Muskatnussöl ist ein hochwertiges ätherisches Öl, das durch Wasserdampfdestillation aus den getrockneten Samenkernen des Muskatnussbaums (Myristica fragrans Houtt.) gewonnen wird. Die immergrüne Pflanze stammt ursprünglich von den Banda-Inseln in Indonesien und wird heute auch in Indien, Sri Lanka, Malaysia und auf den Karibikinseln kultiviert. Seit Jahrtausenden ist die Muskatnuss in der ayurvedischen Medizin, der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und der Unani-Heilkunde als Arzneimittel geschätzt.
Das Öl besitzt ein warmes, würzig-süßes Aroma mit leicht holzigen Noten und ist in der Aromatherapie, der Naturheilkunde und der Kosmetikindustrie weit verbreitet. Es enthält über 50 bioaktive Verbindungen – darunter Monoterpenkohlenwasserstoffe wie Sabinen, α-Pinen und β-Pinen sowie die Phenylpropanoide Myristicin und Eugenol –, die für seine vielfältigen pharmakologischen Eigenschaften verantwortlich sind.[1]

In diesem Ratgeber erfahren Sie alles Wissenswerte über die Gewinnung, Inhaltsstoffe, Wirkung, Anwendungsgebiete, Dosierung und mögliche Nebenwirkungen von Muskatnussöl – wissenschaftlich fundiert und mit aktuellen Studien belegt.
Warum ist Muskatnussöl so wertvoll?
Die besondere Wertschätzung für Muskatnussöl beruht auf mehreren Faktoren:
- Vielfältige pharmakologische Wirkung: Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen antioxidative, antimikrobielle, entzündungshemmende, schmerzlindernde, krampflösende und neuroprotektive Eigenschaften des ätherischen Öls.[1] Diese breite Wirkpalette macht es zu einem der vielseitigsten ätherischen Öle in der Naturheilkunde.
- Traditionelle Heilpflanze mit moderner Evidenz: Historisch wurde Muskatnussöl unter anderem zur Behandlung von Verdauungsstörungen, rheumatischen Beschwerden und Schlafproblemen eingesetzt. Aktuelle Forschung liefert zunehmend wissenschaftliche Belege für diese traditionellen Anwendungen.[2]
- Natürliches Schmerzmittel: Muskatnussöl kann chronische Entzündungsschmerzen lindern, indem es die COX-2-Expression hemmt und den Spiegel von Substanz P (einem Schmerzmediator) senkt – ein Wirkmechanismus, der dem gängiger Schmerzmittel ähnelt.[3]
Gewinnung von Muskatnussöl
Herstellungsprozess
Muskatnussöl wird durch Wasserdampfdestillation aus den getrockneten, gemahlenen Samenkernen der Muskatnuss gewonnen. Der Muskatnussbaum trägt eine pfirsichähnliche Frucht, in deren Inneren sich der Samen befindet – umhüllt von einem netzartigen, roten Samenmantel (Arillus), aus dem das verwandte Gewürz Macis (Muskatblüte) gewonnen wird.
Nach der Ernte wird die Frucht geöffnet, der Samenkern vom Arillus getrennt und über mehrere Wochen getrocknet. Anschließend wird das getrocknete Material zerkleinert und der Wasserdampfdestillation unterzogen. Die Ölausbeute beträgt je nach Herkunft und Verfahren zwischen 6,2 und 12,5 % aus dem Samenkern.[1]
Qualitätsunterschiede bei Muskatnussöl
Die Qualität von Muskatnussöl variiert erheblich je nach Herkunftsregion, Erntezeitpunkt und Destillationsverfahren. Hochwertiges Muskatnussöl zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:
- Gewinnungsverfahren: Die Wasserdampfdestillation gilt als schonendste Methode und bewahrt das vollständige Spektrum der bioaktiven Verbindungen. Kaltgepresste oder CO₂-extrahierte Varianten sind seltener, können aber ein besonders intensives Aromaprofil aufweisen.
- Herkunft: Muskatnussöl aus Indonesien (insbesondere von den Molukken) und Indien gilt als besonders hochwertig. Die chemische Zusammensetzung kann je nach Anbauregion variieren.[4]
- Reinheit: Achten Sie auf die Bezeichnung „100 % reines ätherisches Öl" und die botanische Bezeichnung Myristica fragrans. Synthetische Duftstoffe oder Streckmittel mindern die Wirksamkeit erheblich.
