Neroliöl

Zuletzt aktualisiert: 12.02.26

Neroliöl ist eines der wertvollsten ätherischen Öle der Welt – gewonnen aus den zarten, weißen Blüten der Bitterorange (Citrus aurantium). Seinen Namen verdankt es der Legende nach der italienischen Prinzessin Anna Maria Orsini, Herzogin von Bracciano und Fürstin von Nerola, die den Duft der Pomeranzenblüten im 17. Jahrhundert als Parfum populär machte. Seitdem ist das ätherische Neroliöl fester Bestandteil der Parfumherstellung und Aromatherapie. Der intensive, zart-blumige Duft von Citrus aurantium wirkt nachweislich entspannend auf Körper und Geist: Er belebt die Stimmung, senkt den Cortisolspiegel und wirkt zugleich entkrampfend.[1] Daher findet Neroliöl heute vielfältige Anwendung – von der Hautpflege über die Linderung von Wechseljahresbeschwerden bis hin zur Behandlung von Angstzuständen.
Neroliöl – ätherisches Öl aus Bitterorangenblüten in einer Flasche neben frischen Orangenblüten

Gewinnung von Neroliöl (Citrus aurantium)

Neroliöl wird aus den frischen, weißen Blüten der Bitterorange (Citrus aurantium) – auch Pomeranze genannt – durch Wasserdampfdestillation gewonnen. Vereinzelt kommt auch die Süße Orange (Citrus sinensis) zum Einsatz. Beide Pflanzen gehören zur Familie der Rautengewächse (Rutaceae). Was Neroliöl so kostbar macht: Für die Herstellung von nur einem Kilogramm reinen ätherischen Öls werden etwa 850 bis 1.000 Kilogramm handgepflückte Blüten benötigt – das entspricht der Ernte von rund 140 bis 170 Bitterorangenbäumen.

Die Gewinnung ist entsprechend aufwendig. Die Blüten des Bitterorangenbaumes werden ausschließlich per Hand in einem kurzen Zeitfenster im Frühjahr (April bis Mai) geerntet, und zwar nur jene Blüten, die sich gerade erst geöffnet haben. Nach der Ernte werden sie umgehend der Wasserdampfdestillation zugeführt, um den maximalen Gehalt an flüchtigen Wirkstoffen zu bewahren. Der Bitterorangenbaum liefert dabei nicht nur das Blütenöl (Neroli), sondern auch ein Fruchtschalenöl (Orangenöl) und das sogenannte Petit Grain aus den Blättern und Zweigen – ein beliebter Parfumrohstoff.

Die wichtigsten Anbaugebiete für Bitterorangenblüten liegen heute in Nordafrika – insbesondere in Tunesien, Marokko und Ägypten – wo über 90 Prozent der weltweiten Produktion stattfinden.[2] Weitere Anbaugebiete befinden sich in Spanien, Südfrankreich und dem karibischen Raum. Die Verarbeitung der Blüten erfolgt auf drei Wegen:

Wasserdampfdestillation: Dies ist die bevorzugte Methode zur Gewinnung von reinem ätherischem Neroliöl. Das Ergebnis ist frei von Lösungsmittelrückständen und wird daher bevorzugt in der Aromatherapie eingesetzt.

Lösungsmittelextraktion: Hierbei werden Hexan oder Ethanol als Lösungsmittel verwendet. Das so gewonnene sogenannte Absolue weist einen noch intensiveren Duft auf, da zusätzlich Wachse und Farbstoffe extrahiert werden. Es findet hauptsächlich in der Parfumindustrie Verwendung.

Orangenblütenwasser (Hydrolat): Als wertvolles Nebenprodukt der Destillation entsteht das Orangenblütenwasser (Neroliwasser), das im Handel als sanftes Gesichtsspray oder Toner angeboten wird.

Ergänzend zu dem reinen ätherischen Öl und dem Hydrolat werden auch Kombinationspräparate angeboten, die Neroli-, Petit-Grain- und Orangenschalenöl vereinen.

