Ysop Öl – Wirkung, Anwendung und Inhaltsstoffe

Zuletzt aktualisiert: 18.02.26

Ysop Öl ist ein hochwertiges ätherisches Öl, das durch Wasserdampfdestillation aus den blühenden Trieben des Ysop (Hyssopus officinalis L.) gewonnen wird. Die Pflanze gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und ist im Mittelmeerraum, in Südeuropa, Zentralasien und der Kaspischen Region beheimatet. Bereits in der Antike wurde Ysop als Heilpflanze geschätzt – im alten Griechenland diente er zur rituellen Reinigung, und in der Bibel findet sich die bekannte Passage „Entsündige mich mit Ysop, dass ich rein werde" (Psalm 51,9).

Ysop Öl zeichnet sich durch einen frischen, krautigen und leicht kampferartigen Duft mit süßlichen Nuancen aus. Die Hauptinhaltsstoffe – darunter die Monoterpenketone Pinocamphon und Isopinocamphon sowie β-Pinen – verleihen dem Öl seine vielfältigen therapeutischen Eigenschaften: Es wirkt schleimlösend, antimikrobiell, antiviral, entzündungshemmend und krampflösend.[1]

Ysop Öl – ätherisches Ysopöl in Flasche mit frischen Ysop-Blüten

In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles über die Gewinnung, Inhaltsstoffe, Wirkung, Anwendungsgebiete, Dosierung und mögliche Nebenwirkungen von Ysop Öl. Alle Angaben sind durch aktuelle wissenschaftliche Studien belegt.

Warum ist Ysop Öl so besonders?

Ysop Öl hebt sich von anderen ätherischen Ölen durch seine einzigartige Kombination an Wirkstoffen und Anwendungsbereichen ab:

  • Atemwegsexperte: Ysop Öl gilt in der Phytotherapie als eines der wirksamsten ätherischen Öle bei Erkrankungen der Atemwege. Die schleimlösende (expektorierende) und krampflösende (antispasmodische) Wirkung kann Husten, Bronchitis und Asthma lindern.[2] Eine klinische Studie aus 2025 bestätigte die Wirksamkeit von Ysop-Sirup bei Asthmatikern mit produktivem Husten.[3]
  • Antivirale Kraft: Ysop Öl zeigt in wissenschaftlichen Untersuchungen eine starke antivirale Wirkung, unter anderem gegen Herpes-simplex-Viren – selbst gegen Aciclovir-resistente Stämme. Die Plaquebildung wurde in Studien um über 90 % reduziert.[4]
  • Jahrtausendealte Tradition: Von den alten Griechen über die Römer bis zur heutigen Aromatherapie – Ysop wird seit über 2.000 Jahren als Heil- und Reinigungspflanze genutzt. Er ist zudem Bestandteil des berühmten französischen Kräuterlikörs Chartreuse.

Gewinnung von Ysop Öl

Die Ysop-Pflanze

Der Ysop (Hyssopus officinalis L.) ist ein mehrjähriger, verholzender Halbstrauch, der eine Höhe von 30 bis 60 cm erreicht. Die Pflanze besitzt schmale, lanzettförmige Blätter von dunkelgrüner Farbe und bildet im Sommer dichte Blütenähren in Violett-Blau, Rosa oder Weiß. Der Ysop bevorzugt sonnige, trockene Standorte mit kalkhaltigem Boden und gedeiht in gemäßigten Klimazonen Europas und Asiens.[1]

Innerhalb der Gattung Hyssopus unterscheidet man verschiedene Unterarten, die sich in ihrer chemischen Zusammensetzung deutlich unterscheiden können. Für die therapeutische Anwendung sind insbesondere zwei Varianten relevant:

  • Hyssopus officinalis ssp. officinalis: Die klassische Form mit hohem Pinocamphon- und Isopinocamphon-Gehalt. Dieses Öl ist sehr wirksam, erfordert aufgrund des Ketongehalts aber besondere Vorsicht bei der Dosierung.
  • Hyssopus officinalis var. decumbens: Diese Varietät enthält überwiegend Linalool (bis 49,6 %) statt Pinocamphon und gilt als deutlich milder und sicherer in der Anwendung.[5]