- Prüfung: Seriöse Hersteller lassen ihr Öl mittels Gaschromatographie-Massenspektrometrie (GC-MS) analysieren und stellen die Ergebnisse zur Verfügung.
Muskatnussöl Inhaltsstoffe
Muskatnussöl besteht aus einem komplexen Gemisch von über 50 chemischen Verbindungen. Die Hauptbestandteile lassen sich in Monoterpenkohlenwasserstoffe und Phenylpropanoide unterteilen. Die genaue Zusammensetzung variiert je nach Herkunft, Reifezeitpunkt und Destillationsmethode.[1]
| Muskatnussöl – Hauptinhaltsstoffe | |
|---|---|
![]() | |
| Typische Zusammensetzung von ätherischem Muskatnussöl: | |
| Inhaltsstoff | Anteil (ca.) |
| Monoterpenkohlenwasserstoffe (ca. 60–80 %) | |
| Sabinen | 14–50 % |
| α-Pinen | 10–22 % |
| β-Pinen | 7–18 % |
| β-Myrcen | 2–5 % |
| Limonen | 2–7 % |
| Terpinen-4-ol | 2–6 % |
| γ-Terpinen | 2–5 % |
| Phenylpropanoide (ca. 5–15 %) | |
| Myristicin | 2–13 % |
| Eugenol | 1–3 % |
| Safrol | 0,5–3 % |
| Elemicin | 0,5–2,5 % |
| Methyleugenol | 0,5–2 % |
| Isoeugenol | 0,5–1 % |
| Sesquiterpene | |
| β-Caryophyllen | 1–3 % |
| Sonstige Eigenschaften | |
| Aussehen | farblos bis blassgelb |
| Duft | warm, würzig-süß, holzig |
| Dichte | 0,860–0,924 g/cm³ |
Sabinen ist in der Regel der mengenmäßig dominierende Bestandteil von Muskatnussöl. Es ist für die scharfen, würzigen Duftnoten verantwortlich und besitzt entzündungshemmende, antimykotische und antioxidative Eigenschaften. Myristicin – das bekannteste Phenylpropanoid der Muskatnuss – trägt zum charakteristischen Aroma bei und besitzt in niedrigen Dosen schmerzlindernde sowie sedierende Effekte, kann aber in hohen Dosen psychoaktive Wirkungen hervorrufen.[5]
Eugenol, das auch in Nelkenöl vorkommt, verleiht Muskatnussöl zusätzliche schmerzlindernde und antimikrobielle Eigenschaften. α-Pinen und β-Pinen wirken bronchienöffnend und entzündungshemmend, weshalb Muskatnussöl traditionell auch bei Atemwegserkrankungen zum Einsatz kommt.
Wirkung von Muskatnussöl
Die therapeutische Wirkung von Muskatnussöl ist auf das Zusammenspiel seiner zahlreichen bioaktiven Verbindungen zurückzuführen. Klinische und experimentelle Studien haben eine Reihe pharmakologischer Aktivitäten bestätigt:[1]
- Entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung: Muskatnussöl hemmt die Expression des Enzyms Cyclooxygenase-2 (COX-2) und senkt den Spiegel von Substanz P – einem Neurotransmitter, der eine Schlüsselrolle bei der Schmerzwahrnehmung spielt. In einer Tierstudie konnte Muskatnussöl chronische Entzündungsschmerzen signifikant reduzieren, indem es Gelenkschwellungen, mechanische Allodynie und thermische Hyperalgesie verringerte.[3]
- Antimikrobielle Wirkung: Muskatnussöl zeigt in vitro nachweisliche Wirksamkeit gegen verschiedene Bakterien, Pilze und Parasiten. Besonders wirksam ist es gegen grampositive Bakterien wie Streptococcus pneumoniae, Micrococcus luteus und Bacillus cereus.[6] Die antimikrobielle Aktivität wird vor allem Eugenol und Terpinen-4-ol zugeschrieben.
