Petersilienöl ist ein vielseitiges ätherisches Öl, das aus den Samen, Blättern oder Wurzeln der Petersilie (Petroselinum crispum) gewonnen wird. Die Petersilie gehört zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae) und ist im Mittelmeerraum beheimatet, wird heute jedoch weltweit kultiviert. Seit der Antike wird sie sowohl als Küchenkraut als auch als Heilpflanze geschätzt – bereits die alten Griechen und Römer nutzten Petersilie für medizinische Zwecke.
Das ätherische Petersilienöl enthält eine komplexe Mischung bioaktiver Verbindungen, darunter Apiol, Myristicin, α-Pinen und β-Pinen, die für seine antioxidativen, entzündungshemmenden und antimikrobiellen Eigenschaften verantwortlich sind.[1] Neben dem reinen ätherischen Öl erfreut sich auch kulinarisches Petersilienöl – ein Kräuteröl aus frischer Petersilie und einem Pflanzenöl wie Olivenöl – großer Beliebtheit in der gehobenen Küche und bei Hobbyköchen.

In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles über die Gewinnung, Inhaltsstoffe, Wirkung, Anwendungsgebiete und Nebenwirkungen von Petersilienöl. Zudem erhalten Sie Rezepte zur Herstellung von kulinarischem Petersilienöl und erfahren, worauf Sie beim Kauf achten sollten. Alle Angaben sind durch aktuelle wissenschaftliche Studien belegt.
Warum ist Petersilienöl so besonders?
Petersilienöl vereint kulinarischen Genuss mit therapeutischem Potenzial. Es gibt zwei grundlegende Formen, die klar unterschieden werden sollten:
- Ätherisches Petersilienöl: Dieses hochkonzentrierte Öl wird durch Wasserdampfdestillation aus Petersiliensamen oder -blättern gewonnen. Es enthält die wirksamen Phenylpropanoide Apiol und Myristicin in hoher Konzentration und wird in der Aromatherapie, Naturheilkunde und Kosmetik eingesetzt. Ätherisches Petersilienöl darf aufgrund seiner Potenz niemals unverdünnt angewendet oder eingenommen werden.
- Kulinarisches Petersilienöl (Kräuteröl): Hierbei wird frische Petersilie in einem Pflanzenöl (meist Olivenöl oder ein neutrales Speiseöl) püriert und anschließend gefiltert. Dieses leuchtend grüne Öl ist ein beliebtes Würzöl in der Sterneküche und eignet sich hervorragend als Finish für Fisch, Gemüse und Suppen.
Die nachfolgenden Abschnitte zur Gewinnung, Inhaltsstoffen und Wirkung beziehen sich primär auf das ätherische Petersilienöl. Das kulinarische Petersilienöl wird im Abschnitt Petersilienöl in der Küche ausführlich behandelt.
Gewinnung von Petersilienöl
Ätherisches Petersilienöl durch Destillation
Ätherisches Petersilienöl wird durch Wasserdampfdestillation gewonnen. Dabei unterscheidet man je nach verwendetem Pflanzenteil zwei Haupttypen:
- Samenöl (Petersilienfrüchte): Die Destillation der Petersiliensamen liefert eine Ölausbeute von etwa 2–6 % des Trockengewichts. Das Samenöl enthält besonders hohe Konzentrationen an Apiol (ca. 45–62 %) und Myristicin (ca. 9–36 %), wobei das Verhältnis je nach Sorte und Herkunft stark variiert.[2] Man unterscheidet zwischen „deutschem" Petersilienöl (Apiol-Typ, ca. 60–80 % Apiol) und „französischem" Petersilienöl (Myristicin-Typ, ca. 50–60 % Myristicin).[3]
- Blattöl (Krautöl): Die Destillation der Petersilienblätter ergibt eine deutlich geringere Ölausbeute (ca. 0,02–0,3 %), dafür besitzt das Blattöl ein milderes, kräuterartigeres Aroma. Typische Hauptbestandteile sind 1,3,8-p-Menthatrien, β-Phellandren, Myristicin und Apiol.[4] Das Blattöl hat einen Duft, der dem frischen Kraut ähnelt, und wird bevorzugt in der Aromatherapie eingesetzt.
