Wacholderöl

Zuletzt aktualisiert: 12.02.26

Wacholderöl ist ein hochwirksames ätherisches Öl, das aus den Beeren, dem Holz oder den Nadeln des Gemeinen Wacholders (Juniperus communis) gewonnen wird. Der immergrüne Wacholderstrauch gehört botanisch zur Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae) und gedeiht besonders gut auf kargen, steinigen Böden in ganz Europa, Nordamerika und Asien. Wacholderöl – ätherisches Öl aus Wacholderbeeren

Die Ernte der Wacholderbeeren ist nicht ganz einfach, weil es sich beim Wacholder um ein stacheliges Nadelgehölz handelt, das in Ausnahmefällen bis zu 12 bis 18 Meter hoch und bis zu 600 Jahre alt werden kann. Bei den begehrten Wacholderbeeren handelt es sich botanisch gesehen um Beerenzapfen, nicht um echte Beeren. Sie finden sowohl in der Naturheilkunde als auch in der Küche Verwendung – etwa als Gewürz für Wildgerichte oder als namensgebende Zutat für Gin. Bereits in der Antike wurde der Rauch verbrennender Wacholderzweige genutzt, um Räume zu reinigen und Krankheiten abzuwehren. In französischen Hospitälern wurden während der Pestepidemien Wacholderzweige verbrannt, um die Luft zu desinfizieren.[1]

Gewinnung von Wacholderöl

Beim ätherischen Wacholderöl wird zwischen zwei Varianten unterschieden: Das hochwertigere Wacholderbeerenöl wird durch Wasserdampfdestillation der reifen, getrockneten Beerenzapfen gewonnen, während das günstigere Wacholderholzöl aus dem Holz und den Zweigen destilliert wird. In beiden Fällen kommt die schonende Wasserdampfdestillation zum Einsatz.

Für einen Liter reines Wacholderbeerenöl werden etwa 60 bis 120 Kilogramm getrocknete Wacholderbeeren benötigt – die Ausbeute liegt bei nur 0,8 bis 2 Prozent.[2] Für einen Liter Wacholderholzöl werden je nach Art und Herkunft 50 bis 200 Kilogramm Holz verarbeitet. Das ätherische Öl aus den Beeren ist von farbloser bis hellgelber Konsistenz, duftet frisch-würzig, holzig und süß-balsamisch zugleich und wird in der Aromatherapie besonders geschätzt.

Wacholderöl Inhaltsstoffe

Die chemische Zusammensetzung von Wacholderöl ist komplex und variiert je nach Herkunft, Erntezeitpunkt und verwendetem Pflanzenteil. Wissenschaftliche Analysen haben über 70 verschiedene Verbindungen im ätherischen Wacholderbeerenöl identifiziert, wobei die Monoterpenkohlenwasserstoffe den größten Anteil ausmachen.[3]

Das Wacholderbeerenöl enthält als Hauptbestandteile:

  • α-Pinen (bis zu 51,4 %) – wirkt entzündungshemmend und antimikrobiell
  • Myrcen (ca. 8,3 %) – schmerzlindernd und entzündungshemmend
  • Sabinen (ca. 5,8 %) – antimykotisch und antioxidativ
  • Limonen (ca. 5,1 %) – stimmungsaufhellend und hautpflegend
  • β-Pinen (ca. 5,0 %) – antioxidativ und antibakteriell
  • Terpinen-4-ol – harntreibend und keimtötend
  • Caryophyllen – entzündungshemmend
  • Flavonoide (Rutin, Luteolin, Apigenin) – starke Antioxidantien
  • Betulin – entzündungshemmend, leberschützend

Das Wacholderholzöl enthält eine ähnliche, aber in der Zusammensetzung leicht abweichende Mischung der Monoterpene Pinen, Sabinen, Camphen und Cadinen sowie die wacholderspezifischen Verbindungen Juniperin und Juniperol. Es fehlen ihm jedoch die wertvollen Flavonoide und das Betulin, die ausschließlich in den Beerenzapfen vorkommen.

