Aprikosenkernöl

Zuletzt aktualisiert: 12.02.26

Umgangssprachlich oft einfach als „Aprikosenöl" bezeichnet, heißt das vielseitige Pflanzenöl korrekterweise Aprikosenkernöl – denn gewonnen wird es nicht aus dem Fruchtfleisch, sondern aus dem mandelähnlichen Kern im Inneren des Aprikosensteins. Der Aprikosenbaum (Prunus armeniaca) hat seinen Ursprung in China und gelangte über Armenien nach Europa.[1] Heute zählt die Türkei zu den weltweit größten Anbaugebieten, gefolgt von Italien, Spanien und Ungarn. Aprikosenkernöl – kaltgepresstes Öl aus den Kernen der Aprikose

Kleinere Anbauten finden sich auch in Teilen Österreichs und in der Schweiz. Da der Baum sehr kälteempfindlich ist, gedeiht er bevorzugt in wärmeren Regionen und wird häufig in höheren Lagen angebaut. Neben der beliebten Frucht erfreut sich besonders das Öl aus dem Kern einer zunehmenden Wertschätzung – sowohl in der Kosmetikindustrie als auch in der Küche und Aromatherapie. Der Ölgehalt der Kerne liegt je nach Sorte zwischen 40 und 53 Prozent, wobei süße Aprikosensorten in der Regel einen höheren Ölanteil aufweisen als bittere Varianten.[2] Das Fettsäureprofil ähnelt dem von Mandelöl, was Aprikosenkernöl zu einer beliebten und oft preiswerteren Alternative macht.

Gewinnung von Aprikosenkernöl

Die Herstellung von Aprikosenkernöl ist aufwendiger als bei vielen anderen Pflanzenölen. Zunächst werden die Aprikosen geerntet und getrocknet. Sind die Früchte halbtrocken, wird der innere Stein per Hand entnommen und separat weiter getrocknet. Anschließend muss der harte Stein aufgebrochen werden, um an den mandelähnlichen Kern im Inneren zu gelangen – aus diesem wird das eigentliche Aprikosenkernöl gewonnen.[3]

Durch mechanisches Pressen bei niedrigen Temperaturen entsteht kaltgepresstes Aprikosenkernöl, das den Großteil seiner wertvollen Inhaltsstoffe bewahrt. Häufig wird das Öl zusätzlich raffiniert, entweder physikalisch (durch Dampf und Filtration) oder chemisch (mit Lösungsmitteln). Die physikalische Raffination ist die schonendere Methode und verlängert die Haltbarkeit erheblich, da das reine, unraffinierte Öl aufgrund seines hohen Anteils an ungesättigten Fettsäuren vergleichsweise schnell oxidiert. Von chemisch raffinierten Ölen sollte man Abstand nehmen, da Rückstände von Lösungsmitteln nicht vollständig ausgeschlossen werden können. Wer Aprikosenkernöl für die Küche verwenden möchte, sollte ausschließlich zu nativem, kaltgepresstem Öl in Lebensmittelqualität greifen.

Aprikosenkernöl Inhaltsstoffe

Aprikosenkernöl enthält eine bemerkenswerte Fülle an Fettsäuren, Vitaminen und bioaktiven Verbindungen, die es so vielseitig einsetzbar machen.

Den Hauptbestandteil bildet die Ölsäure (Oleinsäure, Omega-9-Fettsäure) mit einem Anteil von rund 60 bis 71 Prozent. Sie verleiht dem Öl seine geschmeidige Textur und unterstützt die natürliche Hautbarriere, indem sie Feuchtigkeit in der Haut bindet.[2] Die Linolsäure (Omega-6-Fettsäure) macht etwa 20 bis 27 Prozent aus und ist eine essenzielle Fettsäure, die der Körper nicht selbst produzieren kann. In der Hautpflege gilt sie als besonders wertvoll: Sie beruhigt gereizte Haut, stärkt die Lipidbarriere, unterstützt die Regeneration sonnengeschädigter Haut und kann dazu beitragen, das Erscheinungsbild von Mitessern und Pigmentflecken zu mildern.[4]

