Nelkenöl

Zuletzt aktualisiert: 12.02.26

Nelkenöl ist ein hochwirksames pflanzliches Arzneimittel, das aus den getrockneten Blütenknospen des Gewürznelkenbaums (Syzygium aromaticum) durch Wasserdampfdestillation gewonnen wird. Die Pflanze gehört zur Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae), einer Pflanzenfamilie mit rund 4.620 Arten und 131 Gattungen. Das ätherische Öl ist unter dem pharmazeutischen Namen Caryophylli floris aetheroleum (PhEur) bekannt und wird sowohl in der modernen Zahnmedizin als auch in der traditionellen Naturheilkunde geschätzt.
Nelkenöl in einer dunklen Glasflasche neben getrockneten Gewürznelken

Die Gewürznelken stammen ursprünglich von den Molukken in Indonesien, die im Volksmund als Gewürzinseln bekannt sind. Bereits im frühen Mittelalter brachten niederländische Händler die aromatischen Knospen nach Europa. Heute erstrecken sich die Anbaugebiete über tropische Regionen weltweit, wobei die beste Qualität nach wie vor von den Molukken, aus Madagaskar und Sansibar stammt. Nelkenöl zeichnet sich durch einen intensiven, würzig-warmen Geruch aus, der auf den hohen Gehalt an ätherischen Ölen zurückzuführen ist. Der Hauptwirkstoff Eugenol verleiht dem Öl seine desinfizierenden, schmerzstillenden und lokal betäubenden Eigenschaften, weshalb es seit Jahrhunderten als milde pflanzliche Alternative zu synthetischen Lokalanästhetika gilt.[1]

Im Alltag begegnet uns die Gewürznelke vor allem in der Küche: als aromatische Zutat im Magenbrot und Lebkuchen zur Weihnachtszeit oder als geschmacksgebende Komponente in deftigen Fleischgerichten und Glühwein. Doch die medizinische Anwendung geht weit über den kulinarischen Einsatz hinaus, insbesondere bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum hat sich Nelkenöl seit Generationen bewährt.

Gewinnung von Nelkenöl

Die Herstellung von Nelkenöl erfolgt mittels Wasserdampfdestillation, einem schonenden Verfahren, das die empfindlichen Wirkstoffe der Gewürznelken bewahrt. Bei diesem Prozess wird Wasserdampf über die zerkleinerten Nelkenknospen geleitet, wodurch sich die flüchtigen ätherischen Öle lösen und mit dem Dampf aufsteigen.

Der dabei aufgebaute Dampfdruck verhindert, dass sich nicht-mischbare Substanzen addieren, und bewirkt eine Erniedrigung des Siedepunktes aller beteiligten Komponenten. So entsteht eine sogenannte azeotrope Mischung aus Wasser und den nicht-wasserlöslichen Bestandteilen der Nelke. Beim anschließenden Kondensieren bildet sich eine Emulsion, die weiter aufgearbeitet wird, um das reine ätherische Nelkenöl zu isolieren.

Grundsätzlich gibt es zwei Ausgangsmaterialien für die Destillation: Zum einen können die Blütenknospen (Nelkenknospen) und zum anderen die Blätter des Gewürznelkenbaums verwendet werden. Nelkenöl aus den Knospen weist in der Regel einen höheren Eugenolgehalt auf und gilt als qualitativ hochwertiger. Der Eugenolanteil in den Knospen liegt typischerweise bei 80 bis 90 Prozent, während Blätteröl einen Gehalt von etwa 70 bis 85 Prozent aufweist.[2] Für therapeutische Zwecke wird daher bevorzugt Nelkenknospenöl empfohlen.

