Sandelholzöl (lat. Oleum santali, engl. Oil of sandalwood, franz. Essence de santal) zählt zu den kostbarsten ätherischen Ölen weltweit. Je nach verwendeter Pflanzenart unterscheidet man verschiedene Varianten dieses hocharomatischen Öls, die sich in Zusammensetzung, Duftprofil und Wirkstoffgehalt deutlich voneinander abgrenzen.
Das ostindische Sandelholzöl stammt aus dem Kernholz des Weißen Sandelholzbaumes (Santalum album), der in Südindien, Indonesien und Teilen Südostasiens beheimatet ist. Das westindische Sandelholzöl hingegen wird nicht aus echtem Sandelholz gewonnen, sondern aus dem Holz des Amyrisbaumes (Amyris balsamifera, Familie der Rautengewächse, Rutaceae), der vorwiegend in der Karibik wächst. Als dritte bedeutende Variante gilt das australische Sandelholzöl, das aus der in Westaustralien heimischen Sandelholzart Santalum spicatum destilliert wird. In Indien wird Sandelholzöl seit der Antike als „göttliche Essenz" verehrt und ist fester Bestandteil der religiösen, spirituellen und ayurvedischen Tradition – seine Anwendung in der traditionellen Medizin reicht nachweislich über 4.000 Jahre zurück.[1]
Der Bestand des in Indien wachsenden Santalum album ist mittlerweile so stark gefährdet, dass die Art auf der Roten Liste der IUCN als „gefährdet" (Vulnerable) eingestuft wird.[2] Sowohl Besitz als auch Handel, Lagerung und Verarbeitung werden durch die indische Regierung streng reglementiert und kontrolliert. Dies führt zu extrem hohen Marktpreisen: 2025 liegt der Kilopreis für ostindisches Sandelholzöl der Premiumqualität bei etwa 3.800 bis 4.200 US-Dollar.[3] Aufgrund dieser Knappheit gilt Sandelholzöl als der „am häufigsten gefälschte Holzduft" der Welt.
Der Geruch des Öls wird als typisch holzig-süß, warm-balsamisch und außerordentlich haftfest beschrieben. In der Parfümerie dient es als klassische Basisnote und als Fixativ in Düften der Typen „Chypre", „Fougère" und „Orient". Über 68 % der weltweiten Nachfrage entfallen auf die Kosmetik- und Körperpflege-Industrie, weitere 21 % auf die Parfümerie.[3]
Herstellung und Gewinnung von Sandelholzöl
Santalum album ist ein immergrüner Halbparasit, der Wuchshöhen von 4 bis 9 Metern erreicht und mit Hilfe sogenannter Haustorien die Wurzeln anderer Bäume anzapft, um sich mit Nährstoffen zu versorgen – bis zu 300 verschiedene Wirtspflanzen sind dokumentiert.[2] Der Baum besitzt gegenständige, einfache, elliptisch-lanzettliche Blätter und bildet kleine, unscheinbare Blüten in Rispen, die zunächst grünlich-gelb erscheinen und sich später rötlich verfärben. Die Früchte sind kleine, kugelige Steinfrüchte, die durch Vögel verbreitet werden.
