Jojobaöl zählt zu den vielseitigsten Naturprodukten in der Haut- und Haarpflege. Streng genommen handelt es sich dabei gar nicht um ein Öl, sondern um ein flüssiges Pflanzenwachs – das einzige, das in der Natur vorkommt.[1] Seine chemische Struktur ähnelt dem menschlichen Hauttalg (Sebum) so stark, dass die Haut es nahezu rückstandslos aufnimmt. Bereits die indigenen Völker Nordamerikas, darunter die O'odham, nutzten das Wachs aus den Samen des Jojobastrauchs zur Wund- und Haarpflege.[2] Die moderne Kosmetikindustrie entdeckte Jojobaöl in den 1970er Jahren, als der Einsatz von Walrat (Spermaceti) zum Schutz der Wale verboten wurde. Seitdem gilt es als eine der wertvollsten natürlichen Grundlagen für Kosmetikprodukte. Seine volle Wirkung entfaltet jedoch nur wirklich hochwertiges, kaltgepresstes Bio-Jojobaöl – worauf es dabei ankommt, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Gewinnung von Jojobaöl
Jojobaöl wird aus den Samen der Früchte des Jojobastrauchs (Simmondsia chinensis) gewonnen. Der immergrüne, reich verzweigte Strauch erreicht eine Höhe von bis zu zwei Metern und wächst vor allem in den Wüsten und Halbwüsten Nordamerikas – in Mexiko, Kalifornien und in Arizonas Sonora-Wüste. Weitere Anbaugebiete befinden sich in Argentinien, Peru, Israel, Ägypten und Australien.[1]
Die Pflanze ist äußerst genügsam und verfügt über tiefe Pfahlwurzeln, die bis zu 30 Meter in den Boden reichen und selbst in trockenen Regionen Wasservorräte erschließen können. Dadurch lässt sich Jojoba auch dort anbauen, wo herkömmliche Landwirtschaft unmöglich ist. Der Jojobastrauch kann bis zu 200 Jahre alt werden und zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Robustheit aus, weshalb kaum Pflanzenschutzmittel benötigt werden.
Werden die weiblichen Blüten des Strauches durch Wind oder Insekten bestäubt, bilden sich Kapselfrüchte. Nach etwa drei bis sechs Monaten sind diese reif und werden von Hand oder maschinell geerntet. Die darin enthaltenen runzeligen, braunen Samen – in Form und Größe einer Olive ähnlich – werden anschließend durch Kaltpressung verarbeitet. Jede Nuss besteht zu rund 50 % aus dem wertvollen Pflanzenwachs.[6] Im Gegensatz zu raffinierten Ölen bleiben bei der Kaltpressung alle wichtigen Inhaltsstoffe erhalten.
Jojobaöl Inhaltsstoffe
Die besondere Zusammensetzung von Jojobaöl unterscheidet es grundlegend von herkömmlichen Pflanzenölen. Während diese hauptsächlich aus Triglyceriden bestehen, setzt sich Jojobaöl zu etwa 97 % aus langkettigen, einfach ungesättigten Wachsestern zusammen.[1] Sein Schmelzpunkt liegt bei etwa 7 °C, weshalb es bei Raumtemperatur flüssig bleibt – und damit das einzige natürlich vorkommende flüssige Wachs darstellt. Dieser Aufbau verleiht ihm eine außergewöhnlich lange Haltbarkeit; im Vergleich zu anderen Ölen wird es deutlich langsamer ranzig.
Die Fettsäurezusammensetzung von Jojobaöl gliedert sich wie folgt:[6]
- ca. 67–75 % Gadoleinsäure (Eicosensäure, Omega-9)
- ca. 12–15 % Erucasäure
- ca. 8–11 % Ölsäure
- ca. 1–2 % Nervonsäure
- ca. 1 % Palmitinsäure
Darüber hinaus enthält Jojobaöl wertvolle Vitamine und Mineralstoffe: Vitamin E (Tocopherol), Vitamin B-Komplex, Provitamin A (Betacarotin) sowie Mineralstoffe wie Zink, Kupfer, Chrom und Jod.[1] Provitamin A unterstützt das Immunsystem, die Zellentwicklung und den Stoffwechsel. Es hilft Haut und Schleimhäuten, gesund zu bleiben und eine Barriere gegen Bakterien aufzubauen. Vitamin E fördert die Kollagenbildung in der Haut und kann so zu einem strafferen Hautbild sowie glatteren Narben beitragen. Die enthaltenen Mineralstoffe wirken sich positiv auf die Blutbildung und den Stoffwechsel aus.
