Tamanuöl ist ein hochwertiges Pflanzenöl, das aus den Nüssen des tropischen Tamanubaums (Calophyllum inophyllum) gewonnen wird. In der polynesischen Volksmedizin gilt es seit Jahrhunderten als heiliges Öl zur Behandlung von Hautkrankheiten, Wunden und Entzündungen. In der modernen Naturkosmetik hat Tamanuöl in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen – insbesondere als natürliches Mittel gegen Akne, Narben, Neurodermitis und zur Hautregeneration.
Tamanuöl unterscheidet sich grundlegend von den meisten anderen Pflanzenölen: Neben klassischen Fettsäuren enthält es einen einzigartigen Harzanteil (ca. 10–20 %) mit bioaktiven Verbindungen wie Calophyllolid, Inophyllum und Neoflavonoiden. Diese Inhaltsstoffe sind maßgeblich für die wissenschaftlich nachgewiesenen entzündungshemmenden, antimikrobiellen und wundheilungsfördernden Eigenschaften verantwortlich.[1] Tamanuöl ist nicht zum Verzehr geeignet und wird ausschließlich äußerlich angewendet.

In diesem Ratgeber erfahren Sie alles Wissenswerte über Herstellung, Inhaltsstoffe, Wirkung, Anwendungsgebiete, Duft und Kaufkriterien von Tamanuöl – wissenschaftlich fundiert und durch aktuelle Studien belegt.
Warum ist Tamanuöl so besonders?
Im Vergleich zu gängigen Hautpflegeölen wie Jojobaöl oder Arganöl besitzt Tamanuöl eine außergewöhnliche Kombination von Eigenschaften:
- Einzigartige bioaktive Inhaltsstoffe: Der harzige, ethanollösliche Anteil von Tamanuöl enthält Pyranocumarine (wie Calophyllolid und Inophyllum C, D, E und P), Neoflavonoide und Polyphenole, die in keinem anderen Pflanzenöl in dieser Konzentration vorkommen. Diese Verbindungen sind für die starke wundheilende, entzündungshemmende und antimikrobielle Wirkung verantwortlich.[2]
- Wissenschaftlich belegte Hautregeneration: In-vitro- und In-vivo-Studien zeigten, dass Tamanuöl die Zellproliferation von Keratinozyten und Fibroblasten fördert, die Kollagenproduktion steigert und die Wundheilung beschleunigt.[3]
- Natürlicher UV-Schutz: Tamanuöl besitzt UV-absorbierende Eigenschaften und bietet einen natürlichen Lichtschutzfaktor, der je nach Studie bei SPF 18–22 liegt – deutlich höher als bei den meisten anderen Pflanzenölen.[4]
- Traditionelle Bedeutung: Der Tamanubaum wird in einigen Kulturen Polynesiens als „heiliger Baum" verehrt. In Französisch-Polynesien, auf den Fidschi-Inseln, in Indonesien und in Teilen Südostasiens wird das Öl traditionell für die Behandlung von Verbrennungen, Wunden, Ekzemen, Akne und Hautinfektionen eingesetzt.
Gewinnung von Tamanuöl
Der Tamanubaum (Calophyllum inophyllum)
Der Tamanubaum ist ein immergrüner, tropischer Baum aus der Familie der Calophyllaceae, der vor allem an den Küsten des Indischen und Pazifischen Ozeans wächst. Er wird bis zu 25 Meter hoch und trägt zweimal jährlich Früchte – im Mai und November. Jede Frucht enthält einen einzelnen großen Samen (Nuss), dessen Kern einen Ölgehalt von 55–75 % aufweist.[5]
Herstellungsprozess
Die Gewinnung von hochwertigem Tamanuöl erfolgt in mehreren Schritten:
- Ernte und Trocknung: Die reifen Früchte werden gesammelt, nachdem sie vom Baum gefallen sind. Die Nüsse werden anschließend geöffnet und die weißen Kerne herausgelöst. Diese werden mehrere Wochen in der Sonne getrocknet, wobei sie eine dunkelbraune Farbe annehmen und der Ölgehalt auf 70–75 % steigt.
- Kaltpressung: Die getrockneten Kerne werden mechanisch kaltgepresst. Dieses Verfahren bewahrt die wertvollen bioaktiven Inhaltsstoffe – insbesondere die Pyranocumarine und Neoflavonoide im Harzanteil des Öls. Kaltgepresstes Tamanuöl gilt als die hochwertigste Variante.
