Wintergrünöl (englisch: Wintergreen Oil) ist ein hochwirksames ätherisches Öl, das aus den Blättern der Wintergrünpflanze (Gaultheria procumbens) gewonnen wird. Der Hauptinhaltsstoff Methylsalicylat (96–99 %) verleiht dem Öl seine intensiven schmerzlindernden und entzündungshemmenden Eigenschaften, weshalb es seit Jahrhunderten in der Volksmedizin geschätzt wird.[1] Wintergrünöl wird traditionell durch Wasserdampfdestillation der Blätter nach Mazeration in warmem Wasser hergestellt. Das Methylsalicylat entsteht dabei erst durch enzymatische Hydrolyse des Glykosids Gaultherin, das natürlich in den Blättern vorkommt.[2] Neben Gaultheria procumbens (Nordamerika) wird das Öl auch aus Gaultheria fragrantissima (Asien) sowie aus einigen Birkenarten (Betula lenta) destilliert.
Wintergrünöl wird verdünnt auf die Haut aufgetragen oder aromatherapeutisch angewendet. In der Naturheilkunde gilt es als Volksheilmittel bei Muskel- und Gelenkbeschwerden, Arthritis, rheumatischen Erkrankungen, Kopfschmerzen und Atemwegsproblemen. Darüber hinaus kommt es in Sportmedizin, Kosmetik und als Aromastoff in Kaugummis und Mundpflegeprodukten zum Einsatz.[3] Da reines Wintergrünöl jedoch bereits in geringen Mengen giftig sein kann, ist bei der Anwendung stets Vorsicht geboten.
Gewinnung und Herstellung von Wintergrünöl
Die Herstellung von Wintergrünöl erfolgt traditionell aus den Blättern der Wintergrünpflanze. Im ersten Schritt werden die frischen Blätter in warmem Wasser mazeriert (eingeweicht). Dieser Prozess ist entscheidend, denn Methylsalicylat liegt in der lebenden Pflanze nicht in freier Form vor. Stattdessen ist es als Glykosid namens Gaultherin gebunden – ein Konjugat aus Methylsalicylat und dem Disaccharid Primeverose.[2] Erst durch die enzymatische Hydrolyse während der Mazeration wird das Methylsalicylat freigesetzt.
Nach der Mazeration erfolgt eine Wasserdampfdestillation über vier bis sechs Stunden. Die Ausbeute liegt dabei bei etwa 0,8 bis 1,5 Prozent ätherischem Öl bezogen auf das Pflanzenmaterial.[4] Das resultierende Öl besteht zu 96 bis nahezu 100 Prozent aus Methylsalicylat. Neben der traditionellen Destillation aus Gaultheria procumbens wird Wintergrünöl heute auch aus Gaultheria fragrantissima gewonnen, die vor allem in Nepal und Sri Lanka kultiviert wird. Da die natürliche Produktion den Bedarf bei Weitem nicht deckt, wird ein Großteil des kommerziell erhältlichen Methylsalicylats synthetisch hergestellt – durch Veresterung von Salicylsäure mit Methanol.[3]
Wichtig: Reines Wintergrünöl ist hochkonzentriert und darf niemals unverdünnt auf die Haut aufgetragen oder eingenommen werden. Für die topische Anwendung muss es stets mit einem Trägeröl verdünnt werden – die empfohlene Konzentration liegt bei maximal 2 bis 3 Prozent Wintergrünöl in der Gesamtmischung.[5]
Wintergrünöl Inhaltsstoffe
Der dominierende Inhaltsstoff von Wintergrünöl ist Methylsalicylat (chemische Formel: C₈H₈O₃, Molekulargewicht: 152,15 g/mol). Mit einem Anteil von 96 bis 99 Prozent bestimmt dieser Ester nahezu alle therapeutischen Eigenschaften des Öls.[4] Methylsalicylat ist der Methylester der Salicylsäure und damit chemisch eng verwandt mit Aspirin (Acetylsalicylsäure). Bereits 1 ml Wintergrünöl entspricht etwa 1,4 g Aspirin – 5 ml sind somit äquivalent zu rund 21 Aspirin-Tabletten (à 325 mg).[3]
Neben Methylsalicylat enthält natürliches Wintergrünöl geringe Mengen weiterer flüchtiger Verbindungen. Eine GC-MS-Analyse (Gaschromatographie-Massenspektrometrie) identifizierte bis zu 22 Begleitsubstanzen, darunter:[4]
