Sesamöl

Zuletzt aktualisiert: 12.02.26

Sesam gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Archäologische Funde in südasiatischen Erdschichten belegen den Anbau von Sesam (Sesamum indicum) bereits vor über 5.000 Jahren.[1] Mesopotamier, Griechen und Ägypter nutzten die ölhaltigen Samen als Gewürz und Heilmittel, bevor Sesam über Handelsrouten nach Indien und China gelangte. Die Chinesen verwendeten Sesamöl bereits um 2.500 v. Chr. zur Verfeinerung ihrer Speisen und zur Herstellung von Tusche. Heute liegen die Hauptanbaugebiete für Sesam in tropischen und subtropischen Regionen – allen voran Sudan, Myanmar, Tansania, Indien und China –, von wo aus die Samen in die ganze Welt exportiert werden.Sesamöl – goldgelbes Öl aus Sesamsamen in einer Glasflasche

Was hierzulande die Butter zum Brot ist, ist in der asiatischen Küche das Sesamöl. In Japan, Korea und China wird es wegen seines charakteristischen nussigen Geschmacks geschätzt. Doch Sesamöl ist weit mehr als ein Speiseöl: Es enthält wertvolle Lignane wie Sesamin und Sesamol, die als natürliche Antioxidantien wirken und das Öl besonders haltbar machen.[2] In der traditionellen Medizin – vom indischen Ayurveda bis zur Volksmedizin in Ostasien – wird Sesamöl seit Jahrtausenden bei den unterschiedlichsten Beschwerden eingesetzt: von Kopfschmerzen und Stress über Schlafstörungen bis hin zur Mund- und Zahnpflege. Im Wellnessbereich versorgt es Haut und Haare mit wichtigen Nährstoffen. Dieser Ratgeber fasst zusammen, was aktuelle Studien über Sesamöl sagen, wie es gewonnen wird und wie Sie es am besten anwenden.

Gewinnung von Sesamöl

Da Sesam überwiegend in tropischen und subtropischen Klimazonen angebaut wird, kann er fast das gesamte Jahr über geerntet werden. Für die Herstellung von einem Liter Sesamöl werden etwa drei Kilogramm Sesamsamen benötigt, was einer Menge von rund 1,2 Millionen einzelnen Samenkörnern entspricht. Da die Samenkapseln der etwa 1,20 Meter hohen Sesampflanze nicht alle gleichzeitig reifen, werden die geschnittenen Stängel traditionell gebündelt und aufrecht zum Nachtrocknen aufgestellt. Sobald die Kapseln vollständig aufgesprungen sind, lassen sich die Samen herausschütteln – in vielen Anbauregionen geschieht dies noch immer in mühevoller Handarbeit.

Bei der Herstellung des Öls unterscheidet man vier gängige Varianten:

  • Kaltgepresstes Sesamöl wird ohne externe Wärmezufuhr aus den rohen Samen gepresst. Durch dieses schonende Verfahren bleiben Vitamine, Lignane und ungesättigte Fettsäuren weitgehend erhalten. Anschließend wird das Öl gefiltert, um Schwebstoffe zu entfernen.
  • Natives Sesamöl stammt aus naturbelassenen Samen, die ebenfalls kalt gepresst werden. Es darf weder chemisch behandelt noch raffiniert sein und behält seinen milden, leicht nussigen Eigengeschmack.
  • Raffiniertes Sesamöl wird unter Wärmezufuhr gepresst und anschließend durch Entsäuerung, Bleichung und Desodorierung aufbereitet. Dabei gehen einige Inhaltsstoffe sowie Geruch und Geschmack teilweise verloren, dafür ist das Öl länger haltbar und erreicht einen höheren Rauchpunkt.
  • Geröstetes Sesamöl wird aus vorgerösteten Samen gepresst. Durch die Röstung erhält es seine typische bernsteinfarbene bis dunkelbraune Färbung und ein intensives, nussig-aromatisches Aroma. In der asiatischen Küche dient es vorwiegend als Würzöl.