- Filtration: Das gepresste Rohöl wird gefiltert, um Feststoffe zu entfernen. Hochwertiges natives Tamanuöl wird dabei nicht raffiniert, gebleicht oder desodoriert, sodass alle natürlichen Wirkstoffe erhalten bleiben.
Bio-Tamanuöl und Qualitätsunterschiede
Bio-Tamanuöl stammt aus kontrolliert ökologischem Anbau oder Wildsammlung und wird ohne chemische Lösungsmittel oder Pestizide gewonnen. Es gibt deutliche Qualitätsunterschiede je nach Herkunft: Eine Studie untersuchte fünf Tamanuöle aus verschiedenen Regionen (Indonesien, Tahiti, Fidschi, Neukaledonien) und stellte erhebliche Unterschiede in der chemischen Zusammensetzung und biologischen Aktivität fest.[6] Tamanuöl aus Französisch-Polynesien gilt traditionell als besonders hochwertig.
Beim Kauf sollte auf Kaltpressung, Bio-Zertifizierung und transparente Herkunftsangaben geachtet werden. Nachhaltige Produktion und faire Handelsbedingungen sind ebenfalls wichtige Kriterien.
Tamanuöl Inhaltsstoffe und Nährwerte
Tamanuöl hat eine einzigartige Zusammensetzung, die es von anderen Pflanzenölen deutlich unterscheidet. Neben dem Fettsäureanteil (Triglyceride) enthält es einen erheblichen Harzanteil (10–20 %) mit biologisch hochaktiven sekundären Pflanzenstoffen.
| Tamanuöl | |
|---|---|
![]() | |
| 100 g Tamanuöl enthält durchschnittlich: | |
| Inhaltsstoff | Menge |
| Ölsäure (C18:1, einfach ungesättigt, Omega-9) | ca. 34–41 g |
| Linolsäure (C18:2, mehrfach ungesättigt, Omega-6) | ca. 21–38 g |
| Stearinsäure (C18:0, gesättigt) | ca. 13–30 g |
| Palmitinsäure (C16:0, gesättigt) | ca. 12–16 g |
| α-Linolensäure (C18:3, Omega-3) | ca. 0,3–1,3 g |
| Arachidonsäure (C20:0) | ca. 0,6 g |
| Calophyllic-Säure (einzigartige Fettsäure) | Spuren |
| Harzanteil (ethanollöslich) | |
| Calophyllolid (Pyranocoumarin) | Hauptbestandteil des Harzes |
| Inophyllum C, D, E, P (Pyranocumarine) | vorhanden |
| Calanolide A, B, D | vorhanden |
| Tamanolide D und P (Neoflavonoide) | vorhanden |
| Polyphenole und Flavonoide | vorhanden |
| Vitamin E (Tocopherole) | vorhanden |
| Phytosterole | vorhanden |
| Weitere Eigenschaften | |
| Gesättigte Fettsäuren (gesamt) | ca. 20 % |
| Einfach ungesättigte Fettsäuren | ca. 40 % |
| Mehrfach ungesättigte Fettsäuren | ca. 40 % |
| Komedogenitätsgrad | 2 (von 0–5) |
| Farbe | dunkelgrün bis olivgrün |
| Konsistenz | mittel bis dickflüssig |
Die besondere Wirksamkeit von Tamanuöl beruht nicht primär auf den Fettsäuren, sondern auf dem einzigartigen Harzanteil. Calophyllolid, der Hauptbestandteil dieses Harzes, ist ein Dipyranocoumarin mit nachgewiesenen entzündungshemmenden, gerinnungshemmenden und wundheilenden Eigenschaften.[7] Tamanuöl enthält zudem eine einzigartige Fettsäure – die Calophyllic-Säure – die in keinem anderen Pflanzenöl vorkommt und zusätzlich antibakterielle und regenerative Effekte zeigt.
Tamanuöl ist nicht essbar und darf nicht innerlich angewendet werden. Es dient ausschließlich der äußerlichen Anwendung in der Hautpflege und Kosmetik.
