Minzöl

Zuletzt aktualisiert: 12.02.26

Minzöl – auch als Japanisches Heilpflanzenöl bekannt – zählt zu den bewährtesten Hausmitteln in deutschen Hausapotheken. Ob bei Kopfschmerzen, verstopfter Nase oder Verdauungsbeschwerden: Das mentholreiche ätherische Öl der Ackerminze bietet vielseitige Anwendungsmöglichkeiten, die teilweise sogar wissenschaftlich belegt sind. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Naturprodukt, wie wirkt es, und worauf sollte man bei der Anwendung unbedingt achten?Flasche mit Minzöl neben frischen Minzblättern

Gewinnung von Minzöl

Minzöl wird aus der Ackerminze gewonnen, die auch als Japanische Minze oder Kornminze bekannt ist. Die botanischen Namen der beiden relevanten Arten lauten Mentha arvensis und Mentha canadensis. Diese mehrjährige Pflanze aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) trägt kleine lilafarbene Blüten und verströmt einen intensiven, minzigen Duft. Trotz der ähnlichen Geruchsnote darf sie nicht mit der Pfefferminze (Mentha × piperita) verwechselt werden, die eine Kreuzung aus Wasserminze und Grüner Minze darstellt.[1]

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Ackerminze erstreckt sich von Europa über Russland bis nach Ostasien. In Mitteleuropa blüht sie von Juni bis August. Die gewerbliche Kultivierung findet hauptsächlich in Indien, China, Japan und Brasilien statt – Indien allein beansprucht etwa 90 % der weltweiten Mentholminz-Ölproduktion.[2]

Der Weg von der Pflanze zum fertigen Öl beginnt während der Blütezeit, wenn der Mentholgehalt in den Blättern am höchsten ist. Durch Wasserdampfdestillation wird ein rohes ätherisches Öl gewonnen, dessen Mentholanteil bei etwa 70 bis 85 % liegt.[3] Nach dem Abkühlen kristallisiert ein Teil des Menthols aus und wird abgetrennt. Diese Menthol-Kristalle finden als Reinmenthol in der Arzneimittel- und Kosmetikindustrie Verwendung. Das verbleibende Öl wird erneut destilliert, wodurch das handelsübliche Minzöl mit einem Mentholanteil von etwa 30 bis 50 % entsteht – im Handel oft als „Japanisches Heilpflanzenöl" zu finden.

Im direkten Vergleich mit Pfefferminzöl ist Minzöl deutlich günstiger, wobei sich die Wirkung beider Öle nur geringfügig unterscheidet. Der Hauptunterschied liegt im Profil der sekundären Inhaltsstoffe: Pfefferminzöl enthält etwas mehr Menthylacetat und Menthofuran, was ihm ein feineres Aroma verleiht.[4] Naturbelassenes, unverarbeitetes Ackerminzöl gelangt nicht in den Handel, da sein extrem hoher Mentholgehalt für eine direkte Anwendung nicht geeignet ist.

Minzöl Inhaltsstoffe

Die chemische Zusammensetzung von Minzöl wurde in zahlreichen Studien per Gaschromatographie-Massenspektrometrie (GC-MS) analysiert. Die wichtigsten Bestandteile sind:[3][5]

Menthol (30–50 %): Der Hauptwirkstoff gehört zur Gruppe der Monoterpenalkohole. Es handelt sich um (−)-Menthol (Levomenthol), das für die kühlende Wirkung und den charakteristischen Geruch verantwortlich ist.

Menthon (17–35 %): Der zweitwichtigste Bestandteil ist ein Monoterpenketon. Diese farblose Flüssigkeit mit minzigem Geruch entsteht bei der Oxidation von Menthol und trägt zum Gesamtaroma bei.

Isomenthon (5–13 %): Ein Stereoisomer des Menthons, das als Mentholabbauprodukt entsteht und ähnliche aromatische Eigenschaften besitzt.

Menthylacetat (2–7 %): Ein Ester des Menthols, der dem Öl eine leicht fruchtige Note verleiht und als Reifemerkmal des Öls gilt.