Die entzündungshemmende Wirkung der enthaltenen Pinene ist in Tier- und Humanstudien besonders gut dokumentiert: α-Pinen unterdrückt nachweislich Entzündungsmarker wie Interleukin-6 und Tumornekrosefaktor-α, indem es auf die NF-κB-Signalwege einwirkt.[4]

Wirkung von Wacholderöl

Die Wirkung von Wacholderöl ist wissenschaftlich gut untersucht und äußerst vielseitig. Eine umfassende Übersichtsarbeit im Heliyon-Journal bestätigt die folgenden pharmakologischen Eigenschaften des ätherischen Öls:[5]

Wacholderöl wirkt nachweislich:

  • entzündungshemmend und schmerzstillend
  • antibakteriell, antiviral und antimykotisch
  • antioxidativ und zellschützend
  • harntreibend (diuretisch) und entschlackend
  • verdauungsanregend und krampflösend
  • durchblutungsfördernd und wärmend
  • beruhigend und stimmungsaufhellend
  • schleimlösend und desinfizierend
  • wundheilend und hautregenerierend
  • blutreinigend und entgiftend

In Laborstudien konnte Wacholderbeerenöl die Aktivität zellschützender Enzyme wie Superoxiddismutase, Katalase und Glutathionperoxidase signifikant steigern, was seine starke antioxidative Wirkung erklärt.[3] Eine weitere Studie an menschlichen Hautzellen zeigte, dass Wacholderöl Entzündungsmarker deutlich reduziert und die Wundheilung fördert, was die Forscher auf den hohen Gehalt an Monoterpenen zurückführten.[6]

Aufgrund dieser vielseitigen Wirkungen auf den menschlichen Organismus wird Wacholderöl traditionell bei folgenden Beschwerden eingesetzt:

  • Arthrose, Arthritis und Gelenkschmerzen
  • Rheuma und Gicht
  • Muskelverspannungen und Muskelschmerzen
  • Verdauungsprobleme, Blähungen und Sodbrennen
  • Blasen- und Harnwegsentzündungen
  • Atemwegserkrankungen und Husten
  • Hautunreinheiten, Akne und Neurodermitis
  • Cellulite und Tränensäcke
  • Nervosität, Angstzustände und Schlafstörungen
  • Mundgeruch und Zahnfleischentzündungen

Anwendungsgebiete von Wacholderöl

Wacholderöl ist in der Anwendung besonders vielseitig, weil es sowohl äußerlich als Massageöl, Badezusatz oder in der Duftlampe als auch innerlich angewendet werden kann. Im Folgenden werden die wichtigsten Anwendungsgebiete im Detail beschrieben.

Wacholderöl als Massageöl zum Einreiben

Wacholderöl zum Einreiben ist eine der beliebtesten Anwendungsformen, da das Öl über die Haut besonders gut aufgenommen wird und seine wärmende, durchblutungsfördernde Wirkung direkt an den betroffenen Stellen entfaltet. Für ein wirksames Massageöl mit Wacholderöl geben Sie 5 bis maximal 10 Milliliter ätherisches Wacholderöl auf 100 Milliliter Trägeröl.

Geeignete Trägeröle sind Mandelöl, Jojobaöl oder Sesamöl. Massieren Sie die Mischung sanft in die betroffenen Hautbereiche ein – bei Gelenkschmerzen, Verspannungen oder rheumatischen Beschwerden idealerweise zwei- bis dreimal täglich. Die durchblutungsfördernde Wirkung sorgt dafür, dass die Zellen besser mit Nährstoffen versorgt werden, Stoffwechselabfälle schneller abtransportiert werden und sich das Gewebe rascher regeneriert.

Wer ein Wacholderöl zum Einreiben selber machen möchte, kann ein hochwertiges Trägeröl mit dem ätherischen Öl mischen und bei Bedarf weitere ätherische Öle wie Lavendelöl oder Rosmarinöl ergänzen.

