Die Weihrauchpflanze oder der Weihrauchbaum stammt aus der Gattung Boswellia, den Balsambaumgewächsen (Burseraceae). Das ätherische Weihrauchöl – im Englischen als Frankincense Oil bekannt – wird aus dem Harz der Weihrauchbäume gewonnen und zählt zu den ältesten Heilmitteln der Menschheit. Bereits vor über 5.000 Jahren nutzten die Hochkulturen Ägyptens, Mesopotamiens und Indiens den Weihrauch als Salböl, Räucherwerk und Arzneimittel.[1] Die verschiedenen Arten der zwischen 1,5 und 8 Meter hohen Weihrauchbäume wachsen wild in den Trockengebieten Afrikas – insbesondere in Somalia –, auf der Arabischen Halbinsel im Oman und Jemen sowie in Indien. Ein besonderes Merkmal dieser eher kleinwüchsigen Bäume ist die papierartige Rinde, die schuppig vom Stamm abblättert.
An den Ästen bilden diese spärlich belaubten Bäume Blütenrispen bis zu einer Länge von 25 cm aus. Circa 82 % der gesamten Harzernte wird in Somalia gewonnen, die restliche Ernte stammt aus dem südlichen Arabien – Oman und Jemen – sowie aus anderen afrikanischen Ländern wie dem Sudan oder Eritrea und aus Indien. Von den rund 25 verschiedenen Boswellia-Arten wird das Harz von vier medizinisch relevanten Spezies geerntet, deren Harztypen sich geringfügig unterscheiden:
- Boswellia sacra – der somalische bzw. arabische Weihrauch, ein 4–5 Meter hoher, stark verzweigter Baum mit sehr dicken Ästen. Besonders das Weihrauchöl aus dem Oman stammt häufig von dieser Art.
- Boswellia serrata – der indische Weihrauch (auch „Salai guggul" genannt), der in der europäischen Phytotherapie am häufigsten eingesetzt wird und im Europäischen Arzneibuch eingetragen ist.[2]
- Boswellia carterii – eine in Somalia verbreitete Art mit besonders aromatischem Harz.
- Boswellia papyrifera – die bekannteste und beliebteste Weihrauchsorte der Welt, auch als „Kirchenweihrauch" mit seinem süßlich-milden, zitronenartigen Duft bekannt.
Gewinnung von Weihrauchöl
In den Monaten März und April beginnt – je nach Standort – die traditionelle Weihrauchernte und dauert über mehrere Monate an. Um das Harz zu ernten, werden Stamm und Äste des Weihrauchbaumes mit dem Mengaff, einem speziellen Werkzeug zur Harzgewinnung, eingeschnitten. An diesen Schnittstellen tritt nach und nach eine milchige, klebrige Flüssigkeit aus, die innerhalb weniger Tage durch das Trocknen an der Luft zu festem Weihrauchharz wird. Dieses wird dann in Tropfenform von den Stämmen geschabt.
Die Tropfen des ersten Erntevorgangs des Jahres bestehen in der Regel nur aus wenigen Millimeter großen Stücken und variieren farblich von schwarz bis bernsteinfarben. Dieses Weihrauchharz ist von minderer Qualität und wurde bis Mitte des 20. Jahrhunderts als unbrauchbar entsorgt. Mittlerweile gibt es auch für die Harze der ersten Ernte einen Markt. Im Verlauf der weiteren Ernten – jeder Baum wird mehrfach abgeerntet – wird das Harz immer reiner und heller. Die letzte Ernte ergibt Harztropfen von bis zu einem Zentimeter in einer fast weißen Farbe. Diese nahezu weißen Harztropfen besitzen die höchste Qualität und sind um ein Vielfaches teurer als das Harz der ersten Ernte. Je nach Standort, Größe und Alter des Weihrauchbaumes liegt der reguläre Ertrag zwischen 3 und 10 Kilogramm Harz pro Baum und Saison.
Das reine, ätherische Weihrauchöl wird durch Wasserdampf-Destillation gewonnen. Dazu wird das Harz zusammen mit heißem Wasser in einen Destillationskolben gegeben und anschließend heißer Wasserdampf eingeleitet. Dadurch wird das wertvolle ätherische Öl des Weihrauchs gelöst und kann aufgefangen werden. Auf dem Markt ist ein großes Angebot an Harzen und Weihrauchölen erhältlich – nicht alle sind rein und zur kosmetischen oder medizinischen Verwendung nutzbar. Achten Sie beim Kauf deshalb immer auf ein 100 % reines, ätherisches Weihrauchöl in Bio-Qualität.
