Hanföl gehört zu den wertvollsten Speiseölen überhaupt. Mit einem Anteil von über 80 Prozent mehrfach ungesättigter Fettsäuren und einem ernährungsphysiologisch idealen Omega-6-zu-Omega-3-Verhältnis von 3:1 übertrifft das aus den Samen der Hanfpflanze (Cannabis sativa) gewonnene Öl nahezu jedes andere Pflanzenöl.[1] Dazu kommt die seltene Gamma-Linolensäure (GLA), die entzündungshemmend wirkt und in nur wenigen Speiseölen vorkommt. Der nussige, leicht kräuterige Geschmack des grünlich-golden schimmernden Hanföls bereichert die moderne Küche und macht es zur idealen Wahl für Salate, Dips und kalte Gerichte. Wichtig: Hanföl ist ein reines Speiseöl aus Hanfsamen und enthält kein THC – es hat nichts mit CBD-Öl zu tun und macht nicht „high".

Gewinnung von Hanföl
Hanföl wird durch schonende Kaltpressung aus den Samen der Nutzhanfpflanze gewonnen. Nur bei diesem Verfahren bleiben die hitzeempfindlichen Fettsäuren, Vitamine und Antioxidantien vollständig erhalten. Bei der Kaltpressung werden die gereinigten Hanfsamen mechanisch gepresst, ohne Einsatz von chemischen Lösungsmitteln oder Raffinationsprozessen. Das Pressen erfolgt idealerweise so langsam, dass die Temperatur unter 40 °C bleibt und keine schädliche Reibungswärme entsteht.[2]
In manchen Ölmühlen werden die Samen vor dem Pressen leicht vorgewärmt, um die Ölausbeute zu erhöhen. Dieser Vorgang ist vom eigentlichen Pressverfahren unabhängig und wird in der Fachsprache als „Konditionierung" bezeichnet. Hochwertige Bio-Hanföle aus nachhaltig produzierenden Ölmühlen verzichten häufig auf diesen Schritt, um die volle Bandbreite an Inhaltsstoffen zu bewahren. Nach dem Pressen wird das Öl gefiltert und direkt abgefüllt – ohne Raffination, Bleichung oder Desodorierung. So bleibt die charakteristische grünlich-goldene Farbe erhalten, die auf den hohen Gehalt an Chlorophyll und Carotinoiden zurückzuführen ist.
Hanföl Inhaltsstoffe
Was Hanföl von anderen Speiseölen abhebt, ist vor allem die einzigartige Zusammensetzung seiner Fettsäuren. Mehr als 80 Prozent der Bestandteile sind ungesättigte Fettsäuren, die im Körper lebenswichtige Funktionen erfüllen: Sie transportieren Sauerstoff, sind am Aufbau der Zellmembranen beteiligt und spielen eine zentrale Rolle bei der Hormonproduktion sowie im Immunsystem.[1]
Besonders hervorzuheben ist das Verhältnis der essentiellen Fettsäuren Omega-6 (Linolsäure) zu Omega-3 (Alpha-Linolensäure). Im Hanföl liegt es bei etwa 3:1 – ein Wert, den die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) als optimal für den menschlichen Organismus einstuft.[3] Zum Vergleich: Sonnenblumenöl weist ein Verhältnis von rund 120:1 auf, Maiskeimöl von etwa 50:1 und Distelöl sogar von 150:1.[4] Ein derartiger Überschuss an Omega-6-Fettsäuren kann chronische Entzündungsprozesse im Körper begünstigen, da die Linolsäure zu entzündungsfördernder Arachidonsäure umgewandelt wird.
