Olivenöl gegen Verstopfung

Zuletzt aktualisiert: 12.02.26

Ja, Olivenöl kann bei Verstopfung helfen. Klinische Studien zeigen, dass die orale Einnahme von Olivenöl als mildes, natürliches Abführmittel wirken kann. In einer randomisierten, doppelblinden Studie aus dem Jahr 2015 war Olivenöl bei Verstopfung genauso wirksam wie Mineralöl – ein pharmazeutisch eingesetzter Stuhlweichmacher.[1] Die enthaltene Ölsäure (Oleinsäure) wirkt dabei als Gleitmittel im Darm, erleichtert die Stuhlpassage und hilft dem Stuhl, mehr Feuchtigkeit zu binden.[2]

Besonders wirksam ist natives Olivenöl extra vergine (kaltgepresst): Eine klinische Studie aus dem Jahr 2024 mit 140 Teilnehmern verglich die Wirkung von extra nativem Olivenöl und raffiniertem Olivenöl bei chronischer Verstopfung. Die Ergebnisse zeigten, dass extra natives Olivenöl die Verstopfungssymptome deutlich stärker linderte als die raffinierte Variante – wahrscheinlich aufgrund des höheren Gehalts an Polyphenolen.[3]

Wie wirkt Olivenöl gegen Verstopfung?

Olivenöl entfaltet seine abführende Wirkung über mehrere Mechanismen, die sich gegenseitig ergänzen:

Gleitmittel-Effekt: Die einfach ungesättigten Fettsäuren – allen voran die Ölsäure, die etwa 55–83 % des Fettsäureprofils ausmacht – bilden einen gleitfähigen Film auf der Darmschleimhaut. Das erleichtert dem Stuhl die Passage durch den Dickdarm erheblich, ähnlich wie es pharmazeutische Gleitmittel-Laxantien (z. B. Paraffinöl) tun.[2]

Stuhlweichmachende Wirkung: Olivenöl hilft dem Stuhl, mehr Wasser zu binden. Das macht ihn weicher und leichter ausscheidbar. In der Studie von Ramos et al. (2015) verbesserten sich bei den Olivenöl-Probanden fünf von sechs Verstopfungssymptomen – darunter harter Stuhl und das Gefühl einer unvollständigen Entleerung.[1]

Anregung der Gallenproduktion: Pflanzliche Öle wie Olivenöl regen die Freisetzung von Gallensäuren an. Bestimmte Gallensäuren wirken als natürliche Abführmittel, indem sie die Darmbewegung (Peristaltik) stimulieren und die Wassersekretion im Dickdarm fördern.[4]

Entzündungshemmende Polyphenole: Natives Olivenöl extra enthält über 30 verschiedene Polyphenole – darunter Hydroxytyrosol, Oleuropein und Oleocanthal. Diese bioaktiven Verbindungen können entzündliche Prozesse im Darm reduzieren und die Darmflora positiv beeinflussen, indem sie das Wachstum nützlicher Bakterien wie Lactobacillus und Bifidobacterium fördern.[5] Eine gesunde Darmflora ist eng mit einer regulären Verdauung verbunden.[6]

Die richtige Dosierung und Anwendung

Da Olivenöl kein Medikament ist, gibt es keine offiziell standardisierte Dosierung gegen Verstopfung. Basierend auf den verfügbaren klinischen Studien und Erfahrungswerten haben sich folgende Empfehlungen bewährt:

Orale Einnahme: Ein Esslöffel (ca. 15 ml) natives Olivenöl extra auf nüchternen Magen – idealerweise morgens vor dem Frühstück. Der nüchterne Magen ermöglicht eine schnellere Wirkung, da das Öl nicht mit anderen Nahrungsmitteln konkurriert. In der klinischen Studie an Hämodialyse-Patienten lag die Startdosis bei 4 ml pro Tag, die bei Bedarf erhöht wurde.[1] In der Studie von Joukar et al. (2024) nahmen die Teilnehmer zwei Esslöffel täglich über vier Wochen ein.[3]

Kombination mit Zitronensaft: Ein bewährtes Hausmittel ist die Mischung aus einem Esslöffel Olivenöl mit dem Saft einer halben Zitrone. Der Zitronensaft kann zusätzlich die Verdauung anregen und den Geschmack verbessern.