Herstellungsprozess

Ysop Öl wird durch Wasserdampfdestillation der blühenden Pflanzenspitzen (Blüten und obere Blätter) gewonnen. Der Destillationsprozess läuft in folgenden Schritten ab:

  1. Ernte: Die Ysop-Triebe werden idealerweise zur Blütezeit im Sommer geerntet, da der Gehalt an ätherischem Öl dann am höchsten ist. Die Stängel werden zweimal jährlich geschnitten – Ende des Frühlings und Anfang des Herbstes.
  2. Trocknung: Das Pflanzenmaterial wird nach der Ernte etwa sechs Tage schonend getrocknet, um die flüchtigen Aromastoffe zu konzentrieren.
  3. Destillation: Das getrocknete oder frische Pflanzenmaterial wird mit Wasserdampf durchströmt. Die ätherischen Öle verdampfen zusammen mit dem Wasser, werden anschließend kondensiert und in einem Separator vom Wasser (Hydrolat) getrennt.

Die Ölausbeute variiert je nach Pflanzenteil erheblich: Aus Blüten lassen sich bis zu 4,4 % ätherisches Öl gewinnen, aus Blättern etwa 4,2 % und aus Stängeln nur 0,22 %.[6] Die Gesamtpflanze liefert durchschnittlich 0,3–1,0 % ätherisches Öl. Frankreich gilt als Hauptanbaugebiet für Ysop zur Ölgewinnung.

Ysop Öl Inhaltsstoffe

Die chemische Zusammensetzung von Ysop Öl ist komplex und variiert je nach Herkunft, Unterart, Wachstumsstadium und Destillationsverfahren. Insgesamt wurden in Ysop Öl über 50 verschiedene Verbindungen identifiziert.[6] Die Hauptinhaltsstoffe lassen sich in Monoterpene, Sesquiterpene und phenolische Verbindungen einteilen.

Ysop Öl – Hauptinhaltsstoffe
Typische Zusammensetzung von Hyssopus officinalis ssp. officinalis Öl:[1][6]
InhaltsstoffAnteil
Isopinocamphon22,5–57,7 %
Pinocamphon (cis/trans)11,4–34,0 %
β-Pinen5,7–20,4 %
Pinocarvon5,5–24,9 %
1,8-Cineol (Eukalyptol)2,9–8,0 %
Elemol5,0–7,6 %
Germacren D3,1–7,0 %
β-Phellandren1,8–3,2 %
Myrcen0,5–1,3 %
Sabinen0,8–1,9 %
Limonenvariabel
Myrtenol1,4–1,7 %

Die Monoterpenketone Pinocamphon und Isopinocamphon sind die charakteristischen Leitsubstanzen des Ysop Öls und maßgeblich für seine schleimlösende und antivirale Wirkung verantwortlich. β-Pinen trägt zur entzündungshemmenden und bronchienerweiternden Wirkung bei, während 1,8-Cineol (auch bekannt als Eukalyptol) für die atemwegsbefreiende Wirkung mitverantwortlich ist.[1]

Neben den flüchtigen Ölbestandteilen enthält die Ysop-Pflanze wertvolle Polyphenole, darunter die Phenolsäuren Ferulasäure (13,2 mg/100 g) und Kaffeesäure (6,5 mg/100 g) sowie Flavonoide wie Isoquercitrin, Rutin, Quercitrin, Quercetin und Luteolin. Diese Polyphenole besitzen starke antioxidative und antimikrobielle Eigenschaften.[5]

Wichtiger Hinweis: Die Varietät H. officinalis var. decumbens weist ein grundlegend anderes Inhaltsstoffprofil auf: Ihr Hauptbestandteil ist Linalool (bis 49,6 %), gefolgt von 1,8-Cineol (13,3 %) und Limonen (5,4 %). Diese Varietät enthält weniger als 1 % Pinocamphon und gilt daher als deutlich sicherer in der Anwendung.[5]

Wirkung von Ysop Öl

Die therapeutische Wirkung von Ysop Öl beruht auf dem Zusammenspiel seiner zahlreichen bioaktiven Inhaltsstoffe. Die wichtigsten wissenschaftlich belegten Wirkungen sind:

