Kiwisamenöl

Zuletzt aktualisiert: 12.02.26
Kiwisamenöl ist ein leichtes, schnell einziehendes Pflanzenöl, das aus den kleinen schwarzen Samen der Kiwifrucht (Actinidia deliciosa) gewonnen wird. Es zählt zu den reichhaltigsten pflanzlichen Quellen der Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure (ALA) und wird in der Naturkosmetik vor allem für trockene, empfindliche und reife Haut geschätzt. In diesem Ratgeber erfahren Sie alles über die Inhaltsstoffe, Wirkung, Anwendung und Qualitätsmerkmale von Kiwisamenöl – gestützt auf aktuelle wissenschaftliche Studien.
Kiwisamenöl in einer dunklen Glasflasche neben frischen Kiwis

Eigenschaften von Kiwisamenöl

Kiwisamenöl besitzt eine hellgelbe bis leicht goldene Farbe und einen dezenten, fruchtigen Duft. Es wird häufig als „trockenes Öl" (Dry Oil) bezeichnet, da es besonders schnell in die Haut einzieht und keinen fettigen Film hinterlässt[1]. Diese leichte Textur macht es zu einem idealen Basisöl für Gesichtsseren, Cremes und Haarkuren. Im Vergleich zu vielen anderen Pflanzenölen fühlt sich Kiwisamenöl auf der Haut angenehm seidig an und eignet sich deshalb auch als Trägeröl für ätherische Öle.

Die INCI-Bezeichnung lautet Actinidia Chinensis Seed Oil bzw. Actinidia Deliciosa Seed Oil. Das Öl ist bei kühler, dunkler Lagerung etwa 12 bis 24 Monate haltbar. Da es reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren ist, reagiert es empfindlich auf Licht und Wärme, weshalb eine Aufbewahrung in dunklen Glasflaschen empfohlen wird[2].

Inhaltsstoffe von Kiwisamenöl

Die besondere Wirksamkeit von Kiwisamenöl beruht auf seinem außergewöhnlichen Fettsäureprofil. Analytische Untersuchungen zeigen, dass Alpha-Linolensäure (ALA) mit einem Anteil von etwa 53 bis 65 % die dominierende Fettsäure darstellt – damit gehört Kiwisamenöl neben Leinöl zu den konzentriertesten pflanzlichen Omega-3-Quellen überhaupt[1][2].

Das typische Fettsäureprofil von Kiwisamenöl im Überblick:

  • Alpha-Linolensäure (ALA, Omega-3): 53–65 %
  • Linolsäure (Omega-6): 14–18 %
  • Ölsäure (Omega-9): 10–19 %
  • Palmitinsäure: 5–8 %
  • Stearinsäure: 2–5 %

Neben den Fettsäuren enthält Kiwisamenöl weitere wertvolle Begleitstoffe:

  • Tocopherole (Vitamin E): Vor allem Gamma-Tocopherol und Gamma-Tocotrienol wirken als natürliche Antioxidantien und schützen sowohl das Öl als auch die Haut vor oxidativem Stress[2].
  • Phytosterole: Insbesondere Beta-Sitosterol, das entzündungshemmende und hautberuhigende Eigenschaften besitzt[3].
  • Phenolische Verbindungen: Polyphenole, die zusätzlich antioxidativ wirken und die Haltbarkeit des Öls unterstützen[4].

Herstellung von Kiwisamenöl

Kiwisamenöl wird durch Kaltpressung der winzigen schwarzen Samen gewonnen, die bei der Verarbeitung von Kiwis zu Saft und anderen Produkten als Nebenprodukt anfallen. Pro Kiwifrucht machen die Samen nur rund 1 % des Gesamtgewichts aus, weshalb das Öl in vergleichsweise kleinen Mengen produziert wird und zu den hochpreisigeren Pflanzenölen zählt[1].

Bei der Kaltpressung werden die Samen schonend bei niedrigen Temperaturen ausgepresst. Dieses Verfahren bewahrt die empfindlichen Omega-3-Fettsäuren, Tocopherole und Phytosterole, die bei höherer Hitze zerstört würden. Neben der mechanischen Kaltpressung kommt in der Forschung auch die überkritische CO₂-Extraktion zum Einsatz, die eine besonders reine Ölqualität ermöglicht[5].

Die Nutzung der Kiwisamen als Rohstoff für Öl ist auch aus Nachhaltigkeitsperspektive sinnvoll: Die Samen werden aus Abfällen der Fruchtsaftindustrie gewonnen und als „Zero-Waste-Öl" vermarktet[2]. Ähnliche Verfahren werden auch bei anderen Fruchtkernen wie Traubenkernöl oder Himbeersamenöl angewendet.

