Kamillenöl

Zuletzt aktualisiert: 12.02.26

Die Kamille wächst ganz anspruchslos und unaufdringlich am Wegesrand, so dass man sie schnell übersieht. Dabei hat diese Pflanze es wirklich in sich: Das ätherische Kamillenöl heilt eine Vielzahl von Beschwerden und gilt als eines der ältesten Naturheilmittel der Menschheit. Schon die alten Ägypter verehrten die Kamille als „Blume des Sonnengottes Re" und legten ihren Pharaonen diese Pflanze mit ins Grab.[1] Im antiken Griechenland und Rom verschrieben Heilkundige Kamille zur Behandlung von Blähungen, Leberleiden und Entzündungen – und auch heute ist sie in 26 Ländern weltweit als Arzneipflanze offiziell in die Pharmakopöe aufgenommen.[2]Kamillenöl – ätherisches Öl aus den Blüten der Echten Kamille (Matricaria chamomilla)

Kamillearten

Es gibt viele verschiedene Kamillenarten, allerdings sind nur drei Sorten therapeutisch relevant. Die Echte Kamille (auch Deutsche oder Gelbe Kamille, botanisch Matricaria chamomilla L. bzw. Chamomilla recutita), die Römische Kamille (Chamaemelum nobile) und die Marokkanische Kamille (auch Wilde Kamille, Cladanthus mixtus). Ihre Wirkung unterscheidet sich teils erheblich, weshalb sie für verschiedene Anwendungsgebiete empfohlen werden.[3]

Für die meisten Beschwerden wird die Echte Kamille verwendet. Sie wächst – genau wie ihre wirkungslosen Verwandten – gerne an Ackerrändern und auf Ödland. Falls Sie also Kamille für den Hausgebrauch selbst sammeln möchten, achten Sie auf folgende Erkennungsmerkmale:

  • Die Blüten duften intensiv und charakteristisch nach Kamille.
  • Gegen Ende der Blütezeit hängen die weißen Zungenblüten nach unten herab.
  • Der Blütenboden (der gelbe Teil in der Mitte) ist nicht flach, sondern wölbt sich kegelförmig nach oben – und ist innen hohl. Bei der sehr ähnlichen Hundskamille ist er dagegen gefüllt.

Gewinnung von Kamillenöl

Eine Kamillenpflanze besteht zu 0,3 bis 1,5 Prozent aus ätherischem Öl.[4] Um es zu gewinnen, werden die Blütenköpfchen getrocknet oder frisch verarbeitet und anschließend mittels Wasserdampfdestillation erhitzt.

Die ätherischen Stoffe lösen sich dabei aus dem Pflanzenmaterial und steigen mit dem Wasserdampf nach oben. Beim Abkühlen trennen sich die ätherischen Öle als eigenständige Schicht vom Kondenswasser (dem sogenannten Hydrolat). Während dieses Prozesses entsteht aus dem farblosen Matricin durch Esterspaltung und Decarboxylierung das blau gefärbte Chamazulen – der charakteristische Farbstoff des Blauen Kamillenöls.[5]

Für einen Liter ätherisches Kamillenöl braucht man je nach Sorte und Qualität etwa 150 bis 300 Kilogramm frische Blüten. Wegen dieser enormen Mengen lohnt sich ein Anbau im Gewächshaus kaum. Kamille wird deshalb überwiegend im Freiland kultiviert. Die wichtigsten Anbauländer sind Argentinien, Ägypten, Bulgarien und Ungarn, in geringerem Umfang auch Spanien, Tschechien und Deutschland.[6] In Deutschland allein liegt die Nachfrage bei rund 5.000 Tonnen pro Jahr.

Kamillenöl Inhaltsstoffe

Je nach Kamillenart unterscheiden sich die Inhaltsstoffe des gewonnenen Öls deutlich. Die drei therapeutisch genutzten Varianten im Überblick:

Blaues Kamillenöl (Echte Kamille)

Das ätherische Öl der Echten Kamille (Matricaria chamomilla) hat eine intensive tiefblaue Farbe. Die Hauptinhaltsstoffe sind (−)-α-Bisabolol (5–70 %), verschiedene Bisabololoxide, Chamazulen (1–35 %), trans-β-Farnesen und En-In-Dicycloether. Dazu kommen Flavonoide – insbesondere Apigenin – sowie Cumarine und Schleimstoffe.[4][5] Das Öl duftet süß-aromatisch, kräuterartig mit einer frisch-fruchtigen Note. An Luft und Licht verfärbt es sich rasch grün bis braungelb (sogenanntes „Vergrünen") und wird schließlich dickflüssig braun.