Weihrauchöl Inhaltsstoffe
Über 200 verschiedene Substanzen – abhängig von Sorte, Standort des Baumes und Zeitpunkt der Ernte – wurden im Laufe der Zeit in wissenschaftlichen Studien in den Harzen der Boswellia-Gewächse nachgewiesen.[1] Medizinisch besonders relevant sind die Boswelliasäuren (insbesondere die Acetyl-11-Keto-β-Boswelliasäure, kurz AKBA), Triterpene und das Diterpenoid Incensol-Acetat.
Weitere wichtige Inhaltsstoffe sind unter anderem:
- Wasser: 10–12 %
- Harzanteil: ca. 50 % (enthält die therapeutisch wirksamen Boswelliasäuren)
- Gummi (Polysaccharide): ca. 20 %
- Ätherisches Öl: 5–10 %
- Monoterpene: α-Pinen, β-Pinen, Limonen, Camphen, Myrcen
- Sesquiterpene und Diterpene: Incensol, Incensol-Acetat
Die Zusammensetzung des ätherischen Weihrauchöls variiert je nach Boswellia-Art erheblich: Weihrauchöl aus Boswellia serrata enthält typischerweise höhere Anteile an α-Thujen, während Boswellia sacra-Öl reich an α-Pinen ist. Die Boswelliasäuren – insbesondere AKBA – hemmen nachweislich das Enzym 5-Lipoxygenase (5-LOX), welches an der Produktion entzündungsfördernder Leukotriene beteiligt ist.[3]
Wirkung von Weihrauchöl
Weihrauchöl wird schon seit Tausenden von Jahren als Heilmittel und Salböl geschätzt. Moderne Forschung bestätigt zunehmend die traditionellen Anwendungen: Die Wirkung von Weihrauchöl beruht auf mehreren pharmakologischen Mechanismen, die in zahlreichen Studien nachgewiesen wurden.[4]
Entzündungshemmend: Die Boswelliasäuren im Weihrauchharz hemmen die Enzyme 5-Lipoxygenase (5-LOX) und Cyclooxygenase (COX-1/2), wodurch die Bildung entzündungsfördernder Leukotriene und Prostaglandine unterdrückt wird. Aktuelle Forschungen der Universität Jena zeigen zudem, dass Weihrauchextrakte die Bildung entzündungsauflösender Lipidmediatoren (Specialized Pro-resolving Mediators, SPMs) fördern – ein Mechanismus, der nicht nur Entzündungen stoppt, sondern aktiv zur Heilung beiträgt.[5]
Schmerzlindernd: Durch die Hemmung entzündlicher Prozesse wirkt Weihrauchöl auch schmerzlindernd. Klinische Studien zeigen positive Effekte bei Gelenkschmerzen, insbesondere bei Knie-Arthrose.[6]
Antimikrobiell: Weihrauchöl zeigt antioxidative und antimikrobielle Eigenschaften gegen grampositive und gramnegative Bakterien sowie gegen Pilze der Gattung Candida.[7]
Wundheilungsfördernd: Das ätherische Weihrauchöl unterstützt die Wundheilung, indem es den Übergang von der Entzündungs- zur Proliferationsphase beschleunigt.[8]
Psychoaktiv und beruhigend: Der Inhaltsstoff Incensol-Acetat aktiviert TRPV3-Kanäle im Gehirn, was nachweislich angstlösende und antidepressive Effekte zeigt.[9]
In Deutschland wird für medizinische Zwecke vorwiegend das Harz des Boswellia serrata verwendet. Das indische Weihrauchharz ist im Europäischen Arzneibuch eingetragen und wird vor der Weiterverwendung auf Herkunft, Reinheit und Qualität geprüft.