Wirkung von Kiwisamenöl

Die Wirkung von Kiwisamenöl wird maßgeblich durch seinen hohen Gehalt an Alpha-Linolensäure bestimmt. ALA ist eine essenzielle Fettsäure, die der Körper nicht selbst herstellen kann und die eine natürliche Komponente der Hautbarriere darstellt[6]. Die wichtigsten wissenschaftlich belegten Wirkungen umfassen:

Feuchtigkeitsspendend und barrierestärkend: Essenzielle Fettsäuren wie ALA und Linolsäure sind entscheidend für die Integrität der Hautbarriere und den transepidermalen Wasserverlust. Laborstudien an Hautmodellen haben gezeigt, dass die Supplementierung mit ALA und Linolsäure die Barrierefunktion der Haut messbar verbessert[7].

Entzündungshemmend: Omega-3-Fettsäuren können die Bildung entzündungsfördernder Eicosanoide hemmen und die Immunantwort der Epidermis modulieren. McCusker und Grant-Kels beschreiben in ihrer umfassenden Übersichtsarbeit, dass ALA-Derivate vielversprechende Wirkungen bei entzündlichen Hauterkrankungen wie atopischer Dermatitis, Psoriasis und Akne zeigen[6].

Antioxidativ: Die enthaltenen Tocopherole und Phytosterole schützen die Hautzellen vor freien Radikalen, die durch UV-Strahlung und Umweltbelastungen entstehen. Dieser antioxidative Schutz kann der vorzeitigen Hautalterung entgegenwirken[4].

Hautberuhigend: Beta-Sitosterol und andere Phytosterole wirken nachweislich entzündungshemmend und können Rötungen sowie Irritationen lindern[3].

Kiwisamenöl für die Hautpflege

In der Hautpflege wird Kiwisamenöl besonders für trockene, empfindliche und reife Hauttypen empfohlen. Die leichte Textur und die schnelle Absorption machen es zu einer idealen Alternative zu schwereren Ölen wie Avocadoöl oder Olivenöl.

Zur täglichen Gesichtspflege genügen 2–3 Tropfen, die nach der Reinigung sanft in die noch leicht feuchte Haut einmassiert werden. Das Öl kann pur verwendet oder mit anderen Pflegeölen wie Jojobaöl, Hagebuttenöl oder Arganöl gemischt werden. Durch seine nicht komedogene Eigenschaft (Komedogenitätsgrad 1) eignet es sich auch für Mischhaut und kann unter der gewohnten Tagescreme oder einem Sonnenschutz aufgetragen werden[8].

Kiwisamenöl lässt sich auch hervorragend in selbst gemachte Gesichtsseren, Lippenpflege, Augencremes und Körperlotionen einarbeiten.

Kaltgepresstes Kiwisamenöl in einer Tropfflasche für die Hautpflege

Kiwisamenöl für die Haarpflege

Der hohe ALA-Gehalt von Kiwisamenöl hilft, die Feuchtigkeit im Haar zu bewahren und Schuppenbildung sowie sprödes Haar zu reduzieren. Als leichtes Öl beschwert es das Haar nicht und eignet sich daher auch für feines Haar.

Anwendungsmöglichkeiten für die Haare:

  • Als Leave-in-Pflege: 1–2 Tropfen in die Haarspitzen einarbeiten, um Spliss zu reduzieren und Glanz zu verleihen.
  • Als Haarmaske: Einige Tropfen Kiwisamenöl mit Kokosöl oder Mandelöl mischen, in Haar und Kopfhaut einmassieren und 20–30 Minuten einwirken lassen.
  • Als Zusatz: Wenige Tropfen in die Spülung oder Haarkur geben, um die pflegenden Eigenschaften zu verstärken.

Kiwisamenöl gegen Hautalterung

Die Kombination aus Omega-3-Fettsäuren, Vitamin E und Phytosterolen macht Kiwisamenöl zu einem wirksamen Anti-Aging-Öl für die natürliche Hautpflege. Antioxidantien wie Tocopherole neutralisieren freie Radikale, die durch UV-Strahlung und Umweltverschmutzung zur Zellschädigung und vorzeitigen Faltenbildung beitragen[4].

Gleichzeitig unterstützt die Alpha-Linolensäure die Regeneration der Hautbarriere und fördert die Elastizität der Haut. Für eine gezielte Anti-Aging-Pflege kann Kiwisamenöl mit Ölen wie Hagebuttenöl oder Granatapfelöl kombiniert werden, die ebenfalls für ihre hautregenerierenden Eigenschaften bekannt sind.

