Echtes ätherisches Lavendelöl lässt sich zu Hause durch Wasserdampfdestillation gewinnen – das einzige Verfahren, mit dem Sie die flüchtigen Aromastoffe des Echten Lavendels (Lavandula angustifolia) tatsächlich als konzentriertes ätherisches Öl isolieren. Anders als beim Kaltauszug mit einem Trägeröl entsteht bei der Destillation ein reines, hochwirksames Öl mit einem Linalool-Gehalt von 25–38 % und einem Linalylacetat-Anteil von 25–45 % – vergleichbar mit handelsüblichen Produkten.[1]
Die Methode basiert auf einem einfachen physikalischen Prinzip: Wasserdampf durchdringt das Pflanzenmaterial, löst die ölhaltigen Verbindungen aus den Drüsenhaaren der Blüten und transportiert sie in einen Kühler. Dort kondensiert das Dampf-Öl-Gemisch, und weil ätherisches Öl leichter als Wasser ist, lässt es sich im Auffanggefäß abscheiden. Als wertvolles Nebenprodukt entsteht Lavendelhydrolat – aromatisches Pflanzenwasser mit eigenen Anwendungsmöglichkeiten.

Dieser Artikel begleitet Sie Schritt für Schritt durch den gesamten Destillationsprozess: von der Wahl des passenden Geräts über die Ernte und Vorbereitung der Blüten bis hin zum Auffangen und Lagern Ihres selbst destillierten Lavendelöls. Einen Überblick über alle Methoden zur Herstellung von Lavendelöl – einschließlich Kaltauszug und Warmauszug – finden Sie im Ratgeber Lavendelöl selber machen.
Auf einen Blick
- Methode: Wasserdampfdestillation ist das einzige Heimverfahren, das echtes ätherisches Lavendelöl liefert – kein Mazerat, sondern konzentriertes Öl.
- Ausbeute: Aus ca. 400 g getrockneten Blüten gewinnen Sie etwa 20–25 ml ätherisches Öl; für 1 Liter brauchen Sie rund 100–150 kg Blütenmaterial.[2]
- Destillationsdauer: Die optimale Ausbeute wird nach 60–90 Minuten Destillationszeit erreicht.[3]
- Erntezeitpunkt: Vollblüte bis leichtes Verblühen, vormittags nach dem Abtrocknen des Taus – dann ist der Ölgehalt am höchsten.
- Nebenprodukt: Lavendelhydrolat (Blütenwasser) entsteht als wertvolles Destillat mit antimikrobiellen Eigenschaften und eignet sich als Gesichtswasser oder Raumspray.[4]
- Gerätekosten: Einstiegs-Destillen aus Glas oder Kupfer sind ab ca. 80–150 € erhältlich; professionelle Kupferdestillen kosten 300–800 €.
Was ist Wasserdampfdestillation?
Wasserdampfdestillation ist ein thermisches Trennverfahren, bei dem heißer Wasserdampf durch Pflanzenmaterial geleitet wird, um flüchtige Aromastoffe zu lösen und anschließend durch Kondensation als ätherisches Öl aufzufangen. Das Verfahren nutzt die Tatsache, dass sich die Dampfdrücke von Wasser und ätherischem Öl addieren. Dadurch verdampfen die Pflanzeninhaltsstoffe bereits unter 100 °C – das schont die empfindlichen Moleküle wie Linalool und Linalylacetat.[1] Der Siedepunkt von Lavendelöl liegt bei etwa 96 °C; sobald das Wasser im Kessel kocht, hat das ätherische Öl also bereits begonnen zu verdampfen.[5]
Der Prozess läuft in vier Phasen ab:
- Verdampfen: Wasser im Kessel wird erhitzt, der Dampf steigt durch ein Sieb oder einen Aromakorb nach oben durch das Pflanzenmaterial.
- Lösen: Der heiße Dampf öffnet die Drüsenhaare der Lavendelblüten und nimmt die ätherischen Ölmoleküle mit.
- Kondensieren: Das Dampf-Öl-Gemisch wird in einer wassergekühlten Kühlschlange (Kondensator) wieder verflüssigt.
- Trennen: Im Auffanggefäß setzt sich das ätherische Öl als dünne Schicht oben ab, da seine Dichte (ca. 0,89 g/ml) geringer ist als die von Wasser.[2] Das darunterliegende Wasser ist das Hydrolat.