Wirkung von Tamanuöl
Tamanuöl besitzt ein breites Spektrum an biologischen Aktivitäten, die in zahlreichen wissenschaftlichen Studien nachgewiesen wurden. Die wichtigsten Wirkungen im Überblick:
- Entzündungshemmende Wirkung: Calophyllolid, der bioaktive Hauptbestandteil des Tamanuölharzes, hemmt nachweislich proinflammatorische Zytokine (IL-1β, IL-6, TNF-α) und steigert das entzündungshemmende Zytokin IL-10. Zudem fördert es die Polarisation von Makrophagen in den heilungsfördernden M2-Typ.[7] Eine frühe pharmakologische Studie zeigte, dass Calophyllolid Ödeme um bis zu 60,7 % reduzieren konnte – im Vergleich zu 44 % bei Hydrocortison.[8]
- Wundheilungsfördernde Wirkung: Tamanuöl fördert die Zellproliferation von Keratinozyten und dermalen Fibroblasten, steigert die Produktion von Glykosaminoglykanen und Kollagen und beschleunigt die Wundheilung. Dies wurde in einer Studie an menschlichen Hautzellen bestätigt.[3] In einem Tiermodell reduzierte Calophyllolid die Narbenbildung (Fibrose) und beschleunigte den Wundverschluss signifikant.[7]
- Antimikrobielle Wirkung: Tamanuöl hemmt das Wachstum zahlreicher hautrelevanter Bakterien, darunter Staphylococcus aureus, Staphylococcus epidermidis und die Akne-Bakterien Propionibacterium acnes und P. granulosum. Die minimale Hemmkonzentration (MHK) lag dabei zwischen 0,01 und 0,5 % – vergleichbar mit dem Antibiotikum Ofloxacin.[1]
- Antioxidative Wirkung: Der Harzanteil von Tamanuöl ist besonders reich an Polyphenolen, Flavonoiden und Pyranocumarinen, die eine starke antioxidative Aktivität besitzen. Ethanolextrakte des Harzes zeigten in Studien eine signifikant höhere Radikalfänger-Aktivität als das reine Öl.[2]
- UV-schützende Wirkung: Die Pyranocumarine und Neoflavonoide in Tamanuöl absorbieren UV-Strahlung und bieten einen natürlichen Lichtschutzfaktor. Eine Studie wies zytoprotektive und antioxidative Effekte gegen UV-induzierte DNA-Schäden nach.[4]
- Hautregenerierende Wirkung: Tamanuöl fördert die Bildung neuer Hautzellen und kann die Hautstruktur verbessern. Eine transkriptomische Analyse zeigte, dass Tamanuöl Gene moduliert, die an der Zellproliferation, Zelladhäsion und O-Glykan-Biosynthese beteiligt sind.[3]
Anwendungsgebiete von Tamanuöl
Tamanuöl für die Haut
Tamanuöl hat sich als hochwirksames natürliches Pflegeöl für verschiedene Hautprobleme bewährt. Das Öl eignet sich sowohl für die tägliche Hautpflege als auch für die gezielte Behandlung spezifischer Hautzustände.
- Feuchtigkeitspflege: Die ausgewogene Kombination aus Ölsäure und Linolsäure spendet intensive Feuchtigkeit, stärkt die Hautbarriere und schützt vor transepidermalem Wasserverlust. Tamanuöl eignet sich besonders gut für trockene, gereizte und empfindliche Haut.
- Anti-Aging: Die antioxidativen Polyphenole und Vitamin E in Tamanuöl schützen die Haut vor freien Radikalen und können Zeichen vorzeitiger Hautalterung reduzieren. Die kollagensteigernde Wirkung fördert die Hautfestigkeit und -elastizität.[3]
- Hautschutz: Der natürliche UV-Schutz von Tamanuöl ergänzt die tägliche Pflege, sollte jedoch keinesfalls als alleiniger Sonnenschutz dienen.
- Anwendungstipp: Tamanuöl ist recht dickflüssig und hat einen intensiven Geruch. Für die tägliche Gesichtspflege empfiehlt es sich, 2–3 Tropfen mit einem leichteren Trägeröl wie Jojobaöl oder Hagebuttenöl zu mischen. Abends auf die gereinigte Haut auftragen und sanft einmassieren.
Tamanuöl gegen Akne
Tamanuöl ist eines der wenigen Öle, das sich trotz seiner reichhaltigen Konsistenz für zu Akne neigende Haut eignen kann. Die Kombination aus antibakterieller Wirkung und entzündungshemmenden Eigenschaften macht es zu einem vielversprechenden natürlichen Mittel gegen Akne.