Je karger und trockener der Standort ist, desto intensiver duftet das Kernholz. Das wertvolle Öl der über 15 bis 20 Jahre alten, erntereifen Bäume befindet sich sowohl im Kernholz als auch in den Wurzeln, weshalb die Bäume traditionsgemäß nicht nur gefällt, sondern mitsamt den Wurzeln ausgegraben werden. Eine Tonne reifes Kernholz liefert im Durchschnitt 30 bis 40 Kilogramm ätherisches Öl.[3]
Das farblose bis zart gelbliche, leicht viskose Öl mit einer Dichte von 0,968–0,983 g/ml ist lipophil und wird durch Wasserdampfdestillation gewonnen. Bei diesem Verfahren erzeugt ein beheizter Wassertank Dampf, der durch die fein zerkleinerten Holzraspeln geleitet wird. Der Wasserdampf löst die ätherischen Öle aus dem Pflanzenmaterial und trägt sie nach oben in ein gekühltes Rohrsystem, wo das Dampfgemisch kondensiert. Im letzten Behältnis trennt sich das lipophile Öl vom hydrophilen Wasser – der leichtere Ölfilm wird abgeschöpft. Etwa 16 bis 25 Kilogramm frisch geraspeltes Holz ergeben rund einen Liter Öl, was einer Ausbeute von 4,0 bis 6,5 % entspricht. Neben der klassischen Wasserdampfdestillation kommen inzwischen auch fortschrittlichere Methoden wie die fraktionierte Destillation und CO₂-Extraktion zum Einsatz, um die wertvollen Wirkstoffe möglichst schonend zu erhalten.[4]
Sandelholzöl Inhaltsstoffe
Die Hauptbestandteile des Sandelholzöls sind mit über 90 % Sesquiterpen-Alkohole, allen voran die isomeren Verbindungen (Z)-α-Santalol (41–55 %) und (Z)-β-Santalol (16–24 %). Diese Werte entsprechen dem aktuellen ISO-Standard 3518:2002 für Santalum album-Öl.[5] Zum Vergleich: Australisches Sandelholzöl aus Santalum spicatum enthält nur etwa 35–40 % α-Santalol.[3]
Zu den weiteren Inhaltsstoffen zählen die Sesquiterpene α- und β-Santalen (ca. 6 %) sowie Spuren von epi-β-Santalen, α-Photosantalol, epi-β-Photosantalol, β-Bisabolol, Cyclosantalal, α-Santalal, β-Santalal, Campherenol, (Z)-trans-α-Bergamotol (0–5 %), epi-β-Santalol (1–7 %), (Z)-β-Curcumenol, cis-Lanceol, cis-Nuciferol und Spirosantalol.[5] Das westindische Amyrisöl enthält darüber hinaus Sesquiterpenoide wie Elemol, Eudesmol und α-Agarofuran.
Die Sesquiterpene wie Santalene verleihen dem Öl seine hautfreundlichen Eigenschaften: Sie stabilisieren die Zellmembran von Mastzellen und hemmen dadurch die Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe (proinflammatorischer Zytokine wie TNF-α, IL-1β und IL-6).[6] Der charakteristische Holzduft wird dabei hauptsächlich dem β-Santalol zugeschrieben.
Die Santalole, die zur Gruppe der Sesquiterpenole gehören, besitzen ein breites Wirkspektrum: Sie stärken die körpereigenen Abwehrkräfte, fördern die Hautregeneration und können den Hormonhaushalt positiv beeinflussen. Als potente Antioxidantien schützen sie die Zellen vor Schäden durch freie Radikale – in Studien übertrafen sie dabei sogar die Schutzwirkung von Vitamin E (α-Tocopherol).[4] Darüber hinaus haben Sesquiterpenketone im Öl zellregenerierende, wundheilende und schleimlösende Eigenschaften. Durch ihren positiven Einfluss auf das Nervensystem gelten sie als angstlösend, fördern innere Ruhe und regen den Gehirnstoffwechsel an.[7]
Wirkung von Sandelholzöl
Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen die vielseitige Wirkung von Sandelholzöl. Im Allgemeinen gilt es als:[4][6]
- antibakteriell (wirksam gegen Staphylococcus aureus, S. epidermidis und Cutibacterium acnes)
- antiseptisch
- entzündungshemmend (Hemmung der COX-1-, COX-2- und 12-Lipoxygenase-Signalwege)
- antiproliferativ (wachstumshemmend auf entartete Zellen)
- antioxidativ (Radikalfänger)
- aphrodisierend
- bronchienerweiternd
- juckreizstillend
- herzstärkend
- krampflösend
- lymphflussanregend
- schmerzstillend
- venentonisierend
- schwach antimykotisch
- und zellregenerierend
Ein besonders vielversprechender Forschungsbereich betrifft die Wirkung als PDE4-Hemmer (Phosphodiesterase-4-Inhibitor): Ostindisches Sandelholzöl kann die Aktivität des Enzyms PDE4 hemmen, das bei chronischen Hautentzündungen wie Psoriasis und atopischer Dermatitis überaktiv ist.[6] Dieser Wirkmechanismus ähnelt dem moderner pharmazeutischer Präparate – jedoch ohne deren typische Nebenwirkungen.