Wacholderöl als Badezusatz

Drei bis fünf Tropfen Wacholderöl reichen als Badezusatz für ein Vollbad vollkommen aus. Da ätherische Öle nicht wasserlöslich sind, sollten Sie das Wacholderöl vor der Zugabe mit einem Emulgator wie Sahne, Honig oder Meersalz vermischen. Ein Wacholderbad wirkt wärmend, durchblutungsfördernd und muskelentspannend – ideal nach einem anstrengenden Tag oder bei Erkältungsbeschwerden.

Für ein besonders wohltuendes Erkältungsbad kombinieren Sie drei Tropfen Wacholderöl mit zwei Tropfen Eukalyptusöl und einem Esslöffel Honig. In den Sommermonaten lässt sich das Wacholderöl auch mit Zitrusölen oder Pfefferminzöl mischen, um erfrischend und zugleich insektenabweisend zu wirken.

Wacholderöl bei Arthrose und Gelenkschmerzen

Die Anwendung von Wacholderöl bei Arthrose und Gelenkschmerzen ist eine der ältesten und am besten dokumentierten Einsatzgebiete dieses Öls. Schon in der europäischen Volksmedizin wurde Wacholder zur Behandlung von Arthritis und Gelenkbeschwerden verwendet.[5] Die wissenschaftliche Grundlage dafür liefern vor allem die entzündungshemmenden Monoterpene α-Pinen und β-Pinen, die in Studien nachweislich Entzündungsmarker wie Cyclooxygenase-2 und Interleukin-6 hemmen.[4]

Für die äußerliche Anwendung bei Arthrose mischen Sie:

Massieren Sie diese Mischung zwei- bis dreimal täglich in die betroffenen Gelenke ein. Die Kombination aus Wacholderöl und Wintergrünöl ist besonders wirksam, da beide Öle schmerzlindernde und entzündungshemmende Eigenschaften besitzen. Eine klinische Studie zeigte, dass Aromatherapie-Massagen mit Wacholderöl bei Kniearthritis Schmerzen und Erschöpfung signifikant reduzierten.[7]

Wacholderöl bei Gicht und Rheuma

Ist der Harnsäurespiegel im Blut erhöht, sind rheumatische Beschwerden und Gichtanfälle die Folge. Wacholderöl fördert die Durchblutung der Nieren und steigert die Harnsekretion, wodurch der Harnsäurespiegel im Blut gesenkt wird. Der in Wacholderbeeren enthaltene Inhaltsstoff Betulin wirkt entzündungshemmend und wird bei der Verdauung nicht verstoffwechselt – er wird über den Harn ausgeschieden, ohne seine Wirksamkeit zu verlieren.

Darüber hinaus wirkt Wacholderöl basisch und kann überschüssige Magensäure neutralisieren, was begleitendes Sodbrennen bei Gichtpatienten lindern kann. In einer Tierstudie an der Süleyman-Demirel-Universität konnte gezeigt werden, dass Wacholderbeerenöl einem Anstieg des Cholesterinspiegels entgegenwirkt – ein weiterer wichtiger Faktor bei Gicht und Rheuma.[8]

Für ein wärmendes Rheuma-Bad geben Sie drei bis fünf Tropfen Wacholderöl, vermischt mit einem Esslöffel Sahne, in das warme Badewasser. Verwenden Sie Wacholderöl als Therapeutikum bei Gicht und Rheuma nicht länger als sechs Wochen am Stück.

Wacholderöl bei Neurodermitis

Bei Neurodermitis kommt es immer wieder zu entzündlichen Hautschüben, die eine schnelle Behandlung erfordern. Die entzündungshemmende Wirkung von Wacholderöl in menschlichen Hautzellen ist wissenschaftlich belegt:[6] Das Öl hemmt proinflammatorische Chemokine und unterstützt die Geweberegeneration.

Für eine wirksame Einreibung bei Neurodermitis empfiehlt sich folgende Mischung:

Geben Sie die Mischung in eine kleine Pipettenglasflasche und schütteln Sie sie gründlich durch. Mit der Pipette lässt sich die Einreibung wohldosiert auf die betroffenen Hautpartien aufbringen. Das Hanföl dringt besonders tief in die Haut ein und pflegt schuppige, juckende Stellen intensiv mit seinen essenziellen Fettsäuren.

