Anisöl ist ein vielseitiges ätherisches Öl, das aus den Samen der echten Anispflanze (Pimpinella anisum) oder aus Sternanis (Illicium verum) gewonnen wird. Das aromatische Gewürz Anis stammt ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeerraum und Westasien und wird heute weltweit angebaut – unter anderem in Spanien, Ägypten, der Türkei, Indien und Russland.[1] Sein charakteristischer süßlich-würziger Duft erinnert viele Menschen an Weihnachtsgebäck, Sambuca oder Ouzo. 
Im Handel wird das ätherische Öl meist schlicht als „Anisöl" bezeichnet. Erst im Kleingedruckten zeigt sich, ob es aus der echten Anispflanze (Pimpinella anisum, Synonym: Anisi aetheroleum) oder aus Sternanis (Illicium verum) stammt. Beide Pflanzengattungen enthalten in ihren Samen den wirkungsgebenden Hauptinhaltsstoff Trans-Anethol, der für die meisten gesundheitlichen Eigenschaften verantwortlich ist.[2] Bereits die alten Ägypter, Römer und Griechen schätzten die Heilpflanze: Pythagoras beschrieb die entblähende Wirkung von Anis, der botanisch zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae) gehört. Traditionell wurde Anis auch zur Behandlung von Skorpion- und Schlangenbissen eingesetzt.[1]
Gewinnung von Anisöl
Reines ätherisches Anisöl wird durch Wasserdampfdestillation der reifen Samen (Früchte) der Anispflanze oder der Samenkapseln des Sternanis gewonnen. Bei diesem schonenden Verfahren wird Wasserdampf durch das zerkleinerte Pflanzenmaterial geleitet, wobei die flüchtigen Aromastoffe herausgelöst werden. Im Kühler kondensiert das Dampfgemisch, und das ätherische Öl trennt sich vom wässrigen Hydrolat.[3]
Die Anissamen enthalten zwischen 1,5 und 5 Prozent ätherisches Öl.[1] Um einen Liter reines Anisöl zu gewinnen, werden etwa 50 bis 95 Kilogramm Pflanzensamen benötigt – die genaue Menge hängt von der Qualität und dem Ölgehalt der jeweiligen Ernte ab. Frisch destilliertes Anisöl hat eine zartgelbe bis farblose Erscheinung und verströmt einen intensiv süß-aromatischen Duft.
Anisöl Inhaltsstoffe
Reines ätherisches Anisöl enthält eine Vielzahl bioaktiver Verbindungen. Mittels Gaschromatographie-Massenspektrometrie (GC-MS) konnten folgende Hauptinhaltsstoffe identifiziert werden:[2][3]
- Trans-Anethol (Hauptbestandteil, ca. 72–94 %)
- Estragol (Methylchavicol)
- γ-Himachalen
- p-Anisaldehyd
- cis-Anethol
- Limonen
- Linalool
- α-Pinen
- Anisol
- α-Terpineol
- Acetanisol
- Cumarine (u. a. Umbelliferon, Scopoletin)
- Sesquiterpene
- Phenylether
Der mit Abstand wichtigste Inhaltsstoff ist Trans-Anethol: Je nach Herkunft und Analysemethode macht er zwischen 72 und 94 Prozent des ätherischen Öls aus.[3] Dieser Phenylpropanoid-Derivat ist strukturell dem Hormon Östrogen ähnlich und besitzt nachweislich antimikrobielle, entzündungshemmende und krampflösende Eigenschaften.[1]
Wirkung von Anisöl
Anisöl besitzt ein breites Spektrum pharmakologischer Wirkungen, die in zahlreichen wissenschaftlichen Studien untersucht wurden.[1][2] Das ätherische Öl wirkt auf Körper, Geist und Seele:
- verdauungsfördernd und entblähend (karminativ)
- schleimlösend und auswurffördernd (expektorierend)
- krampflösend (spasmolytisch)
- antibakteriell und antimykotisch (fungizid)
- antiparasitär und insektizid
- entzündungshemmend
- antioxidativ
- Bronchien erweiternd
- leicht östrogenartig wirkend