Ein weiterer Inhaltsstoff ist Simmondsin, ein in den Jojobasamen vorkommendes Toxin. Aus diesem Grund ist Jojobaöl ausschließlich zur äußerlichen Anwendung bestimmt – ein Verzehr von Jojobasamen wird nicht empfohlen, da die enthaltene Erucasäure bei oraler Aufnahme schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben kann.[3]
Wirkung von Jojobaöl
Die Wirkung von Jojobaöl auf Haut und Haar ist wissenschaftlich gut untersucht. Moderne Forschung bestätigt eine Vielzahl pharmakologischer Eigenschaften, darunter antioxidative, entzündungshemmende, antibakterielle und wundheilungsfördernde Wirkungen.[1]
Besonders hervorzuheben sind folgende Wirkungen:
Feuchtigkeitsspendend und pflegend: Da die Wachsester des Jojobaöls dem menschlichen Sebum strukturell sehr ähnlich sind, wird es von der Haut nahezu rückstandslos aufgenommen, ohne einen fettigen Film zu hinterlassen.[1] In dermatologischen Tests konnte gezeigt werden, dass Jojobaöl die Geschmeidigkeit der Haut erhöht und dieser Effekt über viele Stunden anhält.[4]
Entzündungshemmend: Eine Studie aus dem Jahr 2005 wies nach, dass Jojobaöl eine signifikante entzündungshemmende Wirkung besitzt, die sowohl bei akuten als auch bei chronischen Hautentzündungen relevant ist.[4]
Antibakteriell: Jojobaöl hemmt die Ausbreitung von Mikroorganismen auf der Haut und wirkt Keimen entgegen. Produkte, die Jojobaöl enthalten, kommen daher häufig mit weniger Konservierungsstoffen aus.[1]
Wundheilend: In-vitro-Studien zeigten, dass Jojobaöl die Wundheilung durch die Förderung neuer Hautzellbildung beschleunigen kann.[5]
Sebumregulierend: Da Jojobaöl dem Hauttalg ähnelt, kann es die natürliche Talgproduktion der Haut regulieren. Die Haut erkennt das aufgetragene Wachs und produziert weniger eigenes Sebum – was besonders bei fettiger Haut und Unreinheiten von Vorteil ist.[1]
Die Verträglichkeit ist bei allen Hauttypen äußerst gut. Jojobaöl ist geruchsneutral und somit vielseitig einsetzbar – etwa als Trägeröl für ätherische Öle oder als eigenständiges Pflegeprodukt.
Anwendungsgebiete von Jojobaöl
Jojobaöl für die Haare und Kopfhaut
Die positive Wirkung von Jojobaöl auf das Haar ist seit dem 18. Jahrhundert bekannt, als die indigenen Völker Nordamerikas es bereits zur Haarpflege einsetzten. Jojobaöl bringt Glanz ins Haar, pflegt die Kopfhaut, bekämpft Juckreiz, mildert Schuppenbefall und beugt Spliss vor.[2]
Im Gegensatz zu vielen anderen Haarölen beschwert Jojobaöl das Haar nicht, indem es es ummantelt. Seine Moleküle dringen in die Haarfollikel ein und stärken das Haar von innen heraus. Die größte Wirkung entfaltet es, wenn es ins feuchte Haar eingeknetet wird – Problemstellen wie Haarspitzen dürfen dabei besonders gründlich bearbeitet werden.
Jojobaöl bildet außerdem eine Schutzschicht auf der Kopfhaut, die Feuchtigkeit einschließt und so trockener, juckender Kopfhaut sowie Schuppenbildung entgegenwirkt.[2] Bei rasch fettendem Haar empfiehlt es sich, das Öl vorwiegend in den Längen und Spitzen anzuwenden und die Kopfhaut nicht zu häufig direkt zu behandeln, da das Nachfetten sonst beschleunigt werden kann. Eine gelegentliche Kopfhautbehandlung ist jedoch förderlich. Das Öl sollte nicht direkt in fertige Haarpflegeprodukte eingemischt werden, da sich die Wirkung dadurch verschlechtern kann.
