Minzöl

Für viele von uns ist es ein altbekanntes Hausmittel, das oft schon von der Mutter oder sogar Großmutter empfohlen wurde, insbesondere bei Kopfschmerzen oder verstopfter Nase. Vermutlich steht ein kleines Fläschchen mit Minzöl in den meisten Hausapotheken. Was genau verbirgt sich hinter diesem Naturprodukt, und bei welchen Beschwerden kann es für Linderung sorgen?Minzöl

Gewinnung von Minzöl

Minzöl wird aus einer Pflanze gewonnen, die im Volksmund Ackerminze oder auch Japanische Minze genannt wird, dahinter verbergen sich zwei Arten der Pflanze mit den botanische Namen Mentha canadensis und Mentha arvensis. Die mehrjährige Pflanze mit den winzigen lilafarbenen Blüten riecht fast wie die klassische Pfefferminze, darf aber nicht mit Mentha x piperita verwechselt werden. Das Verbreitungsgebiet der Pflanze ist groß, es reicht von Europa bis weit in den asiatischen Raum, die Blütezeit in unseren Breiten ist von Juni bis August. Gewerblich angebaut wird die Minze vor allem in Japan, China, Indien und auch Brasilien, um daraus das beliebte ätherische Öl zu gewinnen.

Wie sieht der Weg von der blühenden Pflanze zum angenehm riechenden Öl aus? Noch während der Blütezeit werden die Kräuterpflanzen geerntet. Durch die Destillation mit Hilfe von Wasserdampf wird daraus ein ätherisches Öl gewonnen. Der Anteil an Menthol ist recht hoch, er liegt bei etwa 80%. Sobald die Flüssigkeit abkühlt, trennen sich Öl und Menthol, kleine Kristalle entstehen. Diese Menthol-Kristalle werden abgeschöpft und nach weiteren Verarbeitungsschritten als natürliches Menthol in der Arzneimittel- und Kosmetikindustrie eingesetzt. Die Ölanteile, die nach dem Abschöpfen übrig bleiben, werden erneut destilliert. Daraus entsteht dann das bekannte Minzöl mit einem Mentholanteil zwischen 30 und 50%, oft auch unter dem Namen "Japanisches Heilpflanzenöl" vermarket. Es ist preiswerter als Pfefferminzöl, allerdings in der Wirkung unterscheiden sich die beiden Öle nur wenig, hauptsächlich um einige Geruchsnuancen. Naturbelassenes Minzöl kommt nicht in den Handel, da der Mentholgehalt für eine Anwendung zu hoch ist.

Minzöl Inhaltsstoffe

Eine chemische Analyse von Minzöl liefert die Bestandteile Menthol, Menthon, Isomenthon, Menthylacetat, Menthofuran und weitere Terpene. Der Anteil des Menthols liegt zwischen 30 bis 50%. Der zweitwichtigste Inhaltsstoff mit einem Anteil zwischen 17 bis 35% ist Menthon. Die farblose Flüssigkeit mit Minzgeruch entsteht, wenn Menthol oxidiert. Das Mentholabbauprodukt Isomenthon hat einen Anteil zwischen 5 und 13%. Die Anteile von Menthylacetat und Menthofuran liegen jeweils zwischen 2 und 7%.

Wirkung von Minzöl

Die Wirkung von Minzöl basiert in der Hauptsache auf dem Inhaltsstoff Menthol, die übrigen Bestandteile werden üblicherweise nicht als einzelne Wirkstoffe eingesetzt. Menthol kommt nicht nur in Minze vor, sondern auch in anderen Lippenblütlern wie beispielsweise den Gewürzpflanzen Basilikum, Oregano, Salbei und Thymian. In Minze ist der Anteil allerdings sehr hoch. Menthol findet sich in Zahnpasta, Mundwassern, Parfüms, aber auch in Süßwaren wie Bonbons. Auf medizinischem Gebiet wird Menthol oft in Salben gegen Insektenstiche, Verbrennungen oder Juckreiz eingesetzt. Menthol beeinflusst den Kälte-Menthol-Rezeptor, der ein kühles Gefühl an das Gehirn meldet, auch wenn die Körpertemperatur selbst nicht reduziert wird. Durch die Reizung der Kälterezeptoren in der Nase fällt das Atmen leichter.

Allerdings muss Menthol sehr vorsichtig dosiert werden, wenige Gramm verursachen Herzrhythmusstörungen. Bei Säuglingen und Kleinkindern darf Menthol in keinem Fall zum Einsatz kommen, die Inhalation kann eine schwere Atemnot mit Atemstillstand verursachen. Daher gilt bei Kindern unter sechs Jahren: Finger weg von Menthol und natürlich auch von Minzöl!

