Liegeschwielen sind verdickte, verhärtete und oft haarlose Hautstellen, die bei Hunden durch wiederholten Druck und Reibung auf bestimmten Körperstellen entstehen. Besonders betroffen sind größere Hunderassen wie Deutsche Doggen, Mastiffs oder Neufundländer sowie Hunde mit kurzem Fell, da ihre Haut ohne schützende Fellpolsterung direkt auf harten Oberflächen aufliegt.[1]
Die Hauptursache ist der wiederholte mechanische Druck auf bestimmte Körperstellen – insbesondere an den Ellbogen, Hüften und Sprunggelenken. Risikofaktoren sind harte, kalte oder raue Liegeflächen, Übergewicht, Bewegungsmangel oder Gelenkerkrankungen wie Arthrose, die die Beweglichkeit des Hundes einschränken und dazu führen, dass er bestimmte Positionen länger beibehält.[2]
Die richtige Pflege und Vorbeugung von Liegeschwielen ist entscheidend, um Schmerzen und mögliche Komplikationen wie Infektionen, Hygrome (flüssigkeitsgefüllte Schwellungen unter der Haut) oder Abszesse zu vermeiden. Eine regelmäßige Hautpflege mit geeigneten Mitteln wie Kokosöl und die Bereitstellung weicher Liegeflächen können dazu beitragen, die Entstehung von Liegeschwielen zu verhindern oder bestehende Schwielen zu pflegen.
Symptome und Diagnose von Liegeschwielen beim Hund
Aussehen und häufig betroffene Körperstellen
Liegeschwielen zeigen sich als verdickte, haarlose und oft dunkel verfärbte Hautpartien, die rau und schuppig wirken. Am häufigsten sind die Ellbogen betroffen, da hier der Knochen (Olecranon) besonders stark hervorsteht. Aber auch Hüften, Sprunggelenke (Hock), Brustbein und seitliche Beckenknochen können betroffen sein.[1] Bei hellfarbigen Hunden sind die Schwielen durch die gräuliche Verfärbung leicht zu erkennen, bei dunkelhaarigen Rassen fällt zunächst eher der Haarverlust an der betroffenen Stelle auf.
Mögliche Komplikationen bei unbehandelten Liegeschwielen
Unbehandelte Liegeschwielen können aufreißen, bluten und sich infizieren. In schweren Fällen können sich daraus sogenannte Hygrome entwickeln – weiche, flüssigkeitsgefüllte Schwellungen unter der Haut, die als eine Art körpereigenes Polster entstehen.[2] Wird ein Hygrom infiziert, kann es schmerzhaft werden und eine tierärztliche Behandlung mit Antibiotika oder sogar einen chirurgischen Eingriff erfordern.[3] Daher ist es wichtig, bei ersten Anzeichen von Liegeschwielen rechtzeitig zu handeln und geeignete Pflegemaßnahmen zu ergreifen.
Unterschiede zu anderen Hauterkrankungen
Liegeschwielen lassen sich in der Regel gut von anderen Hauterkrankungen beim Hund unterscheiden: Sie treten typischerweise über Knochenvorsprüngen auf und sind – anders als Ekzeme, Pilzinfektionen oder allergische Reaktionen – weder gerötet noch entzündet, solange keine Komplikation vorliegt.[1] Im Zweifelsfall kann ein Tierarzt die Diagnose sichern und Erkrankungen wie Hygrome, Zysten, Hauttumoren oder Hautpilz ausschließen. Achten Sie auf Veränderungen wie Schwellungen, Rötung, Nässen oder Schmerzempfindlichkeit – diese Anzeichen deuten auf eine Komplikation hin und erfordern tierärztliche Abklärung.
