Distelöl – auch Safloröl genannt – wird aus den Samen der Färberdistel (Carthamus tinctorius) gewonnen, einer krautigen Pflanze aus der Familie der Korbblütler. Die Färberdistel hat ihren Ursprung im Nahen Osten und wird seit über 3.500 Jahren kultiviert: Bereits im alten Ägypten um 3500 v. Chr. nutzte man die leuchtend rotgelben Blüten zum Färben von Leinengewändern.[1] Heute wird die etwa 1,20 Meter hohe Pflanze vor allem in Indien, den USA, Australien und Mexiko angebaut.
Aus den Blütenblättern lässt sich der Farbstoff Carthamin (Saflorrot) gewinnen – der Pflanze den Beinamen „Falscher Safran" einbrachte. Das eigentliche Distelöl stammt jedoch aus den ölhaltigen Samen. Je nach Pressverfahren entstehen zwei verschiedene Produkte: Kalt gepresstes Distelöl ist ein hochwertiges Speiseöl mit einem nussig-milden Geschmack, während heiß gepresstes Distelöl industriell verwendet wird. Mit einem Linolsäuregehalt von bis zu 78 Prozent besitzt Distelöl den höchsten Anteil dieser essenziellen Omega-6-Fettsäure unter allen Pflanzenölen.[2] Linolsäure ist eine mehrfach ungesättigte Fettsäure, die der Körper nicht selbst herstellen kann – sie muss über die Nahrung zugeführt werden. Sie spielt eine zentrale Rolle beim Aufbau von Zellmembranen, bei der Hautbarrierefunktion und bei der Regulation von Entzündungsprozessen.[3]
Gewinnung von Distelöl
Die Färberdistel benötigt eine Vegetationszeit von vier bis fünf Monaten, bevor sie zwischen August und September geerntet werden kann. Der richtige Erntezeitpunkt zeigt sich an braun verfärbten, trockenen Blättern und wenigen verbliebenen Blütenköpfen mit leuchtenden roten Blüten. Die Ernte erfolgt maschinell mit Mähdreschern, die im oberen Stängelbereich der Pflanzen schneiden, wo sich die ölhaltigen Samen befinden.
Nach der Ernte werden die Samen sofort bei 50 bis 60 Grad Celsius getrocknet. Anschließend folgt eine Reinigung der Distelsamen. Vor der eigentlichen Ölpressung müssen die Samen mehrere Monate bei niedrigem Feuchtigkeitsgehalt und kühler Temperatur lagern, wobei ein ausreichender Austausch von Luft und Wärme gewährleistet sein muss.
Die Art der Pressung richtet sich nach dem Verwendungszweck:
Kaltpressung (unter 70 °C): Liefert ein hochwertiges, nährstoffreiches Speiseöl mit erhaltenem nussigem Geschmack und allen wertvollen Inhaltsstoffen – insbesondere dem hohen Linolsäureanteil. Dieses native Öl eignet sich für kalte Speisen und die kalte Küche.
Heißpressung (bis 170 °C): Erzeugt ein technisch verwendbares Öl mit höherem Ölsäure-Anteil, das jedoch seine hitzeempfindlichen Vitamine verliert. Das Rohöl hat einen kratzenden Geschmack und wird deshalb teilraffiniert.[2] Raffiniertes Distelöl ist hitzebeständiger und kann zum Braten verwendet werden.