Weitere Bestandteile sind Palmitinsäure (ca. 3–8 %), Stearinsäure (ca. 1–2 %) und Palmitoleinsäure in geringen Mengen. An Mikronährstoffen enthält Aprikosenkernöl Tocopherole (Vitamin E) – sowohl α-, γ- als auch δ-Tocopherol – mit Gesamtgehalten von bis zu 500 mg/kg, die als natürliche Antioxidantien wirken.[5] Darüber hinaus finden sich Beta-Carotin (eine Vorstufe von Vitamin A), Phytosterole wie Beta-Sitosterol sowie Squalen – allesamt Verbindungen, die zur pflegenden und schützenden Wirkung des Öls beitragen.

Aprikosenkernöl Kalorien und Nährwerttabelle

Aprikosenkernöl
Aprikosenkernöl Nährwerttabelle
100 g Aprikosenkernöl enthält durchschnittlich:
NährstoffMenge
Kalorien884 kcal (3.700 kJ)
Fettgehalt100 g
Gesättigte Fettsäuren6 g
Ungesättigte Fettsäuren94 g
Einfach ungesättigte Fettsäuren (Ölsäure)66 g
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Linolsäure)28 g
Cholesterin0 mg
Natrium0 mg
Kohlenhydrate0 g
Ballaststoffe0 g
Zucker0 g
Protein0 g
Vitamin E (Tocopherol)ca. 4 mg

Wirkung von Aprikosenkernöl

Betrachtet man das Fettsäureprofil und die enthaltenen Mikronährstoffe, zeigt sich schnell, warum Aprikosenkernöl vor allem in der Hautpflege so geschätzt wird. Die Wirkung lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen:

Hautschutz und Antioxidantien: Die enthaltenen Tocopherole (Vitamin E) wirken als natürliche Radikalfänger und schützen die Haut vor oxidativem Stress durch UV-Strahlung und Umwelteinflüsse.[6] Beta-Carotin unterstützt die Hauterneuerung und verleiht dem Teint einen frischen, gesunden Glow.

Feuchtigkeitspflege und Barrierestärkung: Die Kombination aus Ölsäure und Linolsäure stärkt die natürliche Lipidbarriere der Haut und hilft, transepidermalen Wasserverlust zu reduzieren.[4] Die Haut bleibt länger hydratisiert, fühlt sich geschmeidig an und wird vor dem Austrocknen geschützt.

Beruhigend und entzündungshemmend: Linolsäure und Phytosterole können entzündliche Prozesse auf der Haut lindern. Gereizte, sonnenstrapazierte oder leicht geschädigte Haut kann sich beruhigen und schneller regenerieren. Durch Sonneneinstrahlung entstandene Pigmentflecken werden bei regelmäßiger Anwendung gemildert.

Leichte Textur: Aprikosenkernöl zeichnet sich durch eine besonders leichte, nicht fettende Textur aus. Es zieht rasch in die Haut ein, hinterlässt keinen öligen Film und eignet sich daher als tägliches Pflegeöl ebenso wie als Basis für Massagen. Aufgrund seiner milden Zusammensetzung kann es auch für empfindliche Haut, Babys und Kleinkinder verwendet werden.[7]

Anwendungsgebiete von Aprikosenkernöl

Aprikosenkernöl für die Haare

Durch seine leichte Textur ist Aprikosenkernöl ein hervorragendes Pflegeöl für die Haare. Es wirkt glättend auf die Haarstruktur, schützt die Spitzen vor dem Austrocknen und ist besonders für trockenes sowie strapaziertes Haar geeignet, ohne es zu beschweren. Zusätzlich macht es die Haare leichter kämmbar – ein großer Vorteil gerade bei langem Haar.

Die Anwendung ist denkbar einfach: Nach dem Waschen einige Tropfen Aprikosenkernöl in die Längen und Spitzen einmassieren. Für eine intensive Kur kann das Öl auch als Haarmaske vor der Wäsche aufgetragen und nach einer Einwirkzeit von 20 bis 30 Minuten ausgewaschen werden. Durch seine hohe Verträglichkeit eignet es sich auch wunderbar für feines Kinderhaar – hier jedoch sparsamer dosieren, damit das Haar nicht fettig wirkt.

