Dillöl

Zuletzt aktualisiert: 18.02.26

Dillöl ist ein ätherisches Öl, das aus der Dillpflanze (Anethum graveolens) gewonnen wird. Die zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae) gehörende Pflanze zählt zu den ältesten Heil- und Gewürzkräutern der Menschheitsgeschichte. Bereits im alten Ägypten wurde Dill als Heilpflanze verwendet – in den Pharaonengräbern von Theben fand man Dillzweige als Grabbeigaben. Auch die Römer nutzten Dillöl: Gladiatoren rieben sich vor Kämpfen damit ein, um die Wundheilung zu fördern.[1]

Der Name „Dill" leitet sich vom altnordischen Wort „dilla" ab, was so viel wie „beruhigen" oder „besänftigen" bedeutet – ein Hinweis auf die traditionelle Verwendung als beruhigendes und krampflösendes Heilmittel. Dillöl wird durch Wasserdampfdestillation aus den Samen oder dem Kraut der Pflanze gewonnen und zeichnet sich durch seinen charakteristisch frisch-würzigen Duft aus, der an Kümmel und Anis erinnert.

Dillöl – ätherisches Dillöl im Fläschchen neben frischem Dill

In diesem Ratgeber erfahren Sie alles Wissenswerte über die Gewinnung, Inhaltsstoffe, Wirkung, Anwendungsgebiete und Dosierung von Dillöl. Alle Angaben werden durch aktuelle wissenschaftliche Studien belegt.

Gewinnung von Dillöl

Dillöl wird durch Wasserdampfdestillation gewonnen. Je nachdem, welcher Pflanzenteil verwendet wird, unterscheidet man zwei Haupttypen:

  1. Dillsamenöl (Dill Seed Oil): Wird aus den reifen, getrockneten Samen der Dillpflanze destilliert. Es besitzt einen intensiv würzigen, kümmelartigen Duft mit einem hohen Carvon-Anteil (ca. 35–55 %). Dillsamenöl gilt als das kräftigere der beiden Öle und wird in der Aromatherapie und Heilkunde bevorzugt eingesetzt. Für die Herstellung von 1 kg Dillsamenöl werden etwa 34–38 kg reife Dillsamen benötigt.
  2. Dillkrautöl (Dill Weed Oil): Wird aus den frischen Blättern, Stängeln und Blütenständen der Dillpflanze gewonnen. Es hat einen milderen, frischeren Duft mit einem höheren Anteil an α-Phellandren und weniger Carvon. Dillkrautöl wird häufig in der Lebensmittelindustrie und Parfümerie verwendet.

Das fertige ätherische Öl ist eine hellgelbe bis leicht bräunliche Flüssigkeit mit einem charakteristisch aromatisch-würzigen Geruch. Die chemische Zusammensetzung variiert je nach Herkunft, Erntezeitpunkt, Anbaubedingungen und Gewinnungsmethode.[2]

Neben der klassischen Wasserdampfdestillation kommt auch die CO₂-Extraktion (Hochdruckextraktion mit Kohlendioxid) zum Einsatz. Dieses schonende Verfahren liefert ein besonders reines und aromaintensives Öl ohne Lösungsmittelrückstände. Hochwertige Bio-Dillöle stammen überwiegend aus Ungarn, Ägypten, Indien und dem Mittelmeerraum.

Dillöl Inhaltsstoffe

Die Zusammensetzung von Dillöl ist komplex – es wurden mehr als 40 verschiedene flüchtige Verbindungen identifiziert.[3] Die Hauptinhaltsstoffe variieren je nach Pflanzteil und Herkunft, die dominierenden Wirkstoffe sind jedoch konsistent:

Ätherisches Dillöl – Hauptinhaltsstoffe
Typische Zusammensetzung von Dillsamenöl:
InhaltsstoffAnteil
D-Carvonca. 35–55 %
D-Limonenca. 32–45 %
α-Phellandrenca. 2–20 %
Dihydrocarvon (trans/cis)ca. 2–5 %
Dilletherca. 2–10 %
Myristicinca. 0,5–2 %
Dillapiol (Apiol)ca. 0,5–5 %
p-CymenSpuren bis 2 %
α-PinenSpuren bis 1 %
β-PhellandrenSpuren bis 2 %

Die beiden Hauptinhaltsstoffe Carvon und Limonen machen zusammen über 80 % des ätherischen Öls aus und sind maßgeblich für die therapeutischen Eigenschaften verantwortlich.[2] Carvon ist ein Monoterpenketon, das für den charakteristischen kümmelartigen Geruch verantwortlich ist und nachweislich krampflösende, verdauungsfördernde und antimikrobielle Eigenschaften besitzt. Limonen ist ein Monoterpenkohlenwasserstoff mit antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkungen.