- Linalool – ein Monoterpenalkohol mit beruhigenden Eigenschaften
- α-Terpineol – ein weiterer Monoterpenalkohol
- Ethylsalicylat – ein verwandter Ester
- Vetispiran – eine Sesquiterpenverbindung
Darüber hinaus enthält die Wintergrünpflanze selbst ein reiches Spektrum an Polyphenolen, darunter Flavonoide (insbesondere Quercetinglykoside wie Miquelianin), Procyanidine, Catechine und Chlorogensäure-Isomere. Diese Polyphenole tragen zu den antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften der Pflanze bei, sind im destillierten ätherischen Öl jedoch nur in Spuren vorhanden.[6]
Wirkung von Wintergrünöl
Die Wirkung von Wintergrünöl beruht primär auf seinem Hauptinhaltsstoff Methylsalicylat und umfasst mehrere pharmakologische Mechanismen:
Schmerzlindernde Wirkung (Analgesie)
Methylsalicylat wird nach dem Auftragen auf die Haut absorbiert und dort durch Esterasen zu Salicylsäure hydrolysiert – dem eigentlichen Wirkstoff.[7] Salicylsäure hemmt die Cyclooxygenase-2 (COX-2), ein Enzym, das an der Bildung von Prostaglandinen beteiligt ist. Prostaglandine sind Botenstoffe, die Schmerzempfindung, Entzündung und Fieber fördern. Durch die COX-2-Hemmung werden diese Prozesse reduziert. Eine klinische Studie aus dem Jahr 2022 mit 3.515 Teilnehmern bestätigte, dass Methylsalicylat-Liniment Weichteilschmerzen in Schultern, Nacken, Rücken und Muskeln lindern konnte.[8]
Aktivierung von TRP-Kanälen
Wintergrünöl wird häufig als „minzig" beschrieben, obwohl die Wintergrünpflanze kein Menthol enthält. Der Grund liegt in der Aktivierung sogenannter TRP-Ionenkanäle (Transient Receptor Potential). Während Menthol in Pfefferminzöl den TRPM8-Kanal aktiviert und ein kühlendes Empfinden erzeugt, stimuliert das Methylsalicylat im Wintergrünöl den TRPA1-Kanal, der für die Empfindung von brennender Kälte verantwortlich ist.[9] Zusätzlich aktiviert Methylsalicylat in höheren Konzentrationen auch den TRPV1-Kanal – denselben Rezeptor, der durch Capsaicin in Chilischoten stimuliert wird und Wärmeempfindungen auslöst.[10] Dieses Zusammenspiel erklärt, warum Wintergrünöl-Produkte auf der Haut gleichzeitig kühlend und wärmend wirken können.
Entzündungshemmende Wirkung
Neben der COX-2-Hemmung zeigt Wintergrünöl moderate antioxidative Aktivität. Ein umfassendes Review aus dem Jahr 2024 bestätigte, dass Wintergrünöl in vitro entzündungshemmend und antimikrobiell wirkt, wobei die Polyphenole in den Blattextrakten der Pflanze sogar eine noch stärkere antioxidative und entzündungshemmende Wirkung aufweisen als das reine ätherische Öl.[1]
Weitere Eigenschaften
Wintergrünöl besitzt darüber hinaus antiseptische, krampflösende (antispasmodische), adstringierende und harntreibende (diuretische) Eigenschaften. Es wirkt zudem rubefazient – das bedeutet, es fördert bei topischer Anwendung die lokale Durchblutung und erzeugt ein Wärmegefühl auf der Haut.[7]
Anwendungsgebiete von Wintergrünöl
Die Anwendung von Wintergrünöl blickt auf eine lange Tradition zurück. Bereits die indigenen Völker Nordamerikas nutzten die Wintergrünblätter zur Behandlung von Atemwegsinfektionen und kauten sie, um die Ausdauer und Atmungskapazität zu steigern.[3] Heute wird verdünntes Wintergrünöl vor allem in der Sportmedizin, in topischen Schmerzmitteln und in der Aromatherapie eingesetzt. Bei allen Anwendungen gilt: Das reine Öl muss stets mit einem Trägeröl wie Jojobaöl, Kokosöl oder Olivenöl verdünnt werden.