Menthofuran (2–7 %): Ein Furanderivat, das in höheren Konzentrationen potenziell lebertoxisch wirken kann. In den im Handel erhältlichen Konzentrationen ist es jedoch unbedenklich.

Darüber hinaus enthält Minzöl weitere Terpene wie Limonen, Neomenthol, Pulegon und Piperiton in geringeren Mengen. Die genaue Zusammensetzung variiert je nach Anbaugebiet, Erntezeitpunkt und Sorte der verwendeten Pflanze.[2]

Wirkung von Minzöl

Die pharmakologische Wirkung von Minzöl basiert hauptsächlich auf dem Inhaltsstoff Menthol. Menthol kommt nicht nur in Minzpflanzen vor, sondern auch in anderen Lippenblütlern wie Basilikum, Oregano, Salbei und Thymian. In der Ackerminze ist die Konzentration jedoch besonders hoch.

Der zentrale Wirkmechanismus von Menthol beruht auf der Aktivierung des TRPM8-Ionenkanals (Transient Receptor Potential Melastatin 8), der auch als Kälte-Menthol-Rezeptor bezeichnet wird. Dieser Ionenkanal befindet sich an freien Nervenendigungen sensorischer Nervenfasern und wird normalerweise durch Temperaturen unter 26 °C aktiviert. Menthol bindet an denselben Rezeptor und löst dadurch ein Kälteempfinden aus, ohne dass die tatsächliche Körpertemperatur sinkt.[6]

Aus diesem Mechanismus ergeben sich die wichtigsten Wirkungen von Minzöl:

Kühlend und schmerzlindernd: Durch die Aktivierung der Kälterezeptoren in der Haut werden Schmerzreize in den Hintergrund gedrängt. Hohe Mentholkonzentrationen entfalten zudem eine lokalanästhetische Wirkung.[7]

Schleimlösend und abschwellend: In den Atemwegen regt Menthol die Kälterezeptoren der Nasenschleimhaut an, wodurch subjektiv das Atmen erleichtert wird. Zusätzlich fördert es den Abtransport von festsitzendem Schleim.

Krampflösend (spasmolytisch): Im Magen-Darm-Trakt entspannt Menthol die glatte Muskulatur und kann so Krämpfe und Blähungen lindern.[8]

Antibakteriell und antifungal: Studien belegen, dass Minzöl das Wachstum verschiedener Bakterien und Pilze hemmen kann. Die fungizide Wirkung wurde unter anderem gegen Fusarium-Arten nachgewiesen.[3]

Durchblutungsfördernd: Lokal aufgetragen, führt Menthol zunächst zu einer Verengung der Gefäße (Vasokonstriktion), gefolgt von einer reflektorischen Erweiterung, die die lokale Durchblutung verbessert.

Anwendungsgebiete von Minzöl

Obwohl die Ackerminze eine lange Tradition als Arzneipflanze besitzt, ist sie nicht als offizielles Arzneimittel in der Europäischen Pharmakopöe gelistet. Unabhängig davon wird Menthol in zahlreichen zugelassenen Arzneimitteln eingesetzt – von Erkältungspräparaten und Halslutschtabletten bis hin zu Salben gegen Sportverletzungen und Insektenstiche. Das reine Minzöl hat sich vor allem als vielseitiges Hausmittel etabliert.

Minzöl bei Erkältungskrankheiten

Bei Erkältungen mit Husten, Schnupfen und Beschwerden der oberen Atemwege ist Japanisches Minzöl dank seines hohen Mentholgehalts eine bewährte Hilfe. Es wirkt antibakteriell, löst festsitzenden Schleim und fördert dessen Auswurf. Besonders bei einer verstopften Nase sorgt die Stimulation der nasalen Kälterezeptoren für subjektive Atemerleichterung.

