Weizenkeimöl gilt als eines der wertvollsten Pflanzenöle überhaupt und wird aus den nährstoffreichen Keimlingen des Weizens (Triticum aestivum) gewonnen. Weizen zählt zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit und stammt ursprünglich aus Vorderasien, wo er bereits vor rund 10.000 Jahren kultiviert wurde.[1] Heute gehört Weizen zu den am häufigsten angebauten Getreidearten weltweit, wobei Deutschland neben Frankreich und Russland zu den wichtigsten Anbaugebieten zählt.
Was Weizenkeimöl so besonders macht, ist sein außergewöhnlich hoher Gehalt an natürlichem Vitamin E: Mit etwa 200 bis 300 mg pro 100 g ist es der unangefochtene Spitzenreiter unter allen pflanzlichen Ölen.[2] Für die Herstellung von nur einem Liter kaltgepresstem Weizenkeimöl werden über eine Tonne Weizen benötigt, da der Keimanteil lediglich 2 bis 3 Prozent des gesamten Korns ausmacht und der Fettgehalt der Keime nur bei etwa 10 Prozent liegt.[3] Unterschieden wird zwischen nativem, kaltgepresstem Weizenkeimöl – das als besonders hochwertig gilt – und raffiniertem Weizenkeimöl, das durch den Verarbeitungsprozess einen großen Teil seiner wertvollen Inhaltsstoffe verliert. Bei Weizen selbst existieren zwei Fruchtarten: der robustere und ertragreichere Winterweizen sowie der Sommerweizen, der meist nur als Gründünger oder Streuprodukt Verwendung findet.
Gewinnung von Weizenkeimöl
Die Herstellung von Weizenkeimöl ist ein aufwendiger und kostenintensiver Prozess. Das Öl wird ausschließlich aus den kleinen Keimlingen des Weizenkorns gewonnen, die bei der industriellen Mehlproduktion als Nebenprodukt anfallen. Da die Keime aufgrund ihres hohen Fettgehalts die Haltbarkeit des Mehls verringern, werden sie vom Korn getrennt und anschließend separat verarbeitet.[3]
Für die Ölgewinnung stehen grundsätzlich zwei Verfahren zur Verfügung: die schonende Kaltpressung und die Extraktion. Bei der Kaltpressung werden die Weizenkeime bei Temperaturen unter 40 °C mechanisch gepresst. Dieses Verfahren bewahrt den Großteil der empfindlichen Inhaltsstoffe und ist die bevorzugte Methode für hochwertiges, natives Weizenkeimöl. Erkennbar ist es an seiner intensiv dunkelgelben bis orangefarbenen Tönung und seinem charakteristischen, getreidigen Duft. Bei der Extraktion kommen dagegen chemische Lösungsmittel zum Einsatz, was zwar höhere Ausbeuten ermöglicht, jedoch auf Kosten der Nährstoffqualität geht. Das anschließend raffinierte Öl ist deutlich heller in der Farbe und nahezu geruchsneutral, da bei diesem Prozess die Enzymaktivität gezielt reduziert wird.
Wer Weizenkeimöl für kosmetische Zwecke oder die Ernährung nutzen möchte, sollte beim Kauf unbedingt auf die Bezeichnung „nativ" oder „kaltgepresst" achten, da gerade in kosmetischen Produkten das Öl häufig mit anderen, günstigeren Pflanzenölen gemischt wird.