Auf die Psyche wirkt Sandelholzöl antidepressiv, beruhigend, harmonisierend und angstlösend. Klinische Studien belegen, dass das Inhalieren von Sandelholzöl den systolischen Blutdruck sowie den Cortisolspiegel im Speichel signifikant senken kann – beides wichtige Stressindikatoren.[7] Diese Eigenschaften machen es bei nervöser Anspannung, Schlaflosigkeit und stressbedingten Beschwerden besonders nützlich.
Anwendungsgebiete von Sandelholzöl
Das vielseitig einsetzbare Sandelholzöl findet Verwendung in Räucherstäbchen, Parfüms, Holzprodukten, traditionellen Arzneimitteln, Kosmetika und als reines ätherisches Öl. Die folgenden Abschnitte stellen die wichtigsten Einsatzgebiete vor.
Sandelholzöl für die Haut und das Gesicht
Die Anwendung von Sandelholzöl bei Hautproblemen gehört zu den am besten erforschten Einsatzgebieten. Klinische Studien zeigen beeindruckende Ergebnisse: In einer Phase-2-Studie mit 50 Akne-Patienten zeigten nach 8 Wochen Behandlung mit einer Sandelholzöl-Formulierung rund 90 % der Teilnehmer eine sichtbare Verbesserung bei guter Verträglichkeit.[8]
Die antibakteriellen Eigenschaften des Öls wirken gezielt gegen die Akne mit auslösenden Bakterien wie Cutibacterium acnes – und das bereits bei Konzentrationen von 0,06 % und darunter.[6] Zugleich hemmt Sandelholzöl die Produktion entzündungsfördernder Zytokine, was Rötungen und Schwellungen reduziert.
Für die Hautpflege bietet Sandelholzöl weitere Vorteile: Es verbessert die Fähigkeit der Haut, Feuchtigkeit zu speichern, und stärkt so die Hautbarriere. Bei trockener Haut oder Schuppen sorgt diese Eigenschaft für ein pralleres, gesünderes Erscheinungsbild. Gleichzeitig wirkt das Öl bei fettiger Haut adstringierend – es zieht vergrößerte Poren zusammen und kontrolliert die übermäßige Talgproduktion, sodass das Hautbild matter und reiner erscheint.
Als wissenschaftlich nachgewiesener Radikalfänger schützt Sandelholzöl signifikant vor Zellschäden durch freie Radikale und UV-Strahlung, was der Haut länger ein jugendliches Aussehen verleiht.[4] Es hemmt zudem die Aktivität von Kollagenase (MMP-1), einem Enzym, das Kollagen abbaut und zur Hautalterung beiträgt. Das Spektrum der behandelbaren Hauterkrankungen umfasst neben Akne unter anderem Ekzeme, Psoriasis (Schuppenflechte), atopische Dermatitis, Warzen, Molluscum contagiosum, entzündete oder infizierte Hautstellen, Juckreiz, Milchschorf und Cellulitis.[9]
Bei der Gesichtspflege sollte das ätherische Öl stets verdünnt angewendet werden – Dermatologen empfehlen eine Konzentration von 1–2 % in einem Trägeröl wie Jojobaöl oder Mandelöl. Für die meisten Hauttypen genügt eine Anwendung von 2–3 Mal pro Woche.
Sandelholzöl für die Haare
Dank seiner feuchtigkeitsspendenden und antimikrobiellen Eigenschaften ist Sandelholzöl eine wertvolle Ergänzung in der Haarpflege. Shampoos, Conditioner oder Haarkuren mit dem ätherischen Öl stärken die Haarwurzeln und können Haarausfall mindern. Die antibakteriellen und antimykotischen Wirkstoffe helfen bei Schuppen und beruhigen eine gereizte Kopfhaut. Das Haar erhält seinen natürlichen Glanz zurück, lässt sich besser stylen und wirkt insgesamt gesünder und geschmeidiger.
Für eine intensive Haarkur können 3–5 Tropfen Sandelholzöl mit einem Esslöffel Kokosöl oder Arganöl gemischt, in die Kopfhaut einmassiert und nach 30 Minuten Einwirkzeit ausgewaschen werden.