Je nach Sorte unterscheidet man zwei Varianten: Das gängige „High Linoleic"-Distelöl mit hohem Linolsäuregehalt und das „High Oleic"-Distelöl mit hohem Ölsäuregehalt. Letzteres wird zunehmend für die Küche gezüchtet, da es hitzebeständiger ist.[2]
Distelöl Inhaltsstoffe
Distelöl zeichnet sich durch eine einzigartige Fettsäurezusammensetzung aus, die es von anderen Pflanzenölen deutlich unterscheidet. Der außergewöhnlich hohe Anteil von 75 bis 78 Prozent Linolsäure macht es zum unangefochtenen Spitzenreiter unter den natürlichen Ölen.[2]
Die Fettsäurezusammensetzung des Standard-Distelöls (High Linoleic) im Überblick:
Etwa 75–78 % mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Linolsäure, Omega-6), circa 12 % einfach ungesättigte Fettsäuren (Ölsäure, Omega-9), rund 6 % Palmitinsäure (gesättigt) sowie etwa 3 % Stearinsäure (gesättigt). Omega-3-Fettsäuren (Alpha-Linolensäure) sind nur in Spuren enthalten.[4]
Neben den Fettsäuren enthält Distelöl wertvolles Vitamin E in Form von Tocopherolen, die als natürliche Antioxidantien wirken und das Öl vor Oxidation schützen. Zudem sind die Vitamine A und K enthalten.[5] Phytosterole wie Campesterol, Stigmasterol und β-Sitosterol ergänzen das Wirkstoffprofil – sie haben feuchtigkeitsspendende, antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften.[6]
Wichtiger Hinweis: Distelöl ist zwar reich an der essenziellen Omega-6-Fettsäure Linolsäure, enthält jedoch praktisch keine Omega-3-Fettsäuren. Für eine ausgewogene Fettsäurezufuhr empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) ein Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 von maximal 5:1.[7] Daher sollte Distelöl stets im Wechsel mit Omega-3-reichen Ölen wie Leinöl, Hanföl oder Rapsöl verwendet werden.
Distelöl Kalorien und Nährwerttabelle
| Distelöl (High Linoleic) | |
|---|---|
![]() | |
| 100 g Distelöl enthält durchschnittlich: | |
| Nährstoff | Menge |
| Kalorien | 884 kcal (3.699 kJ) |
| Fettgehalt | 100 g |
| Gesättigte Fettsäuren | 9 g |
| Ungesättigte Fettsäuren | 87 g |
| Einfach ungesättigte Fettsäuren | 12 g |
| Mehrfach ungesättigte Fettsäuren | 75 g |
| davon Linolsäure (Omega-6) | 75 g |
| davon Alpha-Linolensäure (Omega-3) | Spuren |
| Cholesterin | 0 mg |
| Natrium | 0 mg |
| Kohlenhydrate | 0 g |
| Ballaststoffe | 0 g |
| Zucker | 0 g |
| Protein | 0 g |
| Vitamin E (Tocopherol) | ca. 34–45 mg |
| Vitamin K | ca. 7 µg |
| Rauchpunkt (kaltgepresst) | ca. 150 °C |
| Rauchpunkt (raffiniert) | ca. 210 °C |
Hinweis: Die Werte beziehen sich auf Standard-Distelöl (High Linoleic). Die High-Oleic-Variante enthält stattdessen etwa 75 % einfach ungesättigte Ölsäure und nur circa 13 % Linolsäure. Die Nährwerte basieren auf dem Bundeslebensmittelschlüssel und können je nach Herkunft und Verarbeitung leicht variieren.[4]
Wirkung von Distelöl
Die gesundheitliche Wirkung von Distelöl beruht vor allem auf seinem hohen Gehalt an Linolsäure, einer essenziellen Omega-6-Fettsäure. Linolsäure ist Bestandteil der Ceramide in der Haut und trägt zur Aufrechterhaltung der Hautbarriere bei.[3] Im Körper dient sie als Ausgangsstoff für die Bildung wichtiger Gewebshormone (Eicosanoide), die an Entzündungsprozessen und der Immunabwehr beteiligt sind.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat bestätigt, dass Linolsäure zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels beiträgt – vorausgesetzt, es werden täglich mindestens 10 g Linolsäure aufgenommen. Das entspricht etwa zwei Esslöffeln Distelöl.[8]
Eine Netzwerk-Metaanalyse von 54 klinischen Studien ergab, dass Distelöl unter allen untersuchten Ölen und Fetten die höchsten Werte für die Senkung von LDL-Cholesterin und Gesamtcholesterin aufwies.[9] Des Weiteren hemmt Distelöl Enzyme der Blutgerinnung wie Thrombin und kann so das Thromboserisiko senken.[2]
Neben der Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System kann Distelöl auch äußerlich bei Rheuma, Verstauchungen und Quetschungen angewendet werden. Durch die enthaltenen Phytosterole und das Vitamin E besitzt es antioxidative Eigenschaften, die vor oxidativem Stress schützen können.[6] In der Hautpflege wird Distelöl aufgrund seiner nicht komedogenen, rückfettenden und mattierenden Eigenschaften geschätzt.