- Antioxidative Wirkung: Die im Muskatnussöl enthaltenen Phenolverbindungen und Monoterpene besitzen eine ausgeprägte Fähigkeit, freie Radikale zu neutralisieren und oxidativen Stress zu reduzieren. Die antioxidative Wirkung wurde durch verschiedene Testverfahren (DPPH, FRAP) bestätigt.[6]
- Krampflösende Wirkung: Muskatnussöl wirkt krampflösend auf die glatte Muskulatur des Magen-Darm-Trakts, was seine traditionelle Anwendung bei Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Koliken und Krämpfen erklärt.[2]
- Neuroprotektive Wirkung: Aktuelle Forschung deutet darauf hin, dass Inhaltsstoffe der Muskatnuss – insbesondere Lignane wie Macelignan – Anticholinesterase-Aktivität besitzen und möglicherweise bei neurodegenerativen Erkrankungen von Nutzen sein könnten.[7]
- Sedierende und angstlösende Wirkung: Muskatnussöl kann in niedriger Dosierung beruhigend wirken, den Schlaf fördern und Angstzustände lindern. Diese Wirkung wird unter anderem auf das Myristicin und seine Interaktion mit dem GABAₐ-Rezeptorsystem zurückgeführt.[8]
- Antidepressive Wirkung: Tierexperimentelle Studien zeigten, dass Muskatnussöl antidepressive Effekte über dopaminerge, serotonerge und noradrenerge Signalwege vermittelt.[9]
Anwendungsgebiete von Muskatnussöl
Muskatnussöl in der Aromatherapie
In der Aromatherapie gehört Muskatnussöl zu den wärmenden, erdenden Düften, die sowohl anregend als auch beruhigend wirken können – abhängig von Dosierung und Kombination mit anderen Ölen.
- Entspannung und Schlafförderung: 3–5 Tropfen Muskatnussöl im Diffuser verbreiten ein warmes, behagliches Aroma, das den Geist beruhigt und einen erholsamen Schlaf fördert. Eine besonders harmonische Mischung entsteht in Kombination mit Lavendelöl (5 Tropfen) und Orangenöl (3 Tropfen).
- Konzentration und geistige Klarheit: In niedriger Dosierung (2–3 Tropfen) kann Muskatnussöl die Aufmerksamkeit steigern und mentale Erschöpfung reduzieren. Als Kombinationspartner eignet sich Grapefruitöl oder Zitronenöl.
- Stimmungsaufhellung: Das warme, würzige Aroma kann bei gedrückter Stimmung und emotionalem Ungleichgewicht unterstützend wirken. Es harmoniert gut mit Bergamotteöl, Sandelholzöl und Vanilleöl.
Muskatnussöl als Massageöl
Aufgrund seiner wärmenden, schmerzlindernden und durchblutungsfördernden Eigenschaften ist Muskatnussöl ein geschätzter Bestandteil von Massageölmischungen.
- Entspannungsmassage: 5–6 Tropfen Muskatnussöl in 30 ml eines Trägeröls wie Mandelöl oder Jojobaöl geben und langsam in die Haut einmassieren. Die Mischung fördert die Durchblutung und löst Muskelverspannungen.
- Sportmassage: Nach dem Training kann eine Massage mit verdünntem Muskatnussöl die Regeneration der Muskulatur unterstützen und Muskelkater lindern.
- Rückenmassage bei Verspannungen: Besonders bei Nacken- und Rückenverspannungen durch langes Sitzen entfaltet die wärmende Wirkung des Öls wohltuende Effekte.
Empfehlung: Muskatnussöl niemals unverdünnt auf die Haut auftragen. Die empfohlene Verdünnung beträgt 1,5–3 % in einem Trägeröl (ca. 9–18 Tropfen auf 30 ml Trägeröl). Vor der ersten Anwendung einen Verträglichkeitstest auf einer kleinen Hautstelle durchführen.
Muskatnussöl als Badezusatz
Ein Bad mit Muskatnussöl ist eine wohltuende Methode, um Muskel- und Gelenkschmerzen zu lindern und gleichzeitig Körper und Geist zu entspannen.
