Palmöl

Zuletzt aktualisiert: 12.02.26

Palmöl ist ein Pflanzenöl, das aus dem Fruchtfleisch der Früchte der Ölpalme (Elaeis guineensis) gewonnen wird. Es ist das weltweit am häufigsten verwendete Pflanzenöl – noch vor Sojaöl, Rapsöl und Sonnenblumenöl. Im Erntejahr 2024/25 wurden weltweit rund 80 Millionen Tonnen Palmöl produziert[1]. Palmöl steckt in Lebensmitteln wie Margarine, Schokolade und Fertiggerichten, aber auch in Kosmetika, Reinigungsmitteln und Biokraftstoffen. Aufgrund seines hohen Gehalts an gesättigten Fettsäuren, der umstrittenen Umweltbilanz und möglicher Schadstoffbelastung bei der Raffination ist Palmöl eines der am intensivsten diskutierten Speiseöle unserer Zeit.

Palmöl – Frucht der Ölpalme und gewonnenes Öl

Herstellung und Gewinnung von Palmöl

Die Ölpalme stammt ursprünglich aus Westafrika, wird heute aber in nahezu allen tropischen Regionen der Welt kultiviert. Die größten Anbauländer sind Indonesien und Malaysia, die zusammen etwa 83 % der weltweiten Palmölproduktion liefern[2]. Allein Indonesien produzierte im Erntejahr 2024/25 rund 47,5 Millionen Tonnen[1]. Weitere bedeutende Anbauländer sind Thailand, Kolumbien und Nigeria.

Die Herstellung von Palmöl beginnt mit der Ernte der bis zu 25 Kilogramm schweren Fruchtbündel der Ölpalme. Da die Früchte nach der Ernte schnell verderben, werden sie noch am selben Tag zur Verarbeitung in Ölmühlen transportiert. Dort werden sie zunächst mit Dampf sterilisiert, um Enzyme zu deaktivieren und die Haltbarkeit zu verlängern. Anschließend wird das Fruchtfleisch mechanisch gepresst, wodurch das rohe Palmöl (Crude Palm Oil, CPO) gewonnen wird. Dieses rohe Öl besitzt aufgrund seines hohen Carotingehalts eine charakteristische orangerote Färbung.

Für die meisten industriellen Anwendungen wird das rohe Palmöl anschließend raffiniert. Dabei durchläuft es mehrere Verarbeitungsschritte – darunter Entschleimung, Bleichung und Desodorierung –, bei denen Farb- und Geschmacksstoffe entfernt werden. Das Endprodukt ist ein helles, geschmacksneutrales Öl, das bei Raumtemperatur eine halbfeste Konsistenz hat. Ein Nebenprodukt der Palmölproduktion ist das Palmkernöl, das aus den Kernen der Ölpalmenfrüchte extrahiert wird. Es unterscheidet sich in seiner Fettsäurezusammensetzung deutlich von Palmöl und wird vorwiegend in Kosmetika und Reinigungsmitteln eingesetzt.

Ein besonderer Vorteil der Ölpalme ist ihre außergewöhnlich hohe Flächeneffizienz: Sie liefert pro Hektar etwa drei- bis achtmal so viel Öl wie Raps oder Soja[3]. Diese Ergiebigkeit ist ein Hauptgrund dafür, warum Palmöl das weltweit günstigste und meistverwendete Pflanzenöl ist.

Inhaltsstoffe und Nährwerte von Palmöl

Palmöl zeichnet sich durch eine ausgewogene Mischung aus gesättigten und ungesättigten Fettsäuren aus, die sich deutlich von vielen anderen Pflanzenölen unterscheidet. Die Zusammensetzung des Öls beeinflusst maßgeblich seine physikalischen Eigenschaften und seine gesundheitliche Wirkung.