Für die Inhalation gibt man drei bis vier Tropfen Minzöl in eine Schüssel mit heißem, aber nicht mehr kochendem Wasser. Die aufsteigenden Dämpfe werden unter einem Handtuch für etwa fünf bis zehn Minuten eingeatmet. Diese Anwendung kann zwei- bis dreimal täglich wiederholt werden und bringt bei akutem Schnupfen oft schnelle Linderung. Weitere Informationen zur Dampfinhalation finden sich in unserem Artikel zum Inhalieren mit ätherischen Ölen.

Alternativ lässt sich das Öl direkt aus dem Fläschchen kurz einatmen oder ein einzelner Tropfen unter die Nase tupfen. Wer nachts schlecht schläft, kann vor dem Zubettgehen wenige Tropfen auf die Fingerspitzen geben und Stirn, Schläfen und Nasenrücken sanft einreiben. Dabei ist darauf zu achten, dass nichts in die Augen gelangt, da die hohe Mentholkonzentration zu schmerzhaften Reizungen führen kann.

Minzöl bei Kopfschmerzen

Bei Spannungskopfschmerzen – der häufigsten Form von Kopfschmerzen überhaupt – ist die Wirksamkeit mentholhaltiger Präparate wissenschaftlich gut belegt. Eine klinische Studie der Schmerzklinik der Universität Kiel zeigte, dass zehnprozentiges Pfefferminzöl in ethanolischer Lösung bei Spannungskopfschmerzen ebenso wirksam ist wie 1.000 mg Paracetamol und dem Placebo signifikant überlegen war.[7] Aufgrund dieser Datenlage wurde Pfefferminzöl in die Praxisleitlinie „Primäre Kopfschmerzen" der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) als Standard-Akuttherapie aufgenommen.[9]

Da Minzöl einen vergleichbar hohen Mentholgehalt aufweist, gelten diese Ergebnisse grundsätzlich auch für die Anwendung von Minzöl. Für die Anwendung werden wenige Tropfen auf Stirn und Schläfen aufgetragen und in kreisenden Bewegungen sanft einmassiert. Die Wirkung setzt in der Regel innerhalb von 15 Minuten ein. Die kühlenden und schmerzlindernden Effekte entstehen durch die Aktivierung der Kälterezeptoren und die Hemmung der Schmerz-Botenstoffe Serotonin und Substanz P.[7]

Auch bei Muskelschmerzen durch Verspannungen oder nach dem Sport sorgt Minzöl mit wenigen Tropfen auf die betroffenen Stellen für Linderung. Neben dem Kühleffekt kommt die durchblutungsfördernde und lokalanästhetische Wirkung des Menthols hinzu. Chronische Kopfschmerzen oder Migräne erfordern jedoch immer eine ärztliche Abklärung.

Minzöl bei Beschwerden im Magen-Darm-Bereich

Auch innerlich angewendet ist Minzöl ein bewährtes Hausmittel bei Verdauungsbeschwerden. Die krampflösende Wirkung des Menthols auf die glatte Muskulatur des Magen-Darm-Trakts kann Blähungen, leichte Krämpfe und Völlegefühl lindern. Eine Metaanalyse zur verwandten Pfefferminzöl-Therapie beim Reizdarmsyndrom zeigte, dass das Öl bei der Verbesserung der Symptomatik Placebo deutlich überlegen war.[8]

Für die innere Anwendung gibt man ein bis zwei Tropfen Minzöl in ein Glas lauwarmes Wasser und trinkt die Lösung schluckweise. Alternativ können die Tropfen auf einen Zuckerwürfel gegeben und so eingenommen werden. Die Tagesdosis sollte maximal drei bis sechs Tropfen betragen.

Wichtig: Bei chronischen oder wiederkehrenden Verdauungsbeschwerden, Sodbrennen oder einem diagnostizierten Reizdarmsyndrom sollte immer zunächst ein Arzt konsultiert werden. Für die gezielte Behandlung des Reizdarmsyndroms sind zudem magensaftresistente Kapseln sinnvoller, damit der Wirkstoff die tieferen Darmabschnitte erreicht.