Weizenkeimöl Inhaltsstoffe
Die Zusammensetzung von Weizenkeimöl ist bemerkenswert nährstoffreich. Rund 60 Prozent des Öls bestehen aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren, wobei die Omega-6-Fettsäure Linolsäure mit einem Anteil von etwa 56 bis 60 Prozent dominiert.[4] Darüber hinaus enthält das Öl Palmitinsäure (ca. 16 %), Ölsäure (ca. 13 %) sowie Alpha-Linolensäure (Omega-3, ca. 7–8 %). Der Anteil gesättigter Fettsäuren liegt bei nur rund 16 bis 19 Prozent.[4]
Das herausragendste Merkmal von Weizenkeimöl ist jedoch sein außergewöhnlich hoher Vitamin-E-Gehalt. Je nach Herstellungsmethode und Qualität enthält es zwischen 130 und 300 mg Tocopherole pro 100 g – damit übertrifft es jedes andere Speiseöl.[2] Das enthaltene Vitamin E setzt sich aus verschiedenen Tocopherol-Formen zusammen: circa 54 Prozent Alpha-Tocopherol, 18 Prozent Beta-Tocopherol, 22 Prozent Gamma-Tocopherol und 5,5 Prozent Delta-Tocopherol.[5] Diese natürliche Mischung verschiedener Tocopherole gilt als deutlich wertvoller als synthetisch hergestelltes Vitamin E, das meist nur einzelne Formen enthält.
Neben Vitamin E und den essentiellen Fettsäuren enthält Weizenkeimöl weitere wertvolle Bestandteile:
- Phytosterole (insbesondere Beta-Sitosterol und Campesterol)
- Carotinoide (etwa 12 mg pro 100 g)[2]
- Vitamin K, Vitamin A und B-Vitamine (Thiamin, Riboflavin, Niacin)
- Mineralstoffe wie Zink, Magnesium, Selen und Phosphor
- Octacosanol (ein langkettiger Fettalkohol aus pflanzlichen Wachsen)[6]
Eine Besonderheit des Weizenkeimöls ist seine vergleichsweise geringe Oxidationsstabilität. Der hohe Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren macht es anfällig für den Verderb durch Licht, Wärme und Sauerstoff – ein Grund, warum korrekte Lagerung so wichtig ist.
Weizenkeimöl Kalorien und Nährwerttabelle
| Weizenkeimöl | |
|---|---|
![]() | |
| 100 g Weizenkeimöl enthält durchschnittlich: | |
| Nährstoff | Menge |
| Kalorien | 884 kcal (3.700 kJ) |
| Fettgehalt | 100 g |
| Gesättigte Fettsäuren | 19 g |
| Ungesättigte Fettsäuren | 81 g |
| Einfach ungesättigte Fettsäuren | 14 g |
| Mehrfach ungesättigte Fettsäuren | 67 g |
| – davon Omega-6 (Linolsäure) | ca. 56 g |
| – davon Omega-3 (Alpha-Linolensäure) | ca. 7 g |
| Cholesterin | 0 mg |
| Natrium | 0 mg |
| Kohlenhydrate | 0 g |
| Ballaststoff | 0 g |
| Zucker | 0 g |
| Protein | 0 g |
| Vitamin E (Tocopherole) | ca. 149–300 mg |
| Rauchpunkt | ca. 135 °C (nicht zum Braten geeignet) |
Wirkung von Weizenkeimöl
Weizenkeimöl wird häufig als „flüssiges Gold" bezeichnet – und dieser Ruf kommt nicht von ungefähr. Die einzigartige Kombination aus Vitamin E, essentiellen Fettsäuren und sekundären Pflanzenstoffen verleiht dem Öl ein breites Wirkungsspektrum, das sowohl bei äußerlicher als auch bei innerlicher Anwendung zum Tragen kommt.
Antioxidativer Zellschutz: Das im Öl enthaltene Vitamin E zählt zu den stärksten natürlichen Antioxidantien. Es neutralisiert freie Radikale, die unsere Zellen schädigen und den Alterungsprozess beschleunigen. Vitamin E schützt insbesondere die empfindlichen ungesättigten Fettsäuren in den Zellmembranen vor der Oxidation.[7] Dadurch kann es Zellwände stabilisieren und den natürlichen Zellstoffwechsel unterstützen.
