Myrrheöl

Zuletzt aktualisiert: 18.02.26

Myrrheöl ist ein wertvolles ätherisches Öl, das aus dem Harz des Myrrhebaums (Commiphora myrrha) gewonnen wird. Seit Jahrtausenden zählt Myrrhe zu den geschätztesten Naturheilmitteln der Menschheitsgeschichte – im alten Ägypten wurde sie zur Einbalsamierung und als Räuchermittel verwendet, im biblischen Kontext gehörte sie neben Gold und Weihrauch zu den Gaben der Heiligen Drei Könige, und in der traditionellen chinesischen Medizin sowie im Ayurveda wird sie bis heute zur Behandlung von Entzündungen, Wunden und Schmerzen eingesetzt.

Das ätherische Myrrheöl wird durch Wasserdampfdestillation aus dem getrockneten Oleo-Gummi-Harz gewonnen und besitzt einen charakteristischen warmen, rauchig-erdigen und leicht bitteren Duft. Es enthält eine Vielzahl bioaktiver Verbindungen, darunter Sesquiterpene, Furanosesquiterpenoide und Terpenoide, die für seine entzündungshemmenden, antimikrobiellen und antioxidativen Eigenschaften verantwortlich sind.[1]

Myrrheöl – ätherisches Myrrheöl und Myrrheharz

In diesem Ratgeber erfahren Sie alles Wissenswerte über Gewinnung, Inhaltsstoffe, Wirkung, Anwendungsgebiete, Dosierung und mögliche Nebenwirkungen von Myrrheöl – wissenschaftlich fundiert und mit aktuellen Studien belegt.

Warum ist Myrrheöl so besonders?

Myrrheöl gehört zu den ältesten dokumentierten Heilmitteln der Menschheit. Die Gründe für seine seit Jahrtausenden anhaltende Wertschätzung sind vielfältig:

  • Lange Tradition: Myrrhe wurde bereits vor über 3.000 Jahren im alten Ägypten, in Mesopotamien und im antiken Griechenland medizinisch und rituell verwendet. Griechische Soldaten trugen Myrrhe auf dem Schlachtfeld zur Wundversorgung bei sich. In der Europäischen Pharmakopöe ist Myrrhe bis heute als pflanzliches Arzneimittel monographiert.
  • Wissenschaftlich belegte Wirkung: Moderne Forschung bestätigt die antimikrobiellen, entzündungshemmenden und wundheilungsfördernden Eigenschaften von Myrrhe und ihrem ätherischen Öl.[2] Insbesondere die Furanosesquiterpenoide Furanoeudesma-1,3-dien und Curzerene sind für die schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung maßgeblich verantwortlich.[3]
  • Vielseitige Anwendung: Ob in der Aromatherapie, als Bestandteil von Mundspülungen, in der Hautpflege oder als Massageöl – Myrrheöl lässt sich auf vielfältige Weise einsetzen und mit anderen ätherischen Ölen wie Weihrauchöl oder Lavendelöl kombinieren.

Gewinnung von Myrrheöl

Herkunft und Ernte

Der Myrrhebaum (Commiphora myrrha) gehört zur Familie der Balsambaumgewächse (Burseraceae) und wächst in den Trockengebieten Ostafrikas und der Arabischen Halbinsel – insbesondere in Somalia, Äthiopien, Kenia, Oman und dem Jemen. Der Name „Myrrhe" leitet sich vom arabischen Wort „murr" ab, was „bitter" bedeutet.

Zur Gewinnung des Harzes werden Einschnitte in die Rinde des Baumes gemacht. Das austretende Oleo-Gummi-Harz trocknet an der Luft zu tränenförmigen, rötlich-braunen Harzklumpen, die anschließend gesammelt werden. In seiner natürlichen Zusammensetzung besteht Myrrheharz aus etwa 2–8 % flüchtigem Öl (Myrrhol), 23–40 % Harz (Myrrhin) und 40–60 % Gummi.[1]

Destillationsverfahren

Das ätherische Myrrheöl wird durch Wasserdampfdestillation aus dem getrockneten Harz gewonnen. Bei diesem Verfahren wird das Harz zerkleinert, mit Wasserdampf erhitzt und die flüchtigen Bestandteile aufgefangen. Das resultierende Öl ist gelblich bis orangefarben, besitzt eine leicht viskose Konsistenz und einen unverwechselbaren warm-rauchigen Duft mit bitteren und erdigen Noten.