Minzöl für Haare und Kopfhaut

Die durchblutungsfördernde Wirkung des Menthols macht Minzöl auch für die Haarpflege interessant. Auf die Kopfhaut aufgetragen, kann es die lokale Durchblutung anregen, was die Versorgung der Haarfollikel mit Nährstoffen verbessern kann. Zudem wirkt Menthol durch seine antibakteriellen und antifungalen Eigenschaften gegen Schuppen und juckende Kopfhaut.

Für eine belebende Kopfhautmassage gibt man zwei bis drei Tropfen Minzöl in einen Esslöffel Jojobaöl oder ein anderes Trägeröl und massiert die Mischung sanft in die Kopfhaut ein. Nach etwa 20 Minuten Einwirkzeit wird das Haar wie gewohnt gewaschen. Einige Tropfen Minzöl können auch dem Shampoo beigemischt werden – dies verleiht dem Haar ein angenehm frisches Gefühl und kann bei fettiger Kopfhaut regulierend wirken. Wer Minzöl unverdünnt auf die Kopfhaut aufträgt, riskiert allerdings Reizungen.

Minzöl gegen Spinnen und Insekten

Spinnen und verschiedene Insekten reagieren empfindlich auf den intensiven Duft von Menthol. Wer Spinnen auf natürliche Weise aus dem Haus fernhalten möchte, kann sich diese Abneigung zunutze machen. Auch Eukalyptusöl, Lavendelöl und Zitronenöl werden von Spinnen gemieden.

Die Anwendung ist einfach: In eine Sprühflasche mit 250 ml Wasser gibt man etwa 15 bis 20 Tropfen Minzöl sowie einen Spritzer Spülmittel als Emulgator. Diese Mischung wird auf Tür- und Fensterrahmen, Ritzen und bevorzugte Aufenthaltsorte der Spinnen gesprüht. Die abschreckende Wirkung hält etwa ein bis zwei Tage an und muss dann erneuert werden.

Auch Stechmücken halten Abstand von Mentholdüften. Studien an Mentha arvensis-Öl bestätigen eine repellente Wirkung gegen verschiedene Insektenarten.[5] Wer Mücken im Sommer fernhalten möchte, findet weitere wirksame ätherische Öle gegen Mücken in unserem Ratgeber. Ebenso kann Teebaumöl bei ungebetenen Insektengästen hilfreich sein.

Minzöl gegen Mäuse und Ratten

Der starke Mentholduft von Minzöl wird häufig als natürliches Abschreckungsmittel gegen Mäuse und Ratten empfohlen. Die Nagetiere besitzen einen sehr empfindlichen Geruchssinn, den der intensive Duft stören soll. Dazu werden Wattebäusche mit einigen Tropfen Minzöl getränkt und an typischen Zugangsstellen wie Löchern, Ritzen oder in der Nähe von Vorratskammern platziert.

Die Wirksamkeit dieser Methode ist allerdings begrenzt und wissenschaftlich nicht abschließend belegt. In der Praxis zeigt sich, dass Mäuse bei starkem Hunger oder Gewöhnung den Duft ignorieren können. Minzöl eignet sich daher eher als unterstützende Maßnahme in Kombination mit anderen Methoden der Schädlingsbekämpfung und nicht als alleinige Lösung bei einem ernsthaften Mäusebefall.

Minzöl für die Hautpflege

Dank seiner kühlenden und durchblutungsfördernden Eigenschaften kann Minzöl auch in der Hautpflege Anwendung finden. Bei Insektenstichen lindert ein verdünnter Tropfen den Juckreiz, und die antiseptische Wirkung des Menthols unterstützt die Heilung kleiner Hautirritationen. Auch als Bestandteil kühlender Fußbäder – drei bis fünf Tropfen in warmem Wasser – sorgt Minzöl an heißen Tagen für Erfrischung.

Bei der Anwendung auf der Haut sollte Minzöl grundsätzlich immer mit einem Basisöl wie Mandelöl oder Kokosöl verdünnt werden. Ein Mischverhältnis von zwei bis drei Tropfen Minzöl auf einen Esslöffel Trägeröl hat sich bewährt. Empfindliche Hautbereiche, Schleimhäute und offene Wunden sollten mit dem Öl nicht in Kontakt kommen.