Neroliöl Inhaltsstoffe

Die chemische Zusammensetzung von Neroliöl variiert je nach Herkunft, Erntezeitpunkt und Destillationsverfahren. Analysen mittels Gaschromatographie und Massenspektrometrie (GC-MS) haben über 30 verschiedene Verbindungen im ätherischen Öl identifiziert.[1] Die wichtigsten Inhaltsstoffe und ihre jeweiligen Anteile sind:

Linalool (ca. 28,5 %) – ein Monoterpenalkohol mit beruhigenden und entzündungshemmenden Eigenschaften. Linalool gilt als einer der Hauptwirkstoffe für die angstlösende Wirkung von Neroliöl.

Linalylacetat (ca. 19,6 %) – ein Ester mit entspannenden und krampflösenden Eigenschaften, der auch in Lavendelöl zu den Hauptkomponenten zählt.

Nerolidol (ca. 9,1 %) – ein Sesquiterpen mit antimikrobiellen und hautpflegenden Eigenschaften, das maßgeblich zum charakteristischen Duft von Neroli beiträgt.

(E,E)-Farnesol (ca. 9,1 %) – wirkt antimikrobiell und wird häufig in Deodorants eingesetzt.

α-Terpineol (ca. 4,9 %) – besitzt antimikrobielle und antioxidative Eigenschaften.

Limonen (ca. 4,6 %) – ein Monoterpen mit antioxidativer und stimmungsaufhellender Wirkung, das typisch für Zitrusöle ist.[3]

Je nach Herkunft des Öls können die Anteile der einzelnen Komponenten deutlich variieren. So zeigen tunesische Neroliöle etwa einen höheren Limonenanteil (bis zu 27,5 %), während iranische Proben besonders reich an Linalool sind.[1][3]

Wirkung von Neroliöl

Die Wirkung von Neroliöl ist durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt. Grundsätzlich entfaltet das ätherische Öl der Bitterorangenblüte folgende pharmakologische Wirkungen:

Antibakteriell und antifungiell: Neroliöl zeigt in Laborstudien eine ausgeprägte antimikrobielle Aktivität gegen verschiedene Bakterien, Hefen und Pilze – einschließlich des in Krankenhäusern problematischen antibiotikaresistenten Keims Pseudomonas aeruginosa.[1]

Entzündungshemmend und schmerzlindernd: In Tiermodellen konnte nachgewiesen werden, dass Neroliöl sowohl akute als auch chronische Entzündungen reduziert und die zentrale sowie periphere Schmerzempfindlichkeit verringert. Die Wirkung wird auf die Hemmung des Stickstoffmonoxid/cGMP-Signalwegs zurückgeführt.[4]

Angstlösend (anxiolytisch) und stimmungsaufhellend: Die Inhalation von Neroliöl senkt nachweislich den Cortisolspiegel im Blut, fördert die Serotoninausschüttung und senkt den Blutdruck – wesentliche Faktoren für die Reduktion von Stress und Angst.[5]

Krampflösend (spasmolytisch): Neroliöl wirkt entkrampfend, was es nützlich bei Koliken, Magen-Darm-Beschwerden oder Menstruationsbeschwerden macht.

Karminativ (entblähend): Das Öl unterstützt die Verdauung und kann Blähungen reduzieren.

Antikonvulsiv: Tierversuche deuten darauf hin, dass Neroliöl über das GABAerge System krampflösend wirkt und zur Linderung von Anfällen beitragen kann.[9]

Die gesundheitlichen Vorteile von Neroliöl ergeben sich dabei aus dem synergistischen Zusammenspiel seiner zahlreichen bioaktiven Inhaltsstoffe – insbesondere Linalool, Linalylacetat und Nerolidol.

Anwendungsgebiete von Neroliöl

Neroliöl für Haut und Haare

Die Anwendung von Neroliöl auf der Haut gehört zu den beliebtesten Einsatzgebieten dieses ätherischen Öls. Für die Hautpflege wird Neroliöl stets mit einem Trägeröl verdünnt – besonders gut eignen sich Jojobaöl, Arganöl oder Mandelöl als Basis.

Neroliöl besitzt antimykotische, antimikrobielle und antioxidative Eigenschaften, die bei Hautreizungen und Akne unterstützend wirken können.[1] Es regt zudem die Zellregeneration an und kann deshalb bei der Behandlung von Narben, Dehnungsstreifen (Schwangerschaftsstreifen), feinen Falten und Couperose hilfreich sein. Die hautberuhigende Wirkung macht es besonders geeignet für empfindliche, trockene oder zu Rötungen neigende Haut. Auch bei stressbedingten Hautproblemen kann Neroliöl die Haut beruhigen und den Heilungsprozess fördern.[10]

Für die Gesichtspflege bieten sich selbst hergestellte Masken mit einigen Tropfen Neroliöl an. Als Gesichtsspray kann das Orangenblütenwasser (Hydrolat) aus der Nerolidestillation verwendet werden – es spendet sanfte Feuchtigkeit und beruhigt irritierte Haut.