- milchbildungsfördernd (galaktogog)
- angstlösend und entspannend
- stressmindernd und ausgleichend
Allein der aromatische Duft von Anis verschafft bei Erkältungen, Schnupfen, Bronchitis und grippalen Infekten ein wohltuendes Gefühl. Seit Jahrhunderten wird Anis traditionell zur Linderung von Atemwegsbeschwerden verwendet. Die European Medicines Agency (EMA) erkennt Aniszubereitungen als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Behandlung von produktivem Husten an.[4] Anisöl kann zähen Schleim in den Bronchien verflüssigen und so die Atmung erleichtern. Bei der Inhalation werden verstopfte Atemwege befreit, während das Öl gleichzeitig entzündungshemmend und antibakteriell wirkt.[2]
Studien zeigen zudem eine beachtliche antimikrobielle Wirkung: Anisöl hemmt nachweislich das Wachstum von Bakterien wie Staphylococcus aureus, Escherichia coli und Pseudomonas aeruginosa sowie von Pilzen wie Candida albicans.[3] Die antioxidativen Eigenschaften des Öls tragen ergänzend zum Schutz der Zellen bei.[1]
Egal ob innerlich oder äußerlich angewendet – bei Anisöl sollte stets eine kurzzeitige und keine dauerhafte Anwendung gewählt werden. Eine langfristige Nutzung in hohen Dosen ist aufgrund der östrogenartigen Eigenschaften des Anethols nicht empfehlenswert.[5]
Anwendungsgebiete von Anisöl
Bei den vielfältigen Anwendungsgebieten von Anisöl gelten folgende als besonders erwähnenswert. Anisöl kann sowohl innerlich als auch äußerlich verwendet werden:
Äußerliche Anwendung:
- Atemwegserkrankungen: Asthma, Bronchitis, Husten, Keuchhusten, Halsschmerzen, Schnupfen
- Verdauungsprobleme: Blähungen, Koliken, Verstopfung, Aufstoßen, Sodbrennen
- Hautpflege: Akne, Hautunreinheiten, fettige Haut
- Wassereinlagerungen: Ödeme, geschwollene Beine und Hände
- Schmerzen: Menstruationsbeschwerden, Bauchkrämpfe, Migräne
- Nervöse Beschwerden: Überreiztheit, Nervosität, Herzbeschwerden
- Mundgeruch
Innerliche Anwendung:
- Mandelentzündungen (als Gurgellösung)
- Blähungen und Magendrücken
- Anregung der Verdauung
- Magenkrämpfe
Die Anwendungsformen umfassen den Einsatz als Badezusatz, als Bestandteil von Cremes, Lotionen und Massageölen, innerlich in Honig oder Tee sowie als Inhalation mithilfe einer Duftlampe oder eines Diffusors.
Für eine Gurgellösung dosieren Sie Anisöl sehr sparsam: Ein Tropfen reines ätherisches Anisöl auf ein Glas warmes Wasser genügt. Sie können zusätzlich einen Tropfen Teebaumöl oder Pfefferminzöl hinzufügen, um die Wirkung bei Hals- und Mandelentzündungen oder Entzündungen der Mundschleimhaut zu verstärken.
Nach einem schweren Essen lässt sich die Verdauung anregen, indem Sie einen Tropfen Anisöl mit etwas Wasser oder einem Teelöffel Honig vermischt in einem Tee verrühren.
Anisöl gegen Parasiten und Läuse
Parasiten können trotz ihrer geringen Größe für den Menschen äußerst lästig werden. Anisöl besitzt nachgewiesene antiparasitäre und insektizide Eigenschaften.[1] Durch die Verwendung von Anisöl lassen sich Läuse, Zecken, Flöhe und Milben wirksam abwehren. Besonders bei Kopfläusen hat sich Anisöl als pflanzliche Alternative bewährt. Studien deuten darauf hin, dass Anisöl eine effektive Wirkung gegen Kopfläuse besitzt.[6] Dabei ist der Vorteil, dass der süßliche Duft des ätherischen Öls von den meisten Menschen als angenehm empfunden wird – ganz im Gegensatz zu chemischen Mitteln.