Wacholderöl für die Haut und gegen Tränensäcke

Die Wirkung von Wacholderöl auf die Haut ist bemerkenswert vielseitig: Es wirkt adstringierend (zusammenziehend), antibakteriell und antioxidativ. Dank des hohen Gehalts an α-Pinen und Flavonoiden schützt Wacholderöl die Hautzellen vor oxidativem Stress und beugt so vorzeitiger Hautalterung vor.[3]

Wacholderöl wird äußerlich eingesetzt bei:

  • Akne und Hautunreinheiten (antibakteriell, talgreguIierend)
  • Ekzemen und Schuppenflechte (entzündungshemmend)
  • Cellulite (durchblutungsfördernd, straffend)
  • Tränensäcke und Augenringe (abschwellend durch die entwässernde Wirkung)
  • müder, fahler Haut (belebend, antioxidativ)

Gegen Tränensäcke hat sich folgende Anwendung bewährt: Mischen Sie einen Tropfen Wacholderöl mit einem Teelöffel Hagebuttenöl und klopfen Sie die Mischung sanft mit den Ringfingern unter die Augen. Die entwässernde und abschwellende Wirkung des Wacholderöls kann das Erscheinungsbild von Tränensäcken sichtbar verbessern. Achten Sie dabei unbedingt darauf, das Öl nicht in die Augen zu bekommen.

Wacholderöl für die Haare

Die Wirkung von Wacholderöl auf die Haare ist vor allem auf seine durchblutungsfördernden und antimikrobiellen Eigenschaften zurückzuführen. Durch die verbesserte Durchblutung der Kopfhaut werden die Haarfollikel besser mit Nährstoffen versorgt, was das Haarwachstum anregen kann.

Wacholderöl kann bei folgenden Haarproblemen unterstützend wirken:

  • Schuppen (antimykotisch und antibakteriell)
  • fettiges Haar (talgregulierend)
  • dünnes, kraftloses Haar (stärkend und durchblutungsfördernd)
  • gereizte Kopfhaut (entzündungshemmend)

Für eine Haar-Kur geben Sie drei bis vier Tropfen Wacholderöl zu zwei Esslöffeln Kokosöl oder Arganöl, massieren die Mischung gründlich in die Kopfhaut ein und lassen sie 30 Minuten einwirken, bevor Sie die Haare wie gewohnt waschen. Alternativ können Sie zwei bis drei Tropfen Wacholderöl in Ihr Shampoo geben.

Wacholderöl – Wirkung auf die Psyche

Die Wirkung von Wacholderöl auf die Psyche wird in der Aromatherapie besonders geschätzt. Bei der Anwendung in der Duftlampe, im Diffusor oder bei einem Aromabad wird das reine ätherische Öl über die Atemwege aufgenommen. Studien deuten darauf hin, dass das Einatmen von Wacholderöl die Aktivität des Enzyms Acetylcholinesterase hemmt und oxidativen Schäden im Gehirn vorbeugen kann.[9]

Das Inhalieren von Wacholderöl kann:

  • die Noradrenalinproduktion anregen – für mehr Antrieb und Lebensfreude
  • Nervosität und Angstzustände lindern
  • die Konzentration und geistige Klarheit steigern
  • bei Schlafstörungen beruhigend wirken
  • Stressempfinden und seelische Erschöpfung reduzieren

Für die psychische Wirkung genügen ein bis zwei Tropfen Wacholderöl in der Duftlampe oder im Diffusor. Der holzig-frische Duft lässt sich hervorragend mit Lavendelöl, Bergamotteöl oder Sandelholzöl kombinieren. Für unterwegs geben Sie ein bis zwei Tropfen Ihrer Lieblingsmischung auf ein Taschentuch – so können Sie auch ohne Diffusor schnell Ihre Stimmung heben.

Wacholderöl bei Verspannungen und Muskelschmerzen

Wacholderöl wirkt wärmend, durchblutungsfördernd und schmerzlindernd – damit ist es für Massagen bei Verspannungen, Muskelschmerzen, Muskelkater, Hexenschuss und Ischiasbeschwerden bestens geeignet.

