Neroliöl

Der Duft von Neroliöl erzeugt in kürzester Zeit eine mediterrane Stimmung in jedem Raum. Seine Bekanntheit verdankt es der sizilianischen Herzogin Flavia Orsini. Diese liebte den Duft der Pomeranzen über alles und so findet das Öl seit dem 17. Jahrhundert Verwendung in der Herstellung hochwertiger Parfums. Neroliöl wirkt entspannend auf Körper und Geist. Sein intensiver Duft belebt die Stimmung und wirkt zugleich entkrampfend. Daher wird es auch gerne in der Aromatherapie verwendet.
Neroliöl

Gewinnung von Neroliöl

Neroliöl wird aus den weißen Blüten der Bitterorange (citrus aurantium) – auch Pomeranze genannt – gewonnen. Zum Teil wird auch die Orange (citrus sinensis) zur Herstellung genutzt. Neroliöl zählt zu den wertvollsten Ölen der Welt, da für die Herstellung eines Kilogramms dieses Öls eine Tonne Blüten benötigt werden. Die Gewinnung des Öls ist sehr aufwendig, denn die Blüten der Bitterorangen werden von Hand in einem kurzen Zeitraum gepflückt. Dabei werden nur jene Blüten geerntet, welche sich soeben geöffnet haben.

Die Früchte für die Herstellung werden heute vorrangig in Ländern des Maghreb (Marokko, Algerien, Tunesien) sowie in Spanien und dem karibischen Raum angebaut. Die Blüten können auf dreierlei Weise verarbeitet werden: Üblich ist eine Wasserdampfdestillation zur Gewinnung des ätherischen Öls.

Dieses wird bevorzugt in der Aromatherapie eingesetzt, da es aufgrund dieser Herstellungsmethode frei von Zusatzstoffen und in höchster Qualität erzeugt wird. Zudem kann ein Extrakt aus den Blüten hergestellt werden. Als Lösungsmittel fungieren hierbei Hexan oder Alkohol. Das so gewonnene Öl weist einen intensiveren Duft auf, da zusätzlich Wachse und Farbstoffe extrahiert werden.
Als Nebenprodukt der Destillation entsteht zudem ein Blütenwasser, welches gerne als Gesichtsspray im Handel angeboten wird.

Neben dem Öl aus den zarten Blüten werden auch die Blätter und Zweige (Petit Grain) sowie die Frucht (Orangenöl) verarbeitet. Ergänzend zu dem reinen ätherischen Öl und dem Orangenblütenwasser, werden auch Präparate angeboten, welche aus allen drei Ölen kombiniert worden sind.

Neroliöl Inhaltsstoffe

Da es sich bei Neroliöl um ein Naturprodukt handelt, schwankt die prozentuale Zusammensetzung je nach Qualität des Ausgangsproduktes. Zumeist setzt sich das Öl aus rund 35 Prozent Terpenen, 30 bis 35 Prozent Terpenolen – vor allem Linalool, Terpinol und weitere Nerole – sowie rund zehn Prozent Ester zusammen. Den übrigen Anteil teilen sich Aldehyde und Ketone.

Wirkung von Neroliöl

Vermehrt widmet sich auch die Medizin den Anwendungsbereichen ätherischer Öle. So wurde festgestellt, dass Neroliöl stark antibakteriell wirkt. Daraus ergeben sich zahlreiche Einsatzgebiete, vor allem bakteriell oder viral verursachte Darm- und Atemwegserkrankungen. Ebenso wirksam ist der Einsatz gegen Parasiten. Studien ergaben zudem, dass Neroliöl erfolgreich bei der Behandlung von Krampfadern und Hämorrhoiden eingesetzt werden kann. Weiterhin wirkt es karminativ (entblähend) und spasmolytisch (krampflösend), beispielsweise bei Koliken oder Menstruationsbeschwerden.