Sandelholzöl in der Aromatherapie
In der Aromatherapie gehört Sandelholzöl zu den am häufigsten eingesetzten Ölen. Sein warm-balsamischer Duft wirkt besänftigend auf die Seele und kann zur Linderung von Stress und innerer Anspannung bei Kindern wie auch Erwachsenen beitragen.
Wissenschaftliche Studien untermauern diese traditionelle Anwendung: In einer Pilotstudie mit Palliativpatienten führte die Aromatherapie mit Sandelholzöl zu einer messbaren Reduktion von Angst und innerer Unruhe.[10] Eine weitere Untersuchung zeigte, dass das Einatmen von Sandelholzöl den systolischen Blutdruck und den Speichelcortisolspiegel – ein Schlüsselindikator für Stress – während der Erholungsphase nach Belastung signifikant senkt.[7]
Ärger, Wut und innere Unruhe werden gemindert, während die Nerven gestärkt werden und zur Ruhe kommen. Die Bildung von Stresshormonen (Katecholaminen) sinkt und Herz- sowie Nervensystem finden ins Gleichgewicht zurück. Bewahrt man seine Bettwäsche in einer Truhe aus Sandelholz auf, soll der in den Textilien haftende Duft das Einschlafen erleichtern.
Sandelholzöl wird darüber hinaus als natürliches Aphrodisiakum geschätzt: Sein Duft weist eine starke Ähnlichkeit mit Androstenol auf, einem Pheromonbestandteil im menschlichen Achselschweiß. Dadurch werden subtile erotische Signale angesprochen, weshalb das Öl in der Duftlampe die Atmosphäre für Zweisamkeit bereichern kann.
Sandelholzöl als Massageöl
Aufgrund seiner entspannenden und krampflösenden Wirkung ist Sandelholzöl eine hervorragende Wahl als Massageöl. Gemischt mit einem Basisöl – etwa 5 bis 8 Tropfen Sandelholzöl auf 50 ml Avocadoöl oder Sesamöl – eignet es sich für klassische Rückenmassagen ebenso wie für wohltuende Bauchmassagen zur Entspannung und Entkrampfung der inneren Organe. Das Gefühl von wohliger Wärme, gepaart mit dem charakteristischen Holzduft, führt zu tiefer Ruhe und kann die erotische Stimmung steigern. Auch als Massageöl in der Partnerschaft ist es daher beliebt.
Sandelholzöl in der Kosmetik und Parfümerie
Da das ätherische Öl nur sehr langsam verdunstet (als sogenannter Basisnoten-Duftstoff), eignet es sich besonders gut als Fixativ in Parfüms. In keinem orientalischen Duft darf Sandelholzöl fehlen, und immer mehr Frauen schätzen Düfte mit dieser warmen Holznote – während sie früher vor allem Männern vorbehalten waren.
In der Kosmetikindustrie findet man Sandelholzöl in Cremes, Shampoos, Tinkturen, Haarspülungen und Salben. Der globale Sandelholzöl-Markt wurde 2024 auf rund 135–174 Millionen US-Dollar geschätzt und wächst jährlich um 7–8 %.[3] Die steigende Nachfrage nach natürlichen und nachhaltigen Inhaltsstoffen treibt dieses Wachstum voran.
Sandelholzöl als Antiseptikum und in der Wundbehandlung
Trägt man Salben, Tinkturen oder verdünntes ätherisches Öl auf entzündete oder infizierte Hautstellen auf, zeigen sich rasch die antiseptischen, entzündungshemmenden und schwach antimykotischen Eigenschaften. Die Wirkstoffe hemmen das Wachstum unerwünschter Bakterien und Pilze auf durch Verletzungen geschwächten Hautarealen, sodass die Heilung zügig voranschreiten kann.[9]
Die feuchtigkeitsspendende Wirkung schafft ein positives Hautklima, und der im Laufe der Heilung typischerweise auftretende Juckreiz wird durch die juckreizstillenden Eigenschaften eingedämmt. Bei offenen Wunden sollte das Öl jedoch nicht unverdünnt und nur nach Rücksprache mit einem Arzt angewendet werden.