Die Fettsäurezusammensetzung pro 100 ml Hanföl im Detail:
Linolsäure (Omega-6): 50–65 g, Alpha-Linolensäure (Omega-3): 15–25 g, Ölsäure (einfach ungesättigt): 10–16 g, Gamma-Linolensäure (Omega-6): 2–4 g, Stearidonsäure (Omega-3): 0,5–2 g, Gesättigte Fettsäuren: 8–11 g.[2]
Darüber hinaus enthält Hanföl weitere wertvolle Mikronährstoffe: Chlorophyll verleiht dem Öl seine grünliche Farbe und unterstützt die Zellerneuerung. Beta-Carotin – die Vorstufe von Vitamin A – stärkt das Immunsystem und fördert die Sehkraft. Vitamin E wirkt als starkes Antioxidans und schützt die Zellen vor oxidativem Stress. Ergänzt werden diese durch die Mineralstoffe Phosphor, Kalium, Magnesium, Calcium, Eisen, Natrium, Mangan, Zink und Kupfer sowie die Vitamine B1 und B2.[5]
Hanföl Kalorien und Nährwerttabelle
| Hanföl | |
|---|---|
![]() | |
| 100 g Hanföl enthält durchschnittlich: | |
| Nährstoff | Menge |
| Kalorien | 879 kcal (3.680 kJ) |
| Fettgehalt | 100 g |
| Gesättigte Fettsäuren | 9 g |
| Ungesättigte Fettsäuren | 91 g |
| Einfach ungesättigte Fettsäuren | 13 g |
| Mehrfach ungesättigte Fettsäuren | 78 g |
| davon Omega-6 (Linolsäure) | 55 g |
| davon Omega-3 (Alpha-Linolensäure) | 19 g |
| davon Gamma-Linolensäure (GLA) | 3 g |
| Cholesterin | 0 mg |
| Natrium | 0 mg |
| Kohlenhydrate | 0 g |
| Ballaststoffe | 0 g |
| Zucker | 0 g |
| Protein | 0 g |
| Vitamin E | ca. 6 mg |
| Rauchpunkt | ca. 165 °C |
Wirkung von Hanföl
Die gesundheitliche Wirkung von Hanföl als Speiseöl basiert vor allem auf seinem außergewöhnlichen Fettsäureprofil. Das optimale Omega-6-zu-Omega-3-Verhältnis von 3:1 unterstützt den Körper auf vielfältige Weise: Die essentiellen Fettsäuren fördern die Zellregeneration, stärken das Immunsystem, regulieren Entzündungsprozesse und tragen zu einem gesunden Herz-Kreislauf-System bei.[3]
Die im Hanföl enthaltene Gamma-Linolensäure (GLA) ist dabei von besonderer Bedeutung. Diese seltene Omega-6-Fettsäure wird im Körper zu Dihomo-Gamma-Linolensäure (DGLA) umgewandelt, die als Vorstufe entzündungshemmender Gewebshormone (Prostaglandin E1) dient.[6] GLA kommt in der Natur nur in wenigen Pflanzenölen vor – neben Hanföl enthalten vor allem Nachtkerzenöl, Borretschöl und Schwarzkümmelöl nennenswerte Mengen.
Zusätzlich enthält Hanföl die Omega-3-Fettsäure Stearidonsäure (SDA), die im Körper besonders effizient in die entzündungshemmende Eicosapentaensäure (EPA) umgewandelt werden kann – deutlich effizienter als die Alpha-Linolensäure allein.[7] Gemeinsam bilden GLA und SDA ein Team, das chronischen Entzündungen über mehrere Stoffwechselwege entgegenwirkt. Regelmäßiger Verzehr von Hanföl kann zudem dazu beitragen, den Cholesterinspiegel positiv zu beeinflussen und die Fließeigenschaften des Blutes zu verbessern.[8]
Anwendungsgebiete von Hanföl
Die Hanfpflanze ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Seit Jahrtausenden wurden ihre Samen, Fasern und Blätter vielseitig genutzt – als Nahrungsmittel, zur Herstellung von Textilien und Seilen sowie in der traditionellen Heilkunde. In Osteuropa gehörte ein Brei aus Hanfsamen und Hafer lange Zeit zu den Grundnahrungsmitteln, und auch in der chinesischen Medizin spielte Hanf über Jahrhunderte eine zentrale Rolle.[2] Heute erlebt Hanföl als hochwertiges Speiseöl ein verdientes Comeback, nachdem die Nutzpflanze im 20. Jahrhundert durch die Kriminalisierung von Cannabis zu Unrecht in Verruf geraten war.
Hanföl für die Haut
Das Fettsäuremuster von Hanföl (Omega-6 zu Omega-3 im Verhältnis 3:1) entspricht nahezu dem der menschlichen Hautlipide – eine biochemische Besonderheit, die kein anderes bekanntes Speiseöl in dieser Form aufweist.[9] Hanföl zieht schnell in die Haut ein, ohne die Poren zu verstopfen, und eignet sich daher hervorragend als natürliches Pflegeöl für alle Hauttypen. Die Gamma-Linolensäure stärkt die Hautbarriere, reduziert den transepidermalen Wasserverlust und hilft der Haut, Feuchtigkeit besser zu speichern.