Anwendungsgebiete von Distelöl
Aufgrund seiner vielfältigen Inhaltsstoffe findet Distelöl in der Küche, der Kosmetik und der traditionellen Heilkunde Anwendung. Im Folgenden werden die wichtigsten Einsatzgebiete vorgestellt – wobei stets zu beachten ist, dass Distelöl eine Nahrungsergänzung oder äußerliche Anwendung darstellt und keinen Ersatz für eine ärztliche Behandlung bietet.
Distelöl zur unterstützenden Entschlackung
In der traditionellen europäischen Pflanzenheilkunde wird die Färberdistel seit Jahrhunderten als unterstützende Heilpflanze für die Leber- und Nierenfunktion geschätzt. Die im Distelöl und in Tee aus Färberdistelblüten enthaltenen Flavonoide besitzen antioxidative Eigenschaften, die den Körper beim Abbau von Stoffwechselendprodukten unterstützen können.[10]
In der Naturheilkunde wird empfohlen, über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen ein- bis zweimal täglich eine Tasse Färberdistelblütentee zu trinken – idealerweise zehn Minuten ziehen lassen. Begleitend dazu kann eine regelmäßige Massage mit Distelöl die Durchblutung und Hautatmung anregen. Während einer solchen Kur empfiehlt es sich, auf tierische Fette weitgehend zu verzichten und stattdessen kalt gepresste Pflanzenöle zu verwenden. Sprechen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden vorab mit Ihrem Arzt.
Distelöl zur Herzstärkung
Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems gehören weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Neben einem gesunden Lebensstil mit ausreichend Bewegung und dem Verzicht auf Rauchen spielt die Ernährung eine Schlüsselrolle für die Herzgesundheit. Insbesondere der Austausch von gesättigten Fettsäuren gegen ungesättigte Fettsäuren kann das kardiovaskuläre Risiko senken.[9]
Die in Distelöl enthaltenen ungesättigten Fettsäuren können über verschiedene Mechanismen zur Herzgesundheit beitragen: Sie senken das LDL-Cholesterin, unterstützen die Elastizität der Blutgefäße und beeinflussen die Blutgerinnung günstig. Eine Studie an der Ohio State University zeigte, dass eine tägliche Ergänzung mit Distelöl über 16 Wochen bei postmenopausalen Frauen mit Typ-2-Diabetes den HDL-Cholesterinwert verbessern und Entzündungsmarker senken konnte.[11]
Um von diesen Effekten zu profitieren, können Sie Distelöl als Teil Ihrer täglichen Ernährung verwenden – etwa in Salaten oder zum Verfeinern von Gemüsegerichten. In Apotheken sind zudem Präparate mit Färberdistelextrakt als Kapseln oder Pulver erhältlich.
Distelöl gegen Venenverschluss
Ein Venenverschluss (Thrombose) entsteht durch ein Blutgerinnsel, das den Blutfluss in den Venen – meist in den Beinen oder im Becken – behindert. Da die Venenklappen den Rücktransport des Blutes nicht mehr gewährleisten können, staut sich das Blut. Im schlimmsten Fall kann sich das Gerinnsel lösen und schwerwiegende Komplikationen wie eine Lungenembolie, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall verursachen.
Risikofaktoren für eine Thrombose umfassen unter anderem langes Sitzen, Übergewicht, Rauchen, Bewegungsmangel, eine Schwangerschaft oder die Einnahme bestimmter Medikamente. Neben regelmäßiger Bewegung und ausreichender Flüssigkeitszufuhr können auch bestimmte Lebensmittel das Thromboserisiko senken.
Die ungesättigten Fettsäuren im Distelöl hemmen nachweislich Blutgerinnungsenzyme wie Thrombin und können so für eine bessere Fließeigenschaft des Blutes sorgen.[2] Ergänzt durch eine fettarme Ernährung mit reichlich Omega-3-Fettsäuren – etwa aus Leinöl oder fettem Seefisch – kann Distelöl ein sinnvoller Bestandteil der Thromboseprophylaxe sein. Bei bestehender Thrombose ist selbstverständlich eine ärztliche Behandlung unerlässlich.
Distelöl gegen Arteriosklerose
Arteriosklerose – die Verhärtung und Verengung der Arterien durch Ablagerungen von Cholesterin, Fettsäuren und Kalk – ist eine der häufigsten Ursachen für Herzinfarkt und Schlaganfall. Es handelt sich um eine schleichende Erkrankung, die über Jahre hinweg ohne spürbare Symptome fortschreiten kann. Risikofaktoren sind neben Diabetes und Übergewicht auch Rauchen, Stress, Bewegungsmangel und genetische Veranlagung.