Nelkenöl Inhaltsstoffe

Die Gewürznelke enthält circa 15 bis 20 Prozent ätherische Öle, aus denen das therapeutisch wirksame Nelkenöl gewonnen wird. Die Zusammensetzung dieses ätherischen Öls ist komplex und umfasst mehrere bioaktive Verbindungen:

Eugenol (70–90 %) bildet die Hauptkomponente des Nelkenöls. Dieser phenolische Wirkstoff ist verantwortlich für die schmerzstillende, betäubende und antimikrobielle Wirkung. Eugenol hemmt nachweislich spannungsgesteuerte Natriumkanäle in Nervenzellen, was den lokal betäubenden Effekt erklärt.[3] Darüber hinaus wirkt es gegen Pilze, Viren und Bakterien und wird seit Langem in der Zahnheilkunde eingesetzt, etwa zum Auffüllen von Wurzelkanälen in Kombination mit Zinkoxid.

Eugenolacetat (bis 15 %) ist ein Ester des Eugenols, der zusätzlich entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften besitzt.

Beta-Caryophyllen (5–12 %) ist ein Sesquiterpen, das als natürlicher Entzündungshemmer fungiert. Forschungen zeigen, dass Beta-Caryophyllen an Cannabinoid-Rezeptoren (CB2) binden kann und so die Entzündungsreaktion im Körper moduliert.[4]

Oleanolsäure kommt in geringeren Anteilen vor und findet sich ebenfalls in Ginseng, Efeu, Olivenblättern und Salbei. Sie hat hepatoprotektive und entzündungshemmende Eigenschaften.

Polyphenole sind im Nelkenöl in bemerkenswert hoher Konzentration enthalten. Als starke Antioxidantien neutralisieren sie freie Radikale und schützen die Zellen vor oxidativem Stress. Freie Radikale reagieren mit Sauerstoff und verursachen Zellschäden, die mit beschleunigter Hautalterung und verschiedenen Erkrankungen in Verbindung gebracht werden. Die im Nelkenöl enthaltenen Polyphenole gehören zu den potentesten antioxidativen Pflanzenstoffen überhaupt: In DPPH-Tests erreichten sie eine Radikalfänger-Aktivität von rund 80 Prozent.[5]

Wirkung von Nelkenöl

Die Wirkung von Nelkenöl ist wissenschaftlich in zahlreichen Studien untersucht worden und lässt sich auf mehrere pharmakologische Mechanismen zurückführen.

Schmerzstillende und betäubende Wirkung: Eugenol entfaltet seine analgetische Wirkung, indem es spannungsgesteuerte Natriumkanäle in den Schmerzfasern des Trigeminusnervs hemmt. Dadurch wird die Weiterleitung von Schmerzsignalen blockiert. Zusätzlich hemmt Eugenol Kalziumkanäle und P2X3-Rezeptoren in den Nervenzellen, was die betäubende Wirkung weiter verstärkt.[3] Kauen Sie einmal auf einer getrockneten Gewürznelke, werden Sie diesen Effekt schnell selbst bemerken – die Mundschleimhaut fühlt sich nach wenigen Sekunden taub an.

Entzündungshemmende Wirkung: Eugenol unterdrückt die Cyclooxygenase-2 (COX-2), ein Enzym, das für die Bildung entzündungsfördernder Prostaglandine verantwortlich ist. Darüber hinaus hemmt es die Aktivierung des Transkriptionsfaktors NF-κB und reduziert die Ausschüttung proinflammatorischer Zytokine wie TNF-α und Interleukin-6.[6] Diese mehrfache entzündungshemmende Wirkung macht Nelkenöl besonders effektiv bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum.

Antimikrobielle Wirkung: Nelkenöl zeigt eine breite antimikrobielle Aktivität gegen grampositive und gramnegative Bakterien, Pilze und Viren. Der Wirkmechanismus beruht auf der Fähigkeit des Eugenols, die Zellmembran von Mikroorganismen zu destabilisieren und deren Permeabilität zu erhöhen, was zum Zelltod führt.[2] Studien belegen die Wirksamkeit gegen Staphylococcus aureus, Escherichia coli, Pseudomonas aeruginosa sowie gegen Candida-Hefepilze.[7]

Antioxidative Wirkung: Die im Nelkenöl enthaltenen Polyphenole und das Eugenol selbst sind hochpotente Radikalfänger. Sie schützen die Zellen vor oxidativem Stress und können Lipidperoxidation hemmen, was zur Vorbeugung vorzeitiger Hautalterung beiträgt.[5]