Anwendungsgebiete von Minzöl

Obwohl Minze eine lange Tradition als Arzneipflanze besitzt, ist sie nicht als offizielles Arzneimittel zugelassen oder gelistet, ebenso wenig die daraus gewonnenen Stoffe. Unabhängig davon wird Menthol sehr wohl in Medikamenten eingesetzt. Wegen seiner kühlenden Wirkung und der Linderung von Juckreiz und Schmerzen ist es oft in Salben und Cremes enthalten, die bei Insektenstichen, Hauterkrankungen, Sportverletzungen und ähnlichen Beschwerden auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden. Auch in Medikamenten, die bei Erkältungen und Schnupfen helfen sollen, ist Menthol meist auf der Liste der Inhaltsstoffe zu finden, beispielsweise in Halslutschtabletten.

Minzöl bei Erkältungskrankheiten

Durch den hohen Anteil von Menthol ist das Japanische Minzöl eine wertvolle Hilfe bei Krankheiten wie Husten, Schnupfen und ähnlichen Erkrankungen der oberen Atemwege. Es wirkt antibakteriell, löst den fest sitzendenden Schleim und fördert dessen Auswurf. Auch bei einer verstopften Nase hilft es dem Patienten, wieder frei atmen zu können. Die Anwendung ist einfach, etwa drei bis vier Tropfen in heißes Wasser geben, das Öl verteilt sich selbst und die ätherischen Öle steigen mit dem Dampf auf, der einige Minuten lang eingeatmet werden sollte. Etwa zwei- bis dreimal pro Tag wiederholt, bringt diese Inhalationstherapie schnelle Linderung und fördert die Heilung.

Um die Nase freizubekommen, kann man das Öl auch kurz direkt aus dem Fläschchen einatmen oder einen Tropfen direkt unter die Nase tupfen. Mit einer verstopften Nase fällt das Durchschlafen oft schwer. Vor dem Zubettgehen ein paar Tropfen auf die Finger geben und damit Stirn, Schläfen und Nasenrücken einreiben, so kann der Schlaf kommen. Aber hier bitte Vorsicht walten lassen, es sollte nichts davon in die Augen gelangen, da die hohe Mentholkonzentration zu Reizungen führen kann.

Minzöl bei Kopfschmerzen

Auch und gerade bei Kopfschmerzen kann das aus der Natur gewonnene Öl Wunder bewirken. Hierbei muss man allerdings unterscheiden, um welche Art von Kopfschmerz es sich tatsächlich handelt. Schmerzen im Bereich des Kopfes können auf die unterschiedlichsten Ursachen zurückgehen. In vielen Fällen handelt es sich um vorübergehende Warnsignale unseres Körpers, verursacht durch Verspannungen, Stress oder andere auslösenden Faktoren. Solche Kopfschmerzen sind unangenehm, medizinisch betrachtet aber harmlos. Dennoch sollten Kopfschmerzen immer ernst genommen werden, da sie ein Indikator für eine ernsthafte Erkrankung sein können. Insbesondere bei chronischen Schmerzen und Migräne ist ein Arztbesuch dringend erforderlich.

Bei den typischen Spannungskopfschmerzen oder auch einer leichten Form von Migräne muss man aber nicht immer gleich zu Schmerztabletten greifen. Der gezielte Einsatz von Minzöl kann in solchen Fällen ausgesprochen hilfreich sein. Ein paar Tupfer des Öls auf die Stirn oder gezielt im Nackenbereich verteilt sorgen lokal für Kühlung und Linderung der Schmerzen. Die erzeugten Kältereize und die langsame Entspannung können den Kopfschmerz vertreiben. Etwas Erfahrung ist hierfür schon erforderlich, man muss seinen persönlichen Quälgeist im Kopf gut kennen, und an welchen Stellen das ätherische Öl aufgetragen werden sollte. Probieren Sie es aus, es hilft!

Auch bei Muskelschmerzen durch Verspannungen oder nach dem Sport sorgt Minzöl mit wenigen Tropfen auf die betroffenen Stellen für Linderung. Neben dem Kühleffekt kommt noch die lokalanästhetische Wirkung des Menthols hinzu.

Minzöl bei Beschwerden im Magen-Darm-Bereich

Nicht nur äußerlich ist Minzöl ein altbewährtes Hausmittel. Auch bei einer Vielzahl von Verdauungsbeschwerden im Magen-Darm-Trakt, bei Problemen mit der Galle und insbesondere bei Blähungen helfen die ätherischen Öle. Für die Einnahme gibt es zwei prinzipielle Varianten. Eine davon ist, ein bis zwei Tropfen Öl in ein Glas mit lauwarmem Wasser zu geben und die Lösung schluckweise zu trinken. Wer das Öl gerne auf einen Zuckerwürfel tropft, kann sich für die süße Variante entscheiden. Die Tagesdosis sollte aber maximal drei bis sechs Tropfen betragen.

Für die innere Anwendung gilt im Besonderen, dass man bei allen chronischen Beschwerden im Verdauungstrakt zuerst einen Mediziner konsultieren sollte. Wer sich aber nur einmal den Magen verdorben hat oder kurzfristig unter Blähungen leidet, der ist mit dem ätherischen Öl sicher gut beraten, in anderen Fällen ist eine Beratung beim Arzt oder Apotheker des Vertrauens empfehlenswert.