Weihrauchöl für die Haut und das Gesicht
Weihrauchöl ist ein vielseitiges Hautpflegemittel, das in einer klinischen Doppelblindstudie nachweislich die sichtbaren Zeichen der Hautalterung reduziert. Forschende der Universität Brescia konnten zeigen, dass eine Creme mit 0,5 % Boswelliasäuren die Anzeichen lichtbedingter Hautalterung (Photoaging) im Gesicht signifikant verbessert.[10] Eine aktuelle Studie bestätigt darüber hinaus, dass Weihrauchöl die Haut vor UV-bedingter Schädigung schützen kann, indem es die MAPK- und PI3K/AKT-Signalwege moduliert.[11]
Weihrauchöl im Gesicht angewandt mindert Falten und feine Linien, fördert die Regeneration der Hautzellen und erhält die Spannkraft von Zellen und Gewebe. Unschöne Dehnungsstreifen werden durch das Weihrauchöl gemildert, Narben verheilen schneller und glatter. Auch alte, aufgeworfene Narben lassen sich mit Weihrauchöl glätten. Um Weihrauchöl pur auf die Haut aufzutragen, sollte es zuvor stets mit einem Trägeröl wie Jojobaöl oder Mandelöl verdünnt werden.
Äußerlich und innerlich angewendet hilft das Weihrauchöl bei Akne, Pickeln, Ekzemen und Allergien. Besonders wertvoll ist die Behandlung mit Weihrauchöl für Betroffene, die unter Neurodermitis, Nesselsucht oder Schuppenflechte leiden. Eine Studie zeigt, dass α-Boswelliasäure bei atopischer Dermatitis entzündungshemmend wirkt und den Juckreiz lindert.[12] Die entzündungshemmenden Boswelliasäuren des Weihrauchöls beruhigen den starken Juckreiz, desinfizieren, wirken der Entzündung der Haut entgegen, versorgen die Haut mit Feuchtigkeit und glätten sie.
Weihrauchöl ist im Gegensatz zu dem bei diesen Beschwerden häufig verordneten synthetischen Cortison im Allgemeinen sehr gut verträglich, die Anzahl möglicher Nebenwirkungen verschwindend gering.
Weihrauchöl gegen Arthritis, Rheuma und Darmerkrankungen
Auch bei entzündlichen Gelenkerkrankungen entfaltet die entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung des Weihrauchöls ihr Potenzial. Die Boswelliasäuren hemmen die Ausschüttung der sogenannten Leukotriene – Botenstoffe, die für viele entzündliche Krankheiten des Körpers verantwortlich sind, darunter Arthritis, Arthrose und Asthma bronchiale. Ein aktueller Review aus dem Jahr 2025 bestätigt, dass Boswellia serrata durch Modulation der NFκB-, COX-2- und 5-LOX-Signalwege Schmerzen lindert, die Gelenkbeweglichkeit verbessert und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt.[13]
Eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte klinische Studie zeigte zudem, dass auch die äußerliche Anwendung eines Weihrauchextrakts bei Knie-Arthrose die Schmerzintensität signifikant reduziert und die Gelenkflexibilität verbessert.[6] Weihrauchöl zum Einreiben bei Gelenkschmerzen ist daher eine wissenschaftlich fundierte Option. Auch bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn wird Weihrauch als unterstützende Therapie erforscht.
Weihrauchöl zur Stärkung des Immunsystems
Weihrauch kann unterstützend bei bestimmten Krebserkrankungen neben der normalen Krebsbehandlung eingesetzt werden. Eine Phase-Ia-Studie an Patientinnen mit Brustkrebs zeigte, dass die Einnahme von Boswellia-serrata-Extrakt (2.400 mg/Tag) die Tumorzellproliferation reduzierte, gemessen am Ki-67-Marker – bei guter Verträglichkeit.[14] Chemo- und Strahlentherapie gehen häufig mit schweren Nebenwirkungen einher, die sich in einer Schwächung der körpereigenen Abwehrkräfte, Wundheilungsstörungen und Störungen der Blutbildung äußern. Der Weihrauch unterstützt und stärkt das Immunsystem des Körpers.
Ein umfassender Review der anti-inflammatorischen und antikanzerösen Aktivitäten von Weihrauch bestätigt, dass Boswelliasäuren über mehrere Mechanismen wirken: Sie hemmen die Leukotrien-Synthese, modulieren Immunzellen des angeborenen und erworbenen Immunsystems und reduzieren oxidativen Stress.[4] Wissenschaftler weltweit arbeiten mit Hochdruck daran, die krebsbekämpfenden Stoffe des Weihrauchs zu klassifizieren und gezielt einzusetzen. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass Weihrauch eine ärztliche Krebstherapie ergänzen, aber niemals ersetzen kann.