Anwendungsgebiete von Nelkenöl

In den meisten Fällen kommt Nelkenöl bei Beschwerden im Mund- und Rachenraum zum Einsatz. Der Wirkstoff Eugenol desinfiziert Entzündungsherde und beseitigt schädliche Keime innerhalb weniger Minuten. Die US-amerikanische Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde (FDA) stuft Nelkenöl als „GRAS" (Generally Recognized As Safe) ein.[7]

Ein weißlicher Belag auf der Mundschleimhaut und Zunge, auch Soor genannt, enthält Entzündungsbakterien, die bis in den Magen-Darm-Trakt gelangen und Durchfall verursachen können. Nelkenöl bekämpft die zugrundeliegenden Pilze und Bakterien effektiv. Auch gegen Staphylokokken und Salmonellen hat sich das Öl als wirksam erwiesen, sodass es als bewährtes Mittel zur Vorbeugung schädlicher Keime im Mundraum empfohlen werden kann.

Nelkenöl bei Zahnschmerzen

Nelkenöl ist eines der bekanntesten natürlichen Hausmittel gegen Zahnschmerzen. Die schmerzlindernde Wirkung beruht auf der Fähigkeit des Eugenols, Natriumkanäle in den Schmerzrezeptoren des Trigeminusnervs zu blockieren – dem gleichen Mechanismus, den auch synthetische Lokalanästhetika nutzen.[3]

Zur Anwendung geben Sie einen Tropfen Nelkenöl auf einen Wattebausch und halten diesen vorsichtig an den schmerzenden Zahn oder das betroffene Zahnfleisch. Alternativ können Sie auch eine ganze Gewürznelke direkt neben den schmerzenden Zahn legen und leicht darauf beißen. Die betäubende Wirkung setzt in der Regel innerhalb weniger Minuten ein und kann bis zu zwei Stunden anhalten. Bei einer Zahnwurzelentzündung kann Nelkenöl die Schmerzen vorübergehend lindern, ersetzt jedoch keinesfalls die zahnärztliche Behandlung. Es eignet sich hervorragend als Erste-Hilfe-Maßnahme, etwa am Wochenende oder nachts, wenn kein Zahnarzt erreichbar ist.

Nelkenöl bei Zahnfleischentzündungen

Bei Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) und Parodontitis ist Nelkenöl ein bewährtes Hausmittel. Die Kombination aus antimikrobieller und entzündungshemmender Wirkung bekämpft die bakterielle Ursache und lindert gleichzeitig Schwellung und Schmerz. Sie können Tinkturen mit Nelkenöl in der Apotheke erhalten oder ein Mundwasser mit einigen Tropfen Nelkenöl selbst herstellen. Klinische Studien zeigen, dass Eugenol in mukoadhäsiven Darreichungsformen eine kontrollierte Wirkstofffreisetzung über bis zu acht Stunden ermöglicht.[8] Auch das Ölziehen mit Nelkenöl kann bei regelmäßiger Anwendung zur Mundgesundheit beitragen.

Nelkenöl bei Mundgeruch

Mundgeruch (Halitosis) wird häufig durch Bakterien im Mundraum verursacht, die schwefelhaltige Verbindungen produzieren. Nelkenöl bekämpft diese Bakterien direkt an der Ursache und überdeckt den unangenehmen Geruch nicht bloß oberflächlich. Geben Sie drei bis vier Tropfen Nelkenöl in ein Glas lauwarmes Wasser und verwenden Sie diese Mischung als Mundspülung. Bei regelmäßigem Gebrauch werden die Bakterienherde nachhaltig reduziert, sodass Mundgeruch dauerhaft vermindert wird. Nelkenöl-Mundspülungen sind auch fertig in Apotheken und Drogerien erhältlich.

