Lavendelöl Nebenwirkungen

Zuletzt aktualisiert: 15.02.26

Lavendelöl aus Echtem Lavendel (Lavandula angustifolia) gilt als eines der verträglichsten ätherischen Öle – doch auch dieses Naturprodukt hat Grenzen. Bei falscher Dosierung, unsachgemäßer Anwendung oder bestimmten Vorerkrankungen kann Lavendelöl Nebenwirkungen auslösen, die von leichten Hautreizungen bis hin zu ernsthaften Vergiftungssymptomen reichen. Dieser Artikel ist die zentrale Referenz für alle Sicherheitsfragen rund um Lavendelöl.

Die häufigste Suchanfrage zu diesem Thema lautet: „Ist Lavendelöl tödlich?" Die kurze Antwort: Für Erwachsene ist eine tödliche Vergiftung durch Lavendelöl extrem unwahrscheinlich – aber bei Kindern, Haustieren und bei oraler Einnahme größerer Mengen bestehen reale Risiken, die Sie kennen sollten. Hier erfahren Sie alles über sichere Dosierungen, Allergien, Kontraindikationen, Wechselwirkungen und die richtigen Notfallmaßnahmen.

Lavendelöl Nebenwirkungen und Sicherheit – Flasche ätherisches Lavendelöl mit Warnhinweisen

Sie finden in diesem Artikel eine vollständige Übersicht aller bekannten Nebenwirkungen, eine Dosierungstabelle nach Altersgruppe und Anwendungsart, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Patch-Test sowie Giftnotruf-Nummern für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Auf einen Blick

  • LD50-Wert (oral, Ratte): Etwa 5,0–6,2 ml/kg Körpergewicht – für einen 70 kg schweren Erwachsenen entspräche das ca. 350–430 ml reinem ätherischem Öl, eine Menge, die bei normaler Verwendung nie erreicht wird.[1]
  • Häufigste Nebenwirkung: Kontaktdermatitis durch oxidiertes Linalool und Linalylacetat, besonders bei alten oder falsch gelagerten Ölen.[2]
  • Kinder besonders gefährdet: Bereits 2–3 ml oral aufgenommenes Lavendelöl können bei Kleinkindern schwere Sedierung und neurologische Symptome verursachen.[3]
  • Hormonelle Diskussion: Einzelne Fallberichte verbinden Lavendelöl mit präpubertärer Gynäkomastie bei Jungen – die Datenlage ist jedoch widersprüchlich und epidemiologische Studien finden kein erhöhtes Risiko.[4][5]
  • Silexan-Kapseln (80 mg/Tag): In klinischen Studien gut verträglich; häufigste Nebenwirkung ist lavendeltypisches Aufstoßen.[6]
  • Wichtigste Regel: Lavendelöl nie unverdünnt auf die Haut auftragen, nie oral einnehmen (außer standardisierte Kapselpräparate unter ärztlicher Aufsicht) und immer außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren lagern.

Ist Lavendelöl tödlich? Die Fakten zur Toxizität

Lavendelöl ist für Erwachsene bei sachgemäßer äußerer Anwendung nicht tödlich – der orale LD50-Wert liegt bei Ratten zwischen 5,0 ml/kg (weiblich) und 6,2 ml/kg (männlich) Körpergewicht, was auf einen erwachsenen Menschen hochgerechnet eine Menge von mehreren Hundert Millilitern bedeuten würde.[1] Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) stuft Lavendelöl bei diesen Werten als nicht klassifizierungspflichtig für akute orale Toxizität ein. Trockenextrakte aus Lavendelkraut zeigten in Tierversuchen selbst bei 5.000 mg/kg keine pathologischen Veränderungen und werden als „praktisch untoxisch" (Klasse V) eingestuft.[1]

Trotz dieser hohen Schwellenwerte darf Lavendelöl keinesfalls als harmlos gelten. Ein dokumentierter Fall beschreibt einen 18 Monate alten Jungen, der eine geringe Menge Lavandinextrakt verschluckte und drei Stunden später schwere Benommenheit, Verwirrtheit und ein auffälliges EEG zeigte – die Symptome klangen erst nach etwa sechs Stunden ab.[8] In New South Wales (Australien) wurden zwischen 2014 und 2018 insgesamt 271 Vergiftungsfälle mit Lavendelöl registriert – die Mehrheit davon betraf Kinder.[3]