Kokosöl als natürliche Pflege bei Liegeschwielen
Warum Kokosöl bei Liegeschwielen helfen kann
Kokosöl für die Haut bietet verschiedene Eigenschaften, die es für die Pflege von Liegeschwielen interessant machen. Dank seines hohen Gehalts an Laurinsäure (etwa 45–53 % der Fettsäuren) wirkt es feuchtigkeitsspendend und unterstützt die Hautbarriere.[4] Eine klinische Studie zeigte, dass natives Kokosöl die Hautfeuchtigkeit signifikant verbessern und trockene, raue Hautstellen (Xerosis) ebenso wirksam pflegen kann wie Mineralöl.[5] Zudem wird der Laurinsäure in Kokosöl eine antimikrobielle Wirkung zugeschrieben, die bei der Vorbeugung von Infektionen an rissigen Liegeschwielen unterstützend wirken kann.[6]
Wichtig zu wissen: Die wissenschaftliche Evidenz für Kokosöl bei Hunden speziell ist begrenzt. Die meisten Studien wurden am Menschen durchgeführt. Erfahrungsberichte vieler Hundehalter und tierärztliche Empfehlungen zeigen jedoch, dass Kokosöl als äußerliche Pflege gut vertragen wird und die verhärtete Haut an Liegeschwielen geschmeidiger machen kann.[7]
Anwendung von Kokosöl bei Liegeschwielen: Schritt für Schritt
Für die Pflege von Liegeschwielen mit Kokosöl gehen Sie am besten so vor:
- Öl vorbereiten: Nehmen Sie eine kleine Menge (etwa haselnussgroß) kaltgepresstes, natives Bio-Kokosöl und erwärmen Sie es zwischen den Handflächen, bis es flüssig wird.
- Auftragen und einmassieren: Massieren Sie das Öl sanft in die betroffene Hautstelle ein. Achten Sie darauf, dass das Öl gut einzieht.
- Einwirkzeit ermöglichen: Lassen Sie das Öl mindestens 5–10 Minuten einwirken, bevor Ihr Hund wieder aufsteht. Lenken Sie ihn ggf. mit einem Leckerli oder Kauartikel ab, damit er die Stelle nicht sofort ableckt.
- Regelmäßig wiederholen: Tragen Sie das Kokosöl ein- bis zweimal täglich auf, bis sich die Haut sichtbar geschmeidiger anfühlt.
Achten Sie darauf, nur geringe Mengen zu verwenden. Zu viel Kokosöl kann die Poren verstopfen und bei Hunden, die gern lecken, zu Magen-Darm-Beschwerden führen, wenn größere Mengen aufgenommen werden.[7] Weitere Informationen zur richtigen Kokosöl-Dosierung für Hunde finden Sie in unserem Ratgeber. Ein wichtiger Hinweis von Tierärztinnen: Das Aufweichen einer Schwiele allein reicht nicht aus – wenn der Hund weiterhin auf harten Böden liegt, kann eine aufgeweichte Schwiele sogar eher aufbrechen und bluten.[1]
Grenzen der Anwendung
Kokosöl ist als unterstützende Pflege gedacht, nicht als medizinische Behandlung. Offene, nässende oder infizierte Liegeschwielen sollten immer tierärztlich behandelt werden. Bei Hunden mit bekannten Hautallergien oder einer Neigung zu Hefepilzinfektionen empfiehlt es sich, vor der Anwendung Rücksprache mit dem Tierarzt zu halten, da Kokosöl unter Umständen ein feuchtes Milieu begünstigen kann, das Hefepilze fördert.[8]
Im Hauptartikel Kokosöl für den Hund finden Sie viele weitere Anwendungen und Tipps.
Weitere natürliche Pflege- und Behandlungsmöglichkeiten
Aloe Vera
Aloe Vera ist bekannt für ihre feuchtigkeitsspendenden, kühlenden und entzündungshemmenden Eigenschaften. Bei Liegeschwielen kann das Auftragen von reinem Aloe-Vera-Gel auf die betroffene Stelle dazu beitragen, die Haut zu beruhigen und die Regeneration trockener Hautstellen zu unterstützen. Verwenden Sie ausschließlich Produkte ohne Zusatzstoffe, die für Hunde unbedenklich sind, da einige Aloe-Vera-Produkte Konservierungsmittel enthalten, die Hunden schaden können.
Schwarzkümmelöl
Schwarzkümmelöl (Nigella sativa) enthält den Wirkstoff Thymoquinon, dem in wissenschaftlichen Untersuchungen entzündungshemmende, antioxidative und antimikrobielle Eigenschaften nachgewiesen wurden.[9] Tierstudien zeigen, dass topisch aufgetragenes Schwarzkümmelöl die Wundheilung fördern und Entzündungen reduzieren kann.[10] Massieren Sie das Öl in geringer Menge regelmäßig in die betroffene Stelle ein, um die Haut zu pflegen und Infektionen vorzubeugen.