Die wichtigsten Fettsäuren in Palmöl sind:

  • Palmitinsäure (C16:0): ca. 44 % – eine gesättigte Fettsäure, die Palmöl seine halbfeste Konsistenz bei Raumtemperatur verleiht
  • Ölsäure (C18:1, Omega-9): ca. 39 % – eine einfach ungesättigte Fettsäure, die auch in Olivenöl reichlich vorkommt
  • Linolsäure (C18:2, Omega-6): ca. 10 % – eine essenzielle, mehrfach ungesättigte Fettsäure
  • Stearinsäure (C18:0): ca. 5 % – eine gesättigte Fettsäure

Neben Fettsäuren enthält rohes Palmöl eine Reihe wertvoller Mikronährstoffe. Es gehört zu den reichhaltigsten natürlichen Quellen von Tocotrienolen – einer Form von Vitamin E mit besonders starker antioxidativer Wirkung[4]. Die Tocotrienol-reiche Fraktion (TRF) des Palmöls besteht zu etwa 75 % aus Tocotrienolen und zu 25 % aus Alpha-Tocopherol[5]. Zudem liefert unraffiniertes Palmöl große Mengen an Carotinoiden (darunter Beta-Carotin als Vorstufe von Vitamin A), Phytosterole, die die Cholesterinabsorption im Darm hemmen können, sowie Coenzym Q10, ein Antioxidans mit Bedeutung für die zelluläre Energieproduktion.

Durch die industrielle Raffination gehen allerdings ein Großteil der Carotinoide und ein erheblicher Anteil der Tocotrienole verloren. Das raffinierte Palmöl, das in den meisten Lebensmitteln und Kosmetika zum Einsatz kommt, ist daher ernährungsphysiologisch weniger wertvoll als das unverarbeitete Öl.

Nährwerte von Palmöl pro 100 g:

  • Brennwert: ca. 884 kcal (3.700 kJ)
  • Fett: 100 g (davon gesättigte Fettsäuren: ca. 49 g, einfach ungesättigte Fettsäuren: ca. 37 g, mehrfach ungesättigte Fettsäuren: ca. 9 g)
  • Vitamin E (Tocotrienole + Tocopherole): ca. 15–33 mg

In welchen Produkten steckt Palmöl?

Palmöl ist aufgrund seiner vielfältigen technologischen Eigenschaften in einer erstaunlich großen Zahl von Alltagsprodukten enthalten. Es ist geschmacksneutral, hitzebeständig, lange haltbar und hat bei Raumtemperatur eine halbfeste Konsistenz – Eigenschaften, die es für die Lebensmittelindustrie besonders attraktiv machen. Schätzungen zufolge enthalten rund 50 % aller verpackten Supermarktprodukte Palmöl oder Palmölderivate.

Palmöl in Lebensmitteln

In folgenden Lebensmitteln findet sich Palmöl besonders häufig: Margarine und Streichfette, Nuss-Nougat-Cremes (z. B. Nutella), Schokolade und Schokoaufstriche, Kekse und Gebäck, Fertiggerichte und Tiefkühlpizza, Instantnudeln, Backwaren wie Croissants und Blätterteig sowie Knabbergebäck und Chips. In Nuss-Nougat-Cremes dient Palmöl dazu, eine cremige Konsistenz zu erzielen, ohne dass das Produkt gehärtet werden muss – ein Vorteil gegenüber früher verbreiteten Transfetten. Bei Schokolade und Keksen sorgt es für eine glatte Textur und verhindert das Austrocknen. Auch zum Backen und Braten bei hohen Temperaturen ist Palmöl wegen seines Rauchpunkts von etwa 230 °C geeignet.

Palmöl in Kosmetik und Reinigungsmitteln

Auch in der Kosmetikindustrie spielt Palmöl eine wichtige Rolle. Es steckt in Seifen, Shampoos, Duschgels, Hautcremes, Lippenstiften und Körperlotionen. Dort fungiert es als Emulgator, Tensid oder Pflegestoff. Da Palmöl in Kosmetikprodukten häufig unter verschiedenen chemischen Bezeichnungen aufgeführt wird (etwa Sodium Palmate, Cetyl Alcohol oder Glyceryl Stearate), ist es für Verbraucher nicht immer leicht, Palmöl in Kosmetik zu erkennen. Darüber hinaus wird Palmöl in Reinigungsmitteln wie Waschmitteln und Geschirrspülmitteln als Basis für Tenside verwendet.

Palmöl als Biokraftstoff

Wegen seiner hohen Energiedichte wird Palmöl auch als Biokraftstoff genutzt. In Indonesien liegt die Beimischungsquote von Palmöl in Diesel bei 35 %[2]. In Deutschland wurde die Förderung für Palmöl in Kraftstoffen 2023 ausgesetzt; EU-weit soll die Förderung bis 2030 auslaufen.

