Ätherische Öle in der Schwangerschaft erfordern besondere Umsicht – denn was dem eigenen Wohlbefinden dient, kann für das ungeborene Kind Risiken bergen. Bestimmte Pflanzeninhaltsstoffe passieren die Plazentaschranke und können den Fötus beeinflussen, andere wirken auf die Gebärmuttermuskulatur oder greifen in den Hormonhaushalt ein.[1] Eine pauschale Empfehlung „alle Öle meiden" ist jedoch ebenso unangebracht wie unkritisches Verwenden: Entscheidend sind Trimester, Ölsorte, Dosierung und Anwendungsmethode.
Die gute Nachricht: Einige milde ätherische Öle gelten bei korrekter Anwendung als sicher und können typische Schwangerschaftsbeschwerden wie Übelkeit, Schlafprobleme oder Rückenschmerzen lindern. Klinische Studien belegen vor allem die Wirksamkeit von Zitronen- und Lavendelöl bei Schwangeren.[2][3] Gleichzeitig gibt es Öle, die während der gesamten Schwangerschaft strikt tabu sind – etwa solche mit uterusstimulierenden oder neurotoxischen Inhaltsstoffen.

Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, welche ätherischen Öle in welchem Trimester erlaubt sind, welche Sie konsequent meiden sollten und wie Sie die Aromatherapie sicher in Ihre Schwangerschaft integrieren. Alle Empfehlungen ersetzen nicht die Rücksprache mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Gynäkologen – sie bieten Ihnen aber eine fundierte Orientierung.
Auf einen Blick
- Erstes Trimester – besondere Vorsicht: In den ersten 12 Wochen sollten Sie auf die meisten ätherischen Öle verzichten. Nur wenige milde Öle (Zitrone, Mandarine) kommen per Inhalation infrage.
- Ab dem 2. Trimester erweitert sich die Auswahl: Lavendel, Kamille, Ylang-Ylang, Bergamotte und Orange gelten bei niedriger Dosierung als sicher.
- Verbotene Öle: Uterusstimulierende Öle wie Salbei, Rosmarin (Kampfer-/Verbenon-Chemotyp), Wacholder, Myrrhe, Zimt, Nelke und Petersilie sind während der gesamten Schwangerschaft tabu.
- Sicherste Methode: Der Diffuser ist die bevorzugte Anwendungsform – kein Hautkontakt, geringste systemische Aufnahme.
- Maximale Verdünnung topisch: Höchstens 1 % in einem Trägeröl, keine orale Einnahme.
- Immer ärztlich absprechen: Sprechen Sie jede Anwendung mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Gynäkologen ab, besonders bei Risikoschwangerschaft.
Warum ätherische Öle in der Schwangerschaft anders wirken
Der Körper einer Schwangeren verarbeitet ätherische Öle anders als außerhalb der Schwangerschaft. Die Durchblutung der Haut steigt um bis zu 40 %, wodurch topisch aufgetragene Substanzen schneller und in größerem Umfang in den Blutkreislauf gelangen.[4] Gleichzeitig verändert sich der Geruchssinn: Viele Schwangere reagieren empfindlicher auf Düfte, besonders im ersten Trimester. Ein Öl, das vor der Schwangerschaft angenehm war, kann plötzlich Übelkeit auslösen.
Biochemisch betrachtet können bestimmte Inhaltsstoffe ätherischer Öle die Plazenta passieren. Monoterpenketone wie Thujon oder Kampfer gelten als potenziell neurotoxisch für den Fötus.[1] Phenylpropanoide wie Anethol (enthalten in Fenchel und Anis) besitzen östrogenähnliche Eigenschaften und können den empfindlichen Hormonhaushalt stören.[5] Trans-Sabinylacetat, ein Inhaltsstoff bestimmter Salbeiöle, zeigte in Tierversuchen eine abortive Wirkung.[1]
Ein weiterer Faktor betrifft die Leber: In der Schwangerschaft verlangsamt sich der Abbau bestimmter Substanzen, weil Leberenzyme wie Cytochrom-P450-Isoenzyme anders reguliert werden. Ätherische Öle, die normalerweise zügig metabolisiert würden, verbleiben unter Umständen länger im Körper – und damit potenziell auch länger im fetalen Kreislauf.