Äußerlich angewendet wirkt Hanföl besonders gut gegen trockene, rissige Haut und unterstützt die Wiederherstellung der Hautlipide. Die enthaltenen Phytosterine (Beta-Sitosterol und Campesterin) regulieren zusätzlich den Feuchtigkeitsgehalt und können Hautreizungen lindern.[9] Da beim konventionellen Anbau von Nutzhanf aufgrund der natürlichen Robustheit der Pflanze in der Regel keine Pestizide und Herbizide eingesetzt werden müssen, ist die Hautverträglichkeit von Hanföl besonders hoch.
Im Alltag wird die Haut durch zahlreiche Faktoren beansprucht: trockene Heizungsluft, aggressive Reinigungsprodukte, UV-Strahlung und Stress. Hanföl kann hier sowohl innerlich über die Nahrung als auch äußerlich als Pflegeöl angewendet werden und entfaltet so eine doppelte Wirkung. Als nicht-komedogenes Öl eignet es sich auch für unreine oder zu Akne neigende Haut.
Hanföl bei Neurodermitis
Neurodermitis (atopisches Ekzem) zählt zu den häufigsten Hauterkrankungen und geht mit quälendem Juckreiz, Hauttrockenheit und schuppenden, roten Hautveränderungen einher. Besonders Säuglinge und Kleinkinder sind betroffen. Bei Neurodermitis-Patienten wurde ein Enzymdefekt (verminderte Aktivität der Delta-6-Desaturase) nachgewiesen, der die Umwandlung von Linolsäure in Gamma-Linolensäure beeinträchtigt. Dadurch entsteht ein GLA-Mangel, der die Hautbarriere schwächt und Entzündungsprozesse begünstigt.[6]
In einer randomisierten Cross-over-Studie der Universität Kuopio (Finnland) untersuchten Forscher die Wirkung von Hanföl bei Neurodermitis. 20 Patienten nahmen über 20 Wochen täglich entweder 30 ml Hanföl oder Olivenöl ein. Die Ergebnisse waren eindeutig: Unter der Hanföl-Einnahme verbesserten sich Hauttrockenheit und Juckreiz signifikant, und der Bedarf an äußerlich anzuwendenden Medikamenten sank deutlich.[10] Die Forscher führten die positive Wirkung auf die ausgewogene Versorgung mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren zurück, insbesondere auf GLA und die Omega-3-Fettsäure Stearidonsäure.
Für die Behandlung von Neurodermitis empfiehlt es sich, Hanföl sowohl über die Nahrung einzunehmen als auch äußerlich auf die betroffenen Hautstellen aufzutragen. Wichtig ist dabei Geduld: Da es sich um ein pflanzliches Mittel handelt, setzt die Wirkung nicht sofort ein, sondern entfaltet sich über einen Zeitraum von mehreren Wochen regelmäßiger Anwendung.
Hanföl für die Haare
Hanföl eignet sich hervorragend, um Kopfhaut und Haare mit Feuchtigkeit und Nährstoffen zu versorgen. Die essentiellen Fettsäuren stärken die Haarstruktur, schützen vor Umwelteinflüssen und können Schuppen sowie trockener Kopfhaut entgegenwirken. Für eine Haarkur wird ein Esslöffel Hanföl in die Kopfhaut einmassiert und mit einer Bürste bis in die Haarspitzen verteilt. Nach etwa 20 Minuten Einwirkzeit wird es mit einem milden Shampoo ausgewaschen. Bei regelmäßiger Anwendung berichten viele Anwender von geschmeidigerem, glänzenderem Haar und einer beruhigten Kopfhaut. Auch als natürlicher Conditioner kann Hanföl eingesetzt werden, indem wenige Tropfen nach dem Waschen in die feuchten Haarspitzen eingearbeitet werden.