Hautpflege und Anti-Aging: Bei äußerlicher Anwendung dringt das Vitamin E des Weizenkeimöls tief in die Haut ein und lagert sich direkt an die Zellmembranen an. Es unterstützt die körpereigene Kollagenbildung und fördert die Ceramid-Synthese – beides essentiell für eine elastische, jugendlich wirkende Haut.[5] Zudem bindet das Öl Feuchtigkeit in den Hautzellen, stärkt die natürliche Barriereschicht und verbessert die Durchblutung.
Herz-Kreislauf-System: Die in Weizenkeimöl enthaltenen mehrfach ungesättigten Fettsäuren können dazu beitragen, den Cholesterinspiegel im Blut in einem normalen Bereich zu halten. Der Ersatz gesättigter durch ungesättigte Fettsäuren in der Ernährung wird von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlen.[8] Darüber hinaus deuten Studien darauf hin, dass die im Öl enthaltenen Phytosterole die Cholesterinaufnahme im Darm hemmen können.[6]
Haar- und Kopfhautpflege: Die im Öl enthaltenen Vitamine und Fettsäuren nähren Haar und Kopfhaut intensiv. Sie spenden Feuchtigkeit, verbessern die Haarstruktur und können bei regelmäßiger Anwendung zu mehr Glanz und Geschmeidigkeit beitragen.
Anwendungsgebiete von Weizenkeimöl
Weizenkeimöl zählt zu den vielseitigsten Pflanzenölen und findet sowohl in der Ernährung als auch in der Körperpflege zahlreiche Einsatzmöglichkeiten. Die wertvollen Inhaltsstoffe stärken nicht nur das Immunsystem von innen, sondern unterstützen auch äußerlich die Regeneration von Haut und Haaren. Das im Öl enthaltene Vitamin E dient als natürlicher Radikalenfänger und wirkt antioxidativ – das bedeutet, dass die Zellwände vor Schäden durch freie Radikale geschützt werden.[7] In Bandscheiben und Bindegewebe können die Vitamine B und E eingelagert werden, was langfristig zur Regulierung von Rückenbeschwerden beitragen kann. Auch für Männer kann die regelmäßige Einnahme von Weizenkeimöl vorteilhaft sein, da einzelne Studien Hinweise auf eine unterstützende Wirkung bei Prostatabeschwerden liefern.
Weizenkeimöl für die Haare
In der Haarpflege hat sich Weizenkeimöl als bewährter Inhaltsstoff etabliert. Die Kombination aus Vitamin E, B-Vitaminen und essentiellen Fettsäuren versorgt das Haar intensiv mit Feuchtigkeit und wichtigen Nährstoffen. Das Öl legt sich schützend um jede einzelne Haarfaser, versiegelt die Haaroberfläche und bewahrt das Haar so vor äußeren Einflüssen wie UV-Strahlung oder Föhnhitze.
Besonders bei trockenem, strapaziertem oder brüchigem Haar zeigt Weizenkeimöl seine Stärken: Es verbessert spürbar die Kämmbarkeit, verleiht Glanz und unterstützt die Regeneration geschädigter Haarstrukturen. Auch gegen Schuppen kann das Öl helfen, indem es die Kopfhaut mit Feuchtigkeit versorgt und so der übermäßigen Neubildung von Hautschuppen entgegenwirkt. Für eine intensive Kopfhautmassage genügt ein Esslöffel des Öls, der über Nacht einwirken sollte und am nächsten Morgen ausgewaschen wird.