Regelmäßige körperliche Aktivität – Schwimmen, Joggen, Radfahren oder auch zügiges Spazierengehen – kann das Arterioskleroserisiko deutlich senken. Ebenso wichtig ist eine Ernährung, die arm an gesättigten Fetten und reich an ungesättigten Fettsäuren ist.
Eine Netzwerk-Metaanalyse im Journal of Lipid Research bestätigte, dass Distelöl unter allen untersuchten Ölen am effektivsten das LDL-Cholesterin senkt – und damit einer Arteriosklerose vorbeugt.[9] Darüber hinaus wirken die antioxidativen Eigenschaften des im Distelöl enthaltenen Vitamin E dem oxidativen Stress entgegen, der die Zellschädigung an den Gefäßwänden fördert.[6]
Mit Distelöl das Cholesterin senken
Ein dauerhaft erhöhter Cholesterinspiegel – insbesondere ein hoher LDL-Wert – gilt als bedeutender Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das sogenannte „schlechte" LDL-Cholesterin lagert sich an den Gefäßwänden ab, verengt die Blutgefäße und kann zu Durchblutungsstörungen, Arterienverkalkung und letztlich zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen.
Neben regelmäßiger Bewegung und einer Umstellung auf eine ballaststoffreiche, fettarme Ernährung kann der Einsatz ungesättigter Fettsäuren den Cholesterinspiegel um bis zu 15 bis 20 Prozent senken.[12] Eine klinische Studie zeigte, dass eine achtwöchige Ernährung mit Safloröl das Gesamtcholesterin um 9 bis 15 Prozent und das LDL-Cholesterin um 12 bis 20 Prozent senken konnte, wenn gleichzeitig gesättigte Fette reduziert wurden.[12]
Der hohe Linolsäuregehalt des Distelöls wirkt dabei entfettend und unterstützt die Leber bei der Ausscheidung von Cholesterin über die Galle. Für eine ausgewogene Fettsäurezufuhr empfiehlt es sich, Distelöl im Wechsel mit Sonnenblumenöl, Olivenöl oder Hanföl zu verwenden. So profitieren Sie von den Vorteilen verschiedener Fettsäureprofile.
Distelöl gegen Gallenleiden
Symptome wie Übelkeit, Blähungen, Verstopfung, Durchfall und Oberbauchschmerzen können auf eine Gallenerkrankung hindeuten. Die Galle spielt eine zentrale Rolle bei der Fettverdauung – Störungen der Gallenproduktion oder des Gallenflusses können daher weitreichende Beschwerden verursachen. Frauen sind statistisch häufiger betroffen als Männer, insbesondere nach Schwangerschaften.
Stressreduktion, leichte Kost und die Verwendung kalt gepresster Pflanzenöle statt tierischer Fette können Gallenbeschwerden lindern. Distelöl enthält neben ungesättigten Fettsäuren auch Flavonoide – natürliche Blütenfarbstoffe mit antioxidativen und krampflösenden Eigenschaften.[10] Diese Flavonoide können Spasmen der Harn- und Gallenwege sowie des Magen-Darm-Traktes lindern.
In der traditionellen Medizin wird bei Gallenbeschwerden daher die regelmäßige Einnahme von Distelöl empfohlen. Bei Verdacht auf Gallensteine oder anhaltenden Beschwerden ist jedoch stets ein Arzt aufzusuchen.
Distelöl bei geriatrischen Beschwerden
Altersbedingte Beschwerden wie nachlassende kognitive Leistungsfähigkeit, Gleichgewichtsstörungen, Gelenkschmerzen und ein geschwächtes Immunsystem betreffen viele ältere Menschen. Diese sogenannten geriatrischen Beschwerden treten oft schleichend auf und werden deshalb häufig spät therapiert.
In der Phytotherapie hat sich die Färberdistel bereits seit dem 11. Jahrhundert in der asiatischen Heilkunde als Arzneipflanze etabliert.[2] Die entzündungshemmenden Inhaltsstoffe der Blüten und Samen werden gezielt bei altersbedingten Beschwerden eingesetzt. Bei Rücken- und Gelenkschmerzen können Färberdistel-Tee, ätherische Öle zur Massage oder Distelölkapseln unterstützend wirken.
