Die Produktion von Speiseölen verursacht weltweit erhebliche Treibhausgasemissionen. Eine umfassende Meta-Analyse der University of Nottingham, veröffentlicht 2022 in Science of the Total Environment, hat erstmals die CO2-Bilanz nahezu aller globalen Produktionssysteme für die vier wichtigsten Pflanzenöle untersucht – basierend auf Daten von fast 6.000 Produzenten in 38 Ländern.[1] Der Median der Treibhausgasemissionen über alle Ölpflanzen-Systeme hinweg lag bei 3,81 kg CO2-Äquivalent pro Kilogramm raffiniertes Öl.
Doch die Unterschiede zwischen den einzelnen Ölen sind beträchtlich: Während Rapsöl mit rund 2,49 kg CO2e/kg zu den klimafreundlichsten Optionen zählt, liegt Sojaöl mit 4,25 kg CO2e/kg am oberen Ende der Skala.[1] Diese Werte umfassen den gesamten Lebenszyklus vom Anbau über die Ernte bis zur Raffination – ohne Verpackung und Distribution.
CO2-Emissionen gängiger Speiseöle im Überblick
Die folgende Tabelle zeigt die geschätzten Treibhausgasemissionen verschiedener Speise- und Pflanzenöle in Tonnen CO2-Äquivalent pro Tonne produziertem Öl (entspricht kg CO2e pro kg Öl). Die Werte basieren auf publizierten Lebenszyklusanalysen (LCA) und können je nach Anbauregion, Produktionsmethode und Einbeziehung von Landnutzungsänderungen erheblich variieren.[1][2]
| Speiseöl | CO2-Emissionen (Tonnen CO2-Äquivalente pro Tonne Öl) |
|---|---|
| Arganöl | 3,5–5,5 |
| Avocadoöl | 1,5–3,0 |
| Distelöl | 1,5–2,5 |
| Erdnussöl | 2,5–7,5 |
| Hanföl | 0,9–2,5 |
| Haselnussöl | 1,0–2,0 |
| Kamelienöl | 1,5–2,5 |
| Kokosöl | 2,5–4,5 |
| Kürbiskernöl | 1,5–3,0 |
| Leindotteröl | 1,0–1,5 |
| Leinöl | 1,5–2,5 |
| Macadamiaöl | 3,0–4,5 |
| Maiskeimöl | 1,0–1,5 |
| Mandelöl | 1,0–2,5 |
| Mohnöl | 1,5–2,5 |
| Olivenöl | 1,6–3,3 |
| Palmöl | 2,5–8,0 |
| Rapsöl | 1,5–3,1 |
| Reiskeimöl | 1,0–1,5 |
| Sesamöl | 1,5–2,5 |
| Sojaöl | 2,0–4,3 |
| Sonnenblumenöl | 1,5–3,6 |
| Traubenkernöl | 1,0–2,0 |
| Walnussöl | 1,0–2,5 |
| Weizenkeimöl | 1,5–2,5 |
Die angegebenen Spannen spiegeln die erhebliche Varianz wider, die durch unterschiedliche Anbaumethoden, Regionen und LCA-Methoden entsteht. Bei Ölen wie Palmöl oder Sojaöl führt die Einbeziehung von Landnutzungsänderungen (etwa Regenwaldrodung) zu deutlich höheren Werten am oberen Ende der Skala.[1]
Welche Speiseöle haben den geringsten CO2-Fußabdruck?
Laut der Meta-Analyse von Alcock et al. (2022) schneidet Rapsöl mit einem Median von 2,49 kg CO2e pro Kilogramm raffiniertem Öl am besten ab, dicht gefolgt von Sonnenblumenöl.[1] Auch Leindotteröl und Maiskeimöl – beides Nebenprodukte anderer landwirtschaftlicher Prozesse – weisen tendenziell niedrige Emissionswerte auf, da ihnen nur ein Teil der Anbauemissionen zugerechnet wird.
Regional produzierte Öle haben zudem oft einen Vorteil gegenüber importierten Produkten: Kürzere Transportwege und europäische Anbaustandards können den CO2-Fußabdruck erheblich senken. In Deutschland und Mitteleuropa zählen Raps-, Sonnenblumen- und Leinöl zu den Ölen mit der besten Klimabilanz – insbesondere wenn sie regional und saisonal bezogen werden.