Darüber hinaus enthält Dillöl Flavonoide (darunter Quercetin und Kämpferol), Phenolsäuren, Cumarine und Tannine, die zu den antioxidativen Eigenschaften der Pflanze beitragen.[1]

Wirkung von Dillöl

Dillöl besitzt ein breites Spektrum an pharmakologischen Wirkungen, die auf die synergistische Kombination seiner Inhaltsstoffe zurückzuführen sind. Die wichtigsten wissenschaftlich untersuchten Wirkungen sind:

  • Krampflösende (antispasmodische) Wirkung: Die im Dillöl enthaltenen Wirkstoffe Carvon und α-Phellandren wirken entspannend auf die glatte Muskulatur des Magen-Darm-Trakts. Carvon löst Krämpfe durch Interaktion mit Acetylcholin- und Histamin-Rezeptoren, während α-Phellandren Darmkontraktionen über 5-Hydroxytryptamin-3-Rezeptoren reduziert.[4] Diese Wirkung erklärt die traditionelle Verwendung von Dillöl bei Blähungen, Koliken und Verdauungsbeschwerden.
  • Antimikrobielle Wirkung: Dillöl zeigt eine starke antibakterielle Aktivität gegen verschiedene pathogene Keime, darunter Escherichia coli, Staphylococcus aureus, Pseudomonas aeruginosa und Candida albicans. Eine Studie bestätigte die breite antimikrobielle Wirksamkeit, die das Potenzial von Dillöl als natürliche Alternative zu synthetischen Konservierungsstoffen unterstreicht.[3][5]
  • Antioxidative Wirkung: Die phenolischen Verbindungen, Flavonoide und Terpene im Dillöl besitzen nachweislich antioxidative Eigenschaften. In einer Studie neutralisierte Dillöl bis zu 79,62 % der DPPH-Radikale und zeigte eine signifikante Reduktionsfähigkeit im FRAP-Test.[5]
  • Entzündungshemmende Wirkung: Dillsamenextrakte hemmen die Produktion entzündungsfördernder Zytokine (TNF-α, IL-1β) und Proteine (iNOS, COX-2) über den NF-κB-Signalweg. Eine Studie aus 2021 zeigte, dass Dill die Schleimhautschäden bei Refluxösophagitis signifikant reduzieren konnte.[6]
  • Lipidsenkende Wirkung: Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse von 2021 ergab, dass Dill-Supplementierung das LDL-Cholesterin signifikant senken und die Insulinresistenz verbessern kann.[7] Eine weitere Meta-Analyse bestätigte die potenziell günstigen Effekte auf kardiovaskuläre Risikofaktoren, insbesondere bei einer Einnahme über mindestens 8 Wochen.[8]
  • Blutzuckerregulierende Wirkung: Dill wurde in mehreren klinischen Studien als potenzielle Unterstützung bei Typ-2-Diabetes untersucht. Eine randomisierte Studie mit 42 Patienten zeigte, dass 3 g Dillpulver pro Tag die Insulinresistenz, das LDL-Cholesterin und den Malondialdehyd-Spiegel (ein Marker für oxidativen Stress) signifikant senken konnte.[9]
  • Beruhigende und sedative Wirkung: Der Name „Dill" (von altnordisch „dilla" = beruhigen) weist auf die traditionell bekannte beruhigende Wirkung hin. In der Aromatherapie wird Dillöl zur Entspannung, bei Schlafstörungen und nervöser Unruhe eingesetzt.