Auch bei der Abwehr von Mücken kann Anisöl unterstützend wirken. Mischen Sie dafür wenige Tropfen Anisöl mit einem Trägeröl und tragen Sie die Mischung auf unbedeckte Hautstellen auf.
Anisöl für Magen und Darm
Anis ist nicht umsonst gemeinsam mit Fenchel und Kümmel als Brotgewürz und Kräutertee so beliebt. Diese Kombination gehört zu den bekanntesten Hausmitteln bei Verdauungsbeschwerden. Das ätherische Anisöl wirkt spasmolytisch: Es vermindert die Ausschüttung bestimmter Neurotransmitter, die für eine krampfende Muskulatur im Magen- und Darmbereich verantwortlich sind.[1] Kontraktionen und Krämpfe im gesamten Bauchraum können dadurch spürbar gelindert werden.
Darüber hinaus wurden in Tierstudien gastroprotektive (magenschützende) Eigenschaften nachgewiesen: Anisöl kann die Magenschleimhaut vor Schädigungen schützen, möglicherweise durch seine antioxidativen Eigenschaften und eine Förderung der Prostaglandinsynthese.[4]
Anisöl als Massageöl bei Bauchschmerzen und Krämpfen
Anisöl, verdünnt mit einem pflegenden Trägeröl (zwei Tropfen Anisöl auf 30 ml Trägeröl wie Mandelöl oder Jojobaöl), ergibt eine wohltuende Massagemischung gegen Bauchkrämpfe und Koliken. Massieren Sie den Bauch am besten im Uhrzeigersinn – das folgt der natürlichen Darmrichtung und unterstützt die Peristaltik.
Diese Massage wird traditionell auch zur Linderung von Menstruationsschmerzen eingesetzt. Anisöl besitzt eine östrogenähnliche Wirkung, da der Hauptinhaltsstoff Trans-Anethol strukturell dem Dopaminrezeptor ähnelt und dadurch die Prolaktinfreisetzung beeinflussen kann.[5] PMS-Beschwerden lassen sich durch regelmäßige Bauchmassagen mit der Anisöl-Mischung lindern. Während der Massage findet zugleich eine Inhalation der ätherischen Dämpfe statt, die zusätzlich entspannend und angstlösend wirkt.
Anisöl als Badezusatz
Gerade bei Erkältungen, Husten und Verschleimungen der Atemwege wirkt ein Bad mit Anisöl besonders wohltuend, da dabei ein doppelter Effekt entsteht: Die warmen Dämpfe werden inhaliert, während die Wirkstoffe gleichzeitig über die Haut aufgenommen werden. Da ätherische Öle nicht wasserlöslich sind, müssen Sie einen Emulgator verwenden. Mischen Sie drei bis fünf Tropfen Anisöl mit einem Esslöffel Trägeröl, Sahne oder Honig und geben Sie die Mischung dann ins Badewasser.
Für eine verstärkte Wirkung können Sie weitere ätherische Öle ergänzen: Lavendelöl, Eukalyptusöl, Bergamotteöl oder Patchouli Öl eignen sich bei Erkältungen und Krämpfen besonders gut. Baden Sie bei einer Wassertemperatur von 37 bis 38 Grad Celsius für 20 bis 25 Minuten, damit die ätherischen Öle ihre Wirkung vollständig entfalten können. Nach dem Bad empfiehlt es sich, sich hinzulegen und in Ruhe zu erholen.