Gegen Rheuma und Muskelbeschwerden
Wintergrünöl ist eines der bekanntesten natürlichen Mittel bei rheumatischen Beschwerden und Muskelverspannungen. Bei der topischen Anwendung dringt das Methylsalicylat durch die Haut zu den darunter liegenden Muskeln und Gelenken und entfaltet dort seine schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung. Gleichzeitig stimuliert es die lokale Durchblutung, was Wärme in den betroffenen Bereich bringt und Stauungen im Blutfluss verringern kann.[7]
Darüber hinaus wirkt Methylsalicylat leicht harntreibend, was die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten wie Harnsäure über den Urin unterstützen kann. Da sich Harnsäure bei rheumatischen Erkrankungen oft in den Gelenken ablagert, kann dieser diuretische Effekt ergänzend wirksam sein. Die krampflösende Wirkung des Öls kann außerdem Muskelspasmen und -krämpfe reduzieren, was bei Verspannungen und Muskelsteifheit zusätzliche Erleichterung verschafft.
Als natürliches Schmerzmittel
Wintergrünöl ist aufgrund seines hohen Methylsalicylat-Gehalts eine beliebte natürliche Alternative bei Schmerzen. Es ist Bestandteil zahlreicher frei verkäuflicher Schmerzsalben und -gels. Die Kombination aus kühlender und wärmender Wirkung – bedingt durch die gleichzeitige Aktivierung von TRPA1- und TRPV1-Rezeptoren – macht es besonders geeignet als Zusatz in Muskelbalsamen und Sportgels.[10]
Beachten Sie: Wintergrünöl sollte topisch nicht mit einer Verdünnung von mehr als 2,5 bis 3 Prozent verwendet werden.[5] Personen, die blutverdünnende Medikamente (z. B. Warfarin) einnehmen, sollten Wintergrünöl meiden, da es die gerinnungshemmende Wirkung verstärken kann.[3] Wer bereits Medikamente mit Salicylaten oder Aspirin einnimmt, sollte auf Wintergrünöl verzichten. Verwenden Sie ausschließlich natürliches, qualitativ hochwertiges Wintergrünöl, da synthetisches Methylsalicylat abweichende Verunreinigungsprofile aufweisen kann.[4]
In der Aromatherapie
In der Aromatherapie wird Wintergrünöl über Duftlampen, Diffusoren oder in Dampfinhalationen eingesetzt. Der frische, minzige Geruch von Wintergrünöl wirkt belebend und kann die Stimmung positiv beeinflussen. Wie bei anderen ätherischen Ölen gelangt das inhalierte Aroma über die Riechrezeptoren zum limbischen System im Gehirn, das Emotionen und Stimmung reguliert.
In In-vitro-Studien zeigt Wintergrünöl moderate antioxidative Wirkungen. Die Polyphenole der Wintergrünpflanze – darunter Procyanidine, Flavonoide und Chlorogensäure-Isomere – wirken als potente Radikalfänger und hemmen pro-inflammatorische Enzyme wie COX-2, Hyaluronidase und Lipoxygenase.[6][11] Es ist jedoch wichtig anzumerken, dass diese antioxidativen Effekte bislang hauptsächlich in Laborstudien nachgewiesen wurden. Klinische Studien am Menschen zu den aromatherapeutischen Effekten von Wintergrünöl stehen noch aus.[1]
Bei Erkältung und Grippe
Da Methylsalicylat chemisch mit Aspirin verwandt ist, kann Wintergrünöl bei Erkältungen und grippalen Infekten unterstützend wirken. Die Aspirin-ähnlichen Eigenschaften können Schmerzen, Schwellungen und Fieber lindern. Zur Befreiung der Atemwege kann eine Mischung aus wenigen Tropfen Wintergrünöl in einem Trägeröl auf Brust und oberen Rücken aufgetragen werden – ähnlich wie bei handelsüblichen Erkältungsbalsamen. Alternativ können einige Tropfen (maximal 2–3) in eine Schüssel mit heißem Wasser gegeben und die aufsteigenden Dämpfe vorsichtig inhaliert werden. Wintergrünöl lässt sich dabei gut mit Eukalyptusöl oder Lavendelöl kombinieren.