Deshalb lautet die Grundregel: Je früher das Trimester, desto vorsichtiger der Umgang mit ätherischen Ölen. Im ersten Trimester – der Phase der Organogenese, in der sich alle wichtigen Organe des Fötus bilden – ist das Risiko-Nutzen-Verhältnis am ungünstigsten. Ab dem zweiten Trimester sinkt das Risiko für strukturelle Fehlbildungen, und der Fötus ist gegenüber externen Einflüssen widerstandsfähiger.
Erlaubte ätherische Öle nach Trimester
Nicht alle ätherischen Öle sind gleich riskant. Die folgende Übersicht zeigt, welche Öle in welchem Schwangerschaftsabschnitt als vertretbar gelten – vorausgesetzt, Sie halten sich an niedrige Dosierungen und bevorzugen die Inhalation.
1. Trimester (SSW 1–12): Nur wenige milde Öle, nur per Inhalation
Die ersten 12 Wochen sind die sensibelste Phase der Schwangerschaft. Viele Fachleute empfehlen, ätherische Öle in dieser Zeit ganz zu meiden.[4] Falls die Übelkeit jedoch stark belastet, gelten zwei Öle per kurzer Inhalation als vertretbar:
- Zitronenöl (Citrus limon): Eine doppelblinde, randomisierte Studie an 100 Schwangeren (SSW 6–16) zeigte, dass die Inhalation von Zitronenöl Übelkeit und Erbrechen signifikant reduzierte (p = 0,017 am 2. Tag, p = 0,039 am 4. Tag).[2] Zitronenöl enthält überwiegend Limonen – einen Monoterpen, der keine bekannten uterusstimulierenden Eigenschaften besitzt.
- Mandarinenöl (Citrus reticulata): Ebenfalls limonenreich und mild. Mandarinenöl wird in der klinischen Aromatherapie als eines der sanftesten Zitrusöle eingestuft. Ein praxisnaher Tipp: Geben Sie 1 Tropfen auf ein Taschentuch und atmen Sie bei Bedarf kurz daran – das reicht oft aus.
Topische Anwendung – also jeder direkte Hautkontakt – sollte im ersten Trimester unterbleiben, da ätherische Öle über die Haut in den Blutkreislauf und potenziell über die Plazenta zum Fötus gelangen können.[4]
2. Trimester (SSW 13–27): Erweiterte Auswahl mit Vorsicht
Ab dem zweiten Trimester ist die Organbildung weitgehend abgeschlossen, und das Risiko für Entwicklungsstörungen sinkt. Zusätzlich zu Zitrone und Mandarine kommen nun folgende Öle infrage – per Diffuser oder topisch in maximal 1 % Verdünnung:
- Lavendel (Lavandula angustifolia): Das am besten untersuchte ätherische Öl in der Schwangerschaft. Ein systematisches Review aus 2024, das sechs klinische Studien mit 413 Teilnehmerinnen auswertete, kam zu dem Ergebnis, dass Lavendelöl-Inhalation Stress, Angst und Schlafstörungen bei Schwangeren signifikant verbesserte – ohne berichtete Nebenwirkungen.[3] Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) stuft die Inhalation von Lavendelöl als sicher ein, empfiehlt aber, es in der Schwangerschaft nicht oral einzunehmen.[3] Ein praxisnaher Tipp: Geben Sie 2 Tropfen Lavendelöl auf Ihr Kopfkissen vor dem Schlafengehen – viele Schwangere berichten, dass dies die Einschlafzeit verkürzt.
- Römische Kamille (Chamaemelum nobile): Wirkt über den Inhaltsstoff Bisabolol beruhigend und entkrampfend. Kamillenöl wird traditionell bei Unruhe und Schlafproblemen eingesetzt. Achten Sie auf die korrekte Spezies: Römische Kamille ist milder als Deutsche Kamille (Matricaria chamomilla), die einen höheren Anteil an Chamazulen enthält.
- Ylang-Ylang (Cananga odorata): Hat in Studien blutdrucksenkende und stressreduzierende Eigenschaften gezeigt.[6] Niedrig dosiert im Diffuser geeignet.
- Bergamotteöl (Citrus bergamia): Stimmungsaufhellend durch den Inhaltsstoff Linalylacetat. Achtung: Bergamotteöl ist phototoxisch – nach Hautkontakt mindestens 12 Stunden keine direkte Sonneneinstrahlung. Verwenden Sie möglichst die furocumarinfreie Variante (FCF).