Aprikosenkernöl für die Haut und das Gesicht

Aprikosenkernöl ist ein echter Geheimtipp für die Gesichtspflege und die allgemeine Hautpflege. Das gut verträgliche Öl pflegt empfindliche und gereizte Haut, unterstützt die Regeneration und kann bei regelmäßiger Anwendung sogar vorbeugend wirken. Durch seine leichte Textur zieht es schnell ein und reguliert den Feuchtigkeitsgehalt der Haut, was maßgeblich zur Regeneration beiträgt. Juckreiz und trockene Stellen werden spürbar gemildert.

Als Basisöl findet man es häufig in Feuchtigkeitscremes für das Gesicht und den gesamten Körper. Es kann aber auch pur verwendet werden – etwa als Serum vor der eigentlichen Gesichtspflege. Wer unachtsam beim Sonnenbaden war, kann Aprikosenkernöl als natürliche After-Sun-Pflege verwenden. Lichtbedingte Pigmentflecken auf der Haut können bei konsequenter Anwendung heller werden. Wer unter Mitessern leidet, wird bei regelmäßiger Pflege feststellen, dass diese sichtbar kleiner werden. Insgesamt erscheint das Hautbild feiner, ebenmäßiger und gut durchfeuchtet.

Aprikosenkernöl als Make-up Entferner

Augen-Make-up lässt sich besonders sanft und effektiv mit Aprikosenkernöl entfernen. Dafür einfach eine kleine Menge auf ein Wattepad geben und das Make-up wie gewohnt abnehmen. Bei stärkerem oder wasserfestem Make-up kann das Öl zunächst als Vorbehandlung auf die Haut aufgetragen werden, bevor das eigentliche Reinigungsprodukt zum Einsatz kommt. Für unreine Haut empfiehlt es sich, vor dem Auftragen der Gesichtspflege etwas Öl als leichtes Serum zu verwenden – es pflegt, ohne die Poren zu überlasten.

Aprikosenkernöl für die Kinder- und Babypflege

Da kaltgepresstes Aprikosenkernöl entzündungshemmend, pflegend und regenerierend wirkt, eignet es sich sehr gut zur Behandlung von Windeldermatitis und leichten Hautirritationen bei Babys. Es schützt die empfindliche Babyhaut und pflegt sie sanft. Besonders beliebt ist das Öl in der Babymassage: Es lässt sich leicht verteilen, zieht gut ein und hinterlässt eine zarte, geschmeidige Haut. Nach dem Baden kann ein wenig Öl ins feuchte Kinderhaar einmassiert werden, um das Kämmen zu erleichtern. Bei der Baby- und Kinderpflege sollte stets auf hochwertige Bio-Qualität geachtet werden.

Aprikosenkernöl in der Aromatherapie

In der Aromatherapie wird Aprikosenkernöl gerne als Trägeröl für ätherische Öle verwendet. Sein eigener Duft ist angenehm dezent und erinnert an Marzipan, was das Wohlbefinden steigert. Vor allem als Massageöl ist es beliebt: Es gleitet hervorragend auf der Haut, lässt sich gut mit ätherischen Ölen wie Lavendelöl oder Rosenöl kombinieren und hinterlässt eine geschmeidige, gepflegte Haut. Die Inhaltsstoffe werden über die Haut aufgenommen und können ihre Wirkung im Körper entfalten. Für ein entspannendes Aromabad geben Sie einfach einige Tropfen des Öls (pur oder gemischt mit einem ätherischen Öl) ins Badewasser.

Aprikosenkernöl in der Kosmetik

In Kosmetikprodukten ist Aprikosenkernöl unter der INCI-Bezeichnung Prunus Armeniaca Kernel Oil zu finden. Es steckt in zahlreichen Cremes, Lotionen, Seren und Haarpflegeprodukten. Da es sehr gut verträglich ist und selbst für die empfindliche Babyhaut geeignet, bietet es vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Seine leicht antibakterielle Wirkung lässt Entzündungen sanft abklingen, was es auch für unreine Haut empfehlenswert macht. Trockene und leicht schuppige Haut erhält ihre Geschmeidigkeit zurück.