- Entspannungsbad: 5–8 Tropfen Muskatnussöl mit einem Esslöffel Milch oder einem neutralen Emulgator vermischen und dem warmen Badewasser zugeben. Das Öl nicht direkt ins Wasser tropfen, da es auf der Oberfläche schwimmt und die Haut reizen kann.
- Muskelentspannendes Bad: 5–6 Tropfen Muskatnussöl in eine Tasse Epsom-Salz (Bittersalz) einrühren und dem Badewasser hinzufügen. Das Salz unterstützt die muskelentspannende Wirkung zusätzlich. 20–30 Minuten einweichen lassen.
Muskatnussöl für die Verdauung
In der Traditionellen Chinesischen Medizin und im Ayurveda wird die Muskatnuss seit Jahrhunderten bei Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt. Das ätherische Öl besitzt krampflösende, blähungstreibende und appetitanregende Eigenschaften.[2]
- Bauchmassage bei Verdauungsbeschwerden: 2–3 Tropfen Muskatnussöl in 15 ml Sesamöl verdünnen und im Uhrzeigersinn sanft auf den Bauchbereich auftragen. Diese Massage kann Blähungen, Übelkeit und Völlegefühl lindern.
- Wärmende Kompresse: Einige Tropfen Muskatnussöl in warmem Wasser lösen, ein Tuch darin tränken und auf den Bauch legen. Die Wärme in Kombination mit den krampflösenden Wirkstoffen kann bei Krämpfen und Koliken Erleichterung verschaffen.
Muskatnussöl bei Gelenk- und Muskelschmerzen
Die schmerzlindernde Wirkung von Muskatnussöl ist wissenschaftlich gut dokumentiert. Eine Studie zeigte, dass Muskatnussöl chronische Entzündungsschmerzen bei Ratten signifikant reduziert – vergleichbar mit dem Effekt von Diclofenac, einem gängigen Schmerzmittel.[3]
- Bei Arthritis und Gelenkschmerzen: 2–3 Tropfen Muskatnussöl mit einem Esslöffel Kokosöl mischen und sanft in die betroffenen Gelenke einmassieren. Die wärmende Wirkung entspannt steife Gelenke und verbessert die Beweglichkeit.
- Bei Muskelkater und Zerrungen: Eine Mischung aus Muskatnussöl mit Rosmarinöl und Eukalyptusöl in einem Trägeröl kann die Regeneration beschleunigen.
- Bei Rückenschmerzen: Verdünntes Muskatnussöl als warme Kompresse auf den schmerzenden Rückenbereich auflegen.
Muskatnussöl für die Haut
In der Hautpflege wird Muskatnussöl vor allem wegen seiner entzündungshemmenden, antimikrobiellen und antioxidativen Eigenschaften geschätzt.
- Gegen Hautunreinheiten: Die antimikrobiellen Wirkstoffe im Muskatnussöl können bei leichten Hautunreinheiten unterstützend wirken. Einen Tropfen Muskatnussöl in 15 ml Jojobaöl geben und mit einem Wattestäbchen gezielt auf betroffene Stellen auftragen.
- Gegen Narben und Pigmentflecken: Eugenol und die antioxidativen Bestandteile können das Hautbild verbessern und die Regeneration der Haut fördern. Muskatnussöl kann mit Hagebuttenöl als Basis kombiniert werden.
- Hautpflege im Winter: In Kombination mit einem reichhaltigen Trägeröl wie Avocadoöl kann Muskatnussöl trockene, rissige Winterhaut pflegen und die Durchblutung anregen.
Hinweis: Muskatnussöl kann bei empfindlicher Haut Reizungen hervorrufen. Immer vor der ersten Anwendung einen Patch-Test durchführen und das Öl niemals unverdünnt auf die Haut auftragen. Eugenol und Limonen gelten als potenzielle Kontaktallergene.[10]
Muskatnussöl für die Haare
Muskatnussöl kann die Kopfhautgesundheit fördern und die Haarpflege ergänzen:
- Gegen Schuppen: Die antimikrobiellen Eigenschaften können helfen, schuppige Kopfhaut zu beruhigen. 3–4 Tropfen Muskatnussöl in 30 ml Kokosöl einmischen und auf die Kopfhaut auftragen.