Anisöl in der Küche und für Ouzo
Anisöl ist ein beliebtes Aromatisierungsmittel in der Lebensmittelindustrie und findet sich in zahlreichen Süßspeisen, Gebäckvarianten und Getränken.[4] Statt der handelsüblichen Anissamen können Sie das Aroma viel dosierter und gleichmäßiger mithilfe eines lebensmittelechten Anisöls in Ihre Speisen und Getränke einbringen.
Besonders gefragt ist Anisöl für die Herstellung von Anislikören und Ouzo-ähnlichen Getränken. Traditionelle Spirituosen wie Ouzo, Pastis, Raki oder Sambuca erhalten ihren typischen Geschmack durch Anethol. Wenn Sie Ouzo oder einen Anislikör selber machen möchten, benötigen Sie lebensmittelechtes Anisöl (zum Verzehr geeignet) – achten Sie unbedingt auf die Kennzeichnung, denn nicht jedes ätherische Anisöl ist für den Verzehr zugelassen. Auf der Verpackung sollte explizit „lebensmittelecht" oder „zum Verzehr geeignet" stehen.
Wichtig bei der Dosierung in der Küche: Anisöl ist hochkonzentriert – bereits ein einziger Tropfen genügt für mehrere Portionen. Eine Überdosierung kann zu Übelkeit führen. Beginnen Sie daher immer mit der kleinsten Menge und tasten Sie sich vorsichtig an die gewünschte Geschmacksintensität heran.
Anisöl als Lockmittel bei der Jagd
Anisöl ist unter Jägern ein seit Langem bekanntes und geschätztes natürliches Lockmittel. Besonders Rehwild reagiert häufig stark auf den süßen Duft des ätherischen Öls und wird davon angezogen. Das Anisöl wird entweder pur an Baumstämmen oder Lecksteinen angebracht oder mit Salzpaste vermischt als Lockstoff verwendet. Auch bei der Schwarzwildbejagung setzen einige Jäger Anisöl ein.
Die Erfahrungen mit Anisöl als Lockmittel sind allerdings gemischt: Manche Jäger berichten von hervorragenden Ergebnissen, während andere Wild erleben, das den Duft verschmäht. Der Erfolg hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Wildart, die Jahreszeit, die Witterung und die lokalen Gegebenheiten. Im Jagdbedarf sind fertige Lockmischungen mit Anisöl erhältlich, diese sind jedoch vergleichsweise teuer. Ein kleines Fläschchen reines ätherisches Anisöl ist deutlich günstiger und ebenso wirkungsvoll.
Tipp für Jäger: Achten Sie beim Kauf darauf, dass es sich um 100 % reines ätherisches Anisöl handelt – synthetische Duftöle entfalten nicht denselben Lockeffekt auf Wild.
Neben der Jagd findet Anisöl auch beim Angeln Verwendung, wo es als Lockstoff in Fischködern eingesetzt wird.
Anisöl in der Aromatherapie
In der Aromatherapie wird Anisöl wegen seiner beruhigenden und angstlösenden Eigenschaften geschätzt. Einige Tropfen in einer Duftlampe oder einem Diffusor verbreiten einen warmen, süßlichen Duft, der Stress mindert, innere Anspannung löst und eine behagliche Atmosphäre schafft. Anisöl lässt sich in der Aromatherapie gut mit anderen ätherischen Ölen kombinieren, etwa mit Orangenöl, Zedernöl oder Rosenöl.
Die entspannende Wirkung kann auch bei Schlafstörungen und nervöser Unruhe hilfreich sein. Geben Sie dafür ein bis zwei Tropfen Anisöl auf ein Taschentuch neben dem Kopfkissen oder nutzen Sie einen elektrischen Diffusor im Schlafzimmer.
Anisöl zur Förderung der Milchbildung
Anis wird traditionell als Galaktogogum (milchbildungsförderndes Mittel) eingesetzt. Das enthaltene Trans-Anethol besitzt phytoöstrogene Eigenschaften und kann laut Studien die Prolaktinfreisetzung beeinflussen, indem es am Dopaminrezeptor wirkt.[5] Hebammen empfehlen stillenden Müttern daher häufig eine Teemischung aus Anis, Fenchel und Kümmel, um die Milchbildung nach der Entbindung anzuregen.