- Orangenöl (Citrus sinensis): Mild, stimmungsaufhellend, gut verträglich im Diffuser.
3. Trimester (SSW 28–40): Zusätzlich geburtsvorbereitende Öle
Im dritten Trimester bleibt die Auswahl des zweiten Trimesters bestehen. Ab der 36. SSW können geburtsvorbereitende Öle wie Muskatellersalbei (Salvia sclarea) oder Jasmin unter fachkundiger Anleitung eingesetzt werden – diese Öle gehören jedoch in die Hände einer erfahrenen Hebamme. Ausführliche Informationen zur Aromatherapie während der Geburt finden Sie im Ratgeber zu ätherischen Ölen bei der Geburt.
| Trimester | Erlaubte Öle | Bevorzugte Anwendung |
|---|---|---|
| 1. Trimester (SSW 1–12) | Zitrone, Mandarine | Nur kurze Inhalation |
| 2. Trimester (SSW 13–27) | + Lavendel, Kamille, Ylang-Ylang, Bergamotte, Orange | Diffuser, topisch max. 1 % |
| 3. Trimester (SSW 28–40) | Wie 2. Tri. + geburtsvorbereitende Öle ab SSW 36 unter Anleitung | Diffuser, topisch max. 1 %, Hebammenbegleitung |
Welche ätherischen Öle sind in der Schwangerschaft verboten?
Bestimmte ätherische Öle können die Gebärmutter stimulieren, den Hormonhaushalt beeinflussen oder neurotoxisch wirken. Diese Öle sind während der gesamten Schwangerschaft konsequent zu meiden – unabhängig vom Trimester und der Anwendungsmethode.
Uterusstimulierende Öle
Die folgenden Öle enthalten Inhaltsstoffe, die Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur fördern können. In der Phytotherapie werden einige davon als Emmenagoga (menstruationsfördernd) klassifiziert. Auch wenn die abortive Wirkung für viele dieser Öle nur in Tierversuchen oder bei hohen Dosen nachgewiesen wurde, greift hier das Vorsorgeprinzip: Da kontrollierte Studien an Schwangeren aus ethischen Gründen fehlen, ist Vermeidung die einzig verantwortungsvolle Empfehlung.[1]
- Salbei (Salvia officinalis) – enthält Thujon und Kampfer
- Rosmarin – Chemotyp Kampfer (Rosmarinus officinalis ct. camphora) und Chemotyp Verbenon
- Muskatellersalbei (Salvia sclarea) – im 1. und 2. Trimester meiden; erst ab SSW 36 unter Hebammenbegleitung
- Wacholderbeere (Juniperus communis)
- Myrrhe (Commiphora myrrha)
- Zimtrindenöl (Cinnamomum verum) – enthält Zimtaldehyd
- Nelkenöl (Syzygium aromaticum) – enthält Eugenol
- Petersilienöl (Petroselinum crispum) – enthält Apiol, das als abortiv eingestuft wird[1]
- Ysop (Hyssopus officinalis) – enthält Pinocamphon, ein Keton mit neurotoxischem Potenzial
Hormonell wirksame Öle
Diese Öle enthalten Phytoöstrogene oder östrogenähnliche Verbindungen, die den hormonellen Gleichgewicht während der Schwangerschaft stören können:[5]
- Fenchel (Foeniculum vulgare) – enthält Anethol (58–85 % im ätherischen Öl)
- Anis (Pimpinella anisum) – enthält ebenfalls hohe Anethol-Anteile (75–96 %)
- Muskatellersalbei (Salvia sclarea) – enthält Sclareol mit östrogenähnlicher Wirkung
Neurotoxische Öle
Monoterpenketone wie Thujon, Kampfer und Pulegon können die Blut-Hirn-Schranke passieren und in hohen Dosen neurotoxisch wirken – ein besonderes Risiko für das sich entwickelnde Nervensystem des Fötus:[1]
- Kampfer (Cinnamomum camphora) – reines Kampferöl, nicht zu verwechseln mit dem Kampfer-Chemotyp des Rosmarins
- Thujon-haltige Öle: Wermut (Artemisia absinthium), Rainfarn (Tanacetum vulgare), Thuja (Thuja occidentalis)
- Polei-Minze (Mentha pulegium) – enthält Pulegon, das in Tierversuchen embryo-fetotoxisch wirkte[1]
Sichere Anwendungsmethoden in der Schwangerschaft
Die Anwendungsmethode bestimmt maßgeblich, wie viel eines ätherischen Öls in den Blutkreislauf gelangt. In der Schwangerschaft gilt: Je weniger systemische Aufnahme, desto sicherer.