Der nach dem Pressen verbleibende Presskuchen besitzt einen hohen Eiweißgehalt und wird als Tierfutter oder in der Lebensmittelindustrie weiterverarbeitet.

Sesam bildet sowohl weiße als auch schwarze Samen aus, die beide zur Ölgewinnung dienen. Das Öl aus rohen, ungeschälten weißen Samen ist blassgelb, nahezu geruchlos und geschmacklich neutral – ideal zum Kochen und Braten. Das dunklere, geröstete Sesamöl entfaltet dagegen ein kräftiges Nussaroma und wird in der Küche nur in kleinen Mengen als Würzöl eingesetzt. Schwarzes Sesamöl, gewonnen aus der Urform des Sesams, ist besonders reich an Nähr- und Aufbaustoffen und findet vor allem in der Naturheilkunde und im Ayurveda Verwendung. Es ist nicht mit dem gerösteten Öl zu verwechseln, da es kaltgepresst wird und ein anderes Nährstoffprofil aufweist.

Sesamöl Inhaltsstoffe

Sesamöl zeichnet sich durch ein ausgewogenes Fettsäureprofil und einen ungewöhnlich hohen Gehalt an bioaktiven Pflanzenstoffen aus. Über 80 % des Fettgehalts bestehen aus ungesättigten Fettsäuren, was Sesamöl zu einem der wertvollsten Pflanzenöle für die Ernährung macht.[3] Die wichtigsten Inhaltsstoffe im Überblick:

  • Linolsäure (Omega-6) – mit rund 41–45 % der dominierende Anteil. Diese mehrfach ungesättigte Fettsäure ist essenziell, kann also vom Körper nicht selbst hergestellt werden.
  • Ölsäure (Omega-9) – macht etwa 38–42 % aus. Die einfach ungesättigte Fettsäure unterstützt ein gesundes Herz-Kreislauf-System.
  • Sesamin und Sesamolin – einzigartige Lignane, die als starke Antioxidantien wirken und Sesamöl seine bemerkenswerte Oxidationsstabilität verleihen.[2]
  • Sesamol – entsteht beim Rösten der Samen in größerer Menge und besitzt ausgeprägte antioxidative sowie antibakterielle Eigenschaften.[4]
  • Vitamin E (Tocopherole) – insbesondere γ-Tocopherol ist reichlich vertreten und schützt die Körperzellen vor oxidativem Stress.[2]
  • Lecithin und Phytosterole – tragen zur Regulierung des Cholesterinstoffwechsels bei.

Darüber hinaus enthält Sesamöl Spuren von Mineralstoffen und besitzt – speziell in der schwarzen Variante – ein günstiges Kalzium-Magnesium-Verhältnis. Das Zusammenspiel dieser Inhaltsstoffe macht Sesamöl nicht nur für die Küche, sondern auch für die Haut- und Haarpflege sowie die Naturheilkunde besonders interessant.

Wirkung von Sesamöl

Die gesundheitsfördernde Wirkung von Sesamöl ist in zahlreichen wissenschaftlichen Studien untersucht worden. Dank seines hohen Anteils an ungesättigten Fettsäuren und den einzigartigen Lignanen entfaltet das Öl vielfältige positive Effekte:

  • Senkung des Cholesterinspiegels: Die mehrfach ungesättigten Fettsäuren sowie Sesamin können den LDL-Cholesterinspiegel senken und gleichzeitig das „gute" HDL-Cholesterin stabilisieren.[5]
  • Unterstützung des Herz-Kreislauf-Systems: Eine Studie der American Heart Association zeigte, dass eine Mischung aus Sesamöl und Reiskeimöl den Blutdruck bei Hypertonikern signifikant senken kann – vergleichbar mit der Wirkung eines gängigen Blutdruckmedikaments.[6]
  • Antioxidative Wirkung: Sesamin, Sesamol und Sesamolin wirken als natürliche Antioxidantien, die freie Radikale neutralisieren und so die Zellalterung verlangsamen können.[2]
  • Entzündungshemmende Eigenschaften: In-vitro- und Tierstudien zeigen, dass Sesamöl entzündliche Prozesse hemmen und zur Regulierung der Blutfettwerte beitragen kann.[7]
  • Knochenstärkung: Phytoöstrogene im Sesamöl können die Knochendichte positiv beeinflussen und damit zur Vorbeugung von Osteoporose beitragen.
  • Blutzuckerregulation: Erste klinische Studien deuten darauf hin, dass der regelmäßige Konsum von Sesamöl den Nüchternblutzucker und den HbA1c-Wert bei Typ-2-Diabetikern senken kann.[8]