Mischen Sie für ein wärmendes und schmerzlinderndes Massageöl:

Diese Massageölmischung können Sie nicht nur auf die betroffenen Hautbereiche einmassieren, sondern auch als Badezusatz verwenden. Ein Esslöffel der Mischung in ein warmes Wannenbad gegeben sorgt für angenehme Entspannung.

Wacholderöl innerlich anwenden

Bei der innerlichen Anwendung ist besondere Vorsicht geboten: Nehmen Sie Wacholderöl nur ein, wenn es sich um ein 100 Prozent reines, für die innere Anwendung zugelassenes ätherisches Öl handelt. Mehr als drei mal drei Tropfen täglich, vermischt mit einem Teelöffel Honig, in warmem Tee oder Wasser, sollten nicht eingenommen werden.

Die innerliche Einnahme von Wacholderöl kann unterstützend wirken bei:

  • Blasenentzündungen und Harnwegsinfektionen
  • Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden
  • niedrigem Blutdruck
  • Sodbrennen (basische Wirkung)
  • beginnenden Wechseljahresbeschwerden

Das Europäische Komitee für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) hat Wacholderbeeren als traditionelles pflanzliches Arzneimittel für die Durchspülung der Harnwege bei leichten Harnwegsbeschwerden sowie bei Verdauungsbeschwerden und Blähungen anerkannt.[10] Die innerliche Anwendung sollte jedoch nicht länger als vier bis sechs Wochen ohne ärztliche Rücksprache erfolgen.

Wacholderöl zeigt seine entzündungshemmende Wirkung auch bei Mundgeruch und Zahnfleischentzündungen. Geben Sie dazu einen Tropfen ätherisches Wacholderöl in ein Glas lauwarmes Wasser und verwenden Sie die Lösung zum Gurgeln.

Äußere Waschungen und Umschläge mit Wacholderöl

Für äußere Waschungen und Umschläge mischen Sie 20 Tropfen Wacholderöl auf 200 Milliliter lauwarmes Wasser. Diese Anwendung kann lindernd wirken bei:

  • schlecht heilenden Wunden und Blutergüssen
  • Akne und Ekzemen
  • Gelenkentzündungen und Gelenkschmerzen
  • Gicht und Rheuma
  • Krampfadern und Cellulite
  • Erkältungen und Atemwegsinfekten
  • Neuralgien und körperlicher Erschöpfung

Wacholderöl in der Duftlampe und im Diffusor

Ein bis zwei Tropfen Wacholderöl in der Duftlampe oder im Diffusor reichen aus, um die Raumluft von schädlichen Keimen und Krankheitserregern zu reinigen und das Immunsystem zu stärken. Besonders in der winterlichen Erkältungszeit ist die Nutzung einer Duftlampe mit Wacholderöl empfehlenswert. Wenn Sie das Wacholderöl mit insektenabweisenden Ölen wie Zitronengrasöl kombinieren, können Sie im Sommer zudem lästige Insekten auf natürliche Weise vertreiben.

Wacholderöl selber machen

Wer Wacholderöl selber machen möchte, kann durch Mazeration ein hochwertiges Wacholderbeeröl herstellen. Dieses selbst hergestellte Öl ist ein Mazerat (Ölauszug) und unterscheidet sich vom reinen ätherischen Öl, das nur durch Dampfdestillation gewonnen werden kann. Es eignet sich aber hervorragend als Massageöl, Einreibung und für die Küche.

Sie benötigen:

  • ein sauberes Schraubglas (Twist-off-Glas)
  • frische oder getrocknete Wacholderbeeren
  • ein hochwertiges, kalt gepresstes Pflanzenöl in Bio-Qualität (z. B. Olivenöl oder Jojobaöl)

Anleitung zur Herstellung:

Füllen Sie die Wacholderbeeren zu einem Drittel in das Schraubglas und zerdrücken Sie sie leicht mit einem Löffel, um die ätherischen Öle besser freizusetzen. Gießen Sie anschließend das Pflanzenöl darüber, bis das Glas voll und die Beeren vollständig bedeckt sind. Verschließen Sie das Glas fest und stellen Sie es an einen warmen, dunklen Ort. Damit die Mazeration gleichmäßig verläuft, sollten Sie das Glas alle ein bis zwei Tage leicht schütteln.