Eine Meta-Analyse zeigte, dass Anis die Milchmenge im Vergleich zu keiner Behandlung leicht erhöhen kann, wobei die Evidenz insgesamt als gering eingestuft wird.[5] Wichtig: Stillende Mütter sollten Anisöl oder Anistee nur in moderaten Mengen und über einen begrenzten Zeitraum einnehmen. Bei übermäßigem Konsum wurde in Einzelfällen über mögliche Nebenwirkungen bei gestillten Säuglingen berichtet.[5] Eine Rücksprache mit der Hebamme oder dem Arzt ist daher in jedem Fall ratsam. Während der Schwangerschaft sollte Anisöl aufgrund der östrogenartigen Wirkung gemieden werden.
Anisöl selber machen
Reines ätherisches Anisöl lässt sich zuhause nicht ohne Weiteres in hoher Qualität herstellen, da hierfür eine professionelle Destillationsapparatur und große Mengen an Pflanzenmaterial benötigt werden. Sie können jedoch ein Anisöl-Mazerat (Auszugsöl) herstellen, das sich für Massagen, als Hautpflegeöl oder in der Küche eignet:
Rezept für ein Anisöl-Mazerat:
- 2 Esslöffel ganze Anissamen im Mörser leicht anquetschen
- Die Samen in ein sauberes, verschließbares Glasgefäß geben
- Mit ca. 200 ml hochwertigem Trägeröl (z. B. Olivenöl, Sesamöl oder Sonnenblumenöl) übergießen
- Das Glas verschließen und an einem warmen, dunklen Ort vier bis sechs Wochen ziehen lassen
- Täglich einmal schütteln, damit sich die Aromastoffe gleichmäßig lösen
- Nach der Ziehzeit durch ein feines Sieb oder Tuch abseihen und in eine dunkle Flasche umfüllen
Das so gewonnene Mazerat enthält die fettlöslichen Wirkstoffe der Anissamen und eignet sich hervorragend als Massageöl oder zur Verfeinerung von Speisen. Für therapeutische Anwendungen, die ein hochkonzentriertes ätherisches Öl erfordern, empfiehlt es sich hingegen, ein professionell hergestelltes Produkt zu kaufen.
Wer mit einer kleinen Heimdestille arbeiten möchte, benötigt mindestens 500 Gramm bis ein Kilogramm leicht angestoßene Anissamen und kann damit per Wasserdampfdestillation wenige Milliliter ätherisches Öl und ein duftendes Hydrolat gewinnen.
Dosierung und Einnahme von Anisöl
Bei der Dosierung von Anisöl gilt grundsätzlich: Weniger ist mehr. Das ätherische Öl ist hochkonzentriert und sollte stets verdünnt angewendet werden.
Äußerliche Anwendung:
- Massageöl: 2–3 Tropfen Anisöl auf 30 ml Trägeröl
- Badezusatz: 3–5 Tropfen mit einem Emulgator (Sahne, Honig, Meersalz mit Öl) ins Badewasser
- Duftlampe/Diffusor: 3–5 Tropfen für einen Raum mittlerer Größe
- Inhalation: 1–2 Tropfen in eine Schüssel mit heißem Wasser, Dampf unter einem Handtuch einatmen
Innerliche Anwendung (nur lebensmittelechtes Anisöl):
- Verdauungsfördernd: 1 Tropfen in einem Teelöffel Honig oder einem Glas warmem Wasser
- Gurgellösung: 1 Tropfen auf ein Glas warmes Wasser
Wenden Sie Anisöl innerlich nur kurzzeitig und in geringen Mengen an. Eine Daueranwendung über mehrere Wochen wird nicht empfohlen. Für Kinder, Schwangere und Menschen mit östrogenabhängigen Erkrankungen ist die Einnahme von Anisöl nicht geeignet.[5]
Anisöl Nebenwirkungen
Bei sachgemäßer Anwendung und korrekter Dosierung kommt es nur selten zu Nebenwirkungen. Dennoch sind folgende Risiken zu beachten:[1][5]
- Allergische Reaktionen: Insbesondere Menschen mit Allergien gegen andere Doldenblütler (z. B. Fenchel, Kümmel, Koriander, Sellerie) sollten vorsichtig sein, da Kreuzallergien auftreten können.