- Antibakterielle Wirkung gegen Akne-Bakterien: Tamanuöl hemmt nachweislich das Wachstum von Propionibacterium acnes und P. granulosum – den Bakterien, die maßgeblich an der Entstehung von Akne beteiligt sind. Der antimikrobielle Harzanteil (nicht die Fettsäuren) ist für diese Wirkung verantwortlich.[1]
- Entzündungshemmung: Die entzündungshemmenden Calophyllolide lindern Rötungen, Schwellungen und Schmerzen bei entzündlichen Akneformen.[7]
- Narbenreduktion: Durch die Förderung der Zellregeneration und Kollagenproduktion kann Tamanuöl Aknenarben und Hyperpigmentierung nach Pickeln reduzieren.[3]
- Moderater Komedogenitätsgrad: Tamanuöl hat einen Komedogenitätsgrad von 2 (auf einer Skala von 0–5), was eine moderat niedrige Wahrscheinlichkeit der Porenverstopfung bedeutet. Es eignet sich daher besser für akneanfällige Haut als beispielsweise Kokosöl (Komedogenitätsgrad 4).
Anwendungstipp bei Akne: Tamanuöl als Spot-Treatment direkt auf einzelne Pickel oder Unreinheiten auftragen. Für die großflächige Anwendung mit einem nicht-komedogenen Öl wie Jojobaöl im Verhältnis 1:3 verdünnen. Abends anwenden und zunächst an einer kleinen Hautstelle testen. Bei schwerer zystischer Akne sollte ein Hautarzt konsultiert werden.
Tamanuöl gegen Narben und Hyperpigmentierung
Die narbenreduzierende Wirkung ist eine der am besten dokumentierten Eigenschaften von Tamanuöl. In einer klinischen Studie verringerten sich Narben nach neunwöchiger regelmäßiger Anwendung eines Tamanuöl-Produkts signifikant.[8]
- Narbengewebe: Calophyllolid reduziert die Fibrose (überschüssige Narbenbildung) und fördert die gesunde Neubildung von Epidermis und Dermis. In einem Mausmodell wurde die Wundfläche unter Calophyllolid-Behandlung schneller geschlossen, wobei weniger Kollagennarben entstanden.[7]
- Aknenarben und Pickelmale: Die Kombination aus Zellregeneration, Antioxidantien und Entzündungshemmung kann die Pigmentierung von Aknenarben verbessern und das Hautbild ebenmäßiger machen.
- Dehnungsstreifen: Obwohl wissenschaftliche Belege für Dehnungsstreifen begrenzt sind, nutzen viele Anwender Tamanuöl aufgrund seiner regenerativen und feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften auch für diesen Zweck.
- Verbrennungsnarben: Tamanuöl wurde traditionell in Polynesien zur Behandlung von Verbrennungen eingesetzt. Eine aktuelle Studie (2024) bestätigte das Potenzial von Tamanuöl-Formulierungen zur Narbenreduktion und Wundheilung.[9]
Tamanuöl für die Haare
Tamanuöl kann auch in der Haarpflege eingesetzt werden, insbesondere bei folgenden Anwendungen:
- Trockene und geschädigte Kopfhaut: Die entzündungshemmenden und feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften lindern Juckreiz, Schuppenbildung und Irritationen der Kopfhaut.
- Antimikrobielle Kopfhautpflege: Die antibakteriellen und antifungalen Inhaltsstoffe können Pilzinfektionen der Kopfhaut bekämpfen, die zu Schuppen und Haarausfall beitragen können.
- Haarstärkung: Die Fettsäuren und Polyphenole nähren das Haar, schützen es vor Umweltschäden und können das Haarwachstum fördern.
- Anwendungstipp: Eine kleine Menge Tamanuöl in die Kopfhaut einmassieren und 30 Minuten oder über Nacht einwirken lassen. Aufgrund des intensiven Geruchs empfiehlt es sich, Tamanuöl mit einem milderen Öl wie Mandelöl oder Kokosöl zu mischen und einige Tropfen Lavendelöl zur Duftverbesserung hinzuzufügen.
Tamanuöl bei Neurodermitis und Ekzemen
Tamanuöl wird als vielversprechendes natürliches Mittel bei atopischer Dermatitis (Neurodermitis) erforscht. Ein umfassender Review aus dem Jahr 2021 analysierte die AD-relevanten Eigenschaften von Tamanuöl und kam zu dem Schluss, dass die Kombination aus entzündungshemmender, antimikrobieller, antioxidativer und wundheilender Wirkung Tamanuöl zu einem potenziellen Behandlungsansatz für Neurodermitis macht.[1]
- Entzündungshemmung: Tamanuöl reduziert die chronische Entzündung, die bei Neurodermitis eine zentrale Rolle spielt, durch Hemmung proinflammatorischer Zytokine.