Nach vier bis sechs Wochen seihen Sie das Wacholderbeeröl durch ein feines Sieb oder Mulltuch ab und füllen es in eine dunkle Glasflasche, die Sie kühl aufbewahren. Ihr selbst gemachtes Wacholderbeeröl können Sie unverdünnt für Massagen, als Einreibung und in der Küche verwenden. Kühl und dunkel gelagert ist es mehrere Monate haltbar.

Dosierung und Einnahme von Wacholderöl

Die richtige Dosierung von Wacholderöl ist entscheidend, da eine Überdosierung zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann. Die folgende Übersicht gibt Orientierung für die verschiedenen Anwendungsarten:

  • Duftlampe / Diffusor: 1–2 Tropfen reines ätherisches Wacholderöl
  • Badezusatz: 3–5 Tropfen, vermischt mit einem Emulgator (Honig, Sahne oder Meersalz)
  • Massageöl: 5–10 ml ätherisches Öl auf 100 ml Trägeröl (max. 3 % Konzentration)
  • Waschungen / Umschläge: 20 Tropfen auf 200 ml lauwarmes Wasser
  • Innerliche Einnahme: maximal 3 × 3 Tropfen täglich mit Honig, Tee oder Wasser
  • Inhalation: 2–3 Tropfen in eine Schüssel mit heißem Wasser

Verwenden Sie Wacholderöl als therapeutische Kur nicht länger als vier bis sechs Wochen am Stück. Bei chronischen Beschwerden empfiehlt es sich, nach einer Anwendungsphase eine Pause von mindestens zwei Wochen einzulegen, bevor eine erneute Kur begonnen wird.

Nebenwirkungen von Wacholderöl und Schwangerschaft

Wacholderöl bietet viele gesundheitliche Vorteile, wenn es korrekt dosiert wird. Bei Überdosierung oder langfristiger Anwendung können jedoch ernsthafte Nebenwirkungen auftreten:[5]

  • Hautreizungen und allergische Reaktionen bei äußerlicher Überdosierung
  • Nierenschädigungen bei innerer Überdosierung oder Langzeitanwendung
  • Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Bauchschmerzen
  • verstärkte Gebärmutterkontraktionen

Wacholderöl in der Schwangerschaft: Schwangere und Stillende sollten Wacholderöl nicht verwenden. Die enthaltenen Wirkstoffe können wehenfördernd wirken und das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen. Auch während der Stillzeit ist von der Anwendung abzuraten, da keine ausreichenden Studien zur Unbedenklichkeit vorliegen.

Weitere Kontraindikationen für Wacholderöl:

  • bestehende Nierenerkrankungen oder Nephritis
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren
  • gleichzeitige Einnahme von Diuretika (Wacholderöl kann die Wirkung verstärken)
  • Diabetes-Medikamente (Wacholderöl kann den Blutzucker zusätzlich senken)

Testen Sie Wacholderöl vor der ersten äußerlichen Anwendung immer an einer kleinen Hautstelle in der Ellenbeuge und warten Sie 24 Stunden, um mögliche allergische Reaktionen auszuschließen. Bei Unsicherheiten bezüglich der Anwendung konsultieren Sie bitte einen Arzt oder Heilpraktiker.

Wacholderöl kaufen – Worauf sollte geachtet werden?