Weizenkeimöl für die Haut
In der Hautpflege überzeugt Weizenkeimöl durch seine feuchtigkeitsspendenden und zellschützenden Eigenschaften. Es fördert die natürliche Elastizität und Durchblutung der Haut und kann dank seiner antioxidativen Inhaltsstoffe dazu beitragen, feinen Linien und Fältchen entgegenzuwirken. Studien legen nahe, dass Weizenkeimöl die Aktivität des Enzyms Sphingomyelinase erhöht, das für die Bildung hautschützender Ceramide verantwortlich ist.[5]
Auch für besonders trockene oder reife Haut ist das Öl hervorragend geeignet, da es die Barriereschicht stärkt und den Wasserverlust der Haut reduziert. Für die Gesichtspflege empfiehlt es sich, wenige Tropfen Weizenkeimöl pur oder gemischt mit einer leichten Creme aufzutragen. Bei unreiner Haut sollte das Öl allerdings nicht pur verwendet werden, da es mit einem Komedogenitätsgrad von 4–5 als komedogenes Öl eingestuft wird – in einer Mischung mit nicht-komedogenen Ölen wie Jojobaöl oder Arganöl lässt es sich jedoch problemlos einsetzen.
Das Öl kann außerdem bei der Pflege von Narbengewebe unterstützend wirken und wird zur Nachbehandlung von Verbrennungen und Akne-Narben eingesetzt.
Weizenkeimöl in der Schwangerschaft
Weizenkeimöl ist ein besonders geschätzter Begleiter während der Schwangerschaft. Sein hoher Vitamin-E-Gehalt unterstützt die Hautelastizität, die gerade in den letzten Schwangerschaftsmonaten durch die starke Dehnung des Gewebes besonders beansprucht wird. Viele Hebammen empfehlen das Öl zur Vorbeugung von Schwangerschaftsstreifen – regelmäßig auf Bauch, Hüften und Oberschenkel aufgetragen, kann es dazu beitragen, die Haut geschmeidig zu halten und dem Dehnungsprozess besser standzuhalten.
Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist die Dammmassage, die ab der 34. Schwangerschaftswoche als natürliche Geburtsvorbereitung empfohlen wird. Hebammen setzen dabei häufig auf Weizenkeimöl, Mandelöl oder Jojobaöl, um das Dammgewebe elastischer und besser durchblutet zu machen. Studien zeigen, dass regelmäßige Dammmassagen das Risiko für einen Dammriss und die Notwendigkeit eines Dammschnitts verringern können.[9] Die bekannte Hebamme Ingeborg Stadelmann empfiehlt in ihrem Standardwerk „Hebammensprechstunde" eine Mischung aus Johanniskrautöl und Weizenkeimöl mit wenigen Tropfen ätherischem Rosen- und Muskatellersalbeiöl.
Weizenkeimöl in der Küche
Auch in der Küche hat Weizenkeimöl seinen berechtigten Platz. Natives Weizenkeimöl zeichnet sich durch einen feinen, leicht getreidigen Geschmack aus, den viele Menschen als nussartig empfinden. Es eignet sich hervorragend als Basis für Salatdressings, verfeinert Dips, Smoothies und Müslis und lässt sich auch über bereits angerichtete warme Speisen wie Suppen, Nudel- oder Reisgerichte träufeln.
Wichtig: Da der Rauchpunkt von Weizenkeimöl bei nur rund 135 °C liegt, ist es weder zum Braten noch zum Kochen geeignet. Beim Erhitzen über diesen Punkt hinaus werden nicht nur die wertvollen Inhaltsstoffe zerstört – es können sogar gesundheitsschädliche Stoffe entstehen. Verwenden Sie das Öl daher ausschließlich in der kalten Küche oder geben Sie es erst nach dem Kochen über die fertigen Speisen. In Kombination mit Olivenöl, Leinöl oder Kürbiskernöl lassen sich so besonders aromatische Dressingvarianten kreieren.