Anwendungsgebiete von Neroliöl

Arzneiliche Verwendung

Aufgrund seiner antibakteriellen, entkrampfenden und entblähenden Wirkung nutzt die Medizin Neroliöl in Form von Ölbädern, Einreibungen oder Brustwickeln bei bestehenden Atemwegsinfekten sowie Erkrankungen des Darmtraktes. Bei der Behandlung von Krampfadern oder Hämorrhoiden werden ebenfalls Ölbäder oder der direkte Auftrag auf die betroffenen Stellen empfohlen. Bei Schlafstörungen, Unruhe sowie Kopfschmerzen, bis hin zur Migränebehandlung wird das Auflegen von Kompressen empfohlen, welche zuvor mit Neroliöl betropft wurden. Ebenso ist die innerliche Anwendung möglich: Hierfür werden ein bis zweimal täglich zwei bis drei Tropfen des Öls, vermischt mit Honig, in einem Glas lauwarmen Wassers aufgelöst getrunken.

Beschwerden im Magen-Darm-Bereich können auch durch Stress, Schlafmangel und Unruhezustände bedingt sein. Hier kann Neroliöl auf beiden Ebenen – seelisch wie körperlich – unterstützen. Ebenso wird das Einatmen des Duftes von Neroliöl bei Herzrasen, Panik- und Beklemmungszuständen empfohlen. Bei bestehender Prüfungsangst können ein paar Tropfen des Öls auf einem Taschentuch rasche Hilfe ermöglichen. Neroliöl stärkt zudem die Blutgefäße und verbessert die Durchblutung. Daher wird es auch gerne zur Behandlung von Krampfadern eingesetzt.

Neroliöl für die Anregung der Zirbeldrüsenfunktion

Die Zirbeldrüse ist eine wenige Millimeter große Drüse im Gehirn. Ihre Aktivität beeinflusst nachhaltig unsere Gesundheit und unser spirituelles Bewusstsein. Eine wenig aktive Zirbeldrüse fördert den Alterungsprozess, der Melatoninspiegel sinkt und unser Biorhythmus gerät ins Wanken. Auch wird die Empfänglichkeit für Krankheiten erhöht. Neroliöl hilft nachweislich die Funktion der Zirbeldrüse anzuregen. Das Einatmen des Duftes mit Hilfe von Duftlampen oder Einreibungen genügt, um diesen Aktivierungsprozess anzuregen.

Neroliöl für Haut und Haare

Die bevorzugte Verwendung von Neroliöl auf der Haut erfolgt durch Massageöle. Hierbei ist oft ein weiteres Öl – zum Beispiel Jojobaöl - beigemischt, welches die Haut zusätzlich pflegen soll. Beliebt sind auch Gesichtssprays aus dem Blütenwasser der Pomeranze. Ebenso bietet der Handel Gesichts- und Handcremes an, in denen Neroliöl eine der Komponenten darstellt. Empfohlen wird es bei trockener, sensibler Haut sowie bei der Behandlung von Narbengewebe (Schwangerschaftsstreifen) und allen Formen entzündlicher Hautveränderungen (Akne, Couperose). Bei Irritationen der Gesichtshaut bieten sich Masken mit beigemischtem Neroliöl zur Behandlung an. Diese lassen sich leicht selbst herstellen. Auf der Haut angewendet entspannt es diese und soll zudem straffend sowie regenerierend wirken, da es das Wachstum neuer Hautzellen anregt. Zugleich hebt der ausströmende Duft die Stimmung und wirkt ausgleichend.

Von den pflegenden Eigenschaften des Neroliöls profitiert auch die Kopfhaut. So beugt es Irritationen vor, beruhigt die Kopfhaut und mindert Schuppenbildung sowie Haarausfall. Die Haare selbst werden durch eine Anwendung mit Neroliöl weich und elastisch. Auch in Deodorants kann Neroliöl beigemischt werden, um neben dem lieblichen Duft auch dessen antibakterielle Wirkung zu nutzen.

Neroliöl in der Aromatherapie

Neroliöl ist ein bevorzugt verwendetes ätherisches Öl in der Aromatherapie. Vor allem bei depressiven Verstimmungen hilft dessen angstlösende und stimmungsaufhellende Wirkung. Hierfür werden Duftlampen, Massage- oder Bade-Öle sowie Essenzen zur Inhalation genutzt. Weiterhin wird dem Duft der Pomeranze eine stärkende und entspannende Wirkung zugesprochen.

So nutzt die Aromatherapie Neroliöl bei nervösen Verspannungen, Unruhezuständen, Schlafstörungen sowie geistiger Erschöpfung bis hin zu seelischen Schockzuständen.