Entscheidend für die Qualität: Die Lavendelblüten dürfen keinen direkten Kontakt mit dem kochenden Wasser haben. Bei der reinen Wasserdampfdestillation liegen sie auf einem Sieb oberhalb des Wasserspiegels. Werden die Blüten direkt ins Wasser gelegt, spricht man von Hydrodestillation – diese Variante funktioniert ebenfalls, kann aber durch den direkten Wasserkontakt leichte Veränderungen in der Ölzusammensetzung verursachen.[6]
Welche Destille eignet sich für zu Hause?
Für die Heimdestillation von Lavendelöl stehen drei Gerätetypen zur Verfügung, die sich in Preis, Handhabung und Ölqualität unterscheiden. Die Wahl hängt davon ab, wie viel Pflanzenmaterial Sie verarbeiten möchten und ob Sie das Destillieren als Hobby oder regelmäßig betreiben.
Kupferdestille (Leonardo-Typ)
Die traditionelle Kupferdestille – oft nach Konstruktionsskizzen Leonardo da Vincis gebaut – gilt als Goldstandard für die Heimdestillation. Kupfer bindet Schwefelverbindungen und sorgt für ein reineres, runderes Aromaergebnis. Typische Kesselgrößen liegen bei 2–5 Litern für Einsteiger und 10–30 Litern für ambitionierte Hobbydestillateure. Modelle mit Aromakorb und integrierter Kühlung sind ab ca. 200–400 € erhältlich, hochwertige Varianten mit 20+ Litern Fassungsvermögen kosten 500–800 €. Vorteil: langlebig, hervorragende Ölqualität, schönes Handwerksobjekt. Nachteil: höherer Preis, aufwändiger zu reinigen.
Glasdestille
Labordestillen aus Borosilikatglas bieten den Vorteil, dass Sie den Destillationsprozess visuell verfolgen können – ideal zum Lernen. Sie bestehen typischerweise aus Rundkolben, Dampfüberleitung, Liebig-Kühler und Auffangkolben. Einstiegssets sind ab 80–150 € erhältlich. Vorteil: günstiger Preis, leicht zu reinigen, Prozess sichtbar. Nachteil: zerbrechlich, kleinere Kapazität (meist 1–2 Liter), keine Schwefelverbindung-Filterung durch Kupfer.
Schnellkochtopf-Umbau
Ein Schnellkochtopf lässt sich mit einem angeschlossenen Silikonschlauch und einem Kühlelement (z. B. Kupferspirale in einem Eimer mit kaltem Wasser) zur improvisierten Destille umbauen. Kosten: 30–60 € zusätzlich zum vorhandenen Topf. Vorteil: günstig, großes Volumen (6–10 Liter). Nachteil: schwer zu regulieren, keine saubere Dampfführung, Öl-Qualität variiert stark. Dieser Ansatz eignet sich für erste Experimente, nicht aber für regelmäßiges Destillieren hochwertiger ätherischer Öle. Tipps zur Destillation weiterer Pflanzen finden Sie in unserem Ratgeber Ätherische Öle selber machen.
Einen umfassenden Vergleich aller Herstellungsverfahren – inklusive Herstellung ätherischer Öle im Allgemeinen – finden Sie in unserem Grundlagenartikel.
Wann und wie erntet man Lavendel zum Destillieren?
Der ideale Erntezeitpunkt für die Destillation liegt in der Vollblüte, wenn etwa 50–90 % der Blüten am Stängel geöffnet sind – dann erreicht der Gehalt an ätherischem Öl sein Maximum.[5] Einige erfahrene Destillateure warten sogar, bis die Blüten leicht zu verblühen beginnen und die Farbe ins Gräuliche wechselt, da die trockenen Samenstände besonders ölreich sind.[7]
Ernten Sie am besten vormittags nach dem Abtrocknen des Taus, aber vor der Mittagshitze. An heißen Tagen gibt der Lavendel über seine Blüten ätherisches Öl an die Umgebungsluft ab – ein natürlicher Mechanismus zur Temperaturregulierung, der Ihre Ausbeute mindert. Zwei bis drei sonnige Tage vor der Ernte sind ideal, da Regen den Ölgehalt kurzzeitig reduziert.[5]
Für die Heimdestillation lohnt es sich, möglichst nur die Blüten ohne lange Stängel zu schneiden. Die Blüten enthalten den höchsten Ölanteil; Stängel nehmen Platz im Kessel weg und tragen kaum zur Ausbeute bei. Schneiden Sie die Blütenstände knapp unterhalb der ersten Blüte ab.