Die regelmäßige Einnahme von Distelöl – etwa als Bestandteil der täglichen Ernährung – kann dank der entzündungshemmenden Wirkstoffe das Immunsystem stärken und altersbedingten Gefäßerkrankungen entgegenwirken. Bei arteriellen Durchblutungsstörungen in den Beinen berichten Anwender von einer Linderung der Symptome.
Distelöl bei Verstauchungen
Verstauchungen und Prellungen an Fuß-, Knie-, Hand- oder Sprunggelenk entstehen durch Stürze oder abrupte Bewegungen, bei denen Gelenkkapseln oder Bänder überdehnt werden. Die Folge sind Schwellungen, Blutergüsse und Schmerzen. Neben Kühlung, Hochlagerung und Ruhigstellung kann der Heilungsprozess durch sanfte Massagen unterstützt werden.
Distelöl aus der Färberdistel wird in der Volksheilkunde traditionell bei Verstauchungen, Prellungen und Gelenkproblemen äußerlich angewendet.[2] Es dient zum einen als Massageöl, zum anderen als Grundlage für kühlende Umschläge mit Färberdistelblütentee. Die Inhaltsstoffe können in das Hautgewebe eindringen und dort entzündungshemmend wirken, was die Abschwellung der Verletzung fördern kann. Entsprechende Produkte erhalten Sie in Apotheken und Drogeriemärkten.
Distelöl gegen Akne und Ekzeme
Akne betrifft vor allem Jugendliche in der Pubertät und junge Erwachsene – es handelt sich um eine Erkrankung des Talgdrüsenapparates, die durch hormonelle Veränderungen ausgelöst wird. Fettige Haut, Pickel, Mitesser und Pusteln im Gesicht, am Nacken, Rücken oder Dekolleté sind typische Symptome. Ekzeme hingegen zeigen sich durch entzündete, juckende und gerötete Haut, die durch allergische Reaktionen, genetische Veranlagung oder Reizstoffe ausgelöst werden kann.
Bei beiden Hautproblemen kann Distelöl eine hilfreiche Ergänzung sein: Mit seinem rund 75-prozentigen Linolsäuregehalt wirkt es entzündungshemmend und reguliert die Talgproduktion, ohne die Poren zu verstopfen. Distelöl gilt als nicht komedogen und wird auch von empfindlicher Haut gut vertragen.[13] Bei regelmäßiger Anwendung wird das Öl auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen, wo es in die Hautoberfläche einzieht und die Sebumproduktion reguliert. Die Ausbreitung von Unreinheiten kann so verringert und der Heilungsprozess positiv beeinflusst werden.
Distelöl zum Braten
Ob Distelöl zum Braten geeignet ist, hängt von der Variante ab. Kalt gepresstes Distelöl hat einen niedrigen Rauchpunkt von etwa 150 °C und sollte keinesfalls über diese Temperatur erhitzt werden. Beim Überhitzen können gesundheitsschädliche Stoffe wie Acrolein entstehen, außerdem gehen die wertvollen Inhaltsstoffe verloren.[5] Kalt gepresstes Distelöl eignet sich daher ideal für kalte Speisen wie Salate, Dressings und Dips oder zum Verfeinern von Gemüse kurz vor dem Servieren.
Raffiniertes Distelöl – insbesondere die High-Oleic-Variante – hat einen deutlich höheren Rauchpunkt von circa 210 °C und kann daher zum Braten, Dünsten und sogar zum Backen verwendet werden. Es hat einen nahezu geschmacksneutralen Charakter und eignet sich für viele Zubereitungsarten.
Grundsätzlich gilt: Kalt gepresstes Distelöl entfaltet sein nussig-mildes Aroma am besten in kalten und lauwarmen Gerichten. Zum scharfen Anbraten empfiehlt sich stattdessen raffiniertes Distelöl oder ein hitzebeständigeres Öl wie Erdnussöl oder Avocadoöl.