- Hautbarriere-Reparatur: Die Fettsäuren – insbesondere Linolsäure und Ölsäure – stärken die geschädigte Hautbarriere, die bei Neurodermitis-Patienten typischerweise gestört ist.
- Antimikrobielle Wirkung: Tamanuöl hemmt Staphylococcus aureus, einen Keim, der bei Neurodermitis-Schüben eine wichtige Rolle spielt.[6]
- Juckreizlinderung: Die entzündungshemmenden und feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften können den Juckreiz bei Ekzemen lindern.
Hinweis: Die Forschung zu Tamanuöl bei Neurodermitis befindet sich noch in einem frühen Stadium. Bislang liegen vor allem In-vitro- und tierexperimentelle Studien vor; größere klinische Studien am Menschen stehen noch aus. Tamanuöl ersetzt keine ärztliche Behandlung – bei bestehender Neurodermitis sollte es ergänzend und nach Rücksprache mit einem Dermatologen eingesetzt werden.
Tamanuöl zur Wundheilung
Die wundheilende Wirkung ist die am längsten bekannte und am besten erforschte Eigenschaft von Tamanuöl. Bereits seit den 1920er-Jahren wird die Fähigkeit des Öls untersucht, die Bildung neuer Hautzellen (Gewebeneubildung) zu fördern.
- Fördert die Gewebeneubildung: Tamanuöl stimuliert die Proliferation von Keratinozyten und Fibroblasten – den Zellen, die für die Hauterneuerung und Wundheilung entscheidend sind.[3]
- Reduziert Fibrose: Calophyllolid verhindert überschüssige Narbenbildung (Fibrose) und fördert die physiologische Wundheilung mit vollständiger Bildung von Epidermis und Dermis.[7]
- Infektionsschutz: Die antimikrobiellen Eigenschaften schützen offene Wunden vor Infektionen – ein kritischer Faktor für die erfolgreiche Wundheilung.[6]
- Diabetische Wundheilung: Eine aktuelle Studie zeigte, dass Tamanuöl die Heilung diabetischer Wunden bei Ratten signifikant beschleunigte – ein vielversprechender Ansatz für Patienten mit eingeschränkter Wundheilung.[10]
Für die Anwendung bei kleineren Schnittwunden, Schürfwunden oder Verbrennungen kann Tamanuöl dünn auf die betroffene Stelle aufgetragen werden. Bei größeren oder infizierten Wunden sollte stets ein Arzt konsultiert werden.
Tamanuöl in der Kosmetik
In der Kosmetikbranche ist Tamanuöl unter der INCI-Bezeichnung „Calophyllum Inophyllum Seed Oil" registriert und wird in zahlreichen Hautpflegeprodukten eingesetzt. Seine Vielseitigkeit macht es zu einem gefragten Inhaltsstoff:
- Seren und Gesichtsöle: Tamanuöl wird häufig in Anti-Akne-Seren, Anti-Aging-Ölen und regenerierenden Gesichtspflegen verwendet.
- Narbenpflege-Produkte: Aufgrund seiner wissenschaftlich belegten narbenreduzierenden Wirkung findet es sich in vielen Narbenpflege-Formulierungen.
- Körperpflege: In Bodylotions, Balsamen und Massageölen liefert Tamanuöl intensive Feuchtigkeit und schützt die Haut.
- DIY-Kosmetik: Tamanuöl eignet sich als Wirkstofföl in selbstgemachten Pflegeprodukten. Es kann mit ätherischen Ölen wie Teebaumöl (gegen Akne), Lavendelöl (beruhigend) oder Rosenöl (Anti-Aging) kombiniert werden.
Im Vergleich zu herkömmlichen Kosmetikprodukten mit synthetischen Wirkstoffen bietet Tamanuöl eine natürliche Alternative mit nachgewiesener Wirksamkeit – frei von Parabenen, Silikonen und Mineralölen.