Frisch oder getrocknet destillieren? Beides funktioniert. Frisch geernteter Lavendel liefert ein Öl mit frischerer, grünerer Duftnote. Getrockneter Lavendel (2–5 Tage im Schatten luftgetrocknet) ergibt ein blumigeres, tieferes Aroma und hat den praktischen Vorteil, dass Sie mehr Material in den Kessel passen – die Ausbeute pro Füllung steigt dadurch deutlich.[7] Trockenes Pflanzengut saugt allerdings einen Teil des Wasserdampfs auf. Befeuchten Sie stark getrocknete Blüten vor der Destillation leicht mit einer Sprühflasche, damit die Destille nicht trockenläuft.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Lavendelöl destillieren
Die folgende Anleitung beschreibt den Ablauf mit einer typischen Kupfer- oder Glasdestille mit Aromakorb. Passen Sie Mengen und Zeiten an Ihr Gerät an.
Schritt 1: Destille vorbereiten
Füllen Sie den Kessel mit weichem Wasser (stilles Mineralwasser oder gefiltertes Leitungswasser) bis knapp unter den Aromakorb bzw. das Sieb. Das Pflanzenmaterial darf nicht im Wasser stehen. Bei einer 5-Liter-Destille sind das typischerweise 1–1,5 Liter Wasser. Schließen Sie die Kühlwasserzufuhr an und stellen Sie ein sauberes Glasgefäß unter den Auslauf des Kondensators.
Schritt 2: Lavendelblüten einfüllen
Füllen Sie die Lavendelblüten fest in den Aromakorb oder auf das Sieb. Drücken Sie das Material gleichmäßig zusammen, um Lufteinschlüsse zu vermeiden – der Dampf soll gleichmäßig durch die gesamte Pflanzenmasse strömen. Für eine 5-Liter-Destille benötigen Sie je nach Trocknungsgrad 200–400 g Blüten.
Schritt 3: Erhitzen und Destillieren
Erhitzen Sie den Kessel zunächst auf voller Stufe. Sobald der erste Dampf sichtbar wird, reduzieren Sie die Hitze so, dass ein gleichmäßiger, moderater Dampfstrom entsteht – zu starkes Kochen drückt Wasser in den Aromakorb und mindert die Ölqualität. Starten Sie die Kühlwasserzufuhr, wenn die Temperatur im Kessel ca. 65 °C erreicht. Das Kondensat sollte lauwarm aus dem Kühler tropfen, nicht heiß.[8]
Schritt 4: Destillat auffangen
Fangen Sie das Kondensat in einem schmalen, hohen Glasgefäß auf (z. B. ein Messzylinder oder ein schmales Einmachglas). So bildet sich eine dickere Ölschicht, die leichter abzuschöpfen ist. Die Destillation dauert je nach Gerätegröße 45–120 Minuten. Studien zeigen, dass die maximale Ölausbeute nach etwa 60 Minuten erreicht wird; nach 90 Minuten kommen nur noch marginale Mengen hinzu.[3]
Schritt 5: Öl und Hydrolat trennen
Lassen Sie das aufgefangene Destillat mindestens 12 Stunden ruhen. Das ätherische Öl setzt sich als dünne, gelbliche Schicht oben ab. Schöpfen Sie es vorsichtig mit einer Pipette oder einem kleinen Löffel ab. Alternativ verwenden Sie einen Scheidetrichter, bei dem Sie das schwerere Hydrolat unten abfließen lassen. Das verbleibende Wasser ist Ihr Lavendelhydrolat – nicht wegschütten!
Wie viel Lavendelöl ergibt eine Destillation?