Bauchmassage mit Olivenöl: Eine randomisierte, kontrollierte Studie zeigte, dass eine Bauchmassage mit extra nativem Olivenöl die Verstopfungssymptome bei älteren Menschen signifikant stärker reduzierte als eine Massage mit Wasser oder gar keine Intervention. Die Massage wurde an fünf aufeinanderfolgenden Tagen für jeweils 15 Minuten durchgeführt, wobei 20 ml Olivenöl auf den Bauch aufgetragen und in kreisförmigen Bewegungen einmassiert wurden.[7]

Einlauf mit Olivenöl: In der klinischen Praxis werden Olivenöl-Einläufe (1–2 ml pro kg Körpergewicht) bei schwerer chronischer Verstopfung eingesetzt. Eine retrospektive Studie an 118 Kindern zeigte, dass Olivenöl-Einläufe bei über 77 % der Patienten wirksam zur Stuhlentleerung beitrugen.[8] Diese Anwendungsform sollte jedoch nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.

Welches Olivenöl eignet sich am besten?

Für die Anwendung gegen Verstopfung ist natives Olivenöl extra (Extra Vergine) die beste Wahl. Die klinische Studie von Joukar et al. (2024) belegt, dass extra natives Olivenöl der raffinierten Variante bei der Linderung von Verstopfung deutlich überlegen ist.[3] Die Gründe dafür liegen im höheren Gehalt an Polyphenolen und bioaktiven Verbindungen, die sowohl die Darmmotilität verbessern als auch die Darmflora positiv beeinflussen.

Beim Kauf sollte auf folgende Qualitätsmerkmale geachtet werden: ein leicht bitterer und pfeffriger Geschmack (ein Zeichen für hohen Polyphenolgehalt), eine dunkle Glasflasche zum Schutz vor Lichtoxidation sowie ein möglichst frühes Erntedatum. Die richtige Lagerung ist ebenfalls entscheidend – Olivenöl sollte kühl, dunkel und gut verschlossen aufbewahrt werden.

Olivenöl im Vergleich zu anderen natürlichen Abführmitteln

Olivenöl ist nicht das einzige natürliche Öl mit abführender Wirkung. Im Vergleich zu anderen Optionen bietet es jedoch ein besonders günstiges Wirkprofil:

Olivenöl vs. Mineralöl (Paraffinöl): In der Studie von Ramos et al. (2015) war Olivenöl ebenso wirksam wie Mineralöl bei der Behandlung von Verstopfung.[1] Olivenöl hat dabei den Vorteil, dass es zusätzlich gesundheitsfördernde Polyphenole enthält und die Aufnahme fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K) nicht beeinträchtigt – ein bekanntes Problem bei der langfristigen Anwendung von Mineralöl.

Olivenöl vs. Leinöl: Beide Öle zeigten in der gleichen Studie eine abführende Wirkung. Leinöl verbesserte jedoch nur zwei von sechs Verstopfungssymptomen, während Olivenöl bei fünf von sechs wirkte.[1] Leinöl und Leindotteröl haben dennoch andere gesundheitliche Vorteile, insbesondere durch ihren hohen Omega-3-Gehalt.

Olivenöl vs. Rizinusöl: Rizinusöl ist ein deutlich stärkeres Abführmittel, da die enthaltene Ricinolsäure direkt die Darmmuskulatur stimuliert. Die Wirkung tritt schneller ein (6–12 Stunden), ist aber oft mit Bauchkrämpfen verbunden. Olivenöl wirkt sanfter und eignet sich besser für die regelmäßige Anwendung.

Olivenöl vs. Kokosöl: Kokosöl enthält mittelkettige Fettsäuren (MCTs), die anders verstoffwechselt werden als die langkettigen Fettsäuren des Olivenöls. Für die abführende Wirkung gibt es bei Kokosöl deutlich weniger wissenschaftliche Evidenz als bei Olivenöl.