Hanföl für den Hund
Als Nahrungsergänzung im Futter kann Hanföl dem Hund zu gesunder Haut und glänzendem Fell verhelfen. Tierärztliche Erfahrungsberichte zeigen, dass die regelmäßige Zugabe von Hanföl besonders bei älteren Hunden belebend wirkt und auch bei Abmagerung und Kraftlosigkeit positive Resultate erzielen kann. Anhaltende Verdauungsstörungen konnten in einigen Fällen durch die Verabreichung von Hanföl gebessert werden, da die essentiellen Fettsäuren die Darmschleimhaut unterstützen und die Peristaltik regulieren. Auch bei Gelenkproblemen und Arthritis werden positive Effekte berichtet, was auf die entzündungshemmende Wirkung der Gamma-Linolensäure und der Omega-3-Fettsäuren zurückzuführen ist.
Die empfohlene Dosierung für Hunde liegt bei etwa einem halben Teelöffel pro 10 kg Körpergewicht täglich, dem Futter untergemischt. Beginnen Sie mit einer kleineren Menge und steigern Sie diese langsam, damit sich der Verdauungstrakt anpassen kann.
Hanföl für das Pferd
Besonders ältere, abgemagerte und schwerfuttrige Pferde profitieren von der Zugabe von Hanföl zum Futter. Der nussige Geschmack wird von den meisten Pferden gut angenommen, und das Öl wirkt appetitanregend und ausgleichend. Besonders während des Fellwechsels, der älteren Pferden oft zuschweren macht, kann Hanföl den Allgemeinzustand verbessern und den Fellglanz wiederherstellen. Auch auf das Hufwachstum und die Hornbildung wirkt sich Hanföl positiv aus.[11] Darüber hinaus berichten Pferdehalter von Verbesserungen beim Equinen Metabolischen Syndrom (Cushing). Ein bewährter Tipp: Mischen Sie geriebene Karotten mit etwas Apfelessig und Hanföl – das enthaltene Beta-Carotin der Karotten wird durch die Beigabe von Öl erst richtig vom Körper aufgenommen und verwertet.
Hanföl bei Hormonstörungen und Bluthochdruck
Die im Hanföl enthaltene Gamma-Linolensäure spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation des Hormonhaushalts. Bei Frauen in den Wechseljahren oder bei Regelbeschwerden kann die regelmäßige Einnahme von Hanföl dazu beitragen, hormonelle Schwankungen auszugleichen und Begleitsymptome wie Stimmungsschwankungen oder Spannungsgefühle zu mildern.[6]
Auch bei Bluthochdruck kann Hanföl unterstützend wirken. Die Omega-3-Fettsäuren fördern die Elastizität der Blutgefäße und können helfen, den Blutdruck auf natürliche Weise zu senken. Wer unter zu hohem Blutdruck leidet, ist zudem einem erhöhten Risiko für Schlaganfall oder Arteriosklerose ausgesetzt. Regelmäßiger Konsum von Hanföl im Rahmen einer pflanzenbetonten Ernährung – bei gleichzeitiger Reduktion gesättigter tierischer Fette – kann hier einen wertvollen Beitrag leisten.[8]
Hanföl bei chronischen Entzündungen
Die entzündungshemmende Wirkung von Hanföl ist wissenschaftlich gut dokumentiert. Sie basiert auf dem Zusammenspiel mehrerer Fettsäuren: Die Gamma-Linolensäure wird im Körper zu entzündungshemmenden Prostaglandinen umgewandelt, während die Stearidonsäure besonders effizient in die entzündungshemmende EPA konvertiert wird. Gleichzeitig verhindern beide Fettsäuren die übermäßige Bildung entzündungsfördernder Arachidonsäure aus Linolsäure.[7]
Dieser mehrfache Wirkmechanismus macht Hanföl zu einem wertvollen Bestandteil der Ernährung bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, entzündlichen Darmerkrankungen oder Parodontitis. Wichtig: Hanföl ersetzt keine ärztliche Therapie, kann aber als Teil einer entzündungshemmenden Ernährung eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Weitere ätherische Öle mit entzündungshemmenden Eigenschaften finden Sie in unserer Übersicht.