Römisches Kamillenöl

Dieses Öl ist gelblich bis leicht grün-bläulich und duftet frisch, süß und kräuterartig mit teeartigen Nuancen. Die Hauptbestandteile sind Ester der Angelicasäure (z. B. Isobutylangelicat), Cuminaldehyd und Limonen.[3]

Marokkanisches Kamillenöl

Die Variante aus Cladanthus mixtus ist leicht gelblich mit einem süßen, holzig-balsamartigen Duft. Bestandteile sind Monoterpene, Santolina-Alkohol, Artemisia-Alkohol, Sesquiterpene, Monoterpenketone und Oxide.[3]

Warum ist Kamillenöl blau?

Die auffällige blaue Farbe des Echten Kamillenöls überrascht viele, da die Blüten selbst weiß-gelb sind. Die Erklärung liegt in der Chemie der Destillation: In den Kamillenblüten kommt der farblose Stoff Matricin vor. Erst unter den Hitze- und Dampfbedingungen der Wasserdampfdestillation wird Matricin durch Esterspaltung, Wasserabspaltung und Decarboxylierung in Chamazulen umgewandelt – und genau dieses Chamazulen ist für die intensive Blaufärbung verantwortlich.[5][7]

Der Name „Chamazulen" leitet sich zusammen aus Chamomilla (lat. für Kamille) und dem französischen azur (himmelblau) ab. Bereits 1863 bezeichnete der englische Chemiker Septimus Piesse die blaue Substanz als „Azulen", die exakte chemische Struktur wurde jedoch erst 1953 aufgeklärt.[7]

Wichtig zu wissen: Ein Kamillenöl, das per Kaltauszug (Mazerat) gewonnen wird, ist nicht blau, da die Umwandlung von Matricin zu Chamazulen nur bei Hitze stattfindet. Ebenso enthält normaler Kamillentee nur minimale Mengen der therapeutisch wichtigen lipophilen Wirkstoffe wie Bisabolol.[8]

Wirkung von Kamillenöl

Für eine grobe Unterscheidung gilt: Die Echte Kamille hilft vor allem bei körperlichen Beschwerden, die Römische Kamille wird bevorzugt zur Entspannung eingesetzt, während die Marokkanische Kamille belebend wirken soll.

Die wissenschaftlich am besten untersuchte Variante ist das Blaue Kamillenöl. Es wirkt nachweislich:[2][9][10]

  • Entzündungshemmend (antiphlogistisch): α-Bisabolol und Chamazulen hemmen die Cyclooxygenase (COX-2) und Lipoxygenase und reduzieren so die Bildung entzündungsfördernder Prostaglandine und Leukotriene.
  • Antibakteriell und antimykotisch: Kamillenöl wirkt gegen verschiedene Bakterien und Pilze, wobei α-Bisabolol den stärksten antimikrobiellen Effekt zeigt.
  • Krampflösend (spasmolytisch): Apigenin, α-Bisabolol und die Spiroether entspannen die glatte Muskulatur.
  • Wundheilungsfördernd: Die durchblutungsfördernde Wirkung regt die Zellteilung und Geweberegeneration an.
  • Hautverträglich: Als eines der wenigen ätherischen Öle reizt Blaues Kamillenöl die Haut nicht und kann in Notfällen sogar unverdünnt aufgetragen werden.