Distelöl für die Haut
Distelöl zählt zu den beliebtesten Pflegeölen in der Naturkosmetik – und das aus gutem Grund. Der hohe Linolsäuregehalt stärkt die Hautbarriere, indem er die Bildung von Ceramiden in der Epidermis unterstützt.[3] Das Öl zieht schnell ein, fettet nicht nach und hinterlässt keinen Fettfilm auf der Haut. In der INCI-Deklaration von Kosmetikprodukten finden Sie es als „Carthamus Tinctorius Seed Oil".[2]
Das Cosmetic Ingredient Review (CIR) Panel hat Safloröl als sicher für die kosmetische Anwendung bewertet.[13] Es eignet sich besonders gut bei trockener, gereizter oder zu Unreinheiten neigender Haut. Die entzündungshemmenden und rückfettenden Eigenschaften lindern Ekzeme und starken Juckreiz, ohne die Haut auszutrocknen.
Distelöl ist häufig Bestandteil von Salben, Lotionen, Badeölen und Duschgelen. Wenn Sie es als Badezusatz verwenden, bleibt die Haut auch nach dem Bad weich und geschmeidig – ein zusätzliches Eincremen ist oft nicht mehr nötig. Die Komedogenität von Distelöl wird als sehr gering eingestuft (Stufe 0–1), was es auch für unreine Haut geeignet macht.
Distelöl gegen Mitesser
Die sogenannte Oil-Cleansing-Methode mit Distelöl ist ein bewährter Ansatz gegen Mitesser und unreine Haut. Das Prinzip: Öl löst Öl – die Linolsäure im Distelöl dringt in die Poren ein und löst den überschüssigen Talg, der Mitesser verursacht, sanft heraus.
Für die Anwendung verreiben Sie eine kleine Menge Distelöl zwischen den Handflächen und massieren es fünf bis zehn Minuten in die betroffene Gesichtshaut ein. Das Öl wird von der Haut aufgenommen und bekämpft gezielt die Unreinheiten. Anschließend das Gesicht gründlich mit warmem Wasser und einem weichen Tuch reinigen. Für sichtbare Ergebnisse wird eine Anwendung von ein- bis zweimal pro Woche empfohlen. Das Hautbild wird mit der Zeit klarer und matter.
Distelöl für das Gesicht
In der Gesichtspflege überzeugt Distelöl durch seine vielseitigen Eigenschaften: Es wirkt entzündungshemmend, entfettend, mattierend und reinigend. Dank des hohen Linolsäureanteils ist es nicht filmbildend – es glänzt nicht und zieht nach dem Auftragen schnell ein.
Distelöl eignet sich für verschiedene Hauttypen: Bei trockener Gesichtshaut wirkt es rückfettend und feuchtigkeitsspendend, bei Mischhaut mattierend und bei zu Unreinheiten neigender Haut entfettend und regulierend. Auch für die empfindliche Haut im Bereich der Augenpartie wird es gerne verwendet – die Vitamine A und K können bei dunklen Augenringen und Couperose unterstützend wirken.[5]
Sie können Distelöl vielseitig einsetzen: als Gesichtsmassageöl, als natürlichen Make-up-Entferner, als Make-up-Base für ein mattes Finish oder als abendliche Pflege nach der Gesichtsreinigung. Die Haut fühlt sich gepflegt, ebenmäßig und erfrischt an.
Distelöl für die Haare
Neben der Hautpflege bietet Distelöl auch Vorteile für die Haarpflege. Die enthaltene Linolsäure und das Vitamin E nähren Haar und Kopfhaut, können Haarbruch vorbeugen und trockenes, sprödes Haar geschmeidiger machen. Distelöl wird schnell aufgenommen und hinterlässt keinen schweren, fettigen Film – das macht es auch für feines Haar geeignet.
Für eine pflegende Haarkur massieren Sie eine kleine Menge Distelöl in die Haarspitzen und die Kopfhaut ein, lassen es 20 bis 30 Minuten einwirken (bei Bedarf auch über Nacht mit einem Handtuch umwickelt) und waschen es anschließend gründlich aus. Bei fettiger Kopfhaut mit Schuppen kann Distelöl durch seine regulierende Wirkung auf die Talgproduktion ebenfalls hilfreich sein.
Regelmäßig angewendet, kann Distelöl zu glänzenderem, kräftigerem Haar beitragen und Haarausfall vorbeugen, der durch trockene oder gereizte Kopfhaut begünstigt wird. Es lässt sich auch mit anderen Haarölen wie Jojobaöl oder Arganöl kombinieren.
