Lavendelöl aus Echtem Lavendel (Lavandula angustifolia) zählt zu den wenigen ätherischen Ölen, die bei Pferden gleich dreifach nützlich sind: Es wehrt Kriebelmücken und Bremsen ab, unterstützt die Wundpflege bei Schürfwunden und Mauke und wirkt nachweislich beruhigend vor stressigen Situationen wie Transport oder Hufschmiedbesuch. Der Hauptinhaltsstoff Linalool (25–38 %) ist für alle drei Effekte verantwortlich – er stört die Geruchsrezeptoren stechender Insekten, hemmt Bakterienwachstum und aktiviert über den Riechnerv den parasympathischen Anteil des Nervensystems.
Wer sich einen umfassenden Überblick über Lavendelöl verschaffen möchte, findet im Hauptratgeber alle Grundlagen zu Sorten, Inhaltsstoffen und Gewinnung. Dieser Artikel konzentriert sich gezielt auf die Anwendung bei Pferden. Eine Übersicht darüber, welche Tiere Lavendelöl vertragen und welche nicht, bietet der Ratgeber Lavendelöl für Tiere.

Sie erfahren hier, wie Sie Lavendelöl beim Pferd zur Insektenabwehr, Wundpflege und Beruhigung einsetzen, welche Verdünnung sicher ist und worauf Sie bei der Anwendung achten müssen.
Auf einen Blick
- Insektenabwehr: Linalool im Lavendelöl vertreibt Kriebelmücken, Bremsen und Stechmücken – die Schutzwirkung hält etwa 1–2 Stunden an und muss regelmäßig erneuert werden.
- Beruhigung: Eine Studie der University of Arizona (2018) zeigte, dass Pferde beim Inhalieren von Lavendelöl signifikant entspannter reagieren – messbar an der Herzratenvariabilität.
- Wundpflege: Verdünntes Lavendelöl (1–2 % in Trägeröl) wirkt antibakteriell und entzündungshemmend bei kleinen Schürfwunden und oberflächlicher Mauke.
- Verdünnung: Für Pferde gilt eine Verdünnung von 1–2 % in einem Trägeröl wie Kokos- oder Jojobaöl – das entspricht 6–12 Tropfen auf 30 ml Trägeröl.
- Sicherheit: Lavendelöl niemals in Augen- oder Nüsternnähe auftragen, nicht auf tiefe offene Wunden geben und nicht oral verabreichen.
Hilft Lavendelöl beim Pferd gegen Kriebelmücken und Bremsen?
Lavendelöl wirkt als natürliches Repellent gegen Kriebelmücken (Culicoides spp.), Bremsen, Stechmücken und Stallfliegen, weil der Inhaltsstoff Linalool die olfaktorischen Rezeptoren der Insekten stört und sie vom Pferd fernhält. In einer kontrollierten Studie zeigte Linalool als Raumrepellent eine Abwehrrate von 93 % gegen Stechmücken in Innenräumen und 58 % im Freiland.[1] Auf der Haut des Pferdes verdünnt aufgetragen, liegt die Schutzwirkung erfahrungsgemäß bei 60–120 Minuten – deutlich kürzer als synthetische DEET-Produkte, dafür ohne chemische Rückstände.
Kriebelmücken verursachen bei empfindlichen Pferden das sogenannte Sommerekzem (Insect Bite Hypersensitivity, IBH), eine allergische Reaktion auf den Speichel der Mücken.[2] Lavendelöl kann diese Reaktion nicht heilen, aber als ergänzende Maßnahme die Anzahl der Stiche verringern. Für einen wirksamen Schutz kombinieren Sie Lavendelöl mit weiteren Maßnahmen: Ekzemerdecke, Aufstallen während der Dämmerung und Ventilatoren im Stall. Einen allgemeinen Überblick über Lavendelöl als Insektenschutz für Menschen finden Sie im separaten Ratgeber.