Die chemische Zusammensetzung des ätherischen Öls variiert erheblich je nach Pflanzenart (glatte oder krause Petersilie), Herkunft, Erntezeitpunkt und Destillationsverfahren. Eine umfassende GC-MS-Analyse aus dem Jahr 2024 identifizierte in marokkanischem Petersilienöl Apiol (49,05 %), Myristicin (21,01 %) und 1-Allyl-2,3,4,5-tetramethoxybenzol (13,14 %) als dominierende Bestandteile.[5]
Kulinarisches Petersilienöl durch Infusion
Kulinarisches Petersilienöl ist kein destilliertes Öl, sondern ein Kräuterauszug. Die Herstellung erfolgt durch Pürieren frischer Petersilienblätter mit einem hochwertigen Pflanzenöl und anschließendes Filtern. Dieses Verfahren bewahrt die frische grüne Farbe, die Chlorophyllpigmente sowie einen Teil der flüchtigen Aromastoffe und Nährstoffe der Petersilie. In der gehobenen Gastronomie wird oft auch das sogenannte „klare Petersilienöl" hergestellt, bei dem das pürierte Öl durch ein feines Tuch oder einen Kaffeefilter gefiltert wird, sodass ein intensiv grünes, klares Öl entsteht. Detaillierte Rezepte finden Sie im Abschnitt Petersilienöl selber machen.
Petersilienöl Inhaltsstoffe
Das ätherische Petersilienöl ist eine komplexe Mischung aus Phenylpropanoiden, Monoterpenen und weiteren bioaktiven Verbindungen. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Inhaltsstoffe und ihre durchschnittlichen Anteile im Samenöl:
| Ätherisches Petersilienöl – Zusammensetzung (Samenöl) | |
|---|---|
| Typische Zusammensetzung pro 100 % ätherisches Öl: | |
| Inhaltsstoff | Anteil |
| Phenylpropanoide | |
| Apiol (Petersilienkampfer) | ca. 15–62 % |
| Myristicin | ca. 9–36 % |
| 1-Allyl-2,3,4,5-tetramethoxybenzol | ca. 3–13 % |
| Elemicin | ca. 1–3 % |
| Monoterpene | |
| α-Pinen | ca. 3–10 % |
| β-Pinen | ca. 2–6 % |
| β-Phellandren | ca. 1–5 % |
| Myrcen | ca. 1–4 % |
| Limonen | ca. 1–3 % |
| Terpinolen | ca. 1–2 % |
| Sesquiterpene | |
| Carotol | ca. 0,5–2 % |
| Furanocumarine | |
| Psoralen, Bergapten, 8-Methoxypsoralen | Spuren |
| Farbe | blass- bis dunkelgelb |
| Duft | warm-würzig, krautig-grün |
Der Inhaltsstoff Apiol wird auch als Petersilienkampfer bezeichnet – ein Begriff, der häufig in Kreuzworträtseln als „Kampfer aus Petersilienöl" (5 Buchstaben) abgefragt wird. Apiol ist ein Phenylpropanoid mit krampflösenden und durchblutungsfördernden Eigenschaften, das historisch als Emmenagogum (menstruationsfördernd) eingesetzt wurde.[3]
Die frische Petersilienpflanze selbst ist darüber hinaus reich an Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen. Sie enthält hohe Mengen an Vitamin C, Vitamin K, β-Carotin (Provitamin A), Folsäure sowie die Flavonoide Apigenin und Luteolin.[6] Apigenin ist einer der am intensivsten erforschten pflanzlichen Flavonoide mit nachgewiesenen antioxidativen, entzündungshemmenden und neuroprotektiven Eigenschaften.[7] Getrocknete Petersilie ist mit ca. 45 mg pro Gramm eine der reichsten natürlichen Apigenin-Quellen überhaupt.[8]
Wirkung von Petersilienöl
Die gesundheitliche Wirkung von Petersilienöl beruht auf dem Zusammenspiel seiner bioaktiven Inhaltsstoffe. Ein umfassender Review aus dem Jahr 2024, veröffentlicht im Journal of Agricultural and Food Chemistry, bestätigte das breite pharmakologische Profil von Petroselinum crispum.[9] Die wichtigsten wissenschaftlich untersuchten Wirkungen sind:
- Antioxidative Wirkung: Die Phenylpropanoide Apiol und Myristicin sowie die Monoterpene α-Pinen und β-Pinen besitzen nachweislich antioxidative Eigenschaften. Sie neutralisieren freie Radikale und schützen Zellen vor oxidativem Stress. In vitro-Studien zeigten eine signifikante antioxidative Kapazität des ätherischen Öls in DPPH- und ABTS-Assays.[5] Im Tiermodell reduzierte Petersilienöl oxidativen Stress in Leber- und Schilddrüsengewebe signifikant.[4]
- Antimikrobielle Wirkung: Petersilienöl hemmt das Wachstum verschiedener grampositiver und gramnegativer Bakterien, darunter Staphylococcus aureus, Bacillus subtilis, Escherichia coli und Salmonella enterica. Auch antifungale Aktivität gegen Candida albicans wurde in vitro nachgewiesen.[5] Die Furanocumarine der Petersilie (Psoralen, 8-Methoxypsoralen) zeigten zudem Wirksamkeit gegen Listeria monocytogenes.[1]