Distelöl für den Hund
Nicht nur der Mensch profitiert von den Inhaltsstoffen der Färberdistel – auch Hunde können von Distelöl profitieren. Die ungesättigten Fettsäuren und das Vitamin E können sich positiv auf das Fell auswirken, das Immunsystem stärken und die Krallenpflege unterstützen. Die Linolsäure fördert einen gesunden Stoffwechsel, den Aufbau der Zellmembranen und die Zellerneuerung.[2]
Äußerlich kann Distelöl bei Hautproblemen, Juckreiz, Wunden und leichten Entzündungen beim Hund angewendet werden. Als Futterergänzung wird empfohlen, ein bis zwei Teelöffel pro zehn Kilogramm Körpergewicht in das Futter zu mischen. Zur allgemeinen Vorbeugung kann das Öl täglich gegeben werden.
Wichtig: Auch bei Hunden sollte Distelöl nicht die einzige Ölquelle sein. Ein Wechsel mit Omega-3-reichen Ölen wie Leinöl oder Algenöl sorgt für eine ausgewogene Fettsäurezufuhr. Bei kranken Tieren ist vor der Anwendung stets ein Tierarzt zu konsultieren.
Distelöl vs. Mariendistelöl – der Unterschied
Distelöl und Mariendistelöl werden häufig verwechselt, stammen jedoch von zwei verschiedenen Pflanzen. Distelöl (Safloröl) wird aus den Samen der Färberdistel (Carthamus tinctorius) gewonnen und ist vor allem für seinen hohen Linolsäuregehalt und seine Verwendung als Speiseöl und in der Hautpflege bekannt.
Mariendistelöl hingegen stammt aus den Samen der Mariendistel (Silybum marianum). Es enthält den Wirkstoff Silymarin, der vor allem für seine leberschützende Wirkung bekannt ist und in der Medizin bei Lebererkrankungen eingesetzt wird. Mariendistelöl hat eine andere Fettsäurezusammensetzung – der Linolsäuregehalt ist mit etwa 50 bis 60 % deutlich geringer als beim Distelöl.
Zusammengefasst: Distelöl ist das Öl der Wahl für die Küche, Hautpflege und Cholesterinsenkung, während Mariendistelöl eher als Nahrungsergänzung zum Schutz der Leber eingesetzt wird. Im Supermarktregal finden Sie in der Regel Distelöl aus der Färberdistel.
Distelöl Nebenwirkungen
Distelöl gilt grundsätzlich als gut verträglich und sicher – sowohl bei der Einnahme als Speiseöl als auch bei der äußerlichen Anwendung. Dennoch gibt es einige Punkte, die Sie beachten sollten:
Omega-6-Überschuss: Der größte Nachteil von Distelöl ist sein extrem hoher Omega-6-Gehalt bei praktisch fehlendem Omega-3. Bei einseitigem Konsum kann das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 im Körper aus dem Gleichgewicht geraten. Ein ungünstiges Verhältnis (in der westlichen Ernährung oft 15:1 statt der empfohlenen 5:1) wird mit chronischen Entzündungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und weiteren Beschwerden in Verbindung gebracht.[7] Verwenden Sie Distelöl daher immer im Wechsel mit Omega-3-reichen Ölen.
Allergien: Die Färberdistel gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Personen mit einer bekannten Allergie gegen Korbblütler – etwa Ambrosia, Sonnenblumen oder Kamille – sollten Distelöl mit Vorsicht verwenden und gegebenenfalls vorher an einer kleinen Hautstelle testen.
Erhitzung: Kalt gepresstes Distelöl darf nicht über 150 °C erhitzt werden. Beim Überschreiten des Rauchpunkts können gesundheitsschädliche Zersetzungsprodukte wie Acrolein entstehen.[5]
Schwangerschaft: In der Schwangerschaft sollte der Konsum von Distelöl maßvoll sein. Die Flavonoide der Färberdistel können in traditionellen Zubereitungen durchblutungsfördernd wirken – besprechen Sie die Einnahme konzentrierter Präparate daher mit Ihrem Arzt.
Blutverdünnende Medikamente: Da Distelöl Enzyme der Blutgerinnung hemmen kann, sollten Personen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, vor der regelmäßigen Einnahme ärztlichen Rat einholen.[2]
Haltbarkeit und Lagerung von Distelöl
Kalt gepresstes Distelöl ist aufgrund seines hohen Anteils an mehrfach ungesättigten Fettsäuren relativ empfindlich gegenüber Licht, Wärme und Sauerstoff. Falsche Lagerung kann dazu führen, dass das Öl oxidiert und ranzig wird – erkennbar an einem unangenehmen, stechenden Geruch und bitteren Geschmack.