Diffuser – die sicherste Methode
Ein Diffuser verteilt feinste Öltröpfchen im Raum. Sie nehmen den Duft über die Nase auf, die systemische Belastung bleibt minimal. Verwenden Sie 2–3 Tropfen pro Sitzung und lassen Sie den Diffuser maximal 30 Minuten am Stück laufen, gefolgt von einer Pause gleicher Dauer. Lüften Sie den Raum regelmäßig. Falls der Duft Ihnen unangenehm wird – was gerade im ersten Trimester häufig vorkommt – schalten Sie das Gerät sofort ab.
Ultraschall-Diffuser eignen sich besonders gut, da sie ohne Hitze arbeiten und die empfindlichen Inhaltsstoffe der Öle nicht verändern. Vermeiden Sie Aromalampen mit offener Flamme: Die Hitzeentwicklung kann bestimmte Inhaltsstoffe zersetzen und reizende Abbauprodukte erzeugen. Eine japanische randomisierte Studie an Schwangeren in der 28. Woche zeigte, dass bereits 5 Minuten Inhalation linaloolreicher Öle die parasympathische Nervenaktivität signifikant steigerte – ein objektiver Marker für Entspannung.[11]
Topische Anwendung – maximal 1 % Verdünnung
Ab dem zweiten Trimester können Sie ätherische Öle auf die Haut auftragen, allerdings nur verdünnt in einem Trägeröl. Die maximale Konzentration liegt bei 1 % – das entspricht etwa 2 Tropfen ätherisches Öl auf 10 ml Trägeröl. Süßes Mandelöl oder Jojobaöl eignen sich besonders gut, da beide mild und hautverträglich sind. Tragen Sie die Mischung auf Schläfen, Handgelenke oder den oberen Rücken auf – vermeiden Sie den Bauchbereich im ersten Trimester.
Direkte Inhalation – kurze Dauer
Geben Sie 1–2 Tropfen auf ein Taschentuch oder einen Wattebausch und atmen Sie 2–3 Mal tief ein. Diese Methode eignet sich besonders bei akuter Übelkeit. Halten Sie das Tuch in etwa 10 cm Entfernung von der Nase – direkter Hautkontakt ist nicht nötig.
Orale Einnahme – ausnahmslos tabu
Ätherische Öle dürfen in der Schwangerschaft unter keinen Umständen eingenommen werden. Die konzentrierten Pflanzeninhaltsstoffe können die Magenschleimhaut reizen und gelangen in unverdünnter Form in den Blutkreislauf – ein Risiko, das keinerlei Nutzen rechtfertigt.[7]
Ätherische Öle bei typischen Schwangerschaftsbeschwerden
Viele Schwangere suchen natürliche Alternativen zu Medikamenten – verständlich, denn zahlreiche gängige Arzneimittel sind in der Schwangerschaft kontraindiziert. Ätherische Öle können bei einigen typischen Beschwerden eine sanfte Unterstützung bieten, ersetzen jedoch keine ärztliche Behandlung. Die folgenden Kurzempfehlungen nennen die am besten untersuchten Öle für häufige Beschwerden – für jedes Thema existiert ein eigener Vertiefungsartikel mit vollständigen Rezepturen und Studiendetails.
Übelkeit und Erbrechen
Schwangerschaftsübelkeit betrifft 60–80 % aller Schwangeren, besonders in den ersten 16 Wochen. Zitronenöl ist das am besten untersuchte ätherische Öl gegen Schwangerschaftsübelkeit: Mehrere randomisierte Studien belegen seine Wirksamkeit per Inhalation.[2][8] Der Wirkmechanismus verläuft vermutlich über olfaktorische Bahnen im zentralen Nervensystem – der frische Zitrusduft aktiviert Hirnareale, die der Übelkeitsreaktion entgegenwirken. Praktisch: Geben Sie 2 Tropfen Zitronenöl auf ein Taschentuch und tragen Sie es in der Handtasche bei sich. Sobald Übelkeit aufsteigt, halten Sie das Tuch zur Nase und atmen Sie 3–4 Mal langsam ein.