  • Schleimlösende und krampflösende Wirkung: Ysop Öl wirkt als Expektorans – es verflüssigt den Schleim in den Bronchien und fördert dessen Abtransport aus den Atemwegen. Gleichzeitig entspannt es die glatte Muskulatur der Bronchien (Bronchospasmolyse), was bei Husten und Atemnot Linderung verschafft. Die spasmolytische Wirkung wurde insbesondere für die Varietät decumbens nachgewiesen und auf den Linalool-Gehalt zurückgeführt.[7]
  • Antivirale Wirkung: Ysop Öl zeigt eine ausgeprägte antivirale Aktivität gegen Herpes-simplex-Viren. Eine Studie im Antimicrobial Agents and Chemotherapy wies nach, dass Ysop Öl sowohl Aciclovir-empfindliche als auch Aciclovir-resistente HSV-1-Stämme um 95,9–99,9 % hemmen kann. Der Selektivitätsindex von 75 unterstreicht die hohe Wirksamkeit bei gleichzeitig geringer Zellschädigung.[4] Auch gegen HSV-2 wurde eine dosisabhängige viruzide Aktivität bestätigt: Bei Vorinkubation mit Ysop Öl wurde die Plaquebildung um über 90 % reduziert.[8]
  • Immunmodulierende Wirkung: Eine Studie aus 2022 zeigte, dass Ysop-Extrakt die antivirale angeborene Immunabwehr aktivieren kann. In behandelten Immunzellen (PBMCs) wurden die Expression endosomaler Toll-like-Rezeptoren (TLR3, TLR7, TLR8, TLR9) sowie die Ausschüttung von Interferon-α und -β signifikant erhöht, während entzündungsfördernde Zytokine vermindert wurden.[9]
  • Antimikrobielle Wirkung: Ysop Öl besitzt nachgewiesene antibakterielle und antimykotische Eigenschaften. Es hemmt das Wachstum verschiedener pathogener Keime, darunter Staphylococcus aureus, Escherichia coli und Candida albicans. Die Varietät decumbens zeigt aufgrund ihres Linalool-Gehalts eine besonders breite antimikrobielle Wirkung gegen grampositive und gramnegative Bakterien.[5]
  • Entzündungshemmende Wirkung: In einem Mausmodell für chronisches Asthma regulierte Ysop-Extrakt die Immunantwort und reduzierte die Atemwegsentzündung. Die Sekretion der Zytokine IL-4, IL-17 und IFN-γ sowie das Th1/Th2-Ungleichgewicht wurden positiv beeinflusst.[2]
  • Antioxidative Wirkung: Die in Ysop enthaltenen Polyphenole – insbesondere Flavonoide wie Isoquercitrin und Phenolsäuren wie Ferulasäure – besitzen starke antioxidative Eigenschaften und können freie Radikale neutralisieren.[10]
  • Muskelentspannende Wirkung: Ysop Öl kann eine myorelaxierende Wirkung entfalten. Forschungen deuten darauf hin, dass dies auf die synergistische Aktivität von β-Pinen und Limonen zurückzuführen ist, die Ionenkanäle in der Zellmembran beeinflussen.[1]

Anwendungsgebiete von Ysop Öl

Ysop Öl in der Aromatherapie

In der Aromatherapie gehört Ysop Öl zu den klassischen Mitteln für die Atemwege und die emotionale Balance. Sein frischer, krautig-kampferartiger Duft wirkt klärend auf den Geist, fördert die Konzentration und kann bei Nervosität und innerer Unruhe beruhigend wirken.

Ysop Öl harmoniert besonders gut mit ätherischen Ölen aus den Duftfamilien Zitrus, Blumen, Holz und Kräuter. Bewährte Mischungen umfassen Kombinationen mit Lavendelöl, Rosmarinöl, Salbeiöl, Zitronenöl und Eukalyptusöl. Für den Gebrauch in der Duftlampe oder im Diffusor genügen 3–5 Tropfen Ysop Öl.