Wirkung von Minzöl auf die Psyche

Der frische, klare Duft von Minzöl kann sich positiv auf die Stimmung und die geistige Leistungsfähigkeit auswirken. In der Aromatherapie wird das Öl gezielt eingesetzt, um die Konzentration zu fördern, mentale Erschöpfung zu bekämpfen und die Aufmerksamkeit zu steigern. Wenige Tropfen in einem Diffuser oder einer Duftlampe reichen aus, um den Raum mit dem erfrischenden Duft zu erfüllen.

Auch bei leichter Übelkeit – etwa auf Reisen – kann das kurze Einatmen von Minzöl aus dem Fläschchen beruhigend auf den Magen und die Psyche wirken. Der Duft von Menthol wird mit Frische und Klarheit assoziiert und kann so bei Stresssituationen und mentaler Anspannung unterstützend eingesetzt werden.

Hinweise zur allgemeinen Anwendung von Minzöl

Unabhängig davon, bei welcher Beschwerde man Minzöl einsetzt, sollte es stets mit Bedacht angewendet werden. Bei wiederkehrenden oder chronischen Beschwerden ersetzt es keine ärztliche Diagnose und Therapie, kann aber als ergänzende Maßnahme sinnvoll sein. Überdosierungen – sowohl äußerlich als auch innerlich – können zu Haut- und Schleimhautreizungen führen. Nach dem Kontakt mit dem Öl sollten die Hände gründlich gewaschen werden, um versehentlichen Kontakt mit den Augen oder empfindlichen Körperstellen zu vermeiden.

Minzöl in der Schwangerschaft

Die Anwendung von Minzöl in der Schwangerschaft ist ein Thema, das viele werdende Mütter beschäftigt. Nach aktuellem Wissensstand gibt es keine belastbaren Hinweise darauf, dass die äußerliche Anwendung von Minzöl in üblicher Dosierung – sei es durch Inhalation, zur Kopfschmerzlinderung auf Schläfen und Stirn oder gelegentlichen Hautkontakt – die Schwangerschaft oder das ungeborene Kind negativ beeinflusst.

Dennoch empfiehlt es sich, in der Schwangerschaft grundsätzlich vorsichtig mit ätherischen Ölen umzugehen und im Zweifelsfall Rücksprache mit dem Frauenarzt oder der Hebamme zu halten. Die innere Einnahme von Minzöl sollte während der Schwangerschaft und Stillzeit besser vermieden werden.

Gelegentlich wird Menthol auch eine wehenfördernde Wirkung nachgesagt. Für diese Annahme gibt es derzeit keine wissenschaftlichen Belege. Es ist allerdings denkbar, dass die entspannende und stimmungsaufhellende Wirkung des Mentholduft sich positiv auf das Wohlbefinden kurz vor der Geburt auswirken kann.

Wichtig nach der Geburt: Sobald das Baby geboren ist, muss konsequent darauf geachtet werden, dass es keinen Mentholdämpfen ausgesetzt wird. Bei Säuglingen und Kleinkindern unter zwei Jahren kann die Inhalation von Menthol lebensbedrohliche Reaktionen auslösen (siehe Abschnitt Nebenwirkungen).[10]

Nebenwirkungen und Risiken von Minzöl

Minzöl ist bei sachgemäßer Anwendung in der Regel gut verträglich. Dennoch gibt es wichtige Nebenwirkungen und Risiken, die bekannt sein sollten:

Gefahr für Säuglinge und Kleinkinder: Dies ist die wichtigste Warnung im Zusammenhang mit Minzöl. Laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) dürfen mentholhaltige Produkte bei Säuglingen und Kleinkindern unter zwei Jahren nicht angewendet werden. Schon wenige Tropfen, die in Mund oder Nase gelangen, können einen Stimmritzkrampf (Glottiskrampf) auslösen, der zu schwerer Atemnot bis hin zum Atemstillstand führen kann.[10][11] Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) rät generell davon ab, ätherische Öle mit Menthol, Kampfer oder Eukalyptus bei Kleinkindern einzusetzen.[12]

Haut- und Schleimhautreizungen: Unverdünntes Minzöl kann auf der Haut ein starkes Brennen verursachen. Besonders empfindliche Hautpartien, Schleimhäute, offene Wunden und der Augenbereich sollten keinesfalls mit reinem Minzöl in Kontakt kommen.