DIY-Fliegenspray mit Lavendelöl für Pferde
Ein selbst gemischtes Fliegenspray mit Lavendelöl lässt sich in wenigen Minuten herstellen und kostet einen Bruchteil handelsüblicher Produkte. Die Kombination aus Lavendelöl und Citronellaöl oder Geraniumöl verstärkt die Repellentwirkung, da Geraniol noch effektiver gegen Stechmücken wirkt als Linalool allein.[3]
Rezept für 500 ml Pferde-Fliegenspray:
- 450 ml Wasser (abgekocht oder destilliert)
- 50 ml Apfelessig (hilft, die Öle zu verteilen)
- 15 Tropfen ätherisches Lavendelöl (Lavandula angustifolia)
- 10 Tropfen Citronellaöl
- 10 Tropfen Geraniumöl
- 1 Teelöffel Trägeröl (Kokosöl oder Jojobaöl) als Emulgator
Alle Zutaten in eine Sprühflasche geben und vor jeder Anwendung kräftig schütteln, da sich ätherische Öle nicht vollständig in Wasser lösen. Sprühen Sie das Mittel auf Hals, Schultern, Bauch und Kruppe – sparen Sie Augen, Nüstern und offene Wunden aus. Die Anwendung alle 1–2 Stunden wiederholen, bei starkem Schwitzen häufiger. Vor dem ersten Gebrauch einen Patch-Test an einer kleinen Stelle am Hals durchführen und 24 Stunden auf Hautreaktionen beobachten.
Wie wirkt Lavendelöl beruhigend auf Pferde?
Lavendelöl senkt nachweislich die Stressreaktion bei Pferden, indem es über den Riechnerv direkt auf die Amygdala wirkt und den parasympathischen Anteil des autonomen Nervensystems aktiviert – Pferde werden messbar ruhiger, ohne sediert zu sein. Die Studie von Baldwin und Chea an der University of Arizona (2018) testete neun Dressurpferde in einem Crossover-Design: Beim Inhalieren von Lavendelöl stieg der RMSSD-Wert (ein Marker für parasympathische Aktivität) signifikant von 86,5 auf 104,3 ms (p = 0,020), während Kamille und Wasserdampf keinen vergleichbaren Effekt zeigten.[4]
Eine weitere Studie an der Albion College untersuchte acht Pferde während des Transports im Hänger. Pferde, die während der 15-minütigen Fahrt Lavendelaromatherapie erhielten, wiesen niedrigere Serum-Cortisol-Werte auf als die Kontrollgruppe.[5] Ferguson et al. (2013) fanden zudem, dass Lavendelinhalation die Herzfrequenz von akut gestressten Pferden schneller normalisiert.[6]
Praktische Anwendung zur Beruhigung
Für den beruhigenden Effekt genügt Inhalation – das Pferd muss den Duft aktiv riechen. Die Wirkung hält nur an, solange das Pferd dem Duft ausgesetzt ist, und klingt danach rasch ab.[4] Drei bewährte Methoden für den Stallalltag:
- Halfter-Methode: 2–3 Tropfen reines Lavendelöl auf ein Stofftuch oder Wattebausch geben und am Nasenriemen des Halfters befestigen. 15–20 Minuten vor der Stresssituation anbringen.
- Hand-Methode: 1–2 Tropfen Lavendelöl auf die Handfläche verreiben und dem Pferd zum Schnuppern hinhalten – ohne die Nüstern zu berühren.
- Stall-Diffuser: Einen offenen Behälter mit 5–8 Tropfen Lavendelöl in der Box aufstellen (außer Reichweite des Pferdes). Gut geeignet vor Tierarztbesuchen oder nachts bei unruhigen Pferden.
Tipp aus der Praxis: Starten Sie die Aromatherapie an einem ruhigen Tag ohne Stressanlass, damit Ihr Pferd den Duft nicht mit Stress assoziiert. Manche Pferde reagieren stärker als andere – beobachten Sie Ihr Pferd auf Entspannungssignale wie Kopf senken, Kauen und Lecken oder entspannte Lippen.
Lavendelöl bei Wundpflege und Mauke beim Pferd
Verdünntes Lavendelöl unterstützt die Heilung kleiner Schürfwunden, oberflächlicher Hautverletzungen und leichter Mauke beim Pferd, weil Linalool und Linalylacetat sowohl antibakteriell als auch entzündungshemmend wirken. Eine Tierstudie an Ratten zeigte, dass topisch aufgetragenes Lavendelöl die Kollagenbildung steigert und die Wundkontraktion über eine Hochregulation von TGF-β beschleunigt.[7] Laboruntersuchungen bestätigen zudem eine antimikrobielle Wirkung gegen Staphylococcus aureus – ein Keim, der häufig in infizierten Wunden vorkommt.[8]
Mauke (Fesselekzem) entsteht häufig durch eine Kombination aus Feuchtigkeit, Schmutz und Bakterienbefall in der Fesselbeuge. Lavendelöl kann hier ergänzend eingesetzt werden, ersetzt aber nicht die tierärztliche Behandlung bei schwerer Mauke mit Krustenbildung oder tiefen Hautrissen.