Die Ausbeute bei der Heimdestillation liegt zwischen 0,5 % und 6,8 % bezogen auf die Trockenmasse der Blüten, wobei Werte von 4–6 % unter optimalen Bedingungen realistisch sind.[2] Konkret bedeutet das: Aus 400 g getrockneten Blüten des Echten Lavendels gewinnen Sie etwa 20–25 ml ätherisches Öl und ca. 1–1,5 Liter Hydrolat.[7]
Für die Produktion von 1 Liter reinem ätherischem Lavendelöl sind rund 100–150 kg Blüten nötig – bei Lavandin-Hybriden genügen 20–40 kg, da deren Ölgehalt deutlich höher liegt. Das verdeutlicht, warum professionelle Lavendelölproduktion große Anbauflächen erfordert und warum hochwertiges Lavendelöl in der Anschaffung seinen Preis hat.
Die Ausbeute beeinflusst eine ganze Reihe von Faktoren:
- Pflanzenteil: Reine Blüten liefern die höchste Ausbeute; Stängel senken das Verhältnis.
- Trocknungsgrad: Leicht angetrocknete Blüten (2–3 Tage) ergeben oft mehr Öl als frische, da der Wasseranteil reduziert ist und mehr Material in den Kessel passt.
- Destillationsdauer: Nach 60 Minuten ist der Großteil des Öls gelöst; längeres Destillieren verändert die Zusammensetzung – der Camphergehalt steigt, während der Linalylacetat-Anteil sein Maximum bei ca. 30 Minuten erreicht.[3]
- Sorte: Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) liefert 0,5–1,5 % Ausbeute bezogen auf frisches Kraut; Lavandin (Lavandula × intermedia) erreicht 2–5 %. Die Sortenunterschiede erläutert unser Artikel zur Lavendelöl-Wirkung genauer.
Was ist Lavendelhydrolat und wofür wird es verwendet?
Lavendelhydrolat (auch Lavendelblütenwasser oder Hydrolat genannt) ist das aromatische Wasser, das bei der Destillation als Hauptprodukt neben dem ätherischen Öl entsteht. Es enthält wasserlösliche Pflanzeninhaltsstoffe sowie eine geringe Menge gelöster ätherischer Ölbestandteile – vor allem Linalool und Borneol.[4] Der Duft ist sanfter und krautiger als der des reinen ätherischen Öls.
Lavendelhydrolat besitzt nachgewiesene antimikrobielle Eigenschaften und kann in kosmetischen Formulierungen als natürlicher Konservierungsstoff dienen.[9] Typische Anwendungen:
- Gesichtswasser: Direkt auf die Haut sprühen oder mit einem Wattepad auftragen – wirkt hautberuhigend und leicht klärend
- Raumspray: Pur in eine Sprühflasche füllen für natürlichen Lavendelduft
- Haarpflege: Als Spülung nach der Haarwäsche für Glanz und leichten Duft
- Kissenspray: Vor dem Schlafengehen aufs Kopfkissen sprühen
- Kompressen: Getränkte Tücher als kühlende Kompresse bei leichten Hautreizungen
Lagern Sie Hydrolat im Kühlschrank in einer sauberen Glasflasche. Aufgrund des geringen Ölgehalts ist es weniger stabil als reines ätherisches Öl und sollte innerhalb von 6–12 Monaten verbraucht werden. Für alle weiteren Anwendungsmethoden von Lavendelöl verweisen wir auf unseren Übersichtsartikel.
Wie gut ist selbst destilliertes Lavendelöl im Vergleich zum Kaufprodukt?
Selbst destilliertes Lavendelöl aus dem Echten Lavendel kann qualitativ an professionelle Produkte heranreichen – vorausgesetzt, Pflanzenmaterial, Erntezeitpunkt und Destillationstechnik stimmen. Die chemische Zusammensetzung hochwertigen Lavendelöls umfasst laut ISO 3515:2002 einen Linalool-Anteil von 25–38 % und einen Linalylacetat-Anteil von 25–45 %.[1] Ob Ihr Heimprodukt diese Norm erfüllt, lässt sich nur durch eine Gaschromatographie-Analyse (GC/MS) feststellen – die ohne Laborausstattung nicht möglich ist.