Auch die Kopfhaut und Haare profitieren von Neroliöl: Wenige Tropfen, dem Shampoo oder einer Haarspülung beigemischt, beruhigen gereizte Kopfhaut, können Schuppenbildung mindern und das Haar weich sowie elastisch machen. In selbstgemachten Deodorants kann Neroliöl neben seinem lieblichen Duft zusätzlich seine antibakterielle Wirkung entfalten.

Neroliöl in der Aromatherapie

Neroliöl ist eines der geschätztesten ätherischen Öle in der Aromatherapie und Aromapflege. Seine Anwendung bei depressiven Verstimmungen, Nervosität, Anspannung und Schlafstörungen ist wissenschaftlich untersucht.[5] Der zart-blumige Duft wirkt angstlösend und stimmungsaufhellend, weshalb Neroliöl häufig in Duftlampen, als Massage- oder Badeölzusatz sowie zur Inhalation genutzt wird.

Das Öl wird gezielt bei Unruhezuständen, geistiger Erschöpfung, seelischen Schockzuständen und emotionaler Belastung eingesetzt. Seine Wirkung auf die Serotoninproduktion im Gehirn kann Ängste sowie belastende Emotionen wie Wut und Trauer abschwächen und den psychischen Verarbeitungsprozess unterstützen.

In der traditionellen Naturheilkunde wird Neroliöl zudem mit der Aktivierung der Zirbeldrüse (Epiphyse) in Verbindung gebracht. Diese kleine Drüse im Gehirn reguliert unter anderem die Melatoninproduktion und beeinflusst den Schlaf-Wach-Rhythmus. Hinweis: Wissenschaftlich belastbare Studien zur direkten Wirkung von Neroliöl auf die Zirbeldrüse liegen derzeit nicht vor – diese Anwendung basiert auf überliefertem Erfahrungswissen aus der Aromatherapie.

Neroliöl in der Kosmetik

Die Kosmetikindustrie zählt zu den größten Abnehmern von Neroliöl weltweit. Der Duft der Bitterorangenblüten wird in der Parfumherstellung überwiegend als Herznote eingesetzt. Das berühmte Eau de Cologne (Kölnisch Wasser) basiert auf Neroli als einer seiner Kernkomponenten.

Besonders harmonische Duftkombinationen ergeben sich mit Lavendel, Zimt, Bergamotte, Jasmin, Melisse, Rose, Sandelholz oder Ylang-Ylang. Der Duft von Neroli wird allgemein als zart-blumig, lieblich, frisch und süß mit einer leichten Zitrusnote beschrieben.

In der dekorativen Kosmetik findet sich Neroliöl als Zutat in hochwertigen Gesichtscremes, Seren, Bodylotions und Massageölen. Auch im Intimbereich kann verdünntes Neroliöl oder das mildere Orangenblütenwasser zur sanften Pflege empfindlicher Haut beitragen – hier ist jedoch eine besonders niedrige Dosierung und vorheriger Hautverträglichkeitstest empfehlenswert.

Neroliöl bei Wechseljahren

Die Anwendung von Neroliöl in den Wechseljahren (Menopause) ist durch eine randomisierte kontrollierte Studie aus dem Jahr 2014 untersucht worden. 63 gesunde postmenopausale Frauen inhalierten zweimal täglich für fünf Minuten entweder 0,1-prozentiges oder 0,5-prozentiges Neroliöl (verdünnt in Mandelöl) oder reines Mandelöl als Placebo.