Diese Wirkungen machen Sesamöl zu einem wertvollen Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung. Bei bestehenden Erkrankungen sollte die Anwendung jedoch stets mit einem Arzt abgesprochen werden.

Sesamöl Kalorien und Nährwerttabelle

Sesamöl
Sesamöl Nährwerttabelle
100 g Sesamöl enthält durchschnittlich:
NährstoffMenge
Kalorien884 kcal (3.699 kJ)
Fettgehalt100 g
Gesättigte Fettsäuren14 g
Ungesättigte Fettsäuren86 g
Einfach ungesättigte Fettsäuren40 g
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren42 g
Cholesterin0 mg
Natrium0 mg
Kohlenhydrate0 g
Ballaststoffe0 g
Zucker0 g
Protein0 g
Vitamin E1,4 mg
Vitamin K13,6 µg
Rauchpunkt (kaltgepresst)ca. 177 °C
Rauchpunkt (raffiniert)ca. 232 °C

Anwendungsgebiete von Sesamöl

Sesamöl für die Haut

Die Verwendung von Sesamöl in der Hautpflege hat in der Naturheilkunde eine lange Tradition – und auch die moderne Forschung bestätigt zahlreiche positive Effekte. Das Öl dringt dank seiner feinen molekularen Struktur besonders gut in die Hautschichten ein und versorgt das Gewebe mit den Vitaminen A und E, Lecithin und Phytoöstrogenen. Trockene, fahle und belastete Haut erhält dadurch wichtige Nährstoffe und gewinnt bei regelmäßiger Anwendung ein geschmeidiges, vitales Aussehen zurück.

Ein wesentlicher Vorteil von Sesamöl als Hautpflegemittel: Es öffnet die Poren und beugt so der Ablagerung schädlicher Stoffe im Hautgewebe vor. Die enthaltenen Antioxidantien – allen voran Sesamin und Sesamol – hemmen die vorzeitige Hautalterung durch freie Radikale und bilden in der Epidermis einen natürlichen Schutzschild gegen Umwelteinflüsse wie UV-Strahlung und Luftschadstoffe. Tatsächlich wird Sesamöl in manchen Kulturen auch als natürlicher Sonnenschutz genutzt, wobei es einen Lichtschutzfaktor von etwa 1–2 bietet und damit keinesfalls ein vollwertiges Sonnenschutzmittel ersetzt.

Sesamöl ist gut verträglich und eignet sich für alle Hauttypen – auch für empfindliche Babyhaut. Auf der Komedogenitätsskala wird es als niedrig bis mittel eingestuft (Stufe 1–2), weshalb es auch für fettigere Hauttypen noch akzeptabel sein kann. Besonders trockene und schlecht durchblutete Haut profitiert von den pflegenden Eigenschaften. Als Massageöl lässt es sich hervorragend verwenden, da es leicht einzieht und ein angenehmes, nicht fettiges Hautgefühl hinterlässt.

Sesamöl für die Haare

Umwelteinflüsse, Stress und ungesunde Ernährung wirken sich negativ auf die Haargesundheit aus. Sesamöl kann als natürliches Haaröl einen wertvollen Beitrag zur Haarpflege leisten. Nach dem Einmassieren in die Kopfhaut und die Haarlängen stärkt es die Haarwurzeln, fördert die Durchblutung der Kopfhaut und kann dem Haar seinen natürlichen Glanz zurückgeben. Eine Studie konnte zeigen, dass ein Nahrungsergänzungsmittel mit Sesamin und Vitamin E die Haarstärke und den Haarglanz verbessert.[9]