Wer seine Kosmetikprodukte gerne selbst herstellt, kann Aprikosenkernöl hervorragend als Basis für selbstgemachte Cremes, Seren oder Gesichtsmasken nutzen. Auch als After-Sun-Pflege überzeugt es: Die feuchtigkeitsspendende und regenerierende Wirkung versorgt sonnenstrapazierte Haut mit wichtigen Nährstoffen und lindert Spannungsgefühle.

Aprikosenkernöl für Nägel und Wimpern

Aprikosenkernöl erweist sich als praktischer Helfer in der Nagelpflege. Die enthaltenen Vitamine und Fettsäuren stärken brüchige Nägel und pflegen die Nagelhaut geschmeidig. Für eine gezielte Nagelkur massieren Sie abends einen Tropfen Öl in jeden Nagel und die umliegende Haut ein und lassen es über Nacht einwirken. Bei regelmäßiger Anwendung werden die Nägel spürbar fester und die Nagelhaut weicher.

Auch für die Wimpernpflege kann Aprikosenkernöl eingesetzt werden. Mit einem sauberen Wimpernbürstchen dünn auf die Wimpern aufgetragen, versorgt es die feinen Härchen mit Feuchtigkeit und kann dazu beitragen, dass sie geschmeidiger wirken und weniger leicht abbrechen. Da das Öl sehr mild ist, wird es in der Augenpartie in der Regel gut vertragen – dennoch sollte der direkte Kontakt mit den Augen vermieden werden.

Aprikosenkernöl in der Schwangerschaft

Viele Schwangere suchen nach natürlichen und milden Pflegeprodukten, die frei von synthetischen Duftstoffen und bedenklichen Inhaltsstoffen sind. Aprikosenkernöl ist hier eine gute Wahl für die äußerliche Anwendung: Es kann zur Massage des wachsenden Bauches verwendet werden, um die Haut geschmeidig zu halten und Dehnungsstreifen vorzubeugen. Die leichte Textur und milde Zusammensetzung machen es auch für empfindliche Schwangerschaftshaut verträglich. Wer sich generell über ätherische Öle in der Schwangerschaft informieren möchte, sollte die Anwendung zuvor mit der Hebamme oder dem Arzt besprechen. Vom Verzehr von Aprikosenkernen oder unkontrollierten Aprikosenkernöl-Produkten wird in der Schwangerschaft ausdrücklich abgeraten – der Amygdalin-Gehalt kann ein Risiko darstellen.[8]

Aprikosenkernöl bei Neurodermitis

Aufgrund seiner milden, entzündungshemmenden und hautberuhigenden Eigenschaften wird Aprikosenkernöl von Betroffenen mit Neurodermitis (atopischer Dermatitis) als ergänzende Pflege geschätzt. Die enthaltene Linolsäure kann dazu beitragen, die gestörte Hautbarriere zu stärken und Feuchtigkeit in der Haut zu binden. Juckreiz und trockene, schuppige Stellen können bei regelmäßiger Anwendung gelindert werden. Dabei gilt: Aprikosenkernöl ersetzt keine ärztlich verordnete Therapie, kann aber als unterstützende Pflegemaßnahme in Absprache mit dem behandelnden Dermatologen eingesetzt werden. Ähnlich pflegend bei Neurodermitis wirkt übrigens auch Nachtkerzenöl, das ebenfalls reich an Linolsäure ist.

Aprikosenkernöl gegen Falten

Aprikosenkernöl wird in der Anti-Aging-Pflege zunehmend eingesetzt. Der hohe Gehalt an Vitamin E schützt die Haut vor oxidativem Stress, der als einer der Hauptfaktoren vorzeitiger Hautalterung gilt.[6] Beta-Carotin, eine natürliche Vorstufe von Vitamin A, unterstützt die Zellerneuerung und kann dazu beitragen, dass feine Linien und Fältchen weniger sichtbar werden. Die Fettsäuren des Öls nähren die Haut intensiv und verbessern ihre Elastizität. Für eine gezielte Anti-Falten-Kur tragen Sie abends einige Tropfen reines Aprikosenkernöl auf die gereinigte Gesichtshaut auf und klopfen es sanft ein. Bei konsequenter Anwendung erscheint der Teint praller, frischer und jugendlicher.