Tipp für die Anwendung: Einige Tropfen Jojobaöl in den Händen verreiben und ins handtuchtrockene Haar einarbeiten. Für eine intensive Haarkur das Öl großzügig auftragen, ein Handtuch um den Kopf wickeln und mindestens 30 Minuten oder über Nacht einwirken lassen. Anschließend gründlich auswaschen. Für zusätzliche Wirkung lässt sich Jojobaöl mit Rosmarinöl kombinieren, das die Durchblutung der Kopfhaut fördern kann.
Jojobaöl für das Gesicht und die Haut
Bei der Gesichtspflege macht man sich zunutze, dass die Wachsester im Jojobaöl die Haut zart, geschmeidig und widerstandsfähig zugleich machen. Die Haut wird optimal geschützt und mit Feuchtigkeit versorgt, ohne dass ein öliger Film zurückbleibt. Durch seine Fettsäuren glättet Jojobaöl feine Linien und verfügt über eine Art natürlichen Anti-Aging-Effekt – in dermatologischen Untersuchungen konnte eine Reduktion oberflächlicher Gesichtsfalten bei regelmäßiger Anwendung beobachtet werden.[4]
Mit Meersalz angerührt, erhalten Sie ein naturbelassenes Peeling. Nach einer kurzen Einwirkzeit lässt es sich mit lauwarmem Wasser und einem Tuch abnehmen. In Kombination mit Avocadoöl oder Gurke entsteht eine wohltuende Gesichtsmaske. In der kälteren Jahreszeit schützt Jojobaöl in seiner reinen Form vor Wind und Kälte. Wer seinen Kindern zum Schutz keine parfümierten Produkte auftragen möchte, kann auf Jojobaöl als schonende Alternative zurückgreifen.
Neben dem Gesicht darf auch der gesamte Körper in den Genuss einer Jojobaöl-Behandlung kommen. Das Wachs besitzt eine ausgezeichnete Spreitung – es verteilt sich leicht auf der Haut, zieht rasch ein und eignet sich für alle Hauttypen. Jojobaöl wird auch von sensibler Haut sehr gut vertragen. Bei regelmäßiger Anwendung regeneriert sich schuppige, trockene Haut spürbar.[7]
Besonders trockene, rissige Hände oder Fingerkuppen profitieren ebenfalls von Jojobaöl. Dieses Problem tritt häufig in der kühleren Jahreszeit auf, die mit sehr trockener Heizungsluft einhergeht. Rissige Hände sind nicht nur ein kosmetisches Thema – der zerstörte Säureschutzmantel macht die Haut auch anfälliger für Entzündungen oder Ekzeme. Kommt die Haut häufig mit aggressiven Reinigungs- oder Desinfektionsmitteln in Kontakt, wird der Schutzmantel zusätzlich beansprucht. Spätestens wenn sich feine Risse und Rötungen bilden oder sich Juckreiz häuft, ist es an der Zeit, zu handeln.
Haben Ihre Füße Hornhaut angesetzt, kann Jojobaöl auch hier helfen. Es dringt ins Innere der Haut ein und unterstützt die Aufweichung der Hornschicht.
Jojobaöl gegen Akne und unreine Haut
Die Anwendung von Jojobaöl bei Akne ist wissenschaftlich vielversprechend. Eine Pilotstudie der Charité Berlin aus dem Jahr 2012 untersuchte die Wirkung einer Gesichtsmaske aus Heilerde und Jojobaöl bei 194 Probanden mit leichter bis mittlerer Akne. Nach sechswöchiger Anwendung (zwei- bis dreimal pro Woche) wurde eine durchschnittliche Reduktion der Hautläsionen um 54 % beobachtet – Pusteln reduzierten sich um 49 %, Papeln um 57 % und Zysten um 69 %.[8]
Jojobaöl wirkt dabei auf mehreren Ebenen: Als flüssiges Wachs kann es Talgablagerungen in den Haarfollikeln auflösen, die Komedonen (Mitesser) verursachen, und so die Poren reinigen.[1] Gleichzeitig reguliert es die Talgproduktion und wirkt antibakteriell, ohne die Haut auszutrocknen – ein entscheidender Vorteil gegenüber vielen herkömmlichen Anti-Akne-Präparaten.