Kiwisamenöl bei Hautentzündungen

Dank der entzündungshemmenden Wirkung der Omega-3-Fettsäuren kann Kiwisamenöl bei verschiedenen entzündlichen Hautproblemen unterstützend eingesetzt werden. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass ALA und ihre Derivate die Produktion entzündungsfördernder Botenstoffe (Prostaglandine, Leukotriene) hemmen können[6].

Bei trockener, schuppiger oder gereizter Haut kann das Öl ergänzend zur ärztlich verordneten Therapie eingesetzt werden. Auch bei leichten Ekzemen, Rötungen oder Spannungsgefühlen berichten Anwender von einer beruhigenden Wirkung. Wer empfindliche Haut hat, kann Kiwisamenöl zunächst an einer kleinen Hautstelle testen, bevor es großflächig aufgetragen wird.

Ergänzend eignen sich bei entzündlicher Haut auch Öle mit hohem Linolsäureanteil wie Nachtkerzenöl oder Borretschöl.

Kiwisamenöl in der Aromatherapie

Aufgrund seines dezenten, milden Duftes wird Kiwisamenöl in der Aromatherapie primär als Trägeröl für ätherische Öle eingesetzt. Es eignet sich hervorragend zum Verdünnen von Lavendelöl, Rosenöl oder Weihrauchöl für Gesichts- und Körpermassagen. Als leichtes Basisöl überdeckt es den Duft der ätherischen Öle nicht und zieht nach einer Massage rasch in die Haut ein.

Kiwisamenöl wird auf die Hand getropft zur Anwendung in der Hautpflege

Komedogenität von Kiwisamenöl

Kiwisamenöl hat einen Komedogenitätsgrad von 1 auf einer Skala von 0 bis 5. Das bedeutet, es ist nahezu nicht komedogen und verstopft die Poren mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit[8]. Dies hängt vor allem mit dem hohen Anteil an Linolsäure und Alpha-Linolensäure zusammen – Öle mit einem hohen Linolsäureanteil neigen grundsätzlich weniger dazu, Unreinheiten zu verursachen.

Damit ist Kiwisamenöl auch für Mischhaut und leicht zu Unreinheiten neigende Haut eine gute Wahl. Im Vergleich dazu haben Öle wie Kokosöl (Komedogenitätsgrad 4) oder Weizenkeimöl (Komedogenitätsgrad 5) ein deutlich höheres Verstopfungspotenzial.

Kiwisamenöl kaufen – Qualitätsmerkmale

Beim Kauf von Kiwisamenöl sollten einige Kriterien beachtet werden, um ein hochwertiges Produkt zu erhalten:

  • Kaltgepresst und unraffiniert: Nur kaltgepresstes (Virgin) Kiwisamenöl enthält das volle Spektrum an Fettsäuren, Tocopherolen und Phytosterolen. Raffinierte Varianten verlieren während der Verarbeitung einen Teil dieser Wirkstoffe[2].
  • Bio-Qualität: Produkte aus biologischem Anbau gewährleisten den Verzicht auf synthetische Pestizide, die sich im Öl anreichern können.
  • Verpackung: Dunkle Glasflaschen (Braun- oder Violettglas) schützen das oxidationsempfindliche Öl vor Lichteinwirkung. Tropfflaschen oder Airless-Pump-Spender sind ideal.
  • Herkunft: Kiwisamenöl stammt vorwiegend aus Neuseeland, China, Italien und den USA. Neuseeländisches Kiwisamenöl gilt aufgrund strenger Anbaustandards als besonders hochwertig.
  • Analysezertifikat: Seriöse Anbieter stellen ein Analysezertifikat (Certificate of Analysis) bereit, das den Fettsäuregehalt und die Peroxidzahl dokumentiert.

Hochwertiges Kiwisamenöl hat eine hellgelbe bis goldene Farbe, einen leicht nussig-fruchtigen Duft und zieht rasch in die Haut ein, ohne einen fettigen Film zu hinterlassen.