Ist Aprikosenkernöl komedogen?

Eine häufige Frage bei der Verwendung von Gesichtsölen ist, ob sie die Poren verstopfen. Aprikosenkernöl hat auf der Komedogenitätsskala (0 bis 5) einen Wert von 2 und gilt damit als leicht komedogen.[9] In der Praxis bedeutet das: Für die meisten Hauttypen – einschließlich normaler, trockener und Mischhaut – ist Aprikosenkernöl unbedenklich und sogar vorteilhaft. Personen mit stark fettiger oder zu Akne neigender Haut sollten das Öl jedoch vorsichtig testen und zunächst an einer kleinen Stelle ausprobieren. Wer nach einem garantiert nicht-komedogenen Öl sucht, kann alternativ auf Hanföl (Komedogenitätswert 0) oder Sonnenblumenöl zurückgreifen. Einen umfassenden Vergleich finden Sie in unserem Ratgeber zu komedogenen und nicht-komedogenen Ölen.

Aprikosenkernöl oder Mandelöl?

Aprikosenkernöl und Mandelöl werden aufgrund ihrer ähnlichen Zusammensetzung häufig verglichen – und tatsächlich sind sich die beiden Öle in vielen Punkten sehr ähnlich. Beide sind reich an Ölsäure und Linolsäure, beide haben eine leichte Textur und eignen sich für empfindliche Haut. Der wesentliche Unterschied liegt im Tocopherol-Profil: Aprikosenkernöl enthält tendenziell mehr γ-Tocopherol, während Mandelöl einen höheren α-Tocopherol-Anteil aufweist.[2]

In der Praxis zieht Aprikosenkernöl etwas schneller ein und fühlt sich auf der Haut noch leichter an als Mandelöl. Es eignet sich daher besonders gut als Gesichtsöl und für Mischhaut. Mandelöl hingegen ist minimal reichhaltiger und wird häufig für die Körperpflege und als Massageöl bevorzugt. Beide Öle haben einen Komedogenitätswert von 2 und sind somit vergleichbar gut verträglich. Letztlich ist die Wahl eine Frage der persönlichen Vorliebe – oder man kombiniert beide Öle in einer individuellen Pflegemischung.

Lagerung und Haltbarkeit von Aprikosenkernöl

Aufgrund des hohen Anteils an ungesättigten Fettsäuren wird Aprikosenkernöl im Vergleich zu vielen anderen Ölen recht schnell ranzig. Ein ranziges Öl erkennen Sie sofort am unangenehmen Geruch. Um eine bestmögliche Haltbarkeit zu gewährleisten, sollte das Öl an einem kühlen, trockenen und lichtgeschützten Ort aufbewahrt werden. Das Badezimmer ist aufgrund der Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen eher ungeeignet. Ideal ist ein Platz im Schränkchen oder in einer Schublade im Schlafzimmer.

Direkte Sonneneinstrahlung und starke Temperaturschwankungen sollten unbedingt vermieden werden. Kaltgepresstes, unraffiniertes Aprikosenkernöl hält sich bei korrekter Lagerung etwa 6 bis 12 Monate nach dem Öffnen. Die physikalisch raffinierte Variante ist deutlich länger haltbar, weshalb sie auch häufiger im Handel zu finden ist. Achten Sie bei jedem Gebrauch darauf, die Flasche sofort wieder fest zu verschließen, um den Kontakt mit Sauerstoff zu minimieren.