Die fünf wichtigsten Einflussfaktoren auf die CO2-Bilanz
Die Treibhausgasemissionen eines Speiseöls werden nicht allein durch die Pflanzenart bestimmt. Mehrere Faktoren wirken zusammen und erklären die zum Teil großen Spannen innerhalb eines Öltyps:
1. Landnutzungsänderung
Die Umwandlung von Wäldern oder Mooren in Anbauflächen ist der größte einzelne Emissionstreiber. Bei Palmöl aus gerodeten Torfwäldern Südostasiens können die Gesamtemissionen auf über 8 t CO2e/t Öl ansteigen – ein Vielfaches der reinen Produktionsemissionen.[3] Wird Palmöl hingegen auf bereits bestehendem Agrarland ohne Torfböden angebaut, liegt der CO2-Fußabdruck deutlich unter dem von Rapsöl.[3]
2. Düngemitteleinsatz
Synthetischer Stickstoffdünger ist auf landwirtschaftlicher Ebene die größte Einzelquelle für Treibhausgase. Die Herstellung ist energieintensiv, und die Ausbringung auf dem Feld setzt Lachgas (N2O) frei – ein Treibhausgas, das etwa 300-mal klimawirksamer ist als CO2.[1] Ökologischer Anbau und effizientere Düngung können die Emissionen merklich reduzieren.
3. Ertrag pro Hektar
Ölpflanzen mit hohen Hektarerträgen verursachen in der Regel weniger Emissionen pro Kilogramm Öl, weil der Flächenbedarf geringer ausfällt. Die Ölpalme liefert mit etwa 3,3 Tonnen Öl pro Hektar ein Vielfaches von Soja, Raps oder Sonnenblume, die im Schnitt nur rund 0,6 t/ha erreichen.[4]
4. Verarbeitungsmethode
Ob ein Öl kaltgepresst oder raffiniert wird, beeinflusst den Energiebedarf und damit die Emissionen. Die Raffination erfordert mehr Energie, während kaltgepresste Öle zwar weniger Energie verbrauchen, dafür aber geringere Ausbeuten erzielen. Bei der Kokosölproduktion stammt ein Großteil der Emissionen aus dem Trocknungsprozess des Kopras, der häufig mit dem Verbrennen von Biomasse einhergeht.[5]
5. Transport und Lieferkette
Öle, die über weite Strecken transportiert werden – etwa Arganöl aus Marokko, Kokosöl aus Südostasien oder Avocadoöl aus Mexiko – akkumulieren zusätzliche Transportemissionen. Bei regional produzierten Ölen entfällt dieser Anteil weitgehend.
Olivenöl: Klima-Sonderfall mit CO2-Senke
Olivenbäume nehmen als immergrüne, langlebige Kulturpflanzen über ihre Lebensdauer erhebliche Mengen CO2 aus der Atmosphäre auf. Studien aus Spanien zeigen Produktionsemissionen von 1,59 bis 3,26 kg CO2e pro Kilogramm Olivenöl – je nach Anbausystem.[6] Berücksichtigt man die CO2-Bindung in den Baumstrukturen, ergibt sich sogar ein negativer CO2-Fußabdruck: Im Schnitt fixieren Olivenhaine rund 5,5 kg CO2e pro Kilogramm produziertem Öl mehr, als sie emittieren.[6] Der Internationale Olivenrat schätzt, dass die Produktion eines Liters Olivenöl netto etwa 10,65 kg CO2 aus der Atmosphäre bindet.[7]
Nachhaltigkeit beim Ölkauf: Was Verbraucher tun können
Die CO2-Bilanz ist nur ein Aspekt der Nachhaltigkeit von Speiseölen. Wasserverbrauch, Biodiversität und soziale Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle. Wer seinen ökologischen Fußabdruck beim Ölkauf minimieren möchte, kann sich an folgenden Grundsätzen orientieren:
Regionale Öle bevorzugen: In Mitteleuropa produziertes Raps-, Sonnenblumen- oder Leinöl hat durch kurze Transportwege und strenge Umweltstandards einen vergleichsweise niedrigen CO2-Fußabdruck.
Auf Zertifizierungen achten: Bio-Siegel und Nachhaltigkeitszertifikate (z. B. RSPO für Palmöl) können auf umweltfreundlichere Produktionsmethoden hinweisen.
Kaltgepresst statt raffiniert: Kaltgepresste Öle benötigen weniger Energie in der Verarbeitung, haben allerdings einen geringeren Ertrag.
Vielfalt statt Monokultur: Wechselnde Öle zu verwenden, reduziert die Abhängigkeit von einzelnen, möglicherweise problematischen Anbausystemen. Neben den genannten ätherischen Ölen gibt es zahlreiche Trägeröle, die für verschiedene Zwecke genutzt werden können.
Bewusst mit Öl umgehen: Die richtige Lagerung verlängert die Haltbarkeit und verhindert Lebensmittelverschwendung. Nicht mehr zum Kochen geeignete Öle sollten fachgerecht entsorgt werden.
Häufig gestellte Fragen
Welches Speiseöl hat die niedrigsten CO2-Emissionen?