Ysop Öl für die Atemwege

Die Anwendung bei Atemwegserkrankungen ist das am besten erforschte Einsatzgebiet von Ysop Öl. In der traditionellen und modernen Phytotherapie wird es bei folgenden Beschwerden eingesetzt:

  1. Husten und Bronchitis: Als Expektorans verflüssigt Ysop Öl zähen Schleim und fördert das Abhusten. Die antispasmodische Wirkung lindert gleichzeitig den Hustenreiz. In Kombination mit Thymianöl kann die antibakterielle Wirkung bei Bronchitis verstärkt werden.
  2. Asthma: Eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte klinische Studie aus 2025 untersuchte die Wirkung von Ysop-Sirup bei 60 Patienten mit leichtem bis mittelschwerem Asthma. Patienten mit produktivem Husten zeigten unter Ysop-Behandlung signifikante Verbesserungen der Lungenfunktion (FEV1, PEF, MEF25-75) sowie des Asthma-Kontroll-Tests.[3]
  3. Erkältungen und Halsschmerzen: Die antimikrobiellen und entzündungshemmenden Eigenschaften können Symptome der Erkältung lindern. Ysop-Tee eignet sich zum Gurgeln bei Halsschmerzen.
  4. Nasennebenhöhlenentzündung: Die abschwellende Wirkung kann verstopfte Nasennebenhöhlen befreien und die Atmung erleichtern.

Wichtig: Ysop Öl ist kein Ersatz für eine ärztliche Behandlung von Asthma oder chronischen Atemwegserkrankungen. Es kann jedoch als ergänzende Maßnahme zur schulmedizinischen Therapie eingesetzt werden.

Ysop Öl zum Inhalieren

Die Inhalation ist eine der wirksamsten Anwendungsmethoden für Ysop Öl bei Atemwegsbeschwerden. Ausführliche Informationen zur richtigen Technik finden Sie in unserem Beitrag über das Inhalieren ätherischer Öle.

  1. Dampfinhalation: 2–3 Tropfen Ysop Öl in eine Schüssel mit heißem (nicht kochendem) Wasser geben. Kopf mit einem Handtuch bedecken und den Dampf 5–10 Minuten lang durch die Nase einatmen. Diese Methode eignet sich besonders bei Erkältungen, Bronchitis und Nasennebenhöhlenverstopfung.
  2. Diffusor: 3–5 Tropfen in einen elektrischen Raumdiffusor geben. Dies reinigt die Raumluft und unterstützt die Atemwege bei geringerer Konzentration als die direkte Dampfinhalation.
  3. Trockeninhalation: 1–2 Tropfen auf ein Taschentuch oder einen Duftkissen-Einleger geben und bei Bedarf daran riechen – ideal für unterwegs.

Hinweis: Personen mit Epilepsie, Kinder unter 6 Jahren und Schwangere sollten Ysop Öl nicht inhalieren (siehe Abschnitt Nebenwirkungen).

Ysop Öl für die Haut

Dank seiner antimikrobiellen, entzündungshemmenden und wundheilungsfördernden Eigenschaften findet Ysop Öl auch in der Hautpflege Anwendung:

  1. Wundheilung: Ysop Öl kann die Heilung kleiner Wunden, Schnitte und Schürfwunden unterstützen, indem es Infektionen vorbeugt und die Regeneration des Gewebes fördert.
  2. Hautirritationen und Ekzeme: Abkochungen oder verdünntes Ysop Öl können bei Hautentzündungen, Dermatitis, Ekzemen und Insektenstichen beruhigend wirken. In patentierten kosmetischen Formulierungen wird Ysop-Extrakt als hautpflegender und hautberuhigender Wirkstoff eingesetzt.[1]
  3. Akne: Forschungen zeigen antibakterielle Aktivität von Ysop-Extrakten gegen Propionibacterium acnes, den Hauptverursacher von Akne.[1] Für die gezielte Aknebehandlung kann Ysop Öl stark verdünnt auf Unreinheiten getupft werden.
  4. Anti-Aging: Die antioxidativen Polyphenole in Ysop können die Hautalterung verlangsamen. Einige patentierte Anti-Falten-Formulierungen enthalten Ysop-Extrakte als Wirkstoff.[1]
  5. Prellungen und Blutergüsse: Äußerlich angewendet kann Ysop Öl die Rückbildung von Prellungen und Blutergüssen beschleunigen.