Antibakterielle und antivirale Wirkung
Wintergrünöl besitzt antimikrobielle Eigenschaften, die in wissenschaftlichen Studien bestätigt wurden. Es zeigt Wirksamkeit gegen verschiedene Bakterienstämme und kann auch fungizid (pilzabtötend) wirken.[1] Darüber hinaus wurde eine signifikante insektizide und larvizide Wirkung nachgewiesen.[1] Im Haushalt kann stark verdünntes Wintergrünöl zur Reinigung und Desinfektion eingesetzt werden – beispielsweise einige Tropfen zum Putzwasser hinzugefügt. Auch in der Mundhygiene kommt Methylsalicylat zum Einsatz: Es ist Bestandteil einiger Mundwässer und zeigt antiplaque- und antigingivitische Eigenschaften.[8]
Als Verdauungshilfe
In der Volksmedizin wurde Wintergrünblättertee zur Unterstützung der Verdauung eingesetzt. In sehr geringen Mengen kann Wintergrünöl die Magensaftproduktion anregen und somit die Verdauung fördern. Zudem gilt es als mildes natürliches Diuretikum, das die Urinproduktion steigern und so zu einem Gefühl der Erleichterung bei Völlegefühl beitragen kann.[3] Die krampflösenden Eigenschaften können außerdem Muskelkrämpfe im Verdauungstrakt beruhigen und bei Übelkeit lindernd wirken. Beachten Sie jedoch, dass die innerliche Einnahme von Wintergrünöl gefährlich ist und niemals ohne ärztliche Aufsicht erfolgen darf.
Zur Haut- und Haarpflege
Dank seiner antiseptischen und adstringierenden Eigenschaften kann verdünntes Wintergrünöl bei Hautunreinheiten unterstützend wirken. In Kombination mit einem geeigneten Trägeröl wie Mandelöl oder Arganöl kann es helfen, Entzündungen der Haut zu mildern und keimtötend zu wirken. Bei Akne kann die antibakterielle Wirkung des Methylsalicylats unterstützend eingesetzt werden, da Salicylsäure – das Hydrolyseprodukt – ein etablierter Wirkstoff in der dermatologischen Aknebehandlung ist. Aufgrund seiner starken Wirkung sollte Wintergrünöl in Hautpflegeprodukten stets nur in sehr geringer Konzentration (maximal 2,5 %) und nicht auf empfindlicher oder geschädigter Haut verwendet werden.[5]
Wintergrünöl und Bienen (Varroabekämpfung)
In der Imkerei wird Wintergrünöl gelegentlich als ergänzendes Mittel zur Bekämpfung der Varroamilbe (Varroa destructor) diskutiert. Einige Imker berichten, dass Wintergrünöl-getränkte Tücher oder Verdampfungen im Bienenstock die Milbenbelastung reduzieren können. Da Wintergrünöl insektizide Eigenschaften besitzt, erscheint ein Wirkmechanismus gegen Varroa plausibel.[1] Allerdings gibt es bislang keine ausreichend kontrollierten wissenschaftlichen Studien, die eine zuverlässige Wirkung speziell gegen Varroamilben bei gleichzeitiger Bienenverträglichkeit belegen. Imker sollten sich daher an zugelassene Behandlungsmethoden halten und Wintergrünöl allenfalls ergänzend und nach Rücksprache mit dem zuständigen Veterinäramt einsetzen.
Dosierung und Verdünnung von Wintergrünöl
Die korrekte Dosierung von Wintergrünöl ist aufgrund seiner hohen Toxizität von entscheidender Bedeutung. Folgende Richtwerte gelten für die sichere Anwendung:
- Topische Anwendung: Maximal 2 bis 3 Prozent Wintergrünöl in einem Trägeröl. Das entspricht etwa 15 Tropfen ätherischem Öl auf 30 ml Trägeröl (z. B. Kokosöl, Jojobaöl oder Sesamöl).[5]
- Diffusor/Duftlampe: Maximal 2–3 Tropfen in Kombination mit anderen ätherischen Ölen. Nicht länger als 30 Minuten am Stück anwenden.
- Dampfinhalation: 1–2 Tropfen in eine Schüssel heißes Wasser geben, Kopf mit einem Handtuch abdecken und die Dämpfe für maximal 5–10 Minuten inhalieren.
- Badezusatz: Wintergrünöl ist für Vollbäder aufgrund seiner Hautreizungsgefahr nicht empfehlenswert. Wenn überhaupt, nur 2–3 Tropfen in Verbindung mit einem Emulgator (z. B. Sahne oder Meersalz) verwenden.