Die Ergebnisse waren deutlich: Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigten beide Neroliöl-Gruppen signifikante Verbesserungen im Bereich der körperlichen Wechseljahresbeschwerden (gemessen mit dem MENQOL-Fragebogen) sowie eine gesteigerte Libido. Die Gruppe mit der höheren Neroliöl-Konzentration wies zudem einen signifikant niedrigeren systolischen Blutdruck auf. Beide Neroliöl-Gruppen zeigten darüber hinaus Tendenzen zu verbessertem diastolischem Blutdruck, Pulsfrequenz und Cortisolspiegel.[5]

Die Forscher schlussfolgerten, dass die Inhalation von Neroliöl Wechseljahresbeschwerden lindern, die sexuelle Lust steigern und den Blutdruck senken kann. Neroliöl könne als wirksame Intervention zur Stressreduktion und Unterstützung des Hormonsystems in den Wechseljahren dienen.[5]

Neroliöl bei Wehen

Die Inhalation von Neroliöl kann Frauen in der ersten Wehenphase unterstützen. In einer klinischen Studie erhielten gebärende Frauen mit Neroliöl getränkte Mullbinden, die alle 30 Minuten erneuert und am Kragen befestigt wurden. Durch das regelmäßige Einatmen des ätherischen Öls wurden sowohl das Schmerzempfinden als auch Angstgefühle während der Wehen nachweislich reduziert.[6]

Hinweis: Die Anwendung von ätherischen Ölen in der Schwangerschaft und während der Geburt sollte stets in Absprache mit der betreuenden Hebamme oder dem ärztlichen Personal erfolgen.

Neroliöl bei PMS und Depressionen

Beim prämenstruellen Syndrom (PMS) wurden in Untersuchungen positive Effekte der Neroliöl-Inhalation beobachtet. Studienteilnehmerinnen berichteten von einer Verbesserung bei Entzündungssymptomen, Wassereinlagerungen, Schmerzen und Verdauungsbeschwerden nach regelmäßiger Inhalation des ätherischen Öls.[7]

Die angstlösende und stimmungsaufhellende Wirkung von Neroliöl lässt sich auf seine Fähigkeit zurückführen, die Serotoninfreisetzung im Gehirn zu stimulieren und den Cortisolspiegel zu senken. Damit kann es als ergänzende Maßnahme bei depressiven Verstimmungen und PMS-bedingten Stimmungsschwankungen eingesetzt werden.

Neroliöl gegen Entzündungen und Schmerzen

Neroliöl besitzt wissenschaftlich nachgewiesene entzündungshemmende Eigenschaften und kann sowohl innerlich als auch äußerlich bei Entzündungen und Schmerzen angewendet werden. Äußerlich aufgetragen (verdünnt in einem Trägeröl) kann es helfen, Hautreizungen und entzündliche Prozesse zu lindern.[8]

In einer Studie an Ratten konnte nachgewiesen werden, dass Neroliöl sowohl akute als auch chronische Entzündungen im Körper signifikant reduziert. Die Versuchstiere zeigten zudem eine deutlich verzögerte Schmerzreaktion. Die Forscher identifizierten den Stickstoffmonoxid/cGMP-Signalweg als beteiligten Wirkmechanismus.[4]

Die biologisch aktiven Bestandteile – insbesondere Linalool, Linalylacetat und α-Terpineol – verleihen dem Neroliöl die Fähigkeit, sowohl zentrale als auch periphere Schmerzempfindlichkeit zu verringern. Daher hat sich das ätherische Öl der Bitterorangenblüte in der naturheilkundlichen Praxis als unterstützende Option bei der Behandlung von Entzündungen und Schmerzen etabliert.[4]

Neroliöl gegen Angstzustände und Stress

Die anxiolytische (angstlösende) Wirkung von Neroliöl gehört zu den am besten erforschten Anwendungsgebieten. Wird das ätherische Öl inhaliert, kann es helfen, Angstzustände, Stress und angstbedingte depressive Verstimmungen abzubauen. Es unterstützt das Gehirn dabei, den Spiegel des Stresshormons Cortisol zu senken, Serotonin freizusetzen und den Blutdruck zu regulieren.[11]

In einer klinischen Studie wurden 83 prähypertensive und hypertensive Probanden gebeten, über 24 Stunden in regelmäßigen Abständen eine ätherische Ölmischung aus Neroli, Lavendel, Majoran und Ylang-Ylang (Verhältnis 2:10:15:20) zu inhalieren. Die Kontrollgruppe erhielt keine Behandlung, die Placebogruppe inhalierte einen synthetischen Duftstoff.