Gesundheitliche Aspekte: Ist Palmöl gesund oder ungesund?

Die gesundheitliche Bewertung von Palmöl ist komplex und hängt von verschiedenen Faktoren ab: der Art des Palmöls (roh vs. raffiniert), der Verzehrmenge und der gesamten Ernährung. Während rohes, unraffiniertes Palmöl wertvolle Nährstoffe enthält, steht das industriell raffinierte Palmöl in vielen Verarbeitungsprodukten durchaus in der Kritik.

Gesundheitliche Vorteile von Palmöl

Unraffiniertes Palmöl – insbesondere rotes Palmöl – enthält bioaktive Verbindungen, die in klinischen Studien positive gesundheitliche Effekte gezeigt haben. Besonders die enthaltenen Tocotrienole stehen im Fokus aktueller Forschung. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024, die 30 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 2.646 Teilnehmern auswertete, kam zu dem Ergebnis, dass die Tocotrienol-reiche Fraktion aus Palmöl als vielversprechendes natürliches Supplement gegen Entzündungen und Lipidperoxidation wirken und die allgemeine Gesundheit signifikant verbessern kann[5].

Tocotrienole besitzen entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften, die mit denen herkömmlicher Tocopherole vergleichbar oder diesen sogar überlegen sind[4]. Studien deuten zudem auf neuroprotektive Eigenschaften hin: Eine klinische Untersuchung zeigte, dass die Einnahme von gemischten Tocotrienolen über zwei Jahre das Fortschreiten von Läsionen der weißen Hirnsubstanz verlangsamen konnte[6]. Die in rohem Palmöl enthaltenen Carotinoide dienen als Vorstufe von Vitamin A, das für das Sehvermögen, das Immunsystem und die Hautgesundheit essenziell ist.

Mögliche gesundheitliche Risiken

Palmöl enthält mit rund 49 % einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren, insbesondere Palmitinsäure. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und führende Fachgesellschaften empfehlen, die Aufnahme gesättigter Fettsäuren auf weniger als 10 % der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen, da ein Zusammenhang mit erhöhten LDL-Cholesterinwerten und einem gesteigerten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht[7].

Eine Meta-Analyse klinischer Studien hat gezeigt, dass der Konsum von Palmöl im Vergleich zu Ölen mit niedrigem Gehalt an gesättigten Fettsäuren zu höheren LDL-Cholesterinwerten führt[8]. Gleichzeitig ergab eine andere Meta-Analyse mit 547 Teilnehmern, dass Palmöl gegenüber ungesättigten Fettsäuren den HDL-Cholesterinspiegel signifikant erhöhen kann, ohne den Gesamtcholesterin- oder LDL-Spiegel signifikant zu beeinflussen[9]. Die Studienlage ist also differenziert, und die gesundheitliche Wirkung hängt stark davon ab, welches Fett Palmöl in der Ernährung ersetzt. Im Vergleich zu Transfetten – die früher in vielen Lebensmitteln vorkamen – schneidet Palmöl deutlich besser ab.

Ist Palmöl krebserregend? 3-MCPD und Glycidyl-Ester

Die Frage, ob Palmöl krebserregend ist, gehört zu den am häufigsten gestellten Fragen rund um dieses Öl. Palmöl selbst ist nicht krebserregend. Problematisch sind jedoch bestimmte Prozesskontaminanten, die bei der industriellen Raffination von Pflanzenölen bei Temperaturen über 200 °C entstehen: sogenannte 3-MCPD-Fettsäureester und Glycidyl-Ester (GE).

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2016 in einer umfangreichen Risikobewertung festgestellt, dass Glycidol – das im Körper aus Glycidyl-Estern freigesetzt wird – genotoxisch und karzinogen ist und somit ein potenzielles Gesundheitsrisiko darstellt[10]. Die höchsten Konzentrationen dieser Schadstoffe finden sich in raffinierten Palmölen und Palmfetten, da Palmöl einen hohen Anteil an Diacylglycerolen enthält, aus denen bei der Hochtemperaturbehandlung Glycidyl-Ester gebildet werden[10].

Die EFSA hat für 3-MCPD eine tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) von 2 µg/kg Körpergewicht festgelegt[11]. Für Glycidyl-Ester konnte aufgrund ihrer genotoxischen Eigenschaften kein sicherer Schwellenwert definiert werden – die Aufnahme sollte daher so gering wie möglich gehalten werden. Die EU hat Höchstgehalte in der Verordnung (EU) 2023/915 festgelegt, die für pflanzliche Öle und insbesondere für Babynahrung gelten.