Nelkenöl bei Mundschleimhautentzündungen und Aphten

Bei wunden Schleimhäuten im Nasenbereich, Entzündungen an den Mundwinkeln (Stomatitis) oder schmerzhaften Aphten kann Nelkenöl Linderung verschaffen. Wichtig: Verwenden Sie kein pures Öl, sondern mischen Sie das Nelkenöl stets mit einem neutralen Trägeröl wie Mandelöl oder Jojobaöl. Reines Nelkenöl kann die bereits gereizten Schleimhäute zusätzlich reizen und ein unangenehmes Brennen verursachen. Achten Sie insbesondere darauf, dass das Öl nicht in die Augen gelangt.

Nelkenöl bei Halsschmerzen

Auch bei Halsschmerzen kann Nelkenöl eingesetzt werden. Da das Öl stark hautreizend wirken kann, sollte es zu diesem Zweck stets verdünnt angewendet werden. Geben Sie zwei bis drei Tropfen in ein Glas warmes Wasser mit einer Prise Salz und gurgeln Sie damit mehrmals täglich. Durch die exakt abgestimmte Dosierung wird die Schleimhaut geschützt, während die antibakteriellen und entzündungshemmenden Eigenschaften des Eugenols dazu beitragen, dass die Halsschmerzen schneller abklingen.

Nelkenöl gegen Mücken und Insektenstiche

Nelkenöl ist ein natürlicher Insektenrepellent, der sich besonders bei der Abwehr von Mücken bewährt hat. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass Eugenol von Mücken-Geruchsrezeptoren erkannt wird und eine abschreckende Wirkung entfaltet.[9] Nelkenknospenöl zeigte in Studien sogar eine höhere Abwehrwirkung als das kommerziell verbreitete Citronella.[10]

Zur Mückenabwehr können Sie einige Tropfen Nelkenöl auf Hand- und Fußgelenke sowie hinter die Ohren geben. Bei empfindlicher Haut empfiehlt sich die Verdünnung mit einem Trägeröl wie Kokosöl. Bereits vorhandene Mückenstiche lassen sich durch vorsichtiges Auftragen von verdünntem Nelkenöl behandeln, da die entzündungshemmenden Eigenschaften Schwellung und Juckreiz lindern. Es ist unbedenklich, diese Anwendung mehrmals am Tag zu wiederholen.

Nelkenöl gegen Wespen

Auch gegen Wespen hat sich Nelkenöl als natürliche Abwehr bewährt. Der intensive Duft des Eugenols ist für Wespen unangenehm und hält sie auf Abstand. Geben Sie einige Tropfen Nelkenöl auf Stoffservietten oder Wattepads und platzieren Sie diese auf dem Esstisch im Freien. Alternativ können Sie eine halbierte Zitrone mit einigen getrockneten Nelken bestücken und als natürlichen Wespenabwehrer aufstellen. Für eine Sprühlösung mischen Sie 10 bis 15 Tropfen Nelkenöl mit 100 ml Wasser und einem Spritzer Spülmittel als Emulgator in einer Sprühflasche.

Nelkenöl gegen Entzündungen

Kleine äußerliche Entzündungen, Schürfwunden und Hautirritationen lassen sich mit verdünntem Nelkenöl gut behandeln. Die Kombination aus schmerzstillendem und antiseptischem Effekt beschleunigt den Heilungsprozess. Eugenol hemmt die Produktion entzündungsfördernder Prostaglandine über die COX-2-Hemmung und reduziert gleichzeitig die Ausschüttung von Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α), einem zentralen Entzündungsmarker.[6] Tragen Sie das Nelkenöl stets verdünnt auf die betroffene Stelle auf – ein Mischungsverhältnis von zwei bis drei Tropfen Nelkenöl auf einen Teelöffel Trägeröl hat sich bewährt.

Nelkenöl für die Haut

Die antioxidativen und antimikrobiellen Eigenschaften machen Nelkenöl zu einem interessanten Wirkstoff für die Hautpflege. Die starke Radikalfänger-Aktivität der enthaltenen Polyphenole kann oxidativem Stress entgegenwirken und so zur Vorbeugung vorzeitiger Hautalterung beitragen.[5] Bei Akne und unreiner Haut kann die antibakterielle Wirkung des Eugenols die verursachenden Bakterien bekämpfen.