Dosierung und Einnahme von Aprikosenkernöl

In der Küche lässt sich hochwertiges, natives Aprikosenkernöl gut für die Zubereitung von Salatdressings, kalten Vorspeisen oder zum Verfeinern von Gerichten verwenden. Sein dezenter, leicht nussig-marzipanartiger Geschmack verleiht Salaten eine besondere Note. Zum Erhitzen ist es jedoch weniger geeignet, da es bei hohen Temperaturen wertvolle Aromastoffe und Inhaltsstoffe verliert. Der Rauchpunkt von kaltgepresstem Aprikosenkernöl liegt bei etwa 160–180 °C, raffiniertes Öl kann auf bis zu 220 °C erhitzt werden.

Bei der Verwendung in der Küche ist es extrem wichtig, auf die Qualität und Herstellung zu achten: Es muss sich um reines, natives Öl in Lebensmittelqualität handeln, ohne Zusatzstoffe. Solche Öle finden Sie in Bioläden, Reformhäusern oder bei spezialisierten Anbietern. Kosmetisches Aprikosenkernöl, das mit anderen Wirk- und Duftstoffen gemischt ist, darf nicht verzehrt werden. Auf der Verpackung sollte immer ein klarer Hinweis zu finden sein, ob das Öl für den Verzehr geeignet ist.

Wichtig: Von dem Verzehr roher Aprikosenkerne (also der ganzen Kerne, nicht des daraus gepressten Öls) raten Gesundheitsbehörden wie die EFSA und die FDA ausdrücklich ab – sie enthalten Amygdalin, das im Körper zu Blausäure umgewandelt wird. Mehr dazu im Abschnitt Nebenwirkungen und Gefahren. Die in manchen Quellen verbreitete Behauptung, Aprikosenkerne könnten bei Krebs helfen, ist wissenschaftlich nicht belegt und kann sogar gefährlich sein.[8][10]

Aprikosenkernöl Nebenwirkungen und Gefahren

Äußerliche Anwendung: Reines, kaltgepresstes oder raffiniertes Aprikosenkernöl ist für die äußerliche Anwendung auf der Haut in der Regel gut verträglich und sicher. Allergische Reaktionen sind selten, aber wie bei jedem neuen Pflegeprodukt empfiehlt es sich, das Öl zunächst an einer kleinen Hautstelle zu testen. Personen mit einer bekannten Allergie gegen Steinfrüchte oder Nüsse sollten vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen.[7]

Innerliche Einnahme – Amygdalin-Risiko: Die größte Gefahr besteht beim Verzehr roher Aprikosenkerne. Diese enthalten den Stoff Amygdalin, ein cyanogenes Glykosid, das beim Kauen oder Zerkleinern durch körpereigene Enzyme in Blausäure (Cyanid) umgewandelt wird. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) warnt, dass bereits drei kleine rohe Aprikosenkerne die sichere Tagesdosis für Erwachsene überschreiten können. Für Kleinkinder kann schon ein halber Kern problematisch sein.[8] Symptome einer Blausäurevergiftung reichen von Übelkeit, Kopfschmerzen und Schwindel bis hin zu Atemnot, Krampfanfällen und im Extremfall Tod.[10]

Kein Krebsmittel: Die unter dem irreführenden Namen „Vitamin B17" bekannte Substanz Amygdalin (bzw. ihr halbsynthetisches Derivat Laetril) wird fälschlicherweise als Krebsheilmittel beworben. Weder die EFSA noch die US-amerikanische FDA erkennen Amygdalin als Vitamin oder sicheres Nahrungsergänzungsmittel an. Kontrollierte klinische Studien konnten keine krebshemmende Wirkung nachweisen – dafür aber die Gefahr einer Cyanidvergiftung belegen.[10][11]

Öl versus Kerne: Während Aprikosenkerne ein erhebliches Risiko bergen, ist das daraus gewonnene Öl bei sachgemäßer Herstellung deutlich sicherer. Amygdalin ist wasserlöslich und nicht fettlöslich, sodass es beim Pressen zum größten Teil in den Pressrückständen verbleibt und nicht ins Öl übergeht.[12] Dennoch sollte bei der innerlichen Einnahme nur Öl in ausgewiesener Lebensmittelqualität verwendet werden.

Aprikosenkernöl kaufen – Worauf sollte geachtet werden?