Die Ausbeute an ätherischem Öl liegt typischerweise bei etwa 2–8 % des Harzgewichts, was Myrrheöl zu einem relativ kostbaren ätherischen Öl macht. Die Qualität des Öls hängt wesentlich von der Herkunft des Harzes, dem Erntezeitpunkt und der Destillationstechnik ab.

Qualitätsunterschiede

Bei Myrrheöl gibt es deutliche Qualitätsunterschiede, die vom Ausgangsmaterial, der Reinheit und dem Herstellungsverfahren abhängen:

  • 100 % reines ätherisches Myrrheöl: Wird ausschließlich durch Wasserdampfdestillation aus echtem Commiphora myrrha-Harz gewonnen und enthält keine synthetischen Zusätze oder Streckmittel.
  • Bio-Qualität: Garantiert, dass das Harz aus Wildsammlung oder ökologischem Anbau stammt und ohne chemische Rückstände verarbeitet wurde.
  • Myrrhe-Absolue: Ein durch Lösungsmittelextraktion gewonnenes Extrakt, das in der Parfümerie verwendet wird und eine andere Zusammensetzung als das dampfdestillierte Öl aufweist.
  • Commiphora-Art: Es gibt verschiedene Commiphora-Arten. Das hochwertigste Myrrheöl stammt von Commiphora myrrha (synonym: C. molmol). Andere Arten wie C. guidottii (Duftmyrrhe) oder C. erythraea (Opopanax) haben ein abweichendes chemisches Profil.

Myrrheöl Inhaltsstoffe

Die chemische Zusammensetzung von Myrrheöl ist komplex und umfasst über 300 identifizierte organische Verbindungen. Die Hauptbestandteile des ätherischen Öls sind Sesquiterpene und Furanosesquiterpenoide, die maßgeblich für die therapeutischen Eigenschaften verantwortlich sind.[3]

Myrrheöl – Hauptinhaltsstoffe
Die wichtigsten Verbindungen im ätherischen Myrrheöl:
InhaltsstoffAnteil (ca.)
Curzereneca. 35–40 %
Furanoeudesma-1,3-dienca. 15–20 %
β-Elemenca. 6–9 %
Lindestreneca. 3–6 %
α-Copaenca. 1–3 %
Germacren Bca. 1–3 %
α-Humulenca. 1–2 %
Eugenolca. 1–2 %
CuminaldehydSpuren
α-Pinen, β-Pinen, LimonenSpuren

Die beiden dominierenden Verbindungen Curzerene und Furanoeudesma-1,3-dien gehören zur Gruppe der Furanosesquiterpenoide und sind charakteristisch für das Genus Commiphora.[3] Furanoeudesma-1,3-dien wird für die schmerzlindernden Eigenschaften von Myrrheöl verantwortlich gemacht, während Curzerene entzündungshemmend und antioxidativ wirkt. Darüber hinaus enthält das Harz selbst Triterpene, Steroide und Phenolverbindungen wie Protocatechusäure, die in Kombination das breite Wirkungsspektrum der Myrrhe erklären.[4]

Wirkung von Myrrheöl

Die wissenschaftliche Forschung bestätigt zahlreiche therapeutische Wirkungen von Myrrheöl und Myrrhe-Extrakten. Die Wirkungen beruhen auf dem Zusammenspiel der verschiedenen bioaktiven Verbindungen, insbesondere der Sesquiterpenoide, Furanosesquiterpenoide und phenolischen Verbindungen:

  • Antimikrobielle Wirkung: Myrrheöl besitzt eine nachgewiesene Wirksamkeit gegen verschiedene Bakterien, darunter auch multiresistente Stämme. Eine Studie zeigte, dass das ätherische Öl von C. molmol über 99,999 % der getesteten Staphylococcus aureus- und Pseudomonas aeruginosa-Zellen innerhalb von 2 Stunden abtöten konnte.[5] Auch gegen Candida albicans und weitere pathogene Pilze zeigte Myrrhe eine wirksame antimykotische Aktivität.[6]
  • Entzündungshemmende Wirkung: Myrrhe hemmt entzündungsfördernde Mediatoren wie Stickstoffmonoxid, Prostaglandin E2 (PGE2) und Tumornekrosefaktor-α (TNF-α). Diese Wirkung wurde sowohl in vitro als auch in Tiermodellen nachgewiesen.[7] Eine umfassende Übersichtsarbeit aus 2022 bestätigte das entzündungshemmende und wundheilungsfördernde Potenzial von Myrrhe-Extrakten.[2]
  • Schmerzlindernde Wirkung: Die Verbindung Furanoeudesma-1,3-dien im Myrrheöl besitzt analgetische Eigenschaften, die in Studien zur Linderung von Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Rückenschmerzen beitrugen. Eine dreiarmige randomisierte kontrollierte Studie aus 2023 zeigte, dass Massagen mit Weihrauch- und Myrrheöl chronische Rückenschmerzen signifikant lindern konnten.[8]
  • Antioxidative Wirkung: Myrrhe-Extrakte wirken als starke Antioxidantien, die freie Radikale neutralisieren und oxidativen Stress reduzieren. Eine Studie im Journal of Food and Chemical Toxicology beschrieb Myrrhe als „starkes Antioxidans", das vor oxidativen Leberschäden schützen kann.[9]
  • Antitumorale Wirkung: In Laborstudien zeigte Myrrheöl hemmende Wirkung auf das Wachstum verschiedener Krebszelllinien, darunter Leber-, Prostata-, Brust- und Hautkrebszellen. Insbesondere Triterpene aus Myrrhe wiesen in vitro zytotoxische Aktivität gegen Zervixkarzinomzellen (HeLa) auf.[4] Diese Ergebnisse sind vielversprechend, bedürfen jedoch weiterer klinischer Studien am Menschen.
  • Wundheilungsfördernde Wirkung: Myrrhe fördert die Wundheilung durch Stimulation der Leukozytenproduktion und -migration zur Verletzungsstelle. Eine aktuelle Studie aus 2025 bestätigte die antimikrobiellen und wundheilungsfördernden Eigenschaften von Myrrhe-Harzextrakt, wobei der Ethylacetat-Extrakt eine besonders hohe antimikrobielle Wirksamkeit mit einer 23-mm-Hemmzone gegen Klebsiella pneumoniae aufwies.[6]

Anwendungsgebiete von Myrrheöl

Myrrheöl in der Aromatherapie

In der Aromatherapie gehört Myrrheöl zu den „Basisnoten" – es verdunstet langsam und verleiht Duftmischungen Tiefe und Wärme. Der erdige, rauchige Duft wirkt erdend, beruhigend und meditativ. Die Sesquiterpene im Myrrheöl beeinflussen das emotionale Zentrum im Gehirn (Hypothalamus) und können helfen, innere Ruhe und Ausgeglichenheit zu fördern.

  1. Diffuser: 3–5 Tropfen Myrrheöl in einem Aroma-Diffuser verbreiten einen warmen, beruhigenden Raumduft. Besonders abends kann dies die Entspannung vor dem Schlafengehen fördern.
  2. Duftmischungen: Myrrheöl harmoniert besonders gut mit Weihrauchöl, Sandelholzöl, Lavendelöl, Orangenöl und Zedernöl. Die Kombination aus Myrrhe und Weihrauch gilt als klassische Duftverbindung mit synergistischer Wirkung.
  3. Meditation und Yoga: Myrrheöl wird seit Jahrtausenden in spirituellen Ritualen und Meditationspraktiken verwendet. Einige Tropfen im Diffuser können die Konzentration und innere Sammlung unterstützen.
  4. Stimmungsaufhellung: Bei Niedergeschlagenheit kann der warme Duft von Myrrheöl dazu beitragen, die Stimmung zu heben und ein Gefühl der Geborgenheit zu erzeugen.

Myrrheöl für die Haut

Myrrheöl ist ein bewährtes Naturmittel in der Hautpflege. Seine entzündungshemmenden, antimikrobiellen und antioxidativen Eigenschaften machen es besonders wertvoll für gereizte, reife oder geschädigte Haut.