Überdosierung bei innerer Einnahme: Menthol kann in größeren Mengen Herzrhythmusstörungen verursachen. Die empfohlene Tagesdosis von drei bis sechs Tropfen (innere Einnahme) sollte daher nicht überschritten werden.

Allergische Reaktionen: In seltenen Fällen können Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten, darunter Hautausschlag, Atemwegsreizungen oder allergischer Schnupfen. Ein vorheriger Verträglichkeitstest an einer kleinen Hautstelle ist empfehlenswert.

Wechselwirkungen: Minzöl kann die Wirkung homöopathischer Arzneimittel aufheben. Zudem sollte es nicht gleichzeitig mit anderen mentholhaltigen Präparaten angewendet werden, um eine Überdosierung zu vermeiden.

Haustiere: Katzen sind besonders empfindlich gegenüber ätherischen Ölen, da ihnen bestimmte Leberenzyme zum Abbau fehlen. Minzöl sollte daher in Haushalten mit Katzen nur mit Vorsicht verwendet werden.

Dosierung und Einnahme von Minzöl

Die richtige Dosierung von Minzöl hängt von der Anwendungsart ab:

Äußerliche Anwendung: Zwei bis vier Tropfen unverdünnt auf Stirn und Schläfen bei Kopfschmerzen. Für großflächigere Anwendungen auf der Haut immer mit einem Trägeröl verdünnen (zwei bis drei Tropfen Minzöl auf einen Esslöffel Basisöl).

Inhalation: Drei bis vier Tropfen auf einen Liter heißes Wasser geben und die Dämpfe fünf bis zehn Minuten einatmen. Zwei- bis dreimal täglich wiederholen.

Innere Einnahme: Ein bis zwei Tropfen in einem Glas lauwarmem Wasser oder auf einem Zuckerwürfel, maximal drei- bis sechsmal täglich. Die innere Anwendung sollte nur kurzfristig erfolgen.

Badezusatz: Fünf bis acht Tropfen in einen Emulgator (z. B. Sahne, Honig oder Meersalz) geben und ins Badewasser einrühren. Ein solches Bad wirkt bei Muskelschmerzen und Erkältungen wohltuend, sollte aber nicht länger als 15 bis 20 Minuten dauern.

Duftlampe oder Diffuser: Drei bis fünf Tropfen genügen, um einen Raum mit dem erfrischenden Duft zu erfüllen.

Minzöl selber machen

Ein nach Minze duftendes Kräuteröl zur äußerlichen Anwendung lässt sich mit einfachen Mitteln zu Hause herstellen. Dazu benötigt man eine Handvoll frischer Minz- oder Pfefferminzblätter und etwa 250 ml hochwertiges Olivenöl oder ein anderes geschmacksneutrales Pflanzenöl.

Die Blätter werden gründlich gewaschen, leicht angedrückt (um die ätherischen Öle freizusetzen) und in ein sauberes Schraubglas gegeben. Anschließend wird das Öl darüber gegossen, bis alle Blätter vollständig bedeckt sind. Das verschlossene Glas stellt man für vier bis sechs Wochen an einen sonnigen Platz und schüttelt es alle paar Tage leicht. Danach wird das Öl durch ein feines Sieb oder Mulltuch gefiltert und in einer dunklen Glasflasche kühl aufbewahrt.

Dieses selbst hergestellte Mazerat ist deutlich milder als destilliertes ätherisches Minzöl und eignet sich gut für Massagen und die Hautpflege. Es enthält allerdings nur einen Bruchteil der Wirkstoffkonzentration des reinen ätherischen Öls. Hochkonzentriertes ätherisches Minzöl durch Destillation herzustellen erfordert eine aufwendige Apparatur und ist für den Hausgebrauch kaum praktikabel – wer reines Minzöl benötigt, ist mit einem Kauf im Fachhandel besser beraten.