Wichtig: Ysop Öl darf niemals unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden. Verdünnen Sie es immer mit einem Trägeröl wie Jojobaöl oder Mandelöl (max. 1–2 Tropfen Ysop Öl auf 10 ml Trägeröl). Führen Sie vor der ersten Anwendung einen Verträglichkeitstest an einer kleinen Hautstelle durch.

Ysop Öl als Massageöl

Als Zusatz zu einem Massageöl kann Ysop Öl Muskelverspannungen lösen, Schmerzen in Gelenken und Muskeln lindern und die Durchblutung fördern. Die muskelentspannende Wirkung beruht auf der Beeinflussung von Ionenkanälen in der Zellmembran durch die Terpenbestandteile.[1]

Für ein Massageöl mischen Sie 3–5 Tropfen Ysop Öl mit 20 ml Trägeröl (z. B. Macadamiaöl oder Sesamöl). Diese Mischung eignet sich besonders bei Rheuma, Muskelkater, Menstruationsschmerzen und allgemeiner Erschöpfung. Ysop Öl verbessert zudem die Blut- und Lymphzirkulation, was den Abtransport von Stoffwechselprodukten fördert.

Ysop Öl für die Verdauung

In der Volksmedizin wird Ysop seit Jahrhunderten als Verdauungshelfer eingesetzt. Das ätherische Öl und die Bitterstoffe der Pflanze stimulieren die Verdauungsenzyme und fördern die Sekretion von Magen- und Gallensäften:

  1. Karminative Wirkung: Ysop Öl kann Blähungen, Völlegefühl und Bauchkrämpfe lindern. Die ätherischen Öle wirken karminativ, also windtreibend, und entspannen die glatte Muskulatur des Verdauungstrakts.
  2. Appetitanregung: Bei Appetitlosigkeit kann Ysop Öl die Verdauungstätigkeit anregen.
  3. Alpha-Glucosidase-Hemmung: Vorläufige Studien deuten darauf hin, dass Inhaltsstoffe von Ysop die Aufnahme von Kohlenhydraten aus dem Darm verlangsamen können, was potenziell den Blutzuckeranstieg nach Mahlzeiten reduziert. Die Datenlage ist hierzu jedoch noch nicht ausreichend für gesicherte Aussagen.[11]

Für die innerliche Anwendung bei Verdauungsbeschwerden eignet sich Ysop-Tee besser als das reine ätherische Öl. Übergießen Sie 1–2 Teelöffel getrocknetes Ysopkraut mit einer Tasse heißem Wasser und lassen Sie den Tee 10–15 Minuten ziehen.

Ysop Öl für die Mundgesundheit

Die antiseptischen Eigenschaften von Ysop Öl können die Mundgesundheit unterstützen. Ein Gurgelmittel aus Ysop-Tee wird traditionell bei Halsschmerzen, Zahnfleischentzündungen und Mundgeruch empfohlen. Die antimikrobiellen Wirkstoffe können das Wachstum schädlicher Bakterien im Mundraum reduzieren. Auch als Ergänzung beim Ölziehen kann Ysop Öl (1 Tropfen zu einem Esslöffel Kokosöl) verwendet werden.

Ysop Öl als Badezusatz

Ein Vollbad mit Ysop Öl vereint die Wirkung über Haut und Atemwege. Geben Sie 5–8 Tropfen Ysop Öl in einen Emulgator (z. B. Sahne, Milch oder Meersalz) und fügen Sie diesen dem warmen Badewasser hinzu. Das Bad kann Muskelverspannungen lösen, die Atemwege befreien und gleichzeitig entspannend auf Körper und Geist wirken. Ysop-Bäder eignen sich besonders bei Erkältungen, Erschöpfung und rheumatischen Beschwerden.