Vergiftungssymptome bei oraler Aufnahme

Verschlucken von Lavendelöl löst dosisabhängig unterschiedlich schwere Symptome aus: geringe Mengen verursachen Halsschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall; größere Mengen führen zu Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Benommenheit, verschwommenem Sehen, Gangstörungen (Ataxie) und Atemnot.[9] Kinder reagieren bereits auf 2–3 ml (weniger als ein halber Teelöffel) mit schwerer Sedierung.[3] Die hauptverantwortlichen Verbindungen sind Linalool und Linalylacetat, die in konzentrierter Form neurotoxisch wirken.

Nebenwirkungen bei äußerer Anwendung

Lavendelöl verursacht bei äußerer Anwendung am häufigsten Kontaktdermatitis – eine allergische Hautreaktion mit Rötung, Juckreiz, Schwellung und manchmal Bläschenbildung, die in einer Studie bei 2,8 % der getesteten Dermatitis-Patienten nachgewiesen wurde.[2] Die Reaktion wird meist nicht durch frisches Lavendelöl ausgelöst, sondern durch Oxidationsprodukte, die bei Luftkontakt entstehen.

Sensibilisierung durch oxidiertes Linalool

Frisches Linalool ist ein schwacher Sensibilisierer, doch bei Kontakt mit Luftsauerstoff bilden sich Linalool-Hydroperoxide, die als starke Kontaktallergene wirken – Forschungen der Universität Göteborg zeigen, dass die Sensibilisierungspotenz von Linalylacetat durch zehntägige Oxidation von einem EC3-Wert von 25 % auf 3,6 % ansteigt (je niedriger der EC3-Wert, desto stärker das Allergen).[10] Lavendelöl besitzt keinen natürlichen Schutz gegen diese Autoxidation.[11] Konkret bedeutet das: Ein frisch geöffnetes, korrekt gelagertes Lavendelöl ist weitaus hautverträglicher als ein altes, häufig geöffnetes Fläschchen.

Phototoxizität – ein wichtiger Unterschied

Echtes Lavendelöl (Lavandula angustifolia) ist nach aktuellem Wissensstand nicht phototoxisch und kann daher auch bei Sonnenexposition verwendet werden. Lavandinöl (Lavandula x intermedia) enthält hingegen höhere Anteile an Campher und kann in Kombination mit UV-Strahlung Hautreaktionen auslösen. Wer unsicher ist, welche Lavendelsorte vorliegt, sollte die behandelte Hautpartie 12 Stunden vor Sonnenexposition schützen. Detaillierte Informationen zu den Sortenunterschieden finden Sie im Kaufratgeber für Lavendelöl.

Lavendelöl Allergie – Häufigkeit, Kreuzallergien und Diagnose

Allergische Reaktionen auf Lavendelöl betreffen geschätzt 2–5 % der Dermatitis-Patienten, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer – ein Muster, das auf geschlechtsspezifische Nutzungshäufigkeit bei Kosmetika hindeutet.[2] Die allergieauslösenden Substanzen sind primär die Hydroperoxide von Linalool und Linalylacetat, die durch Oxidation an der Luft entstehen.[10]

Kreuzallergien bestehen mit anderen Duftstoffen, die Linalool enthalten: Bergamotteöl, Korianderöl, Ylang-Ylang-Öl und viele kommerzielle Parfüms. Patienten mit Kontaktallergie gegen Ketoprofen (ein topisches Schmerzmittel) zeigen auffallend häufig gleichzeitig positive Patch-Test-Reaktionen auf oxidiertes Linalool – in einer Studie waren es 65,5 % der Ketoprofen-Photoallergiker gegenüber 4,7 % in der allgemeinen Dermatitis-Population.[12]

Wenn Sie den Verdacht haben, auf Lavendelöl allergisch zu reagieren, sollte ein Dermatologe einen Patch-Test mit oxidiertem Linalool durchführen. Standardtests mit frischem Lavendelöl erfassen nur etwa die Hälfte der Betroffenen, da die Konzentration der sensibilisierenden Hydroperoxide im nicht-oxidierten Testmaterial zu gering sein kann.[2]

Nebenwirkungen bei innerer Einnahme

Standardisierte Lavendelöl-Kapseln (Silexan, 80–160 mg/Tag) verursachen in klinischen Studien keine schwerwiegenden Nebenwirkungen – die häufigsten Beschwerden sind lavendeltypisches Aufstoßen (Eructation) und milde Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit oder leichter Durchfall.[6] Weder Sedierung noch Entzugssymptome noch Abhängigkeitspotenzial wurden beobachtet. Ausführliche Informationen zur innerlichen Einnahme und zu Kapselpräparaten finden Sie im Artikel zu Lavendelöl einnehmen.