Minzöl kaufen – Worauf sollte man achten?

Wer hochwertiges Minzöl erwerben möchte, sollte beim Kauf auf einige Qualitätsmerkmale achten:

100 % naturreines ätherisches Öl: Auf dem Etikett sollte eindeutig „100 % naturreines ätherisches Öl" stehen. Die botanische Bezeichnung Mentha arvensis muss angegeben sein. Produkte ohne klare Deklaration sind häufig mit synthetischen Duftstoffen gestreckt.

Bio-Qualität: Zertifizierte Bio-Öle garantieren, dass beim Anbau keine synthetischen Pestizide verwendet wurden. Gütesiegel wie das EU-Bio-Siegel oder Demeter bieten Orientierung.

Herkunft und Gewinnungsmethode: Seriöse Hersteller geben das Anbauland und die Gewinnungsmethode (Wasserdampfdestillation) an. Transparenz in der Lieferkette ist ein gutes Zeichen für Qualität.

Abfüllung in Dunkelglas: Ätherische Öle sind lichtempfindlich und sollten in braunen oder blauen Glasflaschen mit Tropfeinsatz abgefüllt sein.

Apotheke und Fachhandel: In Apotheken und Naturkostläden erhält man in der Regel qualitativ hochwertigere Produkte als in Drogerien und Supermärkten, wo günstige Minzöle häufig nur geringe Wirkstoffkonzentrationen aufweisen. Bekannte Marken wie JHP Rödler, Primavera oder Bergland bieten pharmazeutische Qualität.

Häufige Fragen zu Minzöl

Ist Minzöl und Pfefferminzöl das Gleiche?

Nein, obwohl beide Öle aus Minzpflanzen stammen und ähnlich riechen, handelt es sich um unterschiedliche Produkte. Minzöl wird aus der Ackerminze (Mentha arvensis) gewonnen, Pfefferminzöl aus der Pfefferminze (Mentha × piperita). Minzöl hat einen höheren Menthol-Rohgehalt und wird daher vor dem Verkauf dementholisiert, während Pfefferminzöl ein ausgewogeneres Profil an Inhaltsstoffen aufweist. In der Wirkung sind beide Öle vergleichbar, Pfefferminzöl gilt jedoch als etwas feiner im Aroma.[4]

Ab welchem Alter dürfen Kinder Minzöl verwenden?

Laut dem BfArM und dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sollte Minzöl bei Kindern unter zwei Jahren nicht angewendet werden. Viele Experten empfehlen, mentholhaltige Produkte erst ab einem Alter von sechs Jahren einzusetzen – dann allerdings nur in altersgerechter Verdünnung und nicht im Gesichtsbereich.[10][12]

Kann man Minzöl trinken?

Ja, in kleinen Mengen ist die orale Einnahme von Japanischem Minzöl möglich. Ein bis zwei Tropfen in einem Glas Wasser oder auf einem Zuckerwürfel können bei Verdauungsbeschwerden helfen. Die Tagesdosis von sechs Tropfen sollte nicht überschritten werden. Die innere Anwendung sollte nur kurzfristig erfolgen.

Wie lange ist Minzöl haltbar?

Reine ätherische Öle sind bei sachgerechter Lagerung (dunkel, kühl, gut verschlossen) in der Regel mehrere Jahre haltbar. Nach dem Öffnen sollte Minzöl innerhalb von etwa ein bis zwei Jahren aufgebraucht werden. Eine Veränderung des Geruchs, der Farbe oder der Konsistenz deutet darauf hin, dass das Öl oxidiert ist und nicht mehr verwendet werden sollte.

Ist Minzöl giftig für Katzen?

Ja, ätherische Öle können für Katzen problematisch sein. Katzen fehlt das Leberenzym Glucuronyltransferase, das für den Abbau bestimmter Terpene benötigt wird. Der direkte Kontakt oder das dauerhafte Einatmen von Minzöl kann bei Katzen zu Vergiftungserscheinungen führen. In Haushalten mit Katzen sollte Minzöl nur in gut belüfteten Räumen verwendet werden, zu denen die Katze keinen Zugang hat.