Sandelholzöl bei Schuppenflechte (Psoriasis)
Ein besonders vielversprechendes Anwendungsgebiet ist die Behandlung von Psoriasis. Klinische Untersuchungen zeigen, dass ostindisches Sandelholzöl als PDE4-Hemmer wirkt – ein Mechanismus, der auch bei modernen Psoriasis-Medikamenten genutzt wird. In einer Phase-2-Studie zur atopischen Dermatitis erreichten 75 % der mit topischen Sandelholzöl-Formulierungen behandelten Kinder eine Reduktion ihres EASI-Scores (Eczema Area and Severity Index) um mehr als 50 %.[6]
Die Kombination aus entzündungshemmenden, antiproliferativen und feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften macht Sandelholzöl zu einer vielversprechenden botanischen Alternative für Menschen, die unter chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen leiden.
Wie riecht Sandelholzöl?
Der Duft von Sandelholzöl ist einzigartig und nur schwer zu verwechseln. Er wird als warm, holzig-süß, cremig-balsamisch und dezent animalisch beschrieben – mit einer außergewöhnlichen Tiefe und Haftfestigkeit. Im Gegensatz zu vielen anderen ätherischen Ölen verflüchtigt sich Sandelholzöl nur sehr langsam, weshalb sein Duft auf der Haut stundenlang wahrnehmbar bleibt.
Das ostindische Sandelholzöl aus Santalum album besitzt das vollste und wärmste Duftprofil mit einer charakteristisch milchig-holzigen Süße. Das australische Öl aus Santalum spicatum duftet etwas trockener und weniger komplex. Das westindische Amyrisöl hingegen erinnert eher an Zedernöl und wird im Handel manchmal als „Sandelholzöl" vermarktet, obwohl es botanisch nicht verwandt ist.
Ostindisches, westindisches und australisches Sandelholzöl
Die drei wichtigsten Varianten von Sandelholzöl unterscheiden sich erheblich:
Ostindisches Sandelholzöl (Santalum album) gilt als die hochwertigste Variante. Es enthält bis zu 60 % α-Santalol und besitzt das vollständigste Wirkstoffprofil. Es wird vorwiegend in Südindien (Karnataka, Kerala) und zunehmend auch auf Plantagen in Westaustralien angebaut. Die Bäume benötigen mindestens 15–20 Jahre bis zur Erntereife.[3]
Australisches Sandelholzöl (Santalum spicatum) ist die am häufigsten verfügbare Alternative. Mit einem α-Santalol-Gehalt von 35–40 % liegt es deutlich unter dem indischen Pendant, bietet aber dennoch wertvolle therapeutische Eigenschaften. Australien ist heute der weltweit größte nachhaltige Erzeuger von Sandelholzöl.
Westindisches Sandelholzöl (Amyrisöl, Amyris balsamifera) ist botanisch gesehen kein echtes Sandelholzöl, sondern gehört zur Familie der Zitrusfrüchte (Rutaceae). Es ist deutlich preiswerter und wird vor allem in der industriellen Parfümerie verwendet. Sein Duft ähnelt dem von Zedernholz mehr als dem von echtem Sandelholz.
Sandelholzöl selber machen
Eine echte Wasserdampfdestillation von Sandelholzöl im Heimverfahren ist nicht praktikabel, da hierfür spezielle Destillationsapparaturen und große Mengen des teuren und geschützten Kernholzes benötigt werden. Es gibt jedoch eine einfache Methode, ein sandelholzartiges Ölauszugspräparat für den Eigengebrauch herzustellen:
Dafür benötigt man hochwertiges Sandelholzpulver (aus dem Fachhandel oder der Apotheke) und ein kaltgepresstes Basisöl wie Jojobaöl oder Mandelöl. Etwa 2 Esslöffel Sandelholzpulver werden mit 100 ml Basisöl in ein verschließbares Glas gegeben und an einem dunklen, warmen Ort für 4–6 Wochen mazeriert. Das Glas sollte täglich geschüttelt werden. Nach der Ziehzeit wird das Öl durch ein feines Tuch oder einen Kaffeefilter abgeseiht. Das so gewonnene Mazerat enthält fettlösliche Duftstoffe des Sandelholzes, besitzt aber bei Weitem nicht die Konzentration und Wirkstoffdichte eines echten ätherischen Öls.