Nicht-standardisiertes ätherisches Lavendelöl darf nicht oral eingenommen werden. Die Konzentration der Inhaltsstoffe variiert je nach Produkt erheblich, und schon wenige Tropfen können Schleimhautreizungen, Übelkeit und Erbrechen verursachen.

Hormonelle Wirkung – präpubertäre Gynäkomastie

Lavendelöl steht seit 2007 in der wissenschaftlichen Diskussion als möglicher endokriner Disruptor, nachdem Henley et al. im New England Journal of Medicine drei Fälle von Brustdrüsenwachstum bei Jungen vor der Pubertät beschrieben, die mit regelmäßiger Anwendung lavendelhaltiger Produkte zusammenfielen – die Symptome bildeten sich nach Absetzen der Produkte vollständig zurück.[13] In-vitro-Untersuchungen zeigten, dass Lavendelöl und mehrere seiner Einzelkomponenten (Linalool, Linalylacetat, Eucalyptol und andere) in Zellkulturen schwach östrogene und antiandrogene Eigenschaften besitzen.[4]

Die klinische Relevanz dieser Befunde ist jedoch umstritten. Eine Querschnittsstudie aus dem Jahr 2022 mit 556 Kindern fand kein erhöhtes Risiko für endokrine Störungen bei regelmäßiger Lavendelöl-Exposition im Vergleich zu nicht-exponierten Kindern.[5] Unabhängige Laborstudien mit aktuellen regulatorischen Methoden konnten die östrogene Wirkung von Linalool und Linalylacetat in Guideline-konformen In-vitro- und In-vivo-Assays nicht bestätigen.[14] Die Diskussion ist nicht abgeschlossen: Als Vorsichtsmaßnahme empfehlen Experten, bei prepubertären Jungen den regelmäßigen großflächigen Hautkontakt mit lavendelhaltigen Produkten zu begrenzen.

Kontraindikationen – wann Sie Lavendelöl nicht verwenden sollten

Lavendelöl ist bei bestimmten Personengruppen und Vorerkrankungen kontraindiziert oder nur unter besonderer Vorsicht anzuwenden – hier die wichtigsten Einschränkungen im Überblick:

  • Schwangerschaft (1. Trimester): Ätherische Öle generell meiden; ab dem 2. Trimester nur stark verdünnt (0,5–1 %) nach Rücksprache mit Hebamme oder Arzt. Detaillierte Trimester-Richtlinien finden Sie im Artikel zu Lavendelöl in der Schwangerschaft.
  • Babys unter 6 Monaten: Kein ätherisches Lavendelöl verwenden. Ab 6 Monaten nur stark verdünnt (max. 0,1–0,25 %) und nach Rücksprache mit dem Kinderarzt. Altersgerechte Richtlinien stehen im Baby-Artikel.
  • Kinder unter 6 Jahren: Maximale Verdünnung 0,5–1 %. Nie im Gesichtsbereich anwenden. Altersgerechte Dosierungen finden Sie im Kinder-Artikel.
  • Epilepsie: Campher, ein Bestandteil mancher Lavendelöle (insbesondere Lavandin und Speiklavendel), kann die Krampfschwelle senken. Nur Echten Lavendel (Lavandula angustifolia) verwenden – und auch diesen erst nach ärztlicher Rücksprache.
  • Niedriger Blutdruck (Hypotonie): Lavendelöl kann den Blutdruck zusätzlich senken. Patienten mit Hypotonie sollten die Dosierung niedrig halten und auf Schwindelsymptome achten.
  • Vor geplanten Operationen: Lavendelöl mindestens 2 Wochen vor chirurgischen Eingriffen absetzen, da es die Sedierungswirkung von Narkosemitteln verstärken und die Blutgerinnung beeinflussen kann.
  • Bekannte Duftstoffallergie: Bei positiver Allergieanamnese gegen Duftstoffe (Fragrance Mix I/II) immer einen Patch-Test durchführen, bevor Lavendelöl erstmals angewendet wird.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Lavendelöl kann die Wirkung zentralnervös dämpfender Substanzen verstärken – bei gleichzeitiger Anwendung mit Sedativa, Benzodiazepinen (Diazepam, Lorazepam), Barbituraten, Schlafmitteln (Zolpidem) oder Alkohol besteht das Risiko übermäßiger Schläfrigkeit und im Extremfall von Atemdepression.[15] Diese Wechselwirkung betrifft sowohl die äußere Anwendung (Inhalation, Massage) als auch die orale Einnahme von Lavendelöl-Produkten.