Dennoch gilt: Akne ist eine komplexe Angelegenheit. Während viele Anwender positive Erfahrungen berichten, gibt es vereinzelt Stimmen, die eine Verschlechterung beobachtet haben. Im Einzelfall sollte die Verträglichkeit unter Beobachtung der Hautreaktionen getestet werden. Eine schlechte Qualität des Öls kann dabei durchaus der Grund für negative Erfahrungen sein. Wie so oft sind Geduld sowie eine gesunde Ernährung der Schlüssel für langfristigen Erfolg.
Jojobaöl für Nägel und Nagelhaut
Jojobaöl eignet sich hervorragend zur Pflege von Nägeln und Nagelhaut. Die enthaltenen Vitamine E und B stärken brüchige Nägel und fördern ein gesundes Nagelwachstum. Gleichzeitig pflegt und weicht es trockene, rissige Nagelhaut auf. Für die Anwendung genügt es, einige Tropfen Jojobaöl auf die Nägel und die umgebende Nagelhaut aufzutragen und sanft einzumassieren. Am besten wirkt diese Behandlung abends vor dem Schlafengehen, damit das Öl über Nacht einziehen kann.
Jojobaöl für die Bartpflege
Auch in der Bartpflege hat sich Jojobaöl bewährt. Es spendet dem Barthaar Feuchtigkeit und Geschmeidigkeit, ohne es zu beschweren. Gleichzeitig pflegt es die darunterliegende Gesichtshaut, die unter einem Bart häufig zu Trockenheit und Juckreiz neigt. Durch seine geruchsneutrale Eigenschaft eignet sich Jojobaöl ideal als Basis für selbst gemachte Bartöle. Einige Tropfen in den Bart einmassiert, sorgen für ein gepflegtes Erscheinungsbild und einen weichen Griff.
Jojobaöl bei Neurodermitis und Schuppenflechte
Die entzündungshemmenden und hautberuhigenden Eigenschaften machen Jojobaöl zu einer wertvollen Ergänzung bei der Pflege von Neurodermitis (atopische Dermatitis) und Schuppenflechte (Psoriasis). Die in Jojobaöl enthaltenen Verbindungen können Hautschuppen auflösen und den Aufbau gesunder Hautschichten fördern.[2] Zudem wirken die entzündungshemmenden Bestandteile beruhigend bei Juckreiz und Rötungen.[4]
Zur Behandlung von Neurodermitis, Schuppenflechte und Milchschorf wird Jojobaöl häufig mit Sheabutter kombiniert. Diese Kombination bildet eine schützende, feuchtigkeitsspendende Schicht, die das Austrocknen der Haut verhindert und Schübe abmildern kann. Wichtig ist, dass Jojobaöl die Haut pflegt, ohne sie zu reizen – dermatologisch wird es für empfindliche und zu Ekzemen neigende Haut empfohlen.[7] Bei neuen Produkten empfiehlt sich dennoch stets ein Verträglichkeitstest an einer kleinen Hautstelle.
Jojobaöl in der Schwangerschaft
Die äußerliche Anwendung von Jojobaöl gilt auch in der Schwangerschaft als unbedenklich.[3] Durch seine feuchtigkeitsspendende und hautelastizitätsfördernde Wirkung eignet es sich besonders gut zur Vorbeugung und Pflege von Schwangerschaftsstreifen. Eine regelmäßige Massage mit Jojobaöl kann die Elastizität der Haut verbessern und so das Risiko für Dehnungsstreifen verringern. Bestehen bereits Schwangerschaftsstreifen, kann die kontinuierliche Anwendung zu einer deutlichen Milderung ihres Erscheinungsbildes beitragen.
Wichtig: Jojobaöl ist ausschließlich äußerlich anzuwenden. Eine orale Einnahme ist – besonders in der Schwangerschaft – strikt zu vermeiden.[3]
Jojobaöl bei Narben und Wundheilung
Jojobaöl kann die Heilung von Narben und leichten Hautverletzungen unterstützen. In-vitro-Untersuchungen zeigten, dass Jojobaöl die Zellmigration fördert und den Wundheilungsprozess beschleunigen kann.[5] Das enthaltene Vitamin E unterstützt die Hautregeneration und kann zur Glättung von Narbengewebe beitragen. Dies gilt für verschiedene Narbenarten – von leichten Verbrennungen bis hin zu Operationsnarben wie nach einem Kaiserschnitt.