Weihrauchöl als Ersatz für Cortison
Cortison ist ein lebenswichtiges, körpereigenes Hormon. Synthetisch hergestelltes Cortison wirkt wie auch der Weihrauch entzündungshemmend auf akute und chronische Entzündungen und ist gut für die Behandlung von beispielsweise Asthma geeignet. Bei längerfristiger Einnahme verfügt es jedoch über einige nennenswerte Nebenwirkungen:
- Erhöhte Infektanfälligkeit
- Dünnerwerden der Haut
- Wassereinlagerungen im Gewebe
- Anstieg des Blutdrucks
- Unerwünschte Gewichtszunahme
- Osteoporose bei Langzeitanwendung
Weihrauchöl bietet eine natürliche Alternative mit deutlich geringerem Nebenwirkungsprofil. Studien zeigen, dass Boswellia-Extrakte bei entzündlichen Erkrankungen vergleichbare entzündungshemmende Wirkung entfalten können.[4] Dennoch sollte ein Wechsel von Cortison zu Weihrauch immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.
Weihrauchöl als Schmerzmittelersatz
Auch herkömmliche Schmerzmittel (NSAR) können bei längerer oder erhöhter Einnahme unerwünschte Nebenwirkungen haben. Bei langfristiger Einnahme kommt es oft zu einer Gewöhnung des Körpers, die Dosierung muss erhöht werden, um den gewünschten schmerzstillenden Effekt zu erreichen. Weihrauch dagegen ist ein sanftes, natürliches und wirksames Schmerzmittel, das weder zur Abhängigkeit führt noch nennenswerte Nebenwirkungen auslöst. Eine klinische Studie bestätigte, dass die topische Anwendung von Weihrauchextrakt bei Knieschmerzen durch Arthrose signifikante Linderung brachte – vergleichbar mit konventionellen Therapien, jedoch mit weniger Nebenwirkungen.[6]
Weihrauchöl für die Psyche und gegen Schlafstörungen
Die Wirkung von Weihrauchöl auf die Psyche hat sowohl eine lange Tradition als auch eine wissenschaftliche Grundlage. Weihrauchöl gilt seit der Antike als Beruhigungsmittel – in vielen Kulturen wurde und wird der Weihrauch bei religiösen Zeremonien verbrannt, um einen meditativen, spirituellen Zustand zu fördern.
Die Forschung liefert dafür eine neurobiologische Erklärung: Der Inhaltsstoff Incensol-Acetat aktiviert die sogenannten TRPV3-Ionenkanäle im Gehirn. Eine Studie eines internationalen Teams, darunter Forscher der Johns Hopkins University und der Hebrew University in Jerusalem, konnte bei Mäusen nachweisen, dass Incensol-Acetat angstlösende (anxiolytische) und antidepressive Effekte auslöst.[9] Dieser Mechanismus könnte die Grundlage für eine neue Klasse von Antidepressiva bilden.
Durch die Inhalation des Weihrauchöls – geben Sie dazu einfach einige Tropfen in eine Duftlampe – werden Ängste und Stress vermindert, der Blutdruck wird sanft gesenkt und die Atmung reguliert. Auch als Inhalation bei Unruhe und Schlafstörungen hat sich Weihrauchöl bewährt. Manche Anwender berichten zudem von positiven Erfahrungen mit dem Auftragen von Weihrauchöl auf den Bauchnabel oder die Fußsohlen zur Entspannung – diese Praxis stammt aus der ayurvedischen Tradition.
Weihrauchöl bei Asthma, Bronchitis und Erkältung
Weihrauchöl mindert die entzündlichen Vorgänge in den Atemwegen. Da Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale und chronische Bronchitis mit Entzündungen einhergehen, können die Beschwerden durch Inhalation von Weihrauchöl oder innerlich durch die Einnahme des Öls behandelt werden. Boswelliasäuren hemmen die 5-Lipoxygenase, die an der Bildung von Leukotrienen beteiligt ist – genau jenen Botenstoffen, die bei Asthma die Atemwegsverengung und Schleimproduktion auslösen.[3]
Auch bei einer normalen Erkältung klingt die Entzündung durch die Inhalation mit Weihrauchöl schneller ab. Das Weihrauchöl-Inhalieren unterstützt die Schleimlösung und erleichtert das Durchatmen.