Für das standardisierte Präparat Silexan (80–160 mg/Tag) zeigten eine spezifische Cocktail-Interaktionsstudie und die klinische Erfahrung keine relevanten Wechselwirkungen mit Cytochrom-P450-Enzymen.[6][16] Dennoch sollten Patienten, die Antikonvulsiva, blutdrucksenkende Medikamente oder Antikoagulanzien einnehmen, vor der Anwendung von Lavendelöl ihren Arzt konsultieren.

Dosierungstabelle – sichere Konzentrationen nach Anwendungsart und Alter

Lavendelöl sollte stets verdünnt und in altersgerechter Dosierung angewendet werden – die folgende Tabelle fasst die empfohlenen Konzentrationen zusammen, die sich an internationalen Aromatherapie-Richtlinien und der verfügbaren Sicherheitsliteratur orientieren:

AnwendungsartErwachsene (ab 12 J.)Kinder (2–12 J.)Babys (6–24 Mon.)Hinweise
Massage / Hautpflege1–3 % (3–9 Tr. auf 10 ml Trägeröl)0,5–1 % (1–3 Tr. auf 10 ml)0,1–0,25 % (1 Tr. auf 20–40 ml)Immer mit Trägeröl verdünnen
Vollbad5–8 Tropfen (mit Emulgator)2–3 Tropfen (mit Emulgator)1 Tropfen (mit Emulgator)Öl in Milch, Sahne oder Meersalz lösen
Diffuser / Raumbeduftung3–5 Tropfen pro 20 m²1–2 Tropfen pro 20 m²1 Tropfen pro 20 m², max. 30 Min.Raum gut lüften; nicht im Dauerbetrieb
Inhalation (Wasserdampf)2–3 Tropfen1 TropfenNicht empfohlenAugen geschlossen halten, max. 10 Min.
Orale Einnahme (Kapseln)80–160 mg/Tag (Silexan)Nicht empfohlenNicht empfohlenNur standardisierte Präparate; ärztlich begleiten
Pur auf die HautNicht empfohlen – punktuell max. 1 Tropfen bei Erwachsenen (z. B. Insektenstich), nicht großflächigBesser verdünnt anwenden

Für detaillierte Informationen zu einzelnen Anwendungsmethoden und zur allgemeinen Dosierung ätherischer Öle verweisen wir auf die jeweiligen Fachartikel.

Patch-Test – so testen Sie Lavendelöl auf Verträglichkeit

Ein Patch-Test ist ein einfacher Selbsttest, der allergische Hautreaktionen auf Lavendelöl erkennen lässt, bevor Sie es großflächig anwenden – führen Sie ihn vor jeder Erstverwendung eines neuen Produkts durch:

  1. Verdünnen: Mischen Sie 1 Tropfen Lavendelöl mit 1 Teelöffel (5 ml) Trägeröl (z. B. Jojobaöl oder Mandelöl).
  2. Auftragen: Geben Sie eine kleine Menge der Mischung auf die Innenseite des Unterarms, etwa auf eine münzgroße Fläche.
  3. Abdecken: Bedecken Sie die Stelle mit einem Pflaster oder leichten Verband.
  4. Warten: Lassen Sie den Patch-Test 24 Stunden einwirken. Vermeiden Sie in dieser Zeit Wasser und Reibung an der Stelle.
  5. Auswerten: Entfernen Sie das Pflaster und beurteilen Sie die Haut:
    • Keine Reaktion → Lavendelöl ist für Sie verträglich.
    • Leichte Rötung, die schnell abklingt → Vorsichtig verwenden, ggf. stärker verdünnen.
    • Rötung, Juckreiz, Schwellung, Bläschen → Allergische Reaktion. Lavendelöl nicht verwenden, Stelle mit Wasser und milder Seife reinigen.