Für offene Wunden ist Jojobaöl jedoch nicht geeignet. Die Anwendung sollte erst nach dem Verschluss der Wundoberfläche erfolgen. Bei regelmäßigem Auftragen kann sich das Narbengewebe im Laufe der Zeit sichtbar verbessern.
Jojobaöl als Massageöl
Aufgrund seiner hervorragenden Spreitung und hohen Pflegekomponente eignet sich Jojobaöl ideal als Massageöl. Es gleitet gut auf der Haut, zieht nicht zu schnell ein und hinterlässt ein angenehmes, nicht fettiges Hautgefühl. Da Jojobaöl weitgehend geruchsneutral ist, bildet es die perfekte Basis für Aromamischungen.
Bei 100 ml Jojobaöl reichen etwa 15–20 Tropfen eines hochwertigen ätherischen Öls. Orangenöl und Lavendelöl wirken entspannend und eignen sich für eine Wohlfühlmassage. Möchten Sie das Öl nach dem Sport auftragen, bieten sich Rosmarinöl und Lavendelöl an. In der Erkältungszeit hat sich eine Mischung aus Cajeputöl, Thymianöl, Zitronenöl und Lavendelöl bewährt. Auch Kokosöl kann für eine reichhaltigere Mischung beigemischt werden.
Jojobaöl als Sonnenschutz
Jojobaöl verfügt über einen natürlichen, wenn auch geringen Lichtschutzfaktor von etwa 3 bis 4.[1] Es kann UV-bedingte Kollagenschäden reduzieren und so den Hautalterungsprozess durch Sonneneinstrahlung verlangsamen. Aus diesem Grund dient es häufig als Basis für natürliche Sonnenöle.
Wer sich regelmäßig mit Jojobaöl pflegt, unterstützt die natürliche Schutzfunktion der Haut. Auch natürliche Bräune kann länger gehalten werden. Bei Sonnenbrand bringt Jojobaöl Linderung und Pflege zugleich, da seine entzündungshemmenden Eigenschaften Rötungen und Schwellungen mildern können.[2]
Wichtig: Der natürliche Lichtschutzfaktor von Jojobaöl ersetzt keinen vollwertigen Sonnenschutz. Bei intensiver Sonneneinstrahlung sollte stets ein Sonnenschutzmittel mit ausreichend hohem LSF verwendet werden.
Ist Jojobaöl komedogen?
Eine häufige Frage lautet, ob Jojobaöl die Poren verstopft. Die Antwort: Jojobaöl gilt als nicht komedogen bzw. hat einen sehr niedrigen Komedogenitätswert (0–2 auf der Skala von 0–5). Das bedeutet, es verstopft die Poren in der Regel nicht und ist auch für zu Unreinheiten neigende Haut geeignet.[1]
Der Grund liegt in seiner besonderen Molekülstruktur. Anders als herkömmliche Öle besteht Jojobaöl aus großen Wachsestermolekülen, die nicht in die Poren eindringen, sondern auf der Hautoberfläche eine schützende Schicht bilden. Gleichzeitig reguliert es die körpereigene Talgproduktion – die Haut produziert weniger Talg, was Unreinheiten entgegenwirken kann. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie in unserem Ratgeber zu komedogenen und nicht komedogenen Ölen.
Dosierung und Anwendung von Jojobaöl
Die richtige Dosierung von Jojobaöl hängt vom Anwendungsgebiet ab. Generell gilt: Weniger ist oft mehr, da das Wachs sehr ergiebig ist.
Gesichtspflege: 2–3 Tropfen genügen, um das gesamte Gesicht zu versorgen. Am besten abends als letzte Pflegeschicht nach Seren oder medizinischen Cremes auftragen. Sanft in die leicht angefeuchtete Haut einmassieren.
Haarpflege: Je nach Haarlänge 3–10 Tropfen in den Händen verreiben und ins feuchte oder trockene Haar einarbeiten. Für eine intensive Kur können größere Mengen (etwa ein Teelöffel) auf Haar und Kopfhaut aufgetragen und über Nacht einwirken gelassen werden.
Körperpflege: Einige Tropfen nach dem Duschen auf die noch leicht feuchte Haut auftragen. Das eingeschlossene Wasser wird so in der Haut gebunden.
Als Trägeröl: 100 ml Jojobaöl mit 15–20 Tropfen eines ätherischen Öls mischen. Jojobaöl eignet sich ideal als Basis, da es geruchsneutral ist und ätherische Öle gut aufnimmt.