Eine Meta-Analyse randomisierter klinischer Studien aus dem Jahr 2025 bestätigte die entzündungshemmende Wirkung von Kamillenpräparaten bei Haut- und Schleimhauterkrankungen.[10] Darüber hinaus zeigten Studien, dass Kamillenöl die NF-κB-Signalwege hemmt und gleichzeitig das körpereigene antioxidative Schutzsystem (NRF2-Pfad) aktiviert.[9]

Anwendungsgebiete von Kamillenöl

Kamillenöl für die Haut

Durch seine entzündungshemmenden und antibakteriellen Eigenschaften ist Kamillenöl ein bewährtes Mittel bei zahlreichen Hautproblemen. Es wird in der Dermatologie und Naturkosmetik bei folgenden Beschwerden eingesetzt:

Bei Akne und Pickeln helfen die antibakteriellen Wirkstoffe, die Vermehrung hautschädlicher Bakterien einzudämmen. Deshalb ist Kamille als Inhaltsstoff in vielen Anti-Akne-Cremes und Salben enthalten. Auch bei Entzündungen der Mundschleimhaut oder des Zahnfleisches wirkt Kamille gut – als Tinktur, Salbe oder Lösung zum Gurgeln.[2]

Da Kamillenöl die Durchblutung fördert, unterstützt es die Wundheilung, besonders bei Brandverletzungen. Die erhöhte Durchblutung regt die Zellteilung an, sodass verletzte Hautpartien schneller regenerieren. Bei offenen, noch blutenden Wunden sollte Kamille jedoch nicht angewendet werden, da die Durchblutungsförderung hier kontraproduktiv wäre. Sobald die Wunde geschlossen ist, helfen die entzündungshemmenden Eigenschaften, eindringende Bakterien abzutöten.[11]

Kamillenöl kann die Hautbarriere stärken: Studien zeigen, dass Kamillenflavonoide und ätherische Öle bis in tiefere Hautschichten penetrieren und dort als Antiphlogistika wirken.[2] Bei Ekzemen und Neurodermitis deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass Kamillenextrakte immunmodulierende Effekte besitzen und die Freisetzung entzündungsfördernder Zytokine (TNF-α, IL-6) reduzieren können.[12]

Für die eigene Anwendung geben Sie einige Tropfen Kamillenöl zu Ihrer Hautcreme oder nutzen es als Badezusatz. Im Sitzbad kann es sogar bei Hämorrhoiden Linderung verschaffen (siehe unten). Kamillenöl wird übrigens auch in naturkosmetischen Sonnenschutzcremes verwendet, dann aber nicht als ätherisches Öl, sondern als Kaltauszug (Mazerat), der eine andere Zusammensetzung und Wirkung aufweist.

Bezüglich der Komedogenität gilt Kamillenöl als leicht komedogen. Wer zu verstopften Poren neigt, sollte es daher sparsam und verdünnt anwenden – mehr dazu in unserem Ratgeber über komedogene und nicht-komedogene Öle.

Kamillenöl für die Haare

Kamille ist ein bewährtes Hausmittel bei gereizter Kopfhaut. Sie wirkt desinfizierend bei Pilzerkrankungen (häufig Ursache von Schuppen) und hemmt Entzündungen, wenn die Kopfhaut durch Färbemittel, Föhnhitze oder trockene Heizungsluft strapaziert ist. Schon ein gut durchgezogener Kamillensud, auf Kopfhaut und Haare aufgetragen, kann Juckreiz mildern, Schorf lösen und bei fettigen Haaren helfen.

Der zweite Effekt ist kosmetischer Natur und wird vor allem von Blondinen geschätzt: Wer das Haar regelmäßig mit Kamillentee spült, erhält eine natürliche Haaraufhellung mit goldenen Glanzlichtern. Eine drastische Farbänderung ist zwar nicht zu erwarten, aber eine sanfte Blondierung durchaus. Die Aufhellung gelingt sowohl mit Echter als auch mit Römischer Kamille. Echte Kamille ist in den handelsüblichen Kamillentee-Beuteln enthalten, Römische Kamille bekommen Sie als lose Blüten in der Apotheke – sie hellt das Haar stärker auf, ist aber auch deutlich teurer.

Darüber hinaus macht Kamille die Haare weicher und soll gegen Spliss und krauses Haar helfen. Aus diesem Grund ist sie in vielen Shampoos und Pflegespülungen enthalten.