Wichtig zu wissen: Diese Schadstoffe entstehen nicht nur in Palmöl, sondern bei der Raffination aller Pflanzenöle. Allerdings sind die Konzentrationen in Palmöl aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung besonders hoch. Durch verbesserte Raffinationstechniken konnte die Industrie die Schadstoffbelastung in den vergangenen Jahren jedoch deutlich senken.

Palmöl in der Schwangerschaft

Schwangere Frauen fragen sich häufig, ob der Verzehr von Palmöl während der Schwangerschaft unbedenklich ist. Grundsätzlich empfehlen Ernährungswissenschaftler Schwangeren, auf eine ausgewogene Fettzufuhr zu achten und Öle mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren zu bevorzugen – etwa Rapsöl oder Olivenöl[12].

Palmöl in handelsüblichen Lebensmitteln ist in normalen Verzehrmengen nicht gefährlich. Allerdings raten Experten dazu, den Konsum von stark verarbeiteten Produkten mit raffiniertem Palmöl zu begrenzen, um die Aufnahme von Prozesskontaminanten wie 3-MCPD und Glycidyl-Estern niedrig zu halten. Schwangere sollten auf eine nährstoffreiche Ernährung mit reichlich Omega-3-Fettsäuren setzen und bevorzugt kaltgepresste, unraffinierte Pflanzenöle verwenden.

Palmöl in Babynahrung

Palmöl ist ein häufiger Bestandteil von Säuglingsanfangsnahrung (Pre-Milch), da es die Fettsäurezusammensetzung der Muttermilch besonders gut nachahmt. Muttermilch enthält einen hohen Anteil an Palmitinsäure, und Palmöl liefert diese Fettsäure in höherer Konzentration als andere pflanzliche Ölsorten.

Allerdings wird die Palmitinsäure im Palmöl anders absorbiert als die in der Muttermilch, da sie eine andere Position im Triglycerid-Molekül einnimmt (sn-1,3 statt sn-2). Dadurch kann sie im Darm des Säuglings mit Kalzium unlösliche Seifen bilden, was die Kalziumaufnahme verringern und zu härterem Stuhl führen kann[13]. Für Eltern, die eine palmölfreie Alternative bevorzugen, bieten einige Hersteller Säuglingsmilch auf Vollmilchpulverbasis an, die ohne Palmöl auskommt. Im Zweifelsfall sollte der Kinderarzt konsultiert werden.

Rotes Palmöl: Gesünder als raffiniertes Palmöl?

Rotes Palmöl ist die unraffinierte, kaltgepresste Variante des Palmöls und verdankt seine intensive rötliche Farbe dem hohen Gehalt an Carotinoiden – es enthält rund 15 Mal mehr Beta-Carotin als Karotten. Im Vergleich zum raffinierten Palmöl behält rotes Palmöl den vollen Gehalt an Tocotrienolen, Tocopherolen, Carotinoiden und Coenzym Q10.

Studien deuten darauf hin, dass der Verzehr von rotem Palmöl das Risiko von oxidativem Stress und Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren kann[14]. Es hat einen kräftigen, leicht nussigen Geschmack und eignet sich vor allem in der afrikanischen und brasilianischen Küche. In Deutschland ist rotes Palmöl in Bioläden, Reformhäusern und über Online-Händler erhältlich.

Alternativen zu Palmöl

Wer den Konsum von Palmöl reduzieren möchte, findet eine Reihe von Alternativen – sowohl für die Küche als auch bei der Wahl von Kosmetik- und Reinigungsprodukten. Allerdings ist zu beachten, dass ein vollständiger Ersatz von Palmöl ökologisch nicht unbedingt sinnvoll ist: Da die Ölpalme pro Hektar weitaus mehr Öl liefert als jede Alternativpflanze, wäre der Flächenbedarf bei einem Komplettumstieg deutlich höher[3].