Dosierung und Anwendung von Ysop Öl

Die richtige Dosierung von Ysop Öl ist entscheidend, da das Öl aufgrund seines Pinocamphon-Gehalts bei Überdosierung toxisch wirken kann. Folgende Richtwerte gelten für die verschiedenen Anwendungsarten:

  • Aromatherapie (Diffusor/Duftlampe): 3–5 Tropfen in den Diffusor oder die Wasserschale der Duftlampe geben.
  • Dampfinhalation: 2–3 Tropfen in eine Schüssel mit heißem Wasser. Inhalationsdauer maximal 5–10 Minuten.
  • Topische Anwendung: 1–2 Tropfen auf 10 ml Trägeröl (Verdünnung ca. 0,5–1 %). Bei der pinocamphonreichen Variante empfiehlt Tisserand & Young eine dermale Maximaldosis von 0,3 %.[12]
  • Massage: 3–5 Tropfen auf 20 ml Trägeröl.
  • Badezusatz: 5–8 Tropfen, emulgiert in Milch, Sahne oder Meersalz.
  • Ysop-Tee: 1–2 Teelöffel getrocknetes Ysopkraut pro Tasse (250 ml), 10–15 Minuten ziehen lassen. Bis zu 3 Tassen täglich.

Grundsätzliche Empfehlung: Beginnen Sie immer mit der niedrigsten Dosierung und steigern Sie diese bei Bedarf vorsichtig. Ysop Öl sollte nicht über längere Zeiträume ohne Unterbrechung angewendet werden. Bevorzugen Sie für die Selbstanwendung, wenn verfügbar, die mildere Varietät decumbens.

Ysop Öl Nebenwirkungen

Neurotoxizität und Krampfrisiko

Die bedeutendste Nebenwirkung von Ysop Öl betrifft die potenziell neurotoxische Wirkung seiner Ketonbestandteile. Pinocamphon und Isopinocamphon können bei Überdosierung die Krampfschwelle senken und epileptische Anfälle auslösen. In Tierversuchen wurden bei hohen Dosen konvulsive Reaktionen beobachtet, und auch beim Menschen sind Fälle dokumentiert – insbesondere bei Einnahme von mehr als 10 Tropfen pro Tag oder bei Kindern nach 2–3 Tropfen über mehrere Tage.[12][13]

Ysop Öl darf unter keinen Umständen von folgenden Personengruppen verwendet werden:

  • Personen mit Epilepsie oder anderen Krampfanfallserkrankungen
  • Kleinkinder und Kinder unter 6 Jahren (für die pinocamphonreiche Variante; Tisserand & Young empfehlen die Vermeidung bei Kindern unter 2 Jahren)[12]
  • Schwangere und stillende Frauen – ausführliche Informationen dazu unter ätherische Öle in der Schwangerschaft
  • Personen mit schweren Leber- oder Nierenerkrankungen
  • Personen mit Bluthochdruck (nur nach ärztlicher Rücksprache)

Hautreaktionen

Bei unverdünnter Anwendung kann Ysop Öl Hautreizungen verursachen. Eine Verdünnung mit einem Trägeröl ist zwingend erforderlich. Vor der ersten Anwendung sollte ein Verträglichkeitstest in der Ellenbeuge durchgeführt werden.

Überdosierung bei innerlicher Einnahme

Die innerliche Einnahme des reinen ätherischen Öls wird von Experten wie Tisserand & Young ausdrücklich nicht empfohlen.[12] Übermäßiger Konsum kann zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und in schweren Fällen zu Atemstörungen und Krämpfen führen. Für die innerliche Anwendung ist Ysop-Tee die sichere Alternative.

Hinweis zur Varietät decumbens

Die Varietät Hyssopus officinalis var. decumbens mit weniger als 1 % Pinocamphon gilt als deutlich sicherer. Tisserand & Young geben für diese Varietät keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen an.[12] Beim Kauf sollte daher unbedingt auf die genaue botanische Bezeichnung geachtet werden.

Ysop Öl kaufen – Worauf sollte man achten?