Kamillenöl für die Atemwege

Kamille gilt als eines der bewährtesten Hausmittel bei Erkältungen. Am wirksamsten ist die Inhalation: Die Wirkstoffe gelangen direkt in die angegriffenen Atemwege, lösen Schnupfen, helfen bei Entzündungen der Nasennebenhöhlen und beruhigen gereizte Schleimhäute. Auch bei chronischen Kopfschmerzen und Migräne kann eine Dampfinhalation mit Kamille Linderung verschaffen.[2]

So bereiten Sie eine Kamillen-Inhalation zu: Bringen Sie 3 bis 5 Liter Wasser zum Kochen und geben Sie vier Beutel Kamillentee oder eine Handvoll Kamillenblüten hinein. Lassen Sie den Aufguss 10 Minuten ziehen und halten Sie das Wasser dabei warm. Stellen Sie den Topf vor sich auf einen Tisch, beugen Sie sich darüber und legen Sie ein großes Handtuch über Kopf und Topf, damit kein Dampf entweicht. Atmen Sie den Dampf etwa 10 Minuten lang tief durch Nase und Mund ein. Falls der Dampf zu heiß ist, regulieren Sie die Dampfmenge mit einem Topfdeckel. Alternativ können Sie auch 3–5 Tropfen ätherisches Kamillenöl in das heiße Wasser geben, statt Tee oder lose Blüten zu verwenden.

Kamillenöl für den Magen-Darm-Trakt

Kamillenöl wirkt gleich auf mehreren Ebenen gegen Magen-Darm-Beschwerden: Bei Magenkrämpfen helfen seine krampflösenden Eigenschaften. Die durchblutungsfördernde Wirkung regt die Zellen zu einer verstärkten Magensaftproduktion an, was die Verdauung unterstützt. Und die entzündungshemmenden Inhaltsstoffe wirken gegen schädliche Bakterien und bringen die Darmflora ins Gleichgewicht.[2]

Zusätzlich wirkt α-Bisabolol ulkusprotektiv: Es reduziert konzentrationsabhängig die proteolytische Aktivität von Pepsin im Magen und kann so der Entstehung von Magengeschwüren entgegenwirken.[13] Selbst bei Blähungen und Übelkeit hilft Kamillentee zuverlässig. Bei Verdauungsbeschwerden ist Kamille somit ein echter Alleskönner – nicht umsonst empfiehlt auch die Kommission E Kamillenblüten bei Magen-Darm-Spasmen und entzündlichen Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts.

Kamillenöl in der Aromatherapie

Während die körperlichen Anwendungen sich überwiegend auf die Echte Kamille beziehen, kommen in der Aromatherapie vor allem die Römische und die Marokkanische Kamille zum Einsatz. Beiden werden positive Auswirkungen auf die Psyche zugeschrieben: angstlösend, stimmungsaufhellend und beruhigend bei Stress. Weitere Einsatzgebiete sind Unruhe und Schlafstörungen. Das Öl kann in Duftlampen verdampft, als Badezusatz oder im Massageöl verwendet werden.

Marokkanische (Wilde) Kamille

Dieses Öl duftet süßlich-warm und würzig. Achtung: Da die Marokkanische Kamille – im Gegensatz zur Echten Kamille – die Haut reizen kann, muss sie stets verdünnt bzw. mit Trägerölen gemischt werden. In der Aromatherapie gilt sie als belebend und stärkend für die geistige Widerstandskraft.

Römische Kamille

Das Öl duftet süßlich, warm und nach kräftigen Kräutern. Es harmoniert gut mit fruchtigen Düften wie Orangenöl oder Grapefruitöl, aber auch mit Lavendelöl, Melissenöl, Minzöl oder Geranienöl. Es soll Seele, Geist und Körper entspannen und wird bei Angstzuständen, Depressionen und ADHS unterstützend empfohlen. Bei kleinen Kindern, die unter psychisch bedingten Bauchschmerzen leiden, kann eine sanfte Fußmassage vor dem Schlafengehen helfen: Dafür 2 Tropfen Kamillenöl mit 10 ml Mandelöl mischen.