- Entzündungshemmende Wirkung: Myristicin besitzt nachgewiesene entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften. Diese Wirkung wird über die Hemmung proinflammatorischer Zytokine und die Modulation intrazellulärer Entzündungsmediatoren vermittelt.[10] Auch der Flavonoid-Bestandteil Apigenin trägt durch Hemmung des NF-κB-Signalwegs maßgeblich zur entzündungshemmenden Wirkung bei.[7]
- Harntreibende (diuretische) Wirkung: Petersilie wird seit Jahrhunderten traditionell als natürliches Diuretikum eingesetzt. Die diuretische Wirkung wird hauptsächlich Apiol zugeschrieben, das die Nierendurchblutung fördert. Ein aktueller Review aus 2024 bestätigte das nephroprotektive Potenzial von Petersilie und ihre positiven Effekte auf die Nierengesundheit, einschließlich antioxidativer und antiurolithischer (gegen Nierensteine wirkender) Eigenschaften.[1]
- Verdauungsfördernde Wirkung: Petersilienöl wirkt krampflösend (spasmolytisch) auf die glatte Muskulatur des Magen-Darm-Trakts und kann Blähungen, Krämpfe und Völlegefühl lindern. Traditionell werden Petersiliensamen als Karminativum (blähungstreibendes Mittel) eingesetzt.[6]
- Neuroprotektive Wirkung: Myristicin und Apigenin zeigen in präklinischen Studien neuroprotektive Eigenschaften. Myristicin hemmt die Monoaminoxidase (MAO) und kann dadurch stimmungsaufhellend wirken.[10] Apigenin verbesserte in Tiermodellen altersbedingte Beeinträchtigungen der motorischen Funktion und des Lernvermögens.[7]
- Chemoprotektive Wirkung: Myristicin aus Petersilienblattöl zeigte in einer Studie am Mausmodell eine hemmende Wirkung auf die Benzo[a]pyren-induzierte Tumorentstehung. Die chemoprotektive Aktivität wird auf die Induktion der Glutathion-S-Transferase zurückgeführt.[11]
Anwendungsgebiete von Petersilienöl
Petersilienöl für die Haut
Petersilienöl besitzt aufgrund seiner antioxidativen und entzündungshemmenden Inhaltsstoffe interessante Eigenschaften für die Hautpflege. Es wird stets verdünnt in einem Trägeröl angewendet:
- Anti-Aging-Pflege: Der in Petersilie enthaltene Flavonoid Apigenin schützt nachweislich vor UVA-induzierter Hautalterung. Eine Studie zeigte, dass Apigenin die Kollagenase MMP-1 hemmt, die Hautdichte und -elastizität verbessert und feine Falten reduziert.[12] Für eine antioxidative Gesichtspflege können 2–3 Tropfen ätherisches Petersilienöl mit 30 ml Hagebuttenöl oder Arganöl vermischt werden.
- Aufhellende Wirkung bei Pigmentflecken: Petersilienöl wird in der Naturkosmetik traditionell zur Aufhellung von Altersflecken und Hyperpigmentierung eingesetzt. Apigenin reguliert die Melanogenese über den Wnt-Signalweg und kann in Kombination mit anderen Wirkstoffen die Melaninproduktion reduzieren.[13]
- Bei Hautunreinheiten: Die antimikrobiellen Eigenschaften des Öls können bei leichten Hautunreinheiten unterstützend wirken. Es sollte jedoch nie unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden.
- Beruhigung gereizter Haut: Die entzündungshemmenden Bestandteile können bei Hautirritationen, leichten Ekzemen oder Insektenstichen Linderung verschaffen. Ein Tropfen in Jojobaöl verdünnt kann auf betroffene Stellen aufgetragen werden.
Wichtiger Hinweis: Petersilienöl enthält Furanocumarine (Psoralen, Bergapten), die phototoxisch wirken können. Nach dem Auftragen auf die Haut sollte direkte Sonneneinstrahlung für mindestens 12–24 Stunden vermieden werden, da es sonst zu Hautreizungen oder Pigmentstörungen kommen kann.[3]
Petersilienöl für die Haare
Petersilie wird in der Volksmedizin traditionell zur Stärkung der Haare und zur Förderung des Haarwachstums eingesetzt. Für die Haarpflege kann sowohl das verdünnte ätherische Öl als auch ein Petersilien-Aufguss verwendet werden:
- Kopfhautpflege: Die durchblutungsfördernden Eigenschaften von Apiol und Myristicin können die Nährstoffversorgung der Haarfollikel verbessern. 3–4 Tropfen ätherisches Petersilienöl, vermischt mit 2 Esslöffeln Rizinusöl, können als Kopfhautmassage angewendet werden.