Niemals innerlich einnehmen: Schon 4–6 ml reines Wintergrünöl können bei oraler Einnahme tödlich wirken. 1 ml Wintergrünöl entspricht bereits 1,4 g Aspirin.[3] Die Einnahme von Wintergrünöl ist daher verboten bzw. darf ausschließlich unter strenger ärztlicher Aufsicht in pharmazeutischen Zubereitungen erfolgen.
Führen Sie vor der ersten topischen Anwendung stets einen Patch-Test durch: Tragen Sie eine kleine Menge der verdünnten Mischung auf die Innenseite des Unterarms auf und warten Sie 24 Stunden ab, ob Hautreaktionen auftreten.
Wintergrünöl Nebenwirkungen und Sicherheitshinweise
Obwohl Wintergrünöl vielfältige Anwendungsmöglichkeiten bietet, ist es eines der potenziell gefährlichsten ätherischen Öle. Die Nebenwirkungen und Risiken sind direkt auf den hohen Methylsalicylat-Gehalt zurückzuführen:
Toxizität bei oraler Einnahme
Wintergrünöl ist bei Verschlucken giftig. Bereits geringe Mengen können eine schwere Salicylatvergiftung auslösen, die sich durch Erbrechen (auch blutiges Erbrechen), beschleunigte Atmung, Ohrgeräusche (Tinnitus), Lethargie, Krampfanfälle und im schlimmsten Fall den Tod äußern kann. Die Einnahme von nur 4 ml kann für ein Kind tödlich sein.[3][12]
Hautreaktionen
Bei topischer Anwendung können Rötungen, Reizungen und in seltenen Fällen Verbrennungen zweiten bis dritten Grades auftreten – insbesondere bei zu hoher Konzentration oder vorgeschädigter Haut.[3]
Wechselwirkungen mit Medikamenten
Wintergrünöl verstärkt die Wirkung von Blutverdünnern (z. B. Warfarin) und kann zu gefährlichen Blutungen führen. In Kombination mit Aspirin oder anderen Salicylaten erhöht sich das Risiko für Nebenwirkungen deutlich.[3]
Wintergrünöl in der Schwangerschaft und Stillzeit
Die Anwendung von Wintergrünöl während der Schwangerschaft und Stillzeit wird ausdrücklich nicht empfohlen. Methylsalicylat wird über die Haut aufgenommen und gelangt in den Blutkreislauf. In hohen Dosen wirkt es potenziell teratogen (fruchtschädigend).[5] Da keine ausreichenden Sicherheitsstudien für Schwangere vorliegen, raten führende Aromatherapie-Experten wie Tisserand und Young von jeglicher Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit ab.[5] Stillende Mütter sollten Wintergrünöl ebenfalls meiden, da Methylsalicylat für den Säugling toxisch sein kann.[12]
Wintergrünöl bei Kindern
Wintergrünöl darf bei Kindern unter 6 Jahren grundsätzlich nicht angewendet werden. Auch bei älteren Kindern (6–12 Jahre) ist äußerste Vorsicht geboten und eine Anwendung sollte nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder qualifizierten Aromatherapeuten erfolgen. Der angenehme Geruch des Öls macht es besonders attraktiv für Kinder – es muss daher stets in kindersicheren Behältern und außer Reichweite aufbewahrt werden.[12]
Weitere Kontraindikationen:
- Salicylat- oder Aspirin-Allergie
- Asthma oder Nasenpolypen
- Magen-Darm-Entzündungen
- Blutgerinnungsstörungen (z. B. Hämophilie)
- Empfindliche oder geschädigte Haut
Wintergrünöl kaufen – Worauf sollte geachtet werden?
Da ein erheblicher Teil des auf dem Markt befindlichen Wintergrünöls synthetisch hergestellt wird, ist besondere Sorgfalt beim Kauf geboten. Synthetisches Methylsalicylat enthält den Marker Dimethyl-2-hydroxyterephthalat, der im natürlichen Öl nicht vorkommt.[4] Folgende Kriterien helfen bei der Auswahl:
Achten Sie auf die vollständige botanische Bezeichnung auf dem Etikett – entweder Gaultheria procumbens oder Gaultheria fragrantissima. Das Herkunftsland sollte ebenfalls angegeben sein (hochwertige Öle stammen häufig aus Nepal, China oder Nordamerika). Vermeiden Sie ätherische Öle, die mit Pflanzenöl gestreckt wurden. Ein einfacher Test: Geben Sie einen Tropfen auf ein Blatt Papier. Hinterlässt er nach dem Verdunsten einen fettigen Fleck, wurde wahrscheinlich Pflanzenöl beigemischt.