Weizenkeimöl und Spermidin
Immer wieder wird Weizenkeimöl mit dem als Anti-Aging-Stoff bekannten Spermidin in Verbindung gebracht. Hier ist jedoch eine wichtige Unterscheidung nötig: Während Weizenkeime tatsächlich zu den spermidinreichsten Lebensmitteln überhaupt gehören (ca. 24–48 mg pro 100 g), enthält das daraus gepresste Weizenkeimöl nur verschwindend geringe Mengen dieses Stoffes.[10]
Der Grund dafür ist einfach: Spermidin ist wasserlöslich und geht beim Pressvorgang nicht ins fettlösliche Öl über.[10] Wer gezielt seine Spermidin-Zufuhr erhöhen möchte, sollte daher besser auf Weizenkeimgranulat, Weizenkeimflocken oder andere spermidinreiche Lebensmittel wie gereiften Käse, Sojabohnen oder Pilze zurückgreifen. Weizenkeimöl punktet hingegen mit seinen einzigartigen Stärken als herausragende Vitamin-E-Quelle und wertvolles Fettsäureprofil – und genau dafür sollte es geschätzt werden.
Ist Weizenkeimöl glutenfrei?
Eine häufig gestellte Frage lautet: Enthält Weizenkeimöl Gluten? Die Antwort: Reines Weizenkeimöl ist glutenfrei. Gluten ist ein Protein (Eiweiß) und kommt im Getreidekorn vor – das Öl selbst besteht jedoch zu 100 Prozent aus Fett und enthält keine Proteine.[11] Auch die Schweizerische Interessengemeinschaft für Zöliakie bestätigt: Weizenkeimöl enthält kein Gluten und ist daher grundsätzlich für Menschen mit Zöliakie geeignet.[12]
Allerdings ist eine gewisse Vorsicht geboten: Bei der industriellen Verarbeitung kann es theoretisch zu Kreuzkontaminationen mit glutenhaltigen Bestandteilen des Weizenkorns kommen. Personen mit diagnostizierter Zöliakie oder einer schweren Glutenunverträglichkeit sollten daher sicherheitshalber beim Hersteller nachfragen oder auf Produkte zurückgreifen, die explizit als glutenfrei zertifiziert sind. Für Menschen mit einer Weizenallergie (nicht Zöliakie) ist ebenfalls Vorsicht angebracht, da Spuren von Weizenproteinen im Öl nicht vollständig ausgeschlossen werden können.
Lagerung und Haltbarkeit von Weizenkeimöl
Die korrekte Lagerung von Weizenkeimöl ist entscheidend, um seine wertvollen Inhaltsstoffe zu bewahren. Da das Öl aufgrund seines hohen Gehalts an mehrfach ungesättigten Fettsäuren besonders empfindlich gegenüber Licht, Wärme und Sauerstoff ist, sollten Sie folgende Regeln beachten:
Das Öl sollte stets kühl, dunkel und gut verschlossen gelagert werden – idealerweise in einer dunklen Glasflasche im Kühlschrank oder einem kühlen Vorratsraum. Ungeöffnet hält sich hochwertiges Weizenkeimöl je nach Hersteller zwischen 9 und 12 Monaten.[5] Nach dem Anbrechen sollte es innerhalb von 6 bis 8 Wochen aufgebraucht werden, da der Kontakt mit Sauerstoff den Verderb erheblich beschleunigt. Achten Sie nach jedem Gebrauch darauf, die Flasche sofort wieder gut zu verschließen.
Ein wichtiger Hinweis zur Haltbarkeit von Ölen: Die Menge und biologische Aktivität des enthaltenen Vitamin E nimmt während der Lagerung kontinuierlich ab – insbesondere bei Einwirkung von Wärme, Sauerstoff und Licht. Das Öl kann im Kühlschrank aufbewahrt werden, sollte jedoch nicht eingefroren werden, da auch übermäßige Kälte die Vitaminaktivität beeinträchtigen kann.