Weihrauchöl für Zahnfleisch und Mundgesundheit
Eine besonders vielversprechende Anwendung des Weihrauchöls betrifft die Mundgesundheit. Eine Studie aus dem Jahr 2024 untersuchte die Wirkung von Boswellia-serrata-Extrakt auf Porphyromonas gingivalis – ein Bakterium, das maßgeblich an der Entstehung von Parodontitis beteiligt ist. Die Ergebnisse zeigten, dass der Extrakt das Wachstum und die Biofilmbildung dieses Erregers hemmen konnte.[15]
Weihrauchöl für das Zahnfleisch kann als Mundspülung angewendet werden: Einige Tropfen in ein Glas Wasser geben und den Mund gründlich ausspülen. Die entzündungshemmenden Eigenschaften können Zahnfleischentzündungen lindern und zur allgemeinen Mundhygiene beitragen. Auch das Ölziehen mit Weihrauchöl ist eine beliebte Methode.
Weihrauchöl selber machen
Wer keinen Destillationsapparat zuhause hat, kann sich dennoch aus Weihrauchharz ein gutes Basisöl herstellen. Sie erhalten zwar kein reines, ätherisches Öl wie bei einer Wasserdampfdestillation, aber ein brauchbares Weihrauchöl für Salben, Parfüms oder als Massageöl. Dazu brauchen Sie ein hochwertiges Trägeröl. Wenn Sie Wert auf den besonderen Duft des Weihrauchs legen, empfiehlt sich die Verwendung eines Öls mit geringem Eigengeruch. Möchten Sie das Öl auf die Haut auftragen, verwenden Sie ein Öl mit guten Hautpflegeeigenschaften – Jojobaöl, Kokosöl oder Mandelöl sind dafür sehr empfehlenswert.
Zutaten und Anleitung:
Für 100 ml Weihrauchöl benötigen Sie 25 g reines, hochwertiges Harz. Das Harz des Boswellia serrata eignet sich anhand des angenehmen Duftes und der vielfältigen Inhaltsstoffe am besten. Achten Sie beim Kauf des Weihrauchs auf qualitativ hochwertiges, unverfälschtes Harz.
Das Harz zerkleinern Sie mit einem Mörser, bis feines Pulver entsteht. Dann geben Sie 100 ml des Öls Ihrer Wahl in einen hitzefesten Glasbehälter, fügen das Harzpulver hinzu und vermischen beides gründlich. Stellen Sie den Glasbehälter in einen Topf und füllen Sie diesen bis zur Hälfte mit Wasser (Wasserbad). Das Wasser darf nicht in das Öl-Harz-Gemisch gelangen.
Nun erhitzen Sie das Gemisch auf kleinster Stufe für 30 bis 45 Minuten. Das Gemisch darf nicht kochen. Rühren Sie regelmäßig um, damit sich der Weihrauch gleichmäßig im Öl löst. Nach 45 Minuten den Topf vom Herd nehmen und circa 30 Minuten abkühlen lassen.
Anschließend müssen Sie das Öl filtern, um Verunreinigungen zu entfernen. Verwenden Sie dazu ein sauberes, dünnes Tuch oder einen Kaffeefilter aus Papier. Legen Sie den Filter in ein Sieb oder einen Trichter, setzen Sie diesen auf ein gereinigtes Gefäß und geben Sie das Harz-Öl-Gemisch hinein. Die Filterung des dickflüssigen Öls kann bis zu einem Tag dauern. Rühren Sie hin und wieder, um schwere Partikel vom Boden zu lösen. Alternativ können Sie das Ölgemisch einen Tag lang ruhen lassen – die schweren Partikel setzen sich am Boden ab und das klare Öl kann vorsichtig abgegossen werden.
Dosierung und Anwendung von Weihrauchöl
Die richtige Dosierung von Weihrauchöl hängt von der Darreichungsform und dem Beschwerdebild ab. Grundsätzlich gilt: Fragen Sie vor der Einnahme von Weihrauchöl Ihren Arzt oder einen erfahrenen Heilpraktiker nach der empfohlenen Dosierung für Ihre speziellen Beschwerden. Vom Arzt verschriebene Medikamente sollten niemals abrupt abgesetzt, sondern langsam ausgeschlichen werden.
Innere Anwendung (Kapseln und Tabletten): Im Allgemeinen gilt: Bei starken Beschwerden und zu Beginn einer Therapie nehmen Sie jeweils 3 × 2 Kapseln oder Tabletten nach den Mahlzeiten ein. Bei geringen Beschwerden genügen 3 × 1 Kapsel oder Tablette. Das ätherische Weihrauchöl zum Einnehmen sollte nur in sehr geringen Mengen und stets nach ärztlicher Rücksprache oral eingenommen werden, da es hochkonzentriert ist.