Alternativen zum Braten und Kochen

  • Kokosöl: Wie Palmöl reich an gesättigten Fettsäuren und bei Raumtemperatur fest. Kokosöl enthält mittelkettige Triglyceride (MCTs), die als leichter verdaulich gelten. Es hat jedoch ein ähnliches Fettsäureprofil und ist ökologisch ebenfalls nicht unproblematisch.
  • Olivenöl: Reich an einfach ungesättigten Fettsäuren (Ölsäure) und besonders gut geeignet für das Kochen bei niedrigen bis mittleren Temperaturen. Natives Olivenöl extra bietet zahlreiche gesundheitliche Vorteile für das Herz-Kreislauf-System[15].
  • Rapsöl: Zeichnet sich durch ein günstiges Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren aus und hat einen neutralen Geschmack. Es eignet sich zum Braten, Backen und Kochen bei hohen Temperaturen und wird in Deutschland regional angebaut.
  • Sonnenblumenöl: Reich an Vitamin E und Linolsäure. High-Oleic-Varianten mit hohem Ölsäuregehalt sind besonders hitzebeständig und eine gute Wahl zum Frittieren.

Alternativen in Lebensmitteln

Für Produkte wie Margarine oder Brotaufstriche kommen Sojaöl, Sonnenblumenöl oder Sheabutter infrage. Bei Schokolade und Süßwaren kann Kakaobutter als natürlicher Ersatz dienen. Viele Hersteller bieten mittlerweile palmölfreie Varianten von Nuss-Nougat-Cremes, Keksen und anderen Produkten an – der Blick auf die Zutatenliste lohnt sich.

Alternativen in Kosmetikprodukten

  • Jojobaöl: Ein flüssiges Wachs mit feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften, ideal als Basis in Hautpflegeprodukten.
  • Sheabutter: Reich an Vitaminen und Fettsäuren, hervorragend als Feuchtigkeitscreme und Emulgator in Kosmetik.
  • Kakaobutter: Feste Konsistenz bei Raumtemperatur, beliebt in Lippenpflege und Körperbutter.
  • Arganöl: Hochwertiges Pflegeöl für Haut und Haare mit antioxidativen Eigenschaften.
  • Mandelöl: Sanftes, gut verträgliches Basisöl für empfindliche Haut und Babypflege.

Bei der Auswahl alternativer Produkte sollte stets auf nachhaltige Herstellung geachtet werden, da auch die Produktion von Kokos-, Soja- oder Sonnenblumenöl mit ökologischen Herausforderungen verbunden ist. Die Nachhaltigkeit von Speiseölen ist ein vielschichtiges Thema, das über die Palmöl-Debatte hinausreicht.

Umweltauswirkungen der Palmölproduktion

Die Palmölproduktion hat erhebliche Folgen für die Umwelt, insbesondere in den tropischen Anbauregionen Südostasiens, Afrikas und Südamerikas. Diese ökologischen und sozialen Probleme sind der Hauptgrund, warum Palmöl in der öffentlichen Wahrnehmung so kritisch betrachtet wird.

Regenwaldabholzung und Verlust von Lebensräumen

Für den Anbau von Ölpalmen wurden in den vergangenen Jahrzehnten riesige Regenwaldflächen gerodet. Die weltweite Anbaufläche für Ölpalmen hat sich zwischen 1992 und 2022 mehr als vervierfacht[2]. In Indonesien stieg die Anbaufläche von rund 20.000 km² im Jahr 2000 auf über 149.000 km² im Jahr 2022[16] – das entspricht mehr als dem Siebenfachen. Laut Greenpeace wurde allein in Indonesien zwischen 1990 und 2015 eine Regenwaldfläche von der Größe Großbritanniens zerstört[2].

Diese Abholzung zerstört die Lebensräume vieler bedrohter Tierarten, darunter Orang-Utans, Sumatra-Tiger und Borneo-Zwergelefanten. Die tropischen Regenwälder gehören zu den artenreichsten Ökosystemen der Erde, und ihr Verlust trägt maßgeblich zum weltweiten Artensterben bei.

Treibhausgasemissionen und Klimawandel

Die Umwandlung von Regenwald in Ölpalmenplantagen setzt große Mengen des im Waldboden und in der Biomasse gespeicherten Kohlenstoffs frei. Besonders gravierend ist die Entwässerung und Rodung von Torfmooren in Indonesien, die pro Hektar ein Vielfaches an CO₂ freisetzen. Zur Urbarmachung wird häufig Brandrodung eingesetzt, die zu schweren Feinstaubbelastungen führt – 2019 waren ganze Regionen auf Sumatra und Borneo in dichte Rauchwolken gehüllt. In Indonesien ist die Trockenlegung von Mooren seit 2019 offiziell verboten, doch die Durchsetzung gestaltet sich besonders in abgelegenen Regionen als schwierig[2].