Calendula (Ringelblume)
Calendula (Ringelblume) wird traditionell in der Wundpflege eingesetzt und hat ausgeprägte entzündungshemmende, antibakterielle und wundheilende Eigenschaften. Calendula-Salben oder -Extrakte können zur Pflege von Liegeschwielen angewendet werden, um die Haut zu beruhigen und geschmeidig zu halten. Achten Sie auf Produkte ohne Alkohol, Duftstoffe oder andere Zusatzstoffe, die für Hunde ungeeignet sein könnten.
Zusammenfassend können Kokosöl und andere natürliche Mittel wie Aloe Vera, Schwarzkümmelöl und Calendula eine sanfte, ergänzende Pflege für Liegeschwielen bei Hunden bieten. Es ist wichtig, die betroffene Stelle regelmäßig zu beobachten und auf Anzeichen von Infektionen oder Verschlechterungen zu achten. Wenn Sie keine Besserung feststellen oder sich der Zustand verschlechtert, ist es ratsam, einen Tierarzt aufzusuchen. Die Kombination aus äußerer Pflege und Vorbeugung durch weiche Liegeflächen bietet den besten Schutz für Ihren Hund.
Vorbeugung von Liegeschwielen
Die wirksamste Maßnahme gegen Liegeschwielen ist die Vorbeugung – denn bestehende Schwielen bilden sich oft nicht mehr vollständig zurück.[1] Folgende Maßnahmen helfen dabei:
- Weiche Liegeflächen bereitstellen: Achten Sie darauf, dass Ihr Hund einen bequemen, gut gepolsterten Schlafplatz hat. Orthopädische Hundebetten mit Memory-Foam oder spezielle Liegematten verteilen den Druck gleichmäßig und schützen die empfindlichen Druckstellen. Vermeiden Sie es, Ihren Hund dauerhaft auf Fliesen, Beton oder Hartholzböden liegen zu lassen – besonders in warmen Monaten suchen Hunde instinktiv kühle, harte Böden auf.[2]
- Regelmäßige Fell- und Hautpflege: Durch regelmäßiges Bürsten und Kontrolle des Fells können Sie Hautveränderungen frühzeitig erkennen. Kontrollieren Sie insbesondere die Ellbogen, Sprunggelenke und Hüften regelmäßig auf Rötungen, Verdickungen oder Schwellungen. Eine gute Fellpflege mit Kokosöl kann die Hautgesundheit insgesamt unterstützen.
- Gewichtskontrolle und Bewegung: Übergewicht erhöht den Druck auf die Knochenvorsprünge erheblich und ist ein wesentlicher Risikofaktor für Liegeschwielen und Hygrome.[3] Regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung helfen, das Idealgewicht zu halten. Auch ältere Hunde mit Gelenkbeschwerden profitieren von moderater Bewegung, um das Risiko druckbedingter Hautveränderungen zu reduzieren.
- Ellbogen-Bandagen bei Bedarf: Für Hunde mit wiederkehrenden Liegeschwielen oder beginnenden Hygromen gibt es spezielle Ellbogen-Schutzbandagen, die die betroffene Stelle polstern und vor weiterem Druck schützen. Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, ob solche Bandagen für Ihren Hund sinnvoll sind.[2]
Häufige Fragen zu Liegeschwielen beim Hund
Sind Liegeschwielen beim Hund schmerzhaft?
Unkomplizierte Liegeschwielen sind in der Regel nicht schmerzhaft und stellen vor allem ein kosmetisches Problem dar. Sie sind die natürliche Schutzreaktion des Körpers auf wiederholten Druck.[1] Erst wenn sie aufreißen, sich entzünden oder infizieren, können sie dem Hund Schmerzen bereiten und erfordern dann eine tierärztliche Behandlung.
Was ist der Unterschied zwischen einer Liegeschwiele und einem Hygrom?
Eine Liegeschwiele ist eine verdickte, verhärtete und haarlose Hautstelle – also eine reine Hautveränderung. Ein Hygrom hingegen ist eine weiche, bewegliche, flüssigkeitsgefüllte Schwellung unter der Haut, die durch tiefere Gewebeschädigung entsteht. Ein Hygrom kann sich unter einer bestehenden Schwiele bilden, ist aber ein eigenständiges Problem, das bei Komplikationen tierärztliche Behandlung erfordert.[2]
Wie oft sollte ich Kokosöl auf die Liegeschwielen meines Hundes auftragen?