Tamanuöl Duft und Konsistenz
Der charakteristische Duft von Tamanuöl ist eines seiner markantesten Merkmale und wird häufig als Kaufkriterium diskutiert. Natives, kaltgepresstes Tamanuöl hat einen intensiven, nussig-erdigen Geruch mit leicht würzigen und harzigen Noten. Der Duft wird oft als herb und kräftig beschrieben – manche empfinden ihn als angenehm aromatisch, andere als gewöhnungsbedürftig.
Die Farbe des Öls reicht von dunkelgrün bis olivgrün, was auf den hohen Gehalt an Chlorophyll und bioaktiven Harzen zurückzuführen ist. Die Konsistenz ist mittel bis dickflüssig – deutlich viskoser als beispielsweise Jojobaöl oder Arganöl, aber weniger fest als Kokosöl bei Raumtemperatur.
Tipps zum Umgang mit dem Duft:
- Tamanuöl mit einem geruchsneutralen Trägeröl (z. B. Jojobaöl oder Squalan) im Verhältnis 1:2 bis 1:4 verdünnen.
- Einige Tropfen eines wohlriechenden ätherischen Öls – wie Lavendelöl, Rosenöl oder Neroliöl – hinzufügen, um den Geruch zu überdecken.
- Tamanuöl vorzugsweise abends als Nachtpflege anwenden, wenn der Duft weniger stört.
- Ein starker, ranziger oder unangenehm muffiger Geruch deutet auf eine minderwertige Qualität oder ein abgelaufenes Produkt hin.
Haltbarkeit: Tamanuöl hat im Vergleich zu vielen anderen Pflanzenölen eine relativ kurze Haltbarkeit von ca. 6–9 Monaten nach dem Öffnen. Es sollte kühl, dunkel und luftdicht verschlossen gelagert werden. Eine Aufbewahrung im Kühlschrank kann die Haltbarkeit verlängern – das Öl dabei vor der Anwendung kurz in den Händen erwärmen.
Tamanuöl kaufen – Worauf sollte man achten?
Beim Kauf von Tamanuöl gibt es mehrere wichtige Qualitätskriterien, die ein hochwertiges Produkt von minderwertigen Alternativen unterscheiden:
- Bio-Qualität und Zertifizierung: Bio-Tamanuöl garantiert den Verzicht auf chemische Pestizide und Lösungsmittel bei der Gewinnung. Achten Sie auf anerkannte Bio-Siegel (EU-Bio, COSMOS, USDA Organic). Marken wie „Naissance Tamanuöl Bio" bieten zertifizierte Qualität.
- Kaltgepresst und nativ: Nur kaltgepresstes (nativ) Tamanuöl enthält den vollen Gehalt an bioaktiven Calophylloliden, Inophyllumen und Neoflavonoiden. Raffinierte Varianten verlieren einen Großteil dieser wertvollen Wirkstoffe.
- Herkunft: Tamanuöl aus Französisch-Polynesien (Tahiti), Indonesien, den Philippinen und den Fidschi-Inseln gilt als besonders hochwertig. Transparente Herkunftsangaben sind ein Zeichen seriöser Anbieter.
- Farbe als Qualitätsindikator: Hochwertiges natives Tamanuöl hat eine intensive dunkelgrüne Farbe. Sehr helles oder gelbliches Öl kann auf eine Raffination oder minderwertige Qualität hindeuten.
- Glasverpackung: Tamanuöl sollte in dunklen Glasflaschen (Braun- oder Violettglas) aufbewahrt werden, um die lichtempfindlichen Inhaltsstoffe zu schützen.
- Reinheit: Achten Sie auf die INCI-Bezeichnung „Calophyllum Inophyllum Seed Oil" ohne Zusatzstoffe. Ein hochwertiges Produkt enthält 100 % reines Tamanuöl.
Tamanuöl in der Apotheke und online
Tamanuöl ist in Deutschland in Apotheken, ausgewählten Bio-Läden und Reformhäusern sowie bei Online-Händlern erhältlich. In Apotheken wird Tamanuöl oft als pharmazeutisches Hautpflegeöl geführt und kann dort auch bestellt werden. Online-Plattformen bieten eine größere Auswahl an Bio- und kaltgepressten Varianten verschiedener Hersteller. Etablierte Marken wie Naissance bieten sowohl konventionelles als auch biologisches Tamanuöl in verschiedenen Größen an.
Die Preise für hochwertiges Bio-Tamanuöl liegen typischerweise zwischen 8 und 20 € für 50–100 ml. Größere Gebinde sind oft günstiger pro Milliliter, allerdings sollte die begrenzte Haltbarkeit berücksichtigt werden.