Dank seiner antibakteriellen Eigenschaften lässt sich Sesamöl auch bei der Bekämpfung von Pilzerkrankungen auf der Kopfhaut einsetzen. Es wirkt Schuppenbildung und trockener Kopfhaut entgegen. Für eine wirksame Haarpflege empfiehlt sich eine regelmäßige Kopfhautmassage mit leicht erwärmtem Sesamöl: Das warme Öl wird mit den Fingerspitzen sanft in die Kopfhaut einmassiert und sollte mindestens 30 Minuten – idealerweise über Nacht – einwirken, bevor es mit einem milden Shampoo ausgewaschen wird. Bei regelmäßiger Anwendung können sich Haarprobleme wie Spliss und Haarausfall spürbar verbessern. Auch das vorzeitige Ergrauen der Haare soll durch die Anwendung von Sesamöl verlangsamt werden können, wenngleich dazu bislang keine belastbaren klinischen Studien vorliegen.

Sesamöl bei trockener Nase

Trockene, gereizte Nasenschleimhäute sind ein weit verbreitetes Problem – besonders in den Wintermonaten, wenn Heizungsluft und niedrige Luftfeuchtigkeit die Nasenschleimhaut austrocknen. Die Folge: lästige Verkrustungen, eine verstopfte Nase und ein erhöhtes Infektionsrisiko, weil die natürliche Barrierefunktion der Schleimhaut eingeschränkt ist. In solchen Fällen kann ein Nasenspray oder Nasenöl mit Sesamöl deutliche Linderung bringen.

Zwei klinische Studien aus Schweden belegen die Wirksamkeit von Sesamöl bei Rhinitis sicca (trockene Nase). In einer Studie von Björk-Eriksson et al. (2000) wurden 40 Patienten über einen Zeitraum von 30 Tagen behandelt: Nach einer 20-tägigen Therapie mit Sesamöl-Nasenspray nahmen Beschwerden wie Krustenbildung, Trockenheit und Blockade der Nasengänge signifikant ab.[10] Eine weitere randomisierte Cross-over-Studie von Johnsen et al. (2001) an 79 Probanden zeigte, dass Sesamöl der Nasenschleimhaut signifikant besser hilft als eine isotone Kochsalzlösung (p < 0,001) – sowohl bei Trockenheit als auch bei Krustenbildung und Verstopfung.[11]

Der Vorteil von Sesamöl gegenüber Kochsalzlösungen liegt in der längeren Befeuchtungsdauer: Das Öl bildet einen schützenden Film auf der Schleimhaut, der die Feuchtigkeit besser speichert. Die Flimmerhärchen werden dabei nicht geschädigt und können ihre Reinigungsfunktion weiterhin uneingeschränkt ausüben. Sesamöl-Nasensprays sind inzwischen in Apotheken und Drogeriemärkten erhältlich und werden auch von HNO-Ärzten als ergänzende Therapie empfohlen.

Sesamöl für die Mundhygiene (Ölziehen)

Das Ölziehen ist eine traditionelle Methode der Mund- und Zahnpflege, die ihren Ursprung in der ayurvedischen Heilkunde hat und seit Jahrtausenden praktiziert wird. Wissenschaftliche Studien bestätigen inzwischen, dass Ölziehen mit Sesamöl die Mundgesundheit positiv beeinflussen kann.

Die Anwendung ist einfach: Morgens, vor dem Zähneputzen und auf nüchternen Magen, wird ein Esslöffel (etwa 10 ml) Sesamöl in Mundtemperatur in den Mund genommen. Anschließend wird das Öl für 15 bis 20 Minuten kräftig durch die Zahnzwischenräume gezogen und bewegt. Danach wird das Öl ausgespuckt – keinesfalls hinuntergeschluckt, da es nach dem Ziehen mit Keimen und Toxinen angereichert ist.