- Gegen Schuppen: Die antimikrobiellen Eigenschaften können helfen, schuppenverursachende Mikroorganismen zu reduzieren. Eine Mischung aus Petersilienöl und Teebaumöl in einem Trägeröl kann hierfür verwendet werden.
- Glanzspülung: Eine Petersilien-Haarspülung lässt sich einfach herstellen, indem eine Handvoll frischer Petersilie mit kochendem Wasser übergossen und nach dem Abkühlen als letzte Spülung nach dem Waschen verwendet wird.
Petersilienöl in der Aromatherapie
In der Aromatherapie wird Petersilienöl (Blattöl) wegen seines frischen, krautigen Duftes geschätzt. Es wird in der Duftlampe oder im Diffusor verwendet und soll belebend und konzentrationsfördernd wirken. Typische Anwendungen:
- Duftlampe und Diffusor: 3–5 Tropfen ätherisches Petersilienöl in die Duftlampe oder den Diffusor geben. Der warme, würzige Duft kann die Konzentration fördern und die Raumluft erfrischen.
- Duftmischungen: Petersilienöl harmoniert gut mit Lavendelöl, Zitronenöl, Rosmarinöl, Orangenöl und Muskatellersalbeiöl.
- Badezusatz: 5–8 Tropfen ätherisches Petersilienöl, gemischt mit einem Emulgator (z. B. Sahne, Honig oder Meersalz), können dem Badewasser zugegeben werden. Ein solches Bad soll bei Müdigkeit belebend und bei Wassereinlagerungen entlastend wirken.
Petersilienöl als Massageöl
Für eine therapeutische Massage wird ätherisches Petersilienöl im Verhältnis von maximal 2–3 % mit einem Trägeröl verdünnt. Das entspricht etwa 6–9 Tropfen auf 30 ml Basisöl. Geeignete Trägeröle sind Mandelöl, Macadamiaöl oder Sesamöl. Diese Massagemischung kann bei Muskelverspannungen, Verdauungsbeschwerden (sanfte Bauchmassage im Uhrzeigersinn) oder zur allgemeinen Entspannung eingesetzt werden.
Petersilienöl für die Verdauung
Die krampflösenden und karminativen Eigenschaften von Petersilienöl können bei verschiedenen Verdauungsbeschwerden hilfreich sein:
- Blähungen und Völlegefühl: Eine sanfte Bauchmassage mit verdünntem Petersilienöl kann die Darmperistaltik anregen und Blähungen lösen. Alternativ kann Petersilientee eine milde, verträgliche Option sein.
- Krämpfe: Die spasmolytische Wirkung von Apiol kann bei Magenkrämpfen und Koliken Linderung verschaffen.[6]
- Appetitanregung: Der würzige Duft von Petersilienöl kann als Verdauungstonikum wirken und den Appetit anregen.
Bei Verdauungsbeschwerden ist Petersilientee oder die Verwendung frischer Petersilie in der Ernährung eine sichere und schonende Alternative zum konzentrierten ätherischen Öl. Auch Fenchelöl und Kamillenöl sind bewährte Mittel bei Magen-Darm-Beschwerden.
Petersilienöl bei Menstruationsbeschwerden
Petersilienöl wird in der Volksmedizin seit Jahrhunderten als Emmenagogum eingesetzt – also als Mittel zur Förderung und Regulierung der Menstruation. Die emmenagoge Wirkung wird hauptsächlich dem Inhaltsstoff Apiol zugeschrieben, der die Durchblutung des Beckens fördert und die Uterusmuskulatur stimuliert.[3]
Bei Menstruationskrämpfen kann eine sanfte Massage des Unterleibs mit verdünntem Petersilienöl (2–3 Tropfen in 15 ml Trägeröl) krampflösend wirken. Salbeiöl und Melissenöl können hierbei ergänzend eingesetzt werden.
Wichtiger Sicherheitshinweis: Aufgrund der stark durchblutungsfördernden und uteruskontrahierenden Wirkung von Apiol darf Petersilienöl in der Schwangerschaft unter keinen Umständen verwendet werden. Historisch wurde Apiol in hohen Dosen als Abortivum missbraucht, was zu schwerwiegenden Vergiftungen mit teils tödlichem Ausgang geführt hat.[14] Die innerliche Einnahme von ätherischem Petersilienöl ist grundsätzlich nicht empfohlen.