Dosierung und Einnahme von Sandelholzöl
Sandelholzöl kann in verschiedenen Formen angewendet werden – äußerlich als Tinktur, Creme, Salbe, Massageöl oder Badezusatz sowie innerlich in Form traditioneller Zubereitungen. Es sind sowohl Fertigprodukte als auch das reine ätherische Öl im Handel erhältlich.
Folgende Dosierungsrichtwerte gelten für die gängigsten Anwendungen:
- Äußerliche Anwendung: 1–2 % Konzentration in einem Trägeröl (1–2 Tropfen pro Esslöffel Basisöl)
- Duftlampe/Diffusor: 3–5 Tropfen
- Badezusatz: 5–8 Tropfen, mit einem Emulgator (z. B. Sahne, Honig) vermischt ins Badewasser geben
- Massageöl: 5–8 Tropfen auf 50 ml Trägeröl
- Inhalation: 2–3 Tropfen in eine Schüssel mit heißem Wasser
Eine orale Einnahme von Sandelholzöl sollte nur unter fachkundiger Anleitung erfolgen und wird allgemein mit etwa 1–1,5 g Öl pro Tag angegeben.
Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen
Sandelholzöl gilt grundsätzlich als gut verträglich und sicher, sofern es korrekt dosiert und verdünnt angewendet wird. Die bisherige wissenschaftliche Literatur dokumentiert keine schwerwiegenden Nebenwirkungen.[5] Dennoch sollten folgende Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden:
- Allergische Reaktionen: Ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung reagiert allergisch auf Sandelholzöl. Vor der erstmaligen Anwendung empfiehlt sich grundsätzlich ein Patch-Test auf einer kleinen Hautstelle am Unterarm.
- Niemals unverdünnt auftragen: Reines ätherisches Sandelholzöl sollte nicht direkt auf die Haut aufgetragen werden, da dies Reizungen hervorrufen kann.
- Nicht anwenden bei: Kindern unter 6 Jahren, in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Personen mit schweren Nieren-, Leber- oder Herzerkrankungen – es sei denn, dies geschieht in Absprache mit einem Arzt.
- Bei langfristiger hochdosierter Anwendung sind vereinzelt nephrotoxische Effekte beschrieben worden.[11]
Sandelholzöl kaufen – Worauf sollte man achten?
Beim Kauf von Sandelholzöl ist besondere Sorgfalt geboten, da der hohe Marktwert zu zahlreichen Fälschungen und Streckungen führt. Man unterscheidet traditionell 4 Qualitätsstufen:
- Beste Qualität: Mysore Sandalwood Oil – wird nur von staatlichen Destillerien an zwei Standorten (Mysore und Shimoga) in Karnataka hergestellt und ist äußerst selten und entsprechend teuer.
- Zweitbeste Qualität: Agmark Sandalwood Oil – ein verbessertes Markenöl mit der Garantie der Einhaltung des indischen Standards von 1952 (mindestens 90 % Santalole). Es wird fast ausschließlich exportiert.
- Drittbeste Qualität: Branded Oil (Markenöl) – wird in Indien verarbeitet und auch exportiert, erfüllt aber nicht zwingend den Agmark-Standard.
- Geringe Qualität: Unbranded Oil (markenloses Öl) – wird in der indischen Kosmetik- und Parfümindustrie eingesetzt und ist häufig gestreckt oder verschnitten.
Beim Kauf ist es wichtig, folgende Punkte zu beachten:
- Botanischer Name prüfen: Auf dem Etikett sollte der lateinische Name der Stammpflanze stehen – Santalum album für ostindisches, Santalum spicatum für australisches Öl.
- Synthetische Alternativen erkennen: Der synthetische Ersatzduftstoff Sandalore imitiert den Duft von Sandelholz, besitzt aber nicht dessen therapeutische Wirkung. Achten Sie auf den Zusatz „100 % naturreines ätherisches Öl".