Zwei randomisierte kontrollierte Studien am Meenakshi Ammal Dental College in Chennai (Indien) konnten nachweisen, dass Ölziehen mit Sesamöl die Anzahl der kariesverursachenden Streptococcus mutans-Bakterien ebenso wirksam reduziert wie Chlorhexidin-Mundspülung – der bisherige Goldstandard.[12][13] Auch Plaque-Index und Gingivitis-Scores verbesserten sich in beiden Gruppen vergleichbar. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2022 bestätigte, dass Ölziehen mit Sesamöl oder Kokosöl die Gesamtbakterienzahl im Speichel signifikant senken kann.[14]

Neben der positiven Wirkung auf die Mundflora soll Ölziehen auch gegen Mundgeruch helfen und die Mundschleimhaut geschmeidig halten. Wer das Ölziehen mit Kokosöl vergleichen möchte: Beide Öle haben sich in Studien als wirksam erwiesen, wobei Sesamöl die traditionell verwendete Variante im Ayurveda ist.

Sesamöl im Ayurveda

Ayurveda, die über 5.000 Jahre alte indische Heilkunst, misst dem Sesamöl einen außerordentlich hohen Stellenwert bei. In der ayurvedischen Lehre gilt Sesamöl als das „König der Öle" und wird für eine Vielzahl von Anwendungen empfohlen. Drei Öltherapien gelten als besonders bedeutsam:

  • Abhyanga (Ganzkörpermassage): Die „Mutter der Massagen" wird idealerweise täglich durchgeführt. Der Patient wird mit warmem, gereiftem Sesamöl eingeölt. Zwei Therapeuten massieren synchron in rhythmischen Streichbewegungen entlang der Energiebahnen (Nadis). Ziel ist die Harmonisierung der drei Doshas – Vata, Pitta und Kapha –, die laut ayurvedischer Lehre jedem Körper innewohnen. Durch die Massage soll „Ama" (unverdaute Stoffwechselrückstände) abgeführt werden. In der Praxis kann die Abhyanga-Selbstmassage der Kopfhaut und der Füße das allgemeine Wohlbefinden deutlich steigern.
  • Vishesh (Tiefenmassage): Hier werden schnellere, kräftigere Massagebewegungen mit weniger Öl ausgeführt. Diese Therapie dient dem Abbau tiefer Muskelverspannungen und wirkt belebend auf den Stoffwechsel. Auch bei der Vishesh arbeiten zwei Therapeuten synchron.
  • Shirodhara (Stirnölguss): Ein ununterbrochener, dünner Strahl warmen Sesamöls fließt aus etwa 10 cm Höhe auf die Stirn des Patienten. Diese Behandlung soll das vegetative Nervensystem beruhigen und tiefe Entspannung bewirken.

Die Abhyanga-Massage kann mit etwas Übung auch als Selbstmassage durchgeführt werden. Das warme Sesamöl wird dazu mit der ganzen Handfläche in sanften, gleichmäßigen Bewegungen auf Kopfhaut, Gesicht, Rumpf und Gliedmaßen einmassiert. Im Ayurveda wird empfohlen, das Öl vor der Massage zu „reifen" – es wird einmalig auf etwa 100 °C erhitzt und nach dem Abkühlen verwendet. Durch diesen Reifungsprozess soll sich die therapeutische Wirkung des Öls verstärken.

Sesamöl für den Stirnölguss

Beim Shirodhara fließt von etwa 10 cm Höhe ein dauerhafter, dünner Strahl von warmem Sesamöl, das oft mit ayurvedischen Kräutern angereichert wird, auf die Stirnmitte des Patienten. Traditionell kommen dabei Kräuterölmischungen wie Kshirabala Thailam (nach einer rund 2.000 Jahre alten Rezeptur) oder Bhringamalakadi Thailam zum Einsatz. Nach der ayurvedischen Lehre harmonisiert dieser Ölguss das gesamte vegetative Nervensystem.

Eine kleine Studie des International Research Center for Traditional Medicine in Toyama (Japan) konnte die beruhigende Wirkung des Shirodhara reproduzieren: Die Probanden zeigten messbare Veränderungen in der Herzfrequenzvariabilität, die auf eine Aktivierung des parasympathischen Nervensystems hinweisen. Der Stirnölguss wird überwiegend bei Stressfolgen, chronischen Kopfschmerzen wie Migräne, Schlaflosigkeit und neurovegetativen Störungen eingesetzt. Die theoretische Erklärung: Der gleichmäßige Ölstrom auf die Stirn stimuliert tiefliegende Gehirnzentren und fördert die Ausschüttung von Serotonin, was tiefe Entspannung und innere Ruhe bewirkt. Der Stirnölguss wird meist mit einer Gesichts- und Kopfmassage kombiniert.