Dosierung und Einnahme von Weizenkeimöl
Bei der innerlichen Einnahme von Weizenkeimöl empfehlen die meisten Hersteller und Ernährungsexperten eine Tagesdosis von 1 bis 2 Teelöffeln (5–10 g).[13] Bereits ein Esslöffel (ca. 10 g) kaltgepresstes Weizenkeimöl kann den empfohlenen Tagesbedarf an Vitamin E eines Erwachsenen von 12 bis 15 mg (laut DGE) vollständig decken.[8]
Für die innerliche Anwendung lässt sich das Öl pur vom Löffel einnehmen oder in Müslis, Joghurt, Smoothies, Quark und Salatdressings einrühren. Da Vitamin E fettlöslich ist und die Aufnahme an die Fettverdauung gekoppelt ist, sollte das Öl idealerweise zusammen mit einer Mahlzeit eingenommen werden.
Für die äußerliche Anwendung auf der Haut genügen wenige Tropfen, die sanft einmassiert werden. Die Haut wird dadurch optimal mit Feuchtigkeit versorgt und fühlt sich weich und elastisch an. Weizenkeimöl kann bei regelmäßiger Anwendung auch dazu beitragen, das Erscheinungsbild von Narben, feinen Linien und Dehnungsstreifen zu verbessern. Für eine nährende Kopfhautmassage kann ein Esslöffel des Öls über Nacht einwirken und am nächsten Morgen ausgewaschen werden – ideal einmal pro Woche.
Weizenkeimöl ist auch in Form von Kapseln (Weichgelatine oder pflanzliche Kapseln) als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Die empfohlene Verzehrmenge auf der Packungsbeilage sollte dabei nicht überschritten werden. Beachten Sie, dass Weizenkeimöl mit über 880 kcal pro 100 g einen hohen Brennwert hat und die Einnahme entsprechend dosiert erfolgen sollte.
Weizenkeimöl Nebenwirkungen
Weizenkeimöl gilt bei sachgemäßer Anwendung und Dosierung für die meisten Menschen als gut verträglich. Dennoch gibt es einige Punkte, die beachtet werden sollten:
Allergische Reaktionen: Obwohl reines Weizenkeimöl kein Gluten enthält, können Personen mit einer Weizenallergie unter Umständen auf Spuren von Weizenproteinen reagieren. Symptome können von Hautreizungen bis hin zu Atembeschwerden reichen. Betroffene sollten vor der ersten Anwendung ärztlichen Rat einholen.
Verdauungsbeschwerden: Bei übermäßigem Verzehr kann Weizenkeimöl bei empfindlichen Personen zu Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen oder Durchfall führen. Eine moderate Dosierung (1–2 Teelöffel täglich) minimiert dieses Risiko.
Wechselwirkungen mit Medikamenten: Aufgrund des sehr hohen Vitamin-E-Gehalts kann Weizenkeimöl in größeren Mengen eine leicht blutverdünnende Wirkung entfalten. Personen, die blutgerinnungshemmende Medikamente (z. B. Marcumar, Warfarin) einnehmen, sollten vor der regelmäßigen Einnahme unbedingt Rücksprache mit ihrem Arzt halten.[7]
Hoher Kaloriengehalt: Mit über 880 kcal pro 100 g sollte Weizenkeimöl sparsam dosiert werden, besonders wenn ein kalorienreduzierter Ernährungsplan verfolgt wird.
Nicht zum Erhitzen geeignet: Beim Erhitzen über den Rauchpunkt (ca. 135 °C) hinaus können gesundheitlich bedenkliche Stoffe entstehen. Weizenkeimöl ist daher ausschließlich für die kalte Küche bestimmt.
Weizenkeimöl Verkaufsformen
Weizenkeimöl ist in verschiedenen Verkaufsformen erhältlich, die sich je nach Anwendungszweck unterscheiden. Grundsätzlich wird zwischen Produkten in Lebensmittelqualität und solchen für die rein kosmetische Anwendung unterschieden.
Natives Weizenkeimöl in Lebensmittelqualität ist kaltgepresst und eignet sich sowohl für den Verzehr als auch für die äußere Anwendung auf Haut und Haaren. Es wird in dunklen Glasflaschen abgefüllt, um die lichtempfindlichen Inhaltsstoffe zu schützen. Ungeöffnet hält es sich 9 bis 12 Monate, nach dem Öffnen sollte es innerhalb von 6 bis 8 Wochen verbraucht werden. Es zeichnet sich durch einen intensiven, getreidigen Geschmack und eine satte goldgelbe bis orange Farbe aus.