Das Ergebnis: Die Gruppe mit der ätherischen Ölmischung zeigte nach der Behandlung einen signifikant niedrigeren systolischen und diastolischen Blutdruck als die Kontroll- und Placebogruppe. Zusätzlich sanken die Cortisol-Werte im Speichel signifikant. Die Forscher schlossen daraus, dass die Inhalation einer Neroliöl-haltigen Mischung eine sofortige und anhaltende Wirkung auf Stressabbau und Blutdrucksenkung haben kann.[12]

Antifungielle und antibakterielle Wirkung von Neroliöl

In einer umfassenden In-vitro-Studie wurde die antimikrobielle Aktivität von Neroliöl gegen insgesamt zwölf verschiedene Mikroorganismen getestet: sechs Bakterienarten (drei grampositive und drei gramnegative), zwei Hefearten und drei Pilzstämme. Neroliöl zeigte dabei eine bemerkenswert starke antibakterielle Wirkung, insbesondere gegen Pseudomonas aeruginosa – ein in Krankenhäusern weit verbreitetes, häufig antibiotikaresistentes Bakterium.

Auch die antifungielle (pilzhemmende) Wirkung erwies sich als ausgeprägt: Im Vergleich zum Standardantibiotikum Nystatin zeigte Neroliöl sogar größere Hemmzonen bei mehreren Pilzstämmen. Darüber hinaus wurde eine antioxidative Aktivität nachgewiesen.[1]

Diese Ergebnisse machen Neroliöl zu einem vielversprechenden natürlichen Wirkstoff mit breitem antimikrobiellem Spektrum – auch wenn die Ergebnisse bisher aus Laborstudien stammen und weitere klinische Untersuchungen am Menschen erforderlich sind.

Neroliöl bei Krampfanfällen

In der traditionellen Medizin des Nahen Ostens werden Bitterorangenblüten seit Jahrhunderten als natürliches Antikonvulsivum eingesetzt. Eine Tierstudie aus dem Jahr 2014 konnte diese ethnobotanische Anwendung erstmals wissenschaftlich untermauern: Neroliöl zeigte in verschiedenen Krampfmodellen an Mäusen eine signifikante antikonvulsive Wirkung.

Die Forscher wiesen nach, dass Neroliöl in Dosierungen von 20 und 40 mg/kg sowohl bei chemisch als auch elektrisch ausgelösten Krämpfen schützend wirkte. Die mechanistischen Untersuchungen deuten darauf hin, dass die krampflösende Wirkung über das GABAerge System vermittelt wird – also denselben Mechanismus, über den auch Benzodiazepine wirken. Als verantwortliche Hauptkomponenten wurden Linalool, Linalylacetat, Nerolidol, (E,E)-Farnesol, α-Terpineol und Limonen identifiziert.[9]

Hinweis: Diese Ergebnisse stammen aus einer Tierstudie. Die Dosierungen und Verabreichungsformen (Injektion) unterscheiden sich grundlegend von der aromatherapeutischen Anwendung beim Menschen. Bei Epilepsie oder Krampfleiden sollte stets ärztlicher Rat eingeholt werden.

Dosierung und Einnahme von Neroliöl

Die richtige Dosierung von Neroliöl hängt vom jeweiligen Anwendungszweck ab. Da das ätherische Öl hochkonzentriert ist, sollte es grundsätzlich nie unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden. Folgende Dosierungsempfehlungen haben sich in der aromatherapeutischen Praxis bewährt:

Duftlampe oder Diffuser: 3 bis 5 Tropfen Neroliöl reichen für einen normal großen Raum aus. Da Neroliöl sehr intensiv duftet, ist weniger hier mehr.

Massageöl: 2 bis 4 Tropfen Neroliöl auf 20 ml eines hochwertigen Trägeröls wie Jojoba-, Mandel- oder Kokosöl geben. Dies entspricht einer Verdünnung von etwa 0,5 bis 1 Prozent, was für die Hautanwendung empfohlen wird.

Badezusatz: 3 bis 5 Tropfen Neroliöl in einem Emulgator (z. B. Sahne, Honig oder Meersalz) lösen und dem Badewasser zugeben. Das ätherische Öl sollte nie direkt ins Badewasser gegeben werden, da es sich sonst nicht gleichmäßig verteilt.