Sesamöl zum Braten und Backen

Sesamöl gehört zu den vielseitigsten Ölen in der Küche. Ob es sich zum Braten und Erhitzen eignet, hängt entscheidend von der jeweiligen Sorte ab:

Helles, raffiniertes Sesamöl ist geschmacksneutral und besitzt einen Rauchpunkt von etwa 232 °C. Es eignet sich daher hervorragend zum Braten, Kochen und Backen sowie für Wokgerichte. In der asiatischen Küche werden damit Fisch, Geflügel, Fleisch und Gemüse bei hohen Temperaturen zubereitet.

Kaltgepresstes Sesamöl hat mit etwa 177 °C einen niedrigeren Rauchpunkt. Es eignet sich für schonendes Braten bei mittlerer Hitze, zum Anmachen von Salaten und zur Herstellung von Dressings. Dabei bleiben die wertvollen Inhaltsstoffe erhalten. Ob kaltgepresstes Sesamöl stark erhitzt werden sollte, wird kontrovers diskutiert: Einerseits gehen hitzeempfindliche Nährstoffe verloren, andererseits bildet sich beim Erhitzen mehr antioxidatives Sesamol.

Geröstetes Sesamöl ist ein reines Würzöl und sollte nicht zum Braten verwendet werden, da sein niedriger Rauchpunkt und der intensive Geschmack dagegen sprechen. Es wird den Gerichten erst nach der Garzeit beigefügt und verleiht asiatischen Gerichten ihren typischen Geschmack. Der Vorteil: Bereits wenige Tropfen genügen, um ein Gericht aromatisch zu verfeinern – das schont Kalorien. Sesamöl lässt sich problemlos mit anderen Pflanzenölen mischen, etwa mit Erdnussöl für asiatische Wokgerichte.

Sesamöl bei Magenbeschwerden

Sowohl die Schulmedizin als auch die ayurvedische Heilkunde betonen die zentrale Bedeutung eines gesunden Magen-Darm-Trakts für das allgemeine Wohlbefinden. Magenbeschwerden können durch Infektionen, unausgewogene Ernährung, Stress oder chronische psychische Belastungen ausgelöst werden.

Sesamsamen und Sesamöl können bei leichteren Verdauungsbeschwerden unterstützend wirken. Die in Sesamsamen enthaltenen Ballaststoffe regen die Darmperistaltik an und fördern den Transport der Nahrung durch den Verdauungstrakt. Sesamöl kann darüber hinaus dazu beitragen, die Konzentration der Magensäure zu regulieren und so Beschwerden wie Sodbrennen oder eine gereizte Magenschleimhaut zu lindern. Die im Öl enthaltenen ungesättigten Fettsäuren und Antioxidantien unterstützen zudem entzündungshemmende Prozesse im Verdauungstrakt. Bei anhaltenden oder schweren Magenbeschwerden ist jedoch stets ein Arzt aufzusuchen – Sesamöl kann eine ärztliche Behandlung nicht ersetzen.

Wissenschaftliche Studien zu Sesamöl

Die positive Wirkung von Sesamöl auf Gesundheit und Wohlbefinden ist durch zahlreiche Studien belegt. Die wichtigsten Forschungsergebnisse im Überblick:

Ölziehen und Mundgesundheit: In zwei randomisierten, kontrollierten Studien von Asokan et al. am Meenakshi Ammal Dental College in Chennai (Indien) aus den Jahren 2008 und 2011 wurde nachgewiesen, dass Ölziehen mit Sesamöl die Keimzahl von S. mutans im Mundraum ebenso wirksam reduziert wie Chlorhexidin-Mundspülung.[12][13]