Tipp aus der Praxis: Testen Sie jedes neue Fläschchen einzeln, auch wenn Sie dieselbe Marke verwenden. Chargenunterschiede und unterschiedliche Oxidationsgrade können zu unterschiedlichen Verträglichkeiten führen.

Notfallmaßnahmen bei Lavendelöl-Unfällen

Bei versehentlichem Verschlucken, Augenkontakt oder schwerer Hautreaktion auf Lavendelöl sind schnelle und korrekte Maßnahmen entscheidend – hier die wichtigsten Sofortmaßnahmen für drei Szenarien:

Verschlucken von Lavendelöl

  • Kein Erbrechen auslösen – das Öl kann beim Erbrechen in die Atemwege gelangen (Aspirationsgefahr).
  • Bewusste Person: Mund mit Wasser ausspülen, kleine Schlucke Wasser oder Milch trinken lassen.
  • Bewusstlose Person: In stabile Seitenlage bringen, nichts einflößen, sofort den Notruf (112) wählen.
  • Giftnotruf kontaktieren (Nummern siehe unten) – Angaben bereithalten: Produkt, geschätzte Menge, Zeitpunkt der Einnahme, Alter und Gewicht der betroffenen Person.
  • Das Fläschchen zum Arzt oder ins Krankenhaus mitnehmen.

Augenkontakt

  • Sofort mit lauwarmem, fließendem Wasser mindestens 15 Minuten spülen. Augenlider offenhalten.
  • Keine Augentropfen oder Hausmittel verwenden.
  • Bei anhaltender Reizung, Schmerzen oder Sehstörungen augenärztliche Behandlung aufsuchen.

Schwere Hautreaktion

  • Betroffene Stelle sofort mit viel Wasser und milder Seife waschen.
  • Kühlen mit feuchtem Tuch (kein Eis direkt auf die Haut).
  • Bei großflächiger Reaktion, Schwellung im Gesicht oder Atemnot: Notruf 112.
  • Bei leichterer Reaktion: feuchtigkeitsspendende Creme auftragen, bei Verschlechterung einen Arzt aufsuchen.

Giftnotruf-Nummern (DE, AT, CH)

Giftinformationszentren sind rund um die Uhr erreichbar und beraten kostenlos bei Vergiftungsverdacht – speichern Sie die für Sie relevante Nummer in Ihrem Telefon:

LandNotrufnummerEinrichtung
Deutschland030 192 40 (Berlin)
0228 192 40 (Bonn)
0361 730 730 (Erfurt)
0761 192 40 (Freiburg)
0551 192 40 (Göttingen)
06131 192 40 (Mainz)
089 192 40 (München)
Regionale Giftnotrufzentralen – je nach Bundesland zuständig
Österreich01 406 43 43Vergiftungsinformationszentrale Wien (VIZ)
Schweiz145Tox Info Suisse, Zürich

Bei lebensbedrohlichen Symptomen (Bewusstlosigkeit, Atemnot, Krampfanfälle) immer zuerst den allgemeinen Notruf 112 wählen.

Sichere Lagerung – Kinder, Katzen und Haltbarkeit

Ätherische Öle wie Lavendelöl müssen kindersicher, kühl und lichtgeschützt gelagert werden, um sowohl Vergiftungsunfälle als auch die allergiefördernde Oxidation zu minimieren:

  • Kindersicherung: Fläschchen mit kindersicherem Verschluss wählen, außerhalb der Reichweite und Sichtweite von Kindern aufbewahren. Kleine Kinder können den süßlichen Geruch anziehend finden und das Öl verschlucken.
  • Katzen: Katzen fehlt das Enzym Glucuronyltransferase, das für den Abbau von Terpenen wie Linalool zuständig ist. Lavendelöl kann für Katzen toxisch sein – nicht in Räumen vernebeln, in denen sich Katzen aufhalten, und jeglichen Hautkontakt vermeiden. Ausführliche Informationen zur Katzen-Toxikologie finden Sie im Artikel zu Lavendelöl und Katzen.
  • Lagerung gegen Oxidation: Dunkelglasflasche (braun oder blau) verwenden, stets gut verschließen, an kühlem Ort (unter 25 °C) lagern. Ein angebrochenes Fläschchen Lavendelöl hält bei korrekter Lagerung 1–2 Jahre; danach steigt das Allergierisiko durch Oxidation deutlich an.
  • Haltbarkeit prüfen: Riecht Lavendelöl ungewöhnlich stechend, harzig oder ranzig, ist es wahrscheinlich oxidiert und sollte nicht mehr auf der Haut verwendet werden. Für den Diffuser ist es dann noch bedingt geeignet.

Allgemeine Informationen zur Sicherheit ätherischer Öle bei Tieren finden Sie im Übersichtsartikel zu Lavendelöl für Tiere.

Sicherheitshinweis und Qualität

Lavendelöl ist bei sachgemäßer Anwendung eines der sichersten ätherischen Öle – Voraussetzung ist jedoch, dass Sie ein 100 % naturreines Öl aus Echtem Lavendel (Lavandula angustifolia) verwenden. Synthetische, gestreckte oder falsch deklarierte Öle können andere Inhaltsstoffprofile aufweisen und höhere Risiken bergen. Worauf Sie beim Kauf achten sollten – inklusive GC/MS-Analysen und Bio-Zertifizierungen –, erfahren Sie im Kaufratgeber. Detaillierte Informationen zu allen Wirkmechanismen von Lavendelöl finden Sie im Wirkungsartikel. Hinweise zur Sicherheit ätherischer Öle allgemein bietet der übergeordnete Ratgeber.

Konsultieren Sie bei bestehenden Beschwerden, Vorerkrankungen oder der Einnahme von Medikamenten immer einen Arzt oder Apotheker, bevor Sie Lavendelöl anwenden. Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung.

Häufige Fragen

Kann Lavendelöl tödlich sein?

Für Erwachsene ist eine tödliche Vergiftung durch Lavendelöl bei sachgemäßer äußerer Anwendung praktisch ausgeschlossen. Der LD50-Wert liegt bei Ratten bei 5,0–6,2 ml/kg Körpergewicht – auf einen 70 kg schweren Menschen hochgerechnet wären das über 350 ml reines ätherisches Öl. Für Kinder besteht jedoch ein ernstes Risiko: Bereits 2–3 ml verschlucktes Lavendelöl können schwere Sedierung und neurologische Symptome auslösen. Ätherisches Lavendelöl sollte daher immer kindersicher aufbewahrt werden.

Darf man Lavendelöl pur auf die Haut auftragen?

Die unverdünnte Anwendung von Lavendelöl auf der Haut wird nicht empfohlen. Auch wenn Echtes Lavendelöl als vergleichsweise mild gilt, kann die konzentrierte Anwendung Kontaktdermatitis, Rötungen und Sensibilisierung verursachen – insbesondere bei oxidiertem Öl. Verdünnen Sie Lavendelöl immer mit einem Trägeröl (z. B. Jojoba- oder Mandelöl) auf maximal 3 % für Erwachsene. Einzige Ausnahme: Ein einzelner Tropfen auf einen Insektenstich ist bei Erwachsenen in der Regel unproblematisch.

Verursacht Lavendelöl Brustwachstum bei Jungen?

Einzelne Fallberichte seit 2007 beschreiben ein Brustwachstum (Gynäkomastie) bei Jungen vor der Pubertät nach regelmäßiger Anwendung lavendelhaltiger Produkte. In-vitro-Studien zeigen schwach östrogene Eigenschaften einiger Lavendelöl-Bestandteile. Allerdings konnte eine epidemiologische Studie mit 556 Kindern (2022) kein erhöhtes Risiko bestätigen, und unabhängige Labortests nach regulatorischen Standards konnten die östrogene Wirkung von Linalool und Linalylacetat nicht reproduzieren. Die Datenlage ist widersprüchlich; als Vorsichtsmaßnahme sollte großflächiger, täglicher Hautkontakt bei prepubertären Jungen vermieden werden.

Welche Medikamente vertragen sich nicht mit Lavendelöl?