Inhalation: 1 bis 2 Tropfen auf ein Taschentuch oder eine Duftplatte geben und für 5 Minuten in einem Abstand von ca. 30 cm normal einatmen – zweimal täglich, wie in der klinischen Studie zu Wechseljahresbeschwerden beschrieben.[5]

Gesichtspflege: 1 bis 2 Tropfen in 30 ml Gesichtsöl oder unparfümierte Gesichtscreme einarbeiten.

Haarpflege: 2 bis 3 Tropfen dem Shampoo oder einer Haarspülung beimischen.

Die orale Einnahme von ätherischen Ölen ist umstritten und sollte – wenn überhaupt – nur unter fachkundiger Anleitung (z. B. durch einen ausgebildeten Aromatherapeuten oder Heilpraktiker) erfolgen.

Neroliöl Nebenwirkungen

Neroliöl gilt bei sachgemäßer Anwendung als eines der besser verträglichen ätherischen Öle. Dennoch sind einige Vorsichtsmaßnahmen zu beachten:

Hautreizungen: Bei unsachgemäßer Verdünnung oder Anwendung auf empfindlicher Haut kann es zu Reizungen kommen. Das Öl sollte immer mit einem Trägeröl verdünnt werden.

Allergisches Potenzial: Bestandteile wie Limonen, Linalool, Geraniol und Farnesol sind als potenzielle Allergene bekannt und in der EU deklarationspflichtig. Allergiker sollten die Qualität und Zusammensetzung des Öls sorgfältig prüfen.

Armbeugentest: Ob das Öl vertragen wird, lässt sich mit dem sogenannten Armbeugentest (Patch-Test) ermitteln: Dafür wird eine kleine Menge des verdünnten Öls auf die Armbeuge aufgetragen. Treten innerhalb von 24 Stunden keine Rötungen, Juckreiz oder andere Irritationen auf, kann es in der Regel bedenkenlos angewendet werden.

Schwangerschaft und Kinder: Besondere Vorsicht ist bei der Anwendung in der Schwangerschaft sowie bei Babys und Kleinkindern geboten. Hier sollte die Anwendung grundsätzlich mit dem behandelnden Arzt oder der Hebamme abgesprochen werden.

Orale Einnahme: Eine innerliche Anwendung sollte nur unter fachkundiger Begleitung erfolgen, da ätherische Öle bei unsachgemäßer Einnahme die Schleimhäute reizen können.

Phototoxizität: Im Gegensatz zu vielen anderen Zitrusölen (wie Bergamotteöl) gilt destilliertes Neroliöl als nicht phototoxisch, da es per Wasserdampfdestillation und nicht durch Kaltpressung gewonnen wird.

Neroliöl kaufen – Worauf sollte geachtet werden?

Da Neroliöl zu den teuersten ätherischen Ölen der Welt gehört, besteht beim Kauf ein erhöhtes Risiko für Verfälschungen und Streckungen mit minderwertigen Ölen. Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2021 untersuchte online gekaufte Neroliöle und stellte bei einem erheblichen Anteil der Proben Verfälschungen fest.[2] Beim Kauf von Neroliöl sollte daher auf folgende Qualitätsmerkmale geachtet werden:

Botanische Bezeichnung: Das Etikett sollte die korrekte lateinische Pflanzenbezeichnung „Citrus aurantium" sowie den Pflanzenteil „Flos" (Blüte) und die Gewinnungsmethode (Wasserdampfdestillation) angeben.

Kennzeichnung „g & a": Die Bezeichnung „genuine and authentic" (echt und rein) ist im internationalen Handel ein Qualitätsindikator für unverfälschte ätherische Öle.

Chargennummer und Analysezertifikat: Seriöse Anbieter stellen auf Anfrage ein GC-MS-Analysezertifikat (Gaschromatographie-Massenspektrometrie) für jede Charge zur Verfügung. Dieses zeigt die exakte chemische Zusammensetzung des Öls.

Anbaugebiet und Qualität: Bio-zertifiziertes Neroliöl (kbA – kontrolliert biologischer Anbau) oder Öl aus Wildsammlung garantiert den Verzicht auf synthetische Pestizide. Hochwertige Öle stammen häufig aus Tunesien, Marokko oder Ägypten.