Beim Kauf von Wacholderöl sollten Sie auf folgende Qualitätsmerkmale achten:

  • Reinheitsangabe: Es muss sich um ein 100 % reines, naturreines ätherisches Öl handeln – keine naturidentischen Öle oder synthetischen Duftöle.
  • Botanischer Name: Die lateinische Bezeichnung „Juniperus communis" sollte auf dem Etikett angegeben sein.
  • Pflanzenteil: Achten Sie darauf, ob das Öl aus Beeren (hochwertiger) oder aus Holz/Zweigen gewonnen wurde.
  • Herkunftsland und Herstellungsdatum: Transparente Angaben zu Herkunft und Haltbarkeit sind ein Qualitätsmerkmal.
  • Bio-Zertifizierung: Bio-Wacholderöl garantiert, dass die Beeren ohne Pestizide angebaut wurden.
  • Verpackung: Reines ätherisches Öl wird ausschließlich in dunklen Glasflaschen mit Tropfeinsatz verkauft, um die lichtempfindlichen Inhaltsstoffe zu schützen.

Naturidentische Öle und synthetische Duftöle enthalten künstliche Duftstoffe, die keinerlei therapeutische Wirkung haben und den Gesundheitszustand sogar verschlechtern können. Für therapeutische Zwecke – ob äußerlich oder innerlich – ist ausschließlich reines ätherisches Wacholderöl in Bio-Qualität geeignet. Wacholderöl ist in Apotheken, Reformhäusern und ausgewählten Drogerien erhältlich.

Quellen

  1. Raina, R., Verma, P. K., Peshin, R., & Kour, H. (2019). Potential of Juniperus communis L as a nutraceutical in human and veterinary medicine. Heliyon, 5(8), e02376. doi:10.1016/j.heliyon.2019.e02376
  2. Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.) – Monographie: Wacholderbeeröl (Juniperi aetheroleum).
  3. Höferl, M., Stoilova, I., Schmidt, E., Wanner, J., Jirovetz, L., Trifonova, D., Krastev, L., & Krastanov, A. (2014). Chemical Composition and Antioxidant Properties of Juniper Berry (Juniperus communis L.) Essential Oil. Antioxidants, 3(4), 81–98. doi:10.3390/antiox3010081
  4. Kim, D. S., et al. (2015). Alpha-Pinene Exhibits Anti-Inflammatory Activity Through the Suppression of MAPKs and the NF-κB Pathway in Mouse Peritoneal Macrophages. The American Journal of Chinese Medicine, 43(4), 731–742. doi:10.1142/S0192415X15500457
  5. Raina, R., Verma, P. K., Peshin, R., & Kour, H. (2019). Potential of Juniperus communis L as a nutraceutical in human and veterinary medicine. Heliyon, 5(8), e02376. doi:10.1016/j.heliyon.2019.e02376
  6. Han, X., & Parker, T. L. (2017). Anti-inflammatory activity of Juniper (Juniperus communis) berry essential oil in human dermal fibroblasts. Cogent Medicine, 4(1), 1306200. doi:10.1080/2331205X.2017.1306200
  7. Barão Paixão, V. L., et al. (2021). Essential oil therapy in rheumatic diseases: A systematic review. Complementary Therapies in Medicine, 57, 102674. doi:10.1016/j.ctim.2021.102674
  8. Akdogan, M., Koyu, A., Ciris, M., & Yildiz, K. (2012). Anti-hypercholesterolemic activity of Juniperus communis Lynn Oil in rats: a biochemical and histopathological investigation. Biomedical Research, 23(3), 321–328.
  9. Cioanca, O., Hritcu, L., Mihasan, M., & Hancianu, M. (2015). Cognitive-enhancing and antioxidant activities of inhaled Juniperus communis L. essential oil in amyloid β(1-42) rat model of Alzheimer's disease. Pharmacology Biochemistry and Behavior, 120, 56–63.
  10. European Medicines Agency (EMA). Assessment report on Juniperus communis L., pseudo-fructus. Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC). EMA/HMPC
  11. Filipowicz, N., Kamiński, M., Kurlenda, J., Asztemborska, M., & Ochocka, J. R. (2003). Antibacterial and antifungal activity of juniper berry oil and its selected components. Phytotherapy Research, 17(3), 227–231. doi:10.1002/ptr.1110
  12. Akhoon, B. A., et al. (2018). Antioxidant and anti-aging potential of Juniper berry (Juniperus communis L.) essential oil in Caenorhabditis elegans model system. Industrial Crops and Products, 120, 113–122. doi:10.1016/j.indcrop.2018.04.066