Beim Kauf von Aprikosenkernöl gibt es einige wichtige Kriterien zu beachten:

Verwendungszweck klären: Möchten Sie ein reines, verzehrbares Öl für die Küche oder ein Pflegeöl für die Haut? Lebensmittelöl sollte stets als solches deklariert sein. Kosmetisches Öl kann Zusatzstoffe enthalten und ist nicht zum Verzehr geeignet.

Herstellungsverfahren: Bevorzugen Sie kaltgepresstes, natives Aprikosenkernöl – es enthält die meisten wertvollen Inhaltsstoffe. Physikalisch raffiniertes Öl ist eine gute Alternative, wenn Sie eine längere Haltbarkeit wünschen. Von chemisch raffinierten Varianten ist eher abzuraten.

Farbe als Qualitätsindikator: Kaltgepresstes, pures Aprikosenkernöl hat einen mittelgelben bis goldenen Farbton und ein deutlich wahrnehmbares, nussiges Aroma. Raffiniertes Öl ist heller, fast farblos, und hat einen neutraleren Geruch.

Zertifizierung: Bio-Zertifikate (z. B. EU-Bio, Demeter, Naturland) garantieren, dass die Aprikosen ohne synthetische Pestizide angebaut wurden. Gerade für die Babypflege, bei Allergien oder bei der Anwendung auf gereizter Haut ist Bio-Qualität empfehlenswert.

Lagerung im Handel: Achten Sie darauf, dass das Öl lichtgeschützt in einer dunklen Flasche verkauft wird. Hochwertige Hersteller bieten es zudem in Fläschchen mit integrierter Pipette an, was eine genaue Dosierung erleichtert. Qualitativ gutes Aprikosenkernöl finden Sie in Bioläden, Reformhäusern, Apotheken und bei spezialisierten Onlinehändlern.

Preis: Hochwertiges, reines Aprikosenkernöl hat seinen Preis – dieser ist jedoch gerechtfertigt, insbesondere wenn Sie es für die Kinderpflege oder bei empfindlicher Haut einsetzen. Zu günstige Produkte können auf minderwertige Qualität oder Beimischungen anderer Öle hindeuten.

Aprikosenkernöl Verkaufsformen

BIO Aprikosenkernöl

Aus kontrolliert biologischem Anbau ist Aprikosenkernöl in besonders reiner und verträglicher Form erhältlich. Wer an Allergien leidet, sein Baby verwöhnen oder das Öl bei Hauterkrankungen wie Ekzemen oder Windeldermatitis einsetzen möchte, sollte auf ein anerkanntes Bio-Zertifikat achten.

Aprikosenkernöl Creme

Eine Creme auf Basis von Aprikosenkernöl bereichert die Hausapotheke. Für den täglichen Gebrauch empfiehlt sich eine inhaltsstoffarme Variante zur unkomplizierten Behandlung kleinerer Hautirritationen und als After-Sun-Pflege. In reichhaltigerer Form glättet, verfeinert und schützt eine solche Creme die Haut. Bei Hautirritationen kann sie als Kur über einen Zeitraum von ein bis vier Wochen morgens und abends nach der Gesichtsreinigung aufgetragen werden, bis sich die Haut beruhigt hat.

Pures Öl

Am häufigsten wird Aprikosenkernöl pur in dunklen Fläschchen verkauft, um die Haltbarkeit des lichtempfindlichen Öls zu verlängern. Gute Hersteller bieten es mit integrierter Pipette an, was die Dosierung erleichtert. Erhältlich ist pures Öl in Bioläden, Reformhäusern, Apotheken und im Internet. Einige Feinkostläden führen es ebenfalls und beraten zu Zubereitungsmöglichkeiten.

Raffiniertes Öl

Raffiniertes Aprikosenkernöl ist deutlich leichter im Handel zu finden als die native Variante. Es wird auch in Drogerieketten, Parfümerien und von Onlinehändlern angeboten. Überwiegend ist es für kosmetische Zwecke bestimmt und häufig mit pflegenden Zusatzstoffen angereichert.