Anwendungsgebiete von Dillöl

Dillöl bei Verdauungsbeschwerden

Die Verdauung ist das mit Abstand am besten erforschte Anwendungsgebiet von Dillöl. Die karminative (blähungswidrige) und krampflösende Wirkung beruht auf der Entspannung der glatten Darmmuskulatur durch Carvon und α-Phellandren.[4]

  1. Blähungen und Völlegefühl: 1–2 Tropfen Dillöl, verdünnt in einem Teelöffel Olivenöl oder Honig, können die Gasbildung im Darm reduzieren und das Völlegefühl nach schweren Mahlzeiten lindern.
  2. Bauchkrämpfe und Koliken: Dillöl ist ein Hauptbestandteil des traditionellen „Gripe Water" (Dillwasser), das seit dem 19. Jahrhundert zur Linderung von Koliken eingesetzt wird. Zur äußerlichen Anwendung kann Dillöl verdünnt in einem Trägeröl sanft auf den Bauch massiert werden.
  3. Appetitlosigkeit: Der aromatische Duft von Dillöl regt den Appetit an und fördert die Sekretion von Verdauungssäften. Carvon und Limonen stimulieren die Gallensekretion und unterstützen die Fettverdauung.
  4. Übelkeit und Sodbrennen: Dillöl kann Übelkeit lindern, indem es die Magenmotilität reguliert und die Magensäure bei gastroösophagealem Reflux reduziert.[6]

Hinweis: Bei anhaltenden Magen-Darm-Beschwerden sollte stets ein Arzt konsultiert werden. Dillöl ergänzt die medizinische Behandlung, ersetzt sie aber nicht.

Dillöl in der Aromatherapie

In der Aromatherapie wird Dillöl wegen seiner ausgleichenden, beruhigenden und gleichzeitig belebenden Eigenschaften geschätzt. Es harmoniert besonders gut mit Zitrusölen wie Zitronenöl, Bergamotteöl und Grapefruitöl, aber auch mit Lavendelöl, Fenchelöl und Kamillenöl.

  1. Im Diffusor: 3–5 Tropfen Dillöl in einem Aroma-Diffusor verteilen. Der Duft wirkt beruhigend auf das Nervensystem, fördert die Konzentration und kann bei geistiger Erschöpfung revitalisierend wirken.
  2. In der Duftlampe: 2–3 Tropfen Dillöl in die Wasserschale einer Duftlampe geben. Der frisch-würzige Duft schafft eine angenehme Raumatmosphäre und kann bei saisonaler Verstimmung hilfreich sein.
  3. Inhalation: 2–3 Tropfen Dillöl in eine Schale mit heißem Wasser geben und die Dämpfe unter einem Handtuch langsam inhalieren. Dies kann bei Atemwegsbeschwerden, Erkältungen und verstopfter Nase unterstützend wirken.

Dillöl als Massageöl

Dillöl eignet sich verdünnt als wohltuendes Massageöl, insbesondere bei Muskelverspannungen und Verdauungsbeschwerden. Es sollte grundsätzlich in einem Trägeröl verdünnt werden – ätherische Öle dürfen niemals unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden.

  1. Bauchmassage bei Blähungen: 2–3 Tropfen Dillöl in 10 ml Mandelöl oder Jojobaöl mischen und den Bauch im Uhrzeigersinn sanft massieren. Die krampflösende Wirkung von Carvon kann Blähungen und Bauchkrämpfe spürbar lindern.
  2. Entspannungsmassage: 3–4 Tropfen Dillöl in 15 ml Trägeröl geben und Nacken, Schultern und Rücken massieren. Die beruhigenden Eigenschaften helfen bei Verspannungen und nervöser Anspannung.
  3. Menstruationsbeschwerden: Eine Bauchmassage mit verdünntem Dillöl kann durch die krampflösende Wirkung auf die Gebärmuttermuskulatur menstruelle Krämpfe lindern.

Dillöl für die Haut

Dillöl kann aufgrund seiner antimikrobiellen, antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften in der Hautpflege eingesetzt werden. Eine aktuelle Studie aus 2025 zeigte, dass Dillblattextrakte die Hautzellen vor oxidativem Stress schützen und die Zellvitalität unterstützen können.[10]

  1. Wundheilung: Die antimikrobiellen Wirkstoffe können die Heilung kleinerer Wunden und Hautabschürfungen unterstützen. Dillöl (stark verdünnt) auf die betroffene Stelle auftragen.
  2. Hautunreinheiten: Carvon und Limonen wirken antibakteriell und können in Kombination mit nicht-komedogenen Ölen wie Jojobaöl bei unreiner Haut hilfreich sein.
  3. Anti-Aging: Die antioxidativen Flavonoide im Dill – insbesondere Quercetin und Kämpferol – können freie Radikale neutralisieren und so vorzeitiger Hautalterung entgegenwirken.