Nebenwirkungen von Tamanuöl
Allergien und Unverträglichkeiten
Da Tamanuöl aus den Nüssen des Tamanubaums gewonnen wird, besteht ein potenzielles Risiko für Personen mit Nussallergien. Wer eine bestehende Baumnussallergie hat, sollte Tamanuöl nur nach Rücksprache mit einem Allergologen verwenden. Vor der ersten Anwendung empfiehlt sich grundsätzlich ein Patch-Test: Eine kleine Menge Öl auf die Innenseite des Unterarms auftragen und 24 Stunden auf Reaktionen prüfen.
Komedogenität
Tamanuöl hat einen Komedogenitätsgrad von 2, was bedeutet, dass es eine moderat niedrige Wahrscheinlichkeit hat, Poren zu verstopfen. Bei sehr fettiger oder stark zu Unreinheiten neigender Haut sollte es dennoch zunächst vorsichtig getestet werden. Für besonders empfindliche oder stark komedogene Haut sind Öle mit einem Komedogenitätsgrad von 0–1 (wie Jojobaöl oder Traubenkernöl) möglicherweise besser geeignet.
Nicht für den Verzehr geeignet
Tamanuöl ist aufgrund seines hohen Gehalts an nicht-fettigen Bestandteilen (Harze, Cumarine) nicht essbar und darf unter keinen Umständen innerlich angewendet oder als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden. Die Anwendung beschränkt sich ausschließlich auf die äußerliche Hautpflege.
Mögliche Hautreaktionen
In seltenen Fällen können bei der Erstanwendung leichte Hautreizungen, Rötungen oder Juckreiz auftreten. Dies kann auf die hohe Konzentration bioaktiver Inhaltsstoffe zurückzuführen sein. In solchen Fällen sollte die Anwendung unterbrochen und das Öl stärker verdünnt werden. Bei anhaltenden Beschwerden ist ein Arzt aufzusuchen.
Anwendung in der Schwangerschaft
Zur Anwendung von Tamanuöl in der Schwangerschaft liegen keine ausreichenden Studiendaten vor. Schwangere und Stillende sollten vor der Anwendung einen Arzt konsultieren.
Tamanuöl Alternativen
Je nach Einsatzbereich gibt es verschiedene Alternativen zu Tamanuöl, die ähnliche Eigenschaften bieten:
- Hagebuttenöl: Hagebuttenöl ist reich an Vitamin A (Retinsäure) und essenziellen Fettsäuren. Es eignet sich hervorragend zur Narbenreduktion, bei Hyperpigmentierung und als Anti-Aging-Öl – mit einem milderen Geruch und niedrigerem Komedogenitätsgrad als Tamanuöl.
- Jojobaöl: Jojobaöl hat einen Komedogenitätsgrad von 0–1 und eignet sich ideal für empfindliche, zu Akne neigende Haut. Es reguliert die Talgproduktion und ist ein ausgezeichnetes Trägeröl für Tamanuöl-Mischungen.
- Arganöl: Arganöl ist ein nicht-komedogenes Öl mit antioxidativen Eigenschaften, das besonders gut für die Anti-Aging-Pflege und trockene Haut geeignet ist.
- Teebaumöl: Teebaumöl besitzt starke antibakterielle und antifungale Eigenschaften und wird häufig gegen Akne, Hautpilz und Schuppen eingesetzt. Es ist ein ätherisches Öl und sollte immer verdünnt angewendet werden.
- Nachtkerzenöl: Nachtkerzenöl ist reich an Gamma-Linolensäure (GLA) und wird häufig bei Neurodermitis und Ekzemen empfohlen.
- Schwarzkümmelöl: Schwarzkümmelöl besitzt entzündungshemmende und antimikrobielle Eigenschaften und wird sowohl innerlich als auch äußerlich bei Hautproblemen eingesetzt.
- Kokosöl: Kokosöl für die Haut bietet antimikrobielle und feuchtigkeitsspendende Eigenschaften, hat jedoch einen höheren Komedogenitätsgrad (4) und ist daher für das Gesicht weniger geeignet als Tamanuöl.
Die Wahl der richtigen Alternative hängt vom Hautzustand, der Empfindlichkeit und dem gewünschten Einsatzzweck ab. Einen Überblick über die Eigenschaften verschiedener Öle finden Sie in unserer Speiseöl-Übersicht.
Quellen
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