Kamillenöl

Die Kamille wächst ganz anspruchslos und unaufdringlich am Wegesrand, so dass man sie schnell übersieht. Dabei hat diese Pflanze es wirklich in sich: Das ätherische Öl in der Kamille heilt eine Vielzahl von Beschwerden! Das wussten anscheinend schon die Ägypter, zumindest legten sie ihren verstorbenen Pharaonen diese Pflanze mit ins Grab. Und auch im Europa der Antike verschrieben Heilkundige Kamille zur Behandlung von Blähungen, Leberleiden und Entzündungen.Kamillenöl

Kamillearten

Es gibt viele verschiedene Kamillenarten, allerdings sind nur drei Sorten therapeutisch wirksam. Die Echte (auch Gelbe oder Deutsche) Kamille (Chamomilla recutita), die Römische Kamille (Chamaemelum nobile) und die Marokkanische (oder Wilde) Kamille (Chamaemelum ormensis oder Ormensis mixta). Die Wirkung dieser drei Arten unterscheidet sich, entsprechend werden sie für verschiedene Anwendungsgebiete empfohlen.

Für die meisten Beschwerden wird die Echte Kamille verwendet. Sie wächst, genau wie ihre wirkungslosen Verwandten, gerne an Ackerrändern - falls Sie also Kamille für den Hausgebrauch selbst sammeln wollen, schauen Sie besser genau hin. Sie erkennen sie an folgenden Merkmalen:

  • Die Blüten duften intensiv nach Kamille
  • Gegen Ende der Blütezeit hängen die weißen Blütenblätter herab
  • Der Blütenboden, also der gelbe Teil in der Mitte der Blüte, ist nicht flach, sondern wölbt sich kegelförmig nach oben.

Gewinnung von Kamillenöl

Eine Kamillenpflanze besteht zu 0,3 bis 1,5 Prozent aus ätherischem Öl. Um es zu gewinnen, werden die Blüten getrocknet (nur der gelbe Teil ist hierfür relevant) und dann in einem Wasserbad erhitzt. Die ätherischen Stoffe lösen sich dabei aus den Blüten und steigen mit dem gasförmigen Kondenswasser nach oben. Der Wasserdampf wird dann abgekühlt, dabei trennen sich die ätherischen Öle als eigene Schicht ab. Dieses Verfahren nennt sich Wasserdampfdestillation.

Für einen Liter ätherisches Öl braucht man etwa 150 bis 300 Kilogramm frische Blüten. Wegen dieser großen Mengen würde sich ein Anbau im Gewächshaus oder gar ein Sammeln wilder Pflanzen für die industrielle Herstellung kaum lohnen. Kamille wird deshalb vor allem im Freiland angebaut, Hauptanbauländer sind Mexiko, Indien und Brasilien.

Kamillenöl Inhaltsstoffe

Abhängig davon, aus welcher Kamillenart das Öl gewonnen wird, unterscheiden sich die Inhaltsstoffe:

Blaues Kamillenöl

Das Kamillenöl, das aus der Echten Kamille gewonnen wird, hat eine intensive blaue Farbe - daher der Name "Blaues Kamillenöl". Die Farbe wird vom Inhaltsstoff Chamazulen hervorgerufen, der sich erst bei der Wasserdampfdestillation bildet. Chamazulen und a-Bisabolol sind auch die Hauptinhaltsstoffe. Dazu kommen Flavonoide und Cumarine. An der Luft verfärbt sich das Öl schnell grün bis braungelb.

Römisches Kamillenöl

Dieses Öl ist gelblich bis grün-bläulich. Die Hauptbestandteile des Römischen Kamillenöls sind Azulene, Ester, Cuminaldehyd und Limonen.

Marokkanisches Kamillenöl

Diese Variante ist leicht gelblich. Bestandteile sind Monoterpene, Santolina-Alkohol, Sesquiterpene, Monoterpenketone, Monoterpenole, Oxide und Ester.

Wirkung von Kamillenöl

Für eine grobe Unterscheidung können Sie sich merken, dass die Echte Kamille vor allem bei körperlichen Beschwerden hilft, die Römische Kamille zur Entspannung verwendet wird, während die Marokkanische Kamille belebend wirken soll.

Die beiden letzteren sind deshalb vor allem in der Aromatherapie beliebt. Das Blaue Kamillenöl hilft gegen Entzündungen, es hemmt das Wachstum von Bakterien und wirkt krampflösend. Als eines der wenigen ätherischen Öle reizt es die Haut nicht. Daraus ergeben sich viele verschiedene Anwendungsmöglichkeiten:

Anwendungsgebiete von Kamillenöl

Kamillenöl für die Haut

Durch ihre antibakteriellen Eigenschaften hilft Kamille bei Hautkrankheiten wie Akne. Deshalb ist sie oft in entsprechenden Cremes und Salben enthalten. Auch bei Entzündungen der Mundschleimhaut oder des Zahnfleisches hilft Kamille gut, als Tinktur, Salbe oder Lösung zum Gurgeln.