Anwendung bei kleinen Wunden und leichter Mauke:
- Wunde oder betroffene Stelle mit klarem Wasser reinigen und sanft trockentupfen.
- 6–12 Tropfen Lavendelöl in 30 ml Kokosöl oder Jojobaöl mischen (entspricht 1–2 %).
- Die Mischung dünn auf die betroffene Stelle auftragen.
- Einmal täglich wiederholen, bis die Stelle abgeheilt ist.
Nicht geeignet ist Lavendelöl für tiefe Wunden, stark eitrige Verletzungen, großflächige Hautschäden oder Wunden in der Nähe von Augen und Schleimhäuten. Suchen Sie bei Anzeichen einer Infektion (Schwellung, Wärme, Eiter, Fieber) umgehend einen Tierarzt auf.
Richtige Dosierung von Lavendelöl beim Pferd
Pferde vertragen Lavendelöl in der Regel gut, benötigen aber eine stärkere Verdünnung als oft angenommen – trotz ihres hohen Körpergewichts von 400–700 kg ist ihre Haut empfindlich und ihre Nase extrem geruchssensibel. Als Faustregel gilt eine Verdünnung von 1–2 % für topische Anwendungen auf der Haut.
| Anwendung | Verdünnung | Dosierung (auf 30 ml Trägeröl) |
|---|---|---|
| Wundpflege / Mauke | 1–2 % | 6–12 Tropfen Lavendelöl |
| Fliegenspray (500 ml) | ca. 0,5–1 % | 15 Tropfen Lavendelöl + weitere Öle |
| Beruhigung (Inhalation) | unverdünnt auf Tuch | 2–3 Tropfen auf Stoff am Halfter |
| Stall-Aromatherapie | unverdünnt in Schale | 5–8 Tropfen in offener Schale |
Verwenden Sie ausschließlich 100 % naturreines ätherisches Öl aus Echtem Lavendel (Lavandula angustifolia). Lavandin-Öl (Lavandula x intermedia) enthält deutlich mehr Campher und eignet sich weniger gut für Pferde, da Campher die Haut reizen kann. Hinweise zur Qualitätserkennung und Kaufempfehlungen finden Sie im Ratgeber Lavendelöl kaufen.
Sicherheitshinweise für Lavendelöl beim Pferd
Lavendelöl gilt bei korrekter Verdünnung als eines der sichersten ätherischen Öle für Pferde, erfordert aber einige Vorsichtsmaßnahmen, um Reizungen und unerwünschte Reaktionen zu vermeiden. Ausführliche Informationen zu Nebenwirkungen und Kontraindikationen ätherischer Öle liefert der Ratgeber Lavendelöl Nebenwirkungen.
- Niemals unverdünnt auf die Haut auftragen – auch nicht bei großen Tieren. Ätherische Öle sind hochkonzentriert.
- Nicht in Augen- oder Nüsternnähe anwenden. Pferde haben eine extrem empfindliche Nase.
- Nicht auf tiefe oder eiternde Wunden geben – hier gehört der Tierarzt hin.
- Nicht oral verabreichen. Ätherische Öle sind nicht zur Fütterung bestimmt und können toxisch wirken.
- Patch-Test vor der Erstanwendung: Eine kleine Menge der verdünnten Mischung auf den Hals auftragen und 24 Stunden auf Rötung, Schwellung oder Juckreiz beobachten.
- Turniere und Wettkämpfe: Lavendelöl steht bei einigen Reitsportverbänden (u. a. FEI, USEF) auf der Liste verbotener Substanzen, da es als beruhigend wirkende Substanz eingestuft wird.[9] Prüfen Sie vor dem Einsatz die Dopingrichtlinien Ihres Verbands.
- Stallgemeinschaft: Wenn Katzen im Stall leben, lagern Sie Lavendelöl verschlossen und unzugänglich. Katzen fehlt ein Enzym zur Metabolisierung ätherischer Öle, und Lavendelöl kann für sie toxisch sein.
Sprechen Sie die Anwendung ätherischer Öle bei Ihrem Pferd im Zweifelsfall mit Ihrem Tierarzt oder einem auf Phytotherapie spezialisierten Veterinär ab – besonders bei trächtigen Stuten, Fohlen und vorerkrankten Tieren.
Häufige Fragen
Wie oft muss ich Lavendelöl-Fliegenspray beim Pferd erneuern?