Neroliöl in der Kosmetik

Die Kosmetikindustrie ist ein Hauptabnehmer von Neroliöl. Der Duft der Bitterorangenblüten wird zumeist als Herznote bei der Herstellung von Parfum verwendet. Das bekannte Kölnischwasser basiert auf Neroli. Beliebte Kombinationen ergeben sich mit Lavendel, Bergamotte, Yasmin, Melisse, Rose, Sandelholz oder Ylang-Ylang. Weiterhin wird es beigemischt in Cremes, Gesichtsspray und Massageölen. Der Duft von Neroli wird als zart-blumig, lieblich, frisch und süß beschrieben.

Seele und Spiritualität

Ätherische Öle sind fester Bestandteil spiritueller Behandlungen. Dem Neroliöl wird eine Wirkung auf das Herzchakra sowie das Nabelchakra zugesprochen. Seine entspannende und angstlösende Wirkung soll sich positiv auf ein bestehendes seelisches und energetisches Ungleichgewicht auswirken. Neroliöl stimuliert die Serotoninproduktion im Gehirn und kann so Ängste sowie Emotionen wie Wut und Trauer mindern bzw. den Verarbeitungsprozess erleichtern.

Nebenwirkungen bei der Anwendung

Die Verwendung von ätherischen Ölen sollte stets achtsam erfolgen. Vor allem Allergikern sei die genaue Prüfung der Qualität des Öls angeraten. Bei unsachgemäßer Verwendung kann es zu Reizungen von Haut und Schleimhaut kommen. Besonders bei einer oralen Einnahme ist ein achtsamer Umgang nötig. Bestandteile ätherischer Öle wie Limonene, Linalool, Geraniol oder Farnesol haben nachweislich eine allergene Wirkung. Besondere Vorsicht gilt zudem bei der Anwendung in der Schwangerschaft sowie bei Babys und Kleinkindern. Ob das Öl vom Körper vertragen wird lässt sich mit Hilfe des Armbeugentests schnell ermitteln: Hierbei wird das zu verwendende Produkt auf die Armbeuge aufgetragen und einmassiert. Sollten nach drei Stunden keine Irritationen auftreten, kann es bedenkenlos angewendet werden.

Neroliöl kaufen - Worauf sollte geachtet werden?

Reine ätherische Öle sind sehr hochpreisig und so besteht immer die Gefahr, dass Produkte im Verkauf mit minderwertigen Ölen gestreckt werden. Beim Kauf sollte darauf geachtet werden, dass die Grundlage des Öls die gewünschte Ursprungspflanze bildet. Im Handel üblich ist die Bezeichnung „g & a“. Dies steht für „genuine and authentic“ – „echt und rein“.

Die weiterhin gebräuchliche Bezeichnung: „nach DAB“ (Deutsches Arzneimittelbuch) ist für die Überprüfung der Reinheit des Produktes nicht ausreichend, da sie lediglich die Beimischung von synthetischen oder naturidentischen Ölen ausschließt und die Mindestkonzentration der Hauptkomponenten bestätigt. Dabei ist nicht nachprüfbar, ob womöglich eine spätere Beimischung von unerwünschten Zusatzstoffen erfolgt ist.

Im Handel werden zahlreiche Bezeichnungen bei ätherischen Ölen verwendet. Die Formulierung „echtes ätherisches Öl“ lässt keine Aussage über dessen Reinheit zu. Bei einer vielversprechenden Auslobung von „100 Prozent ätherisches Öl“ sollte dies auch enthalten sein. Überprüft werden kann auch der Beipackzettel mit der Chargennummer sowie der korrekten Pflanzenbezeichnung (lateinisch, deutsch). Weiterhin können Käufer überprüfen aus welchen Bestandteilen der Pflanze das Öl gewonnen wurde. Wichtig ist auch das Anbaugebiet. Vor allem Allergiker sollten überprüfen, ob es sich um eine Wildsammlung, einen konventionellen oder kontrolliert-biologischen Anbau handelt. Dies gilt ganz besonders bei Ölen, welche für die Aromatherapie vorgesehen sind. In diesem Bereich ist Bioqualität anderen Produkten vorzuziehen. Einen letzten Hinweis zur Qualität liefert die Art des womöglich beigemischten Trägeröls. Auch dieses sollte von hochwertiger Qualität sein.