Da Kamillenöl durchblutungsfördernd wirkt, hilft es auch bei der Wundheilung, vor allem bei Brandverletzungen. Die erhöhte Durchblutung regt die Zellteilung an, so dass die verletzten Partien schneller erneuert werden. Bei offenen Wunden sollten Sie Kamille jedoch nicht verwenden - hier wäre eine Durchblutungsförderung kontraproduktiv.

Sobald die Wunde nicht mehr blutet, hilft auch die entzündungshemmende Eigenschaft der Kamille: Eventuell eindringende Bakterien werden effektiv abgetötet.

Wenn Sie Kamille nicht als fertiges medizinisches Produkt kaufen, sondern lieber selbst mischen wollen, geben Sie ein paar Tropfen Kamillenöl zu Ihrer normalen Hautcreme. Sie können das Öl auch als Badezusatz verwenden. Dafür einfach ein paar Tropfen mit ins Badewasser geben. Im Sitzbad hilft es sogar bei Hämorrhoiden.

Kamillenöl wird übrigens auch in einigen naturkosmetischen Sonnenschutzcremes verwendet, allerdings wird das Öl hierfür nicht über Wasserdampfdestillation gewonnen, sondern über einen Kaltauszug. Dafür lässt man die Blüten in kaltem Öl ziehen. Das Ergebnis ist dann kein ätherisches Öl und hat eine andere Wirkung.

Kamillenöl für die Haare

Kamille ist gut bei gereizter Kopfhaut: Sie desinfiziert bei Pilzerkrankungen (die oft verantwortlich für Schuppen sind) und hemmt Entzündungen, wenn die Haut durch Färbemittel, Föhnhitze oder trockene Heizungsluft strapaziert ist. Bei solchen Problemen kann es schon reichen, gut durchgezogenen Kamillentee auf Kopfhaut und Haare aufzutragen. So ein Sud kann auch Juckreiz auf der Kopfhaut mildern, Schorf lösen und sogar gegen fettige Haare helfen.

Der zweite Effekt ist eher kosmetisch und wird vor allem von Blondinen geschätzt: Wer das Haar mit Kamillentee wäscht, erhält eine natürliche Haaraufhellung mit Glanzlichtern. Eine drastische Änderung des Farbtons ist zwar nicht zu erwarten, aber doch eine leichte Blondierung. Die Aufhellung gelingt mit Tee aus Echter oder aus Römischer Kamille. Die Echte Kamille ist in den Teebeuteln von normalem Kamillentee enthalten, Römische Kamille können Sie als lose Blüten in der Apotheke kaufen. Sie hellt das Haar stärker auf, ist aber auch deutlich teurer!

Im Übrigen soll Kamille Haare auch weicher machen und gegen Spliss und krauses Haar helfen. Aus diesem Grund ist sie in vielen Shampoos und Pflegespülungen enthalten.

Kamillenöl für die Atemwege

Kamille gilt als bewährtes Hausmittel bei Erkältungen. Dafür wird sie am besten inhaliert: So gelangen die Wirkstoffe in die angegriffenen Atemwege, lösen Schnupfen, helfen bei Entzündungen der Nasennebenhöhlen und der Schleimhäute. Sogar Migräne und andere chronische Kopfschmerzen sollen durch eine Inhalation mit Kamille besser werden.

Für die Zubereitung der Inhalation 3 bis 5 Liter Wasser zum Kochen bringen, dann vier Beutel Kamillentee oder eine Handvoll Kamillenblüten in das Wasser geben. 10 Minuten ziehen lassen, dabei das Wasser warmhalten. Anschließend stellen Sie den Topf vor sich auf einen Tisch, beugen sich darüber und legen ein großes Tuch über Kopf und Topf, so dass kein Dampf entweichen kann. Atmen Sie den Dampf etwa 10 Minuten lang tief durch Nase und Mund ein. Sollte der Dampf zu heiß sein, können Sie die aus dem Topf strömende Dampfmenge mit einem Topfdeckel regulieren.

Kamillenöl für den Magen-Darm-Trakt

Kamillenöl wirkt gleich auf mehreren Ebenen gegen Magen-Darm-Probleme: Bei Magenkrämpfen helfen seine krampflösenden Eigenschaften. Da Kamille auch die Durchblutung anregt, produzieren die Zellen mehr Magensaft, was wiederum bei der Verdauung hilft. Und die entzündungshemmende Wirkung der Kamille wirkt gegen schädliche Bakterien, bringt die Darmflora so wieder ins Gleichgewicht. Selbst bei Blähungen und gegen Übelkeit hilft Kamillentee. Hier ist die Kamille also ein echter Alleskönner!

Kamillenöl in der Aromatherapie

Während sich die vorangegangenen Beschreibungen fast ausschließlich auf die Echte Kamille beziehen, kommen in der Aromatherapie vor allem die Römische und die Marokkanische Kamille zum Einsatz. Beiden werden zahlreiche positive Auswirkungen auf die Psyche zugeschrieben. Sie sollen angstlösend wirken, stimmungsaufhellend und beruhigend bei Menschen, die sich gestresst fühlen. Weitere Indikationen sind allgemeine Unruhe und Schlafstörungen. Für die Aromatherapie wird das Öl gerne in Duftlampen verwendet, aber auch als Badezusatz oder im Massageöl.