Für eine optimale Haltbarkeit beachten Sie folgende Tipps: Lagern Sie Distelöl stets kühl und dunkel – am besten im Kühlschrank. Distelöl bleibt auch bei Kälte flüssig, was die Lagerung im Kühlschrank erleichtert. Verwenden Sie Distelöl in Flaschen aus dunklem Glas oder lichtundurchlässigen Behältern. Verschließen Sie die Flasche nach jedem Gebrauch sofort wieder luftdicht. Lagern Sie das Öl niemals in der Nähe des Herdes oder eines Fensters.
Bei korrekter Lagerung ist ungeöffnetes Distelöl 9 bis 12 Monate haltbar. Nach dem Öffnen sollten Sie es innerhalb von vier bis acht Wochen aufbrauchen.[5] Achten Sie stets auf die Herstellerangaben und das Mindesthaltbarkeitsdatum.
Distelöl kaufen – worauf sollte geachtet werden?
Beim Kauf von Distelöl gibt es einige wichtige Kriterien zu beachten, um ein hochwertiges Produkt zu erhalten:
Kaltpressung bevorzugen: Achten Sie auf die Bezeichnung „kaltgepresst", „nativ" oder „virgin". Kalt gepresstes Distelöl aus biologischem Anbau enthält alle wertvollen Inhaltsstoffe und hat ein vollmundiges, nussiges Aroma.
Bio-Qualität wählen: Bio-Distelöl stammt aus kontrolliert biologischem Anbau ohne synthetische Pestizide oder Düngemittel. Achten Sie auf anerkannte Bio-Siegel.
Auf „unraffiniert" achten: Nur unraffiniertes Distelöl enthält das volle Spektrum an Vitaminen, Phytosterolen und Fettsäuren.
Verpackung: Das lichtempfindliche Öl sollte in einer dunklen Glasflasche angeboten werden. Transparente Plastikflaschen bieten keinen ausreichenden Lichtschutz.
Sorte beachten: Für die kalte Küche und Kosmetik eignet sich das Standard-Distelöl (High Linoleic) mit hohem Linolsäuregehalt. Zum Braten greifen Sie zum raffinierten High-Oleic-Distelöl.
Distelöl erhalten Sie in Bioläden, Reformhäusern, gut sortierten Supermärkten (etwa bei dm, Rossmann, Rewe, Edeka, Aldi oder Lidl), in Apotheken sowie in Online-Shops. Die Preise variieren je nach Qualität und Herkunft – rechnen Sie für ein hochwertiges Bio-Distelöl mit circa 5 bis 12 Euro pro 250 ml.
Quellenverzeichnis
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- Ziboh, V. A., Miller, C. C., & Cho, Y. (2000). Metabolism of polyunsaturated fatty acids by skin epidermal enzymes: generation of antiinflammatory and antiproliferative metabolites. The American Journal of Clinical Nutrition, 71(1), 361s–366s. doi:10.1093/ajcn/71.1.361s
- Fiebig, H. J. (2011). DGF: Fettsäurezusammensetzung wichtiger pflanzlicher und tierischer Speisefette und -öle. Deutsche Gesellschaft für Fettwissenschaft.
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- EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (2009). Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to linoleic acid. EFSA Journal, 7(9), 1276. doi:10.2903/j.efsa.2009.1276
- Schwingshackl, L. et al. (2018). Effects of oils and solid fats on blood lipids: a systematic review and network meta-analysis. Journal of Lipid Research, 59(9), 1771–1782. doi:10.1194/jlr.P085522
- Zhou, X. et al. (2014). Hydroxysafflor Yellow A: A review of its pharmacokinetics and pharmacological effects. Phytomedicine, 21(11), 1462–1474. doi:10.1016/j.phymed.2014.05.002
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- Cox, C. et al. (1998). Effects of dietary coconut oil, butter and safflower oil on plasma lipids, lipoproteins and lathosterol levels. European Journal of Clinical Nutrition, 52(9), 650–654. doi:10.1038/sj.ejcn.1600621
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