Lavendelöl kann die Wirkung von Sedativa, Benzodiazepinen, Barbituraten und Schlafmitteln verstärken und so zu übermäßiger Schläfrigkeit führen. Bei gleichzeitigem Alkoholkonsum wird dieser Effekt intensiviert. Auch bei blutdrucksenkenden Medikamenten ist Vorsicht geboten, da Lavendelöl den Blutdruck zusätzlich senken kann. Das standardisierte Präparat Silexan zeigte in Studien keine klinisch relevanten Wechselwirkungen mit Cytochrom-P450-Enzymen – dennoch sollten Sie bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme Ihren Arzt konsultieren.

Wie lange ist geöffnetes Lavendelöl haltbar?

Korrekt gelagertes Lavendelöl (Dunkelglasflasche, gut verschlossen, kühl unter 25 °C) bleibt nach dem Öffnen etwa 1–2 Jahre verwendbar. Danach steigt die Konzentration allergener Oxidationsprodukte (Linalool-Hydroperoxide) deutlich an. Ein Lavendelöl, das ungewöhnlich stechend oder ranzig riecht, sollte nicht mehr auf der Haut angewendet werden. Frische, Qualität und korrekte Lagerung sind die wichtigsten Faktoren, um Nebenwirkungen zu vermeiden.

Quellen

  1. European Chemicals Agency (ECHA). Registration Dossier – Lavender oil: Acute oral toxicity. LD50 oral (Ratte): 5,0 ml/kg (weiblich), 6,2 ml/kg (männlich). Abrufbar unter: echa.europa.eu
  2. Hagvall, L., & Christensson, J. B. (2016). Patch Testing with Main Sensitizers Does Not Detect All Cases of Contact Allergy to Oxidized Lavender Oil. Acta Dermato-Venereologica, 96(5), 679–683. doi:10.2340/00015555-2319
  3. Lee, K. A., Harnett, J. E., & Cairns, R. (2020). Essential oil exposures in Australia: Analysis of cases reported to the NSW Poisons Information Centre. The Medical Journal of Australia, 212(3), 132–133. doi:10.5694/mja2.50403
  4. Ramsey, J. T., Li, Y., Arao, Y., Naidu, A., Coons, L. A., Diaz, A., & Korach, K. S. (2019). Lavender Products Associated With Premature Thelarche and Prepubertal Gynecomastia: Case Reports and Endocrine-Disrupting Chemical Activities. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 104(11), 5393–5405. doi:10.1210/jc.2018-01880
  5. Hawkins, J., et al. (2022). Prevalence of endocrine disorders among children exposed to Lavender Essential Oil and Tea Tree Essential Oils. International Journal of Environmental Research and Public Health. PMC9152575
  6. Kasper, S., et al. (2017). Silexan in anxiety disorders: Clinical data and pharmacological background. World Journal of Biological Psychiatry, 19(sup1), S2–S11. doi:10.1080/15622975.2017.1331046
  7. Mekonnen, A., Tesfaye, S., Christos, S. G., Dires, K., Zenebe, T., Zegeye, N., Shiferaw, Y., & Lulekal, E. (2019). Evaluation of Skin Irritation and Acute and Subacute Oral Toxicity of Lavandula angustifolia Essential Oils in Rabbit and Mice. Journal of Toxicology, 2019, 5979546. doi:10.1155/2019/5979546
  8. Landelle, C., Francony, G., Sam-Laï, N. F., Gaillard, Y., Vincent, F., Wrobleski, I., & Danel, V. (2008). Poisoning by lavandin extract in a 18-month-old boy. Clinical Toxicology, 46(4), 279–281. doi:10.1080/15563650701281098
  9. Poison Control (USA). How safe is lavender oil? Abrufbar unter: poison.org/articles/lavender-oil
  10. Sköld, M., Hagvall, L., & Karlberg, A. T. (2008). Autoxidation of linalyl acetate, the main component of lavender oil, creates potent contact allergens. Contact Dermatitis, 58(1), 9–14. doi:10.1111/j.1600-0536.2007.01262.x
  11. Hagvall, L., Sköld, M., Bråred-Christensson, J., Börje, A., & Karlberg, A. T. (2008). Lavender oil lacks natural protection against autoxidation, forming strong contact allergens on air exposure. Contact Dermatitis, 59(3), 143–150. doi:10.1111/j.1600-0536.2008.01422.x
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