Marokkanische oder Wilde Kamille

Dieses Öl duftet süßlich-warm und würzig. Achtung: Da die Marokkanische Kamille - im Gegensatz zur Echten Kamille - die Haut reizen kann, muss sie immer verdünnt, beziehungsweise mit anderen Ölen gemischt werden. Die Marokkanische Minze wirkt laut den Lehren der Aromatherapie belebend und stärkt so die geistige Widerstandskraft, die Inspiration und gibt Energie.

Römische Kamille

Das Öl dieser Pflanze duftet süßlich, warm und nach kräftigen Kräutern. Es passt gut zu fruchtigen Düften wie Orange oder Grapefruit, aber auch zu Lavendel, Melisse, Minze oder Geranie. Römisches Kamillenöl soll Seele, Geist und Körper entspannen und so bei Angstzuständen, Depressionen oder auch ADHS helfen. Auch bei Wutanfällen von Kindern oder aggressiven Demenzpatienten wird es unterstützend empfohlen. Hierfür kann man das Öl gut in einer Duftlampe wirken lassen. Bei kleinen Kindern, die unter psychisch bedingten Bauchschmerzen leiden, soll eine Fußmassage vor dem Schlafengehen helfen: Dafür zum Beispiel 2 Tropfen Kamillenöl mit 10 ml Mandelöl mischen.

Wichtige Warnhinweise

  • Sollten Sie allergisch gegen Korbblütler sein, lassen Sie die Finger von Kamille!
  • Wenn Sie Lösungen aus Kamillenblüten selbst zubereiten, wenden Sie sie nicht am oder im Auge an! Solche Lösungen können mit Keimen verunreinigt sein, die dann Infektionen hervorrufen.
  • Eine Inhalation mit Kamille wird nicht empfohlen, wenn Sie unter Grauem oder Grünem Star leiden!
  • Kamillenöl nicht gleichzeitig mit homöopathischen Mitteln zur Therapie benutzen!
  • Blaues Kamillenöl oxidiert, wenn es zu lange an der frischen Luft steht. Es kann dann Hautreizungen auslösen und sollte deshalb nicht mehr verwendet werden.
  • Im Zweifelsfall lassen Sie sich zur Anwendung und Dosierung in einer Apotheke beraten.

Kamillenöl kaufen - Worauf sollte geachtet werden?

Damit es möglichst gut wirkt, sollten Sie nur hochwertiges und reines Öl kaufen. Folgendes müssen Sie dazu wissen:

Allein der Aufdruck "ätherisches Öl" sagt noch nicht allzu viel über den Inhalt aus. Nicht einmal "reines ätherisches Öl" ist ein Qualitätsmerkmal! "100 Prozent reines ätherisches Öl" darf sich dagegen nur nennen, was wirklich zu 100 Prozent aus der sogenannten "Stammpflanze" (in diesem Fall der Kamille) gewonnen wurde.

Achten Sie am besten darauf, ob einer der folgenden Zusatzhinweise aufgedruckt ist: "naturrein", "natürlich", "naturidentisch" oder "synthetisch". Das steckt jeweils dahinter:

"Naturrein" bedeutet, dass das Öl zu 100 Prozent aus der entsprechenden Pflanze gewonnen wurde, Zusatzstoffe dürfen nicht enthalten sein. Wenn dann noch der Zusatz "aus kontrolliert biologischem Anbau" dabeisteht, müssen Sie sich auch keine Sorgen über Pestizide oder die Umwelt machen.

"Natürliches Öl" heißt, dass hier verschiedene naturreine Öle gemischt wurden. Es ist also kein reines Kamillenöl.

"Naturidentisches Öl" ist geruchlich kaum vom naturreinen Original zu unterscheiden, es wird jedoch synthetisch hergestellt. Es enthält oft weniger Inhaltsstoffe als das naturreine Öl.

"Synthetisches Öl" wird komplett chemisch im Labor hergestellt und soll im Endeffekt einfach nur gut riechen. Es ist deutlich günstiger als Öl aus natürlichen Inhaltsstoffen und wird meist als "Duftöl" oder "Parfumöl" verkauft. Typische Synthetische Öle sind Duftkreationen wie "Morgentau" oder "Grüner Apfel".

Manchmal stehen auf den Fläschchen auch Abkürzungen, die Ihnen ebenfalls etwas über die Qualität verraten:
"g & a" zum Beispiel steht für genuin und authentisch. Das Öl ist dann auf jeden Fall naturrein.
"N/NI" bedeutet, dass hier ein naturreines Öl mit naturidentischen Zusatzstoffen gemischt wurde.

Auch das Anbaugebiet ist entscheidend für die Qualität des Öls, aber um das richtig einordnen zu können, müssen Sie schon tief in der Materie stecken.

Generell lässt sich aber sagen, dass Qualität leider seinen Preis hat - ist das Öl also verdächtig billig, wird es im Zweifelsfall auch nicht seinen Zweck erfüllen: Ihnen und Ihrer Gesundheit auf natürliche Weise zu helfen!