  1. Anti-Aging: Die antioxidativen Verbindungen im Myrrheöl helfen, oxidativen Stress zu bekämpfen und können vorzeitiger Hautalterung entgegenwirken. Im alten Ägypten wurde Myrrhe bereits als Anti-Aging-Mittel eingesetzt.
  2. Rissige und trockene Haut: Myrrheöl, verdünnt in einem Trägeröl wie Jojobaöl oder Mandelöl, pflegt raue, rissige Haut und unterstützt die Regeneration der Hautbarriere.
  3. Ekzeme und Neurodermitis: Aufgrund seiner entzündungshemmenden Wirkung kann verdünntes Myrrheöl begleitend bei entzündlichen Hauterkrankungen eingesetzt werden.
  4. Hautpilz und Hautinfektionen: Die antimykotische Wirkung von Myrrheöl kann bei Hautpilzinfektionen wie Ringelflechte oder Fußpilz unterstützend helfen. Auch eine Kombination mit Teebaumöl kann sinnvoll sein.[10]
  5. Akne und unreine Haut: Dank seiner adstringierenden und antimikrobiellen Eigenschaften kann Myrrheöl in geringer Dosierung zur Pflege von Akne-geplagter Haut beitragen.

Wichtig: Myrrheöl darf als ätherisches Öl niemals pur auf die Haut aufgetragen werden. Es muss immer in einem Trägeröl verdünnt werden (empfohlen: 1–2 Tropfen Myrrheöl auf 10 ml Trägeröl). Vor der ersten Anwendung sollte ein Verträglichkeitstest in der Armbeuge durchgeführt werden.

Myrrheöl für die Haare

In der natürlichen Haarpflege kann Myrrheöl durch seine adstringierenden und feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften unterstützen:

  1. Kopfhautpflege: Die antimikrobielle und entzündungshemmende Wirkung kann helfen, eine gereizte oder schuppende Kopfhaut zu beruhigen. Mischen Sie 2–3 Tropfen Myrrheöl in Ihr Shampoo oder in ein Kopfhaut-Öl mit Arganöl.
  2. Haarwurzeln stärken: Die adstringierende Wirkung von Myrrheöl kann die Haarwurzeln kräftigen und dadurch Haarausfall verringern, obwohl die wissenschaftliche Evidenz hierzu noch begrenzt ist.
  3. Schuppen: Aufgrund der antifungalen Eigenschaften kann Myrrheöl bei Schuppen, die durch Pilzbefall verursacht werden, unterstützend wirken.

Myrrheöl für die Mundgesundheit

Die Mundgesundheit ist eines der am besten erforschten Anwendungsgebiete von Myrrhe. Zahlreiche Studien belegen die Wirksamkeit bei verschiedenen oralen Beschwerden:

  1. Zahnfleischentzündungen (Gingivitis): Mundspülungen mit Myrrhe können Plaque reduzieren und Zahnfleischentzündungen lindern. Eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie aus 2019 bestätigte die Wirksamkeit von Myrrhe-Mundspülung bei Plaque und Gingivitis.[11]
  2. Wundheilung nach Zahnextraktionen: Eine randomisierte klinische Studie zeigte, dass Myrrhe-Mundspülung die Wundheilung nach Zahnextraktionen beschleunigen kann, indem sie die Entzündungsreaktion moduliert und antimikrobiell wirkt.[12]
  3. Aphten und Mundgeschwüre: Myrrhe kann bei Aphten und anderen Mundschleimhautläsionen Schmerzen lindern und die Heilung fördern. In einer Studie verbesserte eine Myrrhe-Mundspülung bei über 80 % der Patienten die Symptome.[11]
  4. Mundgeruch: Die antimikrobielle Wirkung hilft, geruchsverursachende Bakterien zu reduzieren. Myrrhe ist in vielen natürlichen Zahnpasten und Mundwässern als Wirkstoff enthalten.
  5. Ergänzung zum Ölziehen: Myrrheöl kann in geringer Dosierung (1 Tropfen) einem Trägeröl wie Kokosöl beim Ölziehen zugefügt werden, um die antimikrobielle Wirkung zu verstärken.

Hinweis: Myrrhe-Mundspülungen dürfen nicht geschluckt werden, da die Einnahme von ätherischem Myrrheöl in größeren Mengen toxisch wirken kann. Nach Mundoperationen mit Nähten sollte auf Myrrhe-Mundspülungen verzichtet werden, da Myrrhe die Degradation von Seidennahtmaterial beschleunigen kann.