Vorsicht bei „nach DAB": Die Bezeichnung „nach DAB" (Deutsches Arzneimittelbuch) schließt lediglich die Beimischung synthetischer oder naturidentischer Öle aus und bestätigt die Mindestkonzentration der Hauptkomponenten – eine spätere Streckung mit günstigeren natürlichen Ölen wird damit jedoch nicht ausgeschlossen.

Preisorientierung: Reines, naturbelassenes Neroliöl kostet in der Regel zwischen 20 und 50 Euro pro Milliliter. Deutlich günstigere Angebote deuten fast immer auf Verdünnungen oder Verfälschungen hin. Viele Anbieter bieten Neroliöl bereits vorverdünnt (z. B. 5 % oder 10 % in Jojobaöl) zu einem erschwinglicheren Preis an – dies stellt eine sinnvolle Alternative für den privaten Gebrauch dar.

Neroliöl ist in Apotheken, Reformhäusern, Bioläden sowie bei spezialisierten Online-Händlern erhältlich. Bekannte Marken wie Primavera, Farfalla oder Neumond bieten bio-zertifiziertes, naturreines Neroliöl an und legen ihre Lieferketten transparent offen.

Häufige Fragen zu Neroliöl

Was ist Neroliöl?

Neroliöl ist ein hochwertiges ätherisches Öl, das aus den weißen Blüten der Bitterorange (Citrus aurantium) durch Wasserdampfdestillation gewonnen wird. Es zählt zu den teuersten ätherischen Ölen der Welt und ist bekannt für seinen zart-blumigen, frischen Duft sowie seine vielfältigen gesundheitlichen Wirkungen – insbesondere in der Aromatherapie, Hautpflege und Stressreduktion.

Wie wirkt Neroliöl auf die Haut?

Neroliöl wirkt antimikrobiell, entzündungshemmend und antioxidativ auf die Haut. Es kann die Zellregeneration anregen, was es nützlich bei Narben, Dehnungsstreifen und Falten macht. Aufgrund seiner beruhigenden Eigenschaften eignet es sich besonders für empfindliche, trockene oder zu Unreinheiten neigende Haut. Das Öl sollte stets verdünnt in einem Trägeröl (z. B. Jojoba- oder Mandelöl) angewendet werden.

Hilft Neroliöl bei Wechseljahresbeschwerden?

Ja, eine klinische Studie mit 63 postmenopausalen Frauen hat gezeigt, dass die regelmäßige Inhalation von Neroliöl (zweimal täglich für 5 Minuten über 5 Tage) die Lebensqualität bezüglich Wechseljahresbeschwerden verbessert, die Libido steigert und den Blutdruck senken kann.[5]

Was hat Neroliöl mit der Zirbeldrüse zu tun?

In der traditionellen Aromatherapie wird Neroliöl mit der Stimulation der Zirbeldrüse (Epiphyse) in Verbindung gebracht. Die Zirbeldrüse reguliert die Melatoninproduktion und beeinflusst den Schlaf-Wach-Rhythmus. Derzeit liegen jedoch keine klinischen Studien vor, die eine direkte Wirkung von Neroliöl auf die Zirbeldrüsenfunktion belegen – diese Anwendung basiert auf überliefertem Erfahrungswissen.

Welche Nebenwirkungen hat Neroliöl?

Neroliöl ist bei sachgemäßer Anwendung gut verträglich. Mögliche Nebenwirkungen umfassen Hautreizungen bei unverdünnter Anwendung sowie allergische Reaktionen auf enthaltene Terpene wie Limonen, Linalool oder Geraniol. Ein Armbeugentest vor der Erstanwendung wird empfohlen. In der Schwangerschaft und bei Kleinkindern ist besondere Vorsicht geboten.

Wo kann man hochwertiges Neroliöl kaufen?

Hochwertiges, naturreines Neroliöl ist in Apotheken, Reformhäusern und bei spezialisierten Online-Händlern erhältlich. Achten Sie beim Kauf auf die korrekte botanische Bezeichnung (Citrus aurantium, Flos), ein GC-MS-Analysezertifikat und Bio-Zertifizierung. Seriöse Marken sind beispielsweise Primavera, Farfalla oder Neumond. Reines Neroliöl kostet zwischen 20 und 50 Euro pro Milliliter – deutlich günstigere Angebote sind häufig gestreckt oder verfälscht.