Weihrauchöl verdünnen: Zur äußerlichen Anwendung auf der Haut muss ätherisches Weihrauchöl immer mit einem Trägeröl verdünnt werden. Eine gängige Mischung ist 2–3 Tropfen ätherisches Weihrauchöl auf einen Esslöffel Trägeröl.
Inhalation: Besonders bei Infektionen der Atemwege empfiehlt sich die klassische Wasserdampf-Anwendung. Lösen Sie 1–2 Tropfen Weihrauchöl in einem hitzefesten, hohen Gefäß mit kochendem Wasser auf. Halten Sie Ihren Kopf über den aufsteigenden Wasserdampf und bedecken Sie Kopf und Gefäß mit einem großen Handtuch. Inhalieren Sie ungefähr 10 Minuten lang, bis zu 3-mal täglich. Bei Unruhe oder Kopfschmerzen können Sie alternativ einige Tropfen direkt auf ein sauberes Tuch geben und den Duft mehrmals täglich einatmen.
Massage: Bei schmerzenden Gelenken, Muskelbeschwerden oder Hautproblemen ist eine Massage mit Weihrauchöl besonders wirksam. Mischen Sie bis zu 40 Tropfen Weihrauchöl in ein Pflegeöl Ihrer Wahl. Bei Gelenkschmerzen achten Sie darauf, das schmerzende Gelenk nicht direkt zu berühren, um es nicht zusätzlich zu reizen. Eine Massage mit Weihrauch lindert nicht nur Schmerzen, sondern entspannt und beruhigt Körper und Geist.
Mundspülungen: Gegen Entzündungen im Mundbereich, besonders bei Zahnfleischentzündungen oder als Prophylaxe. Mischen Sie 1–2 Tropfen des Öls mit Ihrem Mundwasser oder lösen Sie sie in einem Glas Wasser auf. Den Mund damit ausspülen und ausspucken – bitte nicht schlucken.
Badezusatz: Ein warmes Bad mit einigen Tropfen Weihrauchöl im einlaufenden Wasser wirkt gleichermaßen auf Körper und Geist. Die Inhaltsstoffe des Weihrauchs werden über die Haut aufgenommen und wirken schmerzlindernd bei Muskel-, Gelenk- und rheumatischen Beschwerden sowie beruhigend auf die Psyche.
Kompressen: Tauchen Sie ein weiches Tuch je nach Beschwerden in heißes oder kaltes Wasser, wringen Sie es aus und verteilen Sie einige Tropfen Weihrauchöl darauf. Legen Sie die Kompresse auf die schmerzende Stelle und lassen Sie das Öl einwirken. Kompressen empfehlen sich bei lokalen Schmerzen, Gelenkbeschwerden, zur verbesserten Wundheilung und bei leichten Verbrennungen.
Kosmetik und Gesichtspflege: Weihrauch hat eine positive Wirkung auf die Hautalterung, pflegt spröde und rissige Haut und vermindert Unreinheiten. Mischen Sie 1–2 Tropfen Weihrauchöl mit Ihrer gewohnten Gesichtspflegecreme und tragen Sie sie täglich auf. Auch in Kombination mit Hagebuttenöl oder Arganöl entfaltet Weihrauchöl hervorragende Anti-Aging-Eigenschaften für das Gesicht.
Schwangere und Stillende sollten vor einer Weihrauchtherapie ihren behandelnden Arzt fragen. Vorsicht gilt auch bei der Behandlung von Kindern unter 2 Jahren – bei dieser Altersgruppe stehen noch nicht genügend Studien über die Wirkung und Verträglichkeit von Weihrauch zur Verfügung.[16]
Lagerung und Haltbarkeit von Weihrauchöl
Ätherische Öle sind bei korrekter Lagerung über Jahre haltbar. Ein gutes Weihrauchöl hält zwischen 5 und 10 Jahren. Bei Ölen wie Weihrauchöl, Patchouliöl und Sandelholzöl tritt sogar ein Reifungsprozess ein: Je länger das Öl gelagert wird, umso voller und intensiver wird der Duft.
Damit das Weihrauchöl lange hält, muss es unter bestimmten Bedingungen aufbewahrt werden:
- Lagern Sie es in einer möglichst dunklen, fest verschlossenen Glasflasche.