Wintergrünöl sollte in dunklen Glasflaschen (bernsteinfarben oder blau) verkauft werden, da Lichteinwirkung das Öl zersetzen kann. Kaufen Sie niemals ätherische Öle in Plastikflaschen – Methylsalicylat kann Kunststoff angreifen und das Produkt verunreinigen. Eine 10-ml-Flasche reicht bei sachgemäßer Verdünnung über mehrere Monate. Lagern Sie das Öl kühl und dunkel und verbrauchen Sie es idealerweise innerhalb eines Jahres.
Wintergrünöl ist in Apotheken, in Reformhäusern sowie online erhältlich. In Drogerien wie dm oder Rossmann finden sich vor allem Produkte, die Wintergrünöl als Inhaltsstoff in Salben oder Gels enthalten (z. B. Nervencreme mit Wintergrünöl). Reine ätherische Wintergrünöle bekannter Marken wie Primavera sind primär über Apotheken oder spezialisierte Online-Shops verfügbar.
Quellen
- Michel, P., Dobrowolska, A., Kicel, A., Owczarek, A., Olszewska, M. A., et al. (2024). Phytochemistry and Biological Profile of Gaultheria procumbens L. and Wintergreen Essential Oil: From Traditional Application to Molecular Mechanisms and Therapeutic Targets. International Journal of Molecular Sciences, 25(1), 565. doi:10.3390/ijms25010565
- Ribnicky, D. M., Poulev, A., & Raskin, I. (2003). The determination of salicylates in Gaultheria procumbens for use as a natural aspirin alternative. Journal of Nutraceuticals, Functional & Medical Foods, 4(1), 39–52.
- Drugs.com (2026). Wintergreen Uses, Benefits & Dosage. Abgerufen von https://www.drugs.com/npp/wintergreen.html
- Satyal, P., Paudel, P., Lamichhane, B., & Setzer, W. N. (2022). Volatile Constituent Analysis of Wintergreen Essential Oil and Comparison with Synthetic Methyl Salicylate for Authentication. Plants, 11(8), 1020. doi:10.3390/plants11081020
- Tisserand, R. & Young, R. (2014). Essential Oil Safety: A Guide for Health Care Professionals, 2nd Edition. Churchill Livingstone Elsevier, S. 469.
- Michel, P., Granica, S., Magiera, A., Rosińska, K., & Olszewska, M. A. (2014). Polyphenolic Profile, Antioxidant and Anti-Inflammatory Activity of Eastern Teaberry (Gaultheria procumbens L.) Leaf Extracts. Molecules, 19(12), 20498–20520. doi:10.3390/molecules191220498
- von Fraunhofer, J. A., et al. (2021). The Bioactivity and Health Benefits of Oil of Wintergreen. EC Pharmacology and Toxicology, 9(8), 01–13.
- Healthline (2024). What Is Wintergreen Oil? Its Benefits, the Evidence, and Risks. Abgerufen von https://www.healthline.com/health/wintergreen-oil
- Bandell, M., Story, G. M., Hwang, S. W., Viswanath, V., et al. (2004). Noxious Cold Ion Channel TRPA1 Is Activated by Pungent Compounds and Bradykinin. Neuron, 41(6), 849–857. doi:10.1016/S0896-6273(04)00150-3
- Ohta, T., Imagawa, T., & Ito, S. (2009). Involvement of transient receptor potential vanilloid subtype 1 in analgesic action of methylsalicylate. Molecular Pharmacology, 75(2), 307–317. doi:10.1124/mol.108.051292
- Michel, P., Granica, S., Rosińska, K., Glige, M., Rojek, J., Poraj, Ł., & Olszewska, M. A. (2022). The Effect of Standardised Leaf Extracts of Gaultheria procumbens on Multiple Oxidants, Inflammation-Related Enzymes, and Pro-Oxidant and Pro-Inflammatory Functions of Human Neutrophils. Molecules, 27(10), 3357. doi:10.3390/molecules27103357
- WebMD (2025). Wintergreen: Overview, Uses, Side Effects, Precautions, Interactions, Dosing and Reviews. Abgerufen von https://www.webmd.com/vitamins/ai/ingredientmono-783/wintergreen