Myrrheöl zur Wundheilung

Die wundheilungsfördernde Wirkung von Myrrhe ist historisch und wissenschaftlich gut dokumentiert. Im antiken Griechenland trugen Soldaten Myrrhe ins Feld, um Kampfwunden zu behandeln.

Moderne Studien bestätigen diesen traditionellen Einsatz: Myrrhe stimuliert die Produktion und Migration von weißen Blutkörperchen (Leukozyten) zur Wundstelle und fördert dadurch die Immunabwehr und den Heilungsprozess.[13] Eine Studie zeigte, dass die topische Anwendung von Myrrheöl die Epithelisierung beschleunigte und die Kollagenfaser-Remodellierung deutlich verbesserte.[14]

Für die Wundpflege wird Myrrheöl in verdünnter Form (in einem Trägeröl oder als Bestandteil einer Salbe) auf kleinere Verletzungen, Schnitte oder Abschürfungen aufgetragen. Die antimikrobielle Wirkung kann zusätzlich das Infektionsrisiko senken.

Myrrheöl als Massageöl

In der Aromatherapie-Massage ist Myrrheöl aufgrund seiner schmerzlindernden und muskelentspannenden Eigenschaften beliebt. Eine randomisierte kontrollierte Studie zeigte, dass Massagen mit einer Mischung aus Myrrhe- und Weihrauchöl bei chronischen Rückenschmerzen zu einer signifikanten Schmerzreduktion führten.[8]

Für ein Massageöl mischen Sie 3–5 Tropfen Myrrheöl mit 20 ml eines Trägeröls wie Macadamiaöl, Mandelöl oder Jojobaöl. Besonders bei Muskelverspannungen, Gelenkbeschwerden und rheumatischen Schmerzen kann diese Anwendung wohltuend wirken.

Myrrheöl gegen Schmerzen

Die schmerzlindernde Wirkung von Myrrheöl wird insbesondere der Verbindung Furanoeudesma-1,3-dien zugeschrieben. Studien zeigen, dass Myrrhe-Extrakte Schmerzmediatoren hemmen und die Schmerzwahrnehmung reduzieren können. Myrrheöl wird traditionell bei folgenden Beschwerden eingesetzt:

  • Kopfschmerzen und Migräne (verdünnt auf die Schläfen auftragen oder im Diffuser verwenden)
  • Gelenkschmerzen und Arthritis (als Bestandteil eines Massageöls)
  • Muskelschmerzen und Rückenschmerzen[8]
  • Entzündungsbedingte Schmerzen

Myrrheöl bei Erkältung

Myrrheöl besitzt schleimlösende (expektorierende) und antiseptische Eigenschaften, die bei Erkältungsbeschwerden hilfreich sein können:

  1. Inhalation: 2–3 Tropfen Myrrheöl in eine Schüssel mit heißem Wasser geben und den Dampf unter einem Handtuch inhalieren. Dies kann helfen, Verschleimungen in den Atemwegen zu lösen und die Nasenatmung zu erleichtern.
  2. Brustbalsam: Mischen Sie 2 Tropfen Myrrheöl mit 2 Tropfen Eukalyptusöl in 15 ml Trägeröl und massieren Sie die Mischung auf Brust und Rücken ein.
  3. Raumbeduftung: Myrrheöl im Diffuser kann die Raumluft reinigen und die Atemwege unterstützen – besonders in Kombination mit Pfefferminzöl oder Thymianöl.

Myrrhe und Weihrauch – eine synergistische Kombination

Die Kombination von Myrrhe (Commiphora myrrha) und Weihrauch (Boswellia sacra) hat eine jahrtausendealte Tradition – sowohl in religiösen Ritualen als auch in der traditionellen chinesischen Medizin, wo sie als Arzneimittelpaar gemeinsam verordnet werden. Moderne Forschung zeigt, dass diese Kombination mehr ist als die Summe ihrer Teile.