Hanföl gegen Prämenstruelles Syndrom (PMS)
Das Prämenstruelle Syndrom (PMS) betrifft viele Frauen vor Beginn der Monatsblutung und äußert sich durch Stimmungsschwankungen, Spannungsgefühle im Brust- und Bauchbereich, Gereiztheit und Muskelverspannungen. Studien legen nahe, dass Frauen mit PMS häufig an einer Fettstoffwechselstörung leiden, bei der die Umwandlung von Linolsäure zu Gamma-Linolensäure verlangsamt ist.[6] Eine tägliche Einnahme von etwa einem bis zwei Esslöffeln Hanföl kann die GLA-Versorgung verbessern und damit die Symptome lindern. Auch eine stimmungsaufhellende Wirkung der Omega-3-Fettsäuren wurde in Studien beobachtet.[3]
Wenn Sie Hanföl während der Schwangerschaft verwenden möchten, sprechen Sie vorab mit Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme – grundsätzlich gilt Speisehanföl als unbedenklich, die individuelle Situation sollte jedoch berücksichtigt werden.
Hanföl in der Küche
Hanföl ist ein ausgezeichnetes Speiseöl für die kalte Küche. Sein mild-nussiger, leicht kräuteriger Geschmack harmoniert besonders gut mit Salaten, Dips, Dressings, Pestos, Smoothies, Müsli und Joghurt. Auch über bereits gekochte Gerichte wie Pasta, Suppen oder gedämpftes Gemüse kann Hanföl nach dem Kochen als Finishing-Öl gegeben werden, um Aroma und Nährstoffe zu ergänzen.
Zum Braten oder Frittieren ist Hanföl allerdings nicht geeignet. Der Rauchpunkt liegt bei nur ca. 165 °C, und die empfindlichen mehrfach ungesättigten Fettsäuren werden bei hohen Temperaturen geschädigt. Verwenden Sie für das Braten stattdessen hitzestabile Öle wie Kokosöl oder raffiniertes Rapsöl. Hanföl entfaltet seinen vollen Geschmack und Nährwert ausschließlich in der Rohkostverwendung.
Einige Rezeptideen: Klassisches Salatdressing aus Hanföl, Zitronensaft, Senf und Honig. Hanföl-Pesto mit Basilikum, Pinienkernen und Parmesan. Ein Löffel Hanföl im morgendlichen Smoothie oder über das Porridge. Als Topping für Hummus, Guacamole oder Bruschetta. Gemischt mit Kräutern als aromatisches Dip-Öl zu frischem Brot – Anregungen zum Selbstmachen finden Sie in unserem Beitrag zu Kräuteröl selber machen.
Hanföl oder Leinöl – was ist besser?
Hanföl und Leinöl zählen beide zu den gesündesten Speiseölen und sind reich an Omega-3-Fettsäuren. Die Unterschiede liegen im Detail: Leinöl enthält mit rund 55 Prozent deutlich mehr Alpha-Linolensäure (Omega-3) als Hanföl (ca. 18 Prozent), weist dafür aber ein ungünstigeres Omega-6-zu-Omega-3-Verhältnis von etwa 1:4 auf – was zu einem Omega-3-Überschuss führen kann. Hanföl bietet mit seinem 3:1-Verhältnis die ausgewogenere Versorgung beider essentieller Fettsäuren.[12]
Der entscheidende Vorteil von Hanföl gegenüber Leinöl ist die enthaltene Gamma-Linolensäure (GLA), die im Leinöl nicht vorkommt. GLA wird im Körper direkt in entzündungshemmende Botenstoffe umgewandelt und macht Hanföl zum vielseitigeren Gesundheitsöl. Geschmacklich ist Hanföl mit seiner nussigen Note milder als Leinöl, das häufig leicht bitter schmeckt. Auch in Sachen Haltbarkeit hat Hanföl die Nase vorn: Während Leinöl nach dem Öffnen innerhalb von wenigen Wochen verbraucht werden sollte, hält sich Hanföl bei kühler Lagerung deutlich länger.
Ideal ist es, beide Öle abwechselnd in die Ernährung zu integrieren, um von den jeweiligen Stärken zu profitieren. Wer nur ein einziges Öl wählen möchte, ist mit Hanföl als Allrounder für die kalte Küche gut beraten.
Dosierung und Einnahme von Hanföl
Für die allgemeine Gesundheitsvorsorge empfehlen Ernährungsexperten eine tägliche Einnahme von 15 bis 20 ml Hanföl – das entspricht etwa ein bis zwei Esslöffeln.[4] Diese Menge reicht aus, um den täglichen Bedarf an essentiellen Omega-3-Fettsäuren zu decken und den Körper mit wertvollen Mikronährstoffen zu versorgen.