Dosierung und Tipps zur Verwendung

Kiwisamenöl ist sehr ergiebig und sollte sparsam dosiert werden:

  • Gesichtspflege: 2–3 Tropfen morgens und/oder abends auf die gereinigte, noch leicht feuchte Haut auftragen und sanft einmassieren. Bei sehr trockener Haut kann die Menge auf 4–5 Tropfen erhöht werden.
  • Körperpflege: 5–10 Tropfen nach dem Duschen in die noch feuchte Haut einmassieren.
  • Haarpflege: 1–3 Tropfen in die Haarspitzen oder als Zusatz in Haarmasken verwenden.
  • Als Mischung: Kiwisamenöl kann mit anderen Pflanzenölen gemischt werden. Bewährt hat sich eine Kombination aus 30 % Kiwisamenöl und 70 % eines milden Basisöls wie Jojobaöl oder Mandelöl.
  • In Kosmetikrezepturen: Das Öl kann bis zu einem Anteil von 100 % als Wirkstofföl eingesetzt werden. In Formulierungen wird es typischerweise mit 1–15 % dosiert.

Tipp: Wer empfindliche Haut hat, sollte das Öl zunächst an einer kleinen Hautstelle in der Armbeuge testen und 24 Stunden auf Reaktionen warten, bevor es im Gesicht angewendet wird.

Nebenwirkungen und Hinweise

Kiwisamenöl gilt bei äußerlicher Anwendung grundsätzlich als gut verträglich. Dennoch gibt es einige wichtige Hinweise:

  • Kiwi-Allergie: Personen mit einer bekannten Kiwiallergie sollten Kiwisamenöl meiden oder vorher einen allergologischen Test durchführen lassen. Kiwi ist ein anerkanntes Lebensmittelallergen, und eine Kreuzreaktivität im Rahmen des Latex-Frucht-Syndroms (Latex, Avocado, Banane, Haselnuss) ist möglich[9].
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Es liegen keine ausreichenden Studien zur Sicherheit von Kiwisamenöl in der Schwangerschaft vor. Betroffene sollten vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen.
  • Nicht einnehmen: Kiwisamenöl ist als Kosmetiköl konzipiert und nicht zur inneren Einnahme bestimmt, sofern es nicht ausdrücklich als Lebensmittelöl deklariert ist.
  • Oxidation: Aufgrund des hohen Anteils mehrfach ungesättigter Fettsäuren ist Kiwisamenöl anfällig für Oxidation. Es sollte kühl (idealerweise im Kühlschrank), dunkel und gut verschlossen gelagert werden. Ranzig riechendes Öl sollte nicht mehr verwendet werden.

Quellen

  1. Piombo, G., Barouh, N., Barea, B., Boulanger, R., Brat, P., Pina, M., & Villeneuve, P. (2006). Characterization of the seed oils from kiwi (Actinidia chinensis), passion fruit (Passiflora edulis) and guava (Psidium guajava). OCL – Oilseeds and fats, Crops and Lipids, 13(2-3), 195–199. doi:10.1051/ocl.2006.0026
  2. Fang, C., Kim, H., Barnes, R. C., Talcott, S. T., & Mertens-Talcott, S. U. (2023). Value-Added Utilization of Fruit Seed Oils for Improving Human Health: A Progress Review. ACS Food Science & Technology, 2(12), 1835–1850. doi:10.1021/acsfoodscitech.2c00120
  3. Bakrim, S., Benkhaira, N., Bourais, I., Perri, F., & Ferrante, C. (2022). Health Benefits and Pharmacological Properties of Stigmasterol. Antioxidants, 11(10), 1912. doi:10.3390/antiox11101912
  4. Lin, T. K., Zhong, L., & Santiago, J. L. (2018). Anti-Inflammatory and Skin Barrier Repair Effects of Topical Application of Some Plant Oils. International Journal of Molecular Sciences, 19(1), 70. doi:10.3390/ijms19010070
  5. TW200944279A – Kiwi seed oil rich in alpha-linolenic acid. Patent zur überkritischen CO₂-Extraktion von Kiwisamenöl.
  6. McCusker, M. M., & Grant-Kels, J. M. (2010). Healing fats of the skin: the structural and immunologic roles of the ω-6 and ω-3 fatty acids. Clinics in Dermatology, 28(4), 440–451. doi:10.1016/j.clindermatol.2010.03.020
  7. Simard, M., Allaire, M. A., Bhérer, D., Bhérer, L., & Bhérer, R. (2022). α-Linolenic acid and linoleic acid modulate the lipidome and the skin barrier of a tissue-engineered skin model. Acta Biomaterialia, 140, 261–274. doi:10.1016/j.actbio.2021.11.035
  8. Comedogenic Rating Chart. SimplePureBeauty. Abruf: 2025. Verfügbar unter: simplepurebeauty.com
  9. Linus Pauling Institute, Oregon State University. Essential Fatty Acids and Skin Health. Micronutrient Information Center. Verfügbar unter: lpi.oregonstate.edu/mic/health-disease/skin-health/essential-fatty-acids