Wie unterscheidet sich Neroliöl von Orangenöl und Petit Grain?

Alle drei Öle stammen vom selben Baum – der Bitterorange (Citrus aurantium) – werden jedoch aus unterschiedlichen Pflanzenteilen gewonnen: Neroliöl aus den Blüten, Orangenöl aus der Fruchtschale und Petit Grain aus den Blättern und Zweigen. Sie unterscheiden sich deutlich in ihrer chemischen Zusammensetzung, ihrem Duftprofil und ihrem Preis, wobei Neroliöl das wertvollste und teuerste der drei ist.

Quellenverzeichnis

  1. Ammar, A. H., Bouajila, J., Lebrihi, A., Mathieu, F., Romdhane, M., & Zagrouba, F. (2012). Chemical composition and in vitro antimicrobial and antioxidant activities of Citrus aurantium L. flowers essential oil (Neroli oil). Pakistan Journal of Biological Sciences, 15(21), 1034–1040. doi:10.3923/pjbs.2012.1034.1040
  2. Pierson, M., Fernandez, X., & Antoniotti, S. (2021). Type and magnitude of non-compliance and adulteration in neroli, mandarin and bergamot essential oils purchased on-line: potential consumer vulnerability. Scientific Reports, 11, 11096. doi:10.1038/s41598-021-90307-2
  3. Azanchi, T., Shafaroodi, H., & Asgarpanah, J. (2014). Anticonvulsant activity of Citrus aurantium blossom essential oil (neroli): involvement of the GABAergic system. Natural Product Communications, 9(11), 1615–1618. PMID: 25532295 [Anmerkung: Diese Studie liefert auch die Inhaltsstoff-Analyse mit Linalool 28,5 %, Linalylacetat 19,6 % etc.]
  4. Khodabakhsh, P., Shafaroodi, H., & Asgarpanah, J. (2015). Analgesic and anti-inflammatory activities of Citrus aurantium L. blossoms essential oil (neroli): involvement of the nitric oxide/cyclic-guanosine monophosphate pathway. Journal of Natural Medicines, 69(3), 324–331. doi:10.1007/s11418-015-0896-6
  5. Choi, S. Y., Kang, P., Lee, H. S., & Seol, G. H. (2014). Effects of inhalation of essential oil of Citrus aurantium L. var. amara on menopausal symptoms, stress, and estrogen in postmenopausal women: a randomized controlled trial. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2014, 796518. doi:10.1155/2014/796518
  6. Namazi, M., Amir Ali Akbari, S., Mojab, F., Talebi, A., Alavi Majd, H., & Jannesari, S. (2014). Aromatherapy with citrus aurantium oil and anxiety during the first stage of labor. Iranian Red Crescent Medical Journal, 16(6), e18371. doi:10.5812/ircmj.18371
  7. Dosoky, N. S., & Setzer, W. N. (2018). Biological activities and safety of Citrus spp. essential oils. International Journal of Molecular Sciences, 19(7), 1966. doi:10.3390/ijms19071966
  8. Ferrara, L., Naviglio, D., & Armone Caruso, A. (2012). Cytological aspects on the effects of a nasal spray consisting of standardized extract of citrus lemon and essential oils in allergic rhinopathy. ISRN Pharmaceutics, 2012, 404606. doi:10.5402/2012/404606
  9. Azanchi, T., Shafaroodi, H., & Asgarpanah, J. (2014). Anticonvulsant activity of Citrus aurantium blossom essential oil (neroli): involvement of the GABAergic system. Natural Product Communications, 9(11), 1615–1618. PMID: 25532295
  10. Bakkali, F., Averbeck, S., Averbeck, D., & Idaomar, M. (2008). Biological effects of essential oils – A review. Food and Chemical Toxicology, 46(2), 446–475. doi:10.1016/j.fct.2007.09.106
  11. Choi, S. Y., & Park, K. (2019). Effect of inhalation of aromatherapy oil on patients with perennial allergic rhinitis: a randomized controlled trial. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2019, 7383679. doi:10.1155/2019/7383679
  12. Kim, I. H., Kim, C., Seong, K., Hur, M. H., Lim, H. M., & Lee, M. S. (2012). Essential oil inhalation on blood pressure and salivary cortisol levels in prehypertensive and hypertensive subjects. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2012, 984203. doi:10.1155/2012/984203