- Preis als Qualitätsindikator: Reines ostindisches Sandelholzöl kostet pro Milliliter mehrere Euro. Auffällig günstige Angebote (unter 5 € für 10 ml) deuten fast immer auf synthetische oder stark gestreckte Produkte hin.
- Bezugsquelle wählen: Wer die volle Wirkkraft dieses Phytotherapeutikums nutzen möchte, sollte in der Apotheke oder bei zertifizierten Fachanbietern wie Primavera kaufen – statt einem beliebigen Online-Schnäppchen zu vertrauen.
- Bio-Zertifizierung: Ein Bio-Siegel garantiert den Anbau ohne synthetische Pestizide und eine nachhaltigere Produktion.
Sandelholzöl ist in Apotheken, Reformhäusern, bei Fachhändlern für ätherische Öle sowie online erhältlich. In Drogerien wie dm oder Rossmann findet man häufig günstigere Varianten – hier sollte man allerdings genau auf die Inhaltsstoffe achten und zwischen naturreinem ätherischem Öl und Duftölen mit synthetischen Bestandteilen unterscheiden.
Quellenverzeichnis
- Burdock, G. A., & Carabin, I. G. (2008). Safety assessment of sandalwood oil (Santalum album L.). Food and Chemical Toxicology, 46(2), 421–432. doi:10.1016/j.fct.2007.09.092
- Asian Regional Workshop (Conservation & Sustainable Management of Trees, Viet Nam, August 1996). 1998. Santalum album. The IUCN Red List of Threatened Species 1998: e.T31852A9665066. doi:10.2305/IUCN.UK.1998.RLTS.T31852A9665066.en
- Global Growth Insights (2025). Top Sandalwood Oil Companies in Global 2025 – Market Report. Abgerufen am 12.02.2026.
- Afaq, F., Zaid, M. A., Pelle, E., Khan, N., Syed, D. N., Matsui, M. S., Dreher, F., & Mukhtar, H. (2009). Aryl Hydrocarbon Receptor Is an Ozone Sensor in Human Skin. Journal of Investigative Dermatology, 129(10), 2396–2403. – zitiert in: Santha, S., & Dwivedi, C. (2024). Biological Properties of Sandalwood Oil and Microbial Synthesis of Its Major Sesquiterpenoids. Biomolecules, 14(8), 971. doi:10.3390/biom14080971
- Sandalwood oil. (2025). In: Wikipedia. Abgerufen am 12.02.2026. – Referenziert ISO 3518:2002E Standards für S. album Öl.
- Sharma, M., Levenson, C., Bell, R. H., Anderson, S. A., Hudson, J. B., Collins, C. C., & Cox, M. E. (2018). East Indian Sandalwood Oil Is a Phosphodiesterase Inhibitor: A New Therapeutic Option in the Treatment of Inflammatory Skin Disease. Frontiers in Pharmacology, 8, 200. doi:10.3389/fphar.2018.00200
- Heuberger, E., Hongratanaworakit, T., & Buchbauer, G. (2016). A Pilot Study on the Physiological Effects of Three Essential Oils in Humans. Natural Product Communications, 11(10). doi:10.1177/1934578X1601101034
- Moy, R. L., Levenson, C., So, J. J., & Rock, J. A. (2012). Single-center, open-label study of a proprietary topical 0.5% salicylic acid-based treatment regimen containing sandalwood oil in adolescents and adults with mild to moderate acne. Journal of Drugs in Dermatology, 11(12), 1403–1408. PMID: 23377508
- Santha, S., & Dwivedi, C. (2017). Sandalwood Album Oil as a Botanical Therapeutic in Dermatology. Journal of Clinical and Aesthetic Dermatology, 10(10), 34–39. PMCID: PMC5749697
- Kyle, G. (2006). Evaluating the effectiveness of aromatherapy in reducing levels of anxiety in palliative care patients: Results of a pilot study. Complementary Therapies in Clinical Practice, 12(2), 148–155. doi:10.1016/j.ctcp.2005.11.001
- ScienceDirect Topics – Santalum overview. Pharmacology, Toxicology and Pharmaceutical Science. Abgerufen am 12.02.2026.