Petersilienöl gegen Mücken
Die ätherischen Öle der Petersilie besitzen insektenabwehrende Eigenschaften. Insbesondere Myristicin und Apiol zeigten in Studien eine larvizide Wirkung gegen Aedes albopictus-Mücken (Asiatische Tigermücke).[15] Für einen natürlichen Mückenschutz können 5–10 Tropfen Petersilienöl in einer Duftlampe verdampft oder in verdünnter Form auf unbedeckte Hautstellen aufgetragen werden. Die Wirkdauer ist im Vergleich zu synthetischen Repellents jedoch begrenzt und muss häufiger aufgefrischt werden. Andere ätherische Öle gegen Mücken wie Zitronengrasöl oder Eukalyptusöl können ergänzend eingesetzt werden.
Petersilienöl in der Küche
Kulinarisches Petersilienöl ist ein leuchtend grünes, aromatisches Kräuteröl, das in der gehobenen Gastronomie als vielseitiges Finish und Würzelement geschätzt wird. Sterneköche wie Alexander Herrmann verwenden es regelmäßig, um Gerichten Farbe, Frische und Geschmackstiefe zu verleihen. Die Verwendungsmöglichkeiten sind vielfältig:
- Fischgerichte: Petersilienöl ist ein klassischer Begleiter zu Kabeljau, Seezunge, Lachs und Garnelen. Es wird nicht mitgekocht, sondern erst beim Anrichten über den Fisch geträufelt, um das volle Aroma zu bewahren.
- Suppen und Eintöpfe: Ein Spritzer Petersilienöl als Finish verwandelt einfache Suppen – etwa Kartoffelsuppe, Spargelcremesuppe oder Minestrone – in ein optisch und geschmacklich anspruchsvolles Gericht.
- Gemüsegerichte: Gegrilltes oder gedämpftes Gemüse, Kartoffelgerichte, Risotto oder Pasta erhalten durch Petersilienöl eine frische, kräuterige Note.
- Vorspeisen und Salate: Als Bestandteil von Vinaigrettes oder zum Beträufeln von Carpaccio, Burrata oder Bruschetta verleiht Petersilienöl dem Teller einen professionellen Touch.
- Kombination mit Knoblauch: Petersilienöl mit Knoblauch ist eine besonders beliebte Variante. Dazu wird der Knoblauch vor dem Pürieren mit der Petersilie leicht angeschwitzt oder roh mitverarbeitet – ideal zu Pasta, gegrilltem Brot und Meeresfrüchten.
Tipp: Kulinarisches Petersilienöl sollte nicht erhitzt werden, da es sonst seine leuchtend grüne Farbe und sein frisches Aroma verliert. Es wird ausschließlich kalt als Finish verwendet.
Petersilienöl selber machen
Die Herstellung von kulinarischem Petersilienöl ist einfach und gelingt mit wenigen Zutaten. Die folgenden Rezepte eignen sich sowohl für Hobbyköche als auch für die anspruchsvolle Küche:
Grundrezept: Klassisches Petersilienöl
- Zutaten: 1 großes Bund glatte Petersilie (ca. 100 g), 150–200 ml neutrales Öl (z. B. Sonnenblumenöl, Rapsöl) oder Olivenöl (für intensiveres Aroma).
- Blanchieren: Die gewaschenen Petersilienblätter (ohne dicke Stiele) für 10–15 Sekunden in kochendes, leicht gesalzenes Wasser geben. Sofort in Eiswasser abschrecken und gründlich trockentupfen. Durch das Blanchieren behält das Öl seine leuchtend grüne Farbe deutlich länger.
- Pürieren: Die blanchierten Blätter mit dem Öl in einem Standmixer oder mit dem Stabmixer 2–3 Minuten auf höchster Stufe fein pürieren, bis eine homogene, grüne Masse entsteht.
- Filtern: Die Masse durch ein feines Sieb, ein Mulltuch oder einen Kaffeefilter in ein sauberes Glas abseihen. Für ein besonders klares Petersilienöl die Masse über Nacht im Kühlschrank durch ein feines Tuch abtropfen lassen.
- Abfüllen: Das gefilterte Öl in ein sterilisiertes, dunkles Glasfläschchen füllen und im Kühlschrank aufbewahren.
Schnelle Variante ohne Blanchieren
Für eine schnellere Zubereitung kann die Petersilie auch roh mit dem Öl püriert werden. Das Ergebnis hat einen intensiveren, leicht herben Geschmack, verliert die grüne Farbe allerdings schneller. Diese Methode eignet sich besonders, wenn das Öl zeitnah verbraucht wird.