Eine Studie in Molecules untersuchte die chemischen Veränderungen, die bei der Kombination von Weihrauch und Myrrhe auftreten. Die Ergebnisse zeigten, dass sich bei der Mischung im Verhältnis 1:1 die Konzentration bestimmter bioaktiver Terpenoide signifikant erhöht, während andere Verbindungen abnehmen – es entstehen sogar neue Substanzen, die in den Einzelharzen nicht vorkommen.[15]

Die synergistische antimikrobielle Wirkung der Kombination wurde in einer Studie von De Rapper et al. (2012) bestätigt: Die Mischung beider Öle war in vielen Fällen wirksamer gegen Krankheitserreger als jedes Öl allein.[16]

Für die praktische Anwendung können Myrrheöl und Weihrauchöl zu gleichen Teilen in einem Trägeöl gemischt und als Massage-, Haut- oder Inhalationsöl verwendet werden.

Dosierung und Anwendung von Myrrheöl

Myrrheöl wird ausschließlich äußerlich oder durch Inhalation angewendet. Die orale Einnahme von reinem ätherischem Myrrheöl wird aufgrund potenzieller Toxizität nicht empfohlen. Folgende Dosierungsrichtlinien gelten für die wichtigsten Anwendungsformen:

  • Aromatherapie (Diffuser): 3–5 Tropfen Myrrheöl in einem Wasser-Diffuser für Räume bis 20 m². Nicht länger als 30–60 Minuten am Stück diffusen.
  • Topische Anwendung: 1–2 Tropfen Myrrheöl auf 10 ml Trägeröl (z. B. Jojobaöl, Mandelöl, Kokosöl). Dies entspricht einer Verdünnung von ca. 1–2 %.
  • Massage: 3–5 Tropfen Myrrheöl auf 20 ml Trägeröl. Für eine intensivere Wirkung kann mit Weihrauchöl oder Lavendelöl kombiniert werden.
  • Badezusatz: 3–5 Tropfen Myrrheöl in einem Emulgator (z. B. Sahne, Honig oder Meersalz) auflösen und dem Badewasser zufügen. Myrrheöl ist nicht wasserlöslich und muss immer emulgiert werden.
  • Mundspülung: Fertige Myrrhe-Mundspülungen aus der Apotheke verwenden. Bei Eigenherstellung: maximal 1 Tropfen in ein Glas warmes Wasser – nicht schlucken.
  • Inhalation: 2–3 Tropfen in eine Schüssel mit heißem (nicht kochendem) Wasser für eine Dampfinhalation.

Grundregel: Beginnen Sie stets mit einer geringen Dosierung und steigern Sie bei Bedarf. Bei Unsicherheiten oder bestehenden Vorerkrankungen sollte vor der Anwendung ein Arzt, eine Ärztin oder ein qualifizierter Aromatherapeut konsultiert werden.

Myrrheöl Nebenwirkungen und Sicherheitshinweise

Toxizität bei oraler Einnahme

Die Einnahme von reinem ätherischem Myrrheöl kann toxisch wirken. Bekannte Risiken umfassen Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien), Magenbeschwerden und bei hohen Dosen eine Belastung der Nieren und Leber. Ätherisches Myrrheöl sollte daher ausschließlich äußerlich oder inhalativ angewendet werden.[17]

Schwangerschaft und Stillzeit

Myrrheöl ist in der Schwangerschaft kontraindiziert. Myrrhe kann die Gebärmuttermuskulatur stimulieren und Kontraktionen auslösen, was das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen kann. Auch während der Stillzeit sollte auf Myrrheöl verzichtet werden, da keine ausreichenden Sicherheitsdaten vorliegen.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Myrrhe kann mit bestimmten Medikamenten interagieren:

  • Blutverdünner (Antikoagulantien): Myrrhe kann die Wirkung von Blutverdünnern wie Warfarin verstärken und das Blutungsrisiko erhöhen.
  • Diabetes-Medikamente: Myrrhe kann den Blutzuckerspiegel senken. Bei gleichzeitiger Einnahme von Antidiabetika besteht das Risiko einer Hypoglykämie.
  • Lebermetabolisierte Medikamente: Myrrhe kann die Leberenzyme beeinflussen, die für den Abbau bestimmter Medikamente verantwortlich sind.