- Kopfhautmassage: Eine regelmäßige Kopfhautmassage mit verdünntem Muskatnussöl fördert die Durchblutung und kann das Haarwachstum unterstützen. Es eignet sich hierbei auch als Beimischung zu Klettenwurzelöl.
Muskatnussöl für die Mundgesundheit
Die antimikrobiellen und entzündungshemmenden Eigenschaften von Muskatnussöl machen es zu einem wertvollen Bestandteil der natürlichen Mundpflege.
- Gegen Mundgeruch: 1–2 Tropfen Muskatnussöl in ein Glas lauwarmes Wasser geben und als Mundspülung verwenden. Die antibakteriellen Eigenschaften bekämpfen geruchsverursachende Bakterien.
- Bei Zahnschmerzen: Eugenol, das auch in Nelkenöl enthalten ist, besitzt nachweislich schmerzlindernde Wirkung. Ein Tropfen Muskatnussöl auf einen Wattebausch, verdünnt mit etwas Trägeröl, kann vorübergehend Zahnschmerzen lindern – ersetzt aber keinen Zahnarztbesuch.
- Zahnfleischgesundheit: Die entzündungshemmenden Inhaltsstoffe können bei leichten Zahnfleischentzündungen unterstützend wirken. Ergänzend kann auch das Ölziehen mit Kokosöl in die Mundhygiene integriert werden.
Muskatnussöl bei Atemwegserkrankungen
Muskatnussöl enthält abschwellende Verbindungen wie α-Pinen und Limonen, die die Atemwege befreien können. Das Inhalieren des Dampfes kann bei Erkältung, Husten, Asthma und verstopfter Nase Linderung verschaffen.
- Dampfinhalation: 2–3 Tropfen Muskatnussöl in eine Schüssel mit heißem Wasser geben, ein Handtuch über den Kopf legen und den Dampf 5–10 Minuten lang einatmen. Dies kann Schleim lösen und die Nasennebenhöhlen befreien.
- Brustbalsam: 3–4 Tropfen Muskatnussöl mit 2 Tropfen Eukalyptusöl und 30 ml Trägeröl mischen und auf Brust und Rücken auftragen.
Dosierung und Anwendung von Muskatnussöl
Muskatnussöl ist ein konzentriertes ätherisches Öl und sollte stets sachgemäß und verdünnt angewendet werden. Die korrekte Dosierung ist entscheidend, da eine Überdosierung unerwünschte Wirkungen hervorrufen kann.[5]
| Empfohlene Dosierung von Muskatnussöl | |
|---|---|
| Anwendungsart | Empfohlene Dosierung |
| Diffuser / Duftlampe | 3–5 Tropfen in Wasser |
| Körpermassage | 1,5–3 % Verdünnung (9–18 Tropfen auf 30 ml Trägeröl) |
| Gesichtspflege | 0,5–1 % Verdünnung (max. 3–6 Tropfen auf 30 ml Trägeröl) |
| Schmerzlinderung (lokal) | 3–5 % Verdünnung (18–30 Tropfen auf 30 ml Trägeröl) |
| Badezusatz | 5–8 Tropfen (mit Emulgator oder Salz vermischt) |
| Dampfinhalation | 2–3 Tropfen in heißem Wasser |
Grundregeln für die Anwendung:
- Muskatnussöl niemals unverdünnt auf die Haut auftragen – stets in einem geeigneten Trägeröl verdünnen.
- Vor der ersten Anwendung einen Patch-Test an der Innenseite des Unterarms durchführen und 24 Stunden abwarten.
- Das Öl nicht in die Augen, Ohren oder auf Schleimhäute bringen.
- Von der innerlichen Einnahme ohne fachkundige Begleitung durch einen Aromatherapeuten oder Heilpraktiker wird abgeraten.
- Muskatnussöl sollte in dunklen Glasflaschen kühl und lichtgeschützt aufbewahrt werden.