In Bodylotionen, Körpercremes und Körperölen

Für die Körperpflege eignet sich Aprikosenkernöl hervorragend. Tragen Sie es auf die noch feuchte Haut auf oder massieren Sie es ein – dadurch wird die Feuchtigkeitswirkung verstärkt. Der Duft ist dezent und unaufdringlich. Lotionen und Körpercremes mit Aprikosenkernöl sind gut verträglich und für die meisten Hauttypen geeignet.

In der Babypflege

In der Abteilung für Babys und Kleinkinder wird Aprikosenkernöl häufig angeboten. Es eignet sich zur Massage, Pflege und unterstützend bei Windeldermatitis und Ekzemen. Bei der Baby- und Kinderpflege sollte stets auf hochwertige, kontrollierte Produkte in Form von Cremes, Lotionen, Shampoos und Schutzcremes geachtet werden.

Quellen

  1. Kostadinović Veličkovska, S., Brühl, L., Mitrev, S., Mirhosseini, H., & Matthäus, B. (2015). Quality evaluation of cold-pressed edible oils from Macedonia. European Journal of Lipid Science and Technology, 117(12), 2023–2035. doi:10.1002/ejlt.201400623
  2. Turan, S., Topcu, A., Karabulut, I., Vural, H., & Hayaloglu, A. A. (2007). Fatty acid, triacylglycerol, phytosterol, and tocopherol variations in kernel oil of Malatya apricots from Turkey. Journal of Agricultural and Food Chemistry, 55(26), 10787–10794. doi:10.1021/jf071801p
  3. Sharma, P. C., Tilakratne, B. M. K. S., & Gupta, A. (2012). Studies on physico-chemical characteristics and fatty acid composition of wild apricot (Prunus armeniaca Linn.) kernel oil. Indian Journal of Natural Products and Resources, 3(3), 366–370.
  4. Lin, T.-K., Zhong, L., & Santiago, J. L. (2018). Anti-inflammatory and skin barrier repair effects of topical application of some plant oils. International Journal of Molecular Sciences, 19(1), 70. doi:10.3390/ijms19010070
  5. Stryjecka, M., Kiełtyka-Dadasiewicz, A., Michalak, M., et al. (2019). Chemical composition and antioxidant properties of oils from the seeds of five apricot (Prunus armeniaca L.) cultivars. Journal of Oleo Science, 68(8), 729–738. doi:10.5650/jos.ess19121
  6. Thiele, J. J., Hsieh, S. N., & Ekanayake-Mudiyanselage, S. (2005). Vitamin E: Critical review of its current use in cosmetic and clinical dermatology. Dermatologic Surgery, 31(7 Pt 2), 805–813. doi:10.1111/j.1524-4725.2005.31724
  7. Krist, S., Buchbauer, G., & Klausberger, C. (2008). Aprikosenkernöl (Oleum Pruni armeniacae). In: Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle (S. 51–56). Wien: Springer. doi:10.1007/978-3-211-75607-2_7
  8. EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain (CONTAM) (2016). Acute health risks related to the presence of cyanogenic glycosides in raw apricot kernels and products derived from raw apricot kernels. EFSA Journal, 14(4), 4424. doi:10.2903/j.efsa.2016.4424
  9. Fulton, J. E. (1989). Comedogenicity and irritancy of commonly used ingredients in skin care products. Journal of the Society of Cosmetic Chemists, 40, 321–333.
  10. U.S. Food and Drug Administration (FDA) (2024). FDA Issues Warning About Toxic Amygdalin Found in Apricot Seeds. FDA Safety Alert. Abgerufen von: https://www.fda.gov/food/alerts-advisories-safety-information/fda-issues...
  11. Milazzo, S., Lejeune, S., & Ernst, E. (2007). Laetrile for cancer: a systematic review of the clinical evidence. Supportive Care in Cancer, 15(6), 583–595. doi:10.1007/s00520-006-0168-9
  12. Chauhan, A., & Chauhan, P. (2020). Cold pressed apricot (Prunus armeniaca L.) kernel oil. In: Cold Pressed Oils (S. 15–25). Academic Press. doi:10.1016/B978-0-12-818188-1.00002-0