Kamillenöl bei Hämorrhoiden

Ein Sitzbad mit Kamillenöl ist ein traditionelles Hausmittel bei Hämorrhoiden. Die entzündungshemmende und wundheilende Wirkung der Kamille kann Juckreiz, Schwellungen und leichte Schmerzen im Analbereich lindern. Geben Sie dafür 5–8 Tropfen ätherisches Kamillenöl, vermischt mit einem Esslöffel Sahne oder Kokosöl als Emulgator, in eine Sitzbadewanne mit warmem Wasser. Baden Sie den betroffenen Bereich 10–15 Minuten. Bei stärkeren Beschwerden sollte jedoch ärztlicher Rat eingeholt werden.

Kamillenöl in der Schwangerschaft und für Babys

Kamillenöl gilt als eines der sanftesten ätherischen Öle und wird von vielen Hebammen in der Schwangerschaft empfohlen – allerdings mit Einschränkungen. Im ersten Trimester sollten ätherische Öle generell gemieden werden. Ab dem zweiten Trimester können Römische und Echte Kamille verdünnt als Massageöl, Badezusatz oder in der Duftlampe eingesetzt werden, um bei Rückenschmerzen, Schlafproblemen und emotionaler Unruhe zu helfen.[14]

Für Babys ab 3 Monaten kann Römisches Kamillenöl stark verdünnt (1 Tropfen auf 50 ml Mandelöl) zur sanften Bauchmassage bei Koliken im Uhrzeigersinn verwendet werden. Für Neugeborene unter 3 Monaten sollten ätherische Öle nur in Absprache mit einer erfahrenen Hebamme oder einem Arzt angewendet werden. Grundsätzlich gilt: Bitte konsultieren Sie vor jeder Anwendung von ätherischen Ölen in der Schwangerschaft oder bei Säuglingen Ihre Hebamme oder Ihren Arzt.

Kamillenöl selber machen

Ein ätherisches Kamillenöl lässt sich zu Hause ohne professionelle Destille nicht herstellen – dafür aber ein hochwertiges Kamillenöl-Mazerat (Kaltauszug), das viele der pflegenden Wirkstoffe enthält und sich hervorragend für die Hautpflege eignet:

Zutaten:

  • Eine Handvoll getrocknete Kamillenblüten (bevorzugt aus biologischem Anbau, in der Apotheke erhältlich)
  • 200 ml hochwertiges Basisöl – zum Beispiel Jojobaöl, Mandelöl oder Olivenöl
  • Ein steriles Schraubglas

Anleitung:

Geben Sie die Kamillenblüten in das saubere Glas und übergießen Sie sie vollständig mit dem Basisöl. Die Blüten müssen komplett bedeckt sein, damit sich kein Schimmel bildet. Verschließen Sie das Glas und stellen Sie es an einen warmen, sonnigen Platz – zum Beispiel auf eine Fensterbank. Lassen Sie den Ansatz 3 bis 4 Wochen ziehen und schütteln Sie das Glas alle paar Tage sanft. Anschließend seihen Sie die Blüten über ein feines Sieb oder Mulltuch ab und füllen das fertige Mazerat in eine dunkle Flasche. So gelagert ist es mehrere Monate haltbar.

Dieses selbst hergestellte Kamillenöl eignet sich als Basis für Salben, als Massageöl oder direkt zur Hautpflege. Beachten Sie: Da bei dieser Methode keine Hitze angewendet wird, entsteht kein Chamazulen – das Mazerat ist daher nicht blau, sondern goldgelb und hat ein milderes Wirkprofil als das ätherische Öl.

Dosierung und Einnahme von Kamillenöl

Die richtige Dosierung hängt von der Anwendungsform ab:

Äußere Anwendung: Für Massagen mischen Sie 3–5 Tropfen ätherisches Kamillenöl mit 10 ml eines Trägeröls wie Jojobaöl oder Mandelöl. Als Badezusatz genügen 5–8 Tropfen, die zuvor in einem Emulgator (Sahne, Honig oder Meersalz) gelöst werden. In der Duftlampe reichen 3–5 Tropfen.

Inhalation: 3–5 Tropfen ätherisches Kamillenöl auf einen Liter heißes (nicht mehr kochendes) Wasser geben, oder eine Handvoll Kamillenblüten bzw. 4 Teebeutel verwenden. 10 Minuten lang inhalieren.