Petersilienöl im Thermomix
Im Thermomix gelingt Petersilienöl besonders gleichmäßig: Die gewaschene und getrocknete Petersilie mit dem Öl in den Mixtopf geben und 1 Minute auf Stufe 10 pürieren. Anschließend durch ein feines Sieb passieren. Der Thermomix erzeugt dank seiner hohen Drehzahl ein besonders feines, intensiv grünes Öl.
Petersilienöl mit Knoblauch
Für die Knoblauch-Variante werden 2–3 Knoblauchzehen geschält und gemeinsam mit der Petersilie und dem Öl püriert. Wer es milder mag, kann den Knoblauch zuvor in etwas Öl kurz anschwitzen und abkühlen lassen, bevor er mit der Petersilie verarbeitet wird.
Schnittlauch-Petersilienöl
Eine beliebte Variante ist die Kombination aus Petersilie und Schnittlauch. Dabei werden je zur Hälfte frische Petersilie und Schnittlauch mit Öl püriert. Das Ergebnis ist ein noch komplexeres Kräuteröl mit leicht zwiebeliger Note, das sich hervorragend zu Kartoffelgerichten und Eierspeisen eignet. Wer Kräuteröle selber machen möchte, findet in unserem ausführlichen Ratgeber weitere Rezeptideen.
Welches Öl eignet sich am besten? Ein neutrales Sonnenblumenöl oder Rapsöl lässt das Petersilienaroma besonders gut zur Geltung kommen. Olivenöl verleiht dem Petersilienöl zusätzlich eine fruchtige Note, kann aber den feinen Kräutergeschmack überlagern. Traubenkernöl ist eine gute Wahl für ein besonders mildes, elegantes Ergebnis.
Haltbarkeit und Lagerung von Petersilienöl
Die Haltbarkeit von Petersilienöl hängt maßgeblich vom Typ ab:
Ätherisches Petersilienöl
- Ungeöffnet: Ätherisches Petersilienöl ist bei sachgemäßer Lagerung in der Regel 3–5 Jahre haltbar.
- Nach dem Öffnen: Nach dem Öffnen sollte es innerhalb von 1–2 Jahren verbraucht werden, da die flüchtigen Aromastoffe mit der Zeit nachlassen.
- Lagerung: Kühl (unter 25 °C), dunkel und in einer gut verschlossenen Braunglasflasche aufbewahren. Vor Sonnenlicht und Wärme schützen.
Kulinarisches Petersilienöl
- Im Kühlschrank: Frisch zubereitetes kulinarisches Petersilienöl hält sich im Kühlschrank in einem verschlossenen Glas etwa 5–7 Tage. Die blanchierte Variante behält die Farbe etwas länger als die Rohvariante.
- Einfrieren: Kulinarisches Petersilienöl lässt sich hervorragend einfrieren – am besten portionsweise in Eiswürfelformen. So ist es bis zu 3 Monate haltbar und kann bei Bedarf einzeln entnommen werden.
- Haltbar machen: Durch das Blanchieren der Petersilie vor dem Pürieren wird das Enzym Chlorophyllase inaktiviert, was die grüne Farbe wesentlich länger erhält. Zudem kann ein Spritzer Zitronensaft die Oxidation verzögern.
Woran erkennt man verdorbenes Petersilienöl? Kulinarisches Petersilienöl, das sich bräunlich verfärbt hat, muffig oder ranzig riecht, sollte nicht mehr verwendet werden. Beim ätherischen Öl deutet ein zunehmend stechender oder unangenehmer Geruch auf Oxidation hin. Allgemeine Hinweise zur richtigen Entsorgung von Speiseöl finden Sie in unserem entsprechenden Ratgeber.
Dosierung und Einnahme von Petersilienöl
Die richtige Dosierung ist bei ätherischem Petersilienöl besonders wichtig, da Apiol und Myristicin in hohen Dosen toxisch wirken können. Folgende Richtwerte gelten für die verschiedenen Anwendungsarten:
- Äußerliche Anwendung (Hautpflege, Massage): Maximal 2–3 % Verdünnung im Trägeröl, das entspricht etwa 6–9 Tropfen ätherisches Öl auf 30 ml Basisöl.
- Aromatherapie (Duftlampe, Diffusor): 3–5 Tropfen pro Anwendung, Raum gut lüften.
- Badezusatz: 5–8 Tropfen, vermischt mit einem Emulgator (Sahne, Honig, Meersalz), ins warme Badewasser geben.