Die häufigsten Qualitätsunterschiede zwischen Heim- und Profidestillation:
| Kriterium | Heimdestillation | Professionelle Produktion |
|---|---|---|
| Temperaturkontrolle | Manuell, weniger präzise | Automatisiert, exakt steuerbar |
| Dampfführung | Kleinere Kessel, kürzerer Dampfweg | Optimierte Dampfverteilung |
| Ausbeute | 1–6 % (variable Chargen) | 4–6 % (standardisiert) |
| Qualitätskontrolle | Organoleptisch (Geruch, Farbe) | GC/MS-Analyse, ISO-zertifiziert |
| Reinheit | Gelegentlich Wasserrückstände | Mehrfach gefiltert |
Für die Aromatherapie, Hautpflege und den Eigengebrauch ist selbst destilliertes Lavendelöl eine wunderbare Option. Für medizinische Anwendungen oder die Weiterverarbeitung in Kosmetikprodukten empfiehlt sich der Kauf eines GC/MS-geprüften Öls – die Sicherheits- und Dosierungshinweise sollten Sie in jedem Fall beachten.
Wie lagert man selbst destilliertes Lavendelöl richtig?
Ätherisches Lavendelöl ist lichtempfindlich, oxidationsanfällig und flüchtig – drei Eigenschaften, die bei falscher Lagerung die Qualität innerhalb weniger Monate zerstören. Füllen Sie das fertige Öl in kleine Braunglasflaschen (5 ml oder 10 ml) und befüllen Sie diese möglichst randvoll, um den Luftraum zu minimieren. Verschließen Sie die Flaschen sofort mit einer Schraubkappe mit PE-Einsatz.
Lagern Sie die Flaschen an einem kühlen, dunklen Ort bei 15–20 °C. Direkte Sonneneinstrahlung und Temperaturen über 25 °C beschleunigen die Oxidation, insbesondere des empfindlichen Linalylacetats.[6] Bei korrekter Lagerung hält selbst destilliertes Lavendelöl 2–3 Jahre, wobei der Duft im ersten Jahr am intensivsten ist.
Beschriften Sie jede Flasche mit Sorte, Destillationsdatum und Pflanzenteil. So können Sie Chargen vergleichen und Ihre Technik über die Jahre verbessern.
Sicherheit und Qualitätshinweise
Ätherisches Lavendelöl – ob selbst destilliert oder gekauft – ist hochkonzentriert und darf niemals unverdünnt großflächig auf die Haut aufgetragen oder eingenommen werden. Die vollständigen Sicherheitshinweise, Dosierungsempfehlungen und Kontraindikationen finden Sie in unserem Artikel zu Nebenwirkungen und Dosierung von Lavendelöl.
Wenn Sie Lavendelöl für kosmetische oder therapeutische Zwecke kaufen statt selbst herzustellen, achten Sie auf Qualitätskriterien wie Bio-Zertifizierung und GC/MS-Prüfberichte.
Häufige Fragen
Kann man Lavendelöl zu Hause destillieren?
Ja, mit einer Kupfer- oder Glasdestille lässt sich echtes ätherisches Lavendelöl per Wasserdampfdestillation zu Hause gewinnen. Sie benötigen eine geeignete Destille (ab ca. 80 €), ausreichend Lavendelblüten (mindestens 200–400 g getrocknete Blüten pro Durchgang) und etwa 2–3 Stunden Zeit. Die Ausbeute liegt bei ca. 20–25 ml ätherischem Öl pro 400 g Trockenmaterial, plus 1–1,5 Liter Hydrolat als Nebenprodukt.
Wie viel Lavendel braucht man für 10 ml ätherisches Öl?
Für 10 ml reines ätherisches Lavendelöl benötigen Sie etwa 150–200 g getrocknete Blüten des Echten Lavendels (Lavandula angustifolia). Die genaue Menge hängt von Sorte, Trocknungsgrad und Destillationstechnik ab. Lavandin-Sorten liefern eine deutlich höhere Ausbeute, haben aber ein anderes Duftprofil mit mehr Campheranteilen.
Was ist der Unterschied zwischen destilliertem Lavendelöl und einem Lavendel-Ölauszug?