- Hautreizungen: Unverdünntes Anisöl kann auf der Haut zu Kontaktdermatitis führen. Führen Sie daher vor der ersten Anwendung einen Verträglichkeitstest in der Armbeuge durch.
- Phototoxische Reaktionen: Anisöl kann die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Vermeiden Sie nach der äußerlichen Anwendung direkte Sonneneinstrahlung.
- Reizung der Magenschleimhaut: Bei innerlicher Anwendung kann es in höheren Dosen zu Magenreizungen kommen.
- Östrogenartige Wirkung: Aufgrund der phytoöstrogenen Eigenschaften von Anethol sollte Anisöl bei hormonabhängigen Erkrankungen (z. B. Brustkrebs, Endometriose) gemieden werden.
- Schwangerschaft: In der Schwangerschaft ist von der Verwendung von Anisöl abzuraten, da Anethol uterusstimulierende Eigenschaften besitzen kann.
- Kinder: Die EMA empfiehlt, Anisöl nicht bei Kindern unter 12 Jahren anzuwenden.[5]
Testen Sie Ihre persönliche Verträglichkeit vor der ersten Anwendung. Dosieren Sie Anisöl stets so gering wie möglich und steigern Sie nur bei Bedarf.
Anisöl kaufen – Worauf sollte geachtet werden?
Beim Kauf von Anisöl sollten Sie auf mehrere Qualitätsmerkmale achten, um ein hochwertiges Produkt zu erhalten:
1. Botanischer Name: Prüfen Sie, ob das Öl aus Pimpinella anisum (echte Anispflanze) oder Illicium verum (Sternanis) gewonnen wurde. Beide Öle enthalten Anethol als Hauptwirkstoff und besitzen ähnliche Eigenschaften, stammen jedoch aus verschiedenen Pflanzenfamilien.
2. Reinheit: Achten Sie auf die Bezeichnung „100 % reines ätherisches Öl" oder „naturreines ätherisches Öl". Vermeiden Sie synthetische oder naturidentische Duftöle – diese bieten keine therapeutische Wirkung.
3. Lebensmittelqualität: Wenn Sie Anisöl zum Verzehr, zum Backen oder für die Herstellung von Likören und Ouzo verwenden möchten, muss es als „lebensmittelecht" oder „zum Verzehr geeignet" gekennzeichnet sein. Ätherische Öle ohne diese Kennzeichnung sind ausschließlich zur äußerlichen Anwendung bestimmt.
4. Bezugsquellen: Reines ätherisches Anisöl ist in Apotheken, Drogerien (dm, Rossmann, Müller), Bioläden (Alnatura), Reformhäusern und in spezialisierten Online-Shops erhältlich. Bekannte Marken sind unter anderem Primavera, Baldini, Bergland, Sonnentor, Taoasis und Weleda. Für die Jagd werden größere Gebinde (100 ml bis 1 Liter) angeboten, die über den Jagdbedarf bezogen werden können.
5. Lagerung: Bewahren Sie Anisöl in einer dunklen Glasflasche an einem kühlen, trockenen Ort auf. Gut verschlossen hält es in der Regel ein bis zwei Jahre. Beachten Sie, dass Anisöl bei Temperaturen unter 15 °C kristallisieren kann – dies beeinträchtigt die Qualität nicht. Erwärmen Sie das Fläschchen in diesem Fall kurz in den Händen oder in einem warmen Wasserbad.