Blutdruck und Cholesterin: Eine auf der American Heart Association Conference 2012 vorgestellte Studie ergab, dass eine Mischung aus Sesamöl und Reiskeimöl den systolischen Blutdruck um durchschnittlich 14 Punkte und den LDL-Cholesterinspiegel um 26 % senken konnte. Die 2016 im Journal of the American Heart Association publizierte Folgestudie von Sankar et al. bestätigte diese Ergebnisse.[6]

Entzündungshemmung und Lipidprofil: Die Burnett School of Biomedical Sciences in Orlando (Florida) wies in einer Studie von 2016 nach, dass Sesamöl entzündungshemmend wirkt und zur Regulierung der Blutfettwerte beiträgt.[7]

Trockene Nase: Zwei schwedische Studien (Björk-Eriksson et al. 2000; Johnsen et al. 2001) belegen die signifikante Wirksamkeit von Sesamöl-Nasenspray bei Rhinitis sicca.[10][11]

Umfassende Übersichtsarbeit: Ein systematisches Review von Sesamin und Sesamöl aus dem Jahr 2020 fasst zusammen, dass die Lignane in Sesamöl antihypertensive, anti-atherogene, antidiabetische und antientzündliche Wirkungen besitzen.[5]

Dosierung und Einnahme von Sesamöl

Die richtige Dosierung von Sesamöl hängt vom jeweiligen Anwendungszweck ab:

Innere Anwendung: Wer Sesamöl zur Unterstützung der Verdauung einnimmt, kann einen Esslöffel (etwa 10–15 ml) auf nüchternen Magen vor einer Mahlzeit einnehmen. So entfaltet das Öl seine Wirkung am besten. In der Küche können täglich 1–2 Esslöffel zum Kochen, Braten oder als Salatdressing verwendet werden.

Ölziehen: Ein Esslöffel (ca. 10 ml) Sesamöl wird 15–20 Minuten lang im Mund hin und her bewegt und anschließend ausgespuckt. Die Anwendung sollte morgens auf nüchternen Magen vor dem Zähneputzen erfolgen.

Hautpflege: Sesamöl kann pur als Körperöl aufgetragen oder dem Duschgel (wenige Tropfen) bzw. dem Badewasser (etwa 1/8 Liter) beigemischt werden. Bei der Verwendung als Badezusatz sollten keine weiteren Zusätze verwendet werden. Auch ein Ganzkörper-Einölen vor dem Duschen ist möglich – das Öl zieht während des Duschens teilweise ein und hinterlässt einen schützenden Film.

Massage (Ayurveda): Für die ayurvedische Massage wird das Sesamöl traditionell einmalig auf etwa 100 °C erhitzt (gereift) und nach dem Abkühlen verwendet. Gereiftes Sesamöl ist auch fertig im Handel erhältlich.

Nasenpflege: 2–3 Sprühstöße eines Sesamöl-Nasensprays pro Nasenloch, bis zu dreimal täglich, oder alternativ ein bis zwei Tropfen reines Sesamöl mit dem Finger auf die Nasenschleimhaut auftragen.

Sesamöl Nebenwirkungen

Sesamöl gilt als gut verträglich und zeigt bei den meisten Menschen keine Nebenwirkungen. Dennoch gibt es einige Punkte zu beachten:

  • Sesamallergie: Sesam zählt zu den 14 kennzeichnungspflichtigen Allergenen in der EU. Menschen mit einer nachgewiesenen Sesamallergie müssen Sesamöl – auch bei äußerlicher Anwendung – strikt meiden. Allergische Reaktionen können von Hautausschlag und Juckreiz bis hin zu schweren anaphylaktischen Reaktionen reichen.
  • Wechselwirkungen mit Medikamenten: Da Sesamöl den Blutdruck und den Blutzucker senken kann, sollten Personen, die blutdrucksenkende oder blutzuckerregulierende Medikamente einnehmen, die Anwendung mit ihrem Arzt besprechen.
  • Verdauungsbeschwerden: In seltenen Fällen kann der Verzehr großer Mengen Sesamöl zu leichten Magenbeschwerden oder Durchfall führen, insbesondere bei empfindlichem Magen.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: In üblichen Küchenmengen gilt Sesamöl als unbedenklich. Für therapeutische Dosierungen (z. B. regelmäßige Einnahme auf nüchternen Magen) fehlen jedoch ausreichende Studiendaten, weshalb in der Schwangerschaft Rücksprache mit einem Arzt empfohlen wird.
  • Anwendung bei Babys: Zur äußerlichen Hautpflege ist Sesamöl grundsätzlich geeignet, jedoch sollte zuvor ein kleiner Hautverträglichkeitstest an einer unauffälligen Körperstelle durchgeführt werden.