Hanföl kann pur eingenommen oder in kalte Speisen eingerührt werden. Beginnen Sie mit einem Teelöffel pro Tag und steigern Sie die Menge schrittweise, damit sich Ihr Verdauungssystem an das Öl gewöhnen kann. Die Einnahme ist morgens oder abends möglich – viele Anwender bevorzugen die Einnahme morgens auf nüchternen Magen, da die Fettsäuren so besonders gut resorbiert werden.
Für die äußerliche Anwendung auf der Haut genügen wenige Tropfen, die sanft in die Haut einmassiert werden. Bei Haarkuren wird ein Esslöffel auf Kopfhaut und Haarlängen verteilt. Bei Hunden rechnet man mit etwa einem halben Teelöffel pro 10 kg Körpergewicht, bei Pferden mit 30 bis 50 ml täglich, dem Futter untergemischt.
Hanföl Nebenwirkungen
Hanföl aus Speisehanf gilt als sehr gut verträglich und ist frei von THC (Tetrahydrocannabinol), dem psychoaktiven Wirkstoff der Cannabispflanze. Relevante Nebenwirkungen sind bei der Verwendung als Speiseöl in üblichen Mengen nicht bekannt.[2]
In seltenen Fällen kann es bei Personen mit empfindlichem Magen anfänglich zu leichtem Aufstoßen oder weichem Stuhl kommen, besonders wenn mit einer hohen Dosis begonnen wird. Daher empfiehlt es sich, die Einnahme langsam zu steigern. Personen mit einer Allergie gegen Hanfsamen sollten Hanföl meiden. Bei der Einnahme von Blutverdünnern oder anderen Medikamenten kann es theoretisch zu Wechselwirkungen mit den Omega-3-Fettsäuren kommen – sprechen Sie im Zweifelsfall mit Ihrem Arzt.
Hanföl ist nicht für Kinder unter einem Jahr als Beikost geeignet, da der hohe Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren den noch unreifen Verdauungstrakt belasten kann. Für ältere Kinder ist Hanföl in kleinen Mengen unbedenklich.
Worauf Sie beim Kauf von Hanföl achten sollten
Ein hochwertiges Hanföl erkennen Sie an mehreren Merkmalen: Die Farbe sollte ein sattes Grün mit goldenem Schimmer aufweisen – das Grün stammt vom Chlorophyll, der goldene Ton von den Carotinoiden, insbesondere Beta-Carotin. Je kräftiger die Farbe, desto höher der Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen.[5]
Achten Sie beim Kauf auf folgende Qualitätsmerkmale: Das Öl sollte kaltgepresst und nativ (nicht raffiniert) sein – nur so bleiben alle Fettsäuren, Vitamine und Antioxidantien erhalten. Bio-Zertifizierung stellt sicher, dass die Hanfsamen aus kontrolliert biologischem Anbau stammen und frei von Pestizid-Rückständen sind. Eine dunkle Glasflasche schützt das lichtempfindliche Öl vor UV-Strahlung und Oxidation. Außerdem sollte das Produkt ein Mindesthaltbarkeitsdatum tragen und idealerweise die Herkunft der Hanfsamen angeben – regionale Produktion aus Deutschland oder Österreich garantiert kurze Transportwege und Frische.
Vermeiden Sie Hanföle in durchsichtigen Plastikflaschen sowie Produkte ohne klare Angabe des Pressverfahrens. Ein guter Anhaltspunkt ist auch der Geschmack: Hochwertiges Hanföl schmeckt angenehm nussig und leicht kräuterig, niemals bitter oder ranzig.
Hanföl Verkaufsformen
Bio Hanföl
Erstklassiges Bio-Hanföl ist mittlerweile in Reformhäusern, Bioläden und gut sortierten Supermärkten erhältlich. Die steigende Nachfrage hat zahlreiche kleinstrukturierte, regionale Ölmühlen auf den Plan gerufen, die auf besonders nachhaltige und naturnahe Herstellungsbedingungen achten. Auch online bieten viele zertifizierte Anbieter hochwertige Bio-Hanföle an. Achten Sie auf verifizierte Kundenbewertungen und transparente Angaben zu Anbau, Pressung und Herkunft – das sind zuverlässige Indikatoren für Qualität.