- Bewahren Sie es an einem dunklen, kühlen Ort auf (Raumtemperatur ist ideal).
- Vermeiden Sie direkte Sonnen- oder Wärmeinstrahlung.
- Lagern Sie das Weihrauchöl nicht im Kühlschrank – zu viel Kälte verträgt es nicht.
Wenn das Weihrauchöl trübe oder gar milchig erscheint, ist es überaltert und für Heilzwecke unbrauchbar. Solche Öle dürfen weder äußerlich noch innerlich angewendet werden, da sie Hautreizungen auslösen könnten.
Nebenwirkungen von Weihrauchöl
Weihrauchöl ist im Allgemeinen innerlich wie äußerlich angewandt sehr gut verträglich. Klinische Studien belegen ein günstiges Sicherheitsprofil: In Tierversuchen und klinischen Studien traten selbst bei höheren Dosierungen keine signifikanten Laborparameter-Veränderungen auf.[4] Nur in wenigen Fällen kommt es zu:
- Lokalen Hautirritationen wie Rötungen und leichtem Brennen
- Magenbeschwerden wie Übelkeit oder Durchfall bei innerer Anwendung
- Einem leicht unangenehmen Nachgeschmack bei oraler Einnahme
Allerdings kann eine allergische Reaktion bei Erstanwendung nie ausgeschlossen werden. Um die Verträglichkeit des Weihrauchöls äußerlich zu testen, geben Sie 2 Tropfen Ihres verdünnten Weihrauchöls auf Ihren Unterarm oder in die Armbeuge und decken die Stelle mit einem Pflaster ab. Stellen sich innerhalb von 24 Stunden keine Hautirritationen ein, können Sie den Weihrauch bedenkenlos anwenden. Für den Test der inneren Verträglichkeit verdünnen Sie 1–2 Tropfen in einem Glas Wasser und trinken dies über den Tag verteilt.
Wichtige Hinweise: In der Schwangerschaft und Stillzeit sollte Weihrauchöl nur nach ärztlicher Rücksprache verwendet werden, da keine ausreichenden Studien zur Unbedenklichkeit vorliegen.[16] Auch bei der Anwendung von Weihrauchöl bei Katzen und anderen Haustieren ist besondere Vorsicht geboten, da ätherische Öle für Tiere toxisch sein können.
Weihrauchöl kaufen – worauf Sie achten sollten
Beim Kauf von Weihrauchöl gibt es einige wichtige Qualitätskriterien zu beachten. Das Angebot an Weihrauchprodukten ist groß, die Qualitätsunterschiede erheblich.
Reines ätherisches Weihrauchöl
Hochwertiges ätherisches Weihrauchöl wird durch Wasserdampf-Destillation aus reinem Weihrauchharz gewonnen. Achten Sie beim Kauf auf folgende Punkte:
- 100 % reines, naturbelassenes ätherisches Öl – keine synthetischen Zusätze
- Angabe der botanischen Bezeichnung (Boswellia serrata, Boswellia sacra oder Boswellia carterii)
- Bio-Zertifizierung, wenn möglich
- Kauf in der Apotheke oder bei spezialisierten Anbietern für höchste Qualitätsstandards
Das reine ätherische Weihrauchöl darf nicht mit günstigen „Duftölen" verwechselt werden, die lediglich zum Aromatisieren in Duftlampen gedacht sind. Hochwertiges Weihrauchöl ist auch bei Drogerien erhältlich, wobei Sie stets auf die Deklaration als 100 % naturreines ätherisches Öl achten sollten. Zur inneren Einnahme verwenden Sie ausschließlich Produkte, die explizit als zum Einnehmen geeignet gekennzeichnet sind. Weihrauchöl darf nicht in die Hände von Kleinkindern geraten.
Weihrauch-Kapseln und Tabletten
Weihrauchkapseln und Tabletten werden in unterschiedlichen Dosierungen und Qualitäten angeboten. Hochdosierte Kapseln enthalten bis zu 1.200 mg reines Weihrauchextrakt pro Kapsel. In der Phase-Ia-Studie an Brustkrebspatientinnen wurde eine Tagesdosis von 2.400 mg eingesetzt, die gut vertragen wurde.[14] Weihrauchkapseln haben den Vorteil, dass der für manche Menschen unangenehme Nachgeschmack entfällt, da das Weihrauchextrakt direkt in den Magen gelangt.