Wichtig: Dillöl kann bei empfindlicher Haut Reizungen auslösen. Vor der Anwendung immer einen Verträglichkeitstest an einer kleinen Hautstelle durchführen. Die Verdünnung sollte maximal 2 % betragen (ca. 4 Tropfen auf 10 ml Trägeröl).

Dillöl für die Haare

Dillöl kann die Kopfhaut und Haargesundheit unterstützen. Die durchblutungsfördernden und antimikrobiellen Eigenschaften machen es zu einer interessanten Ergänzung in der natürlichen Haarpflege.

  1. Gegen Schuppen: Die antimykotischen Eigenschaften von Dillöl können helfen, schuppenverursachende Pilze zu bekämpfen. 2–3 Tropfen Dillöl in eine Portion Shampoo oder in Kokosöl mischen und in die Kopfhaut einmassieren.
  2. Kopfhautpflege: Eine Kopfhautmassage mit verdünntem Dillöl fördert die Durchblutung und kann Juckreiz lindern. 3 Tropfen Dillöl in 10 ml Arganöl mischen und sanft einmassieren.
  3. Haarwachstum: Die verbesserte Durchblutung der Kopfhaut durch die Massage mit Dillöl kann das Haarwachstum unterstützen und die Haarfollikel mit Nährstoffen versorgen.

Dillöl in der Küche

In der Aromaküche ist Dillöl ein beliebtes Würzöl, das sparsam eingesetzt werden sollte – bereits ein Tropfen kann eine ganze Mahlzeit aromatisieren. Nur lebensmittelreines, 100 % naturreines Dillöl sollte zum Kochen verwendet werden.

  1. Würzöl herstellen: 4–6 Tropfen lebensmittelreines Dillöl in 100 ml Olivenöl geben und einige Tage ziehen lassen. Dieses Würzöl eignet sich hervorragend für Salatdressings, Fischgerichte und Saucen.
  2. Fischgerichte und Meeresfrüchte: Dillöl verleiht Lachs, Forelle und anderen Fischgerichten eine feine aromatische Note. 1 Tropfen reicht für ein ganzes Gericht.
  3. Einlegen und Konservieren: Dillöl wird traditionell zum Einlegen von Gurken und Gemüse verwendet. Die antimikrobiellen Eigenschaften tragen dabei zur natürlichen Konservierung bei.
  4. Suppen und Eintöpfe: Ein Tropfen Dillöl in Kartoffelsuppe, Gurkensalat oder Quark verleiht dem Gericht einen intensiv frischen Geschmack.

Achtung: Ätherische Öle sind hochkonzentriert. Niemals mehr als 1–2 Tropfen pro Portion verwenden und immer in einem Fett (Öl, Butter, Sahne) verdünnen – nicht direkt ins Kochwasser geben.

Dillöl in der Stillzeit

Dill wird traditionell als Galaktagogum (milchflussförderndes Mittel) eingesetzt. In der Ayurveda ist Dill unter dem Namen „Shatapushpa" bekannt und wird stillenden Müttern zur Förderung der Milchbildung empfohlen.[1]

Eine interessante Eigenschaft: Studien zeigen, dass der Wirkstoff D-Carvon aus dem Dillöl in kleinen Mengen in die Muttermilch übergeht. Dadurch kann die karminative Wirkung direkt auf das gestillte Kind übertragen werden, was bei Säuglingskoliken hilfreich sein kann.

Wichtig: Schwangere sollten ätherisches Dillöl in therapeutischen Dosen meiden, da Carvon in hoher Konzentration als potenziell wehenanregend gilt. In der Stillzeit sollte die Anwendung nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder einer Hebamme erfolgen. Kulinarische Mengen von frischem Dill oder Dillsamen sind hingegen unbedenklich.

Dillöl gegen Insekten

Die Terpene im Dillöl – insbesondere Limonen und α-Phellandren – wirken als natürliches Insektenrepellent. Dillöl kann als sanfte Alternative zu synthetischen Insektenschutzmitteln eingesetzt werden.