Wichtig: Nelkenöl darf aufgrund seines hohen Eugenolgehalts niemals unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden. Mischen Sie stets ein bis zwei Tropfen mit einem Esslöffel Trägeröl wie Jojobaöl oder Hagebuttenöl. Führen Sie vor der ersten Anwendung immer einen Verträglichkeitstest an einer kleinen Hautstelle, etwa der Innenseite des Handgelenks, durch. Personen mit empfindlicher Haut sollten besonders vorsichtig sein.

Nelkenöl in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft ist beim Umgang mit ätherischen Ölen besondere Vorsicht geboten. Nelkenöl hat eine wehenfördernde Wirkung und sollte daher während der Schwangerschaft nur in Absprache mit der betreuenden Hebamme oder dem Frauenarzt angewendet werden. Im letzten Schwangerschaftsdrittel kann die Aromatherapie mit Nelkenöl in einer Duftlampe eine angenehme Atmosphäre schaffen. Achten Sie darauf, ausschließlich naturreines, ätherisches Öl aus Nelkenblättern zu verwenden – kein synthetisches Duftöl. Der Unterschied zwischen Nelkenblätteröl und Nelkenknospenöl ist hierbei wichtig: Für die Aromatherapie in der Schwangerschaft wird meist Nelkenblätteröl empfohlen, da es etwas milder ist.

Nelkenöltampon zur Geburtseinleitung

Der Nelkenöltampon ist ein unter Hebammen verbreitetes naturheilkundliches Mittel zur sanften Geburtseinleitung bei Terminüberschreitung. Eine klinische Studie am Marienhospital Euskirchen untersuchte die Wirksamkeit an 171 Schwangeren, deren errechneter Geburtstermin um mindestens zehn Tage überschritten war. Bei 58 Prozent der Frauen setzten nach durchschnittlich zwei bis drei Tamponanwendungen die Wehen ein, wobei Mehrgebärende deutlich besser ansprachen als Erstgebärende.[11]

Für die Herstellung werden 50 Tropfen Nelkenblätteröl mit 30 ml Mandelöl oder Nachtkerzenöl vermischt. Von dieser Mischung werden fünf Tropfen auf einen handelsüblichen Tampon gegeben. Der Tampon verbleibt maximal eine Stunde in der Scheide und die Anwendung kann nach sechs Stunden wiederholt werden, höchstens jedoch dreimal in 24 Stunden.

Wichtige Hinweise: Die S2k-Leitlinie zur Geburtseinleitung (Stand 2024) empfiehlt den Nelkenöltampon aufgrund der noch nicht ausreichenden Evidenzlage nicht offiziell.[12] Die Anwendung sollte daher nur in Absprache mit der Hebamme oder dem betreuenden Arzt erfolgen. Bei einem vorzeitigen Blasensprung darf kein Tampon eingeführt werden, da Infektionsgefahr besteht. Bei Brennen oder Juckreiz ist der Tampon sofort zu entfernen.

Nelkenöl in der Aromatherapie

In der Aromatherapie wird Nelkenöl wegen seines warmen, würzigen Duftes geschätzt. In der Duftlampe soll es konzentrationsfördernd, stimmungsaufhellend und mental stärkend wirken. Geben Sie drei bis fünf Tropfen Nelkenöl in eine mit Wasser gefüllte Duftlampe. Für harmonische Duftmischungen kombiniert sich Nelkenöl gut mit Orangenöl, Bergamotteöl, Lavendelöl oder Zimtöl.