Allergische Reaktionen

In seltenen Fällen kann Myrrheöl eine allergische Kontaktdermatitis auslösen. Vor der ersten Anwendung sollte immer ein Patch-Test durchgeführt werden: Tragen Sie eine verdünnte Lösung auf die Armbeuge auf und warten Sie 24 Stunden. Bei Rötung, Juckreiz oder Schwellung sollte von der Anwendung abgesehen werden.

Anwendung bei Kindern

Bei Kindern unter 6 Jahren sollte Myrrheöl nur nach Rücksprache mit einem Kinderarzt angewendet werden. Die Dosierung muss deutlich reduziert werden (maximal 1 Tropfen auf 20 ml Trägeröl).

Myrrheöl kaufen – Worauf sollte man achten?

Beim Kauf von Myrrheöl gibt es einige wichtige Qualitätskriterien, die die Wirksamkeit und Sicherheit des Produkts bestimmen:

  1. 100 % reines ätherisches Öl: Achten Sie darauf, dass es sich um ein 100 % naturreines, unverdünntes ätherisches Öl handelt – keine Duftöle, Parfümöle oder synthetischen Mischungen.
  2. Botanische Bezeichnung: Auf dem Etikett sollte die korrekte botanische Bezeichnung Commiphora myrrha (oder synonym C. molmol) angegeben sein. Verwechslungen mit Commiphora erythraea (Opopanax/Süße Myrrhe) sind möglich.
  3. Bio-Qualität: Bio-zertifiziertes Myrrheöl garantiert den Verzicht auf chemische Verunreinigungen und eine nachhaltigere Produktion.
  4. Herkunftsland: Hochwertiges Myrrheöl stammt typischerweise aus Somalia, Äthiopien oder dem Jemen – den natürlichen Verbreitungsgebieten des Myrrhebaums.
  5. Gewinnungsmethode: Das Öl sollte durch Wasserdampfdestillation gewonnen werden. Lösungsmittelextrahierte Produkte (Absolue) haben ein anderes Profil und sind für therapeutische Zwecke weniger geeignet.
  6. Dunkelglasflasche: Ätherische Öle sind lichtempfindlich und sollten in Braun- oder Violettglasflaschen abgefüllt sein.
  7. Chargennummer und Analysezertifikat: Seriöse Anbieter stellen GC/MS-Analysezertifikate zur Verfügung, die die chemische Zusammensetzung und Reinheit belegen.

Myrrheöl ist in Apotheken, Reformhäusern, Bio-Fachgeschäften und online erhältlich. Aufgrund der aufwendigen Gewinnung und begrenzten Verfügbarkeit des Harzes gehört Myrrheöl zu den teureren ätherischen Ölen – sehr günstige Angebote sollten kritisch hinterfragt werden.

Haltbarkeit und Lagerung

Ätherisches Myrrheöl ist bei richtiger Lagerung sehr lange haltbar – Sesquiterpen-reiche Öle können sich über Jahre halten und gewinnen teilweise sogar an Duftkomplexität. Lagern Sie Myrrheöl kühl, dunkel und fest verschlossen. Direktes Sonnenlicht und Wärme beschleunigen die Oxidation und können die Qualität beeinträchtigen.

Quellen

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  2. Mannino, G., Ferro, M., Taglieri, I., et al. (2022). The Role of Myrrh Metabolites in Cancer, Inflammation, and Wound Healing: Prospects for a Multi-Targeted Drug Therapy. Molecules, 27(16), 5298. doi:10.3390/molecules27165298
  3. Marongiu, B., Piras, A., Porcedda, S., & Scorciapino, A. (2005). Chemical composition of the essential oil of Commiphora myrrha. Journal of Essential Oil Research, 17(5), 536–538. doi:10.1080/10412905.2005.9698986
  4. Hanuš, L. O., Řezanka, T., Dembitsky, V. M., & Moussaieff, A. (2023). Terpenoids from Myrrh and Their Cytotoxic Activity against HeLa Cells. Molecules, 28(4), 1563. doi:10.3390/molecules28041563
  5. Lotfy, M., Hassan, H. M., Hetta, M. H., El-Gendy, A. O., & Mohammed, R. (2019). Bactericidal activity of Myrrh extracts and two dosage forms against standard bacterial strains and multidrug-resistant clinical isolates with GC/MS profiling. AMB Express, 9(1), 193. doi:10.1186/s13568-019-0920-4
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