Boden- und Wasserverschmutzung

Der intensive Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln auf Ölpalmenplantagen belastet Böden und Gewässer in den Anbauregionen. Darüber hinaus können Abwässer aus Palmölmühlen – sogenannte Palm Oil Mill Effluent (POME) – ohne ausreichende Behandlung Fließgewässer verschmutzen und die Lebensräume aquatischer Organismen schädigen.

Menschenrechtsverletzungen und Arbeitsbedingungen

Die Palmölindustrie wurde wiederholt mit schwerwiegenden sozialen Problemen in Verbindung gebracht. In verschiedenen Anbauländern wurden indigene Gemeinschaften von ihrem angestammten Land vertrieben, um Platz für Plantagen zu schaffen. Arbeiter in der Branche sind häufig schlecht bezahlt, arbeiten unter gefährlichen Bedingungen und haben kaum rechtlichen Schutz. In manchen Regionen wurde auch Kinderarbeit auf Plantagen dokumentiert.

Nachhaltiges Palmöl und Zertifizierungssysteme

Um die negativen Auswirkungen der Palmölproduktion zu verringern, wurden verschiedene Zertifizierungssysteme und Initiativen ins Leben gerufen. Das bekannteste ist der Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO), der 2004 unter Beteiligung des WWF gegründet wurde. Der RSPO hat Umwelt- und Sozialstandards entwickelt, die unter anderem das Verbot der Rodung von Primärwäldern, den Schutz von Torfmooren und die Einhaltung von Arbeitsrechten umfassen.

Neben dem RSPO gibt es weitere Initiativen mit teilweise strengeren Kriterien:

  • Palm Oil Innovation Group (POIG): Geht über die RSPO-Standards hinaus und fordert einen vollständigen Stopp der Entwaldung und Torfmoor-Umwandlung.
  • International Sustainability & Carbon Certification (ISCC): Fokussiert auf die Reduktion von Treibhausgasemissionen und die Rückverfolgbarkeit der Lieferkette.
  • Rainforest Alliance: Zertifiziert landwirtschaftliche Produkte nach umfassenden Nachhaltigkeitskriterien.

Kritiker bemängeln jedoch, dass die bestehenden Zertifizierungen nicht weit genug gehen und die Kontrolle der Einhaltung in der Praxis oft mangelhaft ist. Dennoch stellt zertifiziertes Palmöl einen deutlichen Fortschritt gegenüber nicht-zertifiziertem Palmöl dar, und die Nachfrage nach nachhaltig produziertem Palmöl wächst stetig.

Auf EU-Ebene wurde 2023 zudem die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) verabschiedet, die Unternehmen verpflichtet, nachzuweisen, dass ihre Rohstoffe – darunter auch Palmöl – nicht mit Entwaldung in Verbindung stehen.

Tipps für Verbraucher: Palmöl erkennen und bewusst konsumieren

Wer seinen Palmölkonsum bewusster gestalten möchte, hat mehrere Möglichkeiten, aktiv zu werden.

Palmöl in Produkten erkennen: Seit Dezember 2014 muss Palmöl in der EU auf Lebensmitteln explizit als „Palmöl" oder „Palmfett" deklariert werden. In Kosmetik- und Reinigungsprodukten ist die Kennzeichnung weniger transparent – dort verbirgt sich Palmöl hinter zahlreichen chemischen Bezeichnungen wie Sodium Palmate, Cetearyl Alcohol, Glyceryl Stearate oder Palmitate. Apps und Verbraucherportale können bei der Identifikation helfen.

Auf Zertifizierungen achten: Achten Sie beim Einkauf auf das RSPO-Logo oder andere anerkannte Zertifizierungen wie Rainforest Alliance. Bio-Palmöl unterliegt zusätzlich den Anforderungen des ökologischen Landbaus.

Selbst kochen mit alternativen Ölen: In der eigenen Küche können Sie Palmöl leicht durch Rapsöl, Olivenöl oder Sonnenblumenöl ersetzen. Wer gerne backt, kann auf Kokosöl oder Butter zurückgreifen.