Innere Anwendung: Ätherisches Kamillenöl sollte nur in pharmazeutischer Qualität und nach Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker eingenommen werden. Der gängigere Weg der inneren Anwendung ist der Kamillentee: Einen Esslöffel Kamillenblüten (ca. 3 g) mit 150 ml heißem Wasser übergießen, 5–10 Minuten ziehen lassen und abseihen. 3–4 Tassen täglich zwischen den Mahlzeiten trinken.[15]

Gurgeln und Mundspülung: Abgekühlten Kamillentee zum Gurgeln bei Halsschmerzen oder als Mundspülung bei Zahnfleischentzündungen verwenden. Als Badezusatz empfiehlt die Fachliteratur etwa 50 g Kamillenblüten auf 10 Liter Wasser.[15]

Nebenwirkungen und Warnhinweise

Kamillenöl gilt als sehr gut verträglich, es gibt jedoch einige wichtige Punkte zu beachten:

  • Allergie gegen Korbblütler: Wer allergisch gegen Pflanzen der Familie Asteraceae (z. B. Arnika, Ringelblume, Beifuß) ist, sollte Kamille meiden – es besteht die Gefahr einer Kreuzallergie.[15]
  • Keine Eigenanwendung am Auge: Selbst zubereitete Kamillenlösungen können mit Keimen verunreinigt sein und Augeninfektionen hervorrufen. Wenden Sie solche Lösungen daher niemals am oder im Auge an.
  • Vorsicht bei Grauem oder Grünem Star: Eine Inhalation mit Kamille wird bei diesen Augenerkrankungen nicht empfohlen.
  • Nicht mit Homöopathie kombinieren: Kamillenöl kann die Wirkung homöopathischer Mittel beeinträchtigen und sollte nicht gleichzeitig angewendet werden.
  • Oxidiertes Öl entsorgen: Blaues Kamillenöl oxidiert, wenn es zu lange an der Luft steht. Es kann dann Hautreizungen auslösen und sollte nicht mehr verwendet werden. Lagern Sie es daher immer kühl, dunkel und gut verschlossen.
  • Kinder unter 12 Jahren: Das Europäische Arzneibuch rät mangels ausreichender Studienlage von der Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren ab – außer in ärztlicher Absprache.[15]
  • Schwangerschaft: Im ersten Trimester keine ätherischen Öle verwenden. Ab dem zweiten Trimester nur verdünnt und nach Rücksprache mit Arzt oder Hebamme.
  • Im Zweifelsfall lassen Sie sich in einer Apotheke zur Anwendung und Dosierung beraten.

Kamillenöl kaufen – Worauf sollte geachtet werden?

Damit Kamillenöl optimal wirkt, sollten Sie nur hochwertiges und reines Öl kaufen. Der Aufdruck „ätherisches Öl" allein sagt noch wenig über die Qualität. Wichtiger sind folgende Qualitätsstufen:

Naturrein: Das Öl wurde zu 100 Prozent aus der entsprechenden Stammpflanze gewonnen, ohne jegliche Zusatzstoffe. Steht zusätzlich „aus kontrolliert biologischem Anbau" (kbA) oder ein Bio-Siegel auf dem Etikett, können Sie sicher sein, dass keine Pestizide enthalten sind. Achten Sie beim Kauf von Blauem Kamillenöl auf den botanischen Namen Matricaria chamomilla oder Chamomilla recutita.

Natürlich: Hier wurden verschiedene naturreine Öle gemischt. Es handelt sich also nicht um reines Kamillenöl.

Naturidentisch: Geruchlich kaum vom naturreinen Original zu unterscheiden, wird dieses Öl jedoch synthetisch hergestellt und enthält weniger Inhaltsstoffe.

Synthetisch: Komplett im Labor hergestellt, soll es vor allem gut riechen. Es wird als „Duftöl" oder „Parfumöl" verkauft und hat keine therapeutische Wirkung.

Nützliche Hinweise auf dem Etikett sind außerdem die Abkürzungen „g & a" (genuin und authentisch = garantiert naturrein) sowie „N/NI" (naturreines Öl mit naturidentischen Zusatzstoffen). Auch das Anbaugebiet und der Chemotyp (idealerweise Bisabolol-Typ laut Europäischem Arzneibuch) beeinflussen die Qualität.