  • Gegen Mücken: 5–8 Tropfen Dillöl in einem Diffusor oder in einer Duftlampe können Mücken fernhalten. Alternativ einige Tropfen verdünnt auf die Haut auftragen.
  • Gegen Kopfläuse: Dillöl wird in manchen traditionellen Anwendungen auf die Kopfhaut aufgetragen, um Kopfläuse abzuwehren.
  • Im Garten: Dillpflanzen ziehen nützliche Insekten wie Bienen an und können gleichzeitig schädliche Insekten von Gemüsebeeten fernhalten.

Für einen stärkeren Insektenschutz lässt sich Dillöl mit Eukalyptusöl, Zitronengrasöl oder Lavendelöl kombinieren.

Dillöl zur Mundpflege

Die antimikrobielle Wirkung von Dillöl erstreckt sich auch auf den Mundraum. Studien zeigen, dass Dillöl das Wachstum von Streptococcus mutans und Streptococcus sobrinus hemmt – zwei Bakterienarten, die maßgeblich an der Kariesentstehung beteiligt sind.[11]

  • Mundspülung: 1–2 Tropfen Dillöl in ein Glas Wasser geben und als Mundspülung verwenden. Die antibakteriellen Eigenschaften können Mundgeruch reduzieren und die Zahnfleischgesundheit unterstützen.
  • Ergänzung zum Ölziehen: Ein Tropfen Dillöl kann dem Trägeröl beim Ölziehen beigemischt werden, um die antimikrobielle Wirkung zu verstärken.

Dillöl selber machen

Ein echtes ätherisches Dillöl lässt sich nur durch professionelle Wasserdampfdestillation gewinnen. Zu Hause kann man jedoch ein Dill-Mazerat (Ölauszug) herstellen, das die fettlöslichen Wirkstoffe der Pflanze enthält und vielseitig verwendbar ist:

  1. Zutaten: Eine Handvoll frisches Dillkraut (oder 3 EL Dillsamen), 200 ml hochwertiges Pflanzenöl (z. B. Olivenöl, Mandelöl oder Sonnenblumenöl).
  2. Zubereitung: Den Dill grob zerkleinern und in ein sauberes, trockenes Schraubglas füllen. Mit dem Pflanzenöl vollständig bedecken – es dürfen keine Pflanzenteile aus dem Öl ragen (Schimmelgefahr).
  3. Mazeration: Das verschlossene Glas an einem warmen, dunklen Ort für 2–4 Wochen ziehen lassen. Täglich leicht schütteln, um die Extraktion zu fördern.
  4. Abseihen: Das Öl durch ein feines Sieb oder Mulltuch in eine dunkle Flasche filtern. Kühl und lichtgeschützt aufbewahrt hält das Mazerat ca. 6 Monate.

Dieses selbstgemachte Dillöl eignet sich hervorragend als Würzöl in der Küche, für Salatdressings oder als mildes Massageöl. Es ist jedoch weitaus weniger konzentriert als ein echtes ätherisches Dillöl und somit nicht für therapeutische Zwecke in der Aromatherapie geeignet. Mehr Inspiration für Kräuteröl zum Selber machen und aromatisierte Öle finden Sie in unseren Ratgebern.

Dosierung und Einnahme von Dillöl

Ätherisches Dillöl ist hochkonzentriert und muss entsprechend vorsichtig dosiert werden. Die Dosierung richtet sich nach der Anwendungsart:

  • Äußerliche Anwendung (Massage, Hautpflege): Maximal 2 % Verdünnung – das entspricht ca. 4 Tropfen ätherisches Dillöl auf 10 ml Trägeröl. Bei empfindlicher Haut mit 1 % beginnen (2 Tropfen auf 10 ml).
  • Aromatherapie (Diffusor/Duftlampe): 3–6 Tropfen in 100 ml Wasser im Diffusor oder 2–3 Tropfen in der Duftlampe. Nicht länger als 30 Minuten am Stück vernebeln.
  • Inhalation: 2–3 Tropfen in eine Schüssel mit heißem Wasser. 5–10 Minuten unter einem Handtuch inhalieren.
  • Badezusatz: 3–5 Tropfen Dillöl in einem Emulgator (z. B. Meersalz, Sahne oder Honig) auflösen und dem Badewasser zugeben. Nicht unverdünnt ins Badewasser geben.
  • Aromaküche: 1–2 Tropfen lebensmittelreines Dillöl pro 100 g Speise – in Fett (Öl, Butter) verdünnt. Besser: Vorratsmischung aus 4–6 Tropfen auf 50 ml Speiseöl herstellen.
  • Mundspülung: 1–2 Tropfen in ein Glas Wasser, kurz spülen und ausspucken.