Nelkenöl als Mundspülung

Eine selbstgemachte Nelkenöl-Mundspülung ist ein wirksames Mittel für die tägliche Mundhygiene. Nelkenöl bekämpft Bakterien im Mundraum, beugt Karies vor und unterstützt die Gesundheit des Zahnfleisches. Eine Studie konnte zeigen, dass Eugenol die Säureproduktion von Streptococcus mutans – dem Hauptverursacher von Karies – signifikant hemmt und die Bildung kariogener Biofilme reduziert.[13]

Für eine einfache Mundspülung geben Sie drei bis vier Tropfen naturreines Nelkenöl in ein Glas lauwarmes Wasser und spülen damit den Mund für etwa 30 Sekunden. Die Anwendung kann ein- bis zweimal täglich erfolgen. Fertige Nelkenöl-Mundspülungen sind in Apotheken und Drogerien erhältlich und bieten den Vorteil einer exakten Dosierung.

Nelkenöl selber machen

Sie können ein einfaches Nelkenauszugsöl (Mazerat) zu Hause selbst herstellen. Hierfür benötigen Sie folgende Zutaten und Hilfsmittel:

Zutaten: 5 bis 10 ganze Gewürznelken (alternativ zwei Teelöffel gemahlene Nelken) aus dem Reformhaus oder Bioladen, circa 30 ml natives Bio-Olivenöl als Trägeröl sowie ein sterilisiertes, dunkles Schraubglas.

Anleitung: Geben Sie die ganzen Nelken mit sauberen Händen in das Schraubglas. Füllen Sie das Olivenöl hinzu, sodass die Nelken mit einer circa 2,5 cm dicken Ölschicht bedeckt sind. Verschließen Sie das Glas fest und schütteln Sie es kräftig durch, damit sich Öl und Nelken gut vermischen. Lassen Sie das Gemisch anschließend zwei Wochen lang an einem dunklen, kühlen Ort ziehen. In dieser Zeit extrahiert das Olivenöl die wirksamen Inhaltsstoffe der Gewürznelken.

Bei Verwendung von gemahlenen Nelken empfiehlt es sich, vier Esslöffel auf 240 ml Olivenöl in einem 360-ml-Glas zu verwenden und das fertige Öl vor der Benutzung durch einen Kaffeefilter oder ein Seihtuch zu filtern. Je mehr Nelken Sie verwenden, desto stärker wird das resultierende Öl – passen Sie bei der Anwendung die Dosierung entsprechend an.

Nach zwei Wochen Reifezeit können Sie die Nelken heraussieben oder im Öl belassen. Belassen Sie die Nelken im Öl, können diese mehrmals wiederverwendet werden: Füllen Sie einfach frisches Olivenöl nach und lassen Sie das Gemisch erneut zwei Wochen stehen. Nach mehrmaligem Gebrauch sollten die alten Nelken durch frische ersetzt werden. Bewahren Sie das fertige Nelkenöl stets lichtgeschützt bei Zimmertemperatur auf.

Hinweis: Ein selbst hergestelltes Mazerat unterscheidet sich von einem durch Wasserdampfdestillation gewonnenem ätherischen Nelkenöl. Das Mazerat ist deutlich milder und eignet sich gut für äußerliche Anwendungen. Für therapeutische Zwecke wie die Behandlung von Zahnschmerzen sollten Sie auf ein hochwertiges, ätherisches Nelkenöl aus der Apotheke zurückgreifen.

Dosierung und Einnahme von Nelkenöl

Die richtige Dosierung von Nelkenöl hängt vom jeweiligen Anwendungsgebiet ab. Grundsätzlich gilt: Weniger ist mehr, da Eugenol in hoher Konzentration reizend wirken kann.

Bei Zahnschmerzen: Spülen Sie zunächst den Mund mit einer warmen Salzwasserlösung aus. Geben Sie anschließend einen bis zwei Tropfen ätherisches Nelkenöl auf einen Wattebausch und halten Sie diesen vorsichtig an den betroffenen Zahn oder das Zahnfleisch. Alternativ können Sie ein sauberes Papiertaschentuch verwenden. Die Anwendung kann bei Bedarf alle zwei bis drei Stunden wiederholt werden. Beachten Sie, dass dies nur eine vorübergehende Maßnahme ist – eine zahnärztliche Behandlung wird dadurch nicht ersetzt.