Lavendelöl-Fliegenspray bietet einen Schutz von etwa 1–2 Stunden, da die flüchtigen Wirkstoffe schnell verdunsten. Bei starkem Schwitzen, Regen oder hoher Insektenbelastung verkürzt sich die Wirkdauer. Erneuern Sie die Anwendung entsprechend häufiger. Für einen längeren Schutz können Sie das Spray mit einer Ekzemerdecke kombinieren.
Ist Lavendelöl für Fohlen sicher?
Bei Fohlen unter 6 Monaten sollten Sie auf topische Anwendungen von ätherischen Ölen verzichten, da ihre Haut dünner und empfindlicher ist. Eine sanfte Raumbeduftung im Stall mit 2–3 Tropfen Lavendelöl in einer offenen Schale (außer Reichweite) ist eine mildere Alternative. Besprechen Sie den Einsatz bei Jungtieren grundsätzlich mit Ihrem Tierarzt.
Kann Lavendelöl das Sommerekzem beim Pferd heilen?
Lavendelöl kann das Sommerekzem nicht heilen, da es sich um eine allergische Überreaktion auf Kriebelmücken-Speichel handelt, die eine immunologische Ursache hat. Lavendelöl kann jedoch ergänzend helfen, indem es Kriebelmücken abwehrt, den Juckreiz durch seine entzündungshemmende Wirkung lindert und die Heilung von Kratzwunden unterstützt. Es ersetzt nicht die tierärztliche Behandlung oder eine Ekzemerdecke.
Darf ich Lavendelöl vor einem Turnier bei meinem Pferd anwenden?
Lavendelöl steht bei einigen Reitsportverbänden auf der Liste verbotener Substanzen, da es beruhigende Eigenschaften besitzt. Die FEI und der USEF führen Lavendel auf ihren Prohibited Substance Lists. Verwenden Sie Lavendelöl daher nicht innerhalb der von Ihrem Verband vorgegebenen Karenzzeit vor Turnieren. Prüfen Sie die aktuelle Dopingliste Ihres Verbands vor jeder Anwendung.
Quellen
- Müller, G. C., Junnila, A., Kravchenko, V. D., Revay, E. E., Butler, J., & Schlein, Y. (2009). Efficacy of the botanical repellents geraniol, linalool, and citronella against mosquitoes. Journal of Vector Ecology, 34(1), 2–8. doi:10.1111/j.1948-7134.2009.00002.x
- Schaffartzik, A., Maulet, C., Gander, A., & Marti, E. (2012). Equine insect bite hypersensitivity: what do we know? Veterinary Immunology and Immunopathology, 147(3-4), 113–126. doi:10.1016/j.vetimm.2012.03.017
- Müller, G. C., Junnila, A., Kravchenko, V. D., Revay, E. E., Butler, J., & Schlein, Y. (2008). Indoor protection against mosquito and sand fly bites: A comparison between citronella, linalool, and geraniol candles. Journal of the American Mosquito Control Association, 24(1), 150–153. doi:10.2987/8756-971X(2008)24[150:IPAMAS]2.0.CO;2
- Baldwin, A. L., & Chea, I. (2018). Effect of Aromatherapy on Equine Heart Rate Variability. Journal of Equine Veterinary Science, 68, 46–50. doi:10.1016/j.jevs.2018.05.213
- Heitman, K., Rabquer, B., Heitman, E., Streu, C., & Anderson, P. (2018). The Use of Lavender Aromatherapy to Relieve Stress in Trailered Horses. Journal of Equine Veterinary Science, 63, 8–12. doi:10.1016/j.jevs.2017.12.008
- Ferguson, C. E., Kleinman, H. F., & Browning, J. (2013). Effect of lavender aromatherapy on acute-stressed horses. Journal of Equine Veterinary Science, 33(1), 67–69. doi:10.1016/j.jevs.2012.04.014
- Mori, H. M., Kawanami, H., Kawahata, H., & Aoki, M. (2016). Wound healing potential of lavender oil by acceleration of granulation and wound contraction through induction of TGF-β in a rat model. BMC Complementary and Alternative Medicine, 16, 144. doi:10.1186/s12906-016-1128-7
- Ao, Z., Chan, M., Ouyang, M. J., Olson, D., Bhagavatula, S., Bhatt, D., & Zhou, X. (2023). Lavender essential oil accelerates lipopolysaccharide-induced chronic wound healing by inhibiting caspase-11-mediated macrophage pyroptosis. The Kaohsiung Journal of Medical Sciences, 39(4), 410–423. doi:10.1002/kjm2.12654
- Elevated Equine / University of Georgia Extension. (2025). Natural Horse Remedies: Exploring Holistic Approaches to Equine Health. UGA Extension, Newton County.