Muskatnussöl Nebenwirkungen
Toxizität von Myristicin
Die wichtigste Sicherheitswarnung bei Muskatnussöl betrifft das Myristicin. In hohen Dosen kann Myristicin psychoaktive Wirkungen hervorrufen, da es im Körper zu MMDA (3-Methoxy-4,5-methylendioxyamphetamin) metabolisiert werden kann.[5] Bereits ab einer Aufnahme von 1–2 mg Myristicin pro Kilogramm Körpergewicht können zentralnervöse Effekte auftreten. Symptome einer Überdosierung umfassen:
- Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen
- Schwindel und Benommenheit
- Halluzinationen und Verwirrtheit
- Tachykardie (beschleunigter Herzschlag)
- Mundtrockenheit
Diese Symptome treten typischerweise 3–6 Stunden nach der Einnahme auf und können bis zu 72 Stunden anhalten.[11] In sehr seltenen Fällen – insbesondere in Kombination mit anderen Substanzen – wurden lebensbedrohliche Vergiftungen dokumentiert.[12]
Wichtig: Bei sachgemäßer äußerlicher Anwendung in der Aromatherapie (in empfohlener Verdünnung) ist das Risiko einer Myristicin-Vergiftung äußerst gering, da die aufgenommene Menge weit unter der toxischen Schwelle liegt.
Hautreaktionen und Allergien
Muskatnussöl enthält potenzielle Kontaktallergene wie Eugenol und Limonen. Bei empfindlichen Personen können Hautreizungen, Rötungen oder Kontaktdermatitis auftreten.[10] Ein Patch-Test vor der ersten Anwendung ist daher unerlässlich.
Wechselwirkungen
Myristicin besitzt schwache Monoaminooxidase-hemmende (MAO-hemmende) Eigenschaften. Personen, die MAO-Hemmer oder andere psychoaktive Medikamente einnehmen, sollten Muskatnussöl nur nach Rücksprache mit einem Arzt verwenden.[5]
Kontraindikationen
Muskatnussöl sollte in folgenden Situationen nicht oder nur nach ärztlicher Rücksprache verwendet werden:
- In der Schwangerschaft und Stillzeit – Muskatnussöl kann wehenfördernde Wirkung besitzen.
- Bei Kindern unter 6 Jahren – die empfindliche Haut und das sich entwickelnde Nervensystem erfordern besondere Vorsicht.
- Bei psychiatrischen Erkrankungen – aufgrund der potenziellen psychoaktiven Effekte von Myristicin.
- Bei Epilepsie – das Öl kann stimulierend auf das zentrale Nervensystem wirken.
- Bei bekannter Allergie gegen Bestandteile der Muskatnuss.
Muskatnussöl kaufen – Worauf sollte man achten?
Beim Kauf von Muskatnussöl gibt es einige wichtige Qualitätskriterien, die über Wirksamkeit und Sicherheit entscheiden:
- Botanischer Name: Auf dem Etikett muss die exakte botanische Bezeichnung Myristica fragrans angegeben sein. Nur so ist sichergestellt, dass es sich um die richtige Pflanzenart handelt.
- Reinheit: Wählen Sie ausschließlich „100 % reines ätherisches Öl" (pure essential oil). Vermeiden Sie Produkte, die als „Duftöl" (fragrance oil) oder „naturidentisch" gekennzeichnet sind – diese enthalten synthetische Bestandteile ohne therapeutische Wirkung.
- Gewinnungsverfahren: Hochwertiges Muskatnussöl wird durch Wasserdampfdestillation (steam distilled) gewonnen. Diese Angabe sollte auf dem Etikett vermerkt sein.
- GC-MS-Analyse: Seriöse Hersteller stellen Analysezertifikate (Gaschromatographie-Massenspektrometrie) zur Verfügung, die die chemische Zusammensetzung und Reinheit des Öls dokumentieren.
- Verpackung: Ätherische Öle sollten in dunklen Glasflaschen (braun oder blau) mit Tropfeinsatz geliefert werden, um den Inhalt vor Licht und Oxidation zu schützen.
- Bio-Qualität: Bio-zertifiziertes Muskatnussöl (nachhaltig produziert) garantiert den Verzicht auf chemische Pestizide beim Anbau der Muskatnüsse.
- Herkunft: Indonesisches Muskatnussöl (insbesondere von den Molukken-Inseln) gilt als qualitativ hochwertig. Auch Öl aus Sri Lanka und Indien hat einen guten Ruf.