Nagelpflege: 1–2 Tropfen auf jeden Nagel und die umgebende Nagelhaut auftragen und einmassieren.
Nebenwirkungen und Nachteile von Jojobaöl
Jojobaöl ist bei äußerlicher Anwendung für die meisten Menschen gut verträglich. Allergische Reaktionen sind äußerst selten, können aber in Einzelfällen vorkommen und sich durch Juckreiz, Rötungen oder Hautausschlag äußern.[3] Bei empfindlicher Haut empfiehlt es sich, zunächst einen Verträglichkeitstest an einer kleinen Hautstelle durchzuführen.
Die möglichen Nachteile und Risiken im Überblick:
Orale Einnahme ist gefährlich: Jojobaöl ist ausschließlich zur äußerlichen Anwendung bestimmt. Es enthält Erucasäure und Simmondsin, die bei Verzehr Organschäden verursachen können. In der Vergangenheit kursierten online „natürliche Schlankmacher" auf Basis von Jojobasamen – diese sind inzwischen verboten, da Gesundheitsschäden auch beim Menschen zu erwarten sind.[3]
Mögliche Erstverschlimmerung: Bei manchen Anwendern kann es in den ersten Tagen zu einer Erstverschlimmerung kommen – die Haut scheint zunächst unreiner zu werden, bevor sich eine Verbesserung einstellt. Dies kann an der Tiefenreinigung der Poren durch das Jojobaöl liegen.
Qualitätsunterschiede: Minderwertiges, mehrfach gepresstes oder raffiniertes Jojobaöl enthält deutlich weniger Wirkstoffe und kann die Haut im schlimmsten Fall reizen statt pflegen. Achten Sie daher stets auf Bio-Qualität und Kaltpressung.
Nicht für offene Wunden: Jojobaöl sollte nicht auf offene Wunden aufgetragen werden, sondern erst nach dem Wundverschluss zur Narbenpflege eingesetzt werden.
Haltbarkeit und Lagerung von Jojobaöl
Ein wesentlicher Vorteil von Jojobaöl gegenüber herkömmlichen Pflanzenölen ist seine außergewöhnlich lange Haltbarkeit. Da es sich chemisch um ein Wachs und nicht um ein Triglycerid-basiertes Öl handelt, ist es deutlich widerstandsfähiger gegen Oxidation. Kaltgepresstes Jojobaöl kann bei richtiger Lagerung problemlos zwei bis drei Jahre haltbar bleiben, ohne ranzig zu werden.[1]
Für eine optimale Lagerung sollten Sie folgende Punkte beachten: Bewahren Sie das Öl an einem kühlen, trockenen Ort bei maximal 25 °C auf. Schützen Sie es vor direkter Sonneneinstrahlung – am besten in einer dunklen Glasflasche. Verschließen Sie die Flasche nach jedem Gebrauch sorgfältig. Bei Temperaturen unter 7 °C kann Jojobaöl fest werden. Das ist ein natürlicher Vorgang und kein Qualitätsmangel – bei Raumtemperatur wird es wieder flüssig, ohne an Wirksamkeit zu verlieren.
Jojobaöl kaufen – Worauf sollte geachtet werden?
Beim Kauf von Jojobaöl ist die Qualität entscheidend für die Wirksamkeit. Wo Sie Ihr Jojobaöl kaufen – ob in der Apotheke, im Reformhaus, in der Drogerie oder online – spielt im Grunde keine Rolle. Wichtig sind folgende Qualitätsmerkmale:
Kaltpressung (1. Pressung): Achten Sie stets auf ein naturbelassenes Erstpressöl, das nicht mit chemischen Stoffen versetzt oder stark erhitzt wurde. Bei der Kaltpressung bleiben alle wertvollen Antioxidantien und Nährstoffe erhalten.
Goldgelbe Farbe: Hochwertiges, kaltgepresstes Jojobaöl erkennen Sie an seiner goldgelben Farbe und einem dezenten, leicht nussigen Duft. Wirkt das Öl hell, farblos oder völlig geruchlos, handelt es sich meist um ein mehrfach gepresstes oder raffiniertes Produkt, dessen Wirkstoffgehalt deutlich geringer ist.