Kamillenöl erhalten Sie in der Apotheke (höchste pharmazeutische Qualität), in Drogerien wie dm und Rossmann sowie in Online-Shops. Bekannte Marken für hochwertiges Bio-Kamillenöl sind unter anderem Primavera, Taoasis und Weleda. Blaues Kamillenöl in Bio-Qualität hat seinen Preis – ist das Öl verdächtig günstig, handelt es sich oft um ein verdünntes Produkt oder ein Öl mit hohem Bisabololoxid-Anteil, das weniger wirksam ist.

Generell gilt: Qualität hat ihren Preis. Ein hochwertiges Kamillenöl ist eine Investition in Ihre Gesundheit – und die lohnt sich.

Quellen

  1. Singh, O., Khanam, Z., Misra, N., & Srivastava, M. K. (2011). Chamomile (Matricaria chamomilla L.): An overview. Pharmacognosy Reviews, 5(9), 82–95. doi:10.4103/0973-7847.79103
  2. Srivastava, J. K., Shankar, E., & Gupta, S. (2010). Chamomile: A herbal medicine of the past with bright future. Molecular Medicine Reports, 3(6), 895–901. doi:10.3892/mmr.2010.377
  3. Kamillenöl. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Abgerufen am 12. Februar 2026, von https://de.wikipedia.org/wiki/Kamillen%C3%B6l
  4. Echte Kamille. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Abgerufen am 12. Februar 2026, von https://de.wikipedia.org/wiki/Echte_Kamille
  5. Schilcher, H. (2003). Die alte junge Kamille. Pharmazeutische Zeitung, 05/2003. Online verfügbar unter: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/inhalt-05-2003/titel-05-2003/
  6. Kamillenblüten. Arzneipflanzenlexikon der Kooperation Phytopharmaka. Abgerufen am 12. Februar 2026, von https://arzneipflanzenlexikon.info/kamille.php
  7. Chamazulen. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Abgerufen am 12. Februar 2026, von https://de.wikipedia.org/wiki/Chamazulen
  8. Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Arbeitsgruppe Kosmetische Mittel: Kamille – Inhaltsstoffe und Stabilitätsbetrachtung. Online verfügbar unter: https://www.gdch.de/fileadmin/downloads/Netzwerk_und_Strukturen/Fachgrup...
  9. De Cicco, P., Ercolano, G., et al. (2023). Chamomile essential oils exert anti-inflammatory effects involving human and murine macrophages. Journal of Ethnopharmacology, 311, 116391. doi:10.1016/j.jep.2023.116391
  10. Anti-inflammatory effect of chamomile from randomized clinical trials: a systematic review and meta-analyses. (2025). Pharmaceutical Biology, Taylor & Francis. doi:10.1080/13880209.2025.2530995
  11. Dai, Y. L., Li, Y., et al. (2023). Essential Oil of Matricaria chamomilla Alleviate Psoriatic-Like Skin Inflammation by Inhibiting PI3K/Akt/mTOR and p38MAPK Signaling Pathway. Journal of Inflammation Research, 16, 6349–6365. doi:10.2147/JIR.S430576
  12. Lee, S. H., et al. (2010). Effect of German chamomile oil application on alleviating atopic dermatitis-like immune alterations in mice. Journal of Veterinary Science, 11(1), 35–41. doi:10.4142/jvs.2010.11.1.35
  13. Aaqil, S., et al. (2022). Chamomile: A Review of Its Traditional Uses, Chemical Constituents, Pharmacological Activities and Quality Control Studies. Molecules, 28(1), 133. doi:10.3390/molecules28010133
  14. International Federation of Professional Aromatherapists (IFPA): Guidelines on the use of aromatherapy during pregnancy. Zusammengefasst in: Aetherio – Ätherische Öle in der Schwangerschaft. https://www.aetherio.de/aetherische-oele-waehrend-der-schwangerschaft/
  15. Kooperation Phytopharmaka: Monographie Kamillenblüten – Matricariae flos. Arzneipflanzenlexikon. https://arzneipflanzenlexikon.info/kamille.php