Minzöl gegen Spinnen

Spinnen und Mücken sind für viele Menschen ein echtes Problem. Gerade für Spinnen gilt, dass die meisten einheimischen Arten recht harmlos sind, und mit dem Fang von Insekten tuen sie uns Menschen oft sogar einen großen Gefallen. Aber deswegen muss man Spinnen nicht gleich mögen, manche Zeitgenossen leiden sogar unter einer großen Angst vor den achtbeinigen Krabbeltieren. Es gibt einige Hausmittel, die helfen, Spinnen aus dem Haus fern zu halten.

Spinnen mögen den Geruch einiger ätherischer Öle überhaupt nicht. Ganz oben auf der Liste stehen hier Minz- und Eukalyptusöl sowie der Duft von Lavendel und Zitrone. In eine Sprühflasche mit Wasser kommen ein paar Tropfen Öl, dazu noch eine kleine Menge Spülmittel, damit sich die Mischung besser versprühen lässt. Dieses Duftwasser wird auf Tür- und Fensterrahmen gesprüht und sorgt so ein bis zwei Tage lang für Ruhe vor den Tierchen. Auch Teebaumöl, Zimtöl und Citronella-Öl können hilfreich sein. Sogar die ungeliebten Stechmücken halten Abstand von diesen Duftkompositionen.

Hinweise zur allgemeinen Anwendung von Minzöl

Unabhängig davon, für welche Erkrankung man sich Hilfe von Minzöl und anderen Hausmitteln verspricht, sollten sie mit Bedacht zum Einsatz kommen. Bei wiederkehrenden Beschwerden und chronischen Erkrankungen sind sie keine Alternative zur Diagnose durch den Schulmediziner, aber eine sinnvolle ergänzende Therapie. Das Motto "viel hilft viel" ist bei dem stark mentholhaltigen ätherischen Öl der falsche Ansatz. Jede Überdosierung kann zu Reizungen und Folgeproblemen führen. Das gilt gleichermaßen für die innere wie für die äußere Anwendung. Nach dem Kontakt mit dem Heilpflanzenöl sollten Sie sich die Hände gründlich waschen. Damit vermeiden Sie den versehentlichen Kontakt mit Schleimhäuten, offenen Wunden und empfindlichen Körperstellen, insbesondere mit den Augen.

Minzöl in der Schwangerschaft

Gerade während einer Schwangerschaft ist man sich nicht sicher, welche Medikamente oder Hausmittel weiterhin ohne Bedenken angewendet werden können, das gilt auch für Minzöl. Immerhin ist bekannt, dass das Inhalieren von Menthol für Babys und Kleinkinder lebensbedrohlich sein kann. Glücklicherweise gibt es keine Hinweise darauf, dass die Verwendung von Minzöl in der Schwangerschaft, sei es durch Inhalation, orale Einnahme oder Hautkontakt, sich negativ auf die Schwangerschaft oder das Ungeborene auswirkt. Im Einzelfall ist aber eine Beratung durch den Frauenarzt oder eine Hebamme durchaus angebracht. Nach der Geburt des Kindes sollte man besondere Vorsicht walten lassen, damit es kein Menthol einatmet.

Gerüchteweise wird Menthol auch eine wehenfördernde Wirkung nachgesagt. Das ist hauptsächlich von Interesse für Schwangere, bei denen die Geburt kurz bevorsteht, aber noch keine Anzeichen für Wehen zu verspüren sind. Für diese Vermutung gibt es keine Belege. Es ist allerdings nicht unwahrscheinlich, dass sich der Einsatz positiv auf das Befinden der Schwangeren auswirkt und zu einer Entspannung verhelfen kann.

Minzöl selbst herstellen

Ein nach Minze duftendes Öl zur äußerlichen Anwendung kann man aus einer Handvoll Minz- oder Pfefferminzblätter für den Hausgebrauch leicht selbst herstellen. Gründlich waschen, zerkleinern und zusammen mit einem halben Liter Olivenöl in ein Schraubglas geben. Auf einer sonnigen Fensterbank etwa sechs Wochen lang durchziehen lassen. Danach durch ein Sieb geben und in einer dunklen Apothekerflasche dunkel und kühl aufbewahren.

Hochkonzentrierte ätherische Öle werden durch Destillation gewonnen. Wer nicht in einen teuren Destillator investieren möchte, kann sich selbst eine Apparatur aus Dampfkochtopf, Glasrohren und anderen Zubehörteilen basteln. Für Hobby-Chemiker unter Umständen eine sinnvolle Variante, für andere Zeitgenossen mag der Kauf die bessere Lösung sein.

Minzöl kaufen - Worauf sollte geachtet werden?

Wer qualitativ hochwertiges Minzöl zu einem fairen Preis erwerben möchte, muss sich schon genau umsehen. Viele preiswerte Produkte in Drogerien und Supermärkten sind mit anderen Bestandteilen gestreckt und sind wegen der geringen Konzentration oft völlig wirkungslos. Gut beraten ist man wie so oft im Fachhandel und in Apotheken.