Bio-Zertifizierung: Ein Bio-Siegel stellt sicher, dass der Jojobaanbau ohne synthetische Pestizide und Düngemittel erfolgte. Da der Jojobastrauch ohnehin sehr robust ist, kommen auch bei konventionellem Anbau vergleichsweise wenig Pflanzenschutzmittel zum Einsatz – dennoch bietet Bio-Qualität eine zusätzliche Sicherheit.
Reines Jojobaöl (100 %): Achten Sie darauf, dass keine weiteren Zusatzstoffe, Parfüme oder synthetische Konservierungsmittel enthalten sind. Die INCI-Bezeichnung sollte ausschließlich „Simmondsia Chinensis Seed Oil" lauten.
Jojobaöl Verkaufsformen
Bio Jojobaöl
Der größte Vorteil von reinem Bio-Jojobaöl liegt in seiner universellen Einsetzbarkeit. In seiner puren Form als biologisches Öl kalter Pressung kann es für zahlreiche Zwecke verwendet werden: Es verhilft trockenem Haar zu Glanz und Geschmeidigkeit, beruhigt gerötete, juckende Kopfhaut, reinigt und pflegt das Gesicht und schützt vor Kälte und Sonne. Bei Hautunreinheiten wirkt es antibakteriell und reguliert die Talgproduktion. Es macht den Körper zart und geschmeidig, spendet Feuchtigkeit und glättet Narben. Zudem dient es als ideale Basis für selbst gemachte Naturkosmetik und Massageöle.
Wird Jojobaöl mit anderen natürlichen Zutaten kombiniert, entstehen vielfältige Pflegeprodukte wie Cremes, Shampoos, Haarkuren, Reinigungslotionen, Seifen und Lippenpflegen. Die Kosmetikindustrie bietet ein breites Sortiment an. Achten Sie bei den Produkten kritisch auf die genauen Inhaltsstoffe – nur weil Jojobaöl auf der Verpackung steht, muss es nicht in wirksamer Konzentration enthalten sein. Online-Suchmaschinen liefern zahlreiche Rezepte für selbst gefertigte Cremes, Masken, Peelings und Kuren, falls Sie unter die Kosmetikmacher gehen möchten. Als Vergleich: Auch Arganöl und Mandelöl sind beliebte Alternativen in der Naturkosmetik, wobei jedes Öl sein eigenes Stärken-Profil mitbringt.
Quellenverzeichnis
- Gad, H. A., Roberts, A., Hamzi, S. H., et al. (2021). Jojoba Oil: An Updated Comprehensive Review on Chemistry, Pharmaceutical Uses, and Toxicity. Polymers, 13(11), 1711. doi:10.3390/polym13111711
- Tietel, Z., Melamed, S., et al. (2021). Jojoba Oil and Its Derivative Jojoba Wax: Bioactivities and Pharmaceutical Applications. In: Bioactive Phytochemicals from Vegetable Oil Oilseeds. Springer. doi:10.1007/978-3-030-81621-4_8
- Pazyar, N., Yaghoobi, R., et al. (2013). Jojoba in dermatology: A succinct review. Giornale Italiano di Dermatologia e Venereologia, 148(6), 687–691. PMID: 24442052
- Habashy, R. R., Abdel-Naim, A. B., Khalifa, A. E., & Al-Azizi, M. M. (2005). Anti-inflammatory effects of jojoba liquid wax in experimental models. Pharmacological Research, 51(2), 95–105. doi:10.1016/j.phrs.2004.04.012
- Ranzato, E., Martinotti, S., & Burlando, B. (2011). Wound healing properties of jojoba liquid wax: An in vitro study. Journal of Ethnopharmacology, 134(2), 443–449. doi:10.1016/j.jep.2010.12.042
- Awad, N. A., Eliraq, M., et al. (2022). Evaluation of the Effect of Elite Jojoba Lines on the Chemical Properties of their Seed Oil. Molecules, 27(12), 3904. doi:10.3390/molecules27123904
- Lin, T. K., Zhong, L., & Santiago, J. L. (2017). Anti-Inflammatory and Skin Barrier Repair Effects of Topical Application of Some Plant Oils. International Journal of Molecular Sciences, 19(1), 70. doi:10.3390/ijms19010070
- Meier, L., Stange, R., Michalsen, A., & Uehleke, B. (2012). Clay jojoba oil facial mask for lesioned skin and mild acne – results of a prospective, observational pilot study. Forschende Komplementärmedizin, 19(2), 75–79. doi:10.1159/000338076