Ingweröl (Zingiber officinale) stellt eine wirkungsvolle Alternative dar – die enthaltenen Gingerole und Shogaole hemmen Serotonin-Rezeptoren im Magen-Darm-Trakt und wirken so antiemetisch.[9] Eine Studie verglich Ingweröl und Zitronenöl direkt miteinander: Beide reduzierten Übelkeit signifikant, wobei Ingweröl tendenziell etwas stärker wirkte. Ausführliche Rezepte und Studiendetails finden Sie im Ratgeber zu ätherischen Ölen bei Übelkeit.
Rückenschmerzen
Lavendelöl-Massagen (1 % in Mandelöl) können Verspannungen im unteren Rücken lindern. Die schmerzlindernde Wirkung von Linalool, dem Hauptinhaltsstoff von Lavendelöl, ist in mehreren Studien dokumentiert.[10] Vertiefende Informationen bietet der Ratgeber zu ätherischen Ölen bei Rückenschmerzen.
Schlafstörungen
Lavendel und Römische Kamille zählen zu den wirksamsten pflanzlichen Schlafhilfen. Das bereits erwähnte systematische Review (2024) bestätigte, dass die Inhalation von Lavendelöl die Schlafqualität bei Schwangeren verbessert.[3] Die Wirkung beruht auf dem Hauptinhaltsstoff Linalool, der die parasympathische Nervenaktivität steigert und so das Einschlafen erleichtert.[11] Geben Sie 2 Tropfen auf ein Duftkissen neben dem Bett oder nutzen Sie den Diffuser 20 Minuten vor dem Schlafengehen. Mehr dazu erfahren Sie im Ratgeber zu ätherischen Ölen zum Schlafen.
Dehnungsstreifen
Lavendelöl und Neroliöl (Citrus aurantium var. amara) werden in der Aromatherapie zur Unterstützung der Hautelastizität eingesetzt. Neroliöl enthält Nerol und Linalool, die die Hautregeneration fördern können. Mischen Sie 2 Tropfen in 10 ml Hagebuttenkern- oder Mandelöl und massieren Sie die betroffenen Stellen ab dem zweiten Trimester sanft ein. Details zu Ölen bei Narben und Gewebeschäden finden Sie im Narben-Ratgeber.
Wassereinlagerungen (Ödeme)
Zypressenöl (Cupressus sempervirens) wirkt gefäßtonisierend und kann bei leichten Wassereinlagerungen in Beinen und Füßen helfen – allerdings erst ab dem zweiten Trimester. Verdünnen Sie 2 Tropfen in 10 ml Trägeröl und massieren Sie die Beine in Richtung Herz. Bei starken oder plötzlich auftretenden Ödemen suchen Sie bitte Ihre Ärztin auf, da diese ein Symptom einer Präeklampsie sein können.
Häufige Fehler bei der Anwendung ätherischer Öle in der Schwangerschaft
Auch bei grundsätzlich als sicher eingestuften Ölen passieren in der Praxis immer wieder vermeidbare Fehler:
- Zu hohe Konzentration: Manche Fertigprodukte enthalten 3–5 % ätherisches Öl – für Schwangere ist das zu viel. Prüfen Sie die Konzentration oder mischen Sie selbst mit maximal 1 %.
- Dauerbeduftung: Ein Diffuser, der stundenlang durchläuft, kann Kopfschmerzen und Übelkeit verstärken. Halten Sie sich an 30-Minuten-Intervalle.
- Ungeprüfte Öl-Qualität: Synthetische Duftöle oder verfälschte Produkte enthalten Stoffe, deren Wirkung auf Schwangere nicht abschätzbar ist. Verwenden Sie ausschließlich 100 % naturreine ätherische Öle mit nachvollziehbarer Herkunft. Woran Sie echte Qualität erkennen, erklärt der Qualitätsratgeber.
- Verlassen auf „Schwangerschaftsmischungen" ohne Inhaltsliste: Lesen Sie immer das Etikett. Fertigmischungen können verbotene Öle enthalten – etwa Rosmarin oder Salbei als Bestandteil einer angeblich harmlosen „Entspannungsmischung".