Hanföl Kapseln
Wer den nussig-herben Geschmack von reinem Hanföl nicht mag oder eine besonders praktische Einnahmeform bevorzugt, kann auf Hanfölkapseln zurückgreifen. In diesen Kapseln ist das volle Fettsäurespektrum des Hanföls in konzentrierter Form enthalten. Die übliche Dosierung liegt bei ein bis drei Kapseln pro Tag, je nach Konzentration des Produkts. Hanfölkapseln sind frei von THC und eignen sich besonders gut für unterwegs. Beachten Sie, dass Kapseln in der Regel teurer sind als Flaschenöl und dass die Bioverfügbarkeit flüssiger Öle tendenziell höher ist.
Hanfsalbe
Hanfsalbe wird aus den Fettsäuren und Extrakten der Hanfpflanze hergestellt und verbindet die pflegenden Eigenschaften des Hanföls mit der Wirkung weiterer Inhaltsstoffe wie Bienenwachs oder Sheabutter. Sie eignet sich besonders zur Pflege trockener, rissiger oder gereizter Haut und kann bei Neurodermitis, Schuppenflechte oder kleineren Hautverletzungen unterstützend angewendet werden. Hanfsalbe wirkt feuchtigkeitsspendend, hautberuhigend und fördert die natürliche Regeneration der Haut.
Hanfölseife
In Hanfseife wird kaltgepresstes Hanföl verarbeitet. Da das Fettsäuremuster dem der menschlichen Haut sehr ähnlich ist, bietet Hanfseife eine einzigartige, natürliche Pflegewirkung. Sie reinigt sanft, ohne die Haut auszutrocknen, und ist frei von synthetischen Tensiden, Parabenen und Silikonen. Besonders Allergiker und Personen mit empfindlicher Haut schätzen die milde Wirkung. Hochwertige Hanfseifen enthalten neben Hanföl häufig weitere natürliche Rohstoffe wie Aloe Vera, Propolis oder pflanzliche Duftstoffe.
Lagerung und Haltbarkeit von Hanföl
Hochwertiges Hanföl wird in dunklen Glasflaschen angeboten, die das lichtempfindliche Öl vor UV-Strahlung schützen. Nach dem Öffnen sollte die Flasche stets gut verschlossen im Kühlschrank aufbewahrt werden. Die Haltbarkeit ungeöffneter Flaschen beträgt bei kühler, dunkler Lagerung etwa neun Monate. Nach dem Öffnen sollte Hanföl innerhalb von sechs bis acht Wochen verbraucht werden, um Oxidation und den damit verbundenen Qualitätsverlust zu vermeiden.[2]
Ranzig gewordenes Hanföl erkennen Sie an einem bitteren, unangenehmen Geschmack und einem stechenden Geruch. In diesem Fall sollte das Öl nicht mehr verzehrt werden. Wichtige Tipps zur Haltbarkeit von Speiseölen finden Sie in unserem Ratgeber.
Fazit: Hanföl – eines der gesündesten Speiseöle
Hanföl vereint ein ernährungsphysiologisch ideales Fettsäureprofil mit hervorragendem Geschmack und vielseitiger Anwendbarkeit. Das optimale Omega-6-zu-Omega-3-Verhältnis von 3:1, der hohe Gehalt an Gamma-Linolensäure und die wertvollen Mikronährstoffe machen es zu einem der gesündesten Pflanzenöle auf dem Markt. Ob als Salatöl in der Küche, als natürliches Pflegeöl für Haut und Haare oder als Nahrungsergänzung für Hund und Pferd – die Einsatzmöglichkeiten sind beeindruckend vielfältig. Wer auf hochwertige Pflanzenöle in der Ernährung setzt, kommt an Hanföl kaum vorbei.
Quellen
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- Simopoulos, A. P. (2002). The importance of the ratio of omega-6/omega-3 essential fatty acids. Biomedicine & Pharmacotherapy, 56(8), 365–379. doi:10.1016/S0753-3322(02)00253-6
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- Da Porto, C., Decorti, D., & Tubaro, F. (2012). Fatty acid composition and oxidation stability of hemp (Cannabis sativa L.) seed oil extracted by supercritical carbon dioxide. Industrial Crops and Products, 36(1), 401–404. doi:10.1016/j.indcrop.2011.09.015
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