Beim Kauf sollte auf 100 % reinen Boswellia-serrata-Weihrauch und geprüfte Qualität geachtet werden. Die auf dem jeweiligen Produkt angegebene Höchstmenge pro Tag sollte ohne Absprache mit dem Arzt nicht überschritten werden.
Weihrauchsalbe und Cremes
Weihrauchsalbe, Cremes oder Gele sind geeignet für die äußerliche Anwendung bei leichten bis starken Gelenksentzündungen, rheumatischen Beschwerden und bei Hautproblemen wie rissiger, trockener Haut, Verhornungen oder Schrunden. Auch die Kombination mit Arnikaöl und Myrrhentinktur ist eine tradierte Rezeptur bei Gelenkbeschwerden. Bei regelmäßiger Anwendung werden Schmerzen und Entzündungen spürbar gemindert. Auch hier sollte auf geprüfte Qualität und reine Inhaltsstoffe Wert gelegt werden.
Fettes Weihrauchöl
Neben dem ätherischen Weihrauchöl gibt es auch fettes Weihrauchöl, das durch Kaltpressung oder CO₂-Extraktion gewonnen wird. Fettes Weihrauchöl enthält eine höhere Konzentration an Boswelliasäuren und eignet sich besonders für die innere Einnahme und die direkte Anwendung auf der Haut. Es wird häufig als unterstützendes Mittel bei Arthrose, Fibromyalgie und chronischen Entzündungen eingesetzt. Beim Kauf von fettem Weihrauchöl sollte auf ein Produkt aus indischem Weihrauch (Boswellia serrata) in geprüfter Qualität geachtet werden.
Quellen:
- Siddiqui, M. Z. (2011). Boswellia serrata, a potential antiinflammatory agent: an overview. Indian Journal of Pharmaceutical Sciences, 73(3), 255–261. doi:10.4103/0250-474X.93507
- Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.), Monographie: Indischer Weihrauch (Olibanum indicum).
- Nischang, V., Witt, F. M., Börner, F., Gomez, M., Jordan, P. M. & Werz, O. (2024). Frankincense preparation promotes formation of inflammation-resolving lipid mediators by manipulating lipoxygenases in human innate immune cells. Frontiers in Pharmacology, 14, 1332628. doi:10.3389/fphar.2023.1332628
- Efferth, T. & Oesch, F. (2022). Anti-inflammatory and anti-cancer activities of frankincense: Targets, treatments and toxicities. Seminars in Cancer Biology, 80, 39–57. doi:10.1016/j.semcancer.2020.01.015
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- Mohsenzadeh, A., Karimifar, M., Soltani, R. & Hajhashemi, V. (2023). Evaluation of the effectiveness of topical oily solution containing frankincense extract in the treatment of knee osteoarthritis: a randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial. BMC Research Notes, 16(1), 28. doi:10.1186/s13104-023-06291-5
- Ferrara, L. et al. (2023). Boswellia Essential Oil: Natural Antioxidant as an Effective Antimicrobial and Anti-Inflammatory Agent. Molecules, 28(19), 6948. doi:10.3390/molecules28196948
- Saker, P. S. et al. (2025). Protective Effects of Frankincense Oil on Wound Healing: Downregulating Caspase-3 Expression. Pharmaceuticals, 18(3), 407. doi:10.3390/ph18030407
- Moussaieff, A. et al. (2008). Incensole acetate, an incense component, elicits psychoactivity by activating TRPV3 channels in the brain. The FASEB Journal, 22(8), 3024–3034. doi:10.1096/fj.07-101865
- Pedretti, A. et al. (2010). Effects of topical boswellic acid on photo and age-damaged skin: clinical, biophysical, and echographic evaluations in a double-blind, randomized, split-face study. Planta Medica, 76(6), 555–560. doi:10.1055/s-0029-1240581
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- Chen, Y. C. et al. (2022). Evaluation of the Anti-Atopic Dermatitis Effects of α-Boswellic Acid on TNF-α/IFN-γ-Stimulated HaCaT Cells and DNCB-Induced BALB/c Mice. International Journal of Molecular Sciences, 23(17), 10028. doi:10.3390/ijms231710028
- Therapeutische Potenziale von Boswellia serrata bei Arthritis: COX-2-, 5-LOX- und NFκB-Modulation. PubMed, 2025. PMID: 40810753
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