Rapsöl gehört mit einem Medianwert von etwa 2,49 kg CO2e pro Kilogramm zu den klimafreundlichsten Speiseölen weltweit. In Europa produzierte Öle wie Sonnenblumenöl, Leinöl und Leindotteröl erreichen ebenfalls niedrige Werte, insbesondere wenn sie regional angebaut werden.[1]
Warum hat Palmöl so unterschiedliche CO2-Werte?
Die enorme Spanne bei Palmöl (2,5–8,0 t CO2e/t) resultiert vor allem aus der Landnutzungsänderung. Wird für den Anbau Regenwald auf Torfboden gerodet, steigen die Emissionen drastisch. Auf bestehendem Agrarland oder degradierten Flächen kann Palmöl dagegen eine vergleichsweise günstige Bilanz aufweisen.[3]
Ist Olivenöl klimaneutral?
Olivenöl hat das Potenzial, klimaneutral oder sogar klimapositiv zu sein, da Olivenbäume als CO2-Senken fungieren. Die reinen Produktionsemissionen liegen bei 1,6 bis 3,3 kg CO2e/kg, können aber durch die Kohlenstoffbindung in den Bäumen und im Boden mehr als ausgeglichen werden.[6]
Was bedeutet CO2-Äquivalent bei Speiseölen?
Das CO2-Äquivalent (CO2e) ist eine Maßeinheit, die verschiedene Treibhausgase – wie Methan (CH4) und Lachgas (N2O) – in ihre jeweilige Klimawirksamkeit umrechnet und als CO2-Menge ausdrückt. So lassen sich die Gesamtemissionen verschiedener Speiseöle vergleichbar machen.
Wie wird der CO2-Fußabdruck von Speiseölen berechnet?
Wissenschaftler verwenden Lebenszyklusanalysen (LCA), die alle Emissionen entlang der Produktionskette erfassen: vom Anbau und Düngemitteleinsatz über die Ernte und Verarbeitung bis zum Transport. Je nach Studie können auch Landnutzungsänderungen, Verpackung und Entsorgung einbezogen werden.[1]
Welchen Einfluss hat der Rauchpunkt auf die Nachhaltigkeit?
Der Rauchpunkt beeinflusst die Nachhaltigkeit indirekt: Ein Öl, das beim Erhitzen schneller zersetzt wird, muss häufiger ersetzt werden und verursacht dadurch zusätzliche Emissionen. Öle mit hohem Rauchpunkt eignen sich besser zum Backen und Braten und werden dabei effizienter genutzt.
Methodik und Einschränkungen
Die in diesem Artikel genannten Emissionswerte stammen aus veröffentlichten Lebenszyklusanalysen und Meta-Studien. Es ist wichtig zu betonen, dass die tatsächlichen CO2-Emissionen je nach den spezifischen Bedingungen der Herstellung und des Anbaus erheblich variieren können. Wesentliche Gründe für Abweichungen sind:
Unterschiedliche Systemgrenzen der Studien (mit oder ohne Landnutzungsänderung, Transport, Verpackung), verschiedene Allokationsmethoden bei Nebenprodukten (z. B. Sojaschrot bei Sojaöl), regionale Unterschiede in Klima, Bodenqualität und Energiemix sowie unterschiedliche Referenzjahre und Datenqualität.
Für Nischenöle wie Arganöl, Hanföl oder Mohnöl liegen deutlich weniger LCA-Studien vor als für die global gehandelten Hauptöle. Die angegebenen Werte für diese Öle sind daher mit größerer Unsicherheit behaftet.
Quellenverzeichnis
- Alcock, T. D., Salt, D. E., Wilson, P., & Ramsden, S. J. (2022). More sustainable vegetable oil: Balancing productivity with carbon storage opportunities. Science of the Total Environment, 829, 154539. doi:10.1016/j.scitotenv.2022.154539
- Schmidt, J. H. (2015). Life cycle assessment of five vegetable oils. Journal of Cleaner Production, 87, 130–138. doi:10.1016/j.jclepro.2014.10.011
- Nurcahyo, B., & Utomo, M. S. (2025). Carbon Footprint Comparison of Rapeseed and Palm Oil: Impact of Land Use and Fertilizers. Sustainability, 17(4), 1521. doi:10.3390/su17041521
- Beyer, R. M., Durning, A. B., & Rademacher, T. T. (2021). Global Sustainability of Vegetable Oil Crops. Sustainability, 13(3), 1613. doi:10.3390/su13031613
- Yuliasari, R. et al. (2022). Life cycle assessment of coconut oil product. IOP Conference Series: Earth and Environmental Science, 1063, 012017. doi:10.1088/1755-1315/1063/1/012017
- Fernández-Lobato, L. et al. (2021). Life cycle assessment, C footprint and carbon balance of virgin olive oils production from traditional and intensive olive groves in southern Spain. Journal of Environmental Management, 293, 112951. doi:10.1016/j.jenvman.2021.112951
- International Olive Council (2020). The carbon footprint of olive oil. Olivae, 131.