Als Mundspülung: Drei bis vier Tropfen in ein Glas (200 ml) lauwarmes Wasser geben, kurz umrühren und den Mund 30 Sekunden damit spülen. Ein- bis zweimal täglich anwenden.

Zur Insektenabwehr: Einige Tropfen verdünnt auf Handgelenke, Fußknöchel und hinter die Ohren auftragen. Die abwehrende Wirkung gegen Mücken hält laut Erfahrungsberichten etwa zwei bis vier Stunden an.

Für Hautanwendungen: Zwei bis drei Tropfen ätherisches Nelkenöl auf einen Esslöffel Trägeröl geben (Verdünnungsrate circa 1–2 %). Niemals unverdünnt auf die Haut auftragen.

In der Duftlampe: Drei bis fünf Tropfen in die mit Wasser gefüllte Schale geben.

Nebenwirkungen von Nelkenöl

Obwohl Nelkenöl als bewährtes Naturheilmittel gilt, sind bei unsachgemäßer Anwendung Nebenwirkungen möglich. Eine kontrollierte und sachgerechte Dosierung ist daher unerlässlich.

Hautreizungen und Allergien: Unverdünntes Nelkenöl kann Hautreizungen, Kontaktdermatitis und allergische Reaktionen auslösen. Personen mit empfindlicher Haut oder bekannten Allergien gegen Gewürznelken sollten vor der ersten Anwendung stets einen Verträglichkeitstest durchführen.

Schleimhautreizung: Bei Anwendung im Mund- und Rachenraum kann es bei zu hoher Konzentration zu Brennen und Reizungen kommen. Das Öl sollte daher für Mundspülungen stets verdünnt und nicht verschluckt werden.

Zytotoxische und gentoxische Eigenschaften: In hohen Dosen hat Eugenol zytotoxische (gewebeschädigende) und gentoxische (das Erbgut beeinflussende) Eigenschaften. Insbesondere in Verbindung mit dem Leberenzym Cytochrom P450 kann Eugenol prooxidative Reaktionen auslösen.[14] Bei üblichen, niedrig dosierten Anwendungen treten diese Effekte jedoch nicht auf.

Wechselwirkung mit Medikamenten: Eugenol verlangsamt die Blutgerinnung. Wenn Sie gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, etwa Aspirin, Ibuprofen, Diclofenac, Clopidogrel, Naproxen oder Dalteparin, sollten Sie auf die Anwendung von Nelkenöl verzichten oder vorher ärztlichen Rat einholen.

Überdosierung: Bei oraler Einnahme größerer Mengen können ernsthafte Vergiftungserscheinungen auftreten, darunter Erbrechen, Atemnot, Halsschmerzen sowie in schweren Fällen Leber- und Nierenschäden. Berichte über schwere Vergiftungen bei Kindern unter zwei Jahren nach Einnahme von 5–10 ml Nelkenöl unterstreichen, dass das Öl stets außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden muss.[14]

Schwangerschaft und Stillzeit: Aufgrund der wehenfördernden Wirkung sollte Nelkenöl in der Schwangerschaft nur nach ärztlicher Rücksprache verwendet werden. In der Stillzeit wird von der inneren Einnahme abgeraten.

Nelkenöl kaufen – Worauf sollte geachtet werden?

Beim Kauf von Nelkenöl ist es entscheidend, auf Qualität und Reinheit zu achten. Nur 100 Prozent naturreines, ätherisches Nelkenöl besitzt die beschriebenen Heilkräfte. Folgende Punkte sollten Sie beim Kauf berücksichtigen:

Reinheit: Achten Sie auf die Bezeichnung „100 % naturreines ätherisches Öl" oder „genuines ätherisches Öl". Synthetische Nelkenöle oder Duftöle enthalten keine therapeutisch wirksamen Inhaltsstoffe und sind für Heilanwendungen ungeeignet.

Pflanzenbestandteil: Prüfen Sie, ob das Öl aus Nelkenknospen (Clove Bud Oil) oder Nelkenblättern (Clove Leaf Oil) gewonnen wurde. Knospenöl ist in der Regel hochwertiger und hat einen höheren Eugenolgehalt. Für die Aromatherapie kann auch Blätteröl verwendet werden.