Grundregel: Ätherisches Dillöl darf niemals unverdünnt auf die Haut aufgetragen oder pur eingenommen werden. Bei Unsicherheiten zur Dosierung sollte ein qualifizierter Aromatherapeut oder Heilpraktiker konsultiert werden.

Dillöl Nebenwirkungen

Hautreizungen und Allergien

Dillöl kann bei empfindlicher Haut oder bei Anwendung in zu hoher Konzentration Hautreizungen, Rötungen oder allergische Reaktionen auslösen. Besonders Personen mit Allergien gegen Pflanzen der Familie der Doldenblütler (Apiaceae) – darunter Sellerie, Karotte, Fenchel, Koriander und Petersilie – sollten vorsichtig sein. Vor der ersten Anwendung empfiehlt sich stets ein Patch-Test an der Innenseite des Unterarms.

Schwangerschaft und Kinder

Ätherisches Dillöl ist aufgrund seines Carvon-Gehalts nicht geeignet für Schwangere, Säuglinge, Kleinkinder unter 6 Jahren und Personen mit Epilepsie. Carvon gehört zur Stoffgruppe der Ketone, die in hoher Dosis neurotoxisch wirken können und ein potenzielles Risiko für Fehlgeburten darstellen. Kulinarische Mengen von frischem Dill oder Dillsamen sind hingegen unbedenklich.

Für Babys mit Koliken sollte Dillöl niemals direkt verabreicht, sondern ausschließlich als stark verdünnte äußerliche Bauchmassage unter ärztlicher Anleitung angewendet werden. In der Schwangerschaft sollten ätherische Öle generell nur mit Vorsicht verwendet werden.

Wechselwirkungen

Dillöl kann die Wirkung bestimmter Medikamente beeinflussen. Insbesondere bei der gleichzeitigen Einnahme von blutzuckersenkenden Medikamenten (Antidiabetika) oder Lithium ist Vorsicht geboten, da Dill blutdrucksenkende und blutzuckerregulierende Effekte haben kann.[9] Bei bestehenden Leber- oder Gallenerkrankungen sollte vor der Anwendung ein Arzt konsultiert werden.

Phototoxizität

Dillöl kann in seltenen Fällen die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Nach dem Auftragen auf die Haut sollte direkte Sonneneinstrahlung für mindestens 12 Stunden vermieden werden.

Dillöl kaufen – Worauf sollte man achten?

Beim Kauf von Dillöl gibt es einige wichtige Qualitätskriterien, die ein hochwertiges Produkt von minderwertiger Ware unterscheiden:

  1. 100 % naturrein: Achten Sie auf die Bezeichnung „100 % naturreines ätherisches Öl". Synthetische oder naturidentische Öle besitzen nicht dieselben therapeutischen Eigenschaften. Das Etikett sollte den botanischen Namen (Anethum graveolens) und den verwendeten Pflanzenteil (Samen oder Kraut) ausweisen.
  2. Bio-Qualität: Bio-zertifiziertes Dillöl garantiert den Anbau ohne chemische Pestizide und Düngemittel. Da sich fettlösliche Pestizidrückstände in ätherischen Ölen anreichern können, ist Bio-Qualität besonders wichtig.
  3. Herkunft: Hochwertiges Dillöl stammt häufig aus Ungarn, Ägypten, Indien oder dem Mittelmeerraum. Transparente Herkunftsangaben sind ein Zeichen seriöser Hersteller.
  4. Gewinnungsmethode: Die Wasserdampfdestillation und die CO₂-Extraktion sind die bevorzugten Methoden. Achten Sie darauf, dass keine Lösungsmittel eingesetzt wurden.
  5. Dillsamenöl vs. Dillkrautöl: Für die Aromatherapie und therapeutische Zwecke wird meist Dillsamenöl empfohlen, da es einen höheren Carvon-Gehalt aufweist. Dillkrautöl ist milder und wird eher in der Küche und Kosmetik eingesetzt.
  6. Verpackung: Ätherisches Dillöl sollte in einer dunklen Glasflasche (braun oder blau) mit Tropfeinsatz verkauft werden. Licht und Kunststoff beeinträchtigen die Qualität des Öls.
  7. Chargennummer und Analyse: Seriöse Hersteller liefern Analysezertifikate (GC/MS-Analysen) mit, die die genaue Zusammensetzung des Öls dokumentieren.