Verarbeitete Produkte reduzieren: Da Palmöl vor allem in Fertigprodukten, Süßigkeiten und Snacks steckt, ist eine stärker auf frische, regionale Zutaten ausgerichtete Ernährung der effektivste Weg, den eigenen Palmölkonsum zu senken.

Komplettverzicht ist keine Lösung: Der WWF betont, dass ein vollständiger Boykott von Palmöl kontraproduktiv wäre, da alternative Öle einen deutlich höheren Flächenbedarf hätten und die Umweltbelastung dadurch steigen könnte[3]. Stattdessen empfiehlt sich der gezielte Kauf von zertifiziert nachhaltigem Palmöl und ein insgesamt bewussterer Konsum verarbeiteter Lebensmittel.

Quellen

  1. USDA Foreign Agricultural Service (2024). Produktion der führenden Erzeugerländer von Palmöl weltweit 2024/25. Statista.
  2. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung / BZL (2024). Palmöl: Ein nachhaltiger Anbau ist wichtig. landwirtschaft.de.
  3. WWF (2016). Auf der Ölspur – Berechnungen zu einer palmölfreieren Welt. World Wide Fund for Nature Deutschland.
  4. Loganathan, R., Selvaduray, K. R., Nesaretnam, K., & Radhakrishnan, A. K. (2022). Therapeutic potential of palm oil vitamin E-derived tocotrienols in inflammation and chronic diseases: Evidence from preclinical and clinical studies. Food Research International, 156, 111175. doi:10.1016/j.foodres.2022.111175
  5. Radhakrishnan, A. K., et al. (2024). Health Benefits of Palm Tocotrienol-Rich Fraction: A Systematic Review of Randomized Controlled Trials. Nutrition Reviews, 83(2), 307–328. doi:10.1093/nutrit/nuae061
  6. Gopalan, Y., et al. (2014). Clinical Investigation of the Protective Effects of Palm Vitamin E Tocotrienols on Brain White Matter. Stroke, 45(5), 1422–1428. doi:10.1161/STROKEAHA.113.004449
  7. World Health Organization (2023). Saturated fatty acid and trans-fatty acid intake for adults and children: WHO guideline. WHO, Genf.
  8. Sun, Y., Neelakantan, N., Wu, Y., Lote-Oke, R., Pan, A., & van Dam, R. M. (2015). Palm Oil Consumption Increases LDL Cholesterol Compared with Vegetable Oils Low in Saturated Fat in a Meta-Analysis of Clinical Trials. The Journal of Nutrition, 145(7), 1549–1558. doi:10.3945/jn.115.210575
  9. Mancini, A., et al. (2019). Effect of palm oil consumption on plasma lipid concentrations related to cardiovascular disease: a systematic review and meta-analysis. European Journal of Lipid Science and Technology. doi:10.1002/ejlt.201800455
  10. EFSA CONTAM Panel (2016). Risks for human health related to the presence of 3- and 2-monochloropropanediol (MCPD), and their fatty acid esters, and glycidyl fatty acid esters in food. EFSA Journal, 14(5), 4426. doi:10.2903/j.efsa.2016.4426
  11. EFSA (2018). Update of the risk assessment on 3-monochloropropane diol and its fatty acid esters. EFSA Journal, 16(1), 5083. doi:10.2903/j.efsa.2018.5083
  12. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Handlungsempfehlungen – Ernährung in der Schwangerschaft. dge.de.
  13. Litmanovitz, I., et al. (2014). Reduced bone remodeling and lower body fat mass in infants fed high sn-2 palmitate formula. Pediatric Research, 76(6), 603–609.
  14. Oguntibeju, O. O., Esterhuyse, A. J., & Truter, E. J. (2009). Red palm oil: nutritional, physiological and therapeutic roles in improving human wellbeing and quality of life. British Journal of Biomedical Science, 66(4), 216–222. doi:10.1080/09674845.2009.11730279
  15. Guasch-Ferré, M., et al. (2020). Olive oil consumption and cardiovascular risk in U.S. adults. Journal of the American College of Cardiology, 75(15), 1729–1739. doi:10.1016/j.jacc.2020.02.036
  16. FAOSTAT (2024). Crop and livestock products – Oil palm fruit. Food and Agriculture Organization of the United Nations.