Bio Weizenkeimöl
Bio Weizenkeimöl wird aus Weizen aus kontrolliert biologischem Anbau gewonnen und ist nativ und kaltgepresst. Es ist besonders reich an Vitamin E, B-Vitaminen und essentiellen Fettsäuren und enthält keine weiteren Zusatzstoffe. Die Bio-Variante wird in abgedunkelten Flaschen verkauft und muss kühl und trocken gelagert werden. Da sie frei von Konservierungsstoffen ist, sollte Bio Weizenkeimöl nach dem Öffnen zügig verbraucht werden. Es eignet sich sowohl für die kalte Küche als auch für kosmetische Zwecke. Gerade bei kaltgepressten Bio-Ölen ist die Verfügbarkeit aufgrund begrenzter Bio-Rohstoffe manchmal eingeschränkt, was sich auch im Preis widerspiegelt.
Weizenkeimöl Kapseln
Weizenkeimöl Kapseln sind eine praktische Alternative für alle, die das Öl als tägliche Nahrungsergänzung nutzen möchten. Die Kapseln enthalten in der Regel kaltgepresstes Weizenkeimöl in einer Hülle aus Gelatine, Zellulose oder Carrageen. Da sie magensaftresistent sind, lösen sie sich erst im Darmtrakt auf und setzen dort die wertvollen Inhaltsstoffe frei. Weizenkeimöl Kapseln werden vor allem eingesetzt, um den täglichen Vitamin-E-Bedarf zu decken, den Cholesterinspiegel zu unterstützen und antioxidativ zu wirken. Die auf der Packungsbeilage angegebene Verzehrmenge sollte nicht überschritten werden. Auch die Kapseln sollten kühl, trocken und lichtgeschützt gelagert werden.
Weizenkeimöl Shampoo
In Haarpflegeprodukten gehört Weizenkeimöl zu den beliebtesten natürlichen Inhaltsstoffen. Shampoos mit Weizenkeimöl legen sich schützend über jede Haarfaser und können das Haar dicker und kräftiger erscheinen lassen, weshalb das Öl besonders gerne in Volumen-Shampoos eingesetzt wird. Die Produkte richten sich vor allem an zwei Zielgruppen: Menschen mit geschädigtem, trockenem Haar und solche, die unter Schuppen leiden. Bereits ein geringer Ölanteil von etwa 5 bis 6 Prozent im Shampoo reicht aus, um spürbare Ergebnisse zu erzielen. Das Öl repariert geschädigte Haarstrukturen, verbessert die Kämmbarkeit und schützt das Haar vor Umwelteinflüssen wie UV-Strahlung und Hitze.
Weizenkeimöl kaufen – Worauf sollte geachtet werden?
Hochwertiges Weizenkeimöl ist eine sinnvolle Investition in Gesundheit und Wohlbefinden. Damit Sie das bestmögliche Produkt erhalten, sollten Sie beim Kauf auf folgende Punkte achten:
Entscheiden Sie sich immer für kaltgepresstes, natives Weizenkeimöl in Lebensmittelqualität, da nur diese Variante das vollständige Nährstoffspektrum bietet. Lesen Sie die Zutatenliste aufmerksam, um sicherzustellen, dass das Öl rein und nicht mit anderen, günstigeren Ölen vermischt ist. Hochwertige Produkte erkennen Sie an der Abfüllung in dunklen Glasflaschen, die das lichtempfindliche Vitamin E schützen.