Muskatnussöl ist in Apotheken, Reformhäusern, Bio-Fachgeschäften und über spezialisierte Online-Händler für ätherische Öle erhältlich. Für die therapeutische Anwendung lohnt sich die Investition in ein qualitativ hochwertiges Produkt eines renommierten Herstellers.
Quellen
- Naeem, A., Abbas, T., Ali, T. M., & Khan, A. (2023). Nutmeg (Myristica fragrans Houtt.) essential oil: A review on its composition, biological, and pharmacological activities. Phytotherapy Research, 36(7), 2839–2851. doi:10.1002/ptr.7491
- Li, X., Zhang, Y., Yuan, Y., et al. (2025). Myristica fragrans: A comprehensive review of its botanical characterization, traditional uses, phytochemistry, and pharmacological properties. Journal of Ethnopharmacology, 341, 119361. doi:10.1016/j.jep.2025.119361
- Zhang, W. K., Tao, S. S., Li, T. T., et al. (2016). Nutmeg oil alleviates chronic inflammatory pain through inhibition of COX-2 expression and substance P release in vivo. Food & Nutrition Research, 60, 30292. doi:10.3402/fnr.v60.30292
- Muhammad, I. S., Mahmood, A., Ayesha, R., et al. (2016). Chemical composition of the essential oils of nutmeg and mace by GC-FID/MS indigenous to Pakistan and evaluation of their biological activities. Latin American Journal of Pharmacy, 35(10), 2176–2184.
- Hallström, H., & Thuvander, A. (1997). Toxicological evaluation of myristicin. Natural Toxins, 5(5), 186–192. doi:10.1002/(SICI)1522-7189(1997)5:5<186::AID-NT3>3.0.CO;2-R
- Tagarelli, A., Ferraro, V., Tagarelli, G., et al. (2023). Essential Oils and Sustainability: In Vitro Bioactivity Screening of Myristica fragrans Houtt. Post-Distillation By-Products. Sustainability, 15(10), 7974. doi:10.3390/su15107974
- Cuong, T. D., Hung, T. M., Kim, J. C., et al. (2014). Phenolic compounds from Myristica fragrans (Nutmeg) inhibit acetylcholinesterase. Journal of Medicinal Food, 17(10), 1129–1134. doi:10.1089/jmf.2013.3073
- Abourashed, E. A., & El-Alfy, A. T. (2016). Chemical diversity and pharmacological significance of the secondary metabolites of nutmeg (Myristica fragrans Houtt.). Phytochemistry Reviews, 15(6), 1035–1056. doi:10.1007/s11101-016-9469-x
- Dhingra, D., & Sharma, A. (2006). Antidepressant-like activity of n-hexane extract of nutmeg (Myristica fragrans) seeds in mice. Journal of Medicinal Food, 9(3), 413–417. doi:10.1089/jmf.2006.9.413
- Anagnostou, K. (2017). Nutmeg allergy and contact dermatitis: Clinical considerations. Dermatitis, 28(4), 231–235. doi:10.1097/DER.0000000000000296
- Ehrenpreis, J. E., DesLauriers, C., Lank, P., et al. (2014). Nutmeg Poisonings: A Retrospective Review of 10 Years Experience from the Illinois Poison Center, 2001–2011. Journal of Medical Toxicology, 10(2), 148–151. doi:10.1007/s13181-013-0379-7
- Stein, U., Greyer, H., & Hentschel, H. (2001). Nutmeg (myristicin) poisoning — report on a fatal case and a series of cases recorded by a poison information centre. Forensic Science International, 118(1), 87–90. doi:10.1016/S0379-0738(00)00369-8
- Muchtaridi, Subarnas, A., Apriyantono, A., & Mustarichie, R. (2010). Identification of compounds in the essential oil of nutmeg seeds (Myristica fragrans Houtt.) that inhibit locomotor activity in mice. International Journal of Molecular Sciences, 11(11), 4771–4781. doi:10.3390/ijms11114771
- Olajide, O. A., Ajayi, F. F., Ekhelar, A. I., et al. (1999). Biological effects of Myristica fragrans (nutmeg) extract. Phytotherapy Research, 13(4), 344–345. doi:10.1002/(SICI)1099-1573(199906)13:4<344::AID-PTR436>3.0.CO;2-E