Beim Kauf von Ysop Öl gibt es einige wichtige Qualitätskriterien, die Sie beachten sollten:

  1. Botanische Bezeichnung prüfen: Achten Sie auf die vollständige botanische Angabe. Hyssopus officinalis var. decumbens (Linalool-Chemotyp) ist deutlich milder und sicherer als H. officinalis ssp. officinalis (Pinocamphon-Chemotyp). Seriöse Anbieter geben den Chemotyp auf dem Etikett an.
  2. 100 % naturrein und Bio-Qualität: Wählen Sie ausschließlich 100 % naturreines ätherisches Öl (keine Parfümöle oder synthetischen Mischungen). Bio-Qualität (z. B. EU-Bio, Demeter) garantiert den Verzicht auf Pestizide und chemische Düngemittel.
  3. Herkunft: Hochwertiges Ysop Öl stammt häufig aus Frankreich, Spanien, Ungarn oder der Mittelmeerregion. Transparente Herkunftsangaben sind ein Qualitätsmerkmal.
  4. GC/MS-Analyse: Vertrauenswürdige Hersteller stellen Gaschromatographie-Massenspektrometrie-Analysezertifikate zur Verfügung, die die genaue chemische Zusammensetzung des Öls belegen.
  5. Lichtschutz: Ätherische Öle sollten in dunklen Glasflaschen (braun oder blau) abgefüllt sein, um den Abbau durch Licht zu verhindern.
  6. Haltbarkeit: Bei kühler, trockener und lichtgeschützter Lagerung ist Ysop Öl in der Regel 2–3 Jahre haltbar. Achten Sie auf das Mindesthaltbarkeitsdatum.

Ysop Öl ist in Apotheken, Reformhäusern, Bio-Fachgeschäften und online erhältlich. Aufgrund der Sicherheitsaspekte empfiehlt sich der Kauf bei spezialisierten Anbietern für ätherische Öle, die umfassende Produktinformationen und Analysezertifikate bereitstellen.

Ysop Öl Alternativen

Je nach gewünschtem Einsatzgebiet gibt es empfehlenswerte Alternativen zu Ysop Öl:

  1. Eukalyptusöl: Eukalyptusöl ist der Klassiker bei Atemwegserkrankungen und enthält hohe Anteile an 1,8-Cineol. Es wirkt schleimlösend und antibakteriell, ist allerdings weniger stark antiviral als Ysop Öl.
  2. Thymianöl: Thymianöl besitzt starke antimikrobielle Eigenschaften und eignet sich hervorragend bei Bronchitis und Infektionen der Atemwege. Es ist in verschiedenen Chemotypen erhältlich, wobei der Linalool-Typ besonders hautverträglich ist.
  3. Pfefferminzöl: Pfefferminzöl wirkt kühlend, abschwellend und krampflösend. Es eignet sich besonders bei verstopfter Nase, Kopfschmerzen und Verdauungsbeschwerden.
  4. Teebaumöl: Teebaumöl ist ein bewährtes Breitband-Antimikrobikum mit antiviraler, antibakterieller und antimykotischer Wirkung. Es ist besonders für die Hautanwendung geeignet.
  5. Lavendelöl: Lavendelöl ist mild, vielseitig und gut verträglich. Es eignet sich als sicherere Alternative für die Aromatherapie, wenn Ysop Öl aufgrund der Kontraindikationen nicht verwendet werden kann.
  6. Rosmarinöl: Rosmarinöl fördert die Durchblutung, löst Muskelverspannungen und kann die Konzentration steigern – ähnlich wie Ysop Öl, aber mit einem anderen Wirkprofil.

Quellen

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  2. Ma, Z., Wang, J., Sun, Z., Yu, W., Li, F., & Ding, J. (2014). Effect of Hyssopus officinalis L. on inhibiting airway inflammation and immune regulation in a chronic asthmatic mouse model. Experimental and Therapeutic Medicine, 8(5), 1371–1374. doi:10.3892/etm.2014.1978
  3. Kiani, M., Azadbakht, M., Saeedi, M., Jafari-Hajnasiri, S., & Emami Zeydi, A. (2025). Effect of Hyssop (Hyssopus officinalis) Syrup on Mild to Moderate Asthma: A Randomized Double-Blind Placebo-Controlled Trial. Journal of Herbal Medicine, 49, 100955. doi:10.1016/j.hermed.2024.100955
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