Sesamöl kaufen – Worauf sollte geachtet werden?

Beim Kauf von Sesamöl kommt es vor allem darauf an, wofür Sie das Öl verwenden möchten:

Zum Braten und Kochen eignet sich raffiniertes Sesamöl am besten. Es ist geschmacksneutral, besitzt einen hohen Rauchpunkt (ca. 232 °C) und ist in Reformhäusern, gut sortierten Supermärkten und Asia-Shops erhältlich. Für hohe Brattemperaturen ist es dem kaltgepressten Öl vorzuziehen.

Geröstetes Sesamöl verleiht asiatischen Gerichten ihren charakteristischen Geschmack. Da es ausschließlich als Würzöl in kleinen Mengen verwendet wird, gibt es das Öl auch in kleineren Flaschen (100–250 ml). Asia-Shops führen es oft zu günstigen Preisen.

Für die Haut- und Haarpflege sind native oder kaltgepresste Bio-Öle die beste Wahl, da sie das vollständige Nährstoffprofil bewahren. Kosmetikgeschäfte und Drogerieketten (dm, Rossmann) haben entsprechende Produkte im Sortiment.

Für die Nasenpflege gibt es fertige Sesamöl-Nasensprays in Apotheken und Drogeriemärkten. Alternativ kann kaltgepresstes Sesamöl in Pharmaqualität verwendet werden.

Bei der Lagerung gilt: Sesamöl sollte kühl, dunkel und gut verschlossen aufbewahrt werden – am besten im Kühlschrank. Dort ist auch angebrochenes Öl bis zu 12 Monate haltbar, ungeöffnet sogar bis zu 24 Monate. Achten Sie beim Kauf auf eine Flaschengröße, die Sie innerhalb weniger Monate aufbrauchen können. Qualitätsmerkmale, auf die Sie achten sollten, sind: Bio-Zertifizierung, kaltgepresst (für die äußere Anwendung), dunkel gefärbte Flaschen zum Lichtschutz und eine seriöse Herkunftsangabe.

Sesamöl Verkaufsformen

Bio Sesamöl

Bio-Sesamöl stammt aus kontrolliert biologischem Anbau und ist frei von Pestizid- und Düngemittelrückständen. Kaltgepresste Bio-Öle sind naturbelassen und ungefiltert und bewahren das vollständige Spektrum an Vitaminen, Lignanen und ungesättigten Fettsäuren. Diese hellen Öle eignen sich sowohl zum Kochen als auch für die Haut- und Haarpflege. Sie sind in Größen von 100 ml bis zu 5-Liter-Kanistern erhältlich.

Das Bio-Öl aus gerösteten Samen dient mit seinem intensiven Aroma primär zum Verfeinern von Speisen. Da nur kleine Mengen benötigt werden, ist es meist in 100-ml- oder 250-ml-Flaschen erhältlich. Für Vielkocher gibt es auch die 500-ml-Variante.

Massageöl

Sesamöl-basierte Massageöle aus der Kosmetikbranche sind in der Regel bereits gereift, also einmalig erhitzt und damit sofort für die ayurvedische Massage einsetzbar. Einigen Produkten werden ätherische Öle wie Lavendelöl oder Sandelholzöl zugefügt, die der Massage einen angenehmen Duft verleihen und die Entspannungswirkung verstärken. Mit etwas Sahne oder Milch vermischt, lassen sie sich auch als pflegender Badezusatz verwenden. Erhältlich sind diese Öle in 250-ml-, 500-ml- und 1-Liter-Flaschen.

Quellenverzeichnis

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