Hilft Minzöl gegen Zecken?

Menthol kann Zecken zwar kurzzeitig abschrecken, bietet aber keinen zuverlässigen Schutz. Wer sich natürlich gegen Zecken schützen möchte, findet in unserem Ratgeber zu Kokosöl gegen Zecken eine weitere bewährte Alternative. Einen hundertprozentigen Schutz bieten natürliche Mittel jedoch nicht.

Was tun, wenn Minzöl ins Auge gelangt?

Sofort mit viel klarem, lauwarmem Wasser für mindestens 15 Minuten spülen. Dabei das Auge offen halten. Sollten die Beschwerden – Brennen, Rötung, Tränenfluss – anhalten, ist ein Augenarzt aufzusuchen.


Quellenverzeichnis

  1. Mikaili, P., Mojaverrostami, S., Moloudizargari, M., & Aghajanshakeri, S. (2013). Pharmacological and therapeutic effects of Mentha longifolia L. and its main constituent, menthol. Ancient Science of Life, 33(2), 131–138. doi:10.4103/0257-7941.139059
  2. Singh, S., Patra, A., Verma, A. R., & Shasany, A. K. (2005). Essential oil composition and chemoarrays of menthol mint (Mentha arvensis L. f. piperascens Malinvaud ex. Holmes) cultivars. Flavour and Fragrance Journal, 20(3), 302–305. doi:10.1002/ffj.1426
  3. Kumar, A., Shukla, R., Singh, P., & Dubey, N. K. (2018). Evaluation of Mentha arvensis essential oil and its major constituents for fungitoxicity. Journal of Food Science and Technology, 55(9), 3840–3844. doi:10.1007/s13197-018-3268-0
  4. Kamatou, G. P., Vermaak, I., Viljoen, A. M., & Lawrence, B. M. (2013). Menthol: A simple monoterpene with remarkable biological properties. Phytochemistry, 96, 15–25. doi:10.1016/j.phytochem.2013.08.005
  5. Da Silva, L. R. R., Ferreira, O. O., Cruz, J. N., et al. (2024). Mentha arvensis oil exhibits repellent, acute toxic and antioxidant activities in Nauphoeta cinerea. Scientific Reports, 14, 23098. doi:10.1038/s41598-024-72722-3
  6. McKemy, D. D. (2007). TRPM8: The Cold and Menthol Receptor. In: TRP Ion Channel Function in Sensory Transduction and Cellular Signaling Cascades. CRC Press/Taylor & Francis. PMID: 21204491
  7. Göbel, H., Fresenius, J., Heinze, A., Dworschak, M., & Soyka, D. (1996). Effectiveness of Oleum menthae piperitae and paracetamol in therapy of headache of the tension type. Der Nervenarzt, 67(8), 672–681. doi:10.1007/s001150050040
  8. Alammar, N., Wang, L., Saberi, B., et al. (2019). The impact of peppermint oil on the irritable bowel syndrome: a meta-analysis of the pooled clinical data. BMC Complementary Medicine and Therapies, 19, 21. doi:10.1186/s12906-019-2440-7
  9. Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS). Praxisleitlinie Primäre Kopfschmerzen. Pfefferminzöl als Standard-Akuttherapie bei Spannungskopfschmerzen. Verfügbar unter: dgs-praxisleitlinien.de
  10. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Besonderheitenliste: Menthol – Hinweise zur Anwendung bei Säuglingen und Kleinkindern. Stand: 16.01.2023. Verfügbar unter: bfarm.de
  11. Deutsche Lungenstiftung e.V. Mentholhaltige Erkältungsmittel für Kleinkinder nicht geeignet. Verfügbar unter: lungenaerzte-im-netz.de
  12. Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ). Ätherische Öle eignen sich nicht als Heilmittel bei kleinen Kindern. Verfügbar unter: kinderaerzte-im-netz.de