Häufige Fragen zu Anisöl
Kann man Anisöl innerlich einnehmen?
Ja, aber nur wenn das Anisöl ausdrücklich als lebensmittelecht oder zum Verzehr geeignet gekennzeichnet ist. Dosieren Sie äußerst sparsam: Ein Tropfen auf einen Teelöffel Honig oder in ein Glas warmes Wasser genügt. Die innere Anwendung sollte nur kurzzeitig erfolgen und ist für Kinder unter 12 Jahren, Schwangere und Menschen mit hormonabhängigen Erkrankungen nicht geeignet.[5]
Welches Anisöl eignet sich für Ouzo?
Für die Herstellung von Ouzo oder Anislikör benötigen Sie ein lebensmittelechtes Anisöl mit der Kennzeichnung „zum Verzehr geeignet". Es kann sowohl aus Pimpinella anisum als auch aus Sternanis (Illicium verum) stammen. Der typische Ouzo-Geschmack entsteht durch das Anethol, das in beiden Varianten den Hauptbestandteil ausmacht.
Hilft Anisöl gegen Zecken und Milben?
Anisöl besitzt nachgewiesene antiparasitäre Eigenschaften und kann als natürliches Abwehrmittel gegen verschiedene Parasiten eingesetzt werden, darunter auch Zecken und Milben.[1] Für den Einsatz als Zeckenschutz mischen Sie einige Tropfen Anisöl mit einem Trägeröl und tragen die Mischung vor dem Aufenthalt im Freien auf exponierte Hautstellen auf. Beachten Sie, dass pflanzliche Mittel keinen vollständigen Schutz bieten und bei starkem Zeckenbefall ärztlicher Rat eingeholt werden sollte.
Wirkt Anisöl gegen Marder?
Einige Hausmittel-Ratgeber empfehlen Anisöl zur Marderabwehr. Der intensive Geruch soll die Tiere vertreiben. Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit gegen Marder gibt es allerdings nicht. Der Effekt ist, wenn überhaupt, nur vorübergehend, da sich Marder an Gerüche gewöhnen. Für eine langfristige Marderabwehr sind andere Maßnahmen effektiver.
Was ist der Unterschied zwischen Anisöl und Sternanisöl?
Anisöl stammt aus der echten Anispflanze (Pimpinella anisum, Familie Apiaceae), Sternanisöl aus dem Sternanis (Illicium verum, Familie Schisandraceae). Obwohl die Pflanzen botanisch nicht verwandt sind, enthalten beide Öle Trans-Anethol als Hauptbestandteil und besitzen eine sehr ähnliche Wirkung. Sternanisöl ist in der Regel günstiger, da Sternanis ergiebiger ist.[2]
Quellen
- Shojaii, A. & Abdollahi Fard, M. (2012). Review of Pharmacological Properties and Chemical Constituents of Pimpinella anisum. International Scholarly Research Notices, 2012, 510795. doi:10.5402/2012/510795
- Ferrante, C. et al. (2023). Pimpinella anisum L. Essential Oil a Valuable Antibacterial and Antifungal Alternative. Plants, 12(13), 2428. doi:10.3390/plants12132428
- Ouelbani, R. et al. (2023). A Multidimensional Review of Pimpinella anisum and Recommendation for Future Research to Face Adverse Climatic Conditions. Horticulturae, 9(3), 385. doi:10.3390/horticulturae9030385
- European Medicines Agency – Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC). Assessment report on Pimpinella anisum L., fructus and Pimpinella anisum L., aetheroleum. EMA/HMPC/321181/2012.
- Drugs and Lactation Database (LactMed®). Anise. National Institute of Child Health and Human Development, Bethesda (MD), 2006–2026. NCBI Bookshelf: NBK501776.
- Al-Maktari, N. A. et al. (2024). Constituents and therapeutic activities of Pimpinella anisum: A review. International Journal of Biological and Pharmaceutical Sciences Archive, 08(02), 067–078.