Tragen Sie natives, kaltgepresstes Kokosöl ein- bis zweimal täglich in dünner Schicht auf die betroffene Stelle auf. Achten Sie darauf, dass das Öl gut einzieht, und verhindern Sie, dass Ihr Hund die Stelle unmittelbar danach ableckt. Sehen Sie nach zwei bis drei Wochen regelmäßiger Anwendung keine Verbesserung, konsultieren Sie Ihren Tierarzt.
Können Liegeschwielen vollständig verschwinden?
Die meisten Liegeschwielen bilden sich nicht vollständig zurück, da es sich um eine dauerhafte Verdickung der Haut handelt. Durch konsequente Pflege und weiche Liegeflächen kann das Erscheinungsbild jedoch deutlich verbessert und ein Fortschreiten verhindert werden.[1]
Fazit
Liegeschwielen sind bei größeren Hunderassen ein häufiges Problem, das durch konsequente Vorbeugung und richtige Pflege gut in den Griff zu bekommen ist. Kokosöl bietet dank seiner feuchtigkeitsspendenden und hautpflegenden Eigenschaften eine natürliche Möglichkeit, verhärtete Hautstellen geschmeidiger zu machen – auch wenn die wissenschaftliche Evidenz bislang vor allem aus Humanstudien und Erfahrungsberichten stammt.
Entscheidend ist die Kombination aus äußerer Pflege und Vorbeugung: Weiche, gut gepolsterte Liegeflächen, regelmäßige Hautkontrolle und Gewichtskontrolle sind die wichtigsten Maßnahmen, um Liegeschwielen vorzubeugen und bestehende Schwielen nicht schlimmer werden zu lassen. Ergänzend können natürliche Öle wie Kokosöl, Schwarzkümmelöl oder Calendula die Hautpflege unterstützen.
Zeigen sich Anzeichen wie Rötung, Nässen, Schwellung oder Schmerzempfindlichkeit, sollte immer ein Tierarzt aufgesucht werden, um Komplikationen wie infizierte Hygrome oder Abszesse rechtzeitig zu behandeln.
Quellen
- Kuranda Dog Beds (2024). Calluses in Dogs. Abgerufen von kuranda.com/blog/calluses-in-dogs
- Merck Veterinary Manual (2025). Hygroma in Dogs. Abgerufen von merckvetmanual.com/integumentary-system/hygroma-in-dogs
- VCA Animal Hospitals (2024). Hygroma in Dogs. Abgerufen von vcahospitals.com/know-your-pet/hygroma-in-dogs
- DebMandal, M. & Mandal, S. (2011). Coconut (Cocos nucifera L.: Arecaceae): In health promotion and disease prevention. Asian Pacific Journal of Tropical Medicine, 4(3), 241–247. doi:10.1016/S1995-7645(11)60078-3
- Agero, A. L. & Verallo-Rowell, V. M. (2004). A randomized double-blind controlled trial comparing extra virgin coconut oil with mineral oil as a moisturizer for mild to moderate xerosis. Dermatitis, 15(3), 109–116. PMID: 15724344
- Evangelista, M. T., Abad-Casintahan, F. & Lopez-Villafuerte, L. (2014). The effect of topical virgin coconut oil on SCORAD index, transepidermal water loss, and skin capacitance in mild to moderate pediatric atopic dermatitis. International Journal of Dermatology, 53(1), 100–108. doi:10.1111/ijd.12339
- Morrison, B. J. (2024). Coconut Oil for Dogs. PetMD. Abgerufen von petmd.com/dog/general-health/coconut-oil-for-dogs
- American Kennel Club (2025). Coconut Oil for Dogs: Potential Benefits and Drawbacks. Abgerufen von akc.org/expert-advice/health/coconut-oil-dogs
- Sallehuddin, N., Nordin, A., Bt Hj Idrus, R. & Fauzi, M. B. (2020). Nigella sativa and its active compound, thymoquinone, accelerate wound healing in an in vivo animal model: A comprehensive review. International Journal of Environmental Research and Public Health, 17(11), 4160. doi:10.3390/ijerph17114160
- Pop, R. M. et al. (2020). Nigella sativa's anti-inflammatory and antioxidative effects in experimental inflammation. Antioxidants, 9(10), 921. doi:10.3390/antiox9100921