- Innerliche Einnahme: Die orale Einnahme von ätherischem Petersilienöl wird nicht empfohlen. Das reine ätherische Öl ist in höheren Dosen toxisch. Wer die gesundheitlichen Vorteile der Petersilie nutzen möchte, sollte auf frische Petersilie, Petersilientee oder standardisierte Petersilienextrakt-Kapseln aus der Apotheke zurückgreifen.
Für das kulinarische Petersilienöl (Kräuteröl) gibt es keine strengen Dosierungsvorgaben – es wird nach Geschmack verwendet, typischerweise 1–2 Teelöffel als Finish pro Portion.
Petersilienöl Nebenwirkungen
Toxizität von Apiol und Myristicin
Ätherisches Petersilienöl ist in konzentrierter Form potenziell toxisch. Die Hauptwirkstoffe Apiol und Myristicin können bei Überdosierung schwere Nebenwirkungen verursachen:[14]
- Apiol: In therapeutischen Dosen wirkt Apiol als Emmenagogum und Diuretikum. In übermäßiger Dosierung (mehr als 10 Tropfen reines ätherisches Öl pro Tag) kann es zu Lebertoxizität, Nierenschäden, Kreislaufversagen und in schweren Fällen zum Tod führen. Historisch dokumentierte Vergiftungsfälle stehen im Zusammenhang mit dem Missbrauch als Abortivum.[14]
- Myristicin: In hohen Dosen wirkt Myristicin auf das zentrale Nervensystem und kann Halluzinationen, Übelkeit, Schwindel und Krampfanfälle auslösen. Die psychoaktive Wirkung von Myristicin ist auch aus der Muskatnuss bekannt.[16]
Die normale Verwendung von frischer Petersilie als Küchenkraut oder von kulinarischem Petersilienöl ist unbedenklich und nicht mit diesen Risiken verbunden. Die Toxizität betrifft ausschließlich das konzentrierte ätherische Öl oder isolierte Wirkstoffe in hoher Dosierung.
Phototoxizität
Petersilienöl enthält Furanocumarine (Psoralen, Bergapten, Xanthotoxin), die bei Kontakt mit UV-Licht phototoxische Reaktionen auslösen können. Symptome können Hautrötungen, Blasenbildung und langfristige Pigmentveränderungen umfassen. Nach der äußerlichen Anwendung von Petersilienöl sollte direkte Sonneneinstrahlung für mindestens 12–24 Stunden vermieden werden.[3]
Kontraindikationen
- Schwangerschaft und Stillzeit: Ätherisches Petersilienöl ist in der Schwangerschaft streng kontraindiziert, da es uteruskontrahierend wirkt und eine Fehlgeburt auslösen kann.[14] Auch während der Stillzeit sollte die Anwendung vermieden werden.
- Nieren- und Lebererkrankungen: Bei bestehenden Nieren- oder Lebererkrankungen sollte auf die Anwendung von ätherischem Petersilienöl verzichtet werden.
- Kinder: Ätherisches Petersilienöl sollte bei Kindern unter 6 Jahren nicht angewendet werden.
- Wechselwirkungen mit Medikamenten: Myristicin hemmt die Monoaminoxidase (MAO) und sollte daher nicht in Kombination mit MAO-Hemmern oder SSRI-Antidepressiva eingenommen werden, da dies zu einer gefährlichen Serotonin-Erhöhung führen kann.[16]
- Allergien: Personen mit bekannter Allergie gegen Doldenblütler (Apiaceae) – wie Sellerie, Karotten, Fenchel, Anis oder Koriander – sollten Petersilienöl mit Vorsicht verwenden und zuvor einen Allergietest durchführen.
Petersilienöl kaufen – Worauf sollte man achten?
Beim Kauf von Petersilienöl sollten Sie zunächst klären, ob Sie ätherisches Petersilienöl (für Aromatherapie, Hautpflege, Naturheilkunde) oder kulinarisches Petersilienöl (für die Küche) benötigen:
Ätherisches Petersilienöl kaufen
- Reinheit und Qualität: Achten Sie auf 100 % naturreines, ätherisches Öl ohne synthetische Zusätze. Der botanische Name Petroselinum crispum sollte auf dem Etikett angegeben sein, ebenso der verwendete Pflanzenteil (Samen oder Blatt) und das Gewinnungsverfahren (Wasserdampfdestillation).
- Bio-Qualität: Bio-zertifiziertes Petersilienöl garantiert den Anbau ohne chemische Pestizide, was bei ätherischen Ölen besonders relevant ist, da Schadstoffe bei der Destillation konzentriert werden können.
- Herkunft: Hochwertiges Petersilienöl stammt häufig aus Frankreich, Ungarn, den Niederlanden oder dem Mittelmeerraum.