- Heißes Vollbad mit ätherischen Ölen: Ätherische Öle sind nicht wasserlöslich und schwimmen unverdünnt auf der Oberfläche. Ohne Emulgator (z. B. Sahne, Meersalz) besteht Hautreizungsgefahr. In der Schwangerschaft sollte die Wassertemperatur ohnehin 37 °C nicht überschreiten.
Wann Sie die Anwendung sofort beenden sollten
Unterbrechen Sie die Verwendung ätherischer Öle umgehend und kontaktieren Sie Ihre Hebamme oder Gynäkologin, wenn eines der folgenden Symptome auftritt:
- Kontraktionen oder ein Hartwerden des Bauches, das sich von normalen Übungswehen unterscheidet
- Vaginale Blutungen oder ungewöhnlicher Ausfluss
- Starke Hautreaktion (Rötung, Schwellung, Juckreiz) nach topischer Anwendung
- Kopfschmerzen, Schwindel oder Atemnot nach Inhalation
- Allergische Reaktion mit Schwellung im Gesichtsbereich oder Engegefühl im Hals (Notfall – sofort den Notruf wählen)
Auch wenn keine akuten Symptome auftreten, gilt: Besprechen Sie die Aromatherapie bei jedem Vorsorgetermin mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Gynäkologen. Bei einer Risikoschwangerschaft, drohenden vorzeitigen Wehen oder bestehenden Vorerkrankungen ist professionelle Einschätzung unverzichtbar. Ätherische Öle sind kein Ersatz für medizinische Behandlung – sie können eine sinnvolle Ergänzung sein, sofern die Sicherheitsregeln konsequent eingehalten werden.
Sicherheits- und Dosierungshinweise
Ätherische Öle dürfen nie unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden – eine ausführliche Übersicht aller Sicherheitsregeln und Kontraindikationen finden Sie im Ratgeber zu Nebenwirkungen ätherischer Öle.
Verdünnen Sie ätherische Öle in der Schwangerschaft auf maximal 1 % in einem Trägeröl. Die genauen Verdünnungsverhältnisse für verschiedene Anwendungen und Altersgruppen finden Sie im Dosierungsratgeber.
Für die Zeit nach der Geburt und den Umgang mit ätherischen Ölen rund um Ihr Neugeborenes bietet der Ratgeber zu ätherischen Ölen und Babys wichtige Hinweise.
Häufige Fragen
Darf ich Lavendelöl im ersten Trimester verwenden?
Die meisten Fachleute raten davon ab, Lavendelöl in den ersten 12 Schwangerschaftswochen anzuwenden. Klinische Studien haben Lavendelöl bei Schwangeren ausschließlich ab dem zweiten Trimester untersucht – zur Sicherheit im ersten Trimester fehlen Daten.[3] Ab dem zweiten Trimester gilt Lavendelöl per Inhalation oder in maximal 1 % Verdünnung als sicher.
Welches ätherische Öl hilft am besten gegen Schwangerschaftsübelkeit?
Zitronenöl (Citrus limon) ist das am besten untersuchte ätherische Öl gegen Schwangerschaftsübelkeit. Mehrere randomisierte klinische Studien belegen, dass die kurze Inhalation von Zitronenöl Übelkeit und Erbrechen bei Schwangeren signifikant lindern kann.[2] Geben Sie 1–2 Tropfen auf ein Taschentuch und atmen Sie bei Bedarf daran. Als Alternative kann Ingweröl ähnlich antiemetisch wirken.
Sind ätherische Öle bei einer Risikoschwangerschaft erlaubt?
Bei einer Risikoschwangerschaft (z. B. vorzeitige Wehen, Placenta praevia, Mehrlingsschwangerschaft) sollten Sie ätherische Öle nur nach ausdrücklicher Freigabe durch Ihren Gynäkologen verwenden. Selbst als sicher eingestufte Öle können in bestimmten Situationen kontraindiziert sein. Im Zweifel verzichten Sie auf ätherische Öle und nutzen stattdessen duftfreie Trägeröle für Massagen.
Warum sind Rosmarin und Salbei in der Schwangerschaft verboten?