Destilliertes Lavendelöl ist ein reines ätherisches Öl, das ausschließlich aus den flüchtigen Aromastoffen der Pflanze besteht – hochkonzentriert und therapeutisch wirksam. Ein Lavendel-Ölauszug (Mazerat) hingegen entsteht durch Einlegen von Blüten in ein Trägeröl wie Olivenöl oder Jojobaöl. Mazerate enthalten nur geringe Mengen ätherischer Ölbestandteile und eignen sich als milde Massageöle, sind aber für die Aromatherapie weniger geeignet. Eine Anleitung für Kaltauszüge finden Sie im Artikel Lavendelöl selber machen: Kaltauszug.
Wie lange dauert eine Lavendelöl-Destillation?
Eine vollständige Destillation dauert einschließlich Vorbereitung und Nachbereitung etwa 2–3 Stunden. Die eigentliche Destillationszeit beträgt 60–90 Minuten – Forschungsergebnisse zeigen, dass die maximale Ölausbeute nach 60 Minuten erreicht wird. Danach kommen nur noch geringe Mengen hinzu, während sich die chemische Zusammensetzung des Öls verändert: Frühe Fraktionen enthalten mehr Cineol, spätere mehr Linalylacetat.
Lohnt sich das Destillieren von Lavendelöl zu Hause finanziell?
Rein wirtschaftlich betrachtet lohnt sich die Heimdestillation nur, wenn Sie eigenen Lavendel im Garten anbauen. Ein 10-ml-Fläschchen hochwertiges Bio-Lavendelöl kostet im Handel 5–12 €, während allein die Anschaffung einer Destille bei 80–400 € liegt. Der eigentliche Wert liegt im Wissen um die Herkunft Ihres Öls, im handwerklichen Erlebnis und in der Gewinnung von Hydrolat als Zusatzprodukt. Viele Hobbydestillateure verarbeiten im Laufe des Jahres auch andere Pflanzen wie Rosmarin, Pfefferminze oder Rose.
Quellen
- Kozuharova, E., Guillen, M. D., & Guillen, L. (2023). Chemical composition and comparative analysis of lavender essential oil samples from Bulgaria in relation to pharmacological effects. Pharmacia, 70(2), 371–383. doi:10.3897/pharmacia.70.e104404
- Haigh, L., Haigh, A., & Harrison, D. (2022). Extraction of Essential Oils from Lavandula × intermedia 'Margaret Roberts' Using Steam Distillation, Hydrodistillation, and Cellulase-Assisted Hydrodistillation. Processes, 10(12), 2714. doi:10.3390/pr10122714
- Zheljazkov, V. D., Cantrell, C. L., Astatkie, T., & Jeliazkova, E. (2013). Distillation time effect on lavender essential oil yield and composition. Journal of Oleo Science, 62(4), 195–199. doi:10.5650/jos.62.195
- Kunicka-Styczyńska, A., Smigielski, K., Prusinowska, R., Rajkowska, K., Kusmider, B., & Bialas, M. (2014). Preservative activity of lavender hydrosols in moisturizing body gels. Letters in Applied Microbiology, 60(6), 581–588. doi:10.1111/lam.12346
- The Essential Oil Company. (2022). Distilling Lavender Essential Oil. Abgerufen von essentialoil.com/blogs/news/distilling-lavender-essential-oil
- Schmaus, G., & Kubeczka, K. H. (1985). The Influence of Isolation Conditions on the Composition of Essential Oils Containing Linalool and Linalyl Acetate. In: Essential Oils and Aromatic Plants. Springer, Dordrecht. doi:10.1007/978-94-009-5137-2_10
- Destille.at. (2023). Lavendelöl selbst herstellen: Ätherisches Öl und Hydrolat aus Lavendel destillieren. Abgerufen von aetherischesoel.at/spezialitaeten/lavendel
- Olionatura. (2025). Hydrolate destillieren – Schritt für Schritt erklärt. Abgerufen von olionatura.de/basiswissen/pflanzen-verarbeiten/hydrolate-destillieren
- Dagli, N., Dagli, R., Mahmoud, R. S., & Baroudi, K. (2021). Chemical Composition and Assessment of Antimicrobial Activity of Lavender Essential Oil and Some By-Products. Molecules, 26(17), 5311. doi:10.3390/molecules26175311
- Singh, B., Sood, M., Gupta, R., & Kumar, A. (2022). Essential Oil Content and Compositional Variability of Lavandula Species Cultivated in the Mid Hill Conditions of the Western Himalaya. Plants, 11(11), 1507. doi:10.3390/plants11111507