhao, Y. (2017). Comparative analysis of oils of 8 cold-resistant flat-European hybrid varieties of hazelnuts. Food Science, 38(16), 183–188.
- Kornsteiner, M., Wagner, K.-H., & Elmadfa, I. (2006). Tocopherols and total phenolics in 10 different nut types. Food Chemistry, 98(2), 381–387. doi:10.1016/j.foodchem.2005.07.033
- Ferrão, A. C. et al. (2023). Phytoextracts for Human Health from Raw and Roasted Hazelnuts and from Hazelnut Skin and Oil: A Narrative Review. Nutrients, 15(11), 2542. doi:10.3390/nu15112542
- Contini, M., Frangipane, M. T., & Massantini, R. (2011). Antioxidants in Hazelnuts (Corylus avellana L.). In V. R. Preedy et al. (Hrsg.), Nuts and Seeds in Health and Disease Prevention (S. 611–625). Academic Press.
- Tey, S. L., Brown, R. C., Chisholm, A. W., et al. (2011). Effects of different forms of hazelnuts on blood lipids and α-tocopherol concentrations in mildly hypercholesterolemic individuals. European Journal of Clinical Nutrition, 65(1), 117–124. doi:10.1038/ejcn.2010.200
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- Esposito, T., et al. (2023). Study of the Apoptotic Impacts of Hazelnut Oil on the Colorectal Cancer Cell Line. Journal of Gastrointestinal Cancer, 54, 236–243. doi:10.1007/s12029-022-00807-5
- Kaur, C. D., & Saraf, S. (2010). In vitro sun protection factor determination of herbal oils used in cosmetics. Pharmacognosy Research, 2(1), 22–25. doi:10.4103/0974-8490.60586
- Durmaz, G., & Gökmen, V. (2019). Impact of refining on bioactive composition and oxidative stability of hazelnut oil. Food Research International, 116, 586–591. doi:10.1016/j.foodres.2018.08.077