Dillöl ist in Apotheken, Reformhäusern, Bio-Supermärkten und spezialisierten Online-Shops erhältlich. Gängige Fläschchengrößen sind 5 ml und 10 ml. Achten Sie beim Vergleich auf den Preis pro Milliliter, da die Flaschengrößen variieren können.

Quellen

  1. Jana, S., & Shekhawat, G. S. (2010). Anethum graveolens: An Indian traditional medicinal herb and spice. Pharmacognosy Reviews, 4(8), 179–184. doi:10.4103/0973-7847.70915
  2. Stanojević, Lj. P., Stanojević, J. S., Cvetković, D. J., & Ilić, D. P. (2016). Dill (Anethum Graveolens L.) Seeds Essential Oil As A Potential Natural Antioxidant And Antimicrobial Agent. Biologica Nyssana, 7(1), 31–39.
  3. Jirovetz, L., Buchbauer, G., Stoyanova, A. S., Georgiev, E. V., & Damianova, S. T. (2003). Composition, Quality Control, and Antimicrobial Activity of the Essential Oil of Long-Time Stored Dill (Anethum graveolens L.) Seeds from Bulgaria. Journal of Agricultural and Food Chemistry, 51(13), 3854–3857. doi:10.1021/jf030004y
  4. Hosseinzadeh, H., Karimi, G. R., & Ameri, M. (2002). Effects of Anethum graveolens L. seed extracts on experimental gastric irritation models in mice. BMC Pharmacology, 2, 21. doi:10.1186/1471-2210-2-21
  5. Dimić, G. R., Kocić-Tanackov, S. D., Jovanov, O. O., Cvetković, D. D., Markov, S. L., & Velićanski, A. S. (2015). Antibacterial and Antifungal Activity of Dill (Anethum graveolens L.), Coriander (Coriandrum sativum L.) and Basil (Ocimum basilicum L.) Essential Oils against Foodborne Pathogens. Journal of Natural Sciences Matica Srpska Novi Sad, 129, 55–61. doi:10.2298/ZMSPN1529055D
  6. Kim, H. J., Kim, J. H., Park, Y. J., et al. (2021). Anti-Inflammation and Protective Effects of Anethum graveolens L. (Dill Seeds) on Esophageal Mucosa Damages in Reflux Esophagitis-Induced Rats. Foods, 10(10), 2500. doi:10.3390/foods10102500
  7. Miraghajani, M., Rafie, N., Hajianfar, H., Larijani, B., & Azadbakht, L. (2021). The effects of Anethum graveolens (dill) supplementation on lipid profile and glycemic control: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Critical Reviews in Food Science and Nutrition, 61(9), 1591–1602. doi:10.1080/10408398.2021.1877110
  8. Moradi, S., Shokri-Mashhadi, N., Saraf-Bank, S., & Mohammadi, H. (2021). Effects of Anethum graveolens (dill) and its derivatives on controlling cardiovascular risk factors: A systematic review and meta-analysis. Obesity Medicine, 27, 100374. doi:10.1016/j.obmed.2021.100374
  9. Haidari, F., Zakerkish, M., Borazjani, F., Ahmadi Angali, K., & Amoochi Foroushani, G. (2020). The effects of Anethum graveolens (dill) powder supplementation on clinical and metabolic status in patients with type 2 diabetes. Trials, 21, 483. doi:10.1186/s13063-020-04401-3
  10. Tipthara, P., Kunhorm, P., Tangpong, J., & Suriyonplengsaeng, C. (2025). Metabolomic analysis of bioactive compounds in dill (Anethum graveolens L.) extracts. PeerJ, 13, e19264. doi:10.7717/peerj.19264
  11. Khademi, F., Aghili, N., Mazaheri Nejad Fard, G., & Rezai, A. (2024). Investigation of physicochemical and antibacterial properties of dill (Anethum graveolens L.) microencapsulated essential oil using fluidized bed method. Heliyon, 10(17), e36781. doi:10.1016/j.heliyon.2024.e36781