Mögliche Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen

Olivenöl gilt in den üblichen Dosierungen als sehr gut verträglich. Dennoch sollten einige Punkte beachtet werden:

Bei übermäßiger Einnahme (mehr als 2–3 Esslöffel auf einmal) kann es zu Durchfall, Übelkeit oder Bauchkrämpfen kommen. Der hohe Kaloriengehalt von Olivenöl (ca. 120 kcal pro Esslöffel) sollte bei der täglichen Einnahme berücksichtigt werden, besonders wenn man auf die Kalorienzufuhr achtet. Personen mit Gallenblasenerkrankungen oder nach einer Gallenblasenentfernung sollten vor der Einnahme größerer Mengen Olivenöl ärztlichen Rat einholen, da Fette die Gallenproduktion anregen. In der Schwangerschaft sollte die Anwendung von Olivenöl als Abführmittel ebenfalls mit dem Arzt besprochen werden.

Wichtig: Wenn die Verstopfung länger als zwei Wochen anhält, mit starken Schmerzen, Blut im Stuhl oder unerklärlichem Gewichtsverlust einhergeht, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Chronische Verstopfung kann auf zugrundeliegende Erkrankungen hinweisen, die eine fachärztliche Abklärung erfordern.

Weitere Tipps gegen Verstopfung

Olivenöl kann ein wirksamer Baustein bei der Behandlung von Verstopfung sein, sollte aber idealerweise mit weiteren Maßnahmen kombiniert werden:

Ausreichend Flüssigkeit: Mindestens 1,5–2 Liter Wasser pro Tag trinken. Flüssigkeitsmangel ist eine der häufigsten Ursachen für Verstopfung.

Ballaststoffreiche Ernährung: Vollkornprodukte, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte liefern die nötigen Ballaststoffe für eine gesunde Darmfunktion. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt mindestens 30 g Ballaststoffe täglich.

Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität regt die Darmbewegung an. Schon 30 Minuten Spazierengehen täglich können die Verdauung deutlich verbessern.

Feste Toilettenzeiten: Den natürlichen Stuhldrang nicht unterdrücken und sich morgens nach dem Frühstück bewusst Zeit für den Toilettengang nehmen.

Probiotische Lebensmittel: Joghurt, Kefir, Sauerkraut und andere fermentierte Lebensmittel unterstützen eine gesunde Darmflora, die wiederum die Verdauung fördert.

Häufig gestellte Fragen

Wie schnell wirkt Olivenöl bei Verstopfung?

Die Wirkung von Olivenöl bei Verstopfung tritt in der Regel innerhalb von wenigen Stunden bis zu einem Tag ein. Anders als stimulierende Abführmittel wie Rizinusöl oder Senna wirkt Olivenöl sanft und schonend. Bei chronischer Verstopfung kann es einige Tage regelmäßiger Einnahme dauern, bis sich eine spürbare Verbesserung einstellt. In der klinischen Studie an Hämodialyse-Patienten zeigte sich die volle Wirkung nach etwa vier Wochen täglicher Einnahme.[1]

Kann ich Olivenöl täglich gegen Verstopfung einnehmen?

Ja, die tägliche Einnahme von ein bis zwei Esslöffeln nativem Olivenöl extra gilt als sicher und wurde in klinischen Studien über Zeiträume von vier Wochen ohne nennenswerte Nebenwirkungen angewendet.[1][3] Olivenöl ist darüber hinaus ein fester Bestandteil der mediterranen Ernährung, die als eine der gesündesten Ernährungsweisen weltweit gilt. Wer die Kalorien im Blick behalten möchte, kann das Olivenöl als Ersatz für andere Fette in der Ernährung nutzen – etwa als Salatdressing oder zum Verfeinern von Gerichten.

Hilft Olivenöl auch bei Verstopfung in der Schwangerschaft?

Olivenöl ist ein natürliches Lebensmittel und gilt grundsätzlich als sicher in der Schwangerschaft. Verstopfung gehört zu den häufigsten Beschwerden während der Schwangerschaft, da hormonelle Veränderungen die Darmtätigkeit verlangsamen. Bevor Olivenöl gezielt als Abführmittel eingesetzt wird, sollte jedoch Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder der Hebamme gehalten werden. Eine ballaststoffreiche Ernährung und ausreichend Flüssigkeitszufuhr bleiben die Grundlage der Verstopfungsbehandlung in der Schwangerschaft.