Bio-Qualität: Ein Bio-Siegel garantiert, dass die verwendeten Gewürznelken ohne synthetische Pestizide und Fungizide angebaut wurden und strenge Qualitätsstandards erfüllen.

Verpackung: Hochwertiges Nelkenöl wird stets in dunklen Glasfläschchen (braun oder blau) abgefüllt, da direkte Lichteinstrahlung die Wirkstoffe zerstört. Achten Sie bereits im Geschäft darauf, dass das Produkt nicht der Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist.

Lagerung: Bewahren Sie das Nelkenöl bei Zimmertemperatur an einem dunklen Ort auf. Zu viel Wärme verschlechtert die Qualität und kann zu Schlierenbildung führen.

Bezugsquellen: Naturreines Nelkenöl erhalten Sie in Apotheken, Reformhäusern, Bioläden sowie im spezialisierten Onlinehandel. In Drogerien wie dm und Rossmann finden Sie ebenfalls Nelkenöl, achten Sie dort besonders auf die Produktkennzeichnung. Preislich variieren die Angebote je nach Qualität und Flaschengröße – rechnen Sie für 10 ml hochwertiges Bio-Nelkenöl mit Preisen zwischen 5 und 15 Euro.

Mischöle meiden: Im Handel finden sich auch Mischungen aus Nelkenöl mit Bergamotteöl, Melissenöl oder Lavendelöl. Diese eignen sich zwar gut als Raumduft in einer Duftlampe, sind jedoch für therapeutische Anwendungen wie die Behandlung von Zahnschmerzen oder Entzündungen nicht geeignet. Für Heilzwecke benötigen Sie stets reines Nelkenöl.

Quellenverzeichnis

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  2. Nuñez, L., & D'Aquino, M. (2012). Microbicide activity of clove essential oil (Eugenia caryophyllata). Brazilian Journal of Microbiology, 43(4), 1255–1260. doi:10.1590/S1517-83822012000400003
  3. Park, C. K., Kim, K., Jung, S. J., et al. (2009). Molecular mechanism for local anesthetic action of eugenol in the rat trigeminal system. Pain, 144(1-2), 84–94. doi:10.1016/j.pain.2009.03.016
  4. Ulanowska, M., & Olas, B. (2021). Biological Properties and Prospects for the Application of Eugenol — A Review. International Journal of Molecular Sciences, 22(7), 3671. doi:10.3390/ijms22073671
  5. Leem, H. H., Kim, E. O., Seo, M., & Choi, S. W. (2011). Antioxidant and Anti-Inflammatory Activities of Eugenol and Its Derivatives from Clove (Eugenia caryophyllata Thunb.). Journal of the Korean Society for Applied Biological Chemistry, 54(6), 1006–1012.
  6. Magalhães, C. B., Riva, D. R., DePaula, L. J., et al. (2010). In vivo anti-inflammatory action of eugenol on lipopolysaccharide-induced lung injury. Journal of Applied Physiology, 108(4), 845–851. doi:10.1152/japplphysiol.00560.2009
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  9. Zhu, J. J., Zeng, X. P., Berkebile, D., et al. (2009). Efficacy and safety of catnip (Nepeta cataria) as a novel filth fly repellent. Medical and Veterinary Entomology, 23(4), 373–379.
  10. Park, B. S., Choi, W. S., Kim, J. H., et al. (2005). Monoterpenes from thyme (Thymus vulgaris) as potential mosquito repellents. Journal of the American Mosquito Control Association, 21(1), 80–83.
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  13. Li, P., Tian, W., & Jiang, Z. (2013). The effect of eugenol on the cariogenic properties of Streptococcus mutans and dental caries development in rats. Experimental and Therapeutic Medicine, 6(1), 189–194. doi:10.3892/etm.2013.1101
  14. DrugBank (2025). Clove oil – Uses, Interactions, Mechanism of Action. DrugBank Online. Abgerufen von https://go.drugbank.com/drugs/DB11338