Salbeiöl (Salvia officinalis) enthält die Monoterpenketone Thujon und Kampfer. Thujon gilt als potenziell neurotoxisch und kann in hohen Dosen uterine Kontraktionen auslösen.[1] Rosmarinöl im Kampfer-Chemotyp besitzt einen hohen Kampfer-Anteil mit ähnlichem Risikoprofil. Der mildere Cineol-Chemotyp des Rosmarins ist zwar weniger bedenklich, wird aber in der Schwangerschaft vorsorglich ebenfalls gemieden.
Kann ich ätherische Öle in der Schwangerschaft in der Badewanne verwenden?
Ja, aber nur mit Vorsicht: Ätherische Öle sind nicht wasserlöslich und müssen mit einem Emulgator (z. B. 1 Esslöffel Sahne, Meersalz oder einem speziellen Badeöl-Emulgator) vermischt werden, bevor sie ins Wasser gelangen. Verwenden Sie maximal 3–4 Tropfen eines erlaubten Öls. Die Wassertemperatur sollte 37 °C nicht überschreiten, da Überhitzung in der Schwangerschaft zu vermeiden ist. Bäder mit ätherischen Ölen sind erst ab dem zweiten Trimester empfehlenswert.
Quellen
- Smeriglio, A., Ferraro, G., & Ferrante, C. (2021). Maternal Reproductive Toxicity of Some Essential Oils and Their Constituents. International Journal of Molecular Sciences, 22(5), 2380. doi:10.3390/ijms22052380
- Yavari kia, P., Safajou, F., Shahnazi, M., & Nazemiyeh, H. (2014). The Effect of Lemon Inhalation Aromatherapy on Nausea and Vomiting of Pregnancy: A Double-Blinded, Randomized, Controlled Clinical Trial. Iranian Red Crescent Medical Journal, 16(3), e14360. doi:10.5812/ircmj.14360
- Vidal-García, E., Vallhonrat-Bueno, M., Pla-Consuegra, F., & Orta-Ramírez, A. (2024). Efficacy of Lavender Essential Oil in Reducing Stress, Insomnia, and Anxiety in Pregnant Women: A Systematic Review. Healthcare, 12(23), 2456. doi:10.3390/healthcare12232456
- Sibbritt, D. W., Catling, C. J., Adams, J., Shaw, A. J., & Homer, C. S. E. (2014). The self-prescribed use of aromatherapy oils by pregnant women. Women and Birth, 27(1), 41–45. doi:10.1016/j.wombi.2013.09.005
- Tabatabaei, S. M. (2021). Anethole and Essential Oils Containing Anethole: Estrogenic Effects and Safety During Pregnancy. In: International Journal of Molecular Sciences, 22(5), 2380 (reviewed in Smeriglio et al.). doi:10.3390/ijms22052380
- Tan, L. T., Lee, L. H., & Yin, W. F. (2015). Traditional Uses, Phytochemistry, and Bioactivities of Cananga odorata (Ylang-Ylang). Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2015, 896314. doi:10.1155/2015/896314
- Smeriglio, A., Tomaino, A., & Trombetta, D. (2014). Herbal products in pregnancy: experimental studies and clinical reports. Phytotherapy Research, 28(8), 1107–1116. doi:10.1002/ptr.5106
- Ezzati Arasteh, F., Shobeiri, F., Mafakheri, B., Mohamadi, Y., & Parsa, P. (2019). The Effect of Lemon aromatherapy on nausea and vomiting of pregnancy: A randomized clinical trial. Iranian Journal of Obstetrics, Gynecology and Infertility, 22(1), 46–52. doi:10.22038/ijogi.2019.12852
- Saberi, F., Sadat, Z., Abedzadeh-Kalahroudi, M., & Taebi, M. (2014). Effect of Ginger on Relieving Nausea and Vomiting in Pregnancy: A Randomized, Placebo-Controlled Trial. Nursing and Midwifery Studies, 3(1), e11841. doi:10.17795/nmsjournal11841
- Tabatabaeichehr, M., & Mortazavi, H. (2020). The Effectiveness of Aromatherapy in the Management of Labor Pain and Anxiety: A Systematic Review. Ethiopian Journal of Health Sciences, 30(3), 449–458. doi:10.4314/ejhs.v30i3.16
- Igarashi, T. (2013). Physical and Psychologic Effects of Aromatherapy Inhalation on Pregnant Women: A Randomized Controlled Trial. Journal of Alternative and Complementary Medicine, 19(10), 805–810. doi:10.1089/acm.2012.0103