Ist Olivenöl bei Verstopfung besser als herkömmliche Abführmittel?

Olivenöl ist kein Ersatz für ärztlich verordnete Abführmittel, kann aber bei gelegentlicher oder leichter Verstopfung eine schonende natürliche Alternative darstellen. Im Vergleich zu stimulierenden Abführmitteln hat es den Vorteil, keine Gewöhnung zu verursachen und gleichzeitig weitere gesundheitliche Vorteile zu bieten – etwa für das Herz-Kreislauf-System und die Darmflora. Bei anhaltender oder schwerer Verstopfung sollte jedoch immer ärztlicher Rat eingeholt werden.

Kann ich Olivenöl gegen Verstopfung bei Kindern anwenden?

Studien haben gezeigt, dass die äußerliche Anwendung von Olivenöl-Salbe bei Kindern (1–4 Jahre) mit funktioneller Verstopfung die Stuhlhäufigkeit signifikant verbessern kann, ohne dass Nebenwirkungen auftraten.[9] Zudem waren Olivenöl-Einläufe bei Kindern mit schwerer chronischer Verstopfung in über 77 % der Fälle wirksam.[8] Die Anwendung bei Kindern sollte dennoch immer in Absprache mit dem Kinderarzt erfolgen.

Quellenverzeichnis

  1. Ramos, C. I., de Lima, A. F. A., Grilli, D. G., & Cuppari, L. (2015). The short-term effects of olive oil and flaxseed oil for the treatment of constipation in hemodialysis patients. Journal of Renal Nutrition, 25(1), 50–56. doi:10.1053/j.jrn.2014.07.009
  2. Luisi, A., Sanna, C., Ferreli, C., et al. (2024). Laxative Properties of Microencapsulated Oleic Acid Delivered to the Distal Small Intestine in Patients with Constipation. Obesity Surgery, 34, 3853–3860. doi:10.1007/s11695-024-07492-y
  3. Joukar, F., Mozaffari Chenijani, S. N., Maroufizadeh, S., et al. (2024). Comparative efficacy of extra virgin olive oil versus refined olive oil in the treatment of individuals suffering from constipation: A double-blind randomized clinical trial study. Caspian Journal of Internal Medicine, 16(4), 674–685. doi:10.22088/cjim.16.4.674
  4. Mekjian, H. S., Phillips, S. F., & Hofmann, A. F. (1971). Colonic secretion of water and electrolytes induced by bile acids: perfusion studies in man. Journal of Clinical Investigation, 50(8), 1569–1577. doi:10.1172/JCI106644
  5. Koukourikos, K., Tsaloglidou, A., Kourkouta, L., et al. (2022). Effects of Olive Oil and Its Components on Intestinal Inflammation and Inflammatory Bowel Disease. Nutrients, 14(4), 757. doi:10.3390/nu14040757
  6. Ferrão, J., Santos, M. N., Lima, M. J., et al. (2022). Health benefits of olive oil and its components: Impacts on gut microbiota antioxidant activities, and prevention of noncommunicable diseases. Trends in Food Science & Technology, 88, 220–227. doi:10.1016/j.tifs.2019.03.008
  7. Faghihi, A., Faramarzi, M., & Torabizadeh, M. (2021). The Effect of Abdominal Massage with Extra-Virgin Olive Oil on Constipation among Elderly Individuals: A Randomized Controlled Clinical Trial. Complementary Medicine Research, 28(6), 572–579. doi:10.1159/000517421
  8. Tunc, V. T., & Ozden, A. (2021). The usefulness of olive oil enema in children with severe chronic constipation. Journal of Pediatric Surgery, 56(10), 1848–1852. doi:10.1016/j.jpedsurg.2021.01.018
  9. Kianifar, H. R., Jafari, S. A., Sani, A. S., et al. (2022). Evaluation of the Anti-constipation Effects of Abdominal Application of Olive Oil Ointment in Children 1–4 Years Old. Journal of Herbal Medicine, 32, 100541. doi:10.1016/j.hermed.2022.100541