- Verpackung: Ätherische Öle sollten stets in Braun- oder Blauglasflaschen mit Tropfeinsatz angeboten werden, um die empfindlichen Inhaltsstoffe vor Lichteinwirkung zu schützen.
- Bezugsquellen: Ätherisches Petersilienöl ist in Apotheken, Reformhäusern, spezialisierten Aromatherapie-Shops und online erhältlich. In Drogerien wie dm oder Rossmann ist es seltener vorrätig als gängigere ätherische Öle.
Kulinarisches Petersilienöl kaufen
Fertiges kulinarisches Petersilienöl ist in Feinkostläden, bei spezialisierten Online-Händlern und in gut sortierten Supermärkten erhältlich. Achten Sie auf natürliche Inhaltsstoffe ohne künstliche Aromen oder Konservierungsstoffe. Da die Herstellung einfach ist und das Ergebnis am frischesten schmeckt, empfiehlt es sich jedoch, kulinarisches Petersilienöl selber zu machen.
Petersilienöl-Kapseln
In Apotheken und Reformhäusern sind auch Petersilienöl-Kapseln als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Diese enthalten standardisierte Extrakte aus Petersiliensamen und werden vor allem zur Unterstützung der Blasen- und Nierenfunktion sowie bei Wassereinlagerungen angeboten. Die Dosierung sollte stets gemäß der Packungsangabe erfolgen – bei Unsicherheiten ist eine ärztliche Beratung empfehlenswert.
Quellen
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- Ferrara, L., Ferrara, F., Moretti, R., et al. (2025). The flavonoids and oil composition of parsley [Petroselinum crispum (Mill) Nyman] fruits. Journal of Food Composition and Analysis, 139, 107095. doi:10.1016/j.jfca.2025.107095
- Farzaei, M. H., Abbasabadi, Z., Ardekani, M. R. S., Rahimi, R., & Farzaei, F. (2013). Parsley: a review of ethnopharmacology, phytochemistry and biological activities. Journal of Traditional Chinese Medicine, 33(6), 815–826. doi:10.1016/S0254-6272(14)60018-2
- El-Hadary, A. E., & Ramadan Hassanien, M. F. (2021). Antioxidant Potential of Parsley Leaf (Petroselinum crispum) Essential Oil on Hypothyroidism and Testicular Injury in Mice Intoxicated by Carbon Tetrachloride. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2021, 1907570. doi:10.1155/2021/1907570
- Rhazi, N., Oumam, M., Hannache, H., & Sekkate, C. (2024). Petroselinum crispum L., essential oil as promising source of bioactive compounds, antioxidant, antimicrobial activities: In vitro and in silico predictions. Heliyon, 10(8), e29552. doi:10.1016/j.heliyon.2024.e29552
- Bahramsoltani, R., Ahmadian, R., Daglia, M., & Rahimi, R. (2024). Petroselinum crispum (Mill.) fuss (parsley): an updated review of the traditional uses, phytochemistry, and pharmacology. Journal of Agricultural and Food Chemistry, 72(2), 956–972. doi:10.1021/acs.jafc.3c06429
- Salehi, B., Venditti, A., Sharifi-Rad, M., et al. (2019). The Therapeutic Potential of Apigenin. International Journal of Molecular Sciences, 20(6), 1305. doi:10.3390/ijms20061305
- Shankar, E., Goel, A., Gupta, K., & Gupta, S. (2017). Plant flavone apigenin: An emerging anticancer agent. Current Pharmacology Reports, 3(6), 423–446. doi:10.1007/s40495-017-0113-2
- Nutraceutical potential of parsley (Petroselinum crispum Mill.): Comprehensive overview. (2025). Italian Journal of Food Science, 37(1), 1–23. doi:10.15586/ijfs.v37i1.2806
- Ramírez-Alarcón, K., Martorell, M., Gürer, E. S., et al. (2023). Myristicin: from its biological effects in traditional medicine in plants to preclinical studies and use as ecological remedy in plant protection. eFood, 4, e90. doi:10.1002/efd2.90
- Zheng, G., Kenney, P. M., Zhang, J., & Lam, L. K. T. (1992). Inhibition of benzo[a]pyrene-induced tumorigenesis by myristicin, a volatile aroma constituent of parsley leaf oil. Journal of Agricultural and Food Chemistry, 40(1), 107–110. doi:10.1021/jf00013a020
- Choi, S., Youn, J., Kim, K., et al. (2016). Apigenin inhibits UVA-induced cytotoxicity in vitro and prevents signs of skin aging in vivo. International Journal of Molecular Medicine, 38(2), 627–634. doi:10.3892/ijmm.2016.2626
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