Prüfen Sie außerdem, ob das Öl für den Verzehr zugelassen ist – einige Anbieter verkaufen Weizenkeimöl ausschließlich zur äußeren Anwendung, was auf der Flasche entsprechend gekennzeichnet sein muss. Bio-zertifizierte Produkte bieten zusätzliche Sicherheit hinsichtlich des Anbaus ohne synthetische Pestizide. Erhältlich ist Weizenkeimöl im Reformhaus, in Bioläden, Drogerien wie dm und Rossmann, in der Apotheke sowie online. Die Preise variieren je nach Qualität und Herkunft erheblich – bedenken Sie dabei, dass für einen Liter des Öls über eine Tonne Weizen verarbeitet werden muss, was den vergleichsweise hohen Preis erklärt.
Häufige Fragen zu Weizenkeimöl (FAQ)
Ist Weizenkeimöl gesund?
Ja, Weizenkeimöl gilt als eines der gesündesten Pflanzenöle. Es ist der beste natürliche Lieferant für Vitamin E und enthält wertvolle mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Die DGE empfiehlt den Ersatz gesättigter durch ungesättigte Fettsäuren.[8] Bereits 1 bis 2 Teelöffel täglich können den Vitamin-E-Bedarf eines Erwachsenen decken.
Kann man Weizenkeimöl zum Braten verwenden?
Nein, Weizenkeimöl eignet sich aufgrund seines niedrigen Rauchpunkts von circa 135 °C nicht zum Braten, Frittieren oder Kochen. Das Erhitzen zerstört die wertvollen Inhaltsstoffe und kann gesundheitsschädliche Substanzen erzeugen. Für hohe Temperaturen empfehlen sich hitzebeständigere Öle wie Rapsöl oder raffiniertes Sonnenblumenöl.
Enthält Weizenkeimöl Spermidin?
Nur in verschwindend geringen Mengen. Spermidin ist wasserlöslich und geht beim Pressen kaum in das fettlösliche Öl über.[10] Wer Spermidin gezielt supplementieren möchte, sollte auf Weizenkeimgranulat oder -flocken zurückgreifen.
Wie lange ist Weizenkeimöl haltbar?
Ungeöffnet und richtig gelagert (kühl, dunkel, luftdicht) hält sich Weizenkeimöl 9 bis 12 Monate. Nach dem Öffnen sollte es innerhalb von 6 bis 8 Wochen aufgebraucht werden.
Ist Weizenkeimöl für Hunde und Pferde geeignet?
Weizenkeimöl wird auch in der Tierernährung als Nahrungsergänzung eingesetzt und kann das Fell glänzend und die Haut geschmeidig halten. Bei Hunden werden in der Regel wenige Tropfen ins Futter gemischt. Vor der Anwendung sollte allerdings ein Tierarzt konsultiert werden, um die richtige Dosierung zu klären.
Weizenkeimöl oder Leinöl – was ist besser?
Beide Öle haben unterschiedliche Stärken und ergänzen sich idealerweise. Leinöl liefert deutlich mehr Omega-3-Fettsäuren (Alpha-Linolensäure), während Weizenkeimöl beim Vitamin-E-Gehalt unangefochten ist. Eine Kombination aus beiden – wie sie im Handel als „Omega-Safe"-Mischung erhältlich ist – vereint die Vorteile beider Öle.
Wo kann man Weizenkeimöl kaufen?
Weizenkeimöl ist in Reformhäusern, Bioläden, Drogerien (dm, Rossmann, Müller), Apotheken und gut sortierten Supermärkten (Edeka, Rewe) sowie online erhältlich. Beim Kauf sollte auf die Bezeichnung „kaltgepresst" oder „nativ" geachtet werden.
Kann Weizenkeimöl bei Neurodermitis helfen?
Weizenkeimöl kann dank seiner feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften und des hohen Vitamin-E-Gehalts trockene, gereizte Haut beruhigen. Bei Neurodermitis sollte das Öl jedoch nur nach Rücksprache mit einem Dermatologen angewendet werden, insbesondere